Sarah W. Vorwerk

Die Sarah W. Vorwerk ist eine rote Skorpion IV, deren Skipper Henk seit nunmehr fast 30 Jahren Kojenchartertörns von Ushuaia aus anbietet. Zweimal im Jahr geht es in die Antarktis. Und vor sage und schreibe 12 Jahren, Samuel war nur ein paar Monate alt und Maila noch lange nicht geboren, war der heutige Skipper der Samai als Gast auf diesem 16m-Stahlschiff im ewigen Eis. Damals reifte der Gedanke, wieder zu kommen… mit der Familie und mit dem eigenen Boot. Ebenso entstand damals die Idee, die von La Skipper nach Ihrer Bundeswehrzeit ohnehin geplante Auszeit als 3-jährige Weltumseglung zu gestaltet. Seitdem arbeiteten wir darauf hin und nun sind wir unterwegs.

Gästegalerie in der urkrainischen Vernadsky Station

Und hier und jetzt in der Antarktis schließt sich der Kreis. Nach einem kurzen Plausch mit Henk sowie dem Austausch der Kurzwellen-E-Mail-Adressen in Ushuaia ist die Sarah nur wenige Tage nach uns auf Ihre zweite Antarktisfahrt des Jahres aufgebrochen. Schon auf der Drake-Passage blieben wir über E-Mail in Kontakt und es war nur eine Frage der Zeit, bis wir uns hier unten wieder sehen würden. In Deception Island war es dann soweit, ein erster Plausch in der Messe der Sarah, das persönliche Kennenlernen des erfahrenen Eis-Skippers mit dem Rest meiner Familie. Es war wirklich schön.

Sarah W. Vorwerk und Samai in Whalers Bay

Auch in den nächsten Tagen blieben wir in Kontakt, Henk versorgte uns mit wertvollen Tipps für Unterwegs und mit sicheren Ankerplätze. Und auch die (zahlenden) Mitreisenden auf der Sarah waren augenscheinlich nicht davon genervt, dass dieses Deutsche Familienboot immer wieder bei Ihnen auftauchte. Ich hatte ehrlich gesagt ja schon ein schlechtes Gewissen.

Sarah W. Vorwerk bei Cuverville Island

Es gipfelte in einem gemeinsamen Grillabend auf der ankernden Sarah (wir lagen längsseits!), mit sehr netten Gesprächen, viel positiver Energie und natürlich super leckerem Essen. Und dann öffneten sich in der dunkelsten Stunde der Nacht bei Böen über 40kn unsere Vorsegel im mittleren Bereich. Selbstredend war so etwas vorher noch nie passiert, so eine Episode spart man sich für die Antarktis auf. Fock und Vorstag schlugen wild umher, das Segel musste schleunigst runter. Alleine wäre so etwas vor Anker vergebene Liebesmühe, wir hätten rausfahren und das Ganze irgendwie in Fahrt regeln müssen. So aber kamen helfende Hände von der Sarah. Ob Segler oder nicht, jeder Mann (und die segelnde Köchin!) packten mit an… Danke, Danke, Danke!!!

Danach trennten sich unsere Wege, wir hatten etwas mehr Zeit als sie und wollten weiter nach Süden, die Sarah blieb nördlich. Doch der Kontakt brach nicht ab und wir hoffen (jetzt, da ich das schreibe sind wir noch im Eis), dass das geplante Treffen in Ushuaia nach unserer Rückkehr klappt… und vielleicht auch danach der Kontakt zu Henk nicht wieder ganz abbricht.

Und der Sarah W. Vorwerk natürlich immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Nachtrag aus Ushuaia: Natürlich haben wir uns hier mehrmals wieder gesehen und den Höhepunkt bildete erneut ein Grillabend, dieses Mal jedoch bei Henk und seiner Familie zu Hause.

