Chichime Cays – Touristischer Auftakt

27. – 28. Juni 2021

Nach einer ruhigen Fahrt kommen schon gegen Mittag die westlichen Inseln von Guna Yala in Sicht. Wir lassen den kleinen Flughafen der Hauptinsel El Povenir an Steuerbord liegen und peilen die Chichime Cays an. La Skipper besteht auf eine unkomplizierte Zufahrt zum ersten Ankerplatz. Dazu sollte ich ein paar Worte zu den allgemeinen topografischen Begebenheiten hier verlieren.

Adiós Puerto Lindo
Hola Chichime Cays

Dem Festland vorgelagert sind insbesondere im Westen von Guna Yala eine Vielzahl von kleinen Inseln (Dup) bzw. Inselgruppen (Cays). In den Karten des „Panama Cruising Guide“ sind diese Landflächen als kleine graue Flecken zu erkennen. Den weitaus größere Teil der Karte nehmen dagegen weitläufige gelbe Gebiete ein. Dicht unter der Wasseroberfläche liegende Korallenriffe. Den Rand zum offenen karibischen Meer kann man meist leicht an den brechenden Wellen erkennen. Doch hinter dieser schmalen Linie wird es schwierig. Vom Schiff erkennt man bei guter Sicht (Sonnenstand beachten!) nur Verfärbungen des Meeres sowie hin und wieder unmotiviert plätschernde Wellen. Trotzdem ist das eine absolute „No-Go-Area“. Ja, wir können unseren Tiefgang dank aufholbarem Schwert auf fast schon katamaran-ähnliche 1,1m verringern. Doch das reicht nicht. Schon so manches Schiff hat Leichtsinn (z.B. eine Ansteuerung bei Nacht) teuer bezahlt.

So empfangen uns selbst nahe der im Grunde einfachen Einfahrt zum Ankerplatz der Chichime Cays zwei hoch auf dem Riff liegende Wracks. Der Rumpf eines Segler blendet mit seiner fast noch weißen Färbung. Etwas weiter draußen ist es ausgerechnet eine „San Blas Ferry“ die durch ihre schiere Größe unübersehbar als Mahnmal darniederliegt. Wie wir später in einer alten „YachtRevue“ lesen, geht beides auf das Konto eines Österreichers. Schon 2012 versenkt er einen mit 16(!) Touristen voll(über)ladenen Katamaran 45sm vor Cartagena. Die kolumbianische Küstenwache rettet. Im Jahr 2016 setzt er dann erst das von uns gesichtete Segelboot und beim Bergungsversuch die ihm ebenfalls gehörende Fähre auf das Riff bei Chichime. So etwas macht bei den einheimischen Kunas nicht gerade beliebt. Später zieht er ein anderes Wrack von einem Riff und macht es ohne Wissen oder gar Einverständnis des Eigners wieder schwimmfähig, um damit Backbacker-Überfahrten zwischen Panama und Kolumbien anzubieten. Eine nicht nur abenteuerliches, sondern für seine Gäste lebensgefährliches Geschäftsmodell.

Kuna bei der Arbeit…
… in typischer Aufteilung ;-)

Die Bucht selbst ist eigentlich fast schon verwaist zu nennen. Auf dem Luftbild im Revierführer zählen wir in dieser „very polpular anchorage“ sage und schreibe 16 Ankerlieger. Bei unserer Ankunft sehen wir nur derer drei (plus ein „Überbleibsel“ in Ufernähe). Wir legen uns in die hintere Ecke.

Das ist nicht offen, sondern perfekt vom Riff geschützt!

Schon hier an unserem ersten Ankerplatz in Guna Yala merken wir schnell, dass sich im Vergleich zu den im „Panama Cruising Guide“ beschriebenen Verhältnissen inzwischen einiges getan hat. Dort heißt es noch „no permanent village“, „usually some people here collecting cocnuts or fishing“. Wir sehen dagegen einen festen Steg und mehrere Häuser. Ein paar Tage später erfahren wir von einem anderen Segler, dass dort eine kleine Restaurant-Bar (kalte Getränke immer, Essen am Wochenende) betrieben wird und für die Anlandung 2$ pro Person fällig sind.

