So noch nicht gesehen: Kolumbianische Sauna

Villa de Leyva, Ende August 2021

So ein schöner Sauna-Gang ist schon was Feines. Selbst vor dem Hintergrund, dass wir uns in unserer Samai seit Wochen und Monaten in saunaähnlichen Verhältnissen wähnen, so sind konstante 30-35 Grad unter Deck doch wenig im Vergleich zu einer echten Sauna. Dort zeigt das Innenthermometer idealerweise irgendetwas um die 90 Grad. Also wenn es denn ein solches Thermometer gibt. In unserem Hotel in Villa de Leyva ist das leider nicht der Fall. Nun gut, das ist ja ohnehin ein von vielen Saunagänger eher weniger beachteten Utensil… man merkt schließlich selbst recht schnell, ob einem die Temperatur angenehm ist.

Manchmal kommt jemand in die Sauna und macht einen Aufguss. Da wird dann aromatisiertes Wasser auf den heißen Ofen getan und mit einem Handtuch eifrig gewedelt. Für viele ist das ein Höhepunkt. Und diesen möchte man seinen Gästen offensichtlich auch hier bieten. Wie sonst erklärt sich dieser halb gefüllte, gemütlich vor sich hinblubbernde Metalleimer auf dem Ofen? Ich sage mal so… über trockene Luft kann man sich nicht beschweren.

Klein aber fein…

Dann gibt es da auch noch einige ich sage mal „technische“ Selbstverständlichkeiten bei der Einrichtung einer Sauna… zumindest in den Ländern, in denen ich bisher so im Schwitzkasten war. In Kolumbien sieht man manche Dinge dagegen eher pragmatisch. Ein Lichtschalter vor der Tür ist schließlich auch sehr unpraktisch, wenn man es sich gemütlich machen möchte, ohne die Tür zu öffnen. Genau darum wurde der haushaltsübliche Lichtschalter hier im Innern der Sauna montiert.

Wo wir gerade beim Thema „Tür öffnen“ sind. Da sitzt man also schweißüberströmt auf der Holzbank und möchte so langsam wieder raus. Doch dann fällt der Blick auf die Tür. Genauer gesagt die Türklinke. Aus Metall. Hmmmm… wird die an der Innenseite einer Saunatür nicht etwas warm? Vielleicht sogar ausgesprochen heiß? Ja, dem ist so. Also entweder wartet man tapfer, bis jemand von außen die Tür aufmacht. Ein wenig hoffnungsvolles Unterfangen, wenn sich alleine die eigene Familie im SPA-Bereich tummelt. Tja, oder man greift selbst zu. Am besten schnell. Sehr schnell. Wie war nochmal die Zeit, ab der Brandblasen entstehen?

Innenansicht einer kolumbianischen Sauna

Bitte nicht falsch verstehen… ich möchte hier nicht meckern. In der Tat habe ich den Saunabesuch sehr genossen. Insgesamt waren da dann aber doch einige Dinge, die ich in einer Sauna so noch nicht gesehen habe… ;-)

Villa de Leyva und das Convento de Santo Ecce-Homo

30./31. August 2021

Früher war ein Großteil von Kolumbien ein riesiges Meer. Also sehr viel früher. Wahrscheinlich wäre es keine gute Idee, im Urmeer herumzuschwimmen. In den Ozeanen des Erdmittelalters gab es furchteinflößende und räuberische Meeresreptilien. Sie waren riesig und hatten scharfe Zähne. Es sind keine Fische und auch keine Dinosaurier, sondern Reptilien. Zum Glück(?!) sind sie aber mit den Dinos ausgestorben, so dass man heutzutage hier wunderbare Tiere ausgraben kann. Einfach überall in der Gegend um Ville de Leyva findet man Fossilien, vor allem aus der Kreidezeit und dem Mesozoikum. Zur großen Begeisterung der Kinder sogar auf Straßenschildern und selbst in den Steinen der Wege und Häuser. Als Baumaterial wird das benutzt, wovon man umgeben ist. Das Dörfchen ist auch deswegen so malerisch, weil es 1954 zum Nationaldenkmal erklärt wurde und damit in seinem ursprünglichen Zustand mit seinen pittoresken Kopfsteinpflasterstraßen und den weißen Häusern erhalten geblieben ist.

