Öland – Schlösser – Kalmarsund

Gotland ist eigentlich schon eine eigene Reise von mindestens zwei Wochen wert. Allerdings haben wir bisher etwas gebummelt und bis zum Heimathafen sind es immerhin noch gut 300sm Luftlinie. Mit einem weinenden Auge sagen wir also auf Wiedersehen und freuen uns schon auf die nächste große Insel… Öland voraus.

Grankullaviken 1

Als ersten Halt haben wir uns Grankullaviken ausgesucht. Ein ehemaliger, inzwischen immer mehr verfallender Fähranleger inmitten einer großen Bucht klingt einfach zu spannend um daran vorbei zu segeln… ähem: motoren. Doch dann war es fast schon wie immer… ok, die Wellen waren nach Einfahrt in die Bucht wie erwartet weg und auch die Leere am Steg war erfreulich. Dass es insgesamt eng werden würde, war schon auf der Karte zu sehen (diverse alte Betonfundamente liegen kaum sichtbar dicht unter der Wasserlinie und die wichtigste rote Tonne war vertrieben – s.o.). Aber warum bloß muss es genau zum Anlegen wieder kräftig, natürlich ablanding „aufbriesen“… und warum bloß zeigt der Tiefenmesser plötzlich nur noch ‘—‘ an? Der nächste Morgen bringt mit einem Blick an der Bordwand hinab die Antwort:

Grankullaviken Wassertiefe klein

Nach dem Trubel von Visby ist es hier endliche wieder idyllisch ruhig. Ein anderes Segelboot, zwei Caravans und ein kleiner, schwarzer, pelziger Genosse, der – verfolgt von zwei Kindern – zwischen den Steinen rumtobt, während andere Urlauber die Sonne genießen.

Grankullaviken

Doch schon am nächsten Tag geht es weiter nach Borgholm. Laut Hafenführer ein sehr beliebter Zwischenstopp, den man nicht zu spät anlaufen sollte. Und wieder: Nachsaison! Zwar ist Hafengebühr fällig, aber diese beträgt unabhängig von der Bootsgröße weniger als 20€. Und dann sind da noch die bereits geschlossenen Sanitäreinrichtungen des Hafens. Schweren Herzens müssen wir uns also an das 4-Sterne „Hotell Borgholm“ wenden und zu unserem offen gestanden nicht sehr ausgeprägten Bedauern erfahren, dass die Nutzung des gesamten SPA-Bereiches (Swimmingpool, Sauna, Whirlpool) inklusive sei. Ein letztes Mal in diesem Urlaub hängen wir an einem Ort eine zweite Nacht dran.

Borgholm 1

Es soll ja Kinder geben, die Kultur, Geschichte, Kunst, Architektur und den Besuch entsprechender Einrichtungen in Verbindung mit ausgeprägten Spaziergängen zu schätzen wissen. Diese Kinder sind Ihren Eltern dankbar für jeden Bissen geistigen Futters. Ja, solche Kinder soll es geben, davon habe ich selbst schon einmal gelesen. Unsere Kinder sind da anders. Das ist jetzt gar nicht despektierlich gemeint. Sie sind einfach lebhaft, tendenziell unruhiger und haben recht eigene Vorstellungen von einem gelungenen Tag. Aber mit einem Schlösser-Doppelpack haben wir sie tatsächlich mal überraschen können.

Schloss Borgholm ist ja eigentlich eine vor gut 200 Jahren ausgebrannte Ruine. Aber diese wird wirklich wunderbar präsentiert. Statt einer Führung gibt es eine Handy-App mit Erklärungen, Geschichten und Musik (bisher leider nur schwedisch und englisch), das kleine Museum zeigt sehr stimmungsvoll die wechselhafte Geschichte, in einem Raum steht einsam ein Klavier an dem die Tochter mit dem kürzlich Erlerntem einen großen Raum füllen kann und nicht zuletzt findet sich auch ein Spielplatz mit Hindernisparcours.

Borgholm

Schloss Kalmar hat eine ebenso wechselhafte Geschichte, ist jedoch ungleich besser erhalten. Beim ersten Besuch mit meinem Papa konnten wir nur außen rumlaufen, diese Mal ging es hinein. Auch hier werden Geschichte und Lebensweise sehr interessant und anschaulich präsentiert – alleine die nachgebildete Festtafel veranschaulicht auf leckere Weise das Konzept der Völlerei! Und die Spielausstellung „Maja und Ihre Freunde“ lässt Kinderherzen höher schlagen. Diese Verbindung von interessanten Informationen und kindgerechten Angeboten haben wir selten so schön wie in Schweden erlebt!

Der letzte Stopp im Kalmarsund ist zugleich der vor gut einem Monat erste: Kristianopel. Auch hier stand mal eine Befestigungsanlage als Teil der wahrlich nicht immer friedlichen Geschichte von Dänemark und Schweden. Und neben dem riesigen Stellplatz für an Festungen grenzende Wohnwagenkonstruktionen gibt es einen echten Sandstrand! Nein, er ist wahrlich nicht groß, und so richtig natürlich entstanden sieht er auch nicht aus, aber es geht flach ins Wasser und im Sand kann ein großes „Dino-Gehege“ gebaut werden. Noch einmal „Spiel und Spaß für die ganze Familie“ vor den anstehenden längeren Schlägen.

Kristianopel

 

 

Gotland – oder: wie wäre es mit etwas mehr Ballast?

Und dann kam tatsächlich Wind… also so richtig zum Segeln… anfangs sogar mit Parasailor! Aber wie so oft waren es dann wieder einmal zwei Windstärken mehr als angesagt, so dass wir bei bis zu 6Bft. gerefft Richtung Südost geflogen sind. Im Grunde waren wir auf der Flucht vor solchen Ausblicken.

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Man mag es kaum glauben, aber wir sind doch tatsächlich trocken(!) in Lautershamn auf Fårö angekommen. Die Küste war früher mal ein großes Korallenriff südlich des Äquators. Inzwischen nach Norden gewandert, aus dem Wasser gehoben und zu bizarr-schönen Raukar erodiert ist gerade dieser Strand eine Fundgrube für Fossiliensammler. Im Grunde muss man sich nur hinsetzen und hinschauen, nahezu überall finden sich versteinerte Korallen, Muscheln etc… und mit zwei eifrigen Sammlern an Bord haben wir dann auch entsprechend Ballast aufgenommen.

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Nach zwei Nächten sind wir dann mit entsprechendem Tiefgang weiter nach Gotland. Kurzer Zwischenstopp im verwaisten Likershamn (sehr leckerer Räucherfisch), wo wir als drittes Segelboot im Hafen problemlos hinter den Heckbojen längsseits gehen konnten.

Merke: Vor einem Segeltörn nach Schweden unbedingt das Ende der Schulferien nachschauen und – noch wichtiger – abwarten. Man wird mit leeren Häfen belohnt!

Selbst im in der Saison gerne überfüllten Visby konnten wir am Dockspot-Steg längsseits gehen. Nur bei der Hafengebühr herrschen hier auch in der Nachsaison „dänische Verhältnisse“. Trotzdem wurde schon wieder ein Hafentag eingelegt… Bummel durch die Altstadt, Ausflug zu der Lummelundagrottan und Besuche im Mast. Auf der recht ruppigen Fahrt zur Inselhauptstadt hatte sich leider die Windanzeige verabschiedet, bei den Kabeln sieht aber alles gut aus. Immerhin haben wir ja noch ein Handwindmessgerät… und wieder bewahrheitet sich die alte Binsenweisheit, dass man möglichst für alle wichtigen Dinge an Bord eine Redundanz haben sollte.