Bürokratie in Mittelamerika: Panama

Juni / August 2021

Für Schiffe aller Art ist Panama vor allem ein Transit-Land. Darauf ist man hier eingestellt. Bleibt das Boot nur maximal 72 Stunden in panamaischen Gewässern, ist im Grunde keinerlei „Standard-Bürokratie“ notwendig. Mit entsprechender Vorbereitung reicht das locker für einen Kanaltransit zwischen den Ozeanen. Genau dafür ist diese Regelung gedacht. Wir kleinen Segler kommen dagegen meist nicht um das normale Prozedere herum.

Einreise in Panama City (La Playita Marina auf der Pazifikseite)

Doch was heißt in diesen Tagen schon „normal“?! Immerhin, das Land hat offene Seegrenzen. Alles andere ist in Hinblick auf den Kanal wohl auch nicht darstellbar. Als erstes müssen wir alle einen PCR-Test machen. Glücklicherweise kümmert sich und Trans Ocean Stützpunktpunktleiter Rogelio, zugleich unser Agent für den Panamakanal, um die Einreise gleich mit. Dazu gehört, dass er uns zu dem Test fährt. Die Vorfreude hält sich nach der Erfahrung aus Ecuador in Grenzen. Dort hatten wir ja das Gefühl, dass mit dem Teststäbchen eine kleine Rundreise durch den Frontallappen unternommen wurde. Besonders Maila wird vor dem Test ganz still. Doch dann die Erlösung. Hier ist das ganz entspannt. Das Stäbchen kommt natürlich in die Nase, aber bei weitem nicht so tief wie befürchtet. Das schafft auf unsere tapfere Maila ohne Probleme!

Warten auf den Test

Nach Erhalt der negativen Ergebnisse geht es zum Hafenkapitän (hier: Autoridad Maritíma de Panamá). Der sitzt gleich um die Ecke in der Flamenco Marina. Während Rogelio Papierkram sortiert und vorbereitet, beantworte ich geduldig alle Fragen des Hafenkapitäns. Damit füllt er seine „Declaración General“ aus. Ganze sechs Durchschläge in verschiedenen Farben hat der überlange Zettel. Vier davon schlummern noch in unseren Unterlagen. Das Original unseres international Zarpe aus Costa Rica hat er dagegen einbehalten.

Am nächsten Tag fahren wir wieder rüber zur Flamenco Marina. Dieses Mal geht es zwei Türen weiter zur Immigration. Dort werden unsere Pässe gestempelt. Das hätte ich sicher auch alleine hinbekommen, aber Rogelio besteht darauf mitzukommen. Er möchte zu 100% sicher stellen, dass alles seine Ordnung hat.

Der dritte Anlaufpunkt beim sogenannten Einklarieren ist normalerweise der Zoll (Customs, Aduana). Nicht so im Transitland Panama, wo jedes Schiff automatisch eine Art Sonderstatus bekommt. Das hat wieder mit dieser 72 Stunden-Regelung zu tun. Darüber hinaus muss der Segler dann aber doch tätig werden und sich ein sogenanntes Cruising Permit besorgen. Das erlaubt die freie Navigation in panamaischen Gewässern gleich für ein ganzes Jahr. Für uns besteht der Aufwand lediglich darin, die obligatorische Gebühr von aktuell 185$ zu bezahlen. Eine Stunde später bringt Rogelio das Papier vorbei.

Cruising Permit

Ausreise in Obaldia (Atlantikseite)

Die Ausreise gestaltet sich theoretisch einfach. Lediglich zwei Stationen sind abzuarbeiten. Als erstes geht es für die Stempel in den Pässen zur Immigration. Dort erwartet mich zunächst ein Dämpfer. Die Grenze (zum benachbarten Kolumbien?!) sei geschlossen. Wie jetzt? Da ist der zur Sicherheit kontaktierte Agent in Cartagena aber ganz anderer Meinung. Das Problem sei auch nicht dort, sondern hier. Die Dame telefoniert mit einem Vorgesetzten in Panamá City. Geht wohl doch. Ein Kollege tippt seelenruhig im Computer rum und holt schließlich auch den Stempel raus. Geschafft… wir dürfen ausreisen!

