Von der Nord- in die Ostsee

15./16. August 2022

Wir sind also tatsächlich wieder in Deutschland angekommen und liegen im Burkana Hafen im Süden von Borkum. Hier war ich schon einmal 2015 bei der Überführung unserer damals brandneuen Samai von Frankreich nach Deutschland kurz drin. An die Liegeplätze für Segler kann ich mich nicht erinnern. Ist ja auch schon ein paar Jahre her. Doch trotz der neuen(?) Plätze reicht der Platz kaum. Wir gehen als drittes Boot ins Päckchen und werden sogleich von unserem Nachbarn auf seine morgige Abfahrzeit hingewiesen: 6:30 Uhr. Wenn ein Innenlieger im Päckchen losfährt, müssen die Außenlieger Platz machen. Im Grunde passt das aber ganz gut. Damit steht nun auch unsere Abfahrtszeit fest. Sehr zum Leidwesen des vierten Päckchenliegers, der noch längsseits geht. Die Crew kommt erst spät zurück an Bord, ist aber nach kurzem Anklopfen zum Sonnenaufgang schnell draußen um Platz zu machen.

Burkana-Hafen Borkum
Die andere Seite von Borkum

Eigentlich hoffen wir ja darauf noch ein paar Meilen segeln zu können. Das ist in der Nordsee mit ihren oft westlichen Winden eigentlich nicht zu viel verlangt. Heute schon. Wir haben leider keine Zeit, um auf die perfekten Bedingungen zu warten und freuen uns schon darüber, keinen Gegenwind zu bekommen. Dazu sorgt die frühe Abfahrt dafür, dass wir den ganzen Vormittag vom Gezeitenstrom angeschoben werden. So ziehen nach und nach die Ostfriesischen Inseln vorbei… Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und schließlich Wangerooge.

Wangerooge

Zu unserer großen Freude haben wir vor der Ems- und Wesermündung weniger Gegenstrom als befürchtet. Eigentlich versetzt es uns vor allem zur Seite. Die Ebbe verstärkt die Strömung der Flüsse. Damit macht es aber auch absolut keinen Sinn, jetzt schon in die Elbe einzufahren. Wir kämen kaum voran und dürfen als Sportboot ohnehin nicht nachts durch den Nordostseekanal (NOK) fahren. Kurz nach 19 Uhr fällt der Anker vor dem Scharhörner Watt. Gefühlt mitten im Nirgendwo einer weiten Wasserfläche. Einige Fischer gehen ihrer Arbeit nach. Diverse Frachter und Tanker liegen weiter draußen auf Reede. Abendessen. Ausruhen.

Von „malerischen“ Schiffsabgasen vernebelte Windräder in der Wesermündung

Um Mitternacht geht es weiter. Inzwischen strömt die Flut elbeaufwärts. Perfekt für eine schnelle Passage. Die Lichter von Cuxhafen fliegen an Steuerbord vorbei. Nach nur 4½ Stunden erreichen wir den Warteplatz für Sportboote, die bei Brunsbüttel in den Kanal schleusen wollen. Und wir warten nicht lange. Zusammen mit einem anderen gerade eingetroffenen Segler werden wir um 5 Uhr in den Nordostseekanal eingelassen. Das mit den Schleusen haben wir ja gerade in der Staande Mastroute ausgiebig geübt. Klappt.

Noch ist es recht dunkel. Müssen wir in den kleinen Hafen abbiegen? Ich frage über Funk bei der Schleuse, wann im Sinne der NOK-Schifffahrt gerade „Nacht“ ist. Die erfreulich Antwort lautet, dass wir schon in der sog. Tagfahrzeit seien. Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Kollege evtl. vergessen hat, die Stunde Sommerzeit auf die in der Tabelle angegeben Zeiten zu rechnen?! Egal. Wir motoren direkt weiter.

Die Passage durch den NOK zieht sich. Knapp 100km quer durch Schleswig-Holstein. Immer wieder teilen wir uns das Fahrwasser mit großen Pötten. Kein Wunder, ist der Nordostseekanal mit über 30.000 Passagen pro Jahr doch die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Das sind mehr Schiffe als im Suez- und Panamakanal zusammen! Aufgrund der Größenbeschränkungen sieht das im Hinblick auf die transportieren Güter jedoch anders aus. Hier liegt der Suezkanal mit weitem Abstand vorne.

Schwebefähre an der Rendsburger Hochbrücke (1913)
Maler gesucht?!

Nach gut 9 Stunden erreichen wir Kiel. Hier bezahlen wir am Wartesteg die seit einigen Jahren für Sportboote erhobene Gebühr und machen dem Namen unseres Liegeplatzes alle Ehre. Wir warten. Aktuell steht nur eine große (immerhin Doppel-)Schleuse zur Verfügung. Der Kanal ist in die Jahre gekommen. Erbaut Ende des 19. Jahrhunderts stammt tatsächlich ein Großteil der heute eingesetzten Technik ebenfalls noch aus dieser Zeit. Da ist es zwar erfreulich, dass in Brunsbüttel in einem laut Eigenwerbung „Jahrhundertbauprojekt“ eine neue große Schleuse gebaut wird. Das bringt nur leider wenig, wenn der Engpass auf der anderen Seite in Kiel bestehen bleibt.

Wir warten. Es hätte so schön sein können. Eigentlich wollen wir doch auch in der Ostsee gleich noch ein paar Meilen machen. Doch die Berufsschifffahrt hat Vorrang. Wir warten. Ganze drei Stunden lang. Dann endlich hat man ein Erbarmen und lässt uns „Kleinvieh“ zu einem der großen Pötte mit in die Schleuse. Am 16. August kurz vor 18 Uhr schwimmt die Samai wieder in der Ostsee.

Gut sechs Stunden motoren wir weiter einmal quer durch die zum Glück gerade ruhigen Schießgebiet der Kieler Bucht Richtung Fehmarn. Gegen Mitternacht tasten wir uns in die große Bucht vor Orth. Ein letztes Mal auf unserer kleinen Reise fällt der Anker.

2 Kommentare zu „Von der Nord- in die Ostsee“

  1. Herzlich willkommen in der Ostsee und Gratulation zur großartigen Leistung. Die Crew der INTI🌞 wünscht euch ein entspanntes Wiedereinleben und langes Nachwirken eurer gewonnenen Erfahrungen. Alles Gute von Lutz & Sabine

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