Spaziergang in Santa Marta

11. Oktober 2021

Schon am 29. Juli 1525 gegründet gilt Santa Marta als die älteste noch bestehende spanische Siedlung auf dem amerikanischen Kontinent. Nach Cartagena ist sie die zweitwichtigste Kolonialstadt der kolumbianischen Karibikküste und nach dem, was wir so lesen, absolut einen Zwischenstopp wert. Nun ja, über den guten Hafen und den schönen Tayrona-Park haben wir ja schon berichtet. Der erste Eindruck der Stadt ist dagegen etwas enttäuschend. Das mag aber natürlich auch damit zusammenhängen, dass man die küstennahe Kanalisation ganz offensichtlich nicht im Griff hat. Bei jedem Schritt vor die Tür der Marina heißt es erst einmal „flach atmen“. In schöner Regelmäßigkeit blubbert es aus den Gullys der näheren Umgebung. Teilweise stehen die Pumpfahrzeuge im Päckchen um der Lage Herr zu werden. Nach den Berichten anderer Segler hält dieser Zustand zumindest schon seit einigen Wochen an.

Ja, das kommt alles aus dem Gully

Davon lassen wir uns aber nicht von einem kleinen Rundgang durch die sehenswerte Altstadt abhalten. Zunächst wollen wir die Strandpromenade entlang spazieren. Geht aber nicht. Die ist irgendwie gerade in Bau. Dahinter quält sich der berüchtigte Autoverkehr von Santa Marta über die Küstenstraße. Uns bleibt der breite Gehweg dahinter. Ein Spießrutenlauf zwischen Souvenirläden und recht aufdringlichen Anbietern von Tagestouren in die Umgebung.

Die Strandpromenade wird gerade neu gemacht
Graffiti in einer Nebenstraße

Schließlich erreichten wir den zentralen Parque Bolívar. Natürlich steht auch hier die obligatorisch Statue des Revolutionsführers. In Santa Marta hat das Denkmal jedoch einen besonderen Hintergrund. Schließlich verstarb Simón Bolívar am 17. Dezember 1830 genau hier in dieser Stadt. Begraben liegt er dagegen in seinem venezolanischen Geburtsort Caracas.

Rund um den halben Platz reihen sich die Andenkenstände mit ihrem immer gleichen Angebot. Da zieht es uns recht schnell weiter. Das am Platz gelegene Goldmuseum hat geschlossen. Darüber sind die Kinder nicht einmal traurig. Ihrer Meinung nach haben wir von San Jose über Bogota und Cartagena jetzt erst einmal ausreichend Goldmuseen besucht. Eisdielen dagegen kann man nie genug besucht haben.

Mjam!

Auch die Kathedrale ist heute geschlossen. So schlendern wir durch die Gassen, lassen uns treiben, schauen mal in einen Laden rein und Samuel findet bei einem kleinen Straßenhändler noch ein paar Mineralien für seine Sammlung. Bei ihm erleben wir wieder eine kolumbianische Eigenart. Der Kauf ist schon abgeschlossen, da greift der junge Mann noch einmal in seine Auslage und überreicht eine weitere Kleinigkeit… Regalo… Geschenk. Das ist uns hier in der Tat mehr als einmal passiert!

Catedral de Santa Marta
In zweieinhalb Monaten ist schon Weihnachten!
Große Auswahl an Luftballons…

Als wir die Carrera 5 erreichen, trauen wir kaum unseren Augen. Ok, der dichte Straßenverkehr ist altbekannt. Überraschend dagegen, wie voll gestellt die schmalen Gehwege sind. Es bleiben nur mehr kleine Gassen, durch die sich ganze Menschenmassen zwängen. Masken? Kommen vor. Abstand? Guter Witz. Wir biegen schnell wieder ab in ruhigere Ecken.

Plaza & Iglesia San Francisco
Wieder einmal kreative Stromversorgung
Carrera 5

Auf dem Rückweg kommen wir noch über den kleinen Parque de los Nivios. Auch hier steht alles voller Stände und die Bars rundherum sind gut besucht. Nun ja, gerade was das Nachtleben angeht, soll Santa Marta ja einiges zu bieten haben. Als Familie mit zwei minderjährigen Kindern ist das aber eher nichts mehr für uns.

