Der morbide Charme von Bridgetown

Barbados, 11. Februar 2022

Heute wollen wir einen kleinen Rundgang durch das Zentrum von Bridgetown machen. Eine Touristeninfo wäre da durchaus hilfreich. Gibt es aber nicht. Weder bei Google Maps, MapsMe oder auf Nachfrage bei einem freundlichen Bajan. So sind wir auf die in einem online gefundenen Rundgang genannten Höhepunkte einer Stadtwanderung angewiesen. Also los. Ausgangspunkt ist natürlich der alte Hafen The Careenage, in dessen altem Blackwoods Screw Dock wir das Dinghy lassen.

Unser Dinghy liegt weiter hinten im Blackwoods Screw Dock

Nur kurz durch den Independence Arch über die Brücke erreichen wir den zentralen National Heroes Square. Hier wir der aus Barbados stammenden Gefallenen der zwei Weltkriege gedacht. Es ist immer wieder ebenso erstaunlich wie unfassbar, welche Nationen in diesen zwei großen Sünden des 20. Jahrhunderts Leben gelassen haben.

Independence Arc
Independence Square

Direkt daneben zeugt das Parliament of Barbados vom schon 1639 gegründeten und damit (nach Westminster und Bermuda) drittältesten Parlament im Commonwealth. Naheliegend ertönen vom benachbarten Uhrenturm die bekannten Klänge des Big Ben. Offensichtlich ist es nicht die einzige Uhr mit dem einprägsamen Glockenspiel. Schließlich schlägt diese Uhr im Gegensatz zu den von Bord aus vernommenen Klängen pünktlich!

Die Cathedral Church of Saint Michael and All Angels ist heute leider geschlossen. So bleibt nur ein Spaziergang über den rundherum angelegten Friedhof. Sein besonderer Charme harmoniert gut mit den bisherigen Eindrücken der Stadt.

Cathedral Church of Saint Michael and All Angels

Viele Städte haben eine sogenannte „grüne Lunge“. Tiergarten, Jardin des Tuileries, Hyde Park, Central Park… und natürlich der Queen’s Park von Bridgetown. Ja, natürlich ist hier alles etwas kleiner. Aber wir sind hier ja auch nicht in eine Millionenmetropole. Die ehemalige Heimat des britischen Truppenkommandanten von Westindien ist eine erholsame Oase zwischen den geschäftigen Straßen der Stadt.

Queen’s Hourse im Queen’s Park

Danach stürzen wir uns ins Gewühl. Die Swan Street ist Fußgängern vorbehalten und dicht an dicht von kleinen und großen Geschäften gesäumt. Es ist voll hier. Für heutige Zeiten eigentlich schon ein bisschen zu voll. So etwas haben wir zuletzt in den kolumbianischen Städten Santa Marta, Bogotá und Medellín erlebt. Und davor ganz lange gar nicht.

Durch die Swan Street

Über den kleinen, zentral gelegenen Jubilee Garden spazieren wir weiter zur St. Marys Anglican Chruch. Hier ist es etwas ruhiger. Doch die Aushänge über Basar und Gottesdienste zeugen von einer Normalität, von der viele andere Länder weit entfernt scheinen.

Jubilee Garden
St. Marys Anglican Church

Unser letzter Zwischenstopp gilt dem Gelände der Nidhe Israel Synagogue and Museum, das auch einige historische Hinterlassenschaften bietet. Doch die Kinder sind müde und die Eintrittspreise für den kleinen, selbst geführten Rundgang erstaunlich hoch. So begnügen wir uns mit einem Blick von außen.

Damit findet dieser kleine Rundgang so allmählich sein Ende. Durch Straßen mit „besonderem Flair“ schlendern wir zurück zum Dinghy. Immer wieder fällt der Blick auf Kleinigkeiten. Der Gemüsestand hier, die Gesprächsrunde dort, aber auch der ins Leere starrende Bettler daneben… viele ungewohnte Eindrücke. Das Panoptikum eines Lebens, das sozialisierten Europäern fremd und faszinierend zugleich ist.

Eindrücke…

Insgesamt ist es wirklich interessant und nett hier, aber irgendwie auch nicht viel mehr. Ja, die Menschen sind sehr freundlich und aufgeschlossen. Und Liebhaber morbid-romantischen Ambientes wissen nicht, wo sie zuerst hinschauen oder -gehen sollen. Trotzdem packt es uns nicht so richtig. Vielleicht haben diverse, fast schon hochjubelnde Empfehlungen zu große Erwartungen in uns geweckt? Nun ja, wenn Barbados wirklich ein Highlight der Karibik ist, dann sind wir wohl verwöhnt… oder verdorben… oder es ist einfach nicht unser Ding. Trotzdem schön, hier zu sein und diesen Winkel der Welt zu erkunden.

Zurück am alten Hafen

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