Im Grunde fahren wir ja eine echt besch… Route. Doch werfen wir erst einmal einen kurzen Blick auf die Karte:
Wir kommen aus Panama (ganz links) und sind aktuell in Kolumbien etwas östlich/rechts von Barranquilla (rotes Kreuz). Nächstes Ziel ist Aruba in der Mitte. Danach geht es weiter zu den zwei östlicheren Inseln der Niederländischen Antillen, Curaçao und Bonaire (letztere nicht genannt). Schließlich folgt der lange Schlag an Venezuela vorbei nach Grenada bzw. Trinidad und Tobago rechts.
(c) Google Maps
Die Karibik ist für stabile bis kräftige Passatwinde, sowie saisonale Hurrikans bekannt. Ok, vor letzteren sind wir hier an der Nordküste von Südamerika sicher. Aber sonst weht es letztlich ganzjährig mehr oder weniger beständig und intensiv von Ost nach West. Was machen wir? Fahren von West nach Ost. Gegen den Wind. Das klingt nach einer echt tollen Idee. Leider haben gewisse Ereignisse außerhalb unserer Einflusssphäre diese Planänderung mehr oder weniger erzwungen. Und jetzt müssen wir halt zusehen, damit klarzukommen.
Bringen wir es auf den Punkt, es gibt letztlich nur zwei Windszenarien:
Meist Wind von vorne (stark bis stürmisch)
Kurze Phasen ohne Wind (mehr oder weniger)
Ebenso eindeutig ist die Sache mit der Meeresströmung geregelt:
In der Karibik strömt es meist von Ost nach West
Nur dicht unter der Küste gibt es einen Neerstrom in Gegenrichtung
Wir haben also die Wahl:
Bei hoffentlich nicht zu viel Wind gegenan zu kreuzen, was uns neben der immensen Streckenverlängerung in den Bereich des Gegenstroms (und momentan ggf. Hurrikans) bringt.
In den kurzen Phasen mit wenig Wind dicht unter der Küste mit Strom zu motorn.
Noch Fragen?
Ich sage mal so… Diesel kostet in Kolumbien etwa 50 Cent pro Liter und der Tank ist randvoll. So werden die nächsten Etappen bis Aruba und auch darüber hinaus also vor allem nur eingeschränkt gesegelt und zu allererst von der Wettervorhersage bestimmt. Insbesondere der Frage, wann es mal nicht ganz so stark weht. Wobei vor der sich erstaunlich lang hinziehenden Küste von Venezuela noch zu berücksichtigen ist, dass man dort als Segler tunlichst einen gehörigen(!) Sicherheitsabstand halten sollte.
Wie eingangs schon erwähnt eine echt besch… Route!
P.S. Wenigstens haben wir für die geplante Überfahrt nach Aruba nächste Woche (ab 10./11. Oktober) die wohl denkbar beste Vorhersage… drückt die Daumen, dass es dabei bleibt!
Wie La Skipper in ihrem letzten Beitrag schon erwähnte, war das ganze Gebiet hier einmal der Grund eines etwa 200m flachen Meeres. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass wir uns aktuell auf mehr als 2000m Höhe über dem heutigen Meeresspiegel befinden. Man muss der Erde nur genug Zeit geben und absolut alles kann sich ändern. Diesem Umstand ist auch geschuldet, dass es sich bei der Umgebung von Villa de Leyva um ein wohl weltweit einmaliges Fundgebiet für Meeresfossilien handelt. Zwei kleine Museen mit beeindruckenden Exponaten sind absoluter Pflichtbesuch.
Ja, die gab es hier früher wohl auch mal…
Centro de Investigaciones Paleontológicas
Der Name ist etwas schwergängig, bezeugt aber, dass es sich nicht nur um ein ausstellendes Museum handelt. Es ist zugleich eine Forschungseinrichtung. Nur durch einige Glasscheiben getrennt, beobachten wir Menschen in weißen Kitteln beim Säubern und Untersuchen von Fossilien. Es erinnert ein bisschen an einen Zoo, aber die Forscher scheint es nicht zu stören.
Stimmungsvolle Desinfektion
Abstand bitte… zum Glück sind wir alleine hier!
Ein anderer in Kolumbien, gerade in kleineren Einrichtungen, eher selten zu anzutreffender Umstand ist die durchgängig zweisprachige Beschriftung. So können wir ganz ohne Google Translate verstehen, was uns zu den tollen Exponaten erklärt wird. Im Zentrum präsentieren zwei Bereiche urzeitlich-maritime Höhepunkte. Einerseits werden Fossilien von urzeitlichen Meeresschildkröten und Fischen, viele Ammoniten jeder Größe sowie Schädel von Ichthyosaurier gezeigt.