Guna Yala – Flaggen
Der Sonnenuntergang…
… ist malerisch!
(Sorry, konnte mich nicht entscheiden ;-)

Uns ist das alles von Anfang an zu viel Trubel. Als dann noch eine Gruppe Tagestouristen weggeschifft wird und man uns auf eine begleitete, natürlich kostenpflichtige Schnorcheltour „einlädt“ steht der Entschluss. Nur etwas Badespaß vom Boot aus genossen, jedoch ohne den Fuß auf eine der Inseln gesetzt zu haben, verabschieden wir uns nach nur einer Nacht. Es muss hier doch auch noch ruhigere Ecken geben?!

Adiós Chichime Cays

Archipiélago de San Blas / Guna Yala

5. Juli 2021

Das San Blas Archipel ist jetzt zumindest bei Europäern nicht so bekannt wie es die Balearen oder Kanaren sind. Viele Blauwassersegler haben aber sicher schon davon gehört. Vor der panamaischen Küste am südwestlichen Ende der Karibik liegt es weitab vom östlichen Inselbogen der klassischen Karibik. Lediglich die Nähe zum Panamakanal bringt es auf den Törnplan nicht weniger Segelboote. Diese schwärmen dann meist vom „schönsten Flecken der Karibik“. Nun gut. Wir segeln ja „falsch herum“ und werden die „klassische“ Karibik nicht eingehender erkunden. Doch San Blas lassen wir uns nicht entgehen! Nennt man das schon „Rosinenpicken“?! ;-)

Das Gebiet erstreckt sich über fast 200km panamaische Küste. Dabei ist das westliche Drittel ganz klar das Zentrum touristischer und seglerischer Aktivität. Er ist leichter erreichbar und umfasst die meisten der insgesamt etwa 350 Insel(che)n.

Der Name „San Blas“ ist im Grunde veraltet und insbesondere bei der lokalen Bevölkerung wenig beliebt. Dazu muss man wissen, dass der gesamte Küstenstreifen bis runter nach Kolumbien ein seit 1930 von den indigenen Kuna Indianern autonom verwaltetes Gebiet ist. Und diese nennen ihr Land nun einmal „Guna Yala“ Der Name „Archipiélago de San Blas“ ist dagegen (natürlich) spanischer Provenienz.

Für deutsche Augen durchaus gewöhnungsbedürftig ist die alte, von 1925 bis 2010 geführte Flagge des in dieser Zeit so genannten Kuna Yala. Vor spanisch anmutenden Farben stellt eine Swastika (also nichts anderes als ein Hakenkreuz) den nach lokaler Überlieferung die Welt erschaffenen habenden Oktopus dar. Auch heute noch wird diese Flagge in Gedenken an die Dule-Revolution von 1925, welche letztlich in die Teilautonomie mündete, gerne geführt und oft gesichtet.

Flagge von Kuna Yala (1925-2010)

Hier tummeln wir uns nun also schon gut eine Woche. Ja, es ist schön. So richtig klischeehaft ankern wir von Korallenriffen geschützt neben kleinen Palmeninseln. Rundherum platschen Pelikane auf der Jagd ins warme Wasser. Wir tun es ihnen zum Vergnügen gleich. Beim Schnorcheln sehen wir viele Fische und Korallen, hin und wieder auch mal Rochen und Haie. Fast schon paradiesische Zustände?!

