Eisbaden auf den Isles of Scilly

Bevor ich doch mal „aus Versehen“ über Bord gehe, beteilige ich mich natürlich sehr gern am Blog. Zumal ich gerne die Blogs anderer Reisenden lese, also… Die Isles of Scilly wurden mir, nachdem Micha dort bereits mit Kojencharter war, angepriesen. Es gäbe Palmen und Grün und den „Mermaid Pub“ – in veränderbarer Reihenfolge. :-)

Ich sah erstmal nur Steine und Regen und das viele Fahren über eine grüne Fläche auf dem Plotter (heißt es fällt trocken, blau ist sicherer) war doch sehr gewöhnungsbedürftig und ich beschloss, hier mal nicht selbst zu steuern um, falls wir auf einen Stein treffen, nicht schuld zu sein. Dann kann ich wenigstens sagen, ich hab`s gewusst. Aber ich könnte natürlich auch die Gezeiten lesen. Wir stellten allerdings fest, dass selbst die unter Wasser liegenden Steine gut in den Plotterkarten dargestellt wurden und somit wenig Gefahr bestand. Dann sah ich auch schon ein Kreuzfahrtschiff. Na gut, die trifft man ja mittlerweile an allen Orten. Micha suchte uns eine geschützte Bucht (also eine kleine Düse stand da schon drin) mit vielen Unterwassersteinen. Dort fühlten sich auch Robben wohl, so dass es für uns trotz Wind, Kälte und leichtem Regen einen netten Abend gab.

Da die Kinder ja unbedingt Baden wollten und es an unserem Strand aufgrund der vielen strandnahen Steine nicht ging, holten wir (in Persona Micha) am nächsten Tag den Benzintank raus und fuhren an den idyllischen Nachbarstrand mit kleiner Burg. Wohlweislich hatten die Kinder die Badesachen bereits an und ich habe als gute Ehefrau natürlich Michas Badehose mitgenommen. Meine natürlich vergessen. Wie schade. Die Kinder sprangen fröhlich ins Wasser und sammelten Muscheln. Dann sollten wir mit rein. Am Strand sitzen ist allerdings auch schön. Aber einer musste ein Opfer bringen und Micha schwang sich ins Wasser. Er sagte, vor Kälte zitternd nicht viel, nur das Wort KALT fiel sehr oft. Aber er blieb tapfer, zur Freude der Kinder, im Wasser. Das ist eher ungewöhnlich, da er in unseren sonstigen Urlauben im Norwegen und Schweden den Wasserkontakt unterhalb einer gewissen Temperaturgrenze eher vermieden hat. Und es war wirklich KALT!

Als Belohnung besuchten wir am nächsten Tag die „Mermaid“. Wir verholten uns zur Hauptinsel St. Mary und besuchten Hugh Town. Wobei es eher ein Dorf ist, aber immerhin gab es Eisläden, einen Supermarkt und mehrere Pubs. Die versprochenen Palmen (für mich ein Zeichen von wärmeren Temperaturen) musste ich ganz schön suchen und sie wirkten auch etwas traurig. Wenigsten es waren sogar mehrere Palmen.

Palmen!!!

Abends gab es Fish & Chips und leckeres Bier im wirklich urigen Pub (The Mermaid). Das Essen hat sehr gut geschmeckt und Samuel hat auch nur 3-mal den Tisch umgestoßen. Aber das ist in so einem Pub nicht so schlimm. Bleibt nur die Frage nach dem wievielten Bier??? Natürlich gab es keins für ihn!! Wer weiß, wie es mit Bier gewesen wäre?! ;-)

So, jetzt posten wir auch mal ein Bild mit vollen Tellern ;-)