Direkt gegenüber geht es um Plesiosaurier. Die ersten Fossilien dieser Seedrachen wurden 1821 von einer der ersten professionellen Fossiliensammlerinnen und Paläontologinnen überhaupt gefunden, der Britin Mary Anning. Die von ihr entdeckten, ob Ihrer Fortbewegungsart auch Unterwasserflieger genannten Reptilien werden heute in zwei Gruppen unterteilt:
Pliosaurier (eher massig mit kurzem Hals und großem Kopf)
Plesiosauerier im engeren Sinne (eher schlank mit langem Hals und kleinem Kopf).
Natürlich gibt hier von beiden ein jeweils recht gut erhaltenes Exemplar, stimmungsvoll drapiert und eingerahmt von Ammoniten sowie weiteren Schädelresten.
Pliosaurier (hinten rechts der u.a. Säbelzahntiger)Selfi mit Plio…
Plesiosaurier
Die restlichen gezeigten Ausstellungsstücke runden das Bild ab. Seien es nun ein fleischfressender Dinosaurier (als Nachbildung… tatsächlich wurden in der Umgebung bisher nur deren Fußabdrücke gefunden), Pflanzenabdrücke, Bernstein oder die Nachbildung eines Säbelzahntigers rund um dessen einzigen je in Kolumbien gefundenen Zahns und andere Überreste früher Säugetiere. Ein wirklich lohnender Besuch.
Jetzt aber schnell weiter…
Museo El Fósil
Nur einen Steinwurf weiter steht ein anderes kleines Museum. Natürlich geht es auch hier um Fossilien. Mehr als 500 Exponate des paläontologischen Erbes der Umgebung werden gezeigt. Doch ehrlich gesagt kommen die meisten Besucher nur, um den unumstrittenen Star der Ausstellung zu sehen: El Fósil.
Im Juni 1977 traut der Bauer Samuel Vargas, nebenbei ein erfahrener lokaler „Fossilienjäger“, wahrscheinlich kaum seinen Augen. Da schaut etwas aus der Erde. Sieht aus wie ein Fossil. Ein großes Fossil. Die von ihm benachrichtigte Familie Zubieta beginnt mit den Ausgrabungen. Zum Vorschein kommen die etwa acht Meter langen Überreste eines mindestens 110 Mio. Jahre alten Kronosaurus boyacensis. Und dieser große Vertreter der schon angesprochenen Pliosaurier war mutmaßlich noch nicht einmal vollständig ausgewachsen.
früher
heute
heute
früher
Es folgt ein erwartbares Hin und Her. Natürlich soll der Fund in ein „richtiges Museum“ gebracht werden. Die lokale Bevölkerung hat etwas dagegen und wehrt sich. Man besinnt sich auf sein urzeitliches Erbe, eine private Stiftung wird gründet und ein Plan reift. Rund um das an Ort und Stelle belassene Fossil wird ein Museum gebaut. Und so können auch wir diesen beeindruckenden Kronosaurus noch genau an der Stelle bewundern, wo er sein Leben endete.
Nach dem Besuch laufen wir noch ein bisschen in der weitgehend verwaisten Anlage umher. All das ist offensichtlich für mehr Besucher ausgelegt, die in normalen Zeiten sicher auch kommen. Heute sind wir mal wieder fast alleine. Die Kinder stöbern noch etwas in den kleinen Souvenirläden und werden (natürlich) fündig. Samuel erweitert seine Mineraliensammlung und Maila fügt ihrer wachsenden Kollektion von Schlüsselanhängern einen Kronosaurus hinzu. Ein kleines Andenken an den beeindruckenden Besuch eines großen Fossils.
Seit dem 18. Jahrhundert soll es in jeder römisch-katholischen Kirche einen Kreuzweg geben. Meist handelt es sich um vierzehn seitlich angebrachte Darstellungen. Einige ältere Darstellungen zeigen auch nur sieben, eine in Bamberg neun und ganz selten sieht man sogar fünfzehn Stationen.
Im durch die Kolonialzeit katholisch geprägten Kolumbien finden sich naturgemäß viele Kreuzwege. Alltag? Ja und Nein, denn einige der Darstellungen sind doch bemerkenswert. Daher widmen wir heute mal einen ganzen Beitrag in aller Ausführlichkeit drei exemplarischen Kreuzwegen, die uns auf unserer kleinen Rundreise begegnet sind.