Villa de Leyva

Villa de Leyva ist unabhängig von den vielen Fossilien zu Recht als eine der schönsten, wenn auch zunehmend gut besuchten Kolonialstädte Kolumbiens beschrieben. Touristisch geht es vor allem am Wochenende zu, wenn viele Tagesbesucher aus Bogota ins Dörfchen stürmen. Wir sind daher geplant am Montag angekommen. So haben wir in einem wunderhübschen Boutique Hotel mit Pool Ruhe.

Dank der Pandemie ist das Baden zwar etwas umständlich (Termin buchen, Badekappen), Spaß gemacht hat es trotzdem.

Wir verbringen aber nicht so viel Zeit im Hotel, denn das Dorf will erkundet werden und vor allem warten die Fossilien. Gleich drei Museen wollen besucht werden. Die Kinder sind gespannt. Doch zuerst einmal ein kleiner Spaziergang…

Die meisten Dörfer in Kolumbien haben einen Hauptplatz in bester Lage. Der Plaza Mayor in Villa de Leyva ist mit seinen 120x120m wohl einer der größten Stadtplätze von Amerika. Gesäumt von hübschen einstöckigen Kolonialbauten und einer einfachen Pfarrkirche befindet sich auf dem Platz nur ein kleiner Muedejar Brunnen, der seit 4 Jahrhunderten die Bewohner mit Wasser versorgt. Das jahrhundertealte Kopfsteinpflaster trägt sehr zum Charme bei. Hier wurden sogar schon Filme gedreht. Eigentlich hätte der Platz, wie fast überall in Kolumbien, nach Simón Bolívar benannt sein können, aber hier heißt er angenehmerweise mal einfach nur Plaza Mayor – der Hauptplatz.

Plaza Mayor
Kleine Kirche…

Dafür ist ein kleinerer Platz nach Bolívars Hauptmann Antonio Ricaurte benannt, der sich 1814 im Freiheitskampf mit seinen Feinden in die Luft gesprengt hat.

Schon hier sind überall Fossilien zu entdecken!

Auf unserem Weg sehen wir hier zum ersten Mal einen Baum, der derart mit Moosen und Flechten bewachsen ist, dass die Leute ihn den „Bart des alten Mannes“ nennen (… aber er könnt auch „Gandalf“ oder Baumart heißen :-) Wir werden ihm noch sehr oft begegnen.

Museo Paleoentológico

Es ist zwar nur ein kleiner Raum und leider ausschließlich auf Spanisch beschriftet, trotzdem sehr liebevoll arrangiert. Wir sind als Berliner durch das wirklich tolle Naturkundemuseum verwöhnt, finden aber auch hier Erstaunliches. Sehr viele Arten unterschiedlichster Ammoniten, viele weitere Versteinerungen von Pflanzen, Muscheln und anderen Kleintieren sowie Gesteine (Gneis, Basalt, Quarz, Granit, Diorit). Das wäre was für die Sammlung unseres Gesteine und Mineralien liebenden Samuel. Leider gibt es nichts zum mitnehmen. Das Highlight ist natürlich die hintere Partie eines versteinerten Plesiosaurus und der Kopf eines Ichtiosaurier.

Das Museum ist in einer alten Mühle untergebracht…
Klein, aber fein :-)

Hinter dem Museum liegt ein schöner Garten mit vielen einheimischen Blumen und Sträuchern und auch den bärtigen Männern. Selbst hier finden wir Fossilien im Kopfsteinpflaster.

