Auf dem kurzen 110sm-Hüpfer von Cartagena nach Santa Marta gibt es abgesehen vom notorisch ungünstigen Gegenwind und dem erfreulich günstigen Neerstrom dicht unter der Küste besonders eine Kleinigkeiten zu beachten: Die Millionenstadt Barranquilla. Dabei ist streng genommen nicht Kolumbiens wichtigster Karibikhafen (zugleich Geburtsort von Shakira) das Problem, sondern der hier einmündende Río Grande de la Magdalena. Vor gar nicht langer Zeit verbrachten wir ca. 1.000km weiter südlich in Honda an seinem Ufer einen netten Abend. An der Küste sollte ein kleiner Segler jedoch nicht nur ausreichend Abstand halten, sondern tunlichst bei Tageslicht und guter Sicht passieren. Vor diesem Hintergrund teilen wir den Weg auf und steuern den gut geschützten Puerto Velero an. Hier gibt es sogar eine kleine Marina, doch wir werfen lieber in ausreichendem Abstand den Anker und genießen einen entspannten Grillabend.
Letzter Blick auf CartagenaDas Wetter darf gerne über Land bleiben
Am nächsten Morgen geht es weiter. Recht bald schon kommt Barranquilla und damit die Mündung des Río Magdalena in Sicht. Um sich einen Eindruck von seinen Wassermassen zu machen, werfen wir einen kurzen Blick auf den mittleren Abfluss MQ, also den langjährigen Durchschnitt des auf ein Normaljahr bemessenen durchschnittlichen Abflusses. Beim Río Magdalena liegen wir hier bei gut 7.200 m3/s. Zum Vergleich kommt Vater Rhein in der Summe seiner Mündungen gerade einmal auf 2.900 m3/s und selbst die um einiges längere Donau liegt an ihrer Mündung unter 6.900 m3/s. Das sind wie gesagt Mittelwerte. Wir haben aktuell Regenzeit. Da kann es vorkommen, dass der Río Magdalena mit 6kn rausströmt und dabei natürlich einiges Treibgut mit sich führt. Ganze Baumstämme sind keine Seltenheit.
Abschied aus Bahía Velero
Dazu kommt ein großer, flacher Bereich östlich der Mündung. Wir haben keinen ausgeprägten Wellengang und wollen den Umweg gering halten. Doch dann sehen wir schon von weitem bis weit vor die Küste reichende Brecher voraus. Spontan vergrößern wir den Sicherheitsabstand. Dabei hilft der Fluss kräftig mit. Trotz wie üblich ungenauer Logge verzeichnen wir über drei Knoten Seitenstrom. Hat im Landesinnern wohl nicht viel geregnet?! Wir sind nicht böse. Die See wird auch so schon erstaunlich unangenehm. So schaukeln und strömen wir uns also an den Grünflächen vorbei und sehnen uns nach ruhigerer Gewässern.
Mindestsicherheitsabstand nach BarranquillaWenigstens keine BaumstämmeSanta Marta kommt in Sicht…
Den Rest motoren wir entspannt weiter nach Santa Marta. In der Marina werden wir dank obligatorischer Voranmeldung erwartet. Dafür brauchen wir hier keinen Agenten beauftragen, darum kümmert sich das Hafenbüro. Der erste Eindruck rüttelt sich zurecht. Natürlich vergleichen wir mit Cartagena. Sicherlich werden wir hier um einiges ruhiger liegen. Dafür ist das Wasser am Steg nicht trinkbar. Gut, dass unser Tank noch reichlich voll ist. Die Kulisse ist spärlicher, aber doch städtischer als erwartet. Das Seglerpublikum scheint auch anders zu sein… doch dazu ein anderes Mal mehr.
Nach unserer kleinen Rundreise bleiben wir tatsächlich noch zwei Wochen in Cartagena. Das hat zunächst einmal mit den Einbauten der neuen, zwei Tage nach uns an Bord angekommenen Geräte zu tun.
