Neotropical Butterfly Park

Suriname, 4. März 2022

Wir haben Glück. Aufgrund eines vielversprechend klingende Flyers fahren wir zum Neotropical Butterfly Park südlich von Paramaribo. Der Weg zieht sich und endet kurz nach halb zehn auf einem leeren Parkplatz vor geschlossenen Türen. Diese öffnen aktuell nur nach Vereinbarung. Doch dann tritt eine nette Dame heraus und fegt den Eingangsbereich. Sie erwartet für 10 Uhr eine angemeldete Gruppe. Wenn die nichts dagegen hat, können wir uns gerne anschließen. Super!

Im Jahr 1996 wird hier die erste Schmetterlingsfarm des Landes für Zucht und Export tropischer Schmetterlingsarten gegründet. Eine schwierige Herausforderung, doch das Geschäft läuft zunehmend gut und ist auch heute noch Kern des Geschäfts. Doch schon früh kommen auch immer wieder Freunde und Bekannte zu Besuch bei den Schmetterlingen. Da reift der Gedanke, die Farm touristisch zu öffnen. Am 16. Juli 2010 ist es soweit. Der Neotropical Butterfly Park öffnet seine Pforten. Heute auch für uns.

Gleich geht es los!

Die Führung beginnt mit einem kleinen Waldspaziergang. Schon hier flattern immer wieder Schmetterlinge umher, zeigen sich schöne Pflanzen und interessante Details.

Bald erreichen wir einen kleinen, überdachten Bereich. Eine Art Gewächshaus. Die meisten Schmetterlingsarten legen ihre Eier nur auf jeweils eine ganz bestimmte Pflanze. Wer Schmetterlinge züchten will, muss daher zugleich Gärtner sein. Insbesondere, wenn 22 verschiedene surinamesische Schmetterlingsarten gezüchtet werden!

Direkt daneben stehen die Raupen- und Puppenkästen. Hier schlüpfen die Eier und fressen sich die Raupen auf teils beachtliche Größe von locker über 10cm, bevor sie als Puppen (meist) von der Decke hängen. Von hier werden sie „geerntet“ und in alle Welt verschickt.

Allerdings braucht man auch noch ein paar Schmetterlinge, die neue Eier legen. Ein Besucherhöhepunkt sind daher die verschiedenen Schlüpfvolieren. Fast ausgereifte Puppen werden hier mit Heißkleber angebracht. Irgendwann geschieht das kleine Wunder, welches wir schon im ecuadorianischen Mindo live miterleben durften… die Schmetterlinge schlüpfen, trocknen und flattern schließlich bunt umher. Dabei bleibt jede Schmetterlingsart unter sich. Zuerst besuchen wir die Caligo eurilochus eurolichos (Eulenaugen oder auf deutsch auch Bananenfalter genannt).

Gleich nebenan können wir uns vor Anartia amathea (Edelfalter) kaum retten. Und natürlich dürfen auch Morpho peleides (Blauer Morphofalter oder Himmelsfalter) nicht fehlen!

Zusätzlich zu den Schmetterlingen hat sich der Park ein Standbein mit dem Handel von Schildkröten aufgebaut. In den größeren Freigehegen sehen sie noch recht glücklich aus. Hier bekommen wir den offensichtlichen Unterschied zwischen Männchen und Weibchen erklärt. Ersterer hat einen nach innen gewölbten Bachpanzer, damit… nun ja, das wird direkt freudig demonstriert! ;-)

Links Weibchen – Rechts Männchen
Hallo meine Hübsche…
Man at work ;-)
Endlich Zeit zum Essen ;-)

Dann kommen wir in den Bereich mit Baby-Schildkröten. Diese sind eng in Käfigen und Bassins gedrängt. Man fragt sich unwillkürlich, wer so viele Schildkröten kauft. Der Zusicherung, dass diese ausschließlich an Tierhandlungen und Zoos, jedoch nicht Restaurants gehen, stehen wir durchaus skeptisch gegenüber. Maila möchte eigentlich nur schnell weiter gehen.