Convento del Santo Ecce Homo

Am Nachmittag machen wir einen interessanten Ausflug zu dem 1620 gegründeten Dominikanerkloster Ecce Homo. Es ist ein wirklich ein großer Stein – und Lehmziegelbau mit einem riesigen, nahezu majestätischen Hof. Auch hier finden sich am Boden viele Pflastersteine aus der Region, in denen Ammoniten und Fossilien eingeschlossen sind. Zusätzlich auch überdeutlich viele Versteinerungen von Blumen und Mais.

Der spanische Kapitän Juan de Mayorga kam 1531 in das damalige Königreich Granada und brachte ein „Saint Ecco Homo“-Gemälde mit. Es zeigt Jesus mit Dornenkrone vor der Kreuzigung, wörtlich „Seht, der Mensch!“. Er ließ sich in der Region Santander. Seine Schwester hatte 1600 eine Offenbarung durch den Apostel St. Bartholomé, der sie bat ein Kloster zu gründen, in dem dieses Gemälde ausgestellt werden soll. Den Dominikanerbrüdern wurde das Gebiet geschenkt und sie gründeten 1620 in den bestehenden Gebäuden ihr Kloster. Wenig später wurde ein Neubau beschlossen, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ganze 45 Jahre lang dauert. Im Laufe der Zeit war das Kloster u.a. eine religiöse Schule, Soldatenstall und Soldatenunterkunft. Das namensgebende Gemälde wurden sogar von Kugeln durchschossen, so dass 1942 eine umfassende Renovierung nötig war.

Es ist nicht nur das Kloster zu besichtigen, sondern auch die Bibliothek mit vielen alten Büchern und eine große Menge an liturgischen Gewändern. Heute leben nur wenige Mönche in dem Kloster, so dass viele Räumlichkeiten anzuschauen sind und einen guten Eindruck vom alten Klosterleben geben.

Eine Besonderheit ist der Friedhof. Die meisten Gräber sind aus Stein und mit aufwendigen Steinschnitzereien von den Menschen aus dem Dorf hergestellt.

La Skipper

In welcher Schicht wohnst Du eigentlich?

Im Grunde kennt man das irgendwie in dieser Art auch aus Deutschland. Es gibt bessere Wohngegenden und Ecken, in denen die Miete nicht ganz so hoch ist. Aber irgendwie läuft das alles mehr oder weniger inoffiziell. Echte Anhaltspunkte gibt es (abgesehen von der Vergleichsmiete) nicht immer, man muss sich schon selbst schlau machen. In Kolumbien ist das etwas anders geregelt.

Schon bei unserer Fahrradtour in Bogotá erzählt uns Lina, was in Medellin von unserem Guide Andres bestätigt wird… hier in Kolumbien wohnt man automatisch in einer bestimmten Estrato! Häuser und Grundstücke werden seit nunmehr über drei Jahrzehnten ganz offiziell in sogenannte Schichten eingeordnet:

  1. Bajo-bajo
  2. Bajo
  3. Medio-bajo
  4. Medio
  5. Medio-Alto
  6. Alto

Zur Erinnerung: bajo = niedrig / medio = halb / alto = hoch

Diese weltweit einmalige Einteilung hat Konsequenzen. Es ist festgelegt, dass Menschen, die in Kategorie 1-3 wohnen, als untere Schicht eingestuft werden und somit die größten Leistungen und Hilfen erhalten. Hier zahlt man weniger für Strom, Wasser, Gas und sonstige haushaltsbezogene Dienstleistungen. Selbst einige Steuern sind niedriger. Das betrifft immerhin ca. 80% der Bevölkerung! In Schicht 4 (ca. 10%) gibt es weder Beihilfen noch Aufschläge. In den oberen Schichten 5 und 6 (ca. 10%) zahlt man dafür mehr. Wobei die prozentuale Verteilung dieser Schichten natürlich je nach Stadt und Gebiet schwankt (z.B. in Bogotá 86% – 9% – 5%).

