In der Vorbereitung hatten wir uns über dieses Thema ja durchaus mehr oder weniger Gedanken gemacht… je nachdem, mit wem man darüber spricht. Nun holt uns (wie so oft) die Praxis ein. Wir sind knapp einen Monat unterwegs und haben die angefallene Wäsche bisher eigentlich nur gesammelt. Ein Seesack sowie eine halbe von diesen großen blauen Ikea-Tasche haben sich gefüllt. Für vier Menschen an Bord eigentlich recht sparsam. Das wirklich erstaunlich ist jedoch, dass sich (mal abgesehen von den Schlüppies der jüngsten Dame an Bord) eigentlich noch genug Nachschub in den Schränken findet. Haben wir (also mal abgesehen von diesen Schlüppies) eventuell zu viele Klamotten mitgenommen?! Immerhin haben wir die zwei Fächer mit den Wintersachen noch gar nicht angerührt.
Wie auch immer… wir sind inzwischen in Spanien und La Skipper fühlt sich berufen, das Thema „Wäsche an Bord“ in den praktischen Alltag zu integrieren. In A Coruña gibt es auch eine Waschmaschine. Wow! Für schlanke 5€ wäscht sie den Inhalt knapp 1 Stunde durch und anschließend haben wir irgend so eine bräunliche Schmiere an den Hosen. Wenigstens ist das Wasser am Steg inklusive, so dass wir die Sachen dann nochmal entspannt durchspülen können. Ebenso entspannt nehmen sich die Kinder der weiteren Wäsche an. Samuel rührt eifrig die bordeigene Waschtrommel und auf dem Vordeck werden im großen blauen Zuber bei strahlendem Sonnenschein die diversen Küchen-, Putz- und sonst-was-Tücher gewalgt.
Soweit so gut. Die Sachen sind so halbwegs sauber, aber noch recht nass. Nennt uns ruhig geizig, aber nochmals 5€ für eine Runde im Trockner haben wir nicht eingesehen. Schließlich sind da meterweise Reling am Schiff (das sind diese Seitendrähte, die einem die Illusion geben sollen, nicht von Bord fallen zu können ;-) … die perfekte Wäscheleine. Zumindest wenn die Sonne scheint. In A Coruña ging das ja noch so halbwegs, aber hier in Baiona?!? Das mag sich für einen Leser im hochsommerlichen Deutschland jetzt vielleicht etwas befremdlich anhören, doch bei uns gibt es aktuell alles andere als eine Sonnenscheingarantie. Ja, wir sind in Spanien, aber gerade jetzt wo ich diese Worte in der Navi-Ecke schreibe prasselt der Regen auf das Deck, und mir spielt eine trocknende Kinderhose um die Stirn. Denn wenn sich etwas an Bord eines Segelbootes finden lassen sollte, dann ist das eine Auswahl an Leinen der verschiedensten Art. Eine ebensolche dünne 3mm-Leine ist jetzt im Salon gespannt… voll behangen mit Socken, Unterwäsche, Hosen, T-Shirts und mehr. Das zaubert nicht nur eine besonders heimelige Atmosphäre ins Boot sondern fördert in der Passage auch gebückte Demut. Irgendwie müssen wir da noch eine andere Lösung finden… aber vielleicht muss ja auch nur mal die Sonne scheinen?!?
Wir sind bei den
Scillies losgefahren und fahren jetzt über die Biskaya. Jetzt ist ein Tag schon
vorbei und wir alle konnten nicht so gut schlafen, weil der Motor die ganze
Nacht an war. Aber zum Glück konnten wir am Tag segeln. Und wir langweilen uns
ein bisschen, aber wir haben gerade Schule gemacht und bei Euch in Berlin geht
ja in einer Woche die Schule wieder los.
Das Video ist auch schon im Biskaya-Bericht von Papa, aber eigentlich gehört es hierher!
Wir wollen ja
nach Spanien und wir sind drei Tage unterwegs. Aber jetzt ist ja ein Tag
vorbei, also nur noch zwei Tage. Wir haben ganz viele Delfine gesehen, auch die
vorne mit den Wellen gespielt haben. Wir haben mehr als drei Gruppen gesehen
und ganz viele sind ganz aus dem Wasser gesprungen und man konnte sie unter
Wasser ganz gut sehen. Gruppen von Delfinen nennt man übrigens auch „Schule“.