Am nächsten Tag besuchten wir noch ein englisches Seenotretterboot und die kleine Festung. Die Kinder wollten auch sehr gerne unser neues Kajak ausprobieren und ich(??) hätte es ihnen versprochen. Gegenüber meinem Mann konnte ich mich nicht mehr daran erinnern, denn ich kann das Kajak gar nicht aufbauen. Das musste wieder Micha machen. Mit leicht finsterer Miene (er hatte eine andere Zeitplanung, denn er muss als einziger noch nebenbei für seinen Beruf arbeiten) zerrte er die Kajak Tasche aus einer der großen Backskisten am Heck und verteilte es auf dem Boot. Da es ein aufblasbares Kajak ist, mussten erstmal einige Sachen zusammengesucht werden. Es mussten sogar Schrauben benutzt werden. Da fand ich das iSUP einfacher. Natürlich war die Anleitung an Bord nicht auffindbar und es mussten das iPad dazu befragt werden. Dann fing es noch an zu regnen und die Kinder fragten, wie lange es noch dauert. Da tat mir Micha schon etwas leid. Als es dann aufgebaut war, sah es aber echt cool aus. Zum Glück hörte es dann auf zu regenen. Ich versuchte die Paddel zusammenzustecken, was nur teilweise gelang. Micha rief nur ernüchtert, dass es bei ihm vorher noch ging. Na gut. Samuel und Maila hatten echt viel, sehr viel Spaß. Sie haben das echt super gemacht. Kinder sind da eher intuitiv. Maila schrie zwar am Anfang ständig, dass Samuel nicht so wackeln soll, aber es hat sich super eingespielt. Auch Micha ist gefahren, aber dann doch sicherheitshalber allein.

Es ist hier wirklich schön… also wenn die Sonne scheint. Aber die Sonne hat sich echt bemüht. Für das Sturmtief, das uns dann später von einer Bucht in die andere getrieben hat, kann sie ja nichts. Ein weiterer Grund, warum wir laut Micha unbedingt hierher mussten, war lustiger weise seine SHS (Sporthochseeschifferschein) Prüfung. Dort wurde in seiner mündlichen Prüfung u.a. die Biskaya abgefragt. Dabei bot er den drei Kapitänen natürlich Brest und die Scillies an. Sie sagten dann, dass er jawohl von den Scillies fahren würde, und er stimmte natürlich gottergeben zu (er wollte ja bestehen). Nun war es im Kopf und schon sind wir hier. Ob das wirklich der beste Absprungort ist, werden wir sehen, aber soweit West wie möglich, ist hier bei vorherrschenden Westwinden immer gut.

In einer unserer letzten Badebuchten mit Strand war ich dann auf liebevollen Zwang meiner Kinder doch auch mal EISBADEN. Und natürlich habe ich auch das Kajak ausprobiert… aber die Geschichte möchte Samuel viel lieber selbst erzählen. Also bis dahin, Eure La Skipper!

Seenotretter mal kitschig.

Bis Land’s End und weiter…

Nach den erhebenden Erlebnissen in der Sunny Cove segelten wir weiter nach Westen. Und hier ist es dann tatsächlich passiert: am Sonntag, d. 21. Juli 2019 um 14:27 UTC+1 wurden von der Samai (bei gleichzeitiger Anwesenheit von La Skipper!) Delfine gesichtet. So richtig in echt. Ok, sie sind eigentlich nur einmal quer durchgezogen, haben dafür aber immerhin ein paar hübsche Sprünge hingelegt. Um die ganze Tragweite dieses Ereignisses zu erfassen muss man wissen, dass meine liebe Frau es tatsächlich geschafft hat, noch nie Delfine von Bord eines Segelbootes zu sichten. Also wirklich noch nie! Entsprechend aufgeregt hallten die Freudenschreie durch das Boot. Aber das wird sich sicher noch beruhigen.

Endlich!

Plymouth war als Einkaufsstopp eingeplant. Dementsprechend lagen wir in der etwas abseitigen King Point Marina, in der sich auch „Princess Yachts“ eingemietet hat um Ihren überdimensionierten Motorbooten hier den letzten Schliff vor der Auslieferung zu verpassen. Für uns war das schlagende Argument, dass sich sowohl Aldi als auch Lidl in entspannter Fußläufigkeit befinden. Gerade in letzterem waren die Konsequenzen der Internationalisierung am eigenen Leib erfahrbar: man fühlt sich wie in einem x-beliebigen Lidl in Deutschland… die identischen Marken unterschieden sich nur in der englischen Aufschrift. Mit einem längeren Fußmarsch ließen sich sogar neue Dinghy-Paddel besorgen. Nur das Handy-Problem hat sich nun doch als Totalschaden herausgestellt. In der Ladebuchse fehlen Pins, die sind natürlich nicht so leicht zu ersetzen und über 200 Pfund in ein altes iPhone 6s zu investieren… also wirklich, so dicke haben wir es wahrlich nicht.