Andererseits merkt man zumindest im westlichen Teil des Archipels schon eine gewisse Orientierung auf die segelnden Devisenbringer. Bezeichnet der (im übrigen hervorragende!) Revierführer von Eric Bauhaus so manche Insel noch als „uninhabited“, sieht die Realität anders aus. Auf praktisch jedem kleinen Flecken Land finden sich ein paar Hütten, teilweise wohl nur vorübergehend, faktisch aber meist durchgängig bewohnt. Mancherorts werden Ankergebühren (z.B. 10$ pro Monat als Mindestzeitraum in den Holandes Cays) oder sogar Strandnutzungsgebühren (z.B. 3$ pro Person auf BBQ Island) erhoben. Meist mehrmals am Tag kommt ein Boot vorbei und bietet Langusten, Molas oder sonst etwas feil. Von den vielen anderen Segelbooten und vor allem (gerne Charter-)Katamaranen will ich hier jetzt gar nicht erst anfangen. Und leider sehen wir auch immer wieder in Plastik daherkommende Umweltsünden vorbei treiben. Willkommen in der Karibik?!

Wir haben uns inzwischen Gedanken darüber gemacht, wo wir Panama verlassen wollen. Die ursprüngliche Option Linton Bay Marina (Peruto Lindo) bedeutet vom potenziellen Wendepunkt eine Rückfahrt von mindestens 60sm sowie dann etwa 250sm bis ins kolumbianische Cartagena. Daher haben wir uns nun für die Alternative entschieden. Wir tingeln etwa 90sm weiter an der Küste durch das ganze Gebiet der Kuna. Richtung Südost soll es wohl auch ursprünglicher und weniger touristisch sein. Mal schauen. In Obaldia nahe der kolumbianischen Grenze klarieren wir dann aus und haben nur 150sm bis nach Cartagena vor uns. Das ist insgesamt also kürzer und abwechslungsreicher.

Wir halten euch auf dem Laufenden! Zumindest bis Obaldia werden wir aber voraussichtlich kein „normales“ Internet haben. Berichte werden daher ohne Bilder daher kommen. Diese werden gegebenenfalls (wie gewohnt) nachgereicht.

Flagge von Guna Yala (seit 2010)

Flaggen zum Verwechseln ähnlich…

Selbst an Amerika nur wenig interessierte Zeitgenossen werden wohl einige Flaggen des Kontinents erkennen, wenn man sie ihnen zeigt. Damit meine ich jetzt gar nicht einmal die kanadische Maple Leaf Flag (bzw. französisch l’Unifolié) oder die US-Amerikanischen Stars and Stripes. Auch die brasilianische grün-gelbe Flagge mit blauer Himmelskugel oder das klassische argentinische blau-weiß-blau mit gelber Sonne sind wohl nicht nur Fußballfans bekannt. Danach wird es dann schon etwas kniffliger. Da gibt es allerdings eine quergestreifte Farbkombination, bei der man unwillkürlich denken muss: „Moment mal, das kenne ich doch!“

GELB/GOLD – BLAU – ROT

Dem aufmerksamen Leser unseres kleinen Blogs ist sicher nicht entgangen, dass wir gerne die Flaggen der von uns besuchten Länder zeigen. Bei genauerem Hinschauen wird der eine oder andere vielleicht gestutzt haben. Warum zeigen die für Ecuador und Kolumbien eigentlich die gleiche Flagge?

Kolumbien

Ok, streng genommen ist das (natürlich ;-) die Flagge von Kolumbien. Für die Farben gelb-blau-rot gibt es in diesem Land übrigens keine offizielle Beschreibung (wohl aber mindestens drei Erklärungsmuster).

Ecuador führt die gleichen Farben in der gleichen Aufteilung. Also fast. Offiziell ist der obere Streifen nicht gelb sondern golden für den Reichtum Ecuadors. Blau steht für die Schönheit von Natur, Himmel und Ozean. Rot symbolisiert Freiheit, Unabhängigkeit und das dafür vergossene Blut. Dazu kommt in der offiziellen Version noch ein von einem Kondor gekröntes Wappen.

Ecuador

Warum zeigen wir in unserem Blog aber immer die Version ohne Wappen? Ganz einfach. Ähnlich wie in Deutschland (und vielen anderen Ländern) ist eine Flagge mit Staatswappen (bei uns der Bundesadler) eine offizielle Dienstflagge. Die bürgerliche Flagge zeigt in der Regel kein Wappen. Und diese Flagge ist es dann auch, die wir als Gastlandflagge an der Steuerbordsaling führen. Daher sehen sich bei uns die ecuadorianische und die kolumbianische Flagge zum Verwechseln ähnlich. In der Tat hissen wir in beiden Ländern dasselbe Stück Stoff.

