Baden in Klamotten – Maila beim Rafting

6. September 2021

Wir sind im Rio Cláro Naturreservat. Dort kann man noch mehr machen außer einer Höhlentour, zum Beispiel Rafting. Ja, ich muss wohl zugeben, keiner von uns hat auch nur ein einziges mal Rafting gemacht. Doch an der Tafel stand etwas von „mittel“ (natürlich alles auf Spanisch) und auf den Bildern sieht es ruhig aus. Samuel und Papa haben einfach die Sachen von der Höhlentour angelassen, die sowie noch nass sind. Das Rafting startet kurz nach Ende der Höhlentour. Für mich und Mama steht allerdings die Frage offen, was wir denn anziehen. Wir vermuten, dass es nass wird. Sollen wir deswegen einfach nur die Badesachen anziehen? Oder sollten wir die normalen Klamotten anziehen? Schließlich haben wir uns für einen Kompromiss entschieden. Vom Führer der mit uns Rafting macht, bekommen wir noch Helme und Rettungswesten. Dann geht es los.

Erst noch einen Vogel beobachten!

Wir fahren mit einem Gummiboot, deswegen hat Mama es überhaupt erlaubt. Es geht los. Vorne im Gummiboot sitzen Papa und ein anderer Mann, der auch mitkommt. Die Jungs kennen ihn aus der Höhle. Dahinter Samuel und eine Frau. Fast ganz hinten sitzen ich und Mama. Unten im Gummiboot gibt es Löcher damit sich das Wasser ausgleicht. Als alle drin sitzen geht es los. Adelanteheißt nach vorne paddeln, denn jeder von uns hat ein Paddle. Als erstes müssen wir komischerweise gegen die Strömung und zwar seitlich. Das wundert mich schon. Dann trifft uns eine Welle und zack neigt sich das Boot gefährlich zur Seite und wir alle sind nass, aber plötzlich sitzt der Mann neben Papa nicht mehr neben ihm sondern ist im Wasser. Die vorne sitzenden hieven ihn wieder ins Boot. Oh nein, wenn das so weiter geht wird das Rafting nicht sehr schön.

Zum Glück ist es erst mal ruhig und wir treiben so dahin. Doch natürlich gibt es auch Stromschnellen und gerade fahren wir genau auf eine zu. Es ist ziemlich wellig und es schaukelt, sonst ist zum Glück nichts passiert. Doch schon kommt die nächste Stromschnelle in Sicht und die ist schon wilder, am Rand ist es besonders wild doch der Führer hält uns gerade so von der welligen Seite ab und dann ist auch diese Stromschnelle überwunden. Danach treiben wir noch eine Weile bis er uns vorschlägt auch mal ins Wasser zu gehen. Das Wasser ist wegen dem starken Regen immer noch ganz braun und man sieht gar nichts. Todesmutig trauen sich Samuel und die Frau ins Wasser und dann noch Mama. Wenn fast alle drin sind, muss ich wohl auch. Es ist ehrlich gesagt wirklich erfrischend.

Unter Wasser sehe ich meine Hand kaum, die kurz unter der Wasser Oberfläche ist. Wir müssen nicht schwimmen, denn die Strömung treibt uns weiter. Als ich ins Boot zurück will ist das schwieriger als gedacht. Mit vereinten Kräften schaffe ich es mit Papas Hilfe wieder ins Boot. Ich hatte nicht erwartet, dass man bei Rafting auch ins Wasser geht. Als alle auf ihrer Position sind, kommt schon die nächste Stromschnelle, wie ich einschätzten kann, die nicht sehr schlimm ist. Am Ende der Stromschnelle ragt in der Mitte des Flusses ein Felsen aus dem Wasser. Da kann man einfach dran vorbei fahren. Mitten in der Stromschnelle sagt der Führer plötzlich: Adelante! Adelante! Das heißt schneller geradeaus. Ich paddle doch, warum sollten wir noch mehr paddeln? Einen Moment später erfahre ich es, denn kurz nach dem Felsen macht er eine scharfe Wendung und alle kippen. Fast wäre ich herausgefallen, doch zum Glück nicht. Das hat der doch mit Absicht gemacht!

