Wie viele Guyanas gibt es eigentlich?

Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört. Streng genommen gibt es heute genau ein Land mit dem Namen Guyana. Es liegt an der Nordküste Südamerikas zwischen Venezuela und Suriname und ist Ende März 2022 das Ziel der letzten kleinen Rundreise während unserer Auszeit unter Segeln. Ok… Frage beantwortet… endet hier…

Guyana

Nun ja, so einfach und damit letztlich oberflächlich machen wir es uns hier ja selten. Zumindest versuchen wir das. Wenn der historische Kontext mit all seinen Wendungen einbezogen wird, handelt es sich bei dem heutigen Guyana um das ehemalige Britisch-Guyana (Unabhängigkeit 26. Mai 1966). Das legt nahe, dass es da noch mehr gibt.

Französisch Guyana

Am bekanntesten ist in Europa wohl – nicht zuletzt aufgrund des europäischen Weltraumbahnhofs Kourou – Französisch-Guyana. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein eigenständiges Land, sondern ein zwischen Suriname und Brasilien liegendes Überseedépartement unseres europäischen Nachbarn. Es ist in der Tat EU-Land in Südamerika. Mangels Zugehörigkeit zum Schengen-Raum stehen uns trotzdem gewisse Einreiseformalitäten bevor. Doch zum ersten Mal seit Jahren werden wir dort wieder Euro in die Hand nehmen.

Suriname

Nun ist schon zweimal der Name Suriname gefallen. Zwischen (Britisch-)Guyana und Französisch-Guyana gelegen wäre es doch sehr verwunderlich, wenn wir hier nicht einen dritten Kandidaten hätten. Tipp: Amtssprache ist Niederländisch! Dabei war Niederländisch-Guyana eigentlich ein Sammelbegriff für alle niederländischen Kolonien an der Nordküste Südamerikas. Neben dem heutigen Suriname (Unabhängigkeit 25. November 1975) gehörten noch die drei Kolonien Essequibo, Demerara und Berbice dazu. Letztere sind jedoch Anfang des 19. Jahrhunderts an die Briten gefallen und bilden – richtig geraten – das heutige (Britisch-)Guyana.

Damit ist aber immer noch nicht Schluss. Das geografische Guyana bezeichnet eine über die drei Länder hinausgehende Hochebene mit ihrem dazugehörigen Küstenstreifen. Und damit kommen wir in die angrenzenden Nachbarländer. So bildet sich im Osten der brasilianische Bundesstaat Amapá aus dem ehemaligen Portugiesisch-Guyana.

Venezuela

Die westlich gelegene venezolanische Region Guayana entspricht dagegen dem ehemaligen Spanisch-Guyana. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Flagge Venezuelas. Ihre seit 1863 gezeigten sieben weißen Sterne stehen für die Provinzen, die die eigene Unabhängigkeit mitgetragen haben. Im Jahre 2006 kommt dann aufgrund eines fast 200 Jahre alten Dekrets von Simón Bolívar ein achter Stern hinzu… zur Würdigung der Unabhängigkeit von Guyana! Das hält Venezuela jedoch nicht davon ab, mit der ehemaligen Kolonie Essequibo den Großteil der Landesfläche seines Nachbarn für sich zu beanspruchen. Stichwort: Bodenschätze.

Quelle: Wikipedia

So, damit hätten wir dann wirklich alle Kolonialmächte des Kontinents abgehakt. Letztlich lässt sie die Eingangsfrage also nicht eindeutig beantworten. Je nach Sichtweise und Definition schwankt die Lösung zwischen eins und sechs. Diese Heterogenität sorgt für viel guyanesische Abwechslung. Zumindest kulturell und bevölkerungstechnisch ist es die bunteste Ecke ganz Südamerikas. Ein schöner Abschluss für unseren ausgiebigen Besuch dieses beeindruckenden Kontinents.

Happy Holi!

Suriname, 18. März 2022

Heute ist der erste Vollmond im Monat Phalgun. Dieser zwölfte Monat des hinduistischen Kalenders fällt in den Februar/März. Und an diesem besonderen Tag wird das Frühlingsfest Holi gefeiert. Dem halbwegs weltoffenen Europäer ist es sicher als „Fest der Farben“ bekannt. Ja, genau das Fest, bei dem sich die Feiernden gegenseitig mit bunten Farben bewerfen und schmücken. In (vor allem Nord-)Indien dauern die Feiern mindestens zwei, mancherorts aber auch bis zu zehn Tage! Und was hat Südamerika damit zu tun?

Zumindest in dieser Gegend erstaunlich viel. Die Bevölkerung von Suriname ist „multikulti“ im besten Sinne. Etwas mehr als ein Viertel ist indischer Herkunft, der Hinduismus nach dem Christentum die zweitwichtigste Religion des Landes. Holi ist in Suriname ein offizieller Feiertag! Obwohl das bunte Treiben auf offener Straße aktuell einer gewissen Pandemie weitgehend zum Opfer fällt, sehen wir schon seit Tagen die entsprechenden Farb-Utensilien in nahezu jedem Geschäft. Zumindest hinter geschlossen Türen scheint es heute bunt zu werden.

Im benachbarten Guyana dürfte das alles noch eine Nummer größer sein. Schließlich ist in diesem Land fast die Hälfte der Bevölkerung indischer Herkunft. Auch hier ist heute ein Feiertag und auch hier dürften ausgelassene Feiern weitgehend ausfallen. Morgen werden wir wohl definitiv nichts mehr davon mitbekommen. Schade.