Allerdings steht leider ein weiterer Arztbesuch auf dem Programm. Nicht nur das langsam abheilende Bein des Skippers hatte sich entzündet, auch bei Samuel zeichnet sich am linken Ohr eine zunehmend unansehnliche Wunde ab. Unsere Bordärztin rätselt. Ist es eine von Sandmücken übertragene Leishmaniose? Die Inkubationszeit beträgt mindestens einen Monat und im tropischen Lebensraum der Überträger treiben wir uns schon seit Jahresanfang herum. Der stets hilfsbereite Hafenmeister John empfiehlt uns einen Hautarzt, der dankenswerter Weise einen schnellen Termin für uns freimacht. Entwarnung. Es ist dann doch „nur“ Impetigo (Borkenflechte). Sehr zur Freude unseres heranwachsenden Sohnes muss die Stelle nun mehrmals täglich gründlich gewaschen und eingecremt werden. Damit wird es schnell besser, aber sicher noch einige Wochen bis Monate dauern, bis gar nichts mehr zu sehen ist.
Kolumbien ist insbesondere für das Exportgut Kokain bekannt. Auch wenn die Regierung diesem Übel den Kampf angesagt hat, wird das wohl auch noch auf absehbare Zeit so bleiben. Es gibt allerdings noch ein anderes Exportgut, mit dem Kolumbien die ganze Welt versorgt: Smaragde! Eigentlich sind wir mit den Souvenirs ja durch. Doch insbesondere in unserem Mineralien sammelnden Sohn reift immer mehr der Wunsch, sich noch einmal intensiver mit der grünen Spezialität des Landes zu beschäftigen.
Wieder ist es Hafenmeister John, der uns eine gute Empfehlung gibt: „Mister Emerald“ Lee Miles himself. Er wohnt gleich gegenüber der Marina. Nach einem netten Plausch nimmt er uns mit in sein pandemiebedingt seit Monaten geschlossenes Geschäft.
Alle Auslagen sind leer, doch im Hinterzimmer holt er ein paar Schätze für uns hervor. Nicht nur bei Samuel glänzen die Augen, auch Maila erinnert sich an die kürzlich von den Großeltern avisierten monetären Gaben zu den anstehenden Festen. Beide schlagen zu. Samuel kennt mal wieder kaum eine Grenze und entscheidet sich für zwei größere Rohsmaragde und einen kleinen geschliffenen Stein. Maila findet einen wunderschönen Anhänger für sich, den sie aber tatsächlich erst an Ihrem Geburtstag (also im Januar!) tragen möchte. „Mister Emerald“ macht uns einen guten Preis, Maila bekommt eine Kette geschenkt und alle sind glücklich.
Ein letztes Mal durch die Altstadt…
Auf dem Rückweg werfen wir noch einen Blick in das provisorische Goldmuseum der Stadt und machen einen Abstecher zu „Los Zapatos Viejos“. Diese fast 65 Jahre alten, ausgelatschen Stiefel aus Bronze sind eine Hommage an den sehr beliebten lokalen Dichter Luis Carlos López, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur, aber besonders auch seiner Heimat(stadt) ein literarisches Denkmal setzt. Bei unserem Besuch im benachbarten Castillo de San Felipe hatten wir diesen touristischen Pflichttermin verpasst. So posiert die Familie nun halt nicht bei strahlender Sonne, sondern leichtem Nieselregen für die obligatorischen Fotos.
… bis zu den alten Stiefeln!Ob die mir passen? ;-)
Davon, dass es sich mit Schmuckhandel in Cartagena durchaus gut leben lässt, können wir uns am nächsten Tag bei einem Besuch „Mr. Emerald“ zu Hause überzeugen. Vom seinem Balkon im 16. Stockwerk schweift der Blick über Bucht und Hafen, während unser Gastgeber interessante Geschichten erzählt. Ja, hier lässt es sich in der Tat gut aushalten…
Was für ein Ausblick!!!