Perlen der Weltmeere (4) – Rawson (Argentinien)

Diese besonderen Orte, gleichwohl Oasen der seglerischen Glückseligkeit, welche sich unauslöschlich in des Skippers Langzeitgedächtnis einbrennen gibt es nicht nur in Europa. Nein, auch in Südamerika haben wir eine solche Perle gefunden: Rawson!

Dabei war die Begrüßung phänomenal. Vor der Küste spielten Commerson-Delfine ums Boot, ein großer Seelöwe schaute neugierig vorbei und Schwärme von Seevögeln in jeder Richtung. Wobei sie sich ehrlich gesagt besonders konzentriert um die vielen Fischerboote versammelten. Ja, Rawson ist im Herzen ein Fischereihafen mit großer, orange leuchtender Flotte. Bei unserer Ankunft war diese gerade dabei, nach und nach wieder einzulaufen. Bei einem teilweise trocken fallenden Flusshafen mit Untiefen und Sandbänken besonders im Bereich der Einfahrt, waren das willkommene Lotsen.

Als wir dann am Spalier der in dicken Päckchen liegenden Fischer vorbeifuhren, unterbrachen sie alle, ja wirklich alle Ihr Tagwerk. Sie riefen uns freundliche Willkommensgrüße uns, winkten und reckten Daumen in die Höhe, auf dutzenden, schnell gezückten Handys wurden wir bildlich verewigt. Einen solchen Empfang bekommt nicht einmal die Aida in Warnemünde.

Anlegen solle man als Segler am Steg der Prefectura Naval. Doch wo ist dieser bloß? Eine dezente Hilfestellung bei der Suche gibt ein quer im Flussbett liegendes Wrack. Auf dieser Höhe säumten auch noch andere, in diesem Leben niemals mehr auf dem Wasser schwimmende Rosthaufen das Ufer. Hier sollte man definitiv nicht weiter fahren.

Kurz davor sahen wir einen kleinen weißen Schwimmsteg, doch der gehörte einem privaten Anbieter von Bootsausflügen. Dann vernahmen wir die Rufe von dem – Entschuldigung, aber ich kann es nicht anders beschreiben – orangen Nahezu-Wrack daneben. Halbtoter Ausläufer des Schiffsfriedhofes und wohlgemerkt das vierte seiner Art im Päckchen. Hier sollten wir außen längsseits gehen.

Dieser Logenplatz bot gleich mehrfache Herausforderung. Zunächst einmal musste man an Land über vier vor sich hin rottende Fischerboote klettern.

Des Weiteren fallen diese bei Niedrigwasser sämtlich trocken. Das wiederum wirft weitere Fragen auf:

  • Neigt sich das Boot auf dem Trockenen neben uns evtl. zum Fluss und damit zu uns hin? (nein, es lehnt sich an seinen Innenlieger)
  • Wie zum Messner komme ich bei Niedrigwasser ohnehin schon vom Kajütendach des innersten Bootes auf den in Metern zu messen höher liegenden Steg geklettert? (abenteuerlich!!!)
  • Wer teleportiert mir Bordfahrrad, Bollerwagen und Einkäufe zwischen Steg und Samai? (freundlicher Weise halfen uns die auf dem Außenlieger stets anzutreffenden Männer)
  • Und last but not least: Wer hat auf dem Boot neben uns sein großes Morgengeschäft erledigt und dabei ganz offensichtlich vergessen, dass sein Toilettenablauf bei Niedrigwasser etwa 40cm über unserem Laufdeck liegt? Es war mir eine ganz besondere Freude, diese mittlerweile leicht eingetrockneten Hinterlassenschaften (inkl. Klopapier) mit der Wurzelbürste abzuschrubben… ein Hoch auf Gummihandschuhe und Rückenwind!

Ehrliche Begeisterung dagegen riefen insbesondere bei den Kindern die im Fluss heimischen, großen Seelöwen hervor. Sind die Fischer draußen bei der Arbeit, liegen sie dösend am Kieselstrand. Kommen jedoch die aus Sicht der Tiere orangen Futterstellen in Sicht, geht es ganz schnell ins Wasser. Es wird gebettelt, gerne auch mal aktiv selbst halb an Deck gesprungen und nach unserer Beobachtung hat sich wirklich immer gelohnt… keines der Tiere ging leer aus.