Estrato 1-2 in Medellín

Es gibt aber natürlich auch andere Aspekte. Wann immer eine Adresse anzugeben ist, offenbart man damit auch seine Schicht… sei es bei der Arbeitssuche, Universitätsbewerbung oder auch einfach nur einem Kaufvertrag. Man muss nicht viel weiter denken, um den in diesem Konzept enthaltenen „Diskussionsbedarf“ zu erkennen.

Estrato 3-4 in Bogotá

Und in welcher Schicht wohne ich nun? Auch das ist leicht herauszufinden. In Bogota muss man dafür nur auf der offiziellen Webseite der „Distriktplanung“ die Adresse eingeben und erhält umgehend ein „Certificato de Estrato“. Ganz offiziell. Doch zumindest eine grobe Abschätzung gelingt nach kurzer Eingewöhnung auch per Augenschein. Insofern sind die Unterschiede zu Deutschland dann doch wieder nicht ganz so groß…

Estrato 5-6 in Cartagena

Catedral de Sal

30. August 2021

Das 1600 gegründete (spanische) Zipaquirá liegt auf ca. 2.600m Höhe keine 50km nördlich von Bogotá, war lange Zeit ein Zentrum für den Salzabbau und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Ein Grund dafür ist sicher El Parque de la Sal, eine Art salziger Landschaftsthemenfreizeitpark mit der Salzkathedrale als Hauptattraktion.

Blick auf Zipaquirá
Ziemlich leer ist es heute! :-)
Minenerbe

Dabei ist der Name Catedral de Sal im Grund etwas hochtrabend, da es sich nicht um eine offizielle, einem Bischof unterstehende Kathedrale handelt. Wohl aber ist es ein richtige katholische Kirche. Genau genommen sogar schon die zweite ihrer Art. Erste Ideen gibt es 1932. Die alte „Kathedrale“ wird 1954 eingeweiht, jedoch 1990 aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit geschlossen. Direkt im Anschluss beginnen 60m tiefer die Arbeiten an einer neuen Kathedrale, die im Dezember 1995 eingeweiht wird.

Die Besonderheit der Salzkathedrale schwingt am Rande schon mit. Sie befindet sich in einem ehemaligen Salzbergwerk bis zu 180m tief unter der Erde. In Kolumbien ist sie ein Monument ersten Ranges. 2007 wird sie „La Primera Maravilla de Colombia“, das erste Wunder Kolumbiens. Nicht ganz unverdient, wie wir finden.

Oben rechts der Eingang, dann durch den Kreuzweg nach unten links in die eigentliche Kirche…

Ein langer, gerader Gang führt unter die Erde in die Minenstollen und zum Beginn des Kreuzwegs. Die vierzehn Stationen sind auf den ersten Blick immer gleich, auf den zweiten Blick aber dann doch sehr individuell und passend umgesetzt. Im Hintergrund ertönt kirchliche Musik. Eine schöne Stimmung.

Im Kreuzweg…

Leider kann La Skipper den Besuch nicht uneingeschränkt genießen. Sie wird von Bauchkrämpfen geplagt. Trotzdem verwirft sie zum Glück schnell den Gedanken im Auto zu warten, schlägt sich tapfer, erlebt unter der Erde aber trotzdem ihren eigenen kleinen Kreuzweg. Wenigstens gibt es viele Möglichkeiten zur Rast und wir machen ganz langsam…

Oh weh!!!

Nach dem Kreuzweg durchschreiten wir die (symbolische?!) Kuppel der Kathedrale und erreichen den Balkon des Chores. Ein erster Blick hinunter ins Hauptschiff verschlägt uns fast den Atem. So etwas haben wir wahrlich nicht erwarten.

Blick vom Balkon…
… in das Hauptschiff.

Durch den Narthex gehen wir die Treppenstufen hinab in das eigentliche Gotteshaus. Einige Arbeiter sind noch mit dem weiteren Bau beschäftigt, direkt daneben rasten wir in der Capilla Virgen de Guasá, einer Kapelle für die Schutzpatronin der Minenarbeiter.