Und dann zeigte der Englische Sommer noch die eine Facette, welche uns bisher vorenthalten wurde. Etwas, ohne dass ein Aufenthalt in England einfach nicht komplett ist: Nebel! Bei teilweise deutlich unter 100m Sichtweite hallten von der Bucht die Schallsignale rüber und auch das abendliche Verholen in die benachbarte Ankerbucht fand unter Radar statt. Am nächsten Morgen dann weiter zum TO-Stützpunkt Penzance… über diese Perle habe ich ja schon berichtet.

Den Schlag an Lands’s End vorbei zu den Isles of Scilly konnten wir nahezu segeln… und dabei auch erneut die jahrelang vermissten Meeressäuger sichten. Dieses Mal haben sie uns sogar eine Zeitlang begleitet. In der gewählten Ankerbucht vor Tresco kam es dann noch besser: wir hatten unsere eigene private Bucht-Robbe! Doch von den Isles of Scilly wird dann demnächst erstmals La Skipper berichten.

Wolf Rock vor Land’s End

Sunny Cove

Skipper: Also, wie war das nochmal in der Sunny Cove? Wir lagen in dieser offensichtlich sehr beliebten Badebucht vor Anker und die Kinder wollten wie von der liebenden Mutter versprochen an den Strand. Genau diese Mutter hatte dann allerdings keine Motivation das Dinghy durch die Wellen zu steuern und dann womöglich wegen der Gezeiten auch noch an Land ziehen zu müssen. Folgerichtig beschloss Sie, dass der Skipper seiner Familie einen Dinghy-Taxi-Service angedeihen lassen würde. Und was passierte dann?

Maila: Dann hat uns eine Welle an den Strand gespült und dann sind wir ausgestiegen und waren bereits nass. Und dann hat Papa versucht wieder von dem Strand wegzukommen. Und dann hat ihn eine Welle wieder rangespült. Und da hatte er die Paddel noch draußen. Und dann ist ein Paddel gebrochen, weil das Dinghy auf das Paddel gegangen ist. Dann hat er die nächste Pause abgewartet und ist wieder mit einem gebrochen Paddel zum Boot gepaddelt.

La Skipper: Ich versuchte anfangs einfach nur fluchtartig das von Wellen überflutete Dinghy zu verlassen und die Sachen, die natürlich nicht in einer wasserdichten Tasche verpackt waren (Lernkurve) an Land zu bringen und auf einem trockenen Stein auszubreiten. Natürlich war das Handy dabei und natürlich war auch dieses nicht wasserdicht verpackt. Dabei hatte ich das mit dem gebrochenen Paddel überhaupt nicht mitbekommen. Erst von dem lauten Tumult meiner Kinder hinter mir alarmiert nahm ich das Handy und drehte ich mich um… breit für ein tolles Foto. Zu diesem Zeitpunkt lachten noch alle. Dann erst realisierte ich, dass das Paddel abgebrochen war. Da zückten auch schon die anderen Strandgäste bereitwillig ihre Kameras.

Na was ist denn da passiert?

Samuel: Damit ist ja eigentlich schon alles gesagt. Sowas Lustiges habe ich noch nicht gesehen und alle haben gelacht. Außer Mama, die hat geschrien. Davon, dass alle Ihre Kameras gezückt haben, hatte ich aber nichts mitbekommen. Ich hatte nur gesehen, dass Papa bei der Rückfahrt plötzlich im Dinghy auf den Boden gerutscht war.

