Washington Slagbaai National Park – Long Route

Bonaire, 8. Januar 2022

Der 1969 eingerichtete Washington Slagbaai National Park umfasst mit 5.643 Hektar den gesamten Norden von Bonaire. Namensgebend sind die ehemalige Plantage „Washington“ und der natürliche Hafen „Slagbaai“ (Schlachtbucht). Ein geschütztes Habitat für viele Tier- und Pflanzenarten, beliebt bei den Einheimischen und für uns einer der Gründe für den gemieteten Pickup.

Natürlich darf man in dem Schutzgebiet nicht einfach wild umherfahren. Die Parkverwaltung hat zwei Routen eingerichtet. Die lange Route (gelb) führt in insgesamt 34km zunächst an der Nordküste Bonaires entlang, während die kurze 24km-Route (grün) einmal quer durch abkürzt. Sie treffen sich im Westen rechtzeitig vor gut besuchten Bade- und Schnorchelstränden, bevor sie dann die Piste wieder quer über die Insel zurück zum Eingangsbereich am Südostende des Parks schlängeln. Heute steht die lange Route auf dem Programm. Und natürlich erkunden wir da auch jeden kleinen Abzweig.

Heute fahren wir die lange = gelbe Route

Schon auf den ersten Metern bekommen wir einen guten Eindruck von dem, was uns heute erwartet: viele Kakteen, Eidechsen, eine teils abenteuerliche Piste und viel raue Natur mit ihrem besonderen Charme.

Willkommen im National Park
Erste Pistenmeter
Salina Matijs

Playa Chikitu

Der erste Abzweig führt zur Boca Chikitu. Wir haben die Küste noch nicht ganz erreicht, da kommt von Samuel auf der Ladefläche des Pickup die Aufforderung zum Zwischenstopp. Einige schöne Nordkarakaras wollen ausgiebig beobachtet werden.

Samuel auf Vogelpirsch

Der feine Sandstrand des Playa Chikitu ist ein beliebter Nistplatz für Meeresschildkröten und lädt eigentlich zu einem erfrischenden Bad ein. Doch davon sollte man hier absehen. Wir sind an der rauen, dem Wind zugewandten Ostseite der Insel. Das Meer zeigt seine Kraft und die Unterströmungen dürfen nicht unterschätzt werden.

Die benachbarte Bucht

Seru Grandi

Die bis zu 58m hohe Terrassen aus Kalkstein und fossilen Korallen bei Seru Grandi geben einen Eindruck der geologischen Geschichte Bonaires. Die obere Terrasse ist über eine Million, die untere immerhin noch ca. 210 Tausend Jahre alt. Rund herum liegen große, von Tsunamis über die Landschaft verteilte Steinbrocken.

Ein selbst bei den heute eigentlich moderaten Bedingungen Fontänen spritzendes Blasloch sowie ein gut versteckter Brunnen bieten sich für kurze Zwischenstopps an.

Boka Kokolishi

Als wir bei der idyllischen Boka Kokolishi ankommen, sind wir die einzigen Besucher. Schön! Umgeben von aufragenden Fossilien lang vergangener Korallenriffe und Muscheln liegt ein kleiner Strand. Er ist mit unzähligen, dunklen Fragmenten der Schale von Meeresschnecken übersät, den sogenannten „kokolishi shells“. Leise plätschert das Wasser ans Ufer. Ein vorgelagerter Absatz bricht die großen Wellen und bringt Ruhe in die raue See.

Wir genießen diese Ruhe solange es geht. Der Park ist groß und die Besucher verteilen sich. Letztlich fahren dann aber doch alle auf einer der zwei vorgegebenen Routen. Als der fünfte Pickup auf den Parkplatz fährt, ergreifen wir die Flucht. Vorbei am schicken Beru Bentana Leuchtturm fahren wir weiter.

Pos Mangel

Natürliches Süßwasser ist rar auf Bonaire. Heute erfolgt die Versorgung über Entsalzungsanlagen, doch über Jahrhunderte mussten Regenwasser sowie kleine Brunnen genügen. Auf der ganzen Insel finden sich nur zwei ganzjährig nutzbare Quellen. Eine davon ist Pos Mangel. Ein natürlicher Anziehungspunkt für Reptilien, Vögel… und Mücken.

Versteckte Quelle

Auf unserem kleinen Spaziergang müssen wir immer in Bewegung bleiben. Über das Repellent lachen die kleinen Plagegeister nur. Da hat es der Yuana (grüner Leguan) mit seinem langen, prachtvollen Schwanz aber vor allem der dicken Haut wegen deutlich besser.