Vorbei an alten, zusammengebrochen Gewächshäusern kommen wir zurück zum Empfangsbereich. Hier gibt es noch ein kleines Insektenmuseum. Es ist immer wieder erstaunlich, wie groß die Sechs- und Achtbeiner werden können.

Das ist eine Wespe!!!

Gleich gegenüber ist eine kleine Bildergalerie, die in der ersten Etage mit einem schönen 360°-Panorama die verschiedenen Lebensräume von Suriname vorstellt.

Zum Abschluss gehen wir noch in den eigentlichen Butterfly Park. Eine große Voliere voller Natur und Schmetterlinge lädt zum Verweilen ein. Ok, die ein oder andere Ecke könnte sicher einen Eimer Farbe vertragen. Aber das ist natürlich auch dem tropischen, immer feucht-warmen Klima geschuldet. Irgendwie verrottet hier alles viel schneller als in gemäßigten Zonen.

So geht ein schöner Ausflug entspannt zu Ende. Natürlich muss man sich hier immer wieder vor Augen führen, dass die Zucht der Schmetterlinge und Schildkröten dem Verkauf und der Gewinnerzielung dienen. Tiere als Handelsware. Im Grunde ist das in unserer Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit, nur dass diese oft im Hintergrund stattfindet und gerne verdrängt wird. Hier wird es dagegen präsentiert. Ungewohnt und lehrreich. In jedem Fall einen Besuch wert, falls man gerade in der Gegend ist.

Zurück in Südamerika

Suriname, 27. Februar 2022

Die letzte Nacht unserer Überfahrt von Barbados nach Suriname fahren wir unter Vollzeug entspannt dem Ziel entgegen. Durch das Wasser sind wir für unsere Verhältnisse richtig schnell, doch der Strom bremst zuverlässig. Im Grunde ist das gar nicht mal so schlecht, da wir die Ansteuerungstonne gut 10sm vor dem Suriname-Fluss so in der Morgendämmerung, mithin zumindest den Vorboten des Tageslichtes erreichen.

Dazu muss man wissen, dass es hier recht flach ist. Die 20m Tiefenlinie verläuft gut 15sm, die 10m-Tiefenlinie auch noch gut 10sm vor der Küste. Folgerichtig sehen wir auch mehr als ein Baggerschiff bei der Arbeit. Eines trägt den eingängigen Namen „Elbe“.

Doch warum ist es hier so flach? Die verblüffende Antwort lautet: Amazonas. Obwohl die Mündung des wasserreichsten Flusses der Erde gut 450sm (also über 800km) weiter südlich liegt, treibt der Guyana-Strom die Sedimente weit die südamerikanische Küste hinauf. Das bremst die Vorfreude auf den weiteren Weg. Doch jetzt wollen wir ja erst einmal hier ankommen.

Der Weg bis zur Flussmündung zieht sich. Und bis zu der geplanten Mooring sind es noch einige Meilen weiter flussaufwärts. Dafür sind wir aber noch zu früh. Aktuell läuft das Wasser ab und die Gezeitenströmung beschleunigt die Flussströmung noch. Wir werfen den Anker und warten. Mit dieser Idee sind wir nicht einmal alleine. Zwei andere Segler sind schon da. Egal, es ist reichlich Platz. Jetzt erst einmal ein leckeres Frühstück.

Ein paar Stunden später ist es soweit. Die Vormittagsflut hat eingesetzt. Wir können los. Nur Minuten nach einem unserer Nachbarn holen wir den Anker auf uns machen uns auf den Weg in den Suriname River. Gutes Timing. Obwohl wir flussaufwärts fahren, schiebt der Strom mit. Ist manchmal schon komisch mit den Gezeiten.

