Fotochallenge #17 – Kunst

Drake Bay, 16. Mai 2021

Immer sonntags gibt es im Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ von ROYUSCH-UNTERWEGS den Aufruf, zu einem Thema (genau) ein Foto zu verlinken. Aktuell geht es um „Kunst„.

Na das nenne ich mal ein weitläufiges Thema. Da bietet selbst die naturgemäß etwas eingeschränkte Motivauswahl eines Segelbootes auf Langfahrt sehr viele Optionen.

Der erste Gedanke ist klassisch. Recht früh auf unserer kleinen Reise besuchen wir Lanzarote und kommen damit natürlich auch nicht um DEN Inselkünster César Manrique herum. Die Harmonie seiner Kunst in der sie umgebenden vulkanischen Landschaft ist faszinierend. Aber ganz abgesehen davon, dass Wanderlustig mit einem tollen Bild zuvor gekommen ist, erscheint es mir dann doch als zu normal. In der Fotochallenge möchte ich einfach nicht das schon von vielen oft völlig zu Recht bewunderte Werk eines (ich meine das nicht abwertend!) „Standardkünstlers“ zeigen.

Aus ähnlichen Gründen verwerfe ich auch jedes gerade erst in den tollen Museen von San José gemachte Bild. Ohne die Kunst insbesondere der Jade- und Goldfiguren auch nur ansatzweise in Frage stellen zu wollen, fliegen sie doch schnell von der Liste.

Dann denke ich an Joseph Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Wir machen mit unseren Kindern ja Bordschule. Das beinhaltet auch Kunstunterricht. Dabei sind einige schöne Stücke entstanden. Ebenso trage ich als stolzer Papa immer noch gerne die von meinen Kindern für mich schon vor Jahren bemalten T-Shirts. In meinen Augen sind das Kunstwerke.

Dieser Gedanke an T-Shirts bringt mich dann letztlich auch zu unserem heutigen Beitrag. Das Bild entstand im November 2019 im brasilianischen Jacaré. Zumindest zu dieser Zeit gab es dort allabendlich ein ausgesprochen gut besuchtes Sonnenuntergangsritual. Mit Ravel, Saxophon, aufgeschlagenen Kokosnüssen, Popcorn, Kunsthandwerk und mehr.

Und dann ist da noch dieser kleine Laden mit ganz speziellem Sortiment. Du kaufst lediglich ein weißes T-Shirt oder Kleidchen in deiner Größe. Vor der Tür steht der – man kann es nicht anders sagen – Künstler und fragt nach Farbwunsch sowie der aktuellen Stimmung. Sprühdose genommen, Atemschutz aufgesetzt, Musik angemacht und innerhalb einer knappen Minute wird das weiße Stück Stoff verwandelt… in Kunst.

Mehr zum Sonnenuntergang in Jacaré, ein kurzes Video des künstlerischen Schaffens sowie die Kehrseite der Ergebnisse findet sich hier.

Mitad del Mundo

26. Februar 2021

Die für den Morgen geplante Birdwatching-Tour im Nebelwald sagen wir kurzfristig ab. Ein hustender Guide ist in diesen Tagen nicht die erste Wahl. Wir können also entspannt packen, frühstücken und in Mindo noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Insbesondere hat Samuel sich einen Schokoladennachschub aus dem El Quetzal gewünscht.

Das erste Ziel in der Sierra, dem zentralen Hochland von Ecuador, ist ein touristischer Pflichtbesuch. Das in seiner heutigen Form 1979-82 gebaute Äquatormonument „Mitad del Mundo“ markiert nördlich von Quito die „Hälfte der Welt“. Also genau dort, wo sie von Charles Marie de La Condamine im Jahre 1736 das erste Mal vermessen wurde. Er war schon ziemlich gut, doch heute weiß man es besser. Der echte Äquator geht etwa 240m nördlich so in etwa durch den Rinnstein einer Umgehungsstraße.

Egal, die Touristenströme kommen trotzdem genau hierher und stellen sich vermeintlich mit je einem Fuß auf die Nord- bzw. Südhalbkugel. Ein ebenso beliebtes wie falsches Fotomotiv. Obwohl wir auch das mit den Touristenströmen relativieren müssen. Laut Eigenwerbung das die meistbesuchte Touristenattraktion auf dem ecuadorianischen Festland und das ganze Gelände ist mit seinen Museen, Restaurants, Souvenirläden und sogar Planetarium offensichtlich für ganz andere Besucherzahlen ausgelegt, als in diesen Zeiten vorbei schauen. Uns soll es recht sein.

Zunächst besuchen wir den zentralen 30m-Monolithen mit krönender 4,5m-Weltkugel. Im Innern werden wir auf jeder Etage durch einen anderen Bereich Ecuadors geführt: Oriente (Regenwald), Sierra (Hochland), Costa und Galápagos werden kurz, knapp und kurzweilig vorgestellt.

Oben angekommen genießen wir den Ausblick.