Ein weiteres tolles Erlebnis ist, als wir plötzlich bei einem hohen Felsen gestoppt haben und die andere Frau dort plötzlich hinaufklettert. Samuel hinterher. Kurz danach traut sich Samuel, dort herunterzuspringen. Er muss sich auch überwinden und meint hinterher, dass es von oben höher aussieht, als es wirklich ist. Und will gleich noch einmal. Mittlerweile ist die andere Frau mit viel Überwindung auch gesprungen.

Weiter geht es. Komischerweise hat unser Guide uns ein Kommando erklärt, bei dem wir alle in die Mitte des Bootes müssen. Da habe ich schon eine böse Vorahnung gehabt. Bei der nächsten Stromschnelle ist es besonders wild. Und da weiß ich, dass wir da wahrscheinlich in die Mitte sollen. Schon bevor er es sagt, habe ich mich in die Mitte gebeugt. Als er es dann in echt sagt, sind auch alle anderen hinterher. Es ist ein wilder Ritt gewesen und ich bin sehr froh darüber, im Zentrum zu sein.

Schließlich sind wir an einen wunderschönen Felsüberhang gekommen, wo es viele schöne Tropfsteine gibt. Dort sind wir kurz angelandet und haben ein paar Fotos gemacht. Man konnte auch etwas in dem Fluss waten und sich dann auf einen Felsen stellen.

Nach diesem Highlight dürfen wir noch einmal ins Wasser. Diesmal ist auch Papa mit reingekommen. Wir haben uns mit dem Fluss treiben lassen und es ist sehr entspannend. Ich konnte zwischenzeitlich stehen, aber die Strömung hat mich gleich wieder mitgerissen. Dann ist eine kleine Stromschnelle in Sicht gekommen und ich will wieder ins Boot, aber der Führer meint, wir können dort einfach durchtreiben. Ich bin sehr erstaunt und bleibe im Wasser. Trotzdem suche ich vorsichtshalber Papas Nähe. Alle haben sich in die richtige Position gebracht, so dass die Beine nach vorne zeigen und der Kopf nicht gegen die Steine prallt. Dann geht es also durch. Ich war sehr aufgeregt und zum Glück ist es keine schlimme Stromschnelle gewesen und deswegen haben wir es alle unbeschadet überstanden. Dann aber wieder ab ins Boot. Die letzten Stromschnellen haben mir sogar Spaß gemacht. Es war eine gute Idee Rafting zu machen. Es ist ein aufregendes und sehr lustiges Erlebnis gewesen.

Maila

Auf dem Rückweg…

Baden in Klamotten – Samuel in der Höhle

6. September 2021

In Klamotten badet man nicht! Das sagt nun bestimmt der eine oder andere und das stimmt, das tut man nicht. Aber in diesem Fall ist es nötig. Wir, Papa und ich, wollen eine Höhlentour machen. Wir bezahlen die erforderliche Summe und bekommen ein Armband aus Papier. Zwei Pärchen kommen auch noch dazu. Da es in der Höhle dunkel ist und wir keine Lampen mithaben, kaufen wir uns vor Ort „formschöne“ orange-farbige Kopflampen. Sie sehen aus wie echte Höhlenlampen. Dazu noch Rettungswesten und einen Sturzhelm. Fertig. Aber natürlich geht es nicht ohne, selbstverständlich auf Spanisch, gehaltene Einweisung. Wird schon werden.

Wir sind bereit!

In der Höhle gibt es eine spezielle Vogelart, die wie ich später herausfand „Fettschwalm“ heißt. Sie sind nachtaktiv und sehen ähnlich aus wie ein Skua aus der Antarktis. Auch die Größe passt ungefähr. Der Fettschwalm (Steatornis caripensis), den es nur in Südamerika gibt, ist zwar ein wenig größer, aber das sieht man in der Höhle kaum.

