Vom Brazo Noroeste zum Canal Ballenero – Caleta Alakush & Caleta Emilita

03. – 05. Juni 2020

Brazo Noroeste vor Seno Garibaldi

Die große Isla Gordon teilt den Beagle-Kanal an seinem westlichen Ende in die jeweils ca. 30sm langen Brazo Sudoeste und Brazo Noroeste. Letzterer ist für Segler die übliche Wahl. Er ist eingerahmt von hohen Bergen, dunkelgrünen Wäldern und schneebedeckten Gipfeln der Cordillera Darwin, welche hier über 2000m in den Himmel ragen. Meilenweit ins Landesinnere reichende Einschnitte erinnern an Norwegens Fjorde. Nur, dass hier noch Gletscher oft bis ans Wasser reichen. Seno Pia war ein solch beeindruckender Sund, bei dessen Ausfahrt wir dann auch gleich einen Vorgeschmack davon erhielten, was solche Küstenlinien für die lokalen Winde bedeuten können. Beim „Anker auf“ noch mäßig windig, blies es uns an der Mündung mit 7, in Böen 8 Windstärken (bis 38kn) von hinten hinaus. Sollten wir heute endlich mal wieder segeln können?

Ausfahrt Seno Pia

Nun ja… ich sage mal: „Es war wechselhaft.“ Der Wind pendelte ungelogen zwischen 4 und 34 Knoten und scheute sich auch nicht vor spontanen Drehern um 90°. Gerade noch ordentlich Lage geschoben, hing das Segel im nächsten Moment schon wieder schlaff runter. Bald zeigte sich steuerbord voraus die Öffnung des 11sm tiefen Seno Garibaldi an der Nordseite des Brazo Noroeste. Und das Wasser davor sah alles andere als ruhig aus. Es dauerte nicht lange und wir hatte „stabile“ 30-40kn von schräg vorne. La Skipper war natürlich hellauf begeistert und selbst der Skipper mit der Gesamtsituation dann doch etwas unglücklich. Ursprünglich wollten wir ja einen etwas längeren Schlag nördlich an der kleinen Isla Chair vorbei machen. Doch spätestens der Anblick vom Wind weiß in die Höhe getriebener Gischtwolken auf eben diesem Weg ließ uns zu Plan B wechseln. Die Isla bot schließlich auch eine bei diesen Bedingungen geschützte Bucht.

10.21 Caleta Alakush (Isla Chair)

Kurz vor der Caleta Alakush war es dann nahezu windstill. Was so ein bisschen Abdeckung doch ausmacht. Eigentlich wollten wir zum optimalen Schutz tief rein und ganz dicht an der Küste liegen, doch da machte uns eine lange, von Fischern quer über das Ende der Bucht gespannte Leine einen Strich durch die Rechnung. Es sollte nicht das letzte mal sein. Nun gut, Anker runter und rückwärts dicht an die Leine gefahren. Machen wir halt daran (und natürlich mit seitlichen Landleinen) fest.

Schon am nächsten Tag ging es weiter nach Westen. Doch zunächst schickte das hier nahezu allgegenwärtige Kelp einen freundlichen Gruß an den Anker. Nein, es sieht natürlich nicht immer so aus. Doch an Tagen wie diesen war ich immer heilfroh über die für genau solche Fälle schon in Brasilien gekaufte Machete. Sie erleichterte die meist jedoch immer noch reichlich akrobatische Befreiungsaktion schon enorm.

10.21 Caleta Alakush

10.18 Caleta Emilita (Isla O’Brien)

Beim Passieren meldete sich Alcamar Timbales kurz über Funk. Man wusste offensichtlich, wer wir waren, fragte höflich-professionell nach letzter und nächster Ankerbucht, machte aber ansonsten keinerlei Anstalten, uns auf geschlossene Grenzen anzusprechen. Sie schickten später sogar noch einen aktuellen Wetterbericht über Kurzwelle rüber. Die Chilenische Armada wurde ihrem freundlichen Ruf im Umgang nicht nur hier gerecht!

In der hübschen Caleta Emilita dann das Déjà-vu. Wieder recht gute Abdeckung, die nur ein paar Böen durchließ, aber auch wieder eine Fischerleine. Egal, das hatten wir ja schon geprobt. Nach ruhiger Nacht deutete sich dann aber erstmals ein Problem an, das uns noch länger begleiten sollte. Morgens waren die vor Abfahrt extra neu angeschafften Verbraucherbatterien spontan auf 11,4V runter. Der Batteriemonitor zeigte bei 89% die rote Warnung für „leere Batterien“. Doch diesem „Alltags(?)problem in hohen Breiten“ werden wir bei Gelegenheit sicher noch einen eigenen Eintrag widmen.

10.18 Caleta Emilita

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