Hinter uns der Ankerplatz…
… vor uns der Suriname River
Da ist es flach!

Es dauert nicht lange, bis wir die Hauptstadt von Suriname erreichen. Paramaribo (die Betonung liegt übrigens auf dem „ma“!) zieht an Steuerbord vorbei. Mitten in der Flussbiegung liegt das Wrack des deutschen Frachtschiffes Goslar. In der Nacht vom 5. September 1939 bat sie vor der Hauptstadt der niederländischen Kolonie um Asyl. Eine Zeit lang ging für die 15-köpfige Rumpfbesatzung alles gut. 49 Chinesen wurden dagegen nach einer Meuterei außer Landes gebracht. Und dann kommt der 10. Mai 1940. Das Deutsche Reich überfällt die Niederlande. Das kommt auch in Suriname nicht gut an. Vor Ihrer Festnahme versenkte die Besatzung ihr eigenes Schiff dort, wo es auch über 80 Jahre später noch zu sehen ist.

Die Eva fährt mit uns rein.
Paramaribo
Das Wrack der Goslar
Durch die Brücke

Nachdem wir die beeindruckende Brücke passiert haben, weicht die Bebauung. Ok, an der Hauptstadtseite stehen immer noch teils fast prunkvolle Häuser… oft neben ebenso beeindruckenden Bauruinen. Doch die Backbordseite ist von dem Grün des Regenwalds geprägt. Wunderschön. Nach den letzten, mehr oder weniger typisch karibischen Inseln ist das hier gerade irgendwie so, wie nach Hause zu kommen. Hier fühlen wir uns wohl.

Nach knapp 20 Seemeilen Flussfahrt kommt das Harbour Resort Domburg in Sicht. Seitdem das Ankern vor der Hauptstadt verboten ist, sind diese Moorings der nächstgelegene Liegeplatz. Einige Meilen weiter gibt es zwar noch die Waterland Marina. Doch eine schnelle Kosten-Nutzen-Abwägung macht uns die Entscheidung leicht. Die Mooring direkt vor dem Dinghy-Steg ist frei. Super. Das verspricht kurze Wege und gutes Internet an Bord. Die Crew ist eingespielt. Das Publikum im Restaurant bekommen kein Hafenkino geboten. Applaus bleibt trotzdem aus… ;-)

So… jetzt sind wir also wieder zurück auf dem Festland von Südamerika. Nicht mehr spanisch oder portugiesisch geprägt ist es zwar eine ganz besondere und nicht allzu viel besuchte Ecke des Kontinents. Trotzdem freuen wir uns zurück zu sein. Ein neues Land wartet jetzt vielleicht nicht direkt darauf, von der Crew der Samai entdeckt zu werden. Doch wir werden uns bemühen, es in den nächsten Wochen etwas besser kennenzulernen.

Bürokratie in Südamerika: Suriname

Februar / März 2022

Zunächst einmal die ganz normalen Einreiseformalitäten. Wir brauchen eine E-Tourist Card. Wie der Name schon sagt, wird das alles online erledigt. Diese Touristenkarte berechtigt zur einmaligen Einreise und 90-tägigem Aufenthalt zu touristischen Zwecken. Moment mal. Wir planen ja einen Ausflug nach Guyana. Das bedeutet letztlich eine zweimalige Einreise nach Suriname. Dafür gibt es das E-Visa. Auch 90 Tage, aber dafür mehrfache Einreise. Und natürlich ist das Visa auch teurer und sie wollen dafür mehr Information. Eine besondere Herausforderung ist dabei das Feld „Flight Number“ und die Aufforderung, eine Kopie des Flugtickets zu schicken. Wir kontern mit der Registernummer unserer Samai und dem selbst erstellten Hinweis auf Einreise mit dem eigenen Boot. Ein wenig umständlich ist jedoch, dass die immer gleichen Unterlagen für jedes Familienmitglied erneut übermittelt werden müssen. Immerhin reicht als „offizielles Foto“ (mit diversen, ausführlich angeführten Voraussetzungen) die eingescannte Version unserer Passfotos. Das leicht durchschimmernde Hologramm wird ignoriert.