Skipper: Ganz so einfach war das mit dem zurückpaddeln ja nun wieder nicht. Links war zwar noch alles in Ordnung, doch in der rechten Hand hielt ich nur den Stumpf des abgebrochenen Paddels und versuchte damit halbwegs geradeaus Richtung Boot zu kommen. Natürlich paddelt man bevorzugt im Sitzen. Dafür gibt es schließlich auch ein Sitzbrett im Dinghy (nach einem Verlust in Schweden ist es sogar schon das zweite). Ich ließ mich also im schaukelnden Dinghy nieder und saß… ganz tief auf dem Boden. Im Wasser, das bei der Anlandung von den Wellen reingespült war. Das Brett war aus der linken Halterung gesprungen und hing nun quer runter. Aber darauf konnte ich keine Rücksicht nehmen, zu nahe war die Brandung noch und ich musste erstmal in ruhigere Gewässer und dann schließlich auch wohlbehalten zur Samai zurück.

Maila: Dann sind wir ins Wasser gegangen, aber es war ganz schön kalt. Aber wir sind trotzdem reingegangen und haben da gespielt. Aber da waren ganz schön hohe Wellen und als ich sehr tief drin war, war da eine ganz große Welle. Samuel ist in die Welle reingesprungen aber ich nicht, ich wurde von der Welle untergetaucht und zum Glück kam nicht gleich die nächste Welle und ich bin wieder hochgekommen und auf den Strand gelaufen. Danach in ein paar Minuten später bin ich wieder nur bis zu den Knien oder den Po reingegangen und wir sind immer vor den großen Wellen weggelaufen und in die Wellen reingesprungen.

Samuel: Ich bin in die großen Wellen reingesprungen und habe gar nicht mitbekommen, dass Maila von denselben Wellen runtergedrückt wurde. Als ich wieder aus dem Wasser gekommen bin und mich umgedreht habe, war Maila in Mamas Armen und hat vor Schreck geweint. Danach sind wir vor den großen Wellen weggerannt, in die kleinen sind wir reingerannt und bei den mittleren sind wir stehen geblieben. Nach einer gewissen Zeit wurde Maila kalt und sie ist aus dem Wasser gegangen. Ich bin noch drin geblieben und habe gespielt. Ich wurde dabei von einigen Wellen wie in einer Waschmaschine rumgeschleudert. Das war sehr lustig. Als Mama dann gerufen hat, dass ich rauskommen soll, war ich traurig, weil ich gerne noch weiter gespielt hätte.

Skipper: Da hatte ich mich auch etwas gewundert, wie lange Samuel bei den nicht gerade hochsommerlichen (Wasser-)Temperaturen den Badespaß genossen hat. Aber bei sowas war er schon immer ziemlich schmerzlos.

La Skipper: Während ich so einsam auf meinem Handtuch am Strand saß, wurde ich von den Englischen Strandgästen mehrmals angesprochen, wie wir denn nun zurückkommen würden. Gute Frage. Als Trost erhielt ich freundlicherweise ein Glas Wein, welches ich auch sehr gerne dankend angenommen hatte. Ich war nicht baden. Das war mir zu kalt.

Maila: Und dann, als wir wieder draußen und auf dem Rückweg waren, da war mir ganz kalt. Deswegen habe ich gezittert. Und dann wurde Papa wieder rangespült und hat aufgepasst, dass kein Paddel draußen war. Und dann bin ich immer noch zitternd in das Dinghy und habe eine Tasche gehalten wo Mamas Handy drin war und ich war auch pitschenass. Und dann haben wir erstmal zwei große Wellen abgewartet und eine ging leider ins Dinghy und dann wurde ich noch nasser. Und dann sind wir reingegangen. Mama kam nicht so gut hoch. Dann sind wir wieder in das flacherer gegangen und dann ist Papa eingestiegen und wir sind losgepaddelt. Aber Papa hatte zwei Ersatzpaddel für Mama und Samuel mit.

Skipper: Ich hatte an Bord versucht, die Paddel von unserem aufblasbaren Kajak zu verwenden. Allerdings passten die Löcher nicht, so dass sie nur als Handpaddel für die Rückfahrt dienen konnten.

Samuel: Ich saß auf der rechten Seite und Mama auf der linken. Mama hat die ganze Zeit gesagt: „Samuel… stärker Rudern!“. Dann habe ich meine Ruderstärke beibehalten. Als Papa dann mal kurz komplett aufgehört hatte zu paddeln, sind wir ziemlich doll auf die linke Seite gedriftet. So fiel auf dass Mama wenig gerudert hatte. Aber nach einer gefühlten halben Stunde hatten wir es dann doch bis zur Samai geschafft.