So ein schöner Sauna-Gang ist schon was Feines. Selbst vor dem Hintergrund, dass wir uns in unserer Samai seit Wochen und Monaten in saunaähnlichen Verhältnissen wähnen, so sind konstante 30-35 Grad unter Deck doch wenig im Vergleich zu einer echten Sauna. Dort zeigt das Innenthermometer idealerweise irgendetwas um die 90 Grad. Also wenn es denn ein solches Thermometer gibt. In unserem Hotel in Villa de Leyva ist das leider nicht der Fall. Nun gut, das ist ja ohnehin ein von vielen Saunagänger eher weniger beachteten Utensil… man merkt schließlich selbst recht schnell, ob einem die Temperatur angenehm ist.
Manchmal kommt jemand in die Sauna und macht einen Aufguss. Da wird dann aromatisiertes Wasser auf den heißen Ofen getan und mit einem Handtuch eifrig gewedelt. Für viele ist das ein Höhepunkt. Und diesen möchte man seinen Gästen offensichtlich auch hier bieten. Wie sonst erklärt sich dieser halb gefüllte, gemütlich vor sich hinblubbernde Metalleimer auf dem Ofen? Ich sage mal so… über trockene Luft kann man sich nicht beschweren.
Klein aber fein…
Dann gibt es da auch noch einige ich sage mal „technische“ Selbstverständlichkeiten bei der Einrichtung einer Sauna… zumindest in den Ländern, in denen ich bisher so im Schwitzkasten war. In Kolumbien sieht man manche Dinge dagegen eher pragmatisch. Ein Lichtschalter vor der Tür ist schließlich auch sehr unpraktisch, wenn man es sich gemütlich machen möchte, ohne die Tür zu öffnen. Genau darum wurde der haushaltsübliche Lichtschalter hier im Innern der Sauna montiert.
Wo wir gerade beim Thema „Tür öffnen“ sind. Da sitzt man also schweißüberströmt auf der Holzbank und möchte so langsam wieder raus. Doch dann fällt der Blick auf die Tür. Genauer gesagt die Türklinke. Aus Metall. Hmmmm… wird die an der Innenseite einer Saunatür nicht etwas warm? Vielleicht sogar ausgesprochen heiß? Ja, dem ist so. Also entweder wartet man tapfer, bis jemand von außen die Tür aufmacht. Ein wenig hoffnungsvolles Unterfangen, wenn sich alleine die eigene Familie im SPA-Bereich tummelt. Tja, oder man greift selbst zu. Am besten schnell. Sehr schnell. Wie war nochmal die Zeit, ab der Brandblasen entstehen?
Innenansicht einer kolumbianischen Sauna
Bitte nicht falsch verstehen… ich möchte hier nicht meckern. In der Tat habe ich den Saunabesuch sehr genossen. Insgesamt waren da dann aber doch einige Dinge, die ich in einer Sauna so noch nicht gesehen habe… ;-)
Früher war ein Großteil von Kolumbien ein riesiges Meer. Also sehr viel früher. Wahrscheinlich wäre es keine gute Idee, im Urmeer herumzuschwimmen. In den Ozeanen des Erdmittelalters gab es furchteinflößende und räuberische Meeresreptilien. Sie waren riesig und hatten scharfe Zähne. Es sind keine Fische und auch keine Dinosaurier, sondern Reptilien. Zum Glück(?!) sind sie aber mit den Dinos ausgestorben, so dass man heutzutage hier wunderbare Tiere ausgraben kann. Einfach überall in der Gegend um Ville de Leyva findet man Fossilien, vor allem aus der Kreidezeit und dem Mesozoikum. Zur großen Begeisterung der Kinder sogar auf Straßenschildern und selbst in den Steinen der Wege und Häuser. Als Baumaterial wird das benutzt, wovon man umgeben ist. Das Dörfchen ist auch deswegen so malerisch, weil es 1954 zum Nationaldenkmal erklärt wurde und damit in seinem ursprünglichen Zustand mit seinen pittoresken Kopfsteinpflasterstraßen und den weißen Häusern erhalten geblieben ist.
Villa de Leyva
Villa de Leyva ist unabhängig von den vielen Fossilien zu Recht als eine der schönsten, wenn auch zunehmend gut besuchten Kolonialstädte Kolumbiens beschrieben. Touristisch geht es vor allem am Wochenende zu, wenn viele Tagesbesucher aus Bogota ins Dörfchen stürmen. Wir sind daher geplant am Montag angekommen. So haben wir in einem wunderhübschen Boutique Hotel mit Pool Ruhe.
Dank der Pandemie ist das Baden zwar etwas umständlich (Termin buchen, Badekappen), Spaß gemacht hat es trotzdem.