Was noch?! Als wir Suriname ansteuern ist ein negativer Test noch offizielle Voraussetzung für die Einreise. Da wir mal wieder ein paar Tage auf See sind, machen wir natürlich keine Tests. Gute Entscheidung. Bei der Einreise mit dem eigenen Boot fragt niemand nach irgendwelchen Tests. Das ist bei Einreise mit dem Flugzeug anders. Ohne negative Tests hätte man uns in Guyana nicht in das Flugzeug nach Suriname gelassen.

Was noch?! Die Maritime Authority Suriname (MAS). Die wollen auch Bescheid wissen. Doch das ist für uns unkompliziert. Schon im Vorfeld schickt uns Jerome vom Harbour Resort Domburg die zwei auszufüllenden Seiten per Email. Auf dem gleichen Weg schicken wir sie zurück und er leitet sie weiter. Ein paar Tage später bekommen wir wiederum per Email die gestempelten Dokumente. Fertig. Kosten: Null! :-)

Was noch?! Stempel im Pass. Dafür ist bei uns die Militärpolizei zuständig. Die sitzt in Paramaribo. Ein Fahrer von unserem späteren Auto-Vermieter Rishi bringt uns hin. Leider hatten wir noch nicht die von der MAS gestempelten Papiere dabei. Doch man ist freundlich. Als Ersatz fülle ich die langen, bei Einreise per Flugzeug obligatorischen Formulare aus. Das reicht. Aber beim nächsten Mal bitte die MAS-Papiere mitbringen. Auch beim E-Visa sind sie unerbittlich. Es muss ausgedruckt vorliegen. Ein paar mitgekommene Niederländer werden zum Copyshop geschickt.

Was noch?! Die Ausreise. Wieder müssen wir zur Militärpolizei in Paramaribo, aber dieses Mal erledigen wir das mit dem eigenen Mietwagen. Nach wenigen Minuten sind wir gestempelt und raus. Auch die MAS will wieder informiert sein, aber das übernimmt wieder Jerome.

Das war alles. Insgesamt ein unkomplizierter Vorgang und abgesehen vom für jeden Besucher obligatorischen Visum (bzw. der Tourist-Card) auch noch kostenfrei. So kann es weiter gehen. Doch im nächsten Land kommt es noch besser! :-)

City Tour in Georgetown

28. März 2022

Keine Zeit zum Ausruhen. Kaum gelandet steigen wir zu unserem wie immer überpünklichen und immerfreundlichen Fahrer Sugrim. Auf dem Weg zum Hotel machen wir die für die morgigen Rückreise notwendigen Schnelltests. Schon wieder gehen 90€ letztlich nur dafür drauf, vier Blatt Papier mit „negativ“ und offiziellem Stempel zu bekommen. Das nervt!

Dann sammeln wir noch unseren Guide Carlos ein und kaum ist das Gepäck, beim immer noch eher gelangweilt als serviceorientiert wirkenden Personal des Hotels, abgeworfen beginnt unsere City-Tour durch Georgetown.

Impressionen…

Wie die ganze Region hat auch die heutige Hauptstadt Guyanas eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Von den Franzosen 1781 unter dem Namen Longchamps gegründet, wird sie nach der Rückgabe der Kolonie an die Niederländer (je nach Quelle) 2-3 Jahre später in Stabroek umbenannt. Im Jahr 1814 erhalten die Briten die Kolonie und die Stadt bekommt zu Ehren des damaligen Königs Georg III. Ihren heutigen Namen Georgetown. Mit der Unabhängigkeit Guyanas am 26. Mai 1966 wird Georgetown offizielle Hauptstadt.