Maila: Und dann sind wir angekommen. Und dann haben wir erstmal alle eine warme Dusche gekriegt, außer Papa. Und ich durfte als erstes in die warme Dusche.

Samuel: Danach habe auch ich mich kurz abgeduscht. Ich mag duschen nicht so sehr, aber diese Dusche hat gut getan. Im Anschluss an diesen Badespaß gab es dann auch noch leckere Hamburger.

Perlen der Weltmeere (2): Penzance und Newlyn (UK)

Es gibt Häfen, da passt einfach alles. Maritimes Flair, Qualität der Liegeplätze, sanitäre Einrichtungen, Strom, Wasser, Nachbarboote, Hafenpersonal, sogar das Wetter. Alles zusammen ergibt ein harmonisches Gesamterlebnis, das eines Segler Herzen höher schlagen lässt und sich in das Langzeitgedächtnis einbrennt. In den Farben des Regenbogens, mit Blümchen, Sonnenschein und Schäfchenwolken.

Und dann gibt es Häfen, die sich aus ganz anderen Gründen in das Langzeitgedächtnis einbrennen. Eher in Grautönen, mit Unkraut (gerne auch im Wortsinne) und Stratusbewölkung. Perlen der Weltmeere!

Penzance

Position: 50°07,03‘N / 005°31.81‘W

Manch eine Perle ist scheu. Sie lässt die Muschel geschlossen und gewährt Besuchern nur zu ausgewählten Zeiten Einlass. So auch Penzance. Die Tore des Hafens öffnen sich abhängig von den Gezeiten nur von HW-2 bis HW+1. Entweder lässt man sich im angrenzenden, bis gut 1,5m trocken fallenden offenen Becken nebenan nieder oder wartet an einer der bereit liegenden Bojen. Nachdem wir von letzterer wieder losgemacht, den einlaufenden kleinen blauen Frachter abgewartet und den Molenkopf mit dem von Anglern dezent aber bestimmt eingeforderten Abstand passiert hatten, wurden wir schon freundlich winkend mit „Hello Skipper!“ empfangen.

Ernsthaft: die Hafenmeister sind super!!!

Immer ein freundliches Wort und eine helfende Hand weisen Sie uns einen Platz als fünftes Boot im Päckchen direkt bei der Einfahrt zu. Obwohl… einige der Innenlieger als Boot zu bezeichnen wäre tendenziell eine Beleidigung für all die schönen Boote auf den Meeren der Welt. Nun ja, wenigstens schwimmen sie noch und der Pflanzenbewuchs auf dem rostigen, vor sich hin verfallenden Deck hat anscheinend keinen nennenswerten Einfluss auf den Trimm. Nennt man das noch „pittoresk“ oder doch eher „heruntergekommen“? Jedenfalls muss man sich keine Gedanken darüber machen, mit seinen Fußkleidern das Deck anderer Wasserfahrzeuge dreckig zu machen… anders herum wird schon eher ein Schuh daraus.

Historisch oder Schrott?

Zurück zu den Hafenmeistern. Für sie scheint das Hafenbecken ein eigener kleiner Verschiebebahnhof zu sein. Einlaufende Boote werden immer genau an den Platz verbracht, auf dem man sie haben möchte. Zur Not fahren Sie mit ihrem kleinen orangenen Hafentender umher und ziehen schnell mal die zwei äußeren Boote eines 4’er-Päckchens weg, damit der Neuankömmling sich dazwischen quetschen kann. Auch für den nächsten Morgen ist eine ähnliche Aktion vorgesehen.

Hafen-Tetris

An eben diesem frühen Morgen liegt der Skipper noch gemütlich im Bett und hat mal wieder komische Träume. Das kommt ja schon hin und wieder mal vor. Aber ein so penetrantes Piepen erträumt man sich doch eher selten. Kein Wunder, ist es schließlich der verzweifelte Versuch des nach Erholung suchenden Unterbewusstseins die vielfältigen Geräusche der Umgebung unauffällig in die Ruhephase einzubauen. Und da Kräne sowie sonstige Gefährte beim Entladen auch kleinerer Frachter nun mal gerne vor sich hin piepen, so piept es also nun auch in der Traumwelt.