Dann gibt es da noch ein drittes südamerikanisches Land, das in seiner Flagge diese Farben zeigt: Venezuela. Die drei Farbstreifen haben hier die gleiche Breite und werden mittig von einem Bogen acht fünfzackiger Sterne geziert.

Venezuela

Die ursprünglich sieben Sterne stehen für die sieben Provinzen zur Zeit der Unabhängigkeit. Erst 2006 kam ein achter Stern zur Würdigung der (freilich 40 Jahre zuvor erworbenen) Unabhängigkeit des kleinen Nachbarn Guyana hinzu.

Doch warum haben die drei Länder so ähnliche Flaggen? Die Antwort liegt wie so oft auf diesem Kontinent in der Geschichte des kolonialen Erbes. Wieder einmal klopft Spanien an die Tür. Wobei es hier genau genommen um das Ende der Fremdherrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts geht.

Simón Bolivar war wohl der wichtigste Unabhängigkeitskämpfer Südamerikas und ist heute noch nicht nur Nationalheld mehrerer südamerikanischer sowie karibischer Länder, sondern auch Namensgeber eines ganzen Staates. Im Zuge der Unabhängigkeitskriege entstand für den kurzen Zeitraum von 1819/23 bis 1830 das nach Christopher Kolumbus benannte Staatsgebilde República de Colombia. Natürlich hatte das von Historikern nachträglich so genannte „Großkolumbien“ ein Flagge…

República de Colombia

Na die Farben kommen uns doch bekannte vor. Neben anderen, insbesondere peruanischen Gebieten umfasste Großkolumbien die heutigen Länder Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Panama. Was für eine Überraschung. Doch Moment mal. Panama. Tatsächlich sah der erste Entwurf der panamaischen Flagge bei Staatsgründung 1903 noch ganz anders aus als das heutige Banner.

Panama (erster Flaggenvorschlag)

Die Orientierung an der US-Flagge ist mit den ebenfalls 13 Streifen offenkundig. Die durch den Balken verbundenen Sonnen stellen sollten für zweierlei stehen. Einerseits den Atlantik und Pazifik verbindenden, damals gerade in Bau befindlichen Panamakanal. Andererseits die Brücke zwischen Nord- und Südamerika.

Es kam anders. Heute ist die Flagge in vier gleiche Rechtecke geteilt. Je einmal blau (Konservative) und Rot (Liberale) sowie zweimal weiß (Frieden) mit je einem blauen bzw. roten Stern. Mithin die einzig mir bekannte Staatsflagge, deren Farben ganz offiziell für politische Parteien stehen.

Wie dem auch sei. Hiermit beenden wir diesen kleinen Ausflug in die Vexillologie (ja, das habe ich selbst nachschauen müssen ;-) einiger der von uns in 2021 bereisten Gegenden in der Hoffnung, dass unser Interesse auch an solchen nicht typisch-seglerischen Themen geteilt wird. Sollte man nicht auch etwas über den Tellerrand hinausschauen?! ;-)

Linton Bay Marina (Puerto Lindo)

22.-27. Juni 2021

Von der Shelter Bay Marina am Atlantik-Ausgang des Panamakanals bis zur Linton Bay Marina sind es nicht einmal 30sm. Ein kleiner Hüpfer, den wir leider mal wieder unter Motor zurücklegen müssen. Mit dem Wind ist das hier in der Gegen so eine Sache. Nun gut, wenn wir uns demnächst gegenan nach Osten quälen, werden wir uns wohl solche Bedingungen noch wünschen. Die heutige Fahrt verläuft jedenfalls recht ereignislos bei wenig Wind und gut 2m entspanntem Antlantikschwell.