Parque de los Nivios

Also weiter, kurz vor der Marina nochmal sehr flach atmen und zurück an Bord der Samai. Vor uns liegt eine letzte Nacht in Santa Marta. Morgen geht es weiter. Aruba, wir kommen!

Graffiti bei der Marina

Parque Nacional Natural Tayrona

5. – 8. Oktober 2021

Bei Umfragen in Kolumbien, wo es in diesem Land denn am schönsten sei, landet der Parque Nacional Natural Tayrona stets auf den vorderen Plätzen. Schon 1964 gegründet, umfasst er fast 20.000 Hektar an einem 35km langen Abschnitt an der kolumbianischen Karibikküste östlich von Santa Marta. Rund 250.000 Besucher kommen hierher. Jedes Jahr. Und dieses Jahr reihen auch wir uns ein.

Dabei ist der Besucherstrom für die vier im Park lebenden indigenen Stämme mit ihren insgesamt etwa 30.000 Angehörigen nicht ohne Probleme. Einerseits handelt es sich um heiliges Land, das es zu schützen, pflegen und bewahren gilt. In den letzten Jahren wurde der Park mehrmals für Besucher geschlossen, um ihn einer spirituellen Reinigung zu unterziehen. Andererseits bringen die Touristen natürlich Geld. Immer wieder sehen wir Verkaufsstände für kühle Getränke und Snacks, es gibt Reittouren und sogar Übernachtungsmöglichkeiten direkt im Park.

Wir entscheiden uns (wieder einmal zusammen mit KonTour-Travel) für das außerhalb des Parks gelegene Senda Koguiwa und gönnen uns gleich drei Nächte Landurlaub. Für die 38km von der Marina zum Hotel braucht das Taxi knapp eine Stunde. In Kolumbien kann man sich das durchaus leisten, wir bezahlen inkl. Maut nur ca. 22€ für den Transfer. Vor Ort angekommen erfahren wir, dass unsere Zimmer noch nicht fertig sind. Selbst schuld. Wir sind tatsächlich etwas früh. Kein Problem. Im direkt am Pool gelegenen Restaurant bekommen wir einen Begrüßungstrank und bestellen für Maila noch eine Portion Pommes. Dafür braucht die Küche dann aber mehr als eine halbe Stunde. Das ist selbst den netten Service-Damen zu viel. Umgehend bekommen wir noch eine Runde Säfte und Bruscetta und einen kostenlosen Nachtisch als Entschuldigung. Und die immer frisch bereiteten Säfte hier sind mal wieder wirklich umwerfend lecker.

Lecker!

Das einzige Familienzimmer ist belegt. Darum beziehen wir zwei normale Doppelzimmer. So werden Jungs und Mädels der Familie zwar getrennt, bleiben aber relativ dicht beieinander. Wir haben Glück. Beide Zimmer sind im Obergeschoss und bieten einen tollen Ausblick vom Balkon. Den Rest des Tages verbringen wir dann vor allem am Pool und mit einem kurzen Spaziergang hinunter zum Ufer des Río Pedras.

Blick von den Jungs rüber zu den Mädels
Blick von den Mädels zu den Jungs!

Abends knallt es dann nochmal so richtig. Das fast schon alltägliche Gewitter fällt kräftig aus. Es schütten aus Eimern und blitzt in schöner Regelmäßigkeit. Und dann schlägt es ein. Es wirkt so, als wenn der Himmel auch nach dem Erlöschen des Blitzes noch ein paar Funken regnen lässt. Zeitgleich wird es dunkel. Der Strom ist weg. Scheint aber auch kein neues Problem zu sein. Bald schon sehen wir wieder, was wir gerade essen. Zumindest dem fortan gut vernehmlichen Brummen im Hintergrund zufolge arbeiten die Generatoren zuverlässig.

Der nächste Eingang des Tayrona Nationalparks liegt nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Der Eingangsbereich ist ganz offensichtlich für viel mehr Besucher ausgelegt. Wieder einmal spüren nicht nur wir die Auswirkungen der Pandemie. Ganz unabhängig davon ist der obligatorische Erwerb einer speziellen Krankenversicherung. Sind alle Formalitäten erledigt und geforderten Gelder bezahlt ist man aber noch nicht am Ziel. Der Weg vom Eingang in den interessanteren Küstenstreifen zieht sich über einige Kilometer (meist) asphaltierte Straße. Da ist der angebotene, selbstredend kostenpflichtige Shuttle verständlich. Fragwürdig dagegen, wie in dem bis auf den letzten Platz vollgestopften Kleinbus – Maila und ich sitzen auf dem Beifahrersitz – die ansonsten obligatorischen Abstandsregeln eingehalten werden sollen.