Aber weiter. Wir gehen los. Nach 10 Minuten Fußmarsch erreichen wir unsere Unterkünfte. Und lassen sie links liegen. Wir laufen weiter. Fünf Minuten später sehen wir riesige Stalaktiten und Stalagmiten, die unter einem Bergüberhang von oben bzw. von unten wachsen. Einer der beiden Führer nimmt uns beiseite und erklärt uns in langsamem Spanisch die Entstehung von ihnen. Auch langsam verstehe ich Spanisch nicht… ;-) Plötzlich entdecke ich einen Stein, der aussieht wie ein Totenkopf. Cool.

Wir erreichen die zweite Badestelle am Fluss nach weiteren fünf Minuten, aber zum Baden bleibt keine Zeit. Die Höhle wartet. Wir biegen vom Weg ab und laufen über eine Brücke, die über den schnell fließenden Fluss verläuft, in dem wir gestern an der ersten Badestelle gebadet haben. Die Brücke ist mehr schlecht als recht und wird nur von zwei Stahlseilen gehalten, die die drei dünnen Eisenstangen stabilisieren, auf denen sich ein Maschendrahtgitter befindet. Auf letzterem laufen wir. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass die Brücke schaukelig ist und ich einmal an einer Eisenstange hängengeblieben bin. Die Haltegriffe an den Seiten sind übrigens noch weniger vertrauenswürdig als die Brücke selbst.

Aber weiter geht es. Es geht durch den Regenwald hoch, runter, hoch noch höher und wieder runter. Aktuell sieht das hier nach einer Wanderung aus, und von der Höhle fehlt jede Spur.

Die Temperaturen, die im Regenwald herrschen sind ja bereits bekannt. Aber trotzdem läuft allen Anwesenden der Schweiß hinunter. Plötzlich rutscht Papa aus und flucht. Als ich mich umdrehte, liegt er auf dem Boden. Sein linkes Bein ist abgerutscht und aufgeschrammt. Zum Glück ist er nicht den Abgrund hinunter gefallen. Nach einer kurzen Schrecksekunde laufen wir weiter. Es dauert noch gut 20 Minuten bis wir den Höhleneingang erreichen. Papa hat sein Handy aus der wasserdichten Tasche geholt und ist bereit für die ersten Fotos. Leider war es in der Höhle wirklich viel zu dunkel für viele Fotos. Die Guides erzählen uns irgendetwas auch von Bakterien, aber alles wieder nur auf Spanisch. Wir haben uns ausgeruht nach dem 50 minütigen Marsch und betreten nun die Höhle.

Durch diesen Berg führt die Höhle

Die Steine sind glatt und feucht. Am letzten Tagen hat es viel geregnet. Unsere Laufschuhe aber finden guten Halt. Das Wasser, was in die Höhle fließt, ist kalt und bräunlich von der Erde und dem Schlamm, die der Regen in die Flüsse gestoßen hat.

Wir dringen tiefer in die Höhle ein und sehen ein Tier an der Wand hängen, was den freundlichen Namen Skorpionspinne trägt. Die zurückgebliebenen Familienmitglieder wären nicht glücklich gewesen. Wir gehen weiter. Das Tageslicht lassen wir bald völlig hinter uns und erreichen eine Engstelle von ca. einem Meter Höhe. Das Wasser reicht uns nun bis zu den Knöcheln. Wir gehen weiter und kämpfen manchmal um das Gleichgewicht. Der Anblick in der Höhle ist atemberaubend. An den Wänden sind abstrakte Strukturen aus dem Stein geschliffen, die Farben der Gesteine ändert sich fortwährend und die ersten Fettschwalmnester sehen wir in Nischen zwischen den Steinen. Dann machen wir eine Fotopause, wo der Führer die Fotos macht.