Durch den großen Wellenbrecher vor Bahía Limón
Große Potte vor Anker auf der Atlantikseite des Panamakanals
Weiter nach Osten

Die Ansteuerung nach Puerto Lindo und der benachbarten Marina hat es dagegen in sich. Immer wieder ragen Stöcke aus dem Wasser. Nicht ohne Grund. Gleich neben einem ankernden Boot liegt ein Wrack hoch auf dem Felsen. Besser gesagt auf den Korallen. Wir sind jetzt in der Karibik. Da ist der Grad zwischen „Problemlos segelbar!“ und „Volltreffer!!!“ oft sehr schmal. So auch hier.

Da hinten wollen wir hin…
Saubere Navigation ist wichtig!

Nur mit der elektronischen Karte wären wir halbwegs aufgeschmissen. Zum Glück haben wir schon den Panama Cruising Guide an Bord. Mit Hilfe seiner Wegpunkte kommen wir gut durch.

Die doch eher grobe Navionics-Seekarte mit Wegpunkten von…
… Eric Bauhaus (c) – hier ist auch gut die Korallenbank direkt vor dem Hafen zu erkennen!

Wobei das ehrlich gesagt in diesem ganz speziellen Fall vielleicht doch nicht nötig wäre. Wir sind jetzt in der Karibik. Da ist ganz offensichtlich mehr los. Die Bucht gilt als die beste Ankerbucht der Umgebung. Dementsprechend dicht ist der Mastenwald. Würden wir uns nur immer schon dicht zwischen den Ankerliegern entlanghangeln, sollte die Ansteuerung auch kein Problem sein.

Angekommen
Abendstimmung
Auch hier ein vergleichsweise voller Steg
Zischen den Stöckern da hinten kann man problemlos stehen!
Der ambitionierte Hafenausbau ist im Gange

Der Hafen selbst ist dann nicht so voll wie befürchtet. Auf unsere Funkrufe wird nicht geantwortet, also legen wir uns einfach in einen freien Platz. Alles kein Problem. Auch nicht, dass ich erst am nächsten Morgen im Hafenbüro vorbeischaue. Wobei dieses Hafenbüro schon recht speziell ist. Letztlich nur ein ausrangierter Container. Sehr rustikal. Dafür ist die Zugangsregelung zu den Duschen ausgesprochen modern mit Fingerabdruck geregelt. Landstrom wird extra abgerechnet, Wasser am Steg und gutes Wifi sind inklusive. Das alles etwa zum halben Preis der Shelter Bay Marina.

Rechts das Hafenbüro im Container

Auch sonst bietet dieser kleine Hafen irgendwo im Nirgendwo erstaunlichen Service. Hier steht der größte Travellift weit und breit. Bis zu 160t schwere Boote mit einer Breit von maximal 39ft. (zum Vergleich… unsere Samai ist etwa 42ft. lang!) können hier an Land gehoben werden. Wahnsinn! Ansonsten gibt es einen winzigen Minimarkt (mit bezahlbarem Bier ;-), Dieseltankstelle, Wäschereiservice, Dinghysteg für die ganzen Ankerlieger sowie ein Treffpunkt mit Essensmöglichkeit. Restaurant wäre wohl zu viel gesagt, aber sowohl die individuell belegte Pizza als auch der Hamburger sind frisch, lecker und günstig.

Moment mal… war das was?!?
Ausblick beim Essen

Einen kurzen Fußmarsch entlang der Straße erreichen wir den kleinen und – man kann es nicht anders sagen – recht heruntergekommenen Ort Puerto Lindo. Obwohl er wahrscheinlich nie wirklich schön herausgeputzt war.

Haupteingang zur Linton Bay Marina
Leider immer an der Straße entlang
Sportplatz von Puerto Lindo
Die Kirche ist anscheinend noch im Bau

Wir holen hier auch endliche mal unserer Ankerkette raus. Sehr schön sind die Bereiche unterschiedlicher Nutzung zu erkenne. Die letzten 40m schimmern noch fast jungfräulich hellgrau, in den mittigen 20m erfolgt langsam ein Farbübergang bis die ersten, meistbenutzten 40m sich immer dunkler ins rostrote färben. Dieser Bereich bekommt dann auch die meiste Liebe und Aufmerksamkeit in Form von Wasserschlauch, Wurzelbürste und einer ganzen Dose Anti-Rost-Kriechöl-Schutz-Spray.