Immigration in Obaldia

Danach brauchen wir nur noch noch das in Süd- und Mittelamerika obligatorische internationale Zarpe. Darum kümmert sich die Autoridad Maritíma. Wieder sind die Kopien von Pässen, Schiffszertifikat und Cruising Permit selbst beizubringen. Danach geht alles seinen bürokratischen Gang. Pflichtbewusst wird jeder der bis zu sieben (sic!) Durchschläge gestempelt. Die für diesen Service anfallenden Gebühren sind nicht landesweit geregelt. Mal zahlt man mehr, mal weniger. In Obaldia werden für die Ausreise alles in allem lediglich günstige 12$ berechnet. Das war im Grunde schon alles.

Schon wieder so ein „Zarpe“…

Wenn man in Obaldia aus Panama ausreist, bietet sich laut Revierführer ein weiterer Besuch an. Das hier ansässige kolumbianische Konsulat stempelt angeblich eine vorläufige Einreise in die Pässe. Damit dürfe man auf dem Weg liegende Häfen ohne offizielles Einklarieren anlaufen. Auch wenn das nicht geplant ist, so gäbe es doch eine gewisse Sicherheit. Der Kollege erklärt mir jedoch, dass sie das nicht machen und wir zum Einklarieren in den nächsten kolumbianischen Ort fahren sollen. Nein danke! Wir setzen lieber direkten Kurs Nordost…

Das kolumbianische Konsulat ist keine Hilfe!

Kosten in Guna Yala

Juli/August 2021

Wie sagt man so schön makaber? Umsonst ist nur der Tod! Natürlich wollen wir hier nicht ins Philosophische abdriften. Daher folgt auch nur eine kleine Übersicht der uns gegenüber in Guna Yala aufgerufenen Begehrlichkeiten monetärer Art. Also letztlich nichts anderes, als wir uns selbst als ersten Anhaltspunkt gewünscht hätten. Gerade bei von Kuna-Kanus gemachten Angeboten darf dabei natürlich gerne gehandelt werden.

Eintritt: Wir haben gehört, dass jeder Guna Yala besuchender Segler eine allgemeine Gebühr zu entrichten hat. So eine Art „Eintritt“. Ein amerikanischer Skipper erzählte von 20$ für das Boot plus 20$ pro Person, die bei Ihnen gerade paar Tagen zuvor am aktuellen (Hotspot-)Ankerplatz eingetrieben wurden. Wir bleiben davon verschont, haben aber auch die administrative Hauptinsel Porvenier an Steuerbord liegen lassen.

Ankern: Insbesondere vor größeren Ortschaften kommt es vor, dass ein Obolus für das Ankern erhoben wird. So beispielsweise vor Achutupu. Meist sind das 10$ pro Schiff die dann der Dorfkasse zufließen. Offiziell können auch dünner besiedelte Inselgruppen („Cays“) solch eine, freilich bar jeder Gegenleistung daherkommende Gebühr erheben. Außer im Segel-Hotspot BBQ-Island (Holandes Cays) bleiben wir davon verschont.

Strandnutzung: Diese (in unseren Augen Un-)Sitte scheint glücklicherweise nicht sehr verbreitet zu sein. Es konzentriert sich tendenziell auf die beliebten und gern frequentierten Segel-Hotspots wie Chichime Cays (2$) oder BBQ-Island (3$). Die Preise verstehen sich pro Person.

Kokosnüsse: In Guna Yala hat jede Kokosnuss einen Besitzer. Selbst, wenn sie noch an der Palme baumelt. Selbst pflücken ist tabu! Dementsprechend oft werden sie angeboten. Im touristischen Westen zahlt man 1$ pro Nuss. In Achutupu sind es 60Ct.

Ananas: Die wohl am häufigsten angebotene Frucht kommt frisch geerntet an Bord. Manchmal ist sie noch grün, dann aber nach ein paar Tagen verzehrbereit und soooooo lecker! Im touristischen Westen handeln wir von 3$ pro Stück auf 5$ für zwei Stück. Im traditionelleren Achutupu kostet sie 2$.

Kochbananen: Diese süd- und mittelamerikanische Spezialität eignet sich auch an Bord hervorragend für selbst gemachte Bananen-Pommes. In Achutupu bekommen wir sie für 50Ct. pro großem, grünen Stück. Sie werden aber auch vom Kanu angeboten. Achtung: Nicht mit den kleinen, süßen „Snack-Bananen“ verwechseln. Diese werden oft auch noch grün angeboten, reifen aber an Bord schnell nach.