Los geht’s!

Kaum sind die Besucher aus dem Bus gequollen, verstreut sich die Menschenansammlung. Ab hier geht es nur noch mit Muskelkraft weiter. Doch heute verzichten wir auf die angebotenen Pferde. Wir gehen zu Fuß. Dabei wird schnell deutlich, dass dieser Pfad die touristische Autobahn durch den Park ist. Sehr gut ausgebaut, Haltegriffe inklusive, ist es wohl nur der Pandemie zu verdanken, dass wir recht selten anderen Menschen begegnen. Den Tieren ist das ziemlich egal. Mehr als einmal erspähen wir eine Gruppe Affen über uns durch die Baumkronen springen. Ein Frosch legt seinen Laich in einer Pfütze ab. Vögel zwitschern. Ja und dann ist da noch dieses laute, fast schon penetrante Geräusch aus der Ferne. Was mag das sein?

Regenzeit…
… und süße kleine Affen

Vor der Antwort hat uns das Gelände eine kleine Kletterpartie in den Weg gelegt. Hoch und runter und wieder hoch und wieder runter kämpfen wir uns voran Richtung Küste. Der Blick auf die den ursprünglichen Strand wild anrollenden Wellen entschädigt für die Mühe. Nur Baden sollte man hier nicht. Mehrsprachige Schilder warnen sogar in Deutsch vor den Gefahren.

Ausblick über einen kleinen Teil des Parks

Der Weg führt weiter unter flacheren Bäumen durch den Sand und über Holzpfade. Dann kommen wir in einen Bereich, in dem das schon von ferne gehörte Geräusch plötzlich zu einem fast ohrenbetäubenden Lärm anschwillt. Nein, das sind keine Vögel, es sind Frösche! Wir haben schon in Costa Rica erstaunt festgestellt, was für einen Lärm auch winzig kleine Frösche erzeugen können. So wundern wir uns auch nicht, zunächst nicht einen davon im flachen Wasser zu erspähen. Etwas später werden wir dann doch noch fündig. Offensichtlich ist Paarungszeit. Überall schaumiger, frisch abgelegter Laich und mitten drin immer mal wieder graue „Quakmonster“.

Und weiter…

Nach dem Durchwaten eines kleinen Flusses vereinen sich Reitweg und Wanderpfad. Nicht unbedingt zum Vorteil der Begehbarkeit. In weitläufigen Bögen suchen nicht nur wir einen Weg durch den teils tiefen Matsch. In dieser Gegend wird es auch wieder belebter. Hier finden sich einige Unterkünfte für Übernachtungstouristen, denen eine Hängematte unter Moskitonetz ausreicht. Immer wieder werden Getränke angeboten. Das Geschäft scheint zu laufen, obwohl wir Spielverderber unser eigenes Wasser mitschleppen. Also im Grunde schleppt ja nur einer…

Wo kommen wir hier sauber durch?!?
Pause am ersten ruhigen Strand…

Endlich erreichen wir den Playa La Piscina… also einen karibischen Swimmingpool. Das vorgelagerte Riff bricht große Wellen und schafft so eine der ganz wenigen Stellen im Park, an denen man gefahrlos baden kann. Das Ziel der meisten Tagestouristen. Dementsprechend voll ist es. Ganz so idyllisch und super-toll wie überall angepriesen finden wir es dann aber doch nicht. Egal, für eine dringend benötigte Abkühlung reicht es.

Am gut besuchten Swimmingpool…

Eigentlich wäre das ein schöner Abschluss für den Ausflug. Das einzige Problem ist, dass wir den ganzen Weg nochmal zurück müssen. Eigentlich nur ein paar Kilometer, doch auch die können sich ganz schön ziehen. Dazu kommt der Skipper vorher noch auf die blöde Idee, eine alternative Route auszuprobieren. Was für ein Fehlschlag. So wandern wir also brav die bekannten Pfade zurück und erwischen den wiederum brechend vollen Kleinbus kurz vor der Abfahrt. Jetzt nur noch den Weg zurück zum Hotel. So langsam reicht es uns jetzt aber wirklich. Insgesamt sind wir fast 6 Stunden unterwegs. Diesen Ausflug werden wir auch morgen noch in den Knochen spüren.