Da irgendwo ist der echte Äquator

Wieder auf dem Boden der Südhalbkugel genießen die Kinder auf dem weitgehend verwaisten, zentralen Platz ein Eis. Hin und wieder wird versucht, uns in ein Restaurant zu locken, doch das haben wir in anderen Ländern schon zu normalen Zeiten um so viel aufdringlicher erleben müssen. Der Skipper wirft einen Blick in die kleine Kapelle und die ganze Familie macht noch einige Souvenirverkäufer glücklich. Insbesondere gönnen sich Maila und Papa (angeblich) authentische Ponchos. In der Sierra wird es kalt!

Zum Abschluss besuchen wir einen kleinen Bereich, in dem typische, historische Behausungen der verschiedenen Regionen als Nachbau vorgestellt werden. Wenig verwunderlich ist jedes Haus, jede Bauweise an ihre jeweilige Umgebung angepasst. Eine wirklich schöne Gegenüberstellung.

Altes Wohnen im Oriente
Altes Wohnen in der Sierra

Weiter geht die Fahrt einmal ganz an der ach so langgestreckten Hauptstadt Quito vorbei entlang Richtung „Avenida de los Volcanes“. Hier reihen sich die Vulkane aneinander und zumindest den beiden bekanntesten wollen wir in den nächsten Tagen einen Besuch abstatten.

Alles klar für die Sierra!

Abschied von der Angelito I

Galápagos-Inseln, Februar 2021

Etwas mehr als eine Woche waren wir Gast auf der Angelito I. Es war eine wirklich schöne Zeit. Dazu haben natürlich auch unsere Gastgeber beigetragen. Guide Maja habe ich ja schon das ein oder andere Mal erwähnt. Auch sie hat die Zeit mit unserer Gruppe, insesondere den fünf Kindern, offensichtlich sehr genossen.

Doch auch der Rest der Crew hat einen tollen Job gemacht. Der Kapitän lässt mich bei nächtlicher Fahrt gerne auf die Brücke und beantwortet geduldig meine spanisch-radebrechenden Fragen. Der Koch hat dafür gesorgt, dass alle Anstrengungen an Land und im Wasser keinerlei Chance auf einen diätischen Effekt haben.

Die Vorspeise wartet schon
Essen fassen…

Und jeden Mittag bietet die Rückkehr in die gemachten Kabinen eine neue Überraschung.

In mehreren Gesprächen erfahren wir auch einige Hintergründe zu der aktuellen Situation auf den Galápagos. Von den etwa einhundert Kreuzfahrtschiffen sind nur eine Handvoll unterwegs. Und um überhaupt Gäste zu bekommen, geht man mit den Preisen runter. Einiges an Konkurrenz ist eigentlich etwas teurer als die Angelito I. Es sind neue Boote mit Jacuzzi, flauschigen Teppichen und modern verspiegelter Inneneinrichtung. Ganz ehrlich, wer braucht das hier. Uns ist die schiffige Angelito I definitiv um einiges lieber. Wie auch immer, diese Luxusliner gehen jetzt mit dem Preis runter, so dass auch wir in den Genuss eines absoluten Sonderpreises gekommen sind. Dabei sollte man sich aber keinesfalls der Illusion hingeben, hier irgendwie billig davon zu kommen. Unsere Familie liegt (immerhin inkl. Flug) immer noch im fünfstelligen US$-Bereich.

Ein Aspekt der hohen Preise sind die Löhne auf Galápagos. Doppelt so hoch wie auf dem Festland. Dazu ein 13. sowie noch ein (vorab zu zahlendes!) 14. Monatsgehalt. Weiterhin müssen 15% des Reingewinns auf die Angestellten verteilt werden. Auf den Rest zahlt man Steuern und was übrig bleibt, ist für die Eigentümer. Im Fall einer Kündigung ist unabhängig von den Hintergründen eine Zwangsabfindung zu zahlen. Ein Monatsgehalt pro Jahr Zugehörigkeit. Das ist auch nicht verhandelbar. Wird nicht bezahlt, bekommt der Arbeitnehmer einen kostenlosen Anwalt gestellt. Und der gewinnt immer. Das verschärft die Situation bei einer langjährig erprobten Belegschaft.

Chefkoch bei der Arbeit

Wie gesagt, auch die Konkurrenz rüstet auf und so ist auch die aus den laufenden Einnahmen finanzierte Angelito II schon in den Startlöchern. Also eigentlich. Günstig in Europa gekauft, passiert bei der Überführung im Frachter ein Unglück. Schweißer an Deck denken nicht an die darunter lagernde Fracht… Funkenschlag… Feuer! Eigentlich eine klare Angelegenheit, doch die Versicherung macht, was sie immer macht. Bisher hat sie noch nicht einen Dollar bezahlt. Dafür ist die Einfuhrsteuer sofort in voller Höhe fällig. Das aktuell nicht einsetzbare Boot liegt nun in Puerto Lucia. Tatsächlich hatten wir bei unserem kurzen Zwischenstopp dort nur einen Steinwurf entfernt geankert.