Ich glaube ich habe sogar ein paar kleinere Delfine gesehen. Und Mama hat sogar
auch Delfine gesehen und sogar einen springen. Ich habe sogar drei oder fünf
nebeneinander gesehen, die unter unser Boot langgeschwommen und gesprungen
sind. Das war schön!
Während in
Deutschland die nächste Hitzewelle rollt, verbrachten wir die Zeit auf den eher
frischen Isles of Scilly unter anderem mit dem Warten auf das Wetterfenster für
die Biskaya. Und natürlich musste genau jetzt ein Sturmtief durchziehen. Erst
angesagt für So./Mo. mit Zugrichtung nach Frankreich hatte es sich dann doch
anders entschieden und zog nun Mo./Di. in den Englischen Kanal. Nebeneffekt für
uns war ein Montag mit frischem Ostwind (sowie 3m Schwell aus Süden) der in der
Nacht zu Dienstag binnen 1-2 Stunden auf sehr frischen NW (Böen über 40kn)
drehen sollte. Bei letzterem war das genau nach NW offene Mooringfeld vor Hugh
Town wahrlich nicht unsere erste Wahl… mal abgesehen davon, dass da ohnehin
nichts mehr frei gewesen wäre.
Hauptaugenmerk
lag natürlich auf der Welle. Genau diese hatte uns am Morgen aus der am Vortag
noch idyllischen Kajak-Bucht südlich von Hugh Town vertrieben… es ist einfach
nicht angenehm, wenn das Boot in gut 1,5m seitlich auftreffenden Schwell rollt.
Schließlich haben wir uns – recht einsam – vor die Südspitze von Bryher
verholt. Am Abend wurde die Welle von Tresco abgefangen und nach dem Dreher sollte
uns Bryher eine halbwegs vernünftige Abdeckung geben. 40m Kette hielten uns
sicher in dem dann doch nur in die 30’er Knoten gehenden Wind, wie der einen
sauberen Halbkreis zeigende Plotter-Track der Nacht zeigte. Das ging bis
Dienstagmittag gut. Dann lugte der nun westlich kommende Schwell um die Insel
und wir haben uns an eine nördlicher gelegene Mooring verholt (da diese in
einer Durchfahrt von NW nach SE liegt, kam sie für die Nacht nicht in Frage).
Früh am Morgen, schlechtes Wetter und draußen steht noch Schwell… aber es geht endlich los!
Erster Tag
Mittwoch, 31.
Juli um 6:20 Uhr war es endlich soweit. Leinen los und rauf auf die Biskaya. Gut
400sm (oder auch 750km) lagen vor dem Bug. Erst noch bedeckt und gegen den Wind
unter Motor, konnten nach gut zwei Stunden endlich die Segel gesetzt werden.
Der Strom half auch noch und wir flogen mit teils deutlich mehr als 8kn über
Grund Richtung Spanien. Als sich der Rest der Familie irgendwann nach 10 Uhr endlich
mal aus den Kojen erhoben hatte, begann auch schon die Show, welche uns den
ganzen Tag immer mal wieder geboten werden sollte: Delfine, Delfine und
nochmals Delfine. Mal nur vereinzelt auf der Durchreise, dann wieder in Scharen
neben der Samai tauchten Sie immer wieder auf, spielten mit den Bugwellen, zeigten
so manchen großen Sprung… und das alles bei strahlendem Sonnenschein. So schön
kann Segeln sein.
Euphorisch kommentierte Delfine (dasselbe Video wie bei „Maila und die Delfine“)
Erste Nacht
Abends schlief
der inzwischen auf Nord gedrehte Wind dann wie vorhergesagt ein und wir
starteten den Motor. Das wahr ehrlich gesagt inzwischen auch mal dringend
notwendig geworden. Nicht wegen der Stromversorgung, Solarpanel und
Windgenerator sorgten für ausreichend Nachschub. Nur der Wassertank war schon
ein paar Tage ziemlich leer. Für die Hygiene hatten wir uns schon mit
Regenwasser beholfen. Aber wofür ist schließlich ein sündhaft teurer Wassermacher
an Bord?! Endlich durfte dieser mal nicht nur kurz, sondern über fünf Stunden
am Stück das kleine Wunder verbringen, aus dem uns umgebenden Salzwasser
Kanister und Tank mit Trinkwasser zu füllen.