Limetten: Die Zitrusfrüchte sind wichtiger Bestandteil der Kuna-Küche und entsprechend oft im Angebot. Uns wurden sie vor Achutupu als kleine Geschenke gemacht, so dass wir hier keine Preisvorstellung haben.

Brot: Das kleine, schmackhafte Kuna-Brot sollte man unbedingt probieren. Für 10Ct. pro Stück ist das auch kein großes Risiko. Die größeren, süßen Brötchen in Obaldia sind ebenfalls sehr lecker, kosten aber immerhin schon 25Ct. Pro Stück.

Zwiebeln: Im Laden in Achutupu 75Ct. pro Stück. Dafür frisch und recht groß.

Eier: Im Laden in Achutupu knapp 5$ für eine 30‘er-Palette. Achtung: Bevor die Eier an Bord kommen, sind Inspektion und (Salzwasser-)Reinigung sowie Entsorgung der Pappe dringend angeraten.

Hühnchen: Im Laden in Achutupu 6,50$ für ein ganzes Hühnchen aus der Kühltruhe. Dafür frisch und recht klein (… der Skipper hatte ein vegetarisches Abendessen ;-). Am Ankerplatz bei Tupbak wird uns Geflügel sogar direkt am Schiff angeboten. Eine Tüte mit fünf großen Hähnchenschenkeln für 9$. Verkauft von einem Schnellboot voller Kühlboxen. Frisch aus Kolumbien! Wir verkneifen uns Rückfragen und freuen uns über die Abwechslung auf dem Speiseplan. Déjà-vu in der Bahía Carreto, nur dass die etwas besser gefüllte Tüte dieses Mal abgewogen wird und 11$ kostet.

Fisch: Im Gegensatz zu Langusten oder auch großen Krebsen ist frischer Fisch eher selten im Angebot. In unserer (allerdings Abseits vom Hotspot gelegenen) Ankerbucht in den Lemmon Cays haben wir einem alten Mann 5$ für drei nicht allzu große Fische gegeben. Bei Green Island kostete ein von zwei jüngeren Männern (faktisch auf Bestellung) gebrachter großer Fisch 10$. Das war sicher etwas zu viel, ist im Vergleich zu Deutschland aber immer noch günstig.

Langusten: Gerade für dieses immer wieder gemachte Angebot haben wir leider keine Info. Der Skipper liebt sie zwar, der Rest der Familie (insbesondere die Mädels) schmecken das jedoch anders. Wir handeln lediglich eine kleine Languste als Zugabe zum größeren Fisch raus.

Bier: Die 4xSixpack-Palette „Balboa“ kostet in Achutupu direkt vom Versorgungsschiff erstaunlich günstige 18$. Achtung: Bei uns versteckt sich darin eine kleine Kakerlake. Inspektion und Entsorgung von Pappverpackung noch im Dinghy sind wie immer Pflicht! In Olbadia wird ein ganzer Dollar für eine kleine Dose Leichtbier fällig.

Mola: Sie sind DAS Souvenir aus Guna Yala. Mehrlagige, je nach Fertigkeit der Künstler(in) wunderschön bestickte Applikationen. Sie gehören zur traditionellen Kleidung der Kuna-Frauen, gefallen aber auch so. Im touristischen Westen bekommen wir gleich zweifach Besuch von „Mola-Meister(innen)“. Je nach Aufwand der traditionell-abstrakten oder modern-figürlichen Motive schwanken die Preise zwischen 10$ und 30$. Wir können bei „Mola Lisa“ (sic!) jedoch einen kleinen Mengenrabatt raushandeln. Alternativ bekommt man sie auch in praktisch jedem Ort angeboten.

Guide: Bei Río Diablo kommt der örtliche Guide zwar vorbei. Allerdings dürfe er uns nur Einkäufe vorbei bringen. Darauf verzichten wir. Auch das Angebot zur Müllmitnahme lehnen wir mit Ausblick auf die landseitigen Strand-Deponien ab. In Achutupu kommt der örtliche Guide mit Bananen und Limetten als Willkommensgeschenk an Bord. Er führt uns ausgiebig und informativ durch die Siedlung. Wir besuchen seine Familie und er hilft beim Einkauf. Bei meiner abschließenden Frage nach der Gegenleistung druckst er etwas herum. Mit 30$ scheinen wir beide zufrieden auseinander zu gehen.