Malmok

Den nächsten Halt machen wir an der Nordspitze von Bonaire. Hier liegt mit Malmok eine wichtige historische und geologische Stätte der Insel. Zunächst fallen die Ruinen aus dem 19. Jahrhundert ins Auge. Der hier erbaute Leuchtturm samt Wärterhaus wurde jedoch in Betrieb genommen.

Samuel ist wieder auf der Pirsch :-)

Auch hier liegen wieder von Tsunamis angeschwemmte Steine. Weniger offensichtlich sind die bis zu 1.200 Jahre alten Überreste prähistorischer Behausungen. Gänzlich dem Auge verborgen bleiben die nach Schätzungen über 150 Schiffswracks, die hier vor der Küste liegen.

Wayaka 3

Die meisten Tauchmoorings und praktisch alle Bade- und Schnorchelstellen liegen an der windabgewandten Westküste von Bonarie. So auch im Nationalpark. Playa Benge scheint für ein entspanntes Bad allerdings etwas zu aufgewühlt.

Am Eingang wurde uns Wayaka 2 empfohlen. Nicht nur uns. Der Parkplatz ist voll. Wir fahren etwas weiter nach Wayaka 3. Kein Sandstrand, dafür Ruhe. Und im Wasser sind es letztlich die gleichen Korallen und Fische, die sich mal wieder in schönster Pracht präsentieren.

Wayaka 3
Salina Wayaka

Samuel geht natürlich auch hier auf Vogelpirsch…

Vorbei an der namensgebenden und ausgesprochen gut besuchten Slagbaai machen wir uns auf den Rückweg. Das sind immerhin noch einige Kilometer Piste, die sich durchaus in die Länge ziehen. Wieder fahren wir durch die zugleich karge wie auch grüne Landschaft. So viele Kakteen wie heute haben wir wirklich noch nie auf einem Flecken gesehen. Immer wieder huschen Eidechsen über die Straße, ein paar Ziegen durch die Büsche oder Vögel auf die Kakteen, während wir über die Piste rumpeln.

Salina Slagbaai
Die lange Piste…
… zurück zum Parkausgang.

Ein schöner Ausflug geht zu Ende…

Bürokratie in der Karibik: Barbados

8./9. Februar 2022

Das offizielle Einreiseprotokoll von Barbados sieht zurzeit eigentlich vor, dass man vor Abreise eine Health Declaration inklusive negativem PCR-Testergebnis übermitteln muss. Das Problem ist der Zeitrahmen: innerhalb von 1-3 Tagen vor Ankunft. Wir planen für die Überfahrt von Bonaire nach Barbados gut eine Woche. Und ehrlich gesagt sehen wir es auch nicht so richtig ein, mehrere hundert Dollar für eine familiäre PCR-Testrunde „auf Verdacht“ rauszuwerfen. Letztlich beruhigt uns das vorab angeschriebene „Visit Barbados“, dass wir das alles auch vor Ort erledigen könnten. Wir fahren also einfach mal los.

Insgesamt sind wir dann ja acht Tage unterwegs. Und irgendwie haben wir bei Ankunft auch nicht so richtig Lust, gleich zu den offiziellen Stellen zu hetzten. Erst einmal eine Nacht schlafen. Das erweist sich als gute Entscheidung. Unser belgischer Ankernachbar macht sich abends auf den Weg zum Ausklarieren. Dabei fragt das nette Pärchen für uns nach, ob wir mit der ganzen Familie antanzen müssen, oder der Skipper die Formalitäten auch alleine erledigen kann. Die gute Nachricht: der Skipper kann!

So steige ich am nächsten Vormittag in das Dinghy und rausche zum Zollpier in den großen Hafen. Der Weg ist recht weit, doch alleine bekomme ich unser Beiboot in schnelle Gleitfahrt. Das macht Spaß! Mit einem Grinsen im Gesicht mache ich direkt vor einem >300m-Kreuzer an einer Piertreppe fest und gehe frohgemut zu den Autoritäten.

Blick vom Zollpier in das neue Hafenbecken.

Health

In der heutigen Zeit führt der erste Weg normaler Weise zu den Gesundheitsbehörden. Im kleinen Büro fülle ich allerlei Formulare aus. Darunter scheint auch die obligatorische Health Declaration zu sein. Dann führt mich der nette Mann zu einer Krankenschwester. Sie soll unsere Impfnachweise prüfen. Ich zeige ihr die Dokumente aus Aruba auf dem Handy, die sie mit sicherem Auge und ganz ohne QR-Scanner schnell als echt und gültig anerkennt.