Ansonsten ist im Club Nautico alles wie immer. Besonders am Wochenende fahren die großen Partyboote vollbesetzt raus und sorgen für ordentlich Schwell. Ein kleiner „Hühner-Popo“ (ja, dieses lokale Wetterphänomen heißt wirklich „Culo de Pollo“!) zieht durch und zieht zur allgemeinen Überraschung mal keinen Ankerlieger mit sich.
Party-TimeDie Offiziellen kennen auch nur „Volle Kraft voraus!“
Wir lassen noch die Gasflaschen auffüllen und für wenig Geld kratzt uns der Hafentaucher (natürlich auf eigene Rechnung ;-) den Rumpf sauber. Dann ist es endlich soweit. Unser Agent José besorgt das notwendige Zarpe, wir fahren noch einmal zur Tankstelle und dann heißt es „Adiós Cartagena“.
A Mi Ciudad Nativa
Noble rincón de mis abuelos: nada como evocar, cruzando callejuelas, los tiempos de la cruz y de la espada, del ahumado candil y las pajuelas…
Pues ya pasó, ciudad amurallada, Tu edad de folletín… Las carabelas se fueron para siempre de tu rada… ¡ya no viene el aceite en botijuelas!
Fuiste heróica en los tiempos coloniales, cuando tus hijos, águilas caudales, no eran una caterva de vencejos.
Más hoy, plena de rancio desaliño, bien pueden inspirar ese cariño que uno le tiene a sus zapatos viejos.
Schon im Aufruf wird auf die schöne Doppeldeutigkeit dieses trotzdem nicht ganz einfachen Themas hingewiesen. Zahl oder Verb? Warum nicht beides??? Auch wenn man dafür ein klein wenig um die Ecke denken muss… ;-)
Wir sind zwar nicht auf allen sieben Weltmeeren unterwegs, doch für salzige Aerosole in der Luft ist das auch gar nicht notwendig. Es erstaunt uns immer wieder, was für Auswirkungen die derartig angereicherte Atmosphäre mit sich bringt. Inzwischen hat es unser Sieb erwischt. Wer nimmt auch Küchengeräte aus rostanfälligem Metall mit auf Langfahrt? Eines möchte man damit jetzt jedenfalls nicht mehr machen… sieben. Zumindest nicht, wenn das gesiebte Gut anschließend verzehrt werden soll.
Tatsächlich scheint das Sieb am Ende seines Lebens irgendwo zwischen antiquiert und verrottet. Doch extra für diese Fotochallenge haben wir es ein letztes Mal aktiviert. In der windigen Morgensonne von Aruba siebt es das einzige, was wir seinem verrosteten Gitter noch zumuten wollen: Luft. Atmosphäre. Genauer gesagt zu ca. 78% Stickstoff (N). Und jetzt ratet mal, welche Ordnungszahl dieses Element im Periodensystem hat… genau: sieben!
Getränkekartons, seien sie nun vom Schweizer Marktführer Tetra Pak oder auch nicht, haben einen durchaus zwiespältigen Ruf. Die Getränkeindustrie preist sie als ausgesprochen umweltfreundlich. Eine vor zwei Jahren im Auftrag des Fachverbandes „Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel“ (sic!) erstellte Studie wird je nach Blickwinkel unterschiedlich interpretiert. Mancher lässt sich zu der Schlagzeile „Frischmilch im Karton besser als in Pfandflaschen“ hinreißen, stellt den Inhalt damit aber wie so oft verkürzt dar. Ein Problem von Getränkekartons ist bei allen (leider mäßig erfolgreichen) Recyclingbemühungen sicher ihr Materialmix im mehrlagigen Verbund mit zunehmenden Plastikanteil.
Für einen Segler auf Langfahrt ist das Tetra Pak jedoch durchaus reizvoll: „unkaputtbar“ (kein Skipper mag Glasscherben in der Bilge), relativ leicht und gut stapel- bzw. staubar. Wir geben zu, an Bord gerne dieser Verpackung zu wählen. Für Milch ist es de-facto-Standard. Gerade in Argentinien und Chile gibt es ausgesprochen günstig-guten Wein im Getränkekarton. In Südamerika werden Gemüse, selbst Fertigsuppen und eingemachtes Obst oft nicht in Konservendosen oder gar Gläsern, sondern im Tetra Pak verkauft. Eine Nutzungsvariante sehen wir jedoch erstmals in Kolumbien.