Wir verbringen aber nicht so viel Zeit im Hotel, denn das Dorf will erkundet werden und vor allem warten die Fossilien. Gleich drei Museen wollen besucht werden. Die Kinder sind gespannt. Doch zuerst einmal ein kleiner Spaziergang…
Die meisten Dörfer in Kolumbien haben einen Hauptplatz in bester Lage. Der Plaza Mayor in Villa de Leyva ist mit seinen 120x120m wohl einer der größten Stadtplätze von Amerika. Gesäumt von hübschen einstöckigen Kolonialbauten und einer einfachen Pfarrkirche befindet sich auf dem Platz nur ein kleiner Muedejar Brunnen, der seit 4 Jahrhunderten die Bewohner mit Wasser versorgt. Das jahrhundertealte Kopfsteinpflaster trägt sehr zum Charme bei. Hier wurden sogar schon Filme gedreht. Eigentlich hätte der Platz, wie fast überall in Kolumbien, nach Simón Bolívar benannt sein können, aber hier heißt er angenehmerweise mal einfach nur Plaza Mayor – der Hauptplatz.
Plaza MayorKleine Kirche…
Dafür ist ein kleinerer Platz nach Bolívars Hauptmann Antonio Ricaurte benannt, der sich 1814 im Freiheitskampf mit seinen Feinden in die Luft gesprengt hat.
Schon hier sind überall Fossilien zu entdecken!
Auf unserem Weg sehen wir hier zum ersten Mal einen Baum, der derart mit Moosen und Flechten bewachsen ist, dass die Leute ihn den „Bart des alten Mannes“ nennen (… aber er könnt auch „Gandalf“ oder Baumart heißen :-) Wir werden ihm noch sehr oft begegnen.
Museo Paleoentológico
Es ist zwar nur ein kleiner Raum und leider ausschließlich auf Spanisch beschriftet, trotzdem sehr liebevoll arrangiert. Wir sind als Berliner durch das wirklich tolle Naturkundemuseum verwöhnt, finden aber auch hier Erstaunliches. Sehr viele Arten unterschiedlichster Ammoniten, viele weitere Versteinerungen von Pflanzen, Muscheln und anderen Kleintieren sowie Gesteine (Gneis, Basalt, Quarz, Granit, Diorit). Das wäre was für die Sammlung unseres Gesteine und Mineralien liebenden Samuel. Leider gibt es nichts zum mitnehmen. Das Highlight ist natürlich die hintere Partie eines versteinerten Plesiosaurus und der Kopf eines Ichtiosaurier.
Kolumbien unter Wasser!
Das Museum ist in einer alten Mühle untergebracht…Klein, aber fein :-)
Hinter dem Museum liegt ein schöner Garten mit vielen einheimischen Blumen und Sträuchern und auch den bärtigen Männern. Selbst hier finden wir Fossilien im Kopfsteinpflaster.
Convento del Santo Ecce Homo
Am Nachmittag machen wir einen interessanten Ausflug zu dem 1620 gegründeten Dominikanerkloster Ecce Homo. Es ist ein wirklich ein großer Stein – und Lehmziegelbau mit einem riesigen, nahezu majestätischen Hof. Auch hier finden sich am Boden viele Pflastersteine aus der Region, in denen Ammoniten und Fossilien eingeschlossen sind. Zusätzlich auch überdeutlich viele Versteinerungen von Blumen und Mais.
Der spanische Kapitän Juan de Mayorga kam 1531 in das damalige Königreich Granada und brachte ein „Saint Ecco Homo“-Gemälde mit. Es zeigt Jesus mit Dornenkrone vor der Kreuzigung, wörtlich „Seht, der Mensch!“. Er ließ sich in der Region Santander. Seine Schwester hatte 1600 eine Offenbarung durch den Apostel St. Bartholomé, der sie bat ein Kloster zu gründen, in dem dieses Gemälde ausgestellt werden soll. Den Dominikanerbrüdern wurde das Gebiet geschenkt und sie gründeten 1620 in den bestehenden Gebäuden ihr Kloster. Wenig später wurde ein Neubau beschlossen, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ganze 45 Jahre lang dauert. Im Laufe der Zeit war das Kloster u.a. eine religiöse Schule, Soldatenstall und Soldatenunterkunft. Das namensgebende Gemälde wurden sogar von Kugeln durchschossen, so dass 1942 eine umfassende Renovierung nötig war.
Im Altar der Kirche findet sich das namensgebende Bild…
Es ist nicht nur das Kloster zu besichtigen, sondern auch die Bibliothek mit vielen alten Büchern und eine große Menge an liturgischen Gewändern. Heute leben nur wenige Mönche in dem Kloster, so dass viele Räumlichkeiten anzuschauen sind und einen guten Eindruck vom alten Klosterleben geben.
Eine Besonderheit ist der Friedhof. Die meisten Gräber sind aus Stein und mit aufwendigen Steinschnitzereien von den Menschen aus dem Dorf hergestellt.