Bei uns gab es allerdings nichts zu holen…

Ein besonderes Lob verdient sich auch die ortsansässige Prefectura Naval. Direkt nach dem Anlegen wurde ich schon aufgefordert, mich doch zeitnah zu melden. Auf Spanisch natürlich. Und nein, eine andere Sprache wurde dort auch nicht gesprochen. Immerhin bot man mir Mate-Tee an und ich musste den obligatorisch Anmeldebogen nicht selbst ausfüllen. Aber warum nur war man so felsenfest davon überzeugt, dass ich noch zur “Migracion” müsse? Unsere Pässe waren doch schon gestempelt! Überflüssig zu erwähnen, dass diese im kilometerweit entfernten Hauptort der Umgebung liegt und die freundliche Dame dort genauso wenig eine Idee hatte, warum ich denn nun gekommen sei. Beim Abmelden durfte ich den bekannten Zettel dann wieder selbst ausfüllen. Zweimal. Dann musste ich noch eine “Malvinas-Erklärung” unterzeichnen und damit meine Nicht-Absicht zum Besuch dieser auch als Falklands bekannten Inseln dokumentieren. Und man stelle sich mein überraschtes Gesicht vor, als ich ein paar Tage später zwei unterschriebene Zettel mit Kontoinformationen in meinen Unterlagen fand. Bei der nächsten Prefectura kümmerte man sich um die Rückführung zu der, auch das sei ehrlicher Weise gesagt, ausgesprochen attraktiven Uniformierten in Rawson.

Kurz vor der Springtide, bei deren Niedrigwasser auch wir mit unseren 1,1m Tiefgang trocken gefallen wären, war es Zeit zum Abschied nehmen. Die Ausfahrt aus diesem unvergesslichen Hafen ähnelte der Einfahrt. Zwar waren es weniger Boote, doch auch dieses Mal wurden wir mit freudigen Rufen winkend und fotografierend verabschiedet. “Auf Wiedersehen!” … oder vielleicht doch lieber ein leises “Lebe wohl!!!”

P. S. Das unbestrittene Highlight, jetzt ganz ehrlich und ohne jede Spur von Ironie, war jedoch das Betanken unseres auf die letzten Liter leer gefahrenen Dieseltanks. Das ist mir sogar einen eigenen Artikel Wert!

Alltagsprobleme von Samuel: Langeweile

Es gibt, wie die Überschrift vielleicht verrät, nicht viel zu tun. Zumindest nicht auf See. Wie sollen wir uns dann die Langeweile, die auf See früher oder später jeden plagt, vertreiben? Es gibt ein paar Möglichkeiten, welche die Kinder nicht immer mögen. Das ist hauptsächlich Schule. Ja Schule muss sein, aber das heißt ja nicht, dass es Spaß macht.

Es gibt an Bord auch noch andere Möglichkeiten, das sind aber nicht viele. Maila und ich lesen sehr gerne.

Maila spielt auch noch, dass sie eine Hauptfigur des Buches ist. Ich mache das nicht so gerne. Eine andere Möglichkeit sich die Langeweile zu vertreiben ist, dass man mit dem wenigen Spielzeug, was vorhanden ist, spielt. Man kann seine Eltern auch nett fragen, ob man auf dem iPad spielen darf. Aber man braucht sie nicht vor Beendung der Schule zu fragen, weil sie dann fast immer mit einem klaren „ Nein“ antworten. Nach der Schule stehen die Chancen besser. Eine andere Möglichkeit ist, auf dem Computer eine Geschichte zu schreiben (was ich sehr gerne mache), Spiele zu „erfinden“ oder PC zu spielen. Letzteres mag Mama nicht so. Auch ist nicht immer genug Strom vorhanden.

