Ein ganz normaler Samstag auf dem Wasser in Kopenhagen

Ganz schön was los hier. Und damit sind nicht nur die im Minutentakt den Nyhavn ein- und auslaufenden Sightseeing-Boote gemeint. Ein mittelgroßes Motorboot schaut vorbei und man versteht kaum noch sein eigenes Wort. Die riesigen Lautsprecher auf diesem Boot sorgen schon dafür. Nun ja, über Musikgeschmack lässt sich ja nicht streiten. Es sind wirklich sehr viele kleine motorisierte Schwimmuntersätze unterwegs. Auffallend oft mit einer Gruppe Mädels jeden Alters gefüllt. Sie feiern, trinken, singen, haben Spaß. Und die Jungs stehen dem in nichts nach. Immer wieder auch motorisierte Flöße und die Flüssigkeit bleibt wahrlich nicht nur unter dem Rumpf. Dort drüben fährt ein schon etwas größeres Motorboot am gegenüberliegenden, gut besuchten Badekai vorbei. Die Jungs darauf beugen ihre Häupter und ziehen die Hosen runter. Lautes Gejohle tönt herüber. Und damit jeder den Anblick genießen kann, wird das Ritual in den Nyhavn hinein wiederholt.

Schließlich wagen wir uns auch ins Getümmel. Das Dinghy wird zu Wasser gelassen und los geht’s. Zunächst wollen wir den Kanal rund um das Christiansborg Slot fahren. Also vom Nyhavn nach rechts und schon gut 500m weiter geht es wiederum rechts in den Kanal rein. Wirklich eine schöne Fahrt. Aber warum nur kommen uns ständig Boote aller Größe und Bauart entgegen? Das schon erwähnte Gespräch mit der Wasserschutzpolizei bringt die Erklärung. Es gibt auf Kopenhagens Wasserstraßen genau eine einzige Einbahnregelung… und wir sind natürlich gegen an gefahren. Ein Umstand, den wir jedoch lieber verschweigen. Ok, ertrinken dürfen wir… aber als Geisterbootfahrer?!?!

Danach fahren wir an der Oper vorbei Richtung „Freistadt Christiana“ und glauben uns in einer anderen Welt. Gerade noch der welligen Hektik des Hauptkanals ausgeliefert ist es hier geradezu idyllisch. Ruhiges Wasser, grüne Ufer, Badende jeden Alters, weiter hinten eine Hindernisstrecke mit Kajakstangen, Kormorane, Stand-Up-Paddler, verwitternde Bootswracks…

Letztes Ziel unserer kleinen Tour ist der Christianshavn. Schon kurz nach der Einfahrt in den engen, beidseitig mit Booten belegten Kanal (s. Beitragsbild) herrscht Verwunderung darüber, dass das nicht auch eine Einbahnwasserstraße ist. Zumindest laut Polizei. Zwei Betreuer für Mietboote hatten uns das noch anders erklärt und auch die Kapitäne der Sightseeing-Boote vertreten sicher diese Meinung. Doch im Grunde bedarf es keiner solchen Regelung, die Praxis schafft ihre Fakten.

Schon früh bemerken wir hier ein kleines Motorboot voller feiernder Damen. Mit Ausnahme der Bootsführerin. Sie hält sich am Außenborder fest und trägt als einzige eine Schwimmweste. Ganz offensichtlich eine Dänin! Immer mal wieder gehen ihre Blicke beim Versuch gerade aus zu fahren etwas schüchtern umher. Irgendwann kommt man ins Gespräch und uns wird das unfassbare Leid geklagt, dass der große Tetrapack Roséwein schon fast leer sei. Mitfühlend schicken wir im Wortsinn nüchterne Blicke des Bedauerns hinüber. Dann hat eine nur unwesentlich aufgekratzte Dame im langen roten Kleid eine großartige Idee: „Hey, we still have beer here! Do you want some?“. Diese Frage geht natürlich exklusiv an meine Mutter. Kurz danach fliegt eine kleine Büchse Dänischen Biers aus dem etwa drei Meter entfernten Partyboot zu uns ins Dinghy. Mein Vater und ich schauen traurig. Und man hat ein Einsehen: „We have more!“. Voller Enthusiasmus wird eine zweite Hilfslieferung in Angriff genommen. Nur beträgt unser Abstand inzwischen über 10 Meter. Das ist kein Hinderungsgrund! Der Arm dreht sich, die Büchse verlässt die Hand. Wie in Zeitlupe nehmen wir die in hohem Bogen verlaufende Flugbahn wahr, befürchten das Schlimmste. Doch dann landet sie unversehrt bei uns im Dinghy. Vom Ufer ertönt bewundernder Beifall!!! Letztlich prosten wir uns fröhlich zu und sind nicht mehr nur Zuschauer, sondern Teil der großen Gemeinschaft… an einem ganz normalen Samstag auf dem Wasser in Kopenhagen.

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