Samuels erste Fahrtstunde

1. Dezember 2021

Nein, nicht verlesen! Ich habe mich wirklich hinters Steuer gesetzt und bin einige Meter Auto gefahren! Zugegeben, ich habe etwas Angst davor, den roten Flitzer (die Schrottmühle, die wir uns gemietet haben) gegen einen Baum oder wahrscheinlicher einen Kaktus zu semmeln. Doch zum Glück ist meine Angst unberechtigt. Bevor ich beginne zu erzählen sollte noch erwähnt werden, dass das Auto einen starken Rechtsdrall hat.

Seit einigen Tagen will Papa mit mir eine Fahrstunde machen, doch irgendwie fehlt immer die Zeit. Bis zum 1. Dezember 2021. Ich mache wie jeden morgen meine erste Schulstunde und danach geht es los. Papa und ich steigen in das Auto und Papa fährt den Wagen auf die Einbuchtung der normalerweise leeren Küstenstraße direkt vor dem Hafengelände. Auch heute ist die Küstenstraße wenig befahren, aber dennoch befahrener als sonst. Na toll!

Dort stellt er den Motor ab und schickt mich hinters Steuer. Meine Angst wächst immer mehr. Doch nachdem Papa mir die Theorie halbwegs nahegebracht hat, schalte ich den Motor an und die Angst hört auf zu wachsen. Wenig später, nicht mal eine Minute später, habe ich ihn bei einem Anfahrversuch abgewürgt. Welchen Autofahrer passiert es nicht auch ab und zu. Wenn es den Profis passiert, dann darf es doch mir auch passieren.

Motor also wieder an und zweiter Versuch. Wir beginnen einfach. Ich soll nur die Kupplung im ersten Gang zum Fahren benutzen. Bei einer kurzen Kurve würge ich den Motor aber wieder ab. Das geschieht in meiner ersten Fahrstunde häufiger als mir lieb ist.

Die Kupplung habe ich praktisch verstanden. Jetzt geht es zum Gas. Ich nutze nun die Kupplung nur noch zum Anfahren und nutze dann das Gaspedal. Das üben wir einige Zeit lang und meine Angst wird weniger, bis sie sich schließlich in Spaß umwandelt.

Dann geht es zu Lernschritt 2. Gang hochschalten! Es sieht bei Papa immer so leicht aus, doch als Anfänger ist es dann eher weniger leicht. Gleichzeitig Kupplung treten, vom Gas runter gehen, auf die Straße schauen und den Gang umlegen. Ich brauche einige Versuche bis ich es schließlich schaffe. Ich habe manchmal den Gang auch nicht rein bekommen, weil ich nicht über den Leerlauf hinweg gekommen bin. Im zweiten Gang fahren wir einige Runden auf der Straße und einige hundert Meter weiter um einen Baum herum. Dann wieder zurück.

Darauf folgt der vorletzte Lernabschnitt für diesen Tag. Das Herunterschalten. Es ist etwas kniffliger als das hochschalten, ich schaffe es aber dennoch nach einigen Versuchen, den Gang halbwegs vernünftig herunterzuschalten. Es passiert aber auch hier, das ich den Gang nicht treffe und plötzlich im Leerlauf bin.

Der letzte Abschnitt meiner Fahrstunde besteht darin, das Auto einzuparken. Ich fahren mit dem Fuß auf der Bremse langsam das Gefälle zum Hafengelände hinunter. Mein Herz beginnt vor Aufregung wieder wie wild zu schlagen. Ich will einfach kein anderes Auto anrammeln. Verständlich oder? Wie dem auch sei, Papa deutet auf eine leere Stelle neben einer Laterne, wo ich kein anderes Auto treffen kann. Ich beruhige mich etwas und lasse das Auto sanft in die sehr große Parklücke neben dem Laternenpfahl ausrollen.

Es war meine allererste Fahrstunde und ich finde, dass ich mich trotz meiner Angst sehr gut geschlagen habe. Wer von denen, die nun Autofahren können, hatten am Anfang keine Angst? Das Autofahren hat, nachdem ich meine Angst überwunden habe sogar Spaß gemacht.

Und wenn mich jemand fragt, wo ich das erste Mal Auto gefahren bin, ist die Antwort: „Das war mit einer Schrottkarre in Aruba!“. Wer kann das schon von sich behaupten? :-)

Samuel

Happy Birthday Samuel

19. Oktober 2021

Heute ist mein Geburtstag. Maila ist wieder 100x aufgeregter als ich und auch früher wach. Ich werde durch eine Hand geweckt, die gegen mein Gesicht patscht. Diese Hand gehört – 3x dürft ihr raten – richtig: Maila! Glücklicherweise kann ich wieder einschlafen. Zumindest so halb.

Doch kaum beginne ich irgendetwas zu träumen, als Mama, Papa und Maila singend mit zwei Kuchen in den Händen herein kommen. Einer ist ein superlecker aussehender Erdbeerkuchen, voll und ganz mit Erdbeeren übersät. Der Andere ist ein Schokokuchen, mit Blaubeeren, Himbeeren und Kiwis dekoriert. Auf dem Schokokuchen ist eine Kerze in Form einer 14 und auf dem Erdbeerkuchen eine Handvoll normaler Kerzen. Ok, es sind natürlich genau 14!

Ich ziehe mich an und quäle mich aus dem Bett. Obwohl ich noch leicht verschlafen bin, bekomme ich mit, dass der Salon schön geschmückt mit Luftballons ist. Die Kuchen stehen auf dem Tisch, direkt neben den Geschenken. Dazu gehören unter anderem die drei Smaragde, die ich mir in Kolumbien ausgesucht habe. Gerade die Rohsmaragde sind erstaunlich billig, aber trotzdem sehr hübsch. Noch einmal ganz vielen lieben Dank an meine Großeltern in Kladow und Kritzmow!

Als der Kuchen angebrochen wird, essen sich alle schnell satt. Der Kuchen ist einfach so super lecker! Darum verzichten wir auf das fürs Frühstück angedachte Omelett… fürs Erste.

Wir setzen uns ins Auto und fahren los. Das Ziel ist ein natürlicher Pool. Die Strecke hat Papa sich zuvor schon angesehen, weshalb wir problemlos den Pool erreichen. Nur leider stehen auf dem „Parkplatz“, der mehr aus pflanzenloser Landschaft besteht, dutzende Strandbuggys. Ich ahne schlimmes, gehe aber trotzdem mit zur Kante, wo eine Leiter auf die Höhe des Pools hinunterführt. Nur sind in dem Pool, wie ich es schon befürchtet habe, eine große Menge an Menschen.

Später erzählt uns Jörg, der uns den Pool empfohlen hatte, dass wir einfach hätten warten müssen. Es sei nur eine geführte Gruppe gewesen, die nach ca. 15 Minuten