Eine von Maila sehr bevorzugte Variante die Langeweile fern zu halten ist ganz einfach… man benötigt nur eine einzige Sache: einen Bruder. Könnt ihr euch schon denken wie das Spiel heißt? Für die, die es nicht wissen sage ich es: es heißt „Bruder ärgern“. Ist sehr effektiv, zum Vertreiben der Langeweile, zumindest für Maila. Manchmal ist es auch für den Geärgerten ein bisschen lustig. Das ganze Spiel gibt es auch umgekehrt. Das heißt dann „Schwester ärgern“.

Niemand hat die Absicht, irgendjemanden zu ärgern!

Eine andere Methode, der blöden Langeweile zu entgehen ist: Kochen. Diese Aufgabe übernimmt aber Papa, der eigentlich immer etwas zu tun hat. Ihm ist also fast nie langweilig. Bei Pfannkuchen kocht auch mal der Sohn, dem eigentlich recht häufig langweilig ist. Blogeinträge schreiben, verhindert die Langeweile auch. Mama legt sich einfach gerne in den Segelmodus (das ist ein Modus von Mama, wo sie die ganze Zeit einfach nur rumliegt), wo ich nicht weiß, inwiefern das gegen Langeweile hilft. Als ich das mal ausprobiert habe, war mir todlangweilig. Dann habe ich freiwillig Schule gemacht. Das kommt sehr sehr sehr selten vor, man kann sagen fast nie.

Schule macht Spaß?

In der Antarktis konnte man jederzeit raus schauen und sah immer Eisberge, Pinguine, Wale oder Gletscher. Man kann auch jederzeit seine eigenen Andenken noch mal bewundern. In den wärmeren Regionen kann man auch mal aus Spaß, Lust und Laune oder Langeweile ins Wasser springen. Und noch mal zu Mamas Lieblingsbeschäftigungen, die gegen Langeweile helfen sollen: Kinder an- und ausmeckern ist für sie nicht nur sehr unterhaltsam sondern auch (weil es so unterhaltsam ist) Langeweile fernhaltend.

Zur Zeit hängen wir hier in Ushuaia fest, und was soll ich sagen?! …

Samuel

Vorurteile

Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch Vorurteile hat. Und jene Menschen, die dieses von sich weisen, haben meines Erachtens das größte Vorurteil über sich selbst.

Vorurteile an sich sind ja auch nicht schlimm, sondern bezeichnen völlig wertfrei die Tatsache, dass wir uns insbesondere über andere Menschen eine Meinung bilden, ohne dass diese auf einer ausreichenden Faktengrundlage basieren würde. Evolutionstechnisch ist das ja auch eine unheimlich hilfreiche Sache. Vorurteile helfen uns, eine immer komplexer werdende Welt überhaupt auch nur verarbeiten zu können. Problematisch wird es immer nur dann, wenn falsche Vorurteile missbraucht werden. Sie müssen stets hinterfragbar bleiben!

Auch ich hatte ein Vorurteil über Menschen, die auf individuellen Pfaden die Welt bereisen. Sei es nun wie wir mit einem Segelboot oder auch mit Wohnmobil, Fahrrad, per Flugzeug oder gar zu Fuß. (Lediglich Um-die-Welt-Kreuzfahrer nehme ich hier aus, aber auch das mag natürlich ein Vorurteil sein ;-). Solche Menschen, so dachte ich, sind neugierig, offenen für andere Menschen, Tolerant gegenüber anderen Sicht- und Herangehensweisen.

Dann kamen wir aus der Antarktis zurück und ich las auf unserer Webseite die Kommentare eben solcher, von mir in beschriebener Weise vorurteilsbehafteter Menschen. Ich fasse mal kurz zusammen, was da im Wesentlichen bei uns ankam:

Wir betreiben – so würden das zumindest „Physiologen“ (sic!) nennen – „verherrlichte Selbstdarstellung“, bzw. sei das „noch untertrieben“.

