Eigentlich klingt das ziemlich gewöhnlich. Hamburger sind ein inzwischen wohl weltweit erhältliches Gericht mit einfachem Konzept: Schneide ein Brot auf und mach was dazwischen. Der Klassiker kommt mit einem Rindfleisch-Patty, etwas Gemüse (Salat, Zwiebel, Tomate) und Soße. Daneben gibt es unzählige Variationen, deren Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde.
Auch Patacones sind – zumindest in dieser Gegend der Welt – reichlich gewöhnlich und simpel. Grüne Kochbanane wird zweimal frittiert und zwischendurch zu einem Flatschen gedrückt. Eine beliebte, leckere, weit verbreitete Beilage und hierzulande sogar als Snack in Chips-Tüten erhältlich.
Soweit so normal. Doch dann lese ich in einer Speisekarte unter „Hamburguesa Angus“ folgenden Hinweis: Recomendamos cambiar el pan par patacones. Wie jetzt… es wird empfohlen, das Brot gegen Patacones zu wechseln?! Hmm… das klingt interessant. Selbstredend findet sich von der Samai nur ein Freiwilliger für dieses Experiment. So bekommt der Skipper also eine Kombination serviert, das wir so auch noch nicht gesehen haben.
Zwei gewöhnliche Gerichte in ungewöhnlicher Zusammenstellung
Natürlich haben wir diese Kombination auch noch nicht gegessen. Und die finale Frage ist natürlich, ob es schmeckt. Ich sage mal so… es war eine Erfahrung, aber in den Reigen der Leibspeisen hat es diese spezielle Zusammenstellung dann leider doch nicht geschafft. Konsequent bestellt Maila die normale Variante… und ist sehr zufrieden.
Im Grunde fahren wir ja eine echt besch… Route. Doch werfen wir erst einmal einen kurzen Blick auf die Karte:
Wir kommen aus Panama (ganz links) und sind aktuell in Kolumbien etwas östlich/rechts von Barranquilla (rotes Kreuz). Nächstes Ziel ist Aruba in der Mitte. Danach geht es weiter zu den zwei östlicheren Inseln der Niederländischen Antillen, Curaçao und Bonaire (letztere nicht genannt). Schließlich folgt der lange Schlag an Venezuela vorbei nach Grenada bzw. Trinidad und Tobago rechts.
(c) Google Maps
Die Karibik ist für stabile bis kräftige Passatwinde, sowie saisonale Hurrikans bekannt. Ok, vor letzteren sind wir hier an der Nordküste von Südamerika sicher. Aber sonst weht es letztlich ganzjährig mehr oder weniger beständig und intensiv von Ost nach West. Was machen wir? Fahren von West nach Ost. Gegen den Wind. Das klingt nach einer echt tollen Idee. Leider haben gewisse Ereignisse außerhalb unserer Einflusssphäre diese Planänderung mehr oder weniger erzwungen. Und jetzt müssen wir halt zusehen, damit klarzukommen.
Bringen wir es auf den Punkt, es gibt letztlich nur zwei Windszenarien:
Meist Wind von vorne (stark bis stürmisch)
Kurze Phasen ohne Wind (mehr oder weniger)
Ebenso eindeutig ist die Sache mit der Meeresströmung geregelt:
In der Karibik strömt es meist von Ost nach West
Nur dicht unter der Küste gibt es einen Neerstrom in Gegenrichtung
Wir haben also die Wahl:
Bei hoffentlich nicht zu viel Wind gegenan zu kreuzen, was uns neben der immensen Streckenverlängerung in den Bereich des Gegenstroms (und momentan ggf. Hurrikans) bringt.
In den kurzen Phasen mit wenig Wind dicht unter der Küste mit Strom zu motorn.
Noch Fragen?
Ich sage mal so… Diesel kostet in Kolumbien etwa 50 Cent pro Liter und der Tank ist randvoll. So werden die nächsten Etappen bis Aruba und auch darüber hinaus also vor allem nur eingeschränkt gesegelt und zu allererst von der Wettervorhersage bestimmt. Insbesondere der Frage, wann es mal nicht ganz so stark weht. Wobei vor der sich erstaunlich lang hinziehenden Küste von Venezuela noch zu berücksichtigen ist, dass man dort als Segler tunlichst einen gehörigen(!) Sicherheitsabstand halten sollte.