Morgenritual :-)

Dementsprechend ruhig lassen wir es angehen. Samuel steht wieder früh auf und legt sich mit dem Fernrohr auf Vogelpirsch. Danach steht ein entspannter Tag am Pool auf dem Programm. La Skipper gönnt sich einen Cocktail, die Kinder lieben den frischen Fruchtsaft noch immer und für den Skipper fällt aus dem Kühlschrank im Apartment auch die ein oder andere mitgebrachte Gerstenkaltschale ab. ;-)

Leider muss auch etwas Schule sein :-(

So vertrödeln wir den Tag und lassen es uns gut gehen. Der Skipper hat Küchenfrei, keine 2do-Liste drängelt und im Gegensatz zum Boot sind Kleintiersichtungen hier deutlich lieber gesehen.

Auch nach der dritten Nacht springen wir nach dem Frühstück noch einmal in den Pool, bevor uns das Taxi zurück zur Samai bringt. Ein schöner Ausflug ist viel zu schnell zu Ende. Gelohnt hat es sich allemal. Doch so langsam zieht es uns dann auch weiter. Unsere Zeit in Kolumbien neigt sich dem Ende zu.

Fotochallenge #38 – Volkstrauertag

Aruba, 14. November 2021

Immer sonntags gibt es im Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ von ROYUSCH-UNTERWEGS den Aufruf, zu einem Thema (genau) ein Foto zu verlinken. Aktuell geht es um den heutigen „Volkstrauertag“.

Wir tun uns tatsächlich schwer, ein passendes Motiv zu finden. Im heimischen Berlin könnte ich nun einfach einen kleinen Sonntagsausflug zur Neuen Wache Unter den Linden oder zum Mahnmal Ewige Flamme auf dem Theodor-Heuss-Platz machen. Doch die Möglichkeit haben wir aktuell ja nicht.

So überlegen wir weiter, denken an die unzähligen Opfer unter den Indigenen Völkern Südamerikas, erinnern die Madres de Plaza de Mayo, welche in Buenos Aires nicht nur einmal im Jahr, sondern jede Woche um Ihre Söhne, Opfer der argentinischen Militärdiktatur von 1976-1983, trauern, der Verbrechen gemahnen und Aufklärung fordern. Doch ein passendes Foto finden wir nicht.

Letztlich orientieren wir uns an der sehr stimmungsvollen Vorgabe und besuchen ebenfalls einen Friedhof. La Recoleta findet sich im Herzen von Buenos Aires und beherbergt viele Persönlichkeiten in wunderschönen Mausoleen. Doch wir wollen kein einzelnes Grab hervorheben. Es geht uns um eine besondere Stimmung. Nicht nur Trauer und Gedenken, auch ein Funke Hoffnung soll sich darunter mischen. Und so lassen wir den Kopf nicht hängen, sondern schauen auch am heutigen Volkstrauertag voller Zuversicht auf…

Samuels Vogelsichtungen in Kolumbien (1)

Wo soll ich anfangen? Es gibt sooo viele Vögel auf der Welt besonders in Kolumbien. Das Land behauptet wohl nicht zu Unrecht, die weltweit größte Artenvielfalt an Vögeln zu haben. Es gibt dort 1.727 bekannte Vogelarten! So viele haben wir zwar nicht gesehen, aber immerhin kommen wir auf eine stolze Summe von 58 Vogelarten, die ich identifizieren konnte.

Wir haben sie verteilt in Kolumbien gesehen und natürlich einige auch an mehreren Stellen. Nur leider kann ich nicht allen Vögeln Orten zuordnen. Aber ich bin fleißig gewesen und habe auf meinem Handy mitgeschrieben. Einen Vogel kennt ihr bereits schon von meinem Beitrag über die Höhlenwanderung. Den Fettschwalm.