Nun muss ich noch zum Arzt. Wiederum ein sehr netter, dieses Mal etwas älterer Herr. Ich erzähle ihm unsere Geschichte. Ganze neun Tage waren wir alleine auf dem Boot. Das erkennt er durchaus an. Allerdings wären 10 Tage wohl besser gewesen. Ich schlage vor, einfach morgen wiederzukommen. Er lächelt. Mehrmals fragt er nach unseren letzten PCR-Tests. Nun ja, die waren bei Einreise in Aruba Ende Oktober. Noch vor unserer Impfung! Hmmm… das hilft nicht. Doch ganz offensichtlich bemüht er sich um eine unkomplizierte Lösung für uns.

Schließlich fragt er, ob meine Frau und ich einen Schnelltest machen können. Für mich kein Problem, Sandra ist allerdings an Bord in der Ankerbucht. Soll ich sie jetzt extra dafür ranholen? Wir leben auf einem 12m-Boot. Wenn einer es hat, dann haben es alle! Er muss wiederum lächeln und nickt. Zusammen gehen wir zu seinem Auto. Vom Rücksitz holt der einen Schnelltest, der seinem Namen alle Ehre macht und schnell ein negatives Ergebnis anzeigt. Das reicht dem Doktor. Wir bekommen die offizielle Erlaubnis zur Einreise nach Barbados. Schriftlich!

Nicht schwanger… ;-)

Ach ja, normalerweise werden für den Schnelltest 60$ berechnet. Nicht nur, dass er darauf netter Weise verzichtet. Zusätzlich bietet er uns seine Hilfe an, falls wir vor unserer Weiterreise noch Tests benötigen. Die bekommt man zwar auch bei diversen Stellen in der Stadt, muss dort aber um einiges mehr dafür bezahlen. So nett!

Migration

Mit der gesundheitlichen Freigabe ist der Rest schnell erledigt. Die nette Dame im Migration-Büro ist zu einem Plausch aufgelegt. Wir unterhalten uns nett, sie freut sich über meine mitgebrachte Crew-Liste und interessiert sich für unsere Geschichte. Auf einer Karte zeige ich ihr unsere bisherige Route. Nebenbei werden unsere Pässe gestempelt. Alles ganz entspannt.

Customs

Genau so geht es eine Etage höher bei der netten Dame im Customs-Büro weiter. Kein Wort darüber, dass ich in ihr Mittagessen rein platze. Sie hatte mich schon gesehen und erwartet. Auch hier sind noch ein paar Dokumente auszufüllen, für das sonst immer kopierte Schiffszertifikat interessiert sie sich nur aus der Ferne, die Dame von der Migration bringt noch eine Kopie meiner Crew-Liste, ich bekomme ein Papier ausgehändigt und schon ist alles erledigt. Wir sind offiziell in Barbados eingereist.

Wähle den richtigen Weg!

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass ich mehrfach gefragt werde, wie ich hergekommen sei. Offiziell (so auch auf Noonsite geschrieben) hätten wir wohl mit der Samai direkt an den Zollpier kommen müssen. Damit soll vermieden werden, dass die Einreisewilligen ohne Test und Prüfung potenziell infektiös quer durch die Stadt laufen. In der Tat machen das wohl einige gedankenlose Segler. Umso erfreuter sind alle, dass ich den langen Weg mit dem Dinghy zurück gelegt habe. Da macht sich rudimentäres Mitdenken gleich als klares Plus im persönlichen Umgang bemerkbar.

Ausreise

Für die Ausreise werden ich ich wieder an den Zollpier müssen. Als erstes sind dann 50$ Gebühr zu bezahlen. Die anschließenden Besuche bei Migration uns Customs sollten mindestens so unkompliziert ausfallen wie heute.

Insgesamt gestalten sich die Formalitäten in Barbados (die aktuell nur zum Ausklarieren alternativ zu Bridgetown auch im nördlichen Port St. Charles erledigt werden können) also erfreulich entspannt und pragmatisch. Eine schöne Erfahrung in den heutigen Zeiten!