Hierzu ist zweierlei festzustellen. Erstens schreiben wir den Blog nicht für die Welt, sondern in erster Linie für die Familie, Freunde und Bekannte zu Hause, die gerne an unserer Reise teilhaben möchten. Und wir schreiben ihn für uns selbst. Der Mensch vergisst so viel und so schnell… da werden wir uns sicherlich freuen, diese im Moment entstandenen Zeilen auch später noch lesen zu können. Zweitens ist unser Blog (zumindest in Eigenwahrnehmung) doch um einiges entfernt von der heilen Welt anderer Segler-Blogs, über die wir bei allem Interesse auch hin und wieder den Kopf schütteln.

Wir lernen die Welt und „die eigentlichen Sehenswürdigkeiten“ nicht kennen, weil wir nur an der Küste sind. Dafür „muss [man] tief in das Land fahren“.

Wir haben nie behauptet, die Welt in allen ihren Facetten kennen zu lernen oder gar alle „eigentlichen Sehenswürdigkeiten“ (was ist das eigentlich?) zu sehen. Wir schreiben unsere persönlichen Eindrücke wohl wissend, dass sie genau das sind… persönliche Momentaufnahmen einer Welt, die ein einzelner Mensch ohnehin nicht voll erfassen kann.

Wir vernachlässigen (bzw. überspitzt gesagt misshandeln) unsere Kinder: „Was ist eigentlich mit der Schule, Zahnarzt, genügend Bewegung für die Kinder auf dem Schiff, Vorsorgeuntersuchungen und vieles mehr.“

Das ist schon hart…also wirklich. Ich liebe auf der Welt nichts so sehr wie meine Kinder (sic!). Wäre ich nicht davon überzeugt, dass sie von dieser Reise in so vieler Hinsicht profitieren, wie ich es hier gar nicht beschreiben kann, dann wären wir nicht hier. Und ja, natürlich machen wir hier Schule und ja, natürlich toben die Kinder rum… an Bord, an Land und im Wasser.

„Die Beiträge werden ja zensiert“ bzw, „der Verfasser will erst sein ok geben, also Zensur“. Dafür spreche natürlich auch, dass es bei uns wenig Kommentare gibt… „werden wohl alle nicht genehmigt, grins“.

Das ist zugegebener Maßen mein Favorit. Nur weil ein Kommentar nicht in Tagesfrist freigegeben wird, schwingt man gleich die Zensurkeule. Auf die Idee, dass ich einen Kommentar nicht freigeben WILL, sondern bei WordPress freigeben MUSS kommt man nicht, Die Idee, dass es auf See oder gar in der Antarktis mit dem Handynetz manchmal etwas schwierig ist und Pinguine keine Hotspots betreiben ist ebenso abwegig. Stattdessen: Zensur!!!

Nochmal: Ich gebe jeden Kommentar frei, der nicht ausdrücklich privat ist. Ach ja, warum haben wir eigentlich so wenige Kommentare? Nun, das könnte eventuell mit der Zielgruppe unseres Blogs zu tun haben. Wir haben wenige Leser (an guten Tagen sind es vielleicht mal 30) und noch weit weniger Follower. Und das ist auch völlig in Ordnung für uns! Durchaus vorhandene Kommentare werden anscheinend bevorzugt über WhatsApp oder persönliche Email abgegeben.

Vorurteile… ja, ich denke jeder hat sie und jeder sollte sie ständig hinterfragen. Aber ich war in meinem Leben noch nie so traurig und enttäuscht darüber, dass sich eines meiner Vorurteile als derartig falsch erwiesen hat. Ich tröste mich damit, dass es vielleicht doch nur eine Ausnahme ist und die überwiegende Mehrheit meiner (Wunsch-?!) Vorstellung entspricht.

Unabhängig davon wünsche ich jedem auf dem Weg um, in und durch die Welt, wie auch immer dieser gegangen wird, eindrucksvolle Erlebnisse, ein offenes Herz und wenig Gift in der Tastatur.