Nach den Fotos, gehen wir weiter. Aber ohne Licht! Wir wurden gebeten die Lampen aus zu schalten und den Vordermann an den Schultern zu fassen. Unheimlich. Es ist stockdunkel, absolut finster als Papa, an dessen Schultern ich mich hänge, los läuft. Nicht an die Skorpionspinnen denken. Ich rutsche zweimal fast aus und dem Augenlicht beraubt, bin ich voll auf meinen Vordermann angewiesen.

Nach ein paar dutzend Metern machen wir die Lampen wieder an und sind in einer hohen Raum. Dort machen wir ein zweites Mal Fotos. Auch dort ist es wunderschön! Stalaktiten kommen von der Decke und die Formen der Steine an den Wänden sind wieder unfassbar. Uns wird geraten, alles wasserdicht zu verpacken und das tun wir natürlich auch mit Papas Handy.

Die Schuhe sind von dem Sand in der Höhle sandig geworden, was das Halten auf den rutschigen Steinen zunehmend erschwerte. Wir müssen eine kleine Wasserrutsche hinunterrutschen, um weiter zu kommen. Dabei wird der Sand glücklicher Weise abgewaschen. Die erste Hälfte der Rutsche ist glatter Stein, die andere ist freier Fall. Aber schon nach eineinhalb Metern ist wieder das Kalte Wasser und der Felsboden da. Ich stehe auf der Kante zum freien Fall, suche Halt mit dem Fuß, finde ihn, halte mich mit beiden Händen fest und suche nun auch mit dem anderen Fuß einen Halt. Ich komme nicht dazu ihn zu finden, weil mein erster Fuß abrutscht. Meine nassen Hände halten mich nicht und ich falle die eineinhalb Meter … Ich werde von glattem Stein abgefangen und rolle ins flache Wasser. Der Führer hilft mir hoch und fragt auf Spanisch ob alles in Ordnung ist. Ich nicke und es geht weiter, nun aber mit nassen Sachen. Für einen kurzen Schreck bleibt keine Zeit.

Ich habe meine Klamotten lange trocken halten können, doch nun war ich nass! Allerdings wäre ich eh nicht mehr lange trocken geblieben. Als nächstes folgen nämlich weitere kleine Wasserfälle, die man herunterspringen muss. Manche waren so flach, dass das Wasser nur bis zum Bauchnabel reichte. Andere waren so tief, dass ich dort nicht stehen kann. Zum Glück kann ich schwimmen. Und ungefähr hier hat der Gestank nach Kloake begonnen. Als ich in die Ausbuchtungen des Flusses leuchte, sehe ich Plastikmüll und noch mehr Nester des Fettschwalms.

Leider können wir selbst keine Fotos dieser schönen Vögel machen.

Kurz nach Einsetzen des Gestanks setzt ein Geschrei ein! Es war nur Eines! LAUT! Sehr laut. Erst der Geruch, der den Geruchssinn betäubt und nun das Geschrei der Fettschwalme, der das Trommelfell zum Platzen bringt. Dann sehe ich den Ersten. Sie sitzen in den Nestern und kreischen. Wir sollen sie nicht direkt anleuchten, aber wir sehen sie trotzdem, weil wir sie mit den Lampen indirekt anleuchten konnten. Es sind durchaus hübsche Tiere und sie sind auch dazu noch laut. Erwähnte ich das schon. Nach diesem Genuss gehen wir Richtung Ausgang.

Ein Wasserfall!!! Was auch sonst. Er wurde uns bereits auf dem Hinweg gezeigt, doch ich hielt es für einen Witz. War wohl doch keiner. Papa war der letzte, der an die Reihe kam und ich davor. Ein Gitter aus Seilen, wie man es vom Spielplatz kennt, wird angehoben und ich steige drauf. Das Wasser prasselt mir ins Gesicht und drückt mich herunter. Unten angekommen stelle ich mich hin und rutsche fast aus. Es ist wieder sehr glatt. Hätte ich mir eigentlich denken können! Kenne ich doch schon. Nun sind wir zwar unten, aber auf der falschen Flussseite.