Ansonsten verlief
die Nacht sehr ruhig… mit einer Ausnahme: Delfine! Was denn, schon wieder? Die
hatten sie doch nun wirklich schon gesehen! Wird das nicht langweilig? Nun ja,
es ist schon etwas ganz besonderes, sie nachts am Bug stehend im Licht der
Positionslichter zu beobachten. Dafür kann man sogar den ohnehin an Deck
schlafenden (ähem „düselnden“) Sohn wecken (ähem „entdüseln“). Aber Samuel möchte
von diesem Ereignis lieber selbst berichten.
Ruhige Biskaya vor dem Sonnenaufgang
Zweiter Tag
Unser erstes Etmal (also die mit einem Boot in eine Tag zurückgelegte Strecke) betrug 147sm. Wenn das so weiter geht, kommen wir morgen Abend in A Coruña an. Während der Skipper nach durchwachter Nacht bis 13 Uhr schlafen durfte, haben La Skipper und die Kinder sich mit der Schule beschäftigt. Ja, richtig gelesen… an Bord ist Ferienende, der Müßiggang der Kinder ist vorüber. Schließlich machen wir hier nicht drei Jahre Urlaub, sondern ändern für drei Jahre unsere Art zu leben. Und das bedeutet ausdrücklich nicht, frei von allen Verpflichtungen zu sein!
Bordschule
Zweite Nacht
In dieser Nacht
hatte Maila mir in der Pflicht Gesellschaft geleistet. Sie wollte unbedingt die
Milchstraße sehen (das war gerade auch Thema in Sachkunde), und wo geht das
besser als in einer klaren Nacht auf offener See. Nun gut, auf einem
Kreuzfahrtschiff sieht man wahrscheinlich auch nicht so viel. Aber auf einem
Segelboot, weitab menschengemachter Lichtverschmutzung, entdeckt man den
Sternenhimmel neu. Die Milchstraße zieht sich deutlich von Horizont zu
Horizont, gerade sind Jupiter und Saturn sehr gut zu sehen und auch
Sternzeichen lassen sich viel besser erkennen, wenn nicht die Hälfte der Sterne
im menschlichen Dämmerlicht verschwindet.
Als Maila sich
dann mit Hasi und Franz unter die Bettdecke verzogen hatte, blieb zwar Ihre
Gesellschaft an Deck, trotzdem kam beim Skipper Langeweile auf. Immer noch kein
Wind, also weiter unter Motor. Den Kurs hielt der Autopilot und andere Schiffe
zeigten sich nur am Horizont. Seit letzter Nacht kamen auch keine Delfine mehr,
so dass ich schon recht intensiv gegen die Müdigkeit ankämpfen musste… ein Film
auf dem tragbaren BlueRay-Player half dabei. Und immerhin sorgte ein günstiger
Strom auch bei geringer Motordrehzahl für konstant 7-8kn Geschwindigkeit über
Grund.
Ja, auch heute ging die Sonne wieder auf…
Dritter Tag
Unser zweites
Etmal betrug 160sm, leider komplett unter Motor. Erst gegen 10 Uhr hatte der
Wind soweit auf Ost gedreht und auf 4Bft. zugenommen, dass es sich ob der 70
noch vor uns liegenden Seemeilen lohnte, Vollzeug (also Großsegel und Fock) zu
setzen. Dann kam auch noch die Sonne raus… geht doch! Da macht sogar die Schule
im Rahmen der Möglichkeiten halbwegs Spaß (zumindest sagt das der Lehrkörper
;-).
14:00 Uhr – Land
in Sicht. Die Spanische Küste ist zwar noch knapp 30sm voraus, unser Ziel sogar
noch ein Stück weiter, doch inzwischen ist klar, dass wir A Coruña
heute noch erreichen werden. Genauer gesagt den angepeilten Ankerplatz in einer
netten Bucht gegenüber vom Hafen. Hier wollen wir uns erstmal ausruhen, bevor
es in die im Zweifel nicht günstige Marina geht. Doch davon später mehr.
Land in Sicht
P.S. Kein Angst… die Atlantiküberquerung wird sicher etwas kompakter publiziert. :-)
Samuel: Wir wollten uns einen gemütlichen Spieleabend machen.
Maila: Und dann fing es plötzlich ganz doll an zu regnen.
Samuel: Es war bereits dunkel und ziemlich spät als wir die zündende Idee hatten. Da wir kein Wasser mehr im Tank hatten, sammelten wir Regenwasser.
Maila: Es kam auch ganz schön viel runter.
Samuel: Ich hatte als erster die Idee und hatte mich mit einer Schale an eine gute Wasser-Auffangstelle gestellt.