Erst einmal fahren wir an die Küste zum Seawall. Heute eher etwas verschlafen, tobt am Wochenende hier das Leben. Fressbuden versorgen die Abend- und Nachtschwärmer mit festen und flüssigen Leckereien. Ein Ausbau für den etwas gehobeneren Geschmack ist in Arbeit, aber das dauert wohl noch etwas.

Wir halten am 1823 Monument. Hier wird der Demerara Rebellion vom 18. August 1823 gedacht. Etwa 13.000 Sklaven erhoben sich auf etwa 37 Anwesen größtenteils gewaltfrei gegen die harten Bedingungen und Misshandlungen. Die Antwort kam schnell und drastisch. Der Gouverneur erklärte sofort das Kriegsrecht. Nach nur zwei Tagen war die Rebellion brutal niedergeschlagen. Etwa 100-150 Aufständische starben, weitere wurden verfolgt und teilweise zum Tode verurteilt. Die Rebellion war kurz und hatte doch ihren Einfluss darauf, dass „nur“ 10 Jahre später beschlossen wurde, die Sklaverei in den Britischen Kolonien endlich abzuschaffen. Schrittweise. In Guyana bedeutete das mit Wirkung vom 1. August 1834 die Freiheit für 84.915 Menschen! Also fast. Im Anschluss herrschte noch vier Jahre lang Arbeitspflicht…

Der Besuch des Guyana National Park ist unbestrittener Höhepunkt unserer kleinen Tour. Jetzt nicht wegen der besonderen Naturschönheit des Parks. Er dient eher der sportlichen Ertüchtigung und als Treffpunkt bei großen Festen, wie beispielsweise Ostern. Dann ist der Weg voller Menschen und von Buden gesäumt. Eine schöne Geste ist das Children’s Monument. Wenn diese Rechte doch auch nur umgesetzt würden!

Die echte Attraktion ist aber der See. Besser gesagt seine Bewohner. Etwa ein Dutzend Manatis (Rundschwanzseekühe) haben hier ihr Zuhause gefunden und lassen sich gerne mit frischem Gras füttern und sogar streicheln…

Ach ja, zwei Brillen- bzw. Krokodilkaimane leben auch am See. Ist aber noch nie etwas passiert…

Danach kommt der touristische Teil unserer Stadtrundfahrt. Am Ausgang der Parks steht ein Totem. Zumindest ist diese ursprünglich aus Nordamerika kommende Tradition wie schon in Surama auch hier von lokalen Künstlern mit landestypischen Motiven gestaltet.

Samuel hat aber eher ein Auge für die umherfliegenden Vögel. Sehr zur Begeisterung unseres Guides Carlos, der auch Birdwatcher ist und sich diese Begeisterung auch von seinem eigenen Sohn wünschen würde.

Braunwangensittich
Liktormaskentyrann
Schneckenbussard
Riesenani
Venezuelaamazone
Kuhreiher
Gelbkinn-Riedschlüpfer

Natürlich darf auch das obligatorische Touri-Foto am „I love…“-Schild nicht fehlen. Gleich daneben bittet das Guyana Marine Turtle Monument um Aufmerksamkeit. Danach fahren wir auf unsere eigenen Bitte noch zu einem Shop, in dem es Andenken geben soll. Aber ganz ehrlich… die Auswahl und Qualität in diesem China-Kaufhaus ist so übel, dass wir günstig davon kommen.

Hier soll es Souvenirs geben?!

Im weiteren Verlauf entpuppt sich unsere City-Tour eher als Drive-Through. Vorbei an den Residenzen der Staatsoberhäupter fahren wir in Richtung Zentrum. Das Nationalmuseum ist geschlossen. Am grenzwertig chaotischen Stabroek Market steigen wir auch nicht aus. Seit 1842 als offizieller Markt anerkannt erstreckt er sich auf etwa 7000m2. Das 1881 fertig gestellte Marktgebäude ist vermutlich die älteste noch in Gebrauch befindliche Struktur der Stadt. Trotzdem sind wir noch allzu böse, uns nicht ins Gewühl zu stürzen. Der Eindruck aus dem Wagen reicht.