Endspurt nach Barbados

7./8. Februar 2022

Nur noch gut 100sm. Der kräftige Wind verspricht eine schnelle Überfahrt. Doch erst einmal werfen wir noch einen kurzen Blick in die benachbarte Ankerbucht vor Sainte-Anne. Es war eine gute Entscheidung, diese bei Nacht nicht anzulaufen. Schnell weg hier. Segel im zweiten Reff, Fock und los geht es auf direktem Kurs nach Barbados.

Unsere Bucht ist vergleichsweise vereinsamt…
… zumindest im direkten Vergleich mit Sainte-Anne!

Da gibt es vor Martinique allerdings ein kleines Problem. Also eigentlich sind es viele kleine Probleme in Form von in der bewegten See kaum bis spät auszumachenden Plastikflaschen. Die schwimmen da aber nicht unmotiviert umher. Vielmehr geht von jeder einzelnen eine Leine zu einem Fischernetz ab. Rund um die 20m-Tiefenlinie wimmelt es davon. Im Slalom kurven wir so schnell wie möglich in tieferes Wasser. Puh… nochmal gut gegangen.

Martinique bleibt achteraus!

Im Saint Lucia Channel werden wir erst einmal von einigen Vögeln begleitet. Das machen die allerdings nicht ganz uneigennützig. Unsere Samai schreckt immer mal wieder kleine Fliegende Fische auf, die dann sogleich von mindestens einem hungrigen Schnabel verfolgt werden. Oft geht es für den Fisch gut aus, aber so manches Mal freut sich auch der Vogel über einen Snack.

Der Wind weht recht konstant mit 4-5 (in Böen 6) Bft. aus erfreulicher, weil nordöstlicher Richtung. Trotz gerefftem Großsegel kommen wir richtig schnell voran. Also durch Wasser. Das leidige Problem ist halt wieder oder auch immer noch, dass sich dieses Wasser insgesamt in die falsche Richtung bewegt. Das nennt man Strömung und geht uns inzwischen so richtig auf die Nerven. Im Schnitt mit 1,5kn, zeitweise aber auch gerne mal mit über 2kn bremst sie uns aus. Später dreht der Strom und sorgt zusätzlich für 20 Grad Kursversatz. Nur gut, dass die Windrichtung genug Spielraum bietet. Obwohl wir nun höher an den Wind gehen müssen, können wir Barbados immer noch direkt anliegen.

Das macht auch die „Seaview“. Der >300m-Kreuzfahrer ist noch meilenweit hinter uns, als ich ihn erst auf dem AIS, dann aber auch gleich als Lichtpunkt am dunklen Horizont erspähe. Einige Zeit später überholt er uns in etwa einer Seemeile Entfernung. Seine Beleuchtung ist so hell, dass ich bei uns im Cockpit fast ein Buch lesen könnte. Ok, das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber trotzdem kann ich meine Stirnlampe eine Weile lang abnehmen. Cockpit und Segeltrim sind auch so gut erkennbar. Ebenso wie der Lichtschimmer von Barbados am Horizont schon auf viele Kilometer Entfernung auszumachen ist.

Die „Seaview“ bei Nacht…
… und am Tag darauf in Barbados

Leider macht die Welle unseren Mädels etwas zu schaffen. Im Laufe der Fahrt baut sie sich auf etwa 3m auf. Eigentlich nicht so schlimm, aber irgendwie halt die falsche Frequenz für sie. La Skipper gibt sich dem Segelmodus hin und auch Maila lässt es heute ruhig angehen.

Die Fahrt zieht sich deutlich länger als erwartet, doch das Tageslichtfenster ist groß genug. Um 14 Uhr fällt der Anker in der großen Carlisle Bay vor Barbados Hauptstadt Bridgetown. Vom Ufer weht die bekannte Melodie des Big Ben aus London zu uns. Sie kommt nur 7 Minuten nach der angezeigten Stunde. Ja, die Insel ist ganz offensichtlich britisch geprägt. Wir lassen es ruhig angehen. Erst einmal Winnie ab- und Bimini aufbauen… dazu eine kühle Anlegergerstenkaltschale. Die Formalitäten können sicher auch noch bis morgen warten. Wir genießen das Gefühl, eine der eher unangenehmeren Passagen unserer kleinen Fahrt geschafft zu haben. Von Bonaire gegen Wind und Strom nach Barbados. Ein gutes Gefühl!

