Fotochallenge #37 – Laterne

Aruba, 7. November 2021

Immer sonntags gibt es im Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ von ROYUSCH-UNTERWEGS den Aufruf, zu einem Thema (genau) ein Foto zu verlinken. Aktuell geht es um „Laterne“.

Heute müssen wir in der Tat nicht lange überlegen. Ok, das Foto ist schon in unserem Beitrag über Bahía de Caráquez zu sehen. Aber der ist ja nun auch schon wieder eine Weile her und der Aufruf fordert dankenswerter Weise keine Exklusivität! ;-)

Wir sind also in Ecuador, kommen aus dem Supermarkt und treten auf den leidlich beleuchteten Gehweg. Der Blick geht nach oben und erspäht die uns Licht spendende Laterne. Nun ja, zumindest ist es eine „geschützte, selbst leuchtende Lichtquelle“. Und ganz offensichtlich ist diese nicht nur für Menschen hilfreich, sondern auch bei Vögeln ausgesprochen beliebt.

Ebenso Beachtung finden sollte die Stromversorgung. Nicht nur in Ecuador, nein in ganz Südamerika sehen wir immer wieder die abenteuerlichsten Kabelkonstruktionen. Ganz offiziell so installiert. Sporadisch gehen Kabel zu einem Haus. Ob diese wiederum immer ganz offiziell da hängen, bleibt ein Geheimnis. In jedem Fall versorgen sie alles in der Umgebung mit Strom… so auch diese Laterne.

Revierführer an Bord der Samai

Stand Ende Oktober 2021

Auf Langfahrt in unbekannte Reviere ist es ungemein wichtig, ja nicht zuletzt sogar sicherheitsrelevant, die passende Reiseliteratur an Bord zu haben. Da wir etwas abseits der vielbefahrenen Barfußroute unterwegs sind, hier zur Info nicht nur für interessierte Nachahmer eine kurze Übersicht, der unseres Erachtens unverzichtbaren Revierführer entlang der Route rund Südamerika.

Für Brasilien suchen wir vergeblich nach einem gedruckten Revierführer. Fündig werden wir schließlich bei der RCC Pilotage Foundation, deren dreibändiger „Cruising Guide to the Coast of Brazil“ (Pete Hill) die ganze Küste abdeckt. Erhältlich für jeweils 5£ im Kindle-Format oder als ePUB-Version.

Für den Süden Südamerikas gibt es einen unbestrittenen Standard… fast schon ein Meisterwerk… the italian book… die blaue Bibel: der nautische Revierführer „Patagonia & Tierra del Fuego“ (Giorgio Ardrizzi, Mariolina Rolfo). Abgedeckt ist die gesamte Küste vom argentinischen Mar del Plata auf der Atlantikseite rund um Kap Hoorn bis zum chilenischen Valdivia auf der Pazifikseite. Unverzichtbar! Eine sinnvolle Ergänzung auf Pazifikseite bis hin zur peruanischen Grenze ist „Chile“ (Andy O’Grady) von der der RCCPF.

Für die Antarktis gibt es nicht so viel. Zunächst bietet wiederum die RCCPF das Buch „Cape Horn and Antarctic Waters“ (Paul Heiney) sowie das ältere „South Shetland Islands and Antarctic Peninsula“ (Noel Marshall, Pete Hill) als schmales, dafür kostenloses PDF. Darüber hinaus finden sich im Internet einige Törnberichte mit teils handgezeichneten Skizzen sowie natürlich auch auf unserer Webseite alle angefahrenen Ankerplätze mit Kartenausschnitt (British Admirality) und präziser Position.

Für Panama gibt es den ebenfalls unverzichtbaren „The Panama Cruising Guide“ (Eric Bauhaus). Mangels zuverlässiger offizieller Karten insbesondere im Bereich von San Blas / Guna Yala fährt Eric selbst für Vermessungen raus. Von diesem Buch kursieren in Seglerkreisen diverse Raubkopien. Meine Bitte an alle Segler dieses Reviers ist Fairness gegenüber Eric: Kauft das Original!

Für Kolumbien haben wir kein gedrucktes Werk an Bord. Das ist aber auch gar nicht notwendig. Von offizieller Seite gibt es als umfangreiches PDF den kostenlosen „Guía Náutica Turística de Colombia“. Auf fast 400 Seiten findet der Segler darin alles, was es einschlägig über Kolumbien zu wissen gibt. In Spanisch und Englisch! Der Downloadlink findet sich auf der Seite des Club Nautico Cartagena. Dort steht auch der sehr gute „Cartagena Guide for Cruisers“ zum ebenfalls kostenlosen Download bereit.