Capilla Virgen de Guasá

Die Kirche selbst ist dreigliedrig. Im Seitenschiff der Geburt (Nave del Nacimiento) finden wir die Krippe und das Taufbecken, hinter dem ein erstarrter „Salzfall“ die Illusion fließenden Wassers erzeugt.

Krippe
Taufbecken

Im Hauptschiff des Lebens (Nave de la Vida) findet sich der Hauptaltar vor einem 16m hohen Kreuz. Im Boden ist die Marmorplastik der Erschaffung des Menschen (La Creación del Hombre) eine überdeutliche Hommage an Michelangelo.

Schließlich gehen wir in das Seitenschiff der Auferstehung (Nave de la Resurrección).

Wie es sich für eine Touristenattraktion gehört, schließt sich auch hier unten noch ein kommerzieller Bereich an. Einzig interessant ist für uns ein flacher See, der still daliegend und die Umgebung reflektierend Erinnerungen an Lanzarote wachruft…

Ohne Zweifel wird uns auch dieser Besuch noch lange in Erinnerung bleiben. Tief unter der Erde liegt ein weltweit wohl einzigartiges Gotteshaus, das unabhängig vom persönlichen Glauben des Besuchers eine besondere Faszination ausübt. Schön, dass wir das erleben durften.

Blitzschlag – Noch mehr Einbau mit Hindernissen

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Cartagena, 18.-24. September 2021

3. Akt

Es ist Samstag, die Ausflugsboote sorgen für unruhiges Wasser, unter Deck haben wir wie immer stabil über 30 Grad, dazu die Luftfeuchtigkeit, der Schweiß strömt, es ist anstrengend, aber es ist ein guter Tag.

Zunächst einmal kommt mit der Funkantenne unser (vorerst) letztes Paket an. Da kümmere ich mich auch gleich mal um den UKW-Funk. Das Loch in der Naviecke wird vergrößert, so dass das neue Gerät reinpasst. Dabei ziehe ich auch ein nicht mehr notwendiges Gerät (AT-10) vom NMEA-Bus und siehe da… er funktioniert plötzlich. Alle Geräte erkennen sich und tauschen Daten. Super.

Wenn ich schon dabei bin, bekommt auch die Halterung des neuen Funk-Handbedienteils seinen Platz im Cockpit. Das alte war in der Nachschau nicht ganz so glücklich positioniert. Nur noch kurz ins Heck kriechen und anschließen. Warum muss es hier nur so eng sein?

Wenn ich mich schon da hinten verrenke, kann ich mich auch gleich um den neuen Präzisionskompass für den Autopiloten kümmern. Der alte Kreiselkompass fliegt raus. Der letzte Punkt für heute gehört auch zum Autopiloten. Auf der damals in Argentinien schon mal ausgebauten, schwarzen „Antriebsbox“ sitzt der Rückmelder für das Ruder. Aufgrund des anderen Anschlusses muss auch dieser getauscht werden. Erwähnte ich schon, dass es hier hinten ausgesprochen eng ist?

4. Akt

Ein guter Tag. Ich zwänge mich wieder in die Ecken und sorge mit Kabelbindern dafür, dass alles sicher aus dem Weg und an seinem Platz hängt. Gleiches mache ich mit dem neuen Kabel für den zweiten Triton. Nun noch kurz den Rückmelder vom Ruder an den NMEA-Bus anschließen und – natürlich – das Kabel ordentlich sichern. Alles wird erkannt, alles ist gut… zumindest für heute.