Da stehen sie nun im Regal arglos nebeneinander. Je ein Liter Rum wahlweise in der Glasflasche und im Tetra Pak. Beide ziert das gleiche Logo. Gleicher Inhalt… kein Unterschied? Oh doch: der Preis. Im Getränkekarton kostet das Getränk gut 15% weniger als in der Glasflasche. Mangels Glasgläsern landet der Tropfen an Bord ohnehin in Polycarbonat bevor er des Skippers Kehle hinunter rinnt. Dazu kommen die anderen, oben angesprochenen „Segler-Argumente“. Da fällt die Wahl ehrlich gesagt nicht allzu schwer.
Ja, natürlich ist es nicht die edelste Sorte Rum, die da in dieser Verpackung angeboten wird. Trotzdem verproviantieren wir uns und haben damit mal wieder etwas an Bord, das wir vorher so nicht nicht gesehen haben: Tetra-Rum…
Immer wieder bekommen wir in Lateinamerika zu hören, dass man sich als Europäer das mit dem Autofahren im jeweiligen Land gut überlegen solle. Das war schon in Ecuador so. In Costa Rica wird selbst seitens Reiseveranstaltern und Autovermietern gewarnt, defensivste Fahrweise eingefordert und auf die Möglichkeit eines Fahrers verwiesen. Die lokale Fahrweise sei herausfordernd und die Straßen alles andere als gut. Ganz ehrlich… die sollen mal in Kolumbien fahren! Natürlich bekommen wir auch hier einen „Rundum-Service“ angeboten. Doch aus mehreren Gründen kommt der für uns nicht in Frage. Schließlich habe ich mal Autofahren gelernt und sein gelerntes Können soll man ja auch hin und wieder mal einsetzen. Also los…
Eines Vorweg: Mir hat das Fahren hier richtig Spaß gemacht!
La Skipper hat da jedoch eine gänzlich andere Sichtweise. Schon auf den vorhergehenden Rundfahrten hat sie sich bevorzugt in den Fond des Wagens verzogen. Gerne mit Kopfhörern und geschlossenen Augen sitzt sie hinten und versucht „in sich zu ruhen“… soweit die meist kurvigen, oft mit Schlaglöchern versehenen Straßen das gepaart mit der kolumbianisch inspirierten Fahrweise des Skippers zulassen…
Straßenschilder
Wohl jedes Land hat einige ganz eigene Verkehrsschilder. In Kolumbien fallen zunächst die „zwei Augen“ auf. Nach unserer Recherche fordert das zum Einschalten des Abblendlichtes auf. Sind „vier Augen“ zu sehen, geht es um das Fernlicht.
Absolut ernst zu nehmen sind die Warnschilder für Bremsschwellen, davon später mehr. Die wahren Helden des Straßenrandes haben jedoch mehr Text. Immer wieder fahren wir an zwei oft auch dicht hintereinander aufgestellten Achtung-Schildern vorbei:
Peligro Zona Geológicamente Inestable (geologisch instabile Zone)
Peligro Zona de Hundimientos en la Via (Sinkzone in der Straße)
Straßenzustand
Diese Schilder sollte der umsichtige Fahrer absolut ernst nehmen. Ersteres lässt gerne mal einen Erdrutsch erwarten. Wir sind in der Regenzeit unterwegs. Da kommen Erdrutsche häufiger mal vor und werden auch nicht so schnell wieder abgeräumt. Man braucht also nicht überrascht zu tun, wenn direkt nach einer (meist nicht einsehbaren) Kurve die eigene Spur von Erde versperrt ist. Bei letzterem ist dann gerne mal die halbe Straße einfach so um +/- 10cm abgesenkt. Das kommt öfter vor, als einem lieb ist.