Wir passieren repräsentative Residenzen und Botschaften, fahren vorbei am High Court, dem Parliament Building und der City Hall. Insbesondere letzterer stünde ein Eimer Farbe gut zur Fassade. Immer wieder sehen wir Gotteshäusern verschiedener Provenienz, die hier einmütig neben- und miteinander leben.

Residenz des Premier Ministers
Besuch für den Präsidenten?
City Hall
Parliament Building
High Court

Am 1763 Monument steigen wir noch einmal aus. Es ist ein Nationaldenkmal, mit dem an den Berbice-Sklavenaufstand erinnert wird. Die erste große Sklavenrevolte Südamerikas mit etwa 3000 Rebellen begann am 23. Februar 1763. Der politische Führer Coffey ist heute Nationalheld von Guyana. Er selbst erlebte das Ende des Aufstands am 15. April 1764 jedoch nicht mehr lebend. Schon im Oktober hatte er nach internen Streitigkeiten Selbstmord begangen. Auch diesem Aufstand folgten Hinrichtungen, deren anschließende Kritik daran sich jedoch vor allem auf dem Verlust von Arbeitskräften gründete. Anders als 1823 änderte sich durch diesen Aufstand jedoch praktisch nichts an den unmenschlichen Umständen.

Nationalheld Coffey

Eigentlich steht nun noch der Besuch von Botanischem und Zoologischen Garten auf dem Programm. Leider ist beides geschlossen. Letzte Nachwirkungen der hier ansonsten kaum spürbaren Pandemie. Wir halten trotzdem kurz an und erhaschen von draußen einen Blick auf den Nationalvogel Panamas: eine beeindruckende Harpyie.

Geschlossener Zoo von außen.
Majestätische Harpyie in Gefangenschaft
Rotstirn-Blatthühnchen in Freiheit

Tja, das war es dann auch schon. Während wir mit Guide Carlos bei KFC auf unser Abendessen-to-go warten, holt Fahrer Sugrim die Testergebnisse ab. Überraschung: Wir sind alle negativ. Damit steht unserem Rückflug nichts mehr im Weg. Morgen geht es zurück nach Hause… auf unsere Samai.

Letzter Abend in Georgetown
Übersicht unserer kleinen Guyana-Rundreise

Savannen-Rallye mit Ameisenbär

28. März 2022

Wer ist eigentlich für diese komischen Flugpläne verantwortlich? Da geht ohnehin kaum eine Maschine und dann muss es noch so früh sein. Zumindest vor dem Hintergrund, dass da noch mehr als nur ein paar Kilometer zwischen dem Caiman House und dem Flughafen in Lethem liegen. Geplante Abfahrt ist 5:30 Uhr. Nur 8 Minuten später kommen wir los. Es ist noch dunkel, aber immerhin haben wir einen Kaffee bekommen.

5:38 Uhr Abfahrt!

Ein Pickup holt uns ab. Die Kinder sitzen mal wieder hinten drauf. Es gibt sogar eine Sitzbank. Was für ein Luxus. So fahren wir entspannt über die Pisten durch die Savanne. Um 5:56 Uhr klopft es von hinten an die Scheibe. Samuel fragt, ob er bitte sein Handy bekommen könne. Hmmm… wo ist es denn? Die Erkenntnis trifft uns wie ein Blitzschlag. Es liegt noch in seinem Bett im Caiman House. So etwas passiert schon mal, wenn jemand sein Handy als Wecker gestellt unter das Kopfkissen schiebt und morgens beim Packen schlichtweg vergisst. Blick auf die Uhr. Wir sind jetzt schon nach der Zeit, die uns als spätestmögliche Abfahrt genannt wurde… und dabei schon einige Kilometer Piste unterwegs. So ein Sch…!!!

