Willkommen auf der dunklen Seite…

Dieser Eintrag wird keine Fotos enthalten. Das liegt nicht daran, dass ich diese nicht hätte. Oh nein, in der Tat habe ich viele einschlägige Fotos gemacht. Allerdings könnte es ja sein, dass der geneigte Leser es sich mit ein paar Chips auf der heimischen Couch oder auch mit einem Sun-Downer im Cockpit gemütlich gemacht hat. Und genau aus diesem Grund gibt es dieses Mal keine Fotos.

Wir Segler, mehr noch die Bootseigner neigen ja offen gesagt zu einer selektiven Erzählweise. Gegenüber Freunden und Bekannten, insbesondere den des Segelns weniger kundigen, heben wir gerne die schönen Seiten unserer Leidenschaft hervor. Derer gibt es unbestritten sehr viele: mit leichter Brise unter Vollzeug bei strahlendem Sonnenschein dem Ziel entgegen gleiten… Tümmler, Delfine oder gar Wale, die – angeregt von guter Musik (z.B. Queen Live 1978 ;-) ) – lange das Boot begleiten… idyllische Ankerbuchten… Freiheit… Erholung… das ganz besondere Etwas und nicht zuletzt der absolute Luxus, diesem „Wassersport“ huldigen zu können.

Und dann gibt es da noch Regionen des (eigenen) Bootes von denen man zwar weiß, dass es sie gibt, die man aber ebenso gerne verdrängt, wie man einen ungeliebten Verwandten (Freunde kann man sich ja immerhin selbst aussuchen) dem Schicksal des Vergessens anheim fallen lassen würde. Und damit sind wir nun endlich beim Thema: der Fäkalientank! Oft ist er im Einsatz, sei es als Durchlauf oder Auffangbecken (Stichwort MARPOL) der Dinge, die man eigentlich nicht an Bord haben möchte. Unser Tank hat wie üblich vier mit Schläuchen versehene Öffnungen: der Zulauf vom Klo, das Absaugrohr von oben, die kleine Entlüftung (mit Geruchsfilter) und der Ablauf nach unten. Tja, und wenn letzterer verstopft ist, hört der Spaß nun wirklich auf.

Lernkurve: Liebe Deinen Fäkalientank wie dich selbst! Sei nett zu ihm, gib ihm insbesondere genug zu trinken und vergiss nie, was er für Dich leistet und was es heißt, wenn er das einmal nicht mehr tut.

Wie heißt es so schön?! Es ist nicht die Frage OB, sondern nur WANN der Skipper die Toilette auseinanderbauen muss. Dieses Thema habe ich mal ganz galant übersprungen und bin gleich zum Ausbau des ganzen Tanks übergegangen. Ich möchte uns die Details ebenso wie die Fotos ersparen, aber es ist nun einmal ein Thema, mit dem man sich früher oder später befassen muss.

Die ersten Versuche beinhalteten noch einen biegsamen Stock, Corega Tabs sowie ein noch intensiveres „Schlauchfrei“ von Yachticon. Durch die mit 12(!) Schrauben verschlossene Wartungsluke passte der Arm gerade so durch… aber so verrenkt in der Dusche hängend ist für sich genommen schon keine Freude. Immerhin konnte damit die letzte, nach dem Absaugen übrig geblieben Flüssigkeit beseitigt werden. Am Ende gab es jedoch nur eine nachhaltige Lösung: die vier mit jeweils zwei Schellen gesicherten Schläuche mussten weg und der Tank nebst unterem Schlauch raus. Nur einer gehörigen Portion – von Vorsicht unterstütztem – Glück ist es zu verdanken, dass die Bilge nichts abbekommen hat.

Der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte. Die eigentliche Verstopfung war mit einem Klopfen am Steg schnell behoben. Etwas länger dauerte die Grundreinigung unter Zuhilfenahme von Ikea-Holzschaber und Topfschwamm (die zur Freude aller den Weg in die Küche NICHT wieder gefunden haben ;-). Nur der linke, weil anscheinend weniger muskulöse Arm passte komplett durch das Loch und auch die von meiner lieben Frau kürzlich organisierten 1x-Handschuhe haben gute Dienste geleistet. Es hat sich gelohnt! „Wie neu“ wäre vielleicht etwas übertrieben, aber wir sind wirklich dicht dran gekommen.

Mit dieser zumindest für uns mehr als erfreulichen Nachricht endet auch schon diese kurze Notiz. Jeder, der das Prozedere schon einmal durchgemacht hat, genießt mein volles Verständnis und Mitgefühl. Allen Charter-Crews, die diesem Thema gerne und völlig verständlich weniger Aufmerksamkeit widmen (müssen) mein offen bekundeter Neid. Aber am Ende des Tages gehört das nun einmal dazu und unter dem Strich ist es nur ein vernachlässigbarer Schatten im Licht der Freude, die uns die Zeit auf dem Wasser beschert!

P.S. Auch für Sportboote ist es in unseren Gewässern Pflicht, einen Ausdruck der „Regeln zur Verhütung der Verschmutzung durch Schiffsmüll“ an Bord mitzuführen. Im Gegensatz zur Berufsschifffahrt müssen wir sie immerhin nicht aushängen, aber die Seite gehört definitiv in den „wichtigen Ordner“… Details beim DSV.

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