Unser ganz besonderer Dank aber gilt Adrian, dem Trans Ocean Stützpunktleiter hier in Penzance. Hilfsbereit hat er zwei wichtige Postsendungen angenommen, ist für einen Plausch zum Pier gekommen und hat sogar angeboten, uns bei Bedarf gerne irgendwohin zu fahren. Gut zu wissen, dass es solche Stützpunkte rund um den Globus gibt. Und ganz bestimmt harmoniert da auch hin und wieder mal das maritime Flair mit der Qualität des Menschen vor Ort.

Skyline von Penzance

Position: 50°06,20‘N / 005°32,81’W

Newlyn schmiegt sich nur 1sm südlich an die malerische Küste im Südwesten Englands. Vor einigen Jahren war ich mit der Antares von Segelreisen Berlin auf einem Kojencharter-Törn von Dublin nach Plymouth hier. Wir kamen von den Isles of Scilly und suchten eine Bleibe für die Nacht. Die Wahl fiel auf dieses Kleinod.

Wichtig zu wissen ist, dass Fischer hier grundsätzlich priorisiert sind. Gegebenenfalls muss der Segler sich verholen. Überhaupt prägt das Fischereigewerbe diesen Ort. Auf die Frage nach einer Dusche führte uns der freundliche Hafenmeister quer über einen auch über die Nase deutlich identifizierbaren Hof zur Fischverarbeitung zu einer Tür am Rande der zugehörigen Halle, öffnete Sie und präsentierte lächelnd den „Sanitärbereich“. Bis 22 Uhr könne er uns die Tür offen lassen, danach müsse er jedoch abschließen, damit sich keine ungebetenen Nachtschwärmer darin verirren. Keiner brachte es über das Herz zu sagen, dass er im Grunde auch sofort wieder abschließen könne. Alleine die Vorstellung, sich in dieser Räumlichkeit seiner Kleidung zu entledigen war befremdlich. Von Duschen brauchen wir da gar nicht erst zu reden.

Anlieger scheinen es mit der Kleidung da mutmaßlich lockerer zu nehmen. Am Abend stolzierten zwei Damen mit selbst für englische Verhältnisse sehr kurzen Röckchen über den Pier und wurden von helfenden Händen auf das gegenüber liegende Fischerboot geleitet. Hmmm… ist es das, was wir denken? Beim Frühstück am nächsten Morgen sahen wir jedenfalls genau diese zwei Damen in eben diesen kurzen Röckchen wieder von Bord kommen. Aber vielleicht war es ja auch nur eine ausgiebige Pokerrunde.

Auch wir verließen kurze Zeit später diesen Hafen und hatten wieder eine eher in Grautönen im Langzeitgedächtnis eingebrannte Erinnerung.

Englischer Sommer

Der Solent. Das Mekka des Segelns zwischen dem Englischen Festland und der Isle of Wight. Wir liefen an einem Donnerstagmittag mit Weststrom aus Portsmouth und waren mitten drin im Regattazirkus. Mitten in der Woche. Haben die denn alle keine Arbeit? La Skipper am Steuer war jedenfalls der Verzweiflung nahe, als aus allen Richtungen immer wieder mehr oder weniger bunte Segel und dazwischen auch gerne mal eine Fähre unsere Route zu kreuzen schienen. Natürlich waren wir gegen den Wind unter Motor grundsätzlich ausweichpflichtig und so hat unser Track im Plotter auch nicht viel mit einer Geraden gemein. Bei den Needles war es dann endliche ruhiger. Also was die anderen Boote angeht. Das Wellenbild vor dieser berühmten Landmarke war eher konfus.