5:56 Uhr Handy vermisst

Unser Fahrer fragt, was los ist. Ich erkläre die Situation. Er nickt und fragt lächelnd, ob wir umkehren wollen. Passt das??? Ja, das passe schon. Sekunden später haben wir gedreht und fahren zurück. Dabei vollzieht unser Fahrer eine wahre Metamorphose. Bisher fuhr er ganz gemütlich über die holprigen Straßen, bremste vor tiefen Pfützen, vermied allzuviel Ruckelei. Das ist nun Vergangenheit.

In nur gut der Hälfte der Zeit sind wir zurück beim Caiman House. Samuel und ich rennen los, winken der verdutzten Belegschaft und holen das Handy aus dem Bett. Die Autotüren sind noch nicht ganz geschlossen, da tritt unser Fahrer wieder auf das Gaspedal. Was folgt kann man nur als waschechte Rallye bezeichnen… Paris-Dakar in Guyana.

Verkappter Rallye-Fahrer!

Absolut faszinierend ist dabei die Ruhe unseres Fahrers. Lächelnd sitzt er dicht hinter das Lenkrad geklemmt und man merkt in jedem Kilometer, dass er die Strecke ausgesprochen gut kennt. Die Savanne rauscht an den Fenstern vorbei.

Unsere Hoffnung auf die glückliche Sichtung eines großen Ameisenbärs haben wir da schon lange aufgegeben. Wir hätten ja ohnehin keine Zeit für einen Stopp. Und ausgerechnet da sehe ich etwas im Gras aus einer großen Kuhle klettern. Kurz danach klopfen die Kinder auf das Dach. Ameisenbär! So schnell wir wir sonst beschleunigen, bremsen wir nun ab. Ja, es ist spät… aber soviel Zeit muss sein. Die Familie springt auf die Straße und sieht den großen Ameisenbär scheinbar plump davonrennen. Was für ein Glück.

Damit nicht genug. Anscheinend haben wir schon ordentlich Zeit wieder gutgemacht. Jedenfalls reicht es locker für einen weiteren Stopp. Der kleine Kaninchenkauz ist aber auch zu süß!

Irgendwann erreichen wir den Highway. Der ist breit, nicht unbedingt überall in besten Zustand, aber trotzdem locker ausreichend für teilweise über 80 km/h. Die Kinder auf der Pritsche genießen eine kostenlose Achterbahnfahrt. Tatsächlich kommt zwischendurch noch die Frage, ob wir für das vom Caiman House mitgegebene Frühstück anhalten wollen. Nein, vielen Dank… das machen wir am Flughafen.

Der Gelbkopfkarara hält auch auf dem Highway mit :-)

Was soll ich sagen. Kurz bevor der Check-In-Schreibtisch (sic!) überhaupt erst öffnet, sind wir in Lethem angekommen. Passagiere und Gepäck werden mal wieder gewogen und gewohnt oberflächlich durchgeschaut. Kein Problem, dass wir anschließend nochmal mit den Rucksäcken für das Frühstück über die Straße gehen. Alles sehr entspannt.

Ankunft am Flughafen von Lethem
Warteraum… hinter der Scheibe Check-In und Security…

Der Flug ist fast schon Routine. Dieses Mal passen sogar knapp 20 Passagiere rein. Und abgesehen von ein paar US-Amerikanern tragen auch alle eine Maske. Nach gut einer Stunde sind wir schon wieder am Flughafen von Georgetown. Mit dem fünften Besuch ist er nun knapp nach JFK in New York der von mir am häufigsten an- bzw. abgeflogene Flughafen Amerikas. Morgen erfolgt der Ausgleich. Doch vorher machen wir noch eine City-Tour durch Guyanas Hauptstadt Georgetown.