Fast geschafft!
Jetzt nur noch hinüberhangeln

Eine Sicherungsleine für die Badegäste ist dort aufgespannt und an genau dieser sollen wir uns rüber hangeln. Die Hauptströmung war ziemlich am Anfang und die lustigste Etappe der ganzen Hängepartie. Mit Rettungsweste und Helm und Lampe hangeln wir uns hinüber. Die beiden Pärchen hatten deutlich mehr Probleme, als Papa und ich. Wir gehen zurück und uns werden die Papierarmbänder abgenommen. Bei unserer Lodge warten die Frauen bereits auf uns und sind gespannt auf unsere Abenteuergeschichte.

Höhlenausgang von der anderen Flussseite

Aber wir haben nur wenig Zeit. Eine Stunde später gehen wir, diesmal alle vier, zu einer zweiten Aktivität, die aber von Maila geschrieben wird.

Trotz des Geruches und des Lärms und der unbequemen Rettungsweste war der Trip super!!! Wir haben zwei Tierarten gesehen, die ich sonst nie gesehen hätte und in einer Höhle mit Klamotten zu „Baden“ war auch ein Erlebnis, das ich wahrscheinlich nie vergessen werde.

Samuel

Reserva Natural Cañon del Río Claro

5. – 7. September 2021

Vor unserem nächsten Ziel steht erst einmal die längste Fahrstrecke unserer kleinen Rundfahrt auf dem Programm, gut 330km. Und nein, man darf als Fahrzeit keine deutschen Erfahrungswerte zugrunde legen. Trotzdem erscheinen uns die im digitalen Reisebegleiter angegebenen 10 Stunden dann doch etwas zu lang. Tatsächlich schaffen wir es mit kolumbianische inspirierten Fahrstil dann doch in 5½ Stunden. Aber bevor ich mich mal wieder in Deutschland auf die Straße wage, muss ich wohl oder übel nochmal kräftig umgewöhnen… ;-)

Na das sieht man in Deutschland aber wohl auch nicht oft…

So kommen wir also erstaunlich früh im 1970 gegründeten, privaten Naturreservat Cañon del Río Claro an. Einerseits ist das hier wirklich ein sehr schönes Fleckchen Erde. Andererseits wird schnell klar, dass es letztlich privat geführt und damit auch kommerziellen Interessen nicht abgeneigt ist. Natürlich findet sich eine gewisse touristische Infrastruktur. Der heutigen Spaßgesellschaft muss schließlich etwas geboten werden und auch wir können nicht wirklich widerstehen. Andererseits handelt es sich bei dem Reservat um ein Rückzugsgebiet für Flora und Fauna, dass in dieser – zu ca. 95% abgeholzten Gegend – seines Gleichen sucht. Über zwei Dutzend Pflanzenarten wurden in dieser Region erstmals beschrieben. Manche Vögel sind endemisch und natürlich gibt es Affen. Auch wenn gerade an den Rändern des Reservats die umgebende Zivilisation nicht zu übersehen und -hören ist, so präsentiert das Reservat mehr als nur die Illusion ursprünglicher Natur. Insgesamt erscheint uns die Mischung gelungen.

Willkommen!

Dafür darf man sein Gepäck dann auch gleich mal ein gutes Stück am Ufer flussaufwärts zu den Unterkünften schleppen. Diese liegen dafür mitten im Wald. Wir bekommen ein Eckzimmer im obersten Stock, das die Mühen mit einem wunderschönen, ungestörtem Ausblick belohnt. Die Cabañas sind aktuell nur spärlich bewohnt, die wohl oft zahlreichen Wochenendbesucher gerade abgereist. Das Restaurant fährt offensichtlich auf Sparbetrieb und auch die angebotenen Aktivitäten sind alles andere als überlaufen. Das mag für den Betreiber jetzt nicht optimal sein, wir finden es toll.