Maila: Danach bin ich dann gekommen und habe mit einem kleinen Auffanggerät mich auch an eine gute Stelle gesetzt und ich wurde auch ziemlich nass. Und nebenbei haben wir gespielt (das Kartenspiel „Krass kariert!“). Aber wir haben auch sehr viel Wasser bekommen.
Samuel: Ich wurde auch etwas nass. Es waren verschiede Phasen: starker und nicht so starker Regen.
Maila: Am Ende habe ich mich erstmal wieder aufgewärmt und bin wieder nach unten gegangen. Aber dann sehr viel später bin ich wieder hochgegangen, weil es angefangen hatte zu schütten und habe wieder mit aufgesammelt.
Samuel: Wir mussten den Behälter sogar wechseln, weil unser erster bereits voll war. Am Ende hatten wir mehr als 50 Liter Wasser eingefangen und in einen großen Behälter geschüttet.
Maila: Wir haben immer ein bisschen Wasser zum Händewaschen hingestellt und Mama hat sich sogar damit die Haare gewaschen. Samuel hat es über ihre Haare rüber geschüttet und Mama sagte dazwischen: „Es ist sehr kalt!
Skipper: Insgesamt war das eine sehr erfolgreiche Nacht: trotz Wassertank bei 0% konnten wir den hygienischen Anforderungen (so gering sie an Bord eines Segelboote auch sein mögen) in vollem Umfang entsprechen!
Wir waren auf dem Weg von der ersten Ankerbucht zu der Hauptstadt von den Scillies (Hugh Town). Wir haben das Dinghy hinterhergeschleppt und ich saß drin. Es war eine sehr lustige und sehr waschmaschinenähnliche Fahrt. Und ein paar Mal musste ich Algen vom Ruder entfernen. Das war voll ekelig.
Papa hat dann lieberweise das Kajak für uns aufgebaut. Ich habe mir meine Badehose angezogen und Maila ihren Badeanzug. Wir sind ins Kajak gestiegen, was ziemlich wackelig war und dann sind wir losgefahren und ein bisschen zwischen den Booten vor Hugh Town durchgepaddelt. Nach einer Zeit waren wir sicher genug und sind ins Welligere gefahren. Das war super lustig. Als wir dann zurück gepaddelt sind haben wir das Kajak festgebunden und sind am Tag darauf in die nächste Ankerbucht gefahren. Da bin ich wieder mit Maila Kajak gefahren, doch nach einiger Zeit hatten wir keine Lust mehr und Mama hat uns zugerufen: „Samuel, kannst Du mit mir Kajak fahren?“
Ein nasses Vergnügen
Da sind wir wieder zum Boot gepaddelt. Ich habe mit Maila immer hinten gesessen, doch als ich mit Mama gefahren bin saß ich vorne. Direkt als Mama eingestiegen ist und sich hingesetzt hat, hat sie sofort angefangen loszuschreien. Als ich mir dann mein Paddel von Papa habe geben lassen und Mama Ihres auch von Papa bekommen hat, hat sie geschrien: „Samuel! Nicht bewegen!! Nicht atmen!!!“ Und dann natürlich, wie es kommen musste, neigte sich das Kajak nach links, weil Mama sich auf die linke Seite gelehnt hat. Ich bin mitgerutscht und dann kurz bevor das Kajak umgekippt ist, fiel ich ins Wasser. In das schönste und wärmste Wasser, das es gibt. Mama hat immer noch geschrien und ich habe nur gelacht. Dann bin ich klitschnass, mit ebenso nassem T-Shirt wieder an Bord geklettert und habe mich erneut vorne ins Kajak gesetzt. Dann sind wir zusammen Kajak gefahren… zum Glück ohne weitere Zwischenfälle.
Nach der Kajakfahrt mit Mama sind wir ins Wasser gegangen. Ich bin sofort reingesprungen, weil ich ja sowieso schon nass war. Maila ist langsam hinterher gekommen. Und Mama ganz zum Schluss. Natürlich mit Luftmatratze. Ich bin ins Wasser gesprungen, um Mama nass zu spritzen. Leider hat es nicht so ganz geklappt. Als kleine Strafe musste ich den Rumpf des Bootes so halbwegs putzen. Am Ende, als Mama und Maila bereits kalt war, bin ich mit Flossen noch zehn Runden ums Schiff geschwommen. Danach taten mir meine Fußgelenke sehr doll weh. Es war trotzdem ein schöner Tag.