Salz, Flamingos und Mangroven im Süden von Bonaire

6. Januar 2022

Momentan ist es gar nicht so leicht, hier an einen halbwegs bezahlbaren Mietwagen zu kommen. Doch mit ein paar Tagen Vorlauf und hinreichend Flexibilität haben wir es nun doch geschafft. Der Shuttel holt mich fast pünktlich am Steg ab und kure Zeit später sitzen wir alle auf dem Weg zu unserem ersten richtigen Inselausflug im Wagen. Obwohl das auch wieder nicht so ganz stimmt.

Bonaire ist eine ausgemachte Taucherinsel und dementsprechend viele Pick-Ups (Stichwort Tauchflaschen und sonstiges Equipment) im Mietwagenangebot. Unser Exemplar chinesischer Provenienz hat zwar fünf Sitzplätze. Aber auf der Ladefläche fährt es sich viel lustiger. Als erste erlauben sich La Skipper und Samuel den Spaß. Doch Maila hat schon kurze Zeit später ihre anfängliche Scheu verloren. Nun sitzen die Eltern im Auto und die Kinder hinten drauf. So fahren wir Richtung Süden zum „Pekelmeer“.

Unser erster Flamingo in einer Salzpfanne im Pekelmeer

Schon seit etwa 350 Jahren wird hier ein auch heute noch wichtiges Exportgut gewonnen: Meersalz. In großen „Pfannen“ (salt pans) verdunstet Meerwasser, bis das begehrte Salz übrig bleibt und abgeerntet werden kann. In früheren Zeiten ist das schwere Handarbeit. Lange sind es Sklaven, die das Salz mühsam auf Esel verladen und zu den verschiedenen Anlegern transportieren. Von hier bringen kleine Boote die Ware auf die vor den Korallenriffen ankernden Schiffe.

Sklavenhütten beim „Witte Pan“
Oranje Pan

Das Salz wird in vier unterschiedlichen Qualitäten gewonnen. Damit die Händler schon von weitem wissen, was sie wo bekommen, kennzeichnen bunte Obelisken die vier entsprechenden Verladestellen. Die Farben sind typisch niederländisch rot-weiß- blau sowie orange. Dort zeugen heute noch kleine Hütten aus dem 19. Jahrhundert von dieser dunklen Zeit. Klein? Nein, sie sind wahrlich winzig und dienen einst zur Übernachtung und der Verwahrung armer Habseligkeiten.

Sklavenhütten beim „Oranje Pan“

Durch eine „Emanzipationsverordnung“ Im Jahre 1862 kommen die damals noch verbliebenen 758 Sklaven endlich frei. Damit verringert sich auch die Salzproduktion, wird jedoch im Rhythmus der Märkte für gut 100 Jahre weiterhin manuell betrieben. Allerdings auf eher geringem Niveau.

Zwischenstopp am Rand des Pekelmeer

In den 1960‘er Jahren investiert ein US-Unternehmens in eine naturfreundliche, solare Salzgewinnung mit hohem Automatisierungsgrad. Seit 1997 ist die ebenfalls US-amerikanische Cargill Corporation zuständig. Einmal im Jahr wird jeder der großen Salzteiche abgeerntet, die Salzkristalle gewaschen und monatelang getrocknet. Heraus kommen bis zu 2.000 Tonnen Salz pro Stunde(!), das regelmäßig von einem großen Frachter am Salzpier abtransportiert wird.

Salzgewinnung
Salzverladung

Ebenfalls in den 1960‘er Jahren entdecken karibische Flamingos (Phoenicopterus ruber) das Pekelmeer und siedeln sich inmitten der nun automatisierten Salzgewinnung an. Heute leben im geschützten Flamingo Sanctuary mehrere tausend Tiere. Es ist die größte und wichtigste Brutkolonie der Karibik! Menschliche Besucher unerwünscht. Lediglich aus der Ferne dürfen wir die großen, typisch gefärbten Flecken bewundern. Immerhin verirren sich auch einige dieser schönen Tiere in die Nähe der Küstenstraße. Hier kann man gut ihr an Gänse erinnerndes Nasengeräusch hören, von dem sie hier in Bonaire ihren Spitznamen „Chogogo“ haben.

Flamingos soweit das Auge reicht…
Der Zutritt zum Schutzgebiet ist streng verboten
Fundstück

Vorbei am Leuchtturm fahren wir um die Südspitze von Bonaire und erreichen nun die raue, dem Passatwind zugewandte Seite der Insel. Hier findet sich die etwa 8km2 große flache Lagune Lac Baai. Der Sorobon-Strand im Süden ist ein Paradies für Windsurfer. Brechend voll, sowohl auf dem Parkplatz als auch dem Wasser. Für unseren Geschmack etwas zu viel. Schnell fahren wir weiter.

Weiter geht es…
Übervolle Parkplätze am Sorobon-Strand

Einmal rund um die in weiten Teilen schwer zugängliche, teils unter Schutz stehende und von dichten Mangroven gesäumte Lagune fahren wir die holprige Piste zum nördlichen Cai-Strand. Immer wieder sehen wir Flamingos, aber auch Esel und sogar zwei Pferde.

Die Mangroven sind ebenfalls geschützt
Flamingos auch in den Mangroven

Die Kinder hinten im Pickup werden ordentlich durchgeschüttelt, doch es lohnt sich. Eher eine Domäne der einheimischen Bevölkerung fühlen wir uns hier wohl. Alles etwas ruhiger und entspannter. Am Ufer türmen sich die Reste unzähliger „Großer Fechterschnecken“ (Queen Conch). Streng geschützt dürfen wir nicht einmal daran denken, ein Andenken mitzunehmen. Wir trösten uns mit einem erfrischenden Bad bzw. einer kleinen Vogelpirsch.

Berge leerer „Queen Conch“

Danach machen wir uns zurück auf den Weg zur Samai. Ein schöner Tag neigt sich dem Ende zu. Die ganze Familie ist begeistert. Bonaire hat es uns wirklich sehr angetan und wir sind dankbar für das Glück, hier sein zu dürfen.

Schöner Süden von Bonaire :-)