Ilha de Santa Luzia

Es war inzwischen der 1. Oktober und so langsam mussten wir uns tatsächlich mal etwas sputen. So machten wir uns am Abend auf die gut 100sm nach Santa Luzia.

In dieser Nachtfahrt hatte der Skipper dann erstmals sein neues Wachkonzept ausprobiert. Hielt ich mich bis hierher ja immer die ganze Nacht wach, legte ich mich nun für kleine Nickerchen im Cockpit hin. Und auch wenn der Handywecker auf der Brust mich alle 30-40 Minuten für einen prüfenden Rundumblick aus dem Land der Träume riss, war es insgesamt doch deutlich entspannter für mich. Selbst vor dem Hintergrund des bereits in Revierführern angedeuteten Umstands, dass die in der Karte verzeichneten Leuchttürme in der Regel eher als Tagsignal gedacht sind… geleuchtet hat zumindest auf der passierten Ilha de São Nicolau nicht ein einziger von ihnen. Interessant war auch, dass wir AIS-Signale von Schiffen in bis über 600sm Entfernung empfingen… vor der Afrikanischen Küste! Das muss dann wohl mit einer Relay-Funktion von festen AIS-Stellen auf den Inseln zu tun gehabt haben.

Ilha de Santa Luzia ist eine offiziell unbewohnte, unter Naturschutz stehende Insel und darf ohne Genehmigung nicht betreten werden. Aber davor Ankern wird ja wohl gehen. Bei unserer Ankunft in der großen Bucht war dann offensichtlich, dass diese Idee nicht sehr verbreitet ist. Von einem später weggefahrenen Fischerboot abgesehen, waren wir das einzige Boot vor diesem langen Sandstrand. Ansonsten begnügten wir uns hier mit dem Ausblick. Selbst wenn es erlaubt gewesen wäre, ließen die Wellen ein Anlanden mit dem Dinghy abenteuerlich erscheinen… kein Vergleich mit Sunny Cove!

Dazu kam ein steter, regelmäßig mit Fallböen von bis zu 8 Bft. garnierter Wind. Abends ahnten wir noch nichts schlimmes, die 50m Ankerkette hielten und sicher an Ort und Stelle. Doch am nächsten Tag trauten wir unseren Augen nicht. Das ganze Boot war vom Bug her mit einer rötlichen Sandschicht überzogen. Also wirklich alles! Auch die zusammengerollten Vorsegel, Mast, (Flaggen-)Leinen, Solarpanel, Bootshaken und alles, was sonst noch im von vorne kommenden Wind war, zeigte diese staubige Färbung.

Sogar die Rotorblätter des Windgenerators waren am Rand rot!

Das Deck wurde noch vor Ort (wieder einmal mit Salzwasser) abgespült, aber sich richtig sauber würde uns wohl erst wieder ein heftiger Regenguss waschen. Doch damit konnten wir in der trockenen subtropischen Zone wohl erstmal nicht rechnen.

Die Überfahrt Richtung Mindelo erinnerte uns dann fatal an ein Erlebnis, dass wir mit der Samai direkt auf unserem ersten Törn hatten. Von der Werft in Cherbourg ging es vor über vier Jahren Richtung Kanalinseln. Und da gibt es bei Alderney eine Passage, die in der Seekarte mit „The Swinge“ bezeichnet ist. Genau solch ein Waschmaschinengefühl hatte sich damals auch eingestellt. Hier, zwischen Santa Luzia und São Vicente war es nicht ganz so schlimm, aber trotzdem wurden wir ganz schön durchgeschüttelt. Der gut zwei Meter hohe, gleichmäßige Schwell verwandelte sich binnen Minuten in ein konfuses Wellenbild, bei dem die nun gut und gerne bis zu drei Meter hohen Wellen mal von vorne und mal von der Seite kamen. Waschmaschine eben. Doch nach etwa einer Stunde war der Spuck auch schon wieder vorbei und der Rest der Fahrt wurde deutlich entspannter. Kurz nach Mittag erreichten wir unseren letzten Stopp auf den Kap Verden… Mindelo.

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