Wie eingangs schon erwähnt eine echt besch… Route!
P.S. Wenigstens haben wir für die geplante Überfahrt nach Aruba nächste Woche (ab 10./11. Oktober) die wohl denkbar beste Vorhersage… drückt die Daumen, dass es dabei bleibt!
Wie La Skipper in ihrem letzten Beitrag schon erwähnte, war das ganze Gebiet hier einmal der Grund eines etwa 200m flachen Meeres. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass wir uns aktuell auf mehr als 2000m Höhe über dem heutigen Meeresspiegel befinden. Man muss der Erde nur genug Zeit geben und absolut alles kann sich ändern. Diesem Umstand ist auch geschuldet, dass es sich bei der Umgebung von Villa de Leyva um ein wohl weltweit einmaliges Fundgebiet für Meeresfossilien handelt. Zwei kleine Museen mit beeindruckenden Exponaten sind absoluter Pflichtbesuch.
Ja, die gab es hier früher wohl auch mal…
Centro de Investigaciones Paleontológicas
Der Name ist etwas schwergängig, bezeugt aber, dass es sich nicht nur um ein ausstellendes Museum handelt. Es ist zugleich eine Forschungseinrichtung. Nur durch einige Glasscheiben getrennt, beobachten wir Menschen in weißen Kitteln beim Säubern und Untersuchen von Fossilien. Es erinnert ein bisschen an einen Zoo, aber die Forscher scheint es nicht zu stören.
Stimmungsvolle Desinfektion
Abstand bitte… zum Glück sind wir alleine hier!
Ein anderer in Kolumbien, gerade in kleineren Einrichtungen, eher selten zu anzutreffender Umstand ist die durchgängig zweisprachige Beschriftung. So können wir ganz ohne Google Translate verstehen, was uns zu den tollen Exponaten erklärt wird. Im Zentrum präsentieren zwei Bereiche urzeitlich-maritime Höhepunkte. Einerseits werden Fossilien von urzeitlichen Meeresschildkröten und Fischen, viele Ammoniten jeder Größe sowie Schädel von Ichthyosaurier gezeigt.
Direkt gegenüber geht es um Plesiosaurier. Die ersten Fossilien dieser Seedrachen wurden 1821 von einer der ersten professionellen Fossiliensammlerinnen und Paläontologinnen überhaupt gefunden, der Britin Mary Anning. Die von ihr entdeckten, ob Ihrer Fortbewegungsart auch Unterwasserflieger genannten Reptilien werden heute in zwei Gruppen unterteilt:
Pliosaurier (eher massig mit kurzem Hals und großem Kopf)
Plesiosauerier im engeren Sinne (eher schlank mit langem Hals und kleinem Kopf).
Natürlich gibt hier von beiden ein jeweils recht gut erhaltenes Exemplar, stimmungsvoll drapiert und eingerahmt von Ammoniten sowie weiteren Schädelresten.
Pliosaurier (hinten rechts der u.a. Säbelzahntiger)Selfi mit Plio…
Plesiosaurier
Die restlichen gezeigten Ausstellungsstücke runden das Bild ab. Seien es nun ein fleischfressender Dinosaurier (als Nachbildung… tatsächlich wurden in der Umgebung bisher nur deren Fußabdrücke gefunden), Pflanzenabdrücke, Bernstein oder die Nachbildung eines Säbelzahntigers rund um dessen einzigen je in Kolumbien gefundenen Zahns und andere Überreste früher Säugetiere. Ein wirklich lohnender Besuch.
Jetzt aber schnell weiter…
Museo El Fósil
Nur einen Steinwurf weiter steht ein anderes kleines Museum. Natürlich geht es auch hier um Fossilien. Mehr als 500 Exponate des paläontologischen Erbes der Umgebung werden gezeigt. Doch ehrlich gesagt kommen die meisten Besucher nur, um den unumstrittenen Star der Ausstellung zu sehen: El Fósil.