Fettschwalm (Foto von eBird.org)

Dann bleiben wir doch erst einmal beim Rio Claro Nationalpark. Wir bewohnten dort ein Zimmer im zweiten Stock. An einem Baum etwas hinter unserem Zimmer und genau am Weg befindet sich ein kleines Kolibrinest. Es wird gerade gebaut, aber leider sehen wir die Erbauer nur einmal kurz und die Kamera ist zu weit weg.

Doch dort sehe ich noch einen anderen Vogel. Den Dickschnabelorganist. Er hing einmal über dem Nest und verschwand dann schnell. Für ein Foto reichte es nicht. Auf der Terrasse des Haupthauses mit Restaurant sehen wir auf dem Baum oft einen Tukan. Ich vermute, dass es sich bei diesem Exemplar um einen Halsbandarassari handelte. Einen Tukan, der gern Babyquetzals verspeist. Der Rücken ist ganz schwarz und der Bauch gelblich. Um die Augen hat er eine rote Färbung. Der Lange Schnabel ist unten meistens schwarz und oben orangegelb. Das Schwarze geht in zackenartigen Verfärbungen in den orangegelben über.

In Villa de Leyva haben wir noch einen Bronzekiebitz gesehen. Nur leider war er die meiste Zeit hinter Sträuchern. Sie sind wohl etwas kamerascheu. Er hat ein leicht bräunliches Gefieder an der Oberseite, ganz braune Schultern, eine schwarze Brust und einen weißen Bauch. Am auffälligsten ist die eine Feder, die vom Hinterkopf absteht.

Weiter geht es. Wir gehen den Weg durch den Park entlang und sehen immer wieder einen Vogel, der seltsam mit dem Schwanz hin und her wedelt. Wir verscheuchen ihn, aber das ist nicht so schlimm. Wir sehen die Vogelart auf dem Weg häufiger herumtanzen. Es handelt sich um den Schmätzerwaldsänger. Das Gefieder am Rücken ist unscheinbar bräunlich. Der Bauch und der beginn des Schwanzes jedoch sind ganz gelb. Das Vögelchen ist auch nicht größer als die Handfläche eines Erwachsenen.

In Barichara, der tollen Finka von Katja, bin ich immer sehr früh aufgestanden. Auch dort leben, mitten im trockenen Regenwald haufenweise Vögel. Denn es hat hier in letzter Zeit sehr viel geregnet und statt, dass alles trocken und braun ist wie in den fünf Jahren seitdem Katja dort lebt, ist es nun saftig grün.

Eine Blauringtaube läuft hier jeden Morgen und eigentlich den größten Teil des Tages auf dem Gelände umher und sucht Samen und/oder Früchte. Der blaue Ring um das Auge ist bei dieser Taube namengebend.

Auch kommt hier jeden Morgen ein Pärchen Safrangilbtangaren vorbei. Sie versuchen auch Samen vom Boden aufzulesen. Zum Glück ist genug für alle da.

männlicher Vertreter mit dem Spitznamen Bert
weibliche Vertreterin mit dem Spitznamen Berta

Ich entdecke sogar einmal einen Chocóspecht. Die Spezies hat einen braunen Rücken, eine rote Kappe und einen schwarz weiß gestreiften Bauch. Nur war er sehr schnell wieder weg. Pech.

Jeden Morgen bekomme ich von Katja einen Tee, um mich bei der anfänglichen Kälte etwas zu wärmen. Auch Mama ist dabei und schaut zu. Am zweiten Tag fliegt ein Vogel mit schwarzem Oberkörper, einem kleinen weißen Fleck an den Flügeln und einem knallig gelbem Bauch auf einen nahe stehenden Baum. Es handelt sich um einen männlichen Mexikozeisig. (ein seltsamer Name, ich weiß!)

Einen anderen Vogel sehen wir dort zum ersten mal. Den Gelbbauchspelzer. Er hat einen weißen Schnabel, einen schwarzen Kopf und dazu einen hellbräunlichem Rücken und einen schmutzig weißen Bauch.

Die ganze Zeit hören wir einen seltsamen Schrei, finden aber keinen dazu passenden Vogel. Plötzlich sieht Mama ihn. Ein Tüpfelguan schreit dort immer herum. Und nicht nur der eine schreit. Es sind bestimmt drei oder vier Tüpfelguane. Bei dem Lärm war das auch zu erwarten. Nach ein bis zwei Stunden wachen die restlichen Familienmitglieder auch noch auf und kommen zu uns.