Endlich bei der Cabaña
Jetzt nur noch in den obersten Stock
Ausblick vom Balkon :-)

Der namensgebende, von teils sehr beeindruckenden Kalksteinformationen umgebende Río Claro präsentiert sich bei unserer Ankunft tatsächlich sehr klar. Und dank des Skippers Fahrstil bleibt ausreichend Zeit, gleich noch in den Fluss zu hüpfen. In der Mitte ist die Strömung nicht zu verachten, trotzdem erreichen wir auch das gegenüberliegende Ufer. Zur Not sind flussabwärts der Badestelle aber auch noch Seile gespannt.

Schwimmen gegen die Strömung
Gerne mit etwas Hilfe ;-)
Sicherheitsseile vor der nächsten Stromschnelle

In der Nacht regnet es. Also so richtig. Wolkenbruch mit Blitz und Donner. Da die Fenster in unserem Zimmer lediglich aus Moskitonetzen bestehen, bekommen wir das hautnah mit. Beeindruckend. Trotz unruhiger Nacht geht Samuel am frühen Morgen wieder auf Vogelbeobachtung. Wenn er sich doch auch an Bord mal so begeistert für die Schule aus den Federn heben würde. Im Hintergrund rauscht der Fluss heute um einiges lauter als gestern. Und so richtig klar ist er auch nicht mehr. Fast einen Meter höher rauschen die vom Regen gespeisten, braunen Wassermassen vorbei. Hoffentlich macht das keinen Strich durch unsere Planung.

Auf dem Programm stehen ein Höhlenausflug für die Jungs sowie Rafting für die ganze Familie. Wir warten auf die Information, ob die Ausflüge auch stattfinden. Dann kommt Entwarnung. Ja, der Fluss ist heute alles andere als ruhig, aber das passt. Doch von diesen Ausflügen wollen die Kinder berichten. Für mich bleibt an dieser Stelle nur noch unser letzter Spaziergang.

Flussaufwärts windet sich ein Pfad am Ufer entlang. Ja, natürlich ist es ein künstlicher Eingriff in die Natur, trotzdem dezent umgesetzt und alles andere als barrierefrei. Wir klettern über Stock und Stein, umgeben von einer Natur, wie wir sie in den letzten Wochen und Monaten lieben gelernt haben. Noch einmal atmen wir richtig durch, bevor uns unsere Reise in die zweitgrößte Stadt Kolumbiens führt… Medellín.

Logistischer Zwischenstopp in Bucaramanga

4./5. September 2021

Ja, ja, so ist das nun einmal. Die Familie amüsiert sich bei einer entspannten Gondelfahrt über den Canyon, während der alte Skipper sich mit dem Auto einmal durch- und rumquälen darf. Aus den nur gut 6km Seilbahn werden auf der Straße gut 50km Serpentinen-, Baustellen-, Tal- und Bergfahrt. Ob die Kinder da wirklich tauschen wollen?!?

Na dann mal los – (c) Google Maps
Die Serpentinen hinab…
Noch eine Baustelle…
Aber auch schöne Ausblicke :-)

Nachdem ich die Bande wieder eingesammelt habe, geht die Fahrt weiter nach Bucaramanga. So manche Mietwagentour endet hier ob der guten Fluganbindungen. Für uns ist es nur ein logistischer Zwischenstopp vor der langen Etappe nach Südwesten auf den Rückweg Richtung Bogotá. Und als solchen Zwischenstopp müssen wir das dann auch betrachten. Ok, das mit dem Hotel ist sicher lieb gemeint. Es ist Teil eines verkehrsgünstig gelegenen Golf-Clubs. Gepflegter Rasen, teure Autos, hochgereckte Nasen. Ja, auch so etwas gibt es hier in Kolumbien. Ist aber nun einmal leider so gar nicht unsere Sache. Immerhin sind die Zimmer groß, die Betten dafür recht schmal für zwei Personen. Auch der Pool ist groß, die distinguierte Zuschauermenge am Rand jedoch nicht minder. Der Skipper verzichtet.