Im Juni 1977 traut der Bauer Samuel Vargas, nebenbei ein erfahrener lokaler „Fossilienjäger“, wahrscheinlich kaum seinen Augen. Da schaut etwas aus der Erde. Sieht aus wie ein Fossil. Ein großes Fossil. Die von ihm benachrichtigte Familie Zubieta beginnt mit den Ausgrabungen. Zum Vorschein kommen die etwa acht Meter langen Überreste eines mindestens 110 Mio. Jahre alten Kronosaurus boyacensis. Und dieser große Vertreter der schon angesprochenen Pliosaurier war mutmaßlich noch nicht einmal vollständig ausgewachsen.
früher
heute
heute
früher
Es folgt ein erwartbares Hin und Her. Natürlich soll der Fund in ein „richtiges Museum“ gebracht werden. Die lokale Bevölkerung hat etwas dagegen und wehrt sich. Man besinnt sich auf sein urzeitliches Erbe, eine private Stiftung wird gründet und ein Plan reift. Rund um das an Ort und Stelle belassene Fossil wird ein Museum gebaut. Und so können auch wir diesen beeindruckenden Kronosaurus noch genau an der Stelle bewundern, wo er sein Leben endete.
Nach dem Besuch laufen wir noch ein bisschen in der weitgehend verwaisten Anlage umher. All das ist offensichtlich für mehr Besucher ausgelegt, die in normalen Zeiten sicher auch kommen. Heute sind wir mal wieder fast alleine. Die Kinder stöbern noch etwas in den kleinen Souvenirläden und werden (natürlich) fündig. Samuel erweitert seine Mineraliensammlung und Maila fügt ihrer wachsenden Kollektion von Schlüsselanhängern einen Kronosaurus hinzu. Ein kleines Andenken an den beeindruckenden Besuch eines großen Fossils.
Wir leben aktuell ja auf einem Segelboot und da ist ein gewisser maritimer Bezug natürlich naheliegend. Ein Wrack ist schließlich auch nichts anderes als eines Schiffsruine. Doch im Aufruf wird so deutlich auf die landseitige Interpretation hingewiesen, dass wir den Gedanken dann doch verwerfen. Auch Festungen und ähnliches fallen letztlich raus. Was bleibt?
Na mal überlegen, was für „klassische Bauwerksruinen“ wir in letzter Zeit so gesehen und besucht haben. Da bleibt erstaunlicherweise gar nicht so viel übrig. Vielleicht das Nationalmonument Guayabo in Costa Rica? Die größte archäologische Stätte des Landes zeigt unter anderem Überreste einer präkolumbianischen Stadt. Allerdings wollten uns bei unserem regnerischen Besuch keine wirklich schönen Fotos gelingen.
Nun gut, dann erinnern wir halt an Panamá City. Die klassischen Ruinen von Panamá Viejo haben wir zwar verpasst. Dafür zeigte sich bei unserem Spaziergang in der Altstadt Casco Viejo ein ebenso malerisches wie ruinöses ;-) Motiv der Iglesia de la Compañía de Jesús
Die Mitte des 16. Jahrhunderts in Panama gegründete Kongregation der Jesuiten hat ein lange Bildungstradition. Nach dem Umzug der Stadt beginnen sie im Jahr 1741 an dieser Stelle mit dem Bau Ihres Konvents und nur acht Jahre später wird darin die erste Universität des Landes gegründet. Leider nur bis 1767 der spanische König Karl II. die Jesuiten aus dem Land vertreiben lässt. Daher wird der eigentliche Kirchenbau auch wahrscheinlich nie beendet. Und dann kommt 1781 ein großes Feuer. Und dann kommt 1882 ein Erdbeben. Fast schon ein Wunder, dass da überhaupt noch etwas steht. Kein Wunder dagegen, dass das was noch steht nurmehr eine Ruine ist…
Seit dem 18. Jahrhundert soll es in jeder römisch-katholischen Kirche einen Kreuzweg geben. Meist handelt es sich um vierzehn seitlich angebrachte Darstellungen. Einige ältere Darstellungen zeigen auch nur sieben, eine in Bamberg neun und ganz selten sieht man sogar fünfzehn Stationen.
Im durch die Kolonialzeit katholisch geprägten Kolumbien finden sich naturgemäß viele Kreuzwege. Alltag? Ja und Nein, denn einige der Darstellungen sind doch bemerkenswert. Daher widmen wir heute mal einen ganzen Beitrag in aller Ausführlichkeit drei exemplarischen Kreuzwegen, die uns auf unserer kleinen Rundreise begegnet sind.