Sonnendeck

Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass Geld im Grunde kein Problem ist. Auch größere Mengen stehen bei Bedarf bar zur Verfügung. Drogengeld auf der Suche nach einer Waschmaschine. Es ist wohl nicht abwegig zu vermuten, dass einige der neuen Kreuzfahrer dieser Dienstleistung nachkommen.

Abschied von der Crew am Schiff

Zeit für den Abschied. Ein letztes Mal steigen wir in die Zodiacs. Die Crew steht am Heck und winkt. Es geht wieder zum Flughafen, noch ein paar letzte Souvenirs, langes Warten erst in der Halle, dann auch bei der Zwischenlandung in Guayaquil und schließlich sind wir wieder auf 3.000 Höhenmetern in Quito angekommen. Wir übernehmen unseren Mietwagen und weiter geht es mit unserer kleinen Rundreise durch Ecuador. Ein Höhepunkt liegt hinter uns, viele tolle Eindrücke stehen uns bevor.

Abschied von Maja am Flughafen
Wichtiger Hinweis in der Wartehalle des Flughafens

Alle Hunde lieben Samuel

Normalerweise bin ich kein Hundefreund. Trotzdem scheinen die Hunde mich zu mögen. Ein Beispiel war ja schon Loki aus Valdivia, der mich sofort zu mögen schien. Ähnlich verhielt es sich bei den anderen Hunden in Valdivia, wie z.B. Dimon. Aber nun sind wir nicht mehr in Valdivia sondern auf Rundreise in Ecuador.

Dabei mieten wir uns zwei Zigeunerwagen im Nebelwald. Dort wo die Wagen stehen, gibt es auch drei Hunde. Den scheuesten von ihnen durfte ich als Erster streicheln und ein sehr belliger Hund bellt bei mir nicht ganz so viel.

Yoda muss sich mal strecken…

Später gehen wir zu einem kleinen Lodge Hotel im Hochland. Als wir zur Einfahrt kommen, werden wir von fünf Hunden begrüßt: Zwei große, 9 und 11 Jahre alte Bernhardiner, eine etwas ältere Mutter sowie deren zwei 7 Monate alte Kinder. Einer sieht mit dem rostroten Fell fast aus wie ein Fuchs. Er spielt aber viel lieber als ein Fuchs. Einer der großen Hunde beschnuppert mich und ich erschrecke, als er mir bis zur Hüfte geht. Er lässt sich aber gut streicheln, bellt fast nie und braucht manchmal beim gestreichelt werden die Stütze des Körpers des Streichlers.

Der Hund mit dem rostroten Fell heißt Anouk und hat stets ein Stöckchen bei sich. Das ist zwar ständig ein anderes, trotzdem erfüllt es seinen Zweck als Spielzeug. Das Spiel von Anouk ist eigentlich immer gleich, sie legt das Stöckchen vor einen Menschen (der Erste war ich) und entfernt sich ein paar Schritte (manchmal auch nur einen). Dann stellt sie sich lauernd hin und richtet den Blick auf das Stöckchen. Wenn sich eine Person nähert, sprintet sie vor und schnappt sich das Stöckchen. Nur wenn man es schafft, den Fuß vorher auf den Stock zu stellen, kann man ihn greifen und werfen. Anouk rennt sofort hinterher und bringt ihn zurück. Dann beginnt das Spiel von Neuem.

Anouk wäre dann bereit…

Die anderen Hunde halten sich mehr im Hintergrund. Ab und zu fordern die großen Hunde Streicheleinheiten ein und lehnen sich entspannt an mir an. Ich verstehe es zwar nicht, aber die Hunde scheinen mich zu mögen. Oder zumindest scheinen sie mir nicht zu misstrauen. Ich mag zwar Hunde nicht sonderlich, doch Hunde mögen mich! Merkwürdig aber wahr!!!

Samuel

So noch nicht gesehen: Theken-Teddys

San José, 10. Mai 2021

In der heutigen Zeit ist angemessener Abstand ein Gebot der Stunde… ach was, der Monate. Auf Bänken und an Theken sollen sich wildfremde Menschen nicht kuschelnd oder keuchend auf dem Schoß sitzen. Um für die Einhaltung einer sittlichen Distanz zu werben, gibt es verschiedene Ansätze. Am Flughafen in Ecuadors Hauptstadt Quito wurde jeder zweite Platz von einer Banderole blockiert.

Im berühmten und absolut sehenswerten Goldmuseum (Museo del Oro Precolombin) von Costa Ricas Hauptstadt San José macht man es dezenter mit gelben Aufklebern.

Unerwünschter Sitznachbar

Doch dann sind wir in San José auf dem Weg zurück ins Hotel am Restaurante Castañuelas Flamenco vorbei gekommen. Dort werden die Gäste auf ganz spezielle Art darauf hingewiesen, nicht zu dicht aufeinander zu sitzen… und das haben wir vorher so noch nicht gesehen.

Theken-Teddys…
… stilecht mit Mundschutz