Von Salamina zu den WachspalmenEin Erdrutsch…… von vielen…… oder gerne auch mal Senken.
Allgemein muss man auch auf den besser ausgebauten Straßen immer mit unangekündigten Schlaglöchern von teils beachtlichem Format rechnen. Auf dem Weg zum Río Claro zeigt sich selbst die zweispurige Autobahn von erstaunlich zweifelhafter Qualität. Immerhin erlaubt uns der auf diesem Abschnitt ausnahmsweise wenig vorhandene Verkehr eine angemessene Slalomfahrt um die großflächigen Schadstellen. Achtung beim Überholen… gerade auch die großen LKWs fahren gerne Slalom!
Auf den schmalen, meist unbefestigten Nebenstraßen findet man Warnungen und Hinweisschilder vergeblich. Autofahren auf eigene Verantwortung. Hier kann man ja schon froh sein, wenn ein abgebrochenes Stück Straße irgendwie markiert wurde. Auch halten sich die Folgen von Erdrutschen deutlich länger. Unbestrittener Höhepunkt ist eine (immerhin markierte!) Stelle auf dem Weg von Salamina nach Honda…
Passt schon :-)
Straßenimpressionen
Wie schon erwähnt, muss man auf Kolumbiens Straßen immer mit allem rechnen. Dazu gehören natürlich auch Anblicke, die man aus Deutschland so nicht unbedingt kennt. Dabei sind Tiere noch vergleichsweise gewöhnlich. Bemerkenswert ist jedoch das Bedürfnis von Personentransportdienstleistern, möglichst jedem Wunsch auf Beförderung nachzukommen.
Überholverbot
Ein ganz alltäglicher Anblick ist dagegen der sich um die Serpentinen quälende Lastwagen voraus. Gerne auch mal im Konvoi. Das Hauptproblem dabei ist das nahezu durchgängig geltende Überholverbot. Theoretisch bestimmt also das langsamste Gefährt die Fahrzeit aller. Theoretisch. Praktisch wird überholt, als gäbe es kein Morgen. Selbst auf kürzesten Geraden wird das Gaspedal getreten und ausgeschert, wenn da nicht zufällig gerade Gegenverkehr um die nahe Kurve biegt. Passiert das dann doch mal, geht es trotzdem gut aus. Vielleicht wird mal aufgeblendet, aber letztlich gibt das entgegenkommende Fahrzeug dann doch genug Platz, um den Überholvorgang abzuschließen.
Geschwindigkeitsbegrenzungen
Genau wie das konsequent ignorierte Überholverbot wird auch die Geschwindigkeitsbegrenzung von inner- und außerorts normalerweise 60 km/h durch ein Vielzahl von ebenso konsequent ignorierten Schildern angezeigt. Gefahren wird trotzdem grundsätzlich nach Stecke und Verkehr. Hinter einem LKW oder auf steiler Schotterpiste eher langsam, auf freier Strecke dagegen so schnell, wie die Reifen die Scherkräfte in Straßenhaftung umsetzen können… nur zu oft lediglich bis zum nächsten sich den Berg hinauf quälenden LKW.
Pistenimpressionen…In der Nähe von BaricharaEmpfohlene Route nach Salamina
Mautstellen
In unregelmäßigen Abständen kommen wir an Mautstellen vorbei. Die Preisgestaltung bleibt undurchsichtig. Meist ist es für PKW etwas über 10.000 Peso, also etwa 3 €. Zweiräder kosten grundsätzlich nichts. Für sie ist am rechten Rand eine gebührenfreie Tangente eingerichtet. Und bei viel Andrang zeigt man sich schon mal flexibel und sperrt kurzerhand eine Fahrtrichtung um den Stau durch die Nutzung sämtlicher Spuren abzubauen.
Verkehrsberuhigung
Nicht nur Mautstellen bremsen den Verkehrsfluss. Dafür sorgen auch regelmäßig anzutreffende Bremsschwellen. Selbst auf schnurgeraden Durchgangsstraßen. Zum Glück sind diese praktisch ausnahmslos durch Schilder angekündigt. Außerdem werden sie (ebenso wie rote Ampeln) für einen regen Straßenhandel genutzt.