Ansonsten schaut La Skipper schon länger mit einer gesunden Portion Skepsis auf das ersten Kettenglied am Anker. Ok, da kann man ja was machen. Mit Wantenschneider und Akku-Flex entfernen wir die ersten zwei Kettenglieder und hängen den Anker an das zuverlässiger aussehende ehemals dritte Glied. Zum Abschluss haben wir noch die Farbmarkierungen ergänz. Passt!

So verbringen wir hier ein paar Tage, ruhen uns aus und kümmern uns natürlich auch um diesen Blog. Das Ergebnis habt ihr in den letzten Tagen ja vielleicht gelesen?! Bald geht es weiter in das San Blas Archipel. So etwa 2-3 Wochen wollen wir dort verbringen. Abgeschieden und wohl auch weitgehend offline. Wenn es jetzt also etwas ruhiger hier werden sollte, dann bitten wir schon mal um Entschuldigung. Vergesst uns nicht. Es geht weiter… versprochen! :-)

Das Nachmittagsgewitter gibt es auch hier.

Irrwege auf der Suche nach einem Cruising Guide

17 Juni 2021

Der Plan steht. Nach dem Transit des Panamakanals wollen wir noch einige Zeit im San Blas Archipel verbringen. Also mal schauen, wie das da so aussieht mit dem Segeln. Nicht trivial. Das wird schnell klar. Die elektronischen (Navionics-)Seekarten sind alles andere als genau. Eher so eine Art grobe Orientierung in einem Bereich voller Riffs, Untiefen und Steinen. Doch wie es in Patagonien die „blaue Bibel“ gibt, so hat auch dieses Revier sein ultimatives Buch: „The Panama Cruising Guide“ von Eric Bauhaus. Ok, schon klar. Dieses Buch brauchen wir an Bord. Also wo kann ich es bekommen?

Pflichtlektüre für Segler in Panama

Als eBook ist es schon mal nicht erhältlich. Nun gut, das ist für die darin enthaltenen Karten ohnehin sehr unpraktisch. Besser wäre in der Tat echtes Papier. Wir sind doch in Panama City. Wäre doch gelacht, wenn ich das hier nicht bekommen. Aber wo?

Natürlich wende ich mich mit der Frage an unseren Agenten Rogelio. Er erzählt mir, dass er Eric schon kennenlernte, als er vor Jahren nach Panama kam. Seinen Cruising Guide sollte ich bei Islamorada bekommen. Laut Eigenwerbung „the largest nautical bookstore in Latin America“. Keine 5$-Fahrt mit Uber von uns entfernt. Also los.

An der angegebenen Adresse angekommen, stutze ich zunächst. Das sieht jetzt nicht nach einem großen Buchladen aus. Am Rand einer vielbefahrenen Kreuzung ducken sich ein paar flache Häuser. Auf der Rückseite finde ich den Eingang.

Islamorada

In der Tat gibt es in dem Laden eine gewisse Auswahl an Seekarten, Flaggen und Büchern. Etwas maritime Belletristik, wenige Revierführer, viele offizielle Publikationen aus den USA sowie Gezeitenwälzer. Ich fange gar nicht erst an zu suchen, sondern frage gleich mal nach. Die Antwort ist ernüchternd. Nein, den Bauhaus haben sie nicht da. Und sonst in Panama City? Ich solle es mal in der Marina Flamenco versuchen. Gleich um die Ecke unserer eigenen Marina La Playita. Toll.

Vorher brauche ich noch einen Supermarkt. Der „Mini Super“ um die Ecke ist eher bescheiden. Doch da ist nur knapp eineinhalb Kilometer entfernt ein großer Xtra-Supermarkt. Noch schnell etwas Geld am Automaten geholt und los geht es.