Das Gefieder muss nach dem Gekreische geputzt werden

Am zweiten Tag taucht plötzlich noch ein großer brauner Vogel mit grauem Bauch auf. Er sitzt in dem großen Baum, in dem ich die meisten Vögel sehe, nur leider zu gut versteckt. Katja weiß, dass der Vogel auf Englich Squirrel Cukoo heißt. Im Deutschen nennt man ihn, wie ich herausgefunden habe, Eichhornkuckuck. Um Bilder von ihm zu machen, laufe ich dem hüpfendem Vogel hinterher. Ja, nicht verlesen! Dieser Vogel hüpft gern von Ast zu Ast. Und das tut er recht häufig und ist auch gut darin, weshalb ich ihn solange gejagt habe wie möglich.

Wir haben bei Katja auch Armbänder gestrickt. Da fliegt plötzlich eine Rotscheiteltangare über unseren Köpfen entlang, landet kurz und fliegt wieder weg. Sie sieht ein wenig wie die Bischofstangare aus, nur mit einem roten Kopfgefieder. Einem Rotscheitel eben.

Bei der Kaffeeplantage Alfanía sehen wir noch diverse Kolibris. Nur den Weißkinn-Saphierkolibri kann ich bestimmen, weil die anderen sich gegen das Licht hingesetzt haben. Frechheit.:-)

Auf der Seilbahnfahrt durch die Schlucht sehen wir die Trauergrackeln.

Großschwanzgrackel

Sie sehen aus wie die Großschwanzgrackel in klein, die wir in Kolumbien überall sonst gesehen haben, außer auf diesem Berg. Fast so häufig wie die Felsentauben in Deutschland. Besonders gern sind die Grackeln auf den Booten gewesen und haben ihren Kot als Dankeschön hinterlassen. Das fand der Skipper nicht so toll.

Andere Vögel, die wir ziemlich oft sehen sind die wunderschön gezeichneten Starkschnabel-Maskentyrannen

… und mächtige Rabengeier, die zu Dutzenden über den Himmel kreisen.

Die hübsche Bischofstangare ist in dieser Gegend aber nicht minder verbreitet.

So… ich glaube, das reicht für heute. Beim nächsten Mal erzähle ich euch von den Vögeln an der Küste und auf dem Meer.

Samuel

Erlebnisse in der Marina Internacional de Santa Marta

Oktober 2021

Der Name mag hochtrabend klingen, doch eines muss man dieser internationalen Marina lassen… sie ist sehr professionell aufgezogen. Wie in Kolumbien üblich haben wir uns vorab angemeldet. Freundliche Begrüßung über Funk, die zwei Liegeplatzanweiser nehmen natürlich auch die Leinen an und belegen sie sogleich, notwendige Unterlagen werden zu uns ans Boot gebracht. Das mag für stark frequentierte Marinas Standard sein, für uns ist es ungewohnt.

Das hat seinen Preis. Mit fast 1$ pro Fuß pro Tag zahlen wir (noch) mehr als in Cartagena, wo uns aber auch die günstigere Monatsrate berechnet wird. Strom und (leider nicht Trink-)Wasser gehen extra. Inklusive ist dagegen ein ganz besonderer Service. Mit einem kurzen Schreiben in der Hand gehen wir zwei Straßen weiter zum Marriott Hotel und erhalten Einlass zum luftig gelegenen Swimmingpool. Entspanntes Baden mit tollem Ausblick.

Blick zur Marina

Unbestreitbarer Vorteil in Santa Marta ist, dass das Boot wirklich ruhig liegt. Nach der Schaukelei der letzten Wochen eine echte Erholung. Natürlich fahren auch hier Party-Boote raus. Besonders am Wochenende tobt lautstarkt das Leben. Maila findet Gefallen an „Pepas“ von Farruko. Das Lied hat es ja wohl sogar in europäische Charts geschafft. Hier dröhnt es mehrmals täglich aus schwimmenden Lautsprechern.