Ankerstopp im Süden von Martinique

7. Februar 2022

Einen ausgeschlafenen Morgengruß von der Samai! Die letzten Meilen Richtung Martinique waren nicht so doll. Mit (natürlich nicht angesagten) 5 Windstärken auf die Nase schaukeln wir uns (immer noch unter Motor) gegen den Strom und eine erstaunlich kurze, steile Hackwelle in Richtung „Saint Lucia Channel“. Das ist die Passage zwischen den bergigen Inseln Martinique im Norden und Saint Lucia im Süden. Da können sich lokal schon mal unangenehme Bedingungen einstellen. Auch unseren Mädels wird so langsam etwas unangenehm. Quälend langsam kommt die Insel näher. Schön ist anders. Da reift beim Skipper eine Idee. Ich schaue zur Sicherheit nochmal in die letzte Windvorhersage. Ja, das passt. Am Montag soll sich eine für die Weiterfahrt hilfreiche Nordkomponente in den Wind schleichen. Die Nacht davor dagegen kräftig direkt aus Osten blasen. Eine kleine Pause wäre also in mehrfacher Hinsicht willkommen. Und wie es der Zufall so will, liegt da ja eine Insel direkt vor dem Bug.

Quälend langsam nähern wir uns Martinique
Auch Hasi möchte heute Nacht gerne ankern!

Wir suchen uns eine Bucht im Süden von Martinique aus. Die liegt nicht nur fast genau auf dem Weg, sondern ist auch möglichst weit weg von den offiziellen Stellen in der großen Bate de Fort-de-France. Wir wollen schließlich nicht einklarieren, sondern am liebsten eine Nacht lang übersehen werden. Darum schalten wir auch frühzeitig unseren AIS-Sender („Automatic Identification System“) aus, bleiben aber natürlich weiter auf Empfang. Und wir empfangen einiges. Beim Näherkommen zeigt sich schnell, dass es kein Problem sein sollte, unauffällig in der Masse zu verschwinden.

Ausblick auf eine ruhige Nacht
Natürlich werden wir im Dunkeln ankommen
Unwillkürlich summt das Thema von Darth Vader im Hinterkopf

Im Süden von Martinique gibt es (unter anderem) eine größere Ankerbucht vor Sainte-Anne. Nach und nach zeigen sich darin immer mehr AIS-Signale von Ankerliegern auf dem Plotter. Es werden über vierzig! Dazu kommen dann noch die ganzen Boote ohne AIS. Wahrscheinlich gilt diese Bucht hier gerade mal als „nicht übermäßig besucht“?! Willkommen in der Karibik!

Wir nehmen die südliche Bucht…

Wir entscheiden uns für die kleinere Bucht weiter südlich. Hier sind nicht einmal 10 AIS-Signale zu sehen. Dicht an dicht. Obwohl es hier eigentlich recht weitläufig eine angenehme Ankertiefe von unter 5m gibt. Natürlich kommen wir mal wieder im Dunkeln an. Ist aber kein Problem. Etwas abseits werfen wir den Anker. Ruhe im Boot. Schön!

Der neue Tag beginnt ausgeschlafen, mit einem guten Kaffee, leckerem Früstück und aktuellen Wetterberichten. Es sieht sogar noch besser aus als gestern. Wenn wir mittags losfahren, sollten wir die gut 100sm bis Barbados eigentlich bei 4-5 Bft. am Wind durchsegeln können. Das wäre echt super. Doch vorher muss Samuel noch einmal in den Mast klettern. Nach dem legendären Sprung von Eike haben wir leider vergessen, die Maststufen wieder einzuklappen. Es kommt wie es kommen muss. Das Großfall hat sich verhakt. Aber für unseren erfahrenen Mastkletterer ist das nur eine Kleinigkeit.

Das Großfall ist klariert und die Stufen werden gleich eingeklappt

Zwischenbericht „Luftlinie Samai-Barbados“ nach gesegelten Meilen:

  • nach 100sm ca. 485sm (auf 94 Grad)
  • nach 200sm ca. 425sm (auf 95 Grad)
  • nach 300sm ca. 405sm (auf 108 Grad)
  • nach 400sm ca. 400sm (auf 121 Grad)
  • nach 500sm ca. 325sm (auf 122 Grad)
  • nach 600sm ca. 235sm (auf 120 Grad)
  • nach 700sm ca. 140sm (auf 128 Grad)
  • vor Anker in Martinique ca. 110sm (auf 137 Grad)

Der Mittag ist durch. Es gehen zwar immer mal wieder 5er oder auch 6er Böen durch die Bucht, doch der Wind kommt aus (ost)nordöstlicher Richtung. Das sollte passen. Motor an, Anker auf, Großsegel (gerefft) hoch, dazu die Fock, Motor aus und Kurs Richtung Barbados. Morgen sollten wir ankommen… jetzt aber wirklich! ; -)