The Needles

Als wir dann wieder mehr oder weniger offene See erreicht hatten, sollte nun endlich der Wassermacher in Betrieb genommen werden. Also erstmal gem. Anleitung gründlich gespült und dann die Pumpe angeschaltet. Hmmm… die hört man ja gar nicht. Und irgendwie passiert da auch gar nichts. Kein Wunder, hatten sich dank loser Kabelschuhe doch zwei Kabel gelöst. Dumm nur, dass es da vier Anschlussmöglichkeiten gibt und sich die Anleitung in diesem Punkt ausschweigt. Schließlich fand ich ein Foto, auf dem man mit viel gutem Willen erkennen kann, auf welche Pins die Kabel gehören. Kabelschuhe enger gemacht, Stecker aufgesetzt, Wassermacher eingeschaltet und nun gab er auch Laut und schließlich sogar Süßwasser von sich. Als erstes wurden über den Auslassschlauch die Kanister gefüllt. Dann habe ich den Hebel unter der Spüle umgelegt um das Wasser direkt in den Wassertank umzuleiten. Der Blick auf die Tankanzeige einige Zeit später brachte jedoch keine Veränderung. Und das bei einem „Fördermenge“ von ca. 1l pro Minute. Bodenbrett rausgenommen, Blick in die Bilge, Schwimmbad vorgefunden, dummes Gesicht gemacht. Die Quelle war hinter dem Schaltpanel, da hatte sich eine Schlauchverbindung gelöst und insgesamt über 20l Wasser in die Bilge entlassen. Dabei handelt es sich aber offensichtlich um eine Sollbruchstelle, die bei einer Verstopfung vermeiden soll, dass der Druck in den Wassermacher zurückschlägt. Der wahre Übeltäter war der Umschalthebel unter der Spüle. Eine Stellung öffnete „Wassermacher – Schlauch“. Die andere dagegen öffnete „Wassertank – Schlauch“ und verschloss damit den Ausgang des Wassermachers. Das erklärt dann auch, warum beim letzten Mal Wasser bunkern das kühle Nass den Weg vom Tank über den Schlauch in die Bilge gefunden hatte. Zum Glück ließ sich der Hebel leicht ohne weitere Umbaumaßnahmen umstellen.

Torquay… findest Du unsere Samai?

Nach knapp 50sm fiel der Anker in der kreisrunden Lulworth Cove. Allerdings stand hier schon bei dem aktuellen Westwind ein etwas unangenehmer Schwell. Für den nächsten Tag sollte der Wind dann auf Süd drehen (also direkt auf die Nase… wohin denn auch sonst?!) und im Laufe des Tages auffrischen. Damit war die Bucht keine Option für längeres Verweilen und schon kurz nach Mitternacht ging es mit dem Strom nochmal gut 50sm weiter Richtung Westen nach Torquay. Die Englische Riviera. Sommer, Sonne, Strand und Spaß im milden Wasser unter blauen Himmel. Also eigentlich. Wir wurden am frühen Morgen dagegen mit 5 Bft. Südwest, tieferhängender, geschlossener Wolkendecke und Nieselregel empfangen. Der Englische Sommer zeigte sein schönstes Gesicht. Das Softeis mit Flake schmeckte trotzdem.

Doch noch sonniges Segeln in der Englischen Riviera

Immerhin klarte es am nächsten Tag etwas auf und als es weiter ging, schien tatsächlich zeitweise mal die Sonne. Nur der Wind wehte mal wieder nicht so, wie er sollte. Ob der kurzen Tagesstrecke kreuzten wir tapfer bis kurz vor „Start Point“ bevor uns dann wiederum die „Eiserne Genua“ (aka Motor) Richtung Salcombe brachte. In der „Sunny Cove“ fiel zwischen anderen Motorbooten und zwei kleinen Seglern der Anker. Auf erneute Hafengebühr konnten wir gut und gerne verzichten. Entsprechend ungläubig schauten wir auf das kleine Boot, das etwas später zwischen den Ankerliegern kreiste. Es hatte die Aufschrift „Harbour Master“. Und ja, der gute Mann wollte tatsächlich Geld dafür, dass wir autark vor Anker die Nacht hier zu verbringen gedachten. Immerhin waren es „nur“ 12 Pfund. Und er hat sogar unsere von vor vier Jahren übrig gebliebenen Guernsey-Pfund angenommen… eine Währung, die auf dem Englischen Festland sonst eher nutzlos ist.

Über den Strandausflug in dieser schönen Bucht werden wir dann bei nächster Gelegenheit gemeinschaftlich berichten…