Für den weiteren Verlauf der südamerikanischen Küsten haben wir noch „A Cruising Guide to French Guiana, Suriname and Guyana“ (Martin Dixon-Tyrer). Wiederum eine Publikation der RCCPF zum kostenlosen Download als PDF oder ePUB, die auf 75 Seiten alle wichtigen Informationen über die drei nicht-lateinamerikanischen Länder Südamerikas bietet.

Darüber hinaus gibt es auch hilfreiche Publikationen mit größerem Fokus. Diese geben in der Regel einen guten Überblick und wertvolle Hilfe bei der Grobplanung, müssen dafür naturgemäß bei den Details Abstriche machen. Das gilt für den pandemiebedingt leider weitgehend unbenutzten „Pacific Crossing Guide“ (Kitty Van Hagen) als auch seinen „Atlantischen Zwilling“. Dagegen bieten die „Atlantic Islands“ (Anne Hammick, Hilary Keatinge, Linda Lane Thornton) alle wichtigen Informationen zu Bermuda, Azores, Madeira Group, Canary Islands and Cape Verdes.

Abschließend noch zwei unter Langfahrern sicherlich nicht unbekannte Publikationen mit dem Fokus auf weltweite Planung. An erster Stelle zu nennen ist natürlich das Standardwerk für Blauwassersegler „Segelrouten der Welt“ (Jimmy Cornell). Eine sinnvolle Ergänzung mit allgemeinen Informationen sowie für die Planung des Landfalls sind die „Blauwasserrouten“ (Rod Heikell, Andy O´Grady).

Natürlich kann diese Übersicht selbst mit dem schmalen Fokus auf unsere Fahrt rund Südamerika nicht abschließend sein. Im Gegenteil freuen wir uns besonders bei diesem Thema über Feedback und Anregungen. Mittelfristig werden wir diesen Beitrag auch in die allgemeinen Informationen auf unserer Webseite aufnehmen und dort weiter pflegen…

Bürokratie in Südamerika: Kolumbien

August/September 2021

Was die Einreise von Seglern angeht, haben die offiziellen Stellen in Kolumbien eine einfache Strategie: Keine direkte Interaktion. Es ist Pflicht, sich einen Agenten zu nehmen. Wir schreiben vorab einige in einschlägigen Führern für Cartagena gefundene Adressen an. Preislich nehmen sie sich alle nichts. 350$ muss man für den Zwangsservice einplanen. Wir entscheiden uns für José (White Light Agency). Von ihm erhalten wir einfach die netteste Antwort. Erst später stellt sich heraus, dass sein leider schon vor Jahren verstorbener Vater Manfred früher der Trans Ocean Stützpunktleiter in Cartagena war. Eine seitdem vakante Stelle.

Vor der Abfahrt müssen wir unserem Agenten Schiffspapiere, Crewliste, Pässe, das internationale Zarpe und unsere geplante Ankunftszeit (ETA) schicken. Damit meldet er uns bei den Behörden an. In Cartagena angekommen, gestalten sich die Formalitäten für uns denkbar einfach. Noch am gleichen Abend holt José die Pässe ab und bringt sie am nächsten Morgen frisch gestempelt wieder. Ich unterschreibe ihm ein paar Papiere. Danach kümmert er sich um den „temporären Import“ unserer Samai. Damit ist auch schon alles erledigt. Ach ja… ein wie auch immer gearteter, auf die Gesundheit zielender Test ist nicht nötig! Einige Tage später bekomme ich alle Unterlagen pragmatisch über WhatApp aufs Handy.

Die innerkolumbianische Weiterreise gestaltet sich noch unkomplizierter. Wir geben unserem Agenten das geplante Abreisedatum und das nächste Ziel durch, er kümmert sich um das obligatorische Zarpe. Ja, man kann hier nicht einfach mal so von Hafen zhu Hafen tingeln. Wie in den meisten zuvor besuchten süd- und mittelamerikanischen Ländern muss man auch in Kolumbien ziemlich genau wissen, wann man wohin will. Da ist es nur logisch, dass der nächste Hafen vorab über die eigenen Ankunft zu informieren ist… natürlich inklusive möglichst genauem ETA (= geschätzte Ankunftszeit).

Während in Cartagena ein „externer“ Agent notwendig ist, übernimmt das in Santa Marta die Marina. Vorab werden alle wichtigen Unterlagen (Schiffspapiere, Pässe, Einreisepapiere, Zarpe) per WhatApp zugeschickt. Der Rest geht seinen bürokratischen Gang.

