Christliche Seefahrt oder „Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs!“

Die Seefahrt ist ja fast so alt wie die Menschheit, also zumindest das, was wir heute darunter verstehen. Interessanterweise kam einst die uneingeschränkt mächtigste Flotte aus China. Aber dann beschloss der Kaiser eine Umorientierung auf innere Angelegenheiten und die Flotte wurde eingemottet. Ganz anders in Europa. Das Zeitalter der Entdeckungen eroberte unter Kreuz und Krone die damals noch unbekannte Welt.

Unsere kleine Familie ist ja, wenn zumindest in Berlin inzwischen durchaus etwas aus der Mode geraten, durchweg katholisch getauft. Und noch in Berlin hatten wir uns auch ein kleines Kreuz für die Samai besorgt. Gerade in bisher noch nicht erlebten, aber durchaus möglichen kritischen Situationen, kann man jede Hilfe gut brauchen… und auch auf die Lieben zu Hause soll von oben gerne ein wachsames Auge geworfen werden. Alleine das mit dem Segnen des Kreuzes hatten wir daheim nicht mehr geschafft.

Die Bewohner der Kap Verden sind zu über 90% katholisch (… da kommt ja nicht mal Bayern mit ;-). Dementsprechend gibt es auch im kleinen Palmeira auf Sal eine Kirche und am Sonntag ist Gottesdienst… früh morgens um 8 Uhr! Der Skipper schwang sich also kurz nach halb acht ins Dinghy und setzte vom Ankerplatz über. Ich hatte mich in der Kirche im hinteren Bereich an den Rand gesetzt. Nach und nach (auch nach Beginn der Messe) füllte sich der Raum und schließlich wurde hinter den letzten Bänken gestanden.

Es gab keine Orgel. Die Musik wurde von einem kleinen Chor mit Gitarrenbegleitung geführt. Schöne, eingängige Melodien schwangen durch den Raum. Natürlich verstand ich kaum ein Wort. Die Lieder beinhalteten zwar hin und wieder lateinische Worte (z.B. Gloria), waren aber ebenso wie Lesungen und Predigt auf Portugiesisch. Aber wenn die Gemeinde hin und wieder mal schmunzelnd lacht, dann spürt man die postive Stimmung und Energie. Und der Ritus ist ja schließlich von zu Hause bekannt. Spätestens beim „pax decum“ (also dem allgemeinen „Gebt auch Euch diesen Frieden!“-Händeschütteln) war das einzige Bleichgesicht im Raum voll integriert. Es war wirklich ein schönes Gefühl, hier und jetzt dabei sein zu dürfen.

Nach der Messe habe ich dann noch auf den Pater gewartet. Nach dem Umziehen in der Sakristei ging er (den augenscheinlich nicht vor Ort verbleibenden Messkelch in der Hand) durch die Kirche… im regen Austausch mit der Gemeinde. Dabei nahmen – für mich völlig ungewohnt – immer wieder Menschen seine Hand und führten sie an ihre Stirn… für einen kleinen persönlichen Segen. Ich hatte auch die Gelegenheit für ein kurzes Gespräch und er entsprach gerne meiner Bitte, unser kleines Kreuz zu segnen. So hängt es nun über der Weltkarte im Salon und wacht über die Samai und ihre Crew…

Ganz liebe Grüße an Pater Desczyk von der Rosenkranz-Basilika!

P.S. Der Titel ist natürlich keine Anmaßung, sondern „nur“ das Zitat aus einem Film, den nun auch unsere Kinder mal gesehen haben (… und die Blues Brothers können schließlich auch “ Country und Western“ ;-)

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