700sm – Winter vor Martinique

6. Februar 2022, Bordzeit 09:40 Uhr
Position: 14 Grad 32 Minuten Nord / 061 Grad 31 Minuten West

Damit meine ich jedoch nicht den gestrigen Tag. Der Wind bleibt wie angesagt unter 10kn und kommt von vorne. Dazu der allgegenwärtige Gegen- oder zumindest doch Seitenstrom. Entspannt motort die Samai gemütlich ihrem Ziel entgegen, wobei am späten Nachtmittag eine Delfinschule für willkommene Abwechslung zur Bordschule sorgt.

Delfine am Bug…
… begeistern immer wieder!

Wir sind zwar nur 14,5 Grad nördlich des Äquators, damit aber halt auf der Nordhalbkugel. Und auf dieser ist bekanntermaßen gerade Winter. Selbst hier. Zumindest die Nächte sind ungewohnt kühl. Insbesondere im zugigen Cockpit. Ja klar, es sind sicher immer noch deutlich über 20, wenn nicht 25 Grad. Trotzdem fröstelt es mich in der Nachtwache. Brrrr… Zum ersten Mal seit Monaten hole ich erst eine lange Freizeithose und danach sogar noch einen Pulli raus. Luxusprobleme. Und ganz ehrlich: irgendwie freuen wir uns schon ein bisschen, noch dieses Jahr mal wieder einen richtigen Winter zu erleben…

Sonnenuntergang achteraus
Magische Stimmung voraus

Ansonsten sehen wir schon in der ersten Nachthälfte ungewohntes Licht am Horizont. Geradezu liegt das französische Übersee-Département Martinique (die EU!) und leuchtet in die Nacht. Bonsoir! Etwas weiter links ist auch schon der etwas schwächere Schein von Dominica zu erkennen. Und all das, obwohl wir noch locker 120km von den Inseln entfernt sind. Zum Vergleich: Das ist in etwa die Entfernung vom Fernsehturm im Berliner Zentrum bis nach Magdeburg… oder München-Salzburg,.. oder Frankfurt/M.-Karlsruhe… und deutlich weiter als Hamburg-Bremen.

Um 3 Uhr früh reibe ich mir (warm eingepackt ;-) die Augen. Da ist noch ein neuer Lichtschein zwischen den Inseln. Nein es sind derer sogar zwei. Habe ich mich getäuscht und Martinique ist größer als gedacht? Doch Blick auf das AIS bringt schnell die Erklärung. Es sind zwei Kreuzfahrer („Anthem of the Sea“ & „Nieuw Statendam“) mit Ziel Saint Lucia, deren Beleuchtung wir hier aus etwa 40km(!) Entfernung sehen. Dabei gibt es gerade in einer dunklen Nacht auf See den schönsten Sternenhimmel zu beobachten. Zumindest wenn das eigene Boot nicht strahlt wie Erichs Lampenladen.

Bei Sonnenaufgang erkennen wir deutlich die noch von Wolken bedeckten, bergigen Inseln. Martinique erreicht immerhin fast 1.400m. Dominica bietet mit 1.447m sogar den zweithöchsten Berg der Kleinen Antillen. Tja, damit sind wir nun also endgültig in der „klassischen Karibik“ angekommen. Ein Zwischenstopp ist natürlich schon irgendwie verlockend, doch wir bleiben bei unserem Plan. Die Route führt weiter zwischen Martinique und dem südlicheren Saint Lucia (erster Anlaufpunkt vieler Atlantiküberquerer) weiter nach Barbados. Wir haben wieder ein ordentliches Stück Strecke geschafft.

Am Morgen dann Martinique voraus!

Zwischenbericht „Luftlinie Samai-Barbados“ nach gesegelten Meilen:

  • in Bonaire ca. 520sm (auf 84 Grad)
  • nach 100sm ca. 485sm (auf 94 Grad)
  • nach 200sm ca. 425sm (auf 95 Grad)
  • nach 300sm ca. 405sm (auf 108 Grad)
  • nach 400sm ca. 400sm (auf 121 Grad)
  • nach 500sm ca. 325sm (auf 122 Grad)
  • nach 600sm ca. 235sm (auf 120 Grad)
  • aktuell ca. 140sm (auf 128 Grad)

Morgen sollten wir ankommen! :-)