Auch die Ausreise aus Kolumbien stellt sich für die bekannten Verhältnisse ausgesprochen unkompliziert dar. Um das Stempeln der Pässe kümmert sich der Agent bzw. das Hafenbüro ebenso zuverlässig wie um das internationale Zarpe. Und dann kann es auch schon weiter gehen…

Von Cartagena nach Santa Marta

29./30. September 2021

Auf dem kurzen 110sm-Hüpfer von Cartagena nach Santa Marta gibt es abgesehen vom notorisch ungünstigen Gegenwind und dem erfreulich günstigen Neerstrom dicht unter der Küste besonders eine Kleinigkeiten zu beachten: Die Millionenstadt Barranquilla. Dabei ist streng genommen nicht Kolumbiens wichtigster Karibikhafen (zugleich Geburtsort von Shakira) das Problem, sondern der hier einmündende Río Grande de la Magdalena. Vor gar nicht langer Zeit verbrachten wir ca. 1.000km weiter südlich in Honda an seinem Ufer einen netten Abend. An der Küste sollte ein kleiner Segler jedoch nicht nur ausreichend Abstand halten, sondern tunlichst bei Tageslicht und guter Sicht passieren. Vor diesem Hintergrund teilen wir den Weg auf und steuern den gut geschützten Puerto Velero an. Hier gibt es sogar eine kleine Marina, doch wir werfen lieber in ausreichendem Abstand den Anker und genießen einen entspannten Grillabend.

Letzter Blick auf Cartagena
Das Wetter darf gerne über Land bleiben

Am nächsten Morgen geht es weiter. Recht bald schon kommt Barranquilla und damit die Mündung des Río Magdalena in Sicht. Um sich einen Eindruck von seinen Wassermassen zu machen, werfen wir einen kurzen Blick auf den mittleren Abfluss MQ, also den langjährigen Durchschnitt des auf ein Normaljahr bemessenen durchschnittlichen Abflusses. Beim Río Magdalena liegen wir hier bei gut 7.200 m3/s. Zum Vergleich kommt Vater Rhein in der Summe seiner Mündungen gerade einmal auf 2.900 m3/s und selbst die um einiges längere Donau liegt an ihrer Mündung unter 6.900 m3/s. Das sind wie gesagt Mittelwerte. Wir haben aktuell Regenzeit. Da kann es vorkommen, dass der Río Magdalena mit 6kn rausströmt und dabei natürlich einiges Treibgut mit sich führt. Ganze Baumstämme sind keine Seltenheit.

Abschied aus Bahía Velero

Dazu kommt ein großer, flacher Bereich östlich der Mündung. Wir haben keinen ausgeprägten Wellengang und wollen den Umweg gering halten. Doch dann sehen wir schon von weitem bis weit vor die Küste reichende Brecher voraus. Spontan vergrößern wir den Sicherheitsabstand. Dabei hilft der Fluss kräftig mit. Trotz wie üblich ungenauer Logge verzeichnen wir über drei Knoten Seitenstrom. Hat im Landesinnern wohl nicht viel geregnet?! Wir sind nicht böse. Die See wird auch so schon erstaunlich unangenehm. So schaukeln und strömen wir uns also an den Grünflächen vorbei und sehnen uns nach ruhigerer Gewässern.

Mindestsicherheitsabstand nach Barranquilla
Wenigstens keine Baumstämme
Santa Marta kommt in Sicht…

Den Rest motoren wir entspannt weiter nach Santa Marta. In der Marina werden wir dank obligatorischer Voranmeldung erwartet. Dafür brauchen wir hier keinen Agenten beauftragen, darum kümmert sich das Hafenbüro. Der erste Eindruck rüttelt sich zurecht. Natürlich vergleichen wir mit Cartagena. Sicherlich werden wir hier um einiges ruhiger liegen. Dafür ist das Wasser am Steg nicht trinkbar. Gut, dass unser Tank noch reichlich voll ist. Die Kulisse ist spärlicher, aber doch städtischer als erwartet. Das Seglerpublikum scheint auch anders zu sein… doch dazu ein anderes Mal mehr.

Letzte Tage in Cartagena

Ende September 2021

Nach unserer kleinen Rundreise bleiben wir tatsächlich noch zwei Wochen in Cartagena. Das hat zunächst einmal mit den Einbauten der neuen, zwei Tage nach uns an Bord angekommenen Geräte zu tun.

Allerdings steht leider ein weiterer Arztbesuch auf dem Programm. Nicht nur das langsam abheilende Bein des Skippers hatte sich entzündet, auch bei Samuel zeichnet sich am linken Ohr eine zunehmend unansehnliche Wunde ab. Unsere Bordärztin rätselt. Ist es eine von Sandmücken übertragene Leishmaniose? Die Inkubationszeit beträgt mindestens einen Monat und im tropischen Lebensraum der Überträger treiben wir uns schon seit Jahresanfang herum. Der stets hilfsbereite Hafenmeister John empfiehlt uns einen Hautarzt, der dankenswerter Weise einen schnellen Termin für uns freimacht. Entwarnung. Es ist dann doch „nur“ Impetigo (Borkenflechte). Sehr zur Freude unseres heranwachsenden Sohnes muss die Stelle nun mehrmals täglich gründlich gewaschen und eingecremt werden. Damit wird es schnell besser, aber sicher noch einige Wochen bis Monate dauern, bis gar nichts mehr zu sehen ist.