Hier wollen wir dann auch nicht Abendessen. Später fahren wir also auf der Suche nach einem Restaurant noch in das nahe liegende Stadtteilzentrum, landen im Stau, biegen falsch ab, müssen eine große Runde (über den Highway) nehmen, quälen uns weiter und parken dann irgendwo. Die Stimmung ist großartig. Doch zufällig stehen wir genau vor einem empfohlenen Italiener, der von der Straße aus aber ziemlich geschlossen aussieht. Was für ein Irrtum. Einmal quer durch das Haus gegangen öffnet sich am anderen Ende ein lauschiger Innenhof. Ja, hier wollen wir bleiben. Die Atmosphäre ist super, das Essen sehr lecker, die später beginnende Livemusik laut und gut… an den Nachbartischen wird teils mitgesungen. Ein schöner Tagesausklang.

Den Jungs geht es gut…
Die Masken ruhen sich aus…
Die Musik rundet ab…

Und ja, auch auf das Frühstück kann man nichts kommen lassen. Erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit gibt es ein echtes Frühstücksbuffet. Bisher war das immer zugunsten individueller Bedienung eingestellt. Am (Achtung: Vorurteil! ;-) Golf-Club-typischen, von sich selbst ausgesprochen eingenommenen Klientel hat sich natürlich nichts geändert. Aber damit kommen wir schon klar. Ist zum Glück nur ein logistischer Zwischenstopp…

Stärkung für die Weiterfahrt!

Fotochallenge #34 – Boot

Aruba, 17. Oktober 2021

Immer sonntags gibt es im Projekt „Wöchentliche Fotochallenge“ von ROYUSCH-UNTERWEGS den Aufruf, zu einem Thema (genau) ein Foto zu verlinken. Aktuell geht es um „Boot“.

Die Vorgabe zeigt ein altes Walfängerboot auf Deception Island. Ein sehr schönes Motiv, dass bei diesem Thema auch bei uns in die engste Auswahl gekommen wäre. So fliegen unsere Fotos der Whalers Bay als erstes raus.

Für einen Segler ist das dankenswerter Weise ausdrücklich weit gefasste Thema natürlich eine besondere Versuchung, das eigene Boot in Szene zu setzen. Tatsächlich überlegen auch wir kurz, welches Bild unserer Samai wir zeigen könnten. Doch dann widerstehen wir der Versuchung.

Letztlich gewinnt ein Motiv, das wir auch vor zwei Wochen beim Thema „Ruine“ gerne gezeigt hätten… doch ein Wrack ist halt doch etwas anderes als eine Ruine. Aber ein ehemaliges 😉 Boot ist es allemal.

Ende Juni 2020. Wir befinden uns in Patagonien. Der etwa 96sm lange Canal Smyth ist ein gut geschützter Wasserweg von der Magellanstraße weiter nach Norden die chilenische Küste entlang. Hier ist man zwar vor Wellen sicher, doch der Wind kann ordentlich wehen. Aufmerksame Navigation ist unabdingbar. Gerade im sich windenden, ca. 8sm langen Abschnitt Paso Shoal (=Untiefenpass) ist der Name Programm…

Im Jahr 1904 läuft der Dampfer Hazel Branch auf eine der gefährlichen Flachstellen. Von ihm ist heute jedoch nichts mehr zu sehen. Auch die Überreste der Dampfschiffe Moraleda, Magada, Ponte Verde und Recreo verbergen sich vor unserem Auge. Ganz anders das Wrack der US-amerikanischen SS Santa Leonor. Sie havariert am 31. März 1968 und ist noch heute zugleich Mahnmal wie Erinnerung an den Respekt, den jeder der Natur entgegenbringen sollte, der auf einem schwimmenden Untersatz egal welcher Größe auf Reise ist… mit anderen Worten auf einem Boot!

SS Santa Leonor

P.S. Der ausführliche, zweiteilige Bericht über unsere Reise durch den Canal Smyth findet sich hier und hier.