5. Akt

Hierbei handelt es sich streng genommen um einen Mehrteiler. Hauptdarsteller ist das neue Kabel für den Windmesser in der Mastspitze. Der erste Versuch, es von unten durch den Mast zu ziehen scheitert kläglich. Da unten ist so ein schmales Plastikrohr drin. Da soll der Stecker durchpassen? Expertenrat aus der Heimat bestätigt, dass das schon passe. Der nächste Versuch erfolgt dann anders herum. Der Skipper klettert in die Mastspitze und der brave Sohn zieht das Kabel von unten durch. Wir schaffen nicht einmal die Hälfte. Nochmal raus, neu festgebunden und ordentlich mit Vaseline (aka Flutschi-A…) eingeschmiert. Trotzdem hakt es immer wieder. Doch mit Geduld und im Grunde einem Übermaß jugendlichen Elans schaffen wir es fast durch. Das alte Kabel ist weg, doch der neue Stecker hängt in der Sorgeleine maximal 5-10cm hoch im Mastfuß. Unerreichbar.

Am nächsten Tag der nächste Versuch. Kabel wieder raus und nun nur an einer neuen Sorgeleine so verbunden, dass der Zug immer an der Steckerspitze ansetzt. Nützt nur nichts. Etwa 2m vor dem Ziel geht es nicht weiter. Jetzt habe ich endlich genug. Inzwischen hänge ich für diese Aktion insgesamt schon über zwei Stunden in der unruhigen Mastspitze. Auch Samuel und La Skipper am Mastfuß haben – vorsichtig ausgedrückt – genug. Kurzerhand schneide ich den Stecker ab und verbinde das blanke Kabel mit der Sorgeleine. Wieder gibt es ordentlich Vaseline und es dauert keine 5 Minuten, bis das Kabel unten rauskommt. Endlich. Nun muss ich nur noch die fünf dünnen Adern wieder so verbinden, dass die Windinformationen aus der Mastspitze auch störungsfrei im NMEA-Bus ankommen…

6. Akt

Heute will ich endlich alles soweit fertig machen. Dafür muss ich zunächst wieder einmal in die Mastspitze. Neue Funkantenne anschrauben und anschließen. Für den Windmesser die Halterung anschrauben (natürlich fällt eine der Schrauben runter, bleibt aber wider Erwarten an Bord!), Gerät einklicken und anschließen. Dann noch alles sauber „tapen“. Beim letzten Weg nach unten lege ich dem Tipp des Experten folgend dann noch das Kabel vom Radar so, dass es nicht mehr scheuert. Das sollte es jetzt aber auch erst einmal da oben gewesen sein.

Jetzt steht noch der Cockpit-Plotter an Steuerbord auf der Liste. Ich hatte überlegt, die Stromanschlüsse in der Plotterbox draußen unter Deck zu verlegen. Ein Grund ist, dass bei meinen letzten Arbeiten sich die Kabelenden teilweise in wenig ansehnlichem und der Stromführung wohl wenig dienlichem matt-schwarz präsentierten. Doch die Kabel sind mit Sikaflex bombenfest gesichert. Nun gut, ich schneide ein ordentliches Stück von dem Stromkabel ab und schaue mal nach, ob die Drähte dort noch kupfern schimmern. Ja, das sollte passen. Neue Befestigungslöcher sind schnell gebohrt und der Plotter fast noch schneller angeschlossen. Verbindungen abdichten… fertig!

Zu guter Letzt kümmere ich mich um den Triducer (also den Messer von Tiefe, Geschwindigkeit durchs Wasser und Wassertemperatur) an. Kabel rein, Daten kommen an. Passt.

Der Rest ist Aufräumen und „letzte Schönheit“, beispielsweise die Kabel aus dem Decksdurchlass UV-schonend und sicher verpacken. Das war es dann aber auch „schon“… zumindest für diese Lieferung

Einen Großteil der Blitzschäden haben wir damit tatsächlich behoben. Und inzwischen ist auch das Gutachten fertig und die Versicherung hat vorsichtiges Wohlwollen signalisiert. Offen sind nun eigentlich nur noch die Kurzwelle (Testergebniss steht aus), Radarsteuerung und Radio (die hatten sie gerade nicht vorrätig) sowie die blaue Victron-Box für Landstrom und Inverter. Aber diese Punkte werden wir nicht mehr in Kolumbien erledigen… so langsam müssen wir mal weiter… und dafür sind wir nun gerüstet!

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