Holpriger Start

Für Montag, den 8 Juli steht im Logbuch der Samai geschrieben: „0440 – Motor an, danach Leinen los“. Ja, wir sind wirklich losgekommen.

Vor einem Jahr ist unser damaliger Stegnachbar „Gepetho“ auf Ihre Atlantikrunde aufgebrochen. Die Nordsee wurde bei schönstem Wetter und guten Wind schnell passiert. Und auch auf dem TO-Seminar in Laboe wurde gesagt, dass man gleich am Anfang einen langen Schlag machen sollte… „schließlich wollt Ihr über die Weltmeere segeln!“. Auch bei uns sollte es eigentlich gleich mal ein längerer Schlag werden, Borkum als letztes mögliches Ziel in Deutschland nur ein Backup. Doch wie so oft kam es mal wieder ganz anders.

Die Weser hoch ging es mit Stromunterstützung noch ganz gut, wenn sich aufgrund des NW-Windes auch zunehmend der Effekt „Welle gegen Strom“ einstellte (die Wellen also kürzer und steiler und damit deutlich unangenehmer wurden). Bei Wangerooge nach Westen abgebogen. Hoffnungsvoller Blick auf die Windanzeige… nein, so hoch an den Wind kommen wir unter Segeln nicht im Guten ran. Also weiter unter Motor. Dazu rüttelte uns eine raue See von Steuerbord durch. Zwischendurch sind wir tatsächlich eine halbe Stunde gesegelt, aber der kombinierte Strom- und Windversatz betrug gut und gerne 20 Grad und trieb uns zielstrebig auf eine der Ostfriesischen Inseln zu. Also weiter mit der „eisernen Genua“.

Sommer auf der Nordsee

So gegen 14 Uhr hatten die Kinder dann eine grandiose Idee: „Wir wollen einen Film schauen“. Es dauerte nur knapp 20 Minuten, bis sie wieder an Deck waren und sich spontan mit „Kotzen im gemischten Doppel“ beschäftigten. Das kam dann aber doch so plötzlich, dass keine geeigneten Gefäße zur Hand waren. Nun ja, mit Feuchttüchern, Pütz und Bürste lässt sich ja fast alles irgendwie wieder sauber bekommen.

Nicht nur das… auch La Skipper lag den ganzen Tag eher zurückhaltend an und unter Deck und kämpfte mit chronischer Übelkeit. Da blieb dem Skipper keine andere Wahl als zum Wohl der Crew links abzubiegen und in den Hafen von Norderney einzulaufen. Durch das bei Windstärke 4-5 aus NW alles andere als ruhige Dovetief ging es in den Schutz der Insel und der Crew ging es schlagartig besser. Die Seebeine werden wohl erst noch wachsen müssen.

Am nächsten Morgen dann weiter. Im Hafen war der Wind zwar etwas böig, aber nicht sehr stark. Allerdings waren wir ja auch noch in der Abdeckung. Kaum um die Ecke gebogen blies es uns wieder mit gut 5 Beaufort entgegen.

Hier war die Welt noch in Ordnung!

Bei Norderney gibt es zwei Zufahrten:

  • Das uns vom Vortag bekannte Dovetief relativ dicht an der Küste.
  • Der Schluchter als betonntes Fahrwasser durch ein Flach mit laut Seekarte unter 1m Tiefe.

Letzteres schien uns bei der vorherrschenden Welle als zu riskant, daher der lange Umweg durch das Dovetief. Eine weitere grandiose Entscheidung. Man nennt es wohl „Grundsee“. Etwas, das Segler gerne vermeiden. Und wir waren offensichtlich mitten drin. Der Skipper war unter Deck gerade damit beschäftigt die Folgen eines aufgesprungenen Schapps aufzuräumen als Ihn die zarten Rufe der in Jogginghosen am Steuer inzwischen völlig durchnässten La Skipper erreichten. Nein, es regnete nicht. Es waren Brecher von 3m (sic!) die Boot und Besatzung überspülten und durchschüttelten. Das erforderte konzentriertes Steuern. Und da nicht nur die Zeit, sondern insbesondere auch die menschliche Zeitwahrnehmung ausgesprochen relativ ist, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis wir da endlich raus waren.

Lustig ging es weiter: 5 Beaufort von vorne und weiterhin 3m (immerhin nicht brechende) Welle bescherten uns auch am zweiten Tag eine lustige Motorfahrt. Das machte wenig Spaß und Sinn. Die Folge war eine weitere Planänderung: Hinter Borkum ging es wieder in den Schutz der Inseln. Aber sollte es wirklich Borkum sein? Der Yachthafen hat einen ausgesprochen schlechten Ruf und der Burkana-/Schutzhafen daneben (hier lag die Samai schon einmal vor vier Jahren bei der Überführung nach Deutschland) ist inzwischen wohl für Yachten gesperrt. Und schließlich wollten wir doch nun endlich mal aus Deutschland raus. Also ging es hinter den Inseln weiter in die seglerisch geheimnisvolle Welt des Wattenmeeres…