Moment mal. Wie jetzt? Wieso wir?? Ja, morgen geht es nach Guyana. Nein, nicht mit unserer Samai. Die soll dort nicht alleine liegen, während wir das wunderschöne Land erkunden. Suriname ist da dann doch um einiges sicherer. So lassen wir unser zu Hause also hier an der Mooring des Harbour Resort Domburg und machen uns mit dem Flugzeug auf die letzte Rundreise unserer kleinen Auszeit unter Segeln. Auf dem Plan stehen neben der Hauptstadt Georgetown und den obligatorischen Kaieteur-Wasserfällen das von Regenwald bedeckte Landesinnere. Der Reiseplan liest sich spannend und wir sind alle schon sehr aufgeregt!

Als kleine Konsequenz wird es die nächsten eineinhalb Wochen etwas ruhiger auf diesem Blog sein. Wir haben es leider nicht geschafft, ausreichend vorzuschreiben. Und das mit der Internetanbindung ist im Dschungel fast ebenso zuverlässig wie auf hoher See… also eher mau. Doch schon am 29. März sind wir wieder zurück an Bord. Hoffentlich vollgestopft mit neuen, tollen Eindrücken und dem unbändigen Drang, diese mit euch zu teilen.

Also bis bald!

Happy Birthday Papa!

Suriname, 10. März 2022

Heute geht es mal um etwas ganz was anderes. Ja, schon klar… über Geburtstage haben wir hier schon mehr als einmal berichtet. Aber da handelte es sich immer um die Familien-Crew der Samai. Heute geht es um jemand anderes: den Papa des Skippers!

Wir haben uns nun schon über zweieinhalb Jahre nicht mehr persönlich gesehen. Und an keinem Tag habe ich mir mehr gewünscht bei ihm zu sein als heute. Ich erinnere mich noch gut unsere letzte Umarmung… du weißt, was ich meine! Und ja, das trifft natürlich auch alles auf meine Mama und ebenso auf die Kritzmow-Eltern von La Skipper zu. Hier soll sich niemand in die zweite Reihe versetzt fühlen! Trotzdem möchte ich diesen Tag hervorheben. Man wird schließlich nicht oft 80 Jahre alt!

Ich sage Samuel manchmal: „Ich möchte mich nicht als Papa haben!“. Meine ich das wirklich ernst? Keine Ahnung. Aber unabhängig davon stellt sich natürlich unwillkürlich die Frage nach dem eigenen Vater. Ganz ehrlich… perfekte Eltern gibt es nicht! Die kann, nein DARF es einfach nicht geben. Sonst würde in der Pubertät und damit zusammenhängenden (hoffentlich erfolgten) Loslösung einiges falsch laufen.

Ich nenne meinen Papa von Herzen einen guten Freund, der im Zweifel immer auf meiner Seite und für mich da ist. Wenn meine Kinder das irgendwann von mir sagen, dann bin ich glücklich und sicher, nicht alles falsch gemacht zu haben. Und bevor ich jetzt völlig ins Sentimentale abdrifte:

Alle Gute zum 80 Geburtstag… mein Papa!!!

Vor knapp fünf Jahren auf dem Weg nach Schweden…

So noch nicht gesehen: 100 Cent

Suriname, 1. März 2022

Trotz einer gewissen Vereinheitlichung im europäischen Raum gibt es immer noch unglaublich viele, genauer gesagt über 160 offizielle Währungen auf der Welt. Auch bei uns an Bord sammeln sich immer mehr meist kleinere, vor Abreise nicht mehr ausgegebene Beträge in bunten Scheinen und klingenden Münzen.

Münzen kommen ja nicht zuletzt zum Einsatz, um die offizielle Währungseinheit weiter zu unterteilen. Puh, das klingt kompliziert. Kann man wahrscheinlich auch einfacher sagen. Im Grunde geht es aber nur um einen (außer vielleicht in Kolumbien) allgemein bekannten Umstand… so gibt es ja nicht nur die Hauptwährung Euro, sondern auch die Unterwährung Cent.

Bei der Stückelung dieser Münzen gibt es verschiedene Ansätze. Wir erinnern uns noch an die „klassische“(?!) Einteilung 1 – 2 – 5 – 10 – 20 – 50 Cent. Diese ist recht weit verbreitet. Ok, der US-Dollar schert natürlich aus. Nach Penny (1Ct.), Nickel (5Ct.) und Dime (10Ct.) kommt der Quarter-Dollar, also eine 25Ct.-Münze daher.

Wie auch immer. All diesen uns bisher bekannten Münzen ist gemein, dass sie entweder die offizielle Währungseinheit (z.B. 1 oder 2 Euro) oder einen Teilbetrag der Hauptwährung in der zugehörigen Unterwährung anzeigen.

Und dann bekomme ich erstmals Rückgeld in Suriname. Neugierig betrachte ich die Münze und stutze. Moment mal. Ich sollte doch einen Suriname-Dollar bekommen. Was ist das?

Haben die mich übers Ohr gehauen? Nein. Nach einem kurzen Moment wird mir klar, dass das zwar ungewohnt, aber korrekt ist. Denn hier gibt es tatsächlich eine Münze für 100 Cent. Das habe ich bisher so noch nicht gesehen.