Ich laufe den einsamen, schmalen Fußweg entlang einer breiten Zubringerstraße. Ein Träger meiner Sandale reißt aus. Toll. Ich schaue mich um. Anscheinend ist das hier nicht die beste Gegend, aber jetzt auch noch kein Grund zur Sorge. Trotzdem schiebe ich die frisch abgeholten Dollar in die Unterhose und verstaue die Kreditkarten separat in der Gesäßtasche.

Dann komme ich zur großen Durchgangsstraße. Jetzt nur noch die Unterführung und in 600m sollte der Supermarkt sein. Doch was sich sehe, gefällt mir nicht wirklich. Es ist der Beginn des Viertels, durch das wir auch auf dem Rückweg aus der Altstadt Casco Viejo gefahren sind. Ich hadere. Und das Handy gesellt sich zu den Dollar in die Unterhose.

Mein heller Teint gibt gerade in dieser Gegend jedem einen deutlichen Hinweis. Die kurzen Hosen vervollständigen das Bild. Man mag es kaum glauben, aber praktisch jeder Panamaer läuft ungeachtet der schwülen Temperaturen mit langen Hosen herum. Ganz offensichtlich bin ich ein Ausländer.

Wie jeder Mensch fast überall auf der Welt!

Aber hey, es sind doch nur 600m. Doch die ziehen sich. Andere Menschen kommen mir entgegen. Vor allem Frauen. Das beruhigt. Noch 400m. Links im Innenhof sitzt eine Gruppe junge Männer, die mich im Vorbeigehen beäugen. Das beruhigt weniger. Mein Schritt wird schneller. Noch 200m. Ein entgegenkommender Schuljunge spricht mich an: „Hey Gringo?!“. Ich sehe den Xtra. Auf der anderen Straßenseite steht Polizei. Das beruhigt. Ich erreiche den Eingang. Nur noch Temperaturmessung, Handdesinfektion und es empfängt mich die klimatisierte Kälte eines in dieser Gegend unerwartet luxuriösen Supermarktes. Geschafft.

Vor dem Eingang des Supermarktes

Nach dem Einkauf bestelle ich mir wieder einen Uber und warte noch im Laden, bis er auf wenige hundert Meter ran ist. Im sicheren, vom Fahrer natürlich verriegelten Auto traue ich mich dann auch ein paar Fotos zu machen. Impressionen aus einem direkt neben dem Weltkulturerbe Casco Viejo gelegenen Wohnviertel…

Zurück geht es über den Causeway nach Amador. Selbstredend haben sie den gesuchten Cruising Guide auch in der Flamenco Marina nicht vorrätig. Ziemlich ernüchtert bringe ich meine glücklicher Weise heile Haut zurück zur Samai.

Am nächsten Tag erzähle ich Rogelio von meinem „Spaziergang“. Seine Reaktion ist eindeutig. Er geht in dieser Gegend definitiv nicht zu Fuß umher. In seiner Zeit als Taxifahrer ist er nachts nicht mal mit dem Auto dorthin gefahren. In seiner Feststellung, dass ich wohl eine 50:50-Chance gehabt hätte, liegt sicher auch etwas Übertreibung. Oder? Hey, es waren doch nur 600m.

Was den immer noch gesuchten Cruising Guide angeht, ruft er für uns bei der an der Atlantikküste gelegenen Linton Bay Marina an. Er hat echt für alles die richtige Telefonnummer parat. Der Bericht anderer Segler wird bestätigt. Ja, das Buch sei vorrätig. Super. Glücklich kündigen wir unsere Ankunft in etwa einer Woche an. Damit ist unser Ausflug nach San Blas gerettet!

Nachtrag: Shelter Bay Marina, 21.06.21

Schon klar, hier haben sie den Cruising Guide natürlich auch vorrätig. Egal… wichtig ist nur, dass wir ihn nun an Bord haben. Einen Zwischenstopp in der Linton Bay Marina machen wir trotzdem.