Und dann sind da noch die anderen Crews im Hafen. Ein bunt gemischtes, internationales Publikum kommt da bevorzugt aus östlicher Richtung ins Land. Dabei wird gerade bei jüngeren Seglern eine seemännische Vorbereitung anscheinend nicht immer für notwendig erachtet. „Wir wollen morgen früh weiter. Wieso geht das nicht? Das Zarpe braucht einen Tag?? Was ist ein Zarpe???“ Auch die Sache mit den Masken wird gerade von diesem Publikum oft lax gehandhabt, der Hinweis „No Mask – No Service“ am Hafenbüro fröhlich lächeln ignoriert. Leider ist Kelly, guter Geist und immer hilfreiche Ansprechpartnerin für alle Belange, zu nett um konsequent zu sein.

Party-Meile an Land
Nachbarlieger… ;-)

Ein ganz spezielles Erlebnis ist der Austausch mit unseren deutschsprachigen Nachbarlieger vom Steg gegenüber. Meine erste Diskussion mit einem kritisch hinterfragenden Geist. Obwohl Diskussion vielleicht auch etwas hochgegriffen ist. Sagen wir mal, es war ein geistig nicht anspruchsvolles, aber auf seine eigene Art unterhaltsames Gespräch. Dabei geht es anfangs auch um seglerische Themen „Wow, ihr wart in Patagonien. Da würde ich ja auch gerne mal hin. Was muss man dafür denn können?“ Zweimal verweist mein Gegenüber relativ zusammenhanglos auf seine Tante, die den Biologie-Nobelpreis (sic!) bekommen habe. Dann driftet das Thema mehr und mehr ab. Er erläutert mir ungefragt seine Lebenseinstellung und versichert sein Mitgefühl sowie die Hoffnung, dass wir das mit der Impfung gut überstehen. Er habe das alles in Europa nicht mehr ausgehalten, sich deshalb ein Segelboot gekauft und ist geflohen. Irgendwann fängt er von Bill Gates und seinen miesen Machenschaften an. Das ist der Moment, an dem meine Gedanken dann doch beginnen abzuschweifen. La Skipper wundert sich nur über meine an Selbstkasteiung grenzende Ausdauer. Doch letztlich hilft so ein Austausch(?) ja auch dabei, differierende Ansichten besser zu verstehen. Sollte es zumindest. Und ich habe natürlich auch kein Problem mit anderen Meinungen und Weltanschauungen, solange sie nicht andere Menschen allgemein und unsere Familie speziell in irgendeiner Art und Weise gefährden.

Allerdings habe ich definitiv ein Problem damit, wenn eine fremde Bordkatze (jetzt ratet mal, von welchem Boot…) sich nicht benehmen kann und der Katzenpapa keinerlei Konsequenzen zieht. Im Segel verstecken oder auf das Bimini springen ist kein Thema. „Die macht nichts.“ Da oben die Krallen schärfen dagegen schon. „Was, das kann ich gar nicht glauben!“ Das macht sie auch nicht nur bei uns. Einem brasilianischen Boot pinkelt sie dazu gleich mehrfach auf den Sonnenschutz. „Ach du-du-du… das macht man doch nicht.“ Nach teils lautstarken Diskussionen erklärt sich der Katzeneigner großherzig bereit, das zunehmend nach Katzenpi…. stinkende Bimini zu reinigen. Was das für die Imprägnierung bedeutet, kann man sich ausmalen. Und für dieses absolute Minimum an Gegenleistung wird dann natürlich grenzenlose Dankbarkeit erwartet. Ohne Worte.

Ok, genug davon. Solche Erlebnisse sind natürlich nicht maßgeblich für eine Marina. Auch unter Seglern finden sich immer mal wieder Menschen, mit denen man persönlich nicht so gut klar kommt. Und wie es der Zufall so will, beruht das dann ja oft auch auf Gegenseitigkeit. Insofern (fast) alles gut. Leben und leben lassen. Auf hoher See sind wir ohnehin eine große Familie mit allen ihren Facetten. Da gibt es dann halt auch diesen mehr oder weniger entfernten Verwandten, den eigentlich keiner wirklich einladen will… aber es ist ja die Familie… ;-)

Kurz und gut, in Kolumbien ist die Marina Internacional de Santa Marta durchaus einen Besuch wert. Das hängt letztlich auch mit einer nahegelegenen Attraktion zusammen. Doch davon berichten ein anderes Mal.