Englischer Sommer

Der Solent. Das Mekka des Segelns zwischen dem Englischen Festland und der Isle of Wight. Wir liefen an einem Donnerstagmittag mit Weststrom aus Portsmouth und waren mitten drin im Regattazirkus. Mitten in der Woche. Haben die denn alle keine Arbeit? La Skipper am Steuer war jedenfalls der Verzweiflung nahe, als aus allen Richtungen immer wieder mehr oder weniger bunte Segel und dazwischen auch gerne mal eine Fähre unsere Route zu kreuzen schienen. Natürlich waren wir gegen den Wind unter Motor grundsätzlich ausweichpflichtig und so hat unser Track im Plotter auch nicht viel mit einer Geraden gemein. Bei den Needles war es dann endliche ruhiger. Also was die anderen Boote angeht. Das Wellenbild vor dieser berühmten Landmarke war eher konfus.

The Needles

Als wir dann wieder mehr oder weniger offene See erreicht hatten, sollte nun endlich der Wassermacher in Betrieb genommen werden. Also erstmal gem. Anleitung gründlich gespült und dann die Pumpe angeschaltet. Hmmm… die hört man ja gar nicht. Und irgendwie passiert da auch gar nichts. Kein Wunder, hatten sich dank loser Kabelschuhe doch zwei Kabel gelöst. Dumm nur, dass es da vier Anschlussmöglichkeiten gibt und sich die Anleitung in diesem Punkt ausschweigt. Schließlich fand ich ein Foto, auf dem man mit viel gutem Willen erkennen kann, auf welche Pins die Kabel gehören. Kabelschuhe enger gemacht, Stecker aufgesetzt, Wassermacher eingeschaltet und nun gab er auch Laut und schließlich sogar Süßwasser von sich. Als erstes wurden über den Auslassschlauch die Kanister gefüllt. Dann habe ich den Hebel unter der Spüle umgelegt um das Wasser direkt in den Wassertank umzuleiten. Der Blick auf die Tankanzeige einige Zeit später brachte jedoch keine Veränderung. Und das bei einem „Fördermenge“ von ca. 1l pro Minute. Bodenbrett rausgenommen, Blick in die Bilge, Schwimmbad vorgefunden, dummes Gesicht gemacht. Die Quelle war hinter dem Schaltpanel, da hatte sich eine Schlauchverbindung gelöst und insgesamt über 20l Wasser in die Bilge entlassen. Dabei handelt es sich aber offensichtlich um eine Sollbruchstelle, die bei einer Verstopfung vermeiden soll, dass der Druck in den Wassermacher zurückschlägt. Der wahre Übeltäter war der Umschalthebel unter der Spüle. Eine Stellung öffnete „Wassermacher – Schlauch“. Die andere dagegen öffnete „Wassertank – Schlauch“ und verschloss damit den Ausgang des Wassermachers. Das erklärt dann auch, warum beim letzten Mal Wasser bunkern das kühle Nass den Weg vom Tank über den Schlauch in die Bilge gefunden hatte. Zum Glück ließ sich der Hebel leicht ohne weitere Umbaumaßnahmen umstellen.

Torquay… findest Du unsere Samai?

Nach knapp 50sm fiel der Anker in der kreisrunden Lulworth Cove. Allerdings stand hier schon bei dem aktuellen Westwind ein etwas unangenehmer Schwell. Für den nächsten Tag sollte der Wind dann auf Süd drehen (also direkt auf die Nase… wohin denn auch sonst?!) und im Laufe des Tages auffrischen. Damit war die Bucht keine Option für längeres Verweilen und schon kurz nach Mitternacht ging es mit dem Strom nochmal gut 50sm weiter Richtung Westen nach Torquay. Die Englische Riviera. Sommer, Sonne, Strand und Spaß im milden Wasser unter blauen Himmel. Also eigentlich. Wir wurden am frühen Morgen dagegen mit 5 Bft. Südwest, tieferhängender, geschlossener Wolkendecke und Nieselregel empfangen. Der Englische Sommer zeigte sein schönstes Gesicht. Das Softeis mit Flake schmeckte trotzdem.

Doch noch sonniges Segeln in der Englischen Riviera

Immerhin klarte es am nächsten Tag etwas auf und als es weiter ging, schien tatsächlich zeitweise mal die Sonne. Nur der Wind wehte mal wieder nicht so, wie er sollte. Ob der kurzen Tagesstrecke kreuzten wir tapfer bis kurz vor „Start Point“ bevor uns dann wiederum die „Eiserne Genua“ (aka Motor) Richtung Salcombe brachte. In der „Sunny Cove“ fiel zwischen anderen Motorbooten und zwei kleinen Seglern der Anker. Auf erneute Hafengebühr konnten wir gut und gerne verzichten. Entsprechend ungläubig schauten wir auf das kleine Boot, das etwas später zwischen den Ankerliegern kreiste. Es hatte die Aufschrift „Harbour Master“. Und ja, der gute Mann wollte tatsächlich Geld dafür, dass wir autark vor Anker die Nacht hier zu verbringen gedachten. Immerhin waren es „nur“ 12 Pfund. Und er hat sogar unsere von vor vier Jahren übrig gebliebenen Guernsey-Pfund angenommen… eine Währung, die auf dem Englischen Festland sonst eher nutzlos ist.

Über den Strandausflug in dieser schönen Bucht werden wir dann bei nächster Gelegenheit gemeinschaftlich berichten…

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