P. S. Gerade auch zu diesem Beitrag sind Kommentare natürlich erwünscht und willkommen und werden (so nicht ausdrücklich widersprochen) selbstverständlich freigegeben.

Alltagsprobleme an Bord: Autopilot

Über Weltumseglungen gibt es viel zu Lesen. Zwei Dinge haben sich bei mir eingeprägt:

  1. Warte nicht, bis du perfekt vorbereitet bist sondern setz Dir ein Datum und fahr los… ansonsten wird das nichts. Daran haben wir uns gehalten und dementsprechend mit einer zwar kurzen, aber doch vorhandenen Liste abzuarbeitender Punkte die Leinen los geworfen.
  2. Eine Weltumseglung bedeutet, an den schönsten Orten der Welt improvisieren und reparieren. Sicherlich geht es schlimmer, aber auch das können wir im Grundsatz bestätigen. Also abgesehen davon, dass es nicht immer die schönsten Orte der Welt sind.

Dementsprechend haben wir vorsorglich recht viele Ersatzteile an Bord. Für den Motor liegen Bowdenzüge (Verbindung zwischen Motorhebel an Deck und Motor), mehrere Impeller (wichtig für die interne Kühlung), Keilriemen, Filter und sogar eine neue Lichtmaschine unter meinem Bett. Des Weiteren eine Wasserpumpe, natürlich Opferanoden, Dieselfilter und -pumpe für die Heizung, Wartungsset und Filter für den Wassermacher, sogar Schrauben für das Bugstrahlruder und so manch eine andere Kleinigkeit.

Eine Sache, die wir in letzter Minute dann doch nicht mitgenommen hatten, war ein Ersatzautopilot. Und nun dürft Ihr mal raten, welche größere Komponente an Bord als erstes den Geist aufgab: richtig, der Autopilot.

Es war mitten in der Nacht, als die Samai ohne erkennbaren Grund den Kurs änderte. Der Skipper stürmte ans Ruder. Es hakte, ließ sich aber mit etwas Gefühl und Ruckelei wieder mittig bringen. Zurück auf Kurs den Autopilot wieder eingeschaltet, doch der Kurs wurde partout nicht gehalten. Somit hatten wir keine andere Wahl, als ganz gefühlvoll (schließlich hakte es immer noch sporadisch) von Hand weiter zu steuern. In der nächsten Ankerbucht erbrachte dann die Fehleranalyse, dass sich zum Glück nichts im Ruder verfangen hatte, sondern es zum Pech tatsächlich am Autopiloten lag. Der sonst so leichtgängige Steuerarm hakte, ja blockierte teilweise ganz.

Ich weiß nicht, wie das bei anderen Booten ist. An Bord der Samai zeichnet sich der (technisch weitgehend vorgegebene) Einbauort des Autopiloten nicht gerade durch gute Erreichbarkeit aus. Und dazu ist das Ding echt schwer. Endlich ausgebaut, hatte ich dann mal ganz unverbindlich versucht, den schwarzen Kasten zu öffnen. Ein gutes Dutzend Schrauben raus, doch der Kasten hielt dicht.

Es war an der Zeit, eine E-Mail an den Hersteller Jefa in Dänemark zu schicken. Im Voraus liegenden Buenos Aires müsste es doch eine Möglichkeit geben, das Ding reparieren zu lassen?! Falsch gedacht. Es gibt weltweit genau ein Servicecenter von Jefa… daheim in Dänemark. Ich könne das Gerät gerne einschicken und erhalte es dann nach Durchsicht und Reparatur umgehen zurück. Das war jedoch keine echte Option für uns hier in Südamerika. Doch es wurden netter Weise ja auch noch eine Explosionszeichnung und andere Unterlagen mitgeschickt. Mit deren Hilfe (sowie unter Hinzunahme von Messer und Hammer!) bekam ich das Gerät dann tatsächlich auf und das Problem war recht schnell erkannt:

Natürlich gibt es dieses Teil als Ersatz zu kaufen… direkt bei Jefa. Natürlich schicken sie es gerne zu… nach Argentinien. Natürlich gibt es bezüglich „Post nach Argentinien“ praktisch nur negative Erfahrungsberichte und Warnungen… von horrendem Zoll bis hin zu Totalverlust. Aber wir hatten keine Wahl. Unter Segeln steuert der mechanische Windpilot solange es nicht zu böig ist zwar weitgehend zuverlässig, doch unter Maschine musste nun immer jemand am Steuer sein. Bei einer kleinen Familiencrew ist das auf Dauer nicht darstellbar.

Ich bestellte also das benötigte Teil gleich zweimal (sicher ist sicher ;-) und dazu noch einen Dichtungsring, nach dessen Zustand ich von Jefa gefragt wurde (die Frage alleine war Grund genug für die Bestellung). Und dann wurde die, das sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt, sehr gute und schnelle Unterstützung aus Dänemark zu einem herausragenden Service. Auf meine Bitte hin wurden die Teile ohne spezielle Verpackung, Rechnung oder Lieferschein mit einem privaten Absender und extrem hilfreicher Zollinhaltserklärung als „gebrauchte Ersatzteile“ mit UPS Express auf den Weg zum per Email informierten Yacht Club Argentina in Buenos Aires geschickt.

Die Sendungsverfolgung ließ uns fast jubilieren. Das Paket war schneller als wir, passierte den Zoll anscheinend ohne Probleme und war zur Auslieferung eingeplant, als wir noch in Uruguay weilten. Dann die Ernüchterung: der Empfänger hatte die Annahme verweigert. Über eine Zufallsbekanntschaft erfuhren wir, dass der Vorstand des YCA von unserem Paket wisse, aber die Ablehnung auch nur damit erklären könne, dass da wohl etwas zu bezahlen gewesen sei.

Über den UPS-Service habe ich es dann geschafft das Paket in eine nahegelegene Pickup-Station umzuleiten und in der Bestätigungs-Email stand die mutmaßlich Erklärung für die Annahmeverweigerung: Tatsächlich müsse ich Zoll bezahlen… umgerechnet ganze 11€! Über die Rechnung von Jefa bewahre ich jetzt mal lieber Stillschweigen.

In Buenos Aires angekommen hatte ich mich gleich auf das Fahrrad geschwungen und das Paket abgeholt. Ausgerechnet in Argentinien haben wir damit eine unserer besseren Posterfahrungen gemacht.

Zu guter Letzt stand noch der Zusammen- und Einbau des Autopiloten auf dem Programm. Doch dieser ging, auch dank der guten fotografischen Dokumentation des Auseinanderbauens, recht problemlos von statten. Der Steuerarm war wieder leichtgängig, der schwere schwarze Kasten nach ein paar Verrenkungen auch wieder an Ort und Stelle angebracht sowie verkabelt und ein erster Testlauf im Hafen verlief vielversprechend. Abgesehen davon, dass der Ruderwinkel nicht angezeigt wurde. Und wie sollte ein Autopilot ohne Kenntnis des Ruderwinkels auch nur halbwegs auf Kurs bleiben? Ich war kurz verzweifelt, der Geber hatte doch die ganze Zeit funktioniert. Wo bekomme ich Ersatz her? Letztlich machte es sich mal wieder bezahlt, eine Nacht über ein Problem zu schlafen. Am nächsten Morgen ließ ich im System nochmal nach Geräten und Datenquellen suchen und da war der Ruderwinkel wieder.

Langer Rede kurzer Sinn: Der Autopilot funktioniert wieder und so ein kleines bisschen bin ich sogar stolz, das (natürlich mit dänischer Hilfe) selbst hinbekommen zu haben. Wieder ein weißer Fleck, eine unbekannte Stelle weniger an Bord der Samai.