Kolumbien ist insbesondere für das Exportgut Kokain bekannt. Auch wenn die Regierung diesem Übel den Kampf angesagt hat, wird das wohl auch noch auf absehbare Zeit so bleiben. Es gibt allerdings noch ein anderes Exportgut, mit dem Kolumbien die ganze Welt versorgt: Smaragde! Eigentlich sind wir mit den Souvenirs ja durch. Doch insbesondere in unserem Mineralien sammelnden Sohn reift immer mehr der Wunsch, sich noch einmal intensiver mit der grünen Spezialität des Landes zu beschäftigen.

Wieder ist es Hafenmeister John, der uns eine gute Empfehlung gibt: „Mister Emerald“ Lee Miles himself. Er wohnt gleich gegenüber der Marina. Nach einem netten Plausch nimmt er uns mit in sein pandemiebedingt seit Monaten geschlossenes Geschäft.

Alle Auslagen sind leer, doch im Hinterzimmer holt er ein paar Schätze für uns hervor. Nicht nur bei Samuel glänzen die Augen, auch Maila erinnert sich an die kürzlich von den Großeltern avisierten monetären Gaben zu den anstehenden Festen. Beide schlagen zu. Samuel kennt mal wieder kaum eine Grenze und entscheidet sich für zwei größere Rohsmaragde und einen kleinen geschliffenen Stein. Maila findet einen wunderschönen Anhänger für sich, den sie aber tatsächlich erst an Ihrem Geburtstag (also im Januar!) tragen möchte. „Mister Emerald“ macht uns einen guten Preis, Maila bekommt eine Kette geschenkt und alle sind glücklich.

Ein letztes Mal durch die Altstadt…

Auf dem Rückweg werfen wir noch einen Blick in das provisorische Goldmuseum der Stadt und machen einen Abstecher zu „Los Zapatos Viejos“. Diese fast 65 Jahre alten, ausgelatschen Stiefel aus Bronze sind eine Hommage an den sehr beliebten lokalen Dichter Luis Carlos López, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur, aber besonders auch seiner Heimat(stadt) ein literarisches Denkmal setzt. Bei unserem Besuch im benachbarten Castillo de San Felipe hatten wir diesen touristischen Pflichttermin verpasst. So posiert die Familie nun halt nicht bei strahlender Sonne, sondern leichtem Nieselregen für die obligatorischen Fotos.

… bis zu den alten Stiefeln!
Ob die mir passen? ;-)

Davon, dass es sich mit Schmuckhandel in Cartagena durchaus gut leben lässt, können wir uns am nächsten Tag bei einem Besuch „Mr. Emerald“ zu Hause überzeugen. Vom seinem Balkon im 16. Stockwerk schweift der Blick über Bucht und Hafen, während unser Gastgeber interessante Geschichten erzählt. Ja, hier lässt es sich in der Tat gut aushalten…

Was für ein Ausblick!!!

Ansonsten ist im Club Nautico alles wie immer. Besonders am Wochenende fahren die großen Partyboote vollbesetzt raus und sorgen für ordentlich Schwell. Ein kleiner „Hühner-Popo“ (ja, dieses lokale Wetterphänomen heißt wirklich „Culo de Pollo“!) zieht durch und zieht zur allgemeinen Überraschung mal keinen Ankerlieger mit sich.

Party-Time
Die Offiziellen kennen auch nur „Volle Kraft voraus!“

Wir lassen noch die Gasflaschen auffüllen und für wenig Geld kratzt uns der Hafentaucher (natürlich auf eigene Rechnung ;-) den Rumpf sauber. Dann ist es endlich soweit. Unser Agent José besorgt das notwendige Zarpe, wir fahren noch einmal zur Tankstelle und dann heißt es „Adiós Cartagena“.

A Mi Ciudad Nativa

Noble rincón de mis abuelos: nada
como evocar, cruzando callejuelas,
los tiempos de la cruz y de la espada,
del ahumado candil y las pajuelas…

Pues ya pasó, ciudad amurallada,
Tu edad de folletín… Las carabelas
se fueron para siempre de tu rada…
¡ya no viene el aceite en botijuelas!

Fuiste heróica en los tiempos coloniales,
cuando tus hijos, águilas caudales,
no eran una caterva de vencejos.

Más hoy, plena de rancio desaliño,
bien pueden inspirar ese cariño
que uno le tiene a sus zapatos viejos.

Luis Carlos López