Einbahnstraßen
Natürlich gibt es in Kolumbien auch Einbahnstraßen und meist halten sich zumindest die Autos auch daran. Zweiräder sind naturgemäß ein ganz anderes Thema. In Barichara kümmert sich aber wirklich niemand um die richtunggebenden Pfeile. Bei Gegenverkehr findet sich schon eine Nische zum Ausweichen. Einmal fahre ich (in diesem Fall tatsächlich versehentlich!) verkehrt um den zentralen Dorfplatz. Die Polizei steht am Straßenrand und natürlich bleibt unser Verhalten nicht unbemerkt. Es reicht bei den Ordnungshütern immerhin für ein kurzes Aufblicken vom Handy… ;-)
Eine andere Art von inoffizieller Einbahnstraße erleben wir in Cartagena. An einer roten Ampel sehen wir immer wieder mal, wie Autos einfach auf die gerade leere Gegenspur ausscheren und bis zur Kreuzung vorfahren. Damit ist die Straße für den Gegenverkehr dicht. Abbieger müssen halt (meist ebenso laut wie erfolglos hupend) warten.
Nein, von rechts kommt KEINE Einbahnstraße!
Motorräder
Sie fahren irgendwie in einer eigenen Welt. Manche fühlen sich mit enormen Lasten oder einer ganzen Familie versehen größer als sie sind. Na wenigstens in der Stadt tragen die meisten Fahrer einen Helm. Gerade in Medellín wäre alles andere auch lebensgefährlich. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Bei absolut JEDEM Spurwechsel, insbesondere bei stockendem Verkehr, ist der Blick nach Hinten absolute Pflicht. Selbst auf der Berliner Stadtautobahn habe ich ein derartig konsequentes Durchdrängeln ganzer Heerscharen von Zweirädern noch nicht erlebt. Wo haben die eigentlich ihren Führerschein gemacht?
Als Familienkutsche…… oder mit Waschmaschine…Hauptsache vorne mit dabei…
Führerschein
Apropos kolumbianischer Führerschein. Bis vor Kurzem war dieser ausgesprochen unkompliziert erhältlich. Man gehe zu der entsprechenden Stelle, beteuere seine Fahrkünste, zahle den geforderten Betrag und die Fahrerlaubnis wird überreicht. Fahrstunden oder gar eine Prüfung waren nicht notwendig. In Medellín versichert uns unser Guide jedoch, dass sich das vor etwa 2 Jahren geändert hat. Zumindest für den Erwerb eines neuen Führerscheins…
Straßennamen
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zu den Straßennamen. Die sind in Kolumbien weitgehend unbekannt. Lediglich einige wenige große Autovía haben einen Namen. Ansonsten führen Carrera grob in Nord-Süd-Richtung, Calle dagegen grob in Ost-West-Richtung… und werden schlichtweg (ggf. mit angehängtem Buchstaben) durchnummert. Bei der Richtung der Nummerierung zeigt man sich dagegen flexibel. Calle 1 ist oft im Süden, manchmal aber auch im Norden und Carrera 1 findet sich wahlweise am östlichen oder westlichen Ende der Stadt. Abwechslung muss sein.
Und dafür stellen sie noch eine Extra-Reinigung in Rechnung!
Fazit
Wie gesagt hat es mir persönlich ausgesprochen viel Spaß gemacht in Kolumbien Auto zu fahren. Maila wirkte meist auf dem Beifahrersitz auch ganz vergnügt. La Skipper hat ihre Rücksitz-Erfahrungen dagegen weniger enthusiastisch in Erinnerung. Was macht sie auch so oft die Augen auf?! :-)
Letztlich ist sich die ganze Familie darin einig, dass die Entscheidung zum selber Fahren richtig war, ich vor der ersten Fahrt in Deutschland aber vielleicht doch noch mal einen Blick in die Straßenverkehrsordnung werfen sollte… sicher ist sicher! ;-)