Ankern und Baden in der Carlisle Bay

Barbados, Februar 2022

In Barbados sind gute Liegeplätze einerseits nicht wirklich rar, beschränken sich aber letztlich halt doch auf nur zwei Orte. Im Nordwesten liegt Port St. Charles. Das vorsichtig gesagt „Ressort mit gehobenen Ansprüchen“ bietet Gastliegeplätze bis zu 250 Fuß (sic!). Kleinere Segelboote wie unsere Samai werden im Falle freier Kapazitäten eher geduldet als geliebt und benötigen in jedem Fall eine gut gefüllte Bordkasse für Liegeplatzgebühr, Speisekarte des Pier One (Pizza 20+USD zzgl. 10% Service), Mietwagen und mehr. Alles in allem nicht unsere erste Wahl, zumal der Vorteil eines unkomplizierten Einklarierens in den aktuellen Zeiten wegfällt. Für die Formalitäten muss man zurzeit zwingend nach Bridgetown.

Vor der Hauptstadt liegt die große Carlisle Bay. Wir entscheiden uns für das nördliche Ende der im karibischen Vergleich erfreulich wenig überlaufenen Bucht und werfen den Anker möglichst dicht an der Küste. Hier sollte es ruhig sein. Eigentlich. Obwohl die Bucht auf der windabgewandten Seite von Barbados liegt und unser Heck in den zwei Wochen nicht einmal auch nur ansatzweise Richtung Land zeigt, so kommt doch immer mal wieder unangenehmer Seitenschwell von Süden um die Ecke gebogen und beschert uns manch unruhige Nacht.

Da wäre es auf der anderen Seite der Bucht wohl ruhiger… andererseits aber auch wieder um einiges unruhiger. Täglich fahren meist gut gefüllte Touri-Katamarane an uns vorbei Richtung Süden und entladen ihre Last dort mehrfach ins Wasser. Dazu wummert die Musik der Strandetablissements. Ja, von den täglich mehreren Kreuzfahrern mal abgesehen ist dort unten ein touristisches Zentrum der Insel. Das großen Hilton liegt nur einen Steinwurf zwischen dem kleinere Radisson Aquatica, dem Courtyard by Marriot und anderen Bettenburgen. Da bleiben wir lieber in unserer Schaukel-Ecke. Zumal andere Vorteile für sich sprechen.

Blick in den Süden der Carlisle Bay

Einerseits sind wir hier dicht am alten Hafen The Careenage. Meist fahren wir nicht bis zum kleinen Dinghy-Pier am Ende, sondern legen uns ins Blackwoods Screw Dock.

Da in der Mitte geht das alte Dock rein…
… sehr idyllisch! ;-)

Etwas abenteuerlich ist es schon, aber dafür nicht so sehr auf dem Präsentierteller und dichter an der Mülltonne. Die besteht übrigens aus einer echten, meist überfüllten und rundherum belagerten Tonne an einer Straßenecke. Und so manches Mal sehen wir eine arme Seele, die die Tüten nach brauchbaren Resten durchsucht. Doch die Abholung funktioniert offensichtlich gut. Dazu findet sich ein zwar nur leidlich sortierter, dafür aber halbwegs bezahlbarer Lebensmittelladen in Fußreichweite. Der TO-Stützpzunktleiter nennt diesen zwar nur schlicht „Supermarkt für Arme“… doch das ist uns doch egal! ;-)

Der zweite Vorteil ist die Nähe zum weniger dicht besuchten Teil des langen Sandstrandes. Hier lässt es sich entspannt in den Wellen toben, ohne ständige Angebote von Liegestühlen, Rundfahrten oder Sonstigem abwimmeln zu müssen.

Und dann schafft es unsere Wifi-Antenne auf dem Heckträger auch tatsächlich noch, ein zwar nicht beständiges, für normale Zwecke aber völlig ausreichendes und dazu kostenloses Internet an Bord zu zaubern. Lediglich bei größeren Downloads greifen wir zur Prepaid-SIM… aber fragt nicht nach dem selbst für karibische Verhältnisse bemerkenswerten GB-Preis.

Alles in allem ist die Carlisle Bay jetzt also nicht der Inbegriff einer karibisch-idyllischen Ankerbucht. Aber für unseren 2-Wochen-Zwischenstopp in Barbados ist es ob der eingeschränkten Alternativen sicher die richtige Wahl. Man muss halt nur daran denken, nachts den Fernseher vom Navi-Tisch zu nehmen… es klappert auch so schon genug in den Schapps und Fächern. Nur Schäfchen zählen ist schöner. ;-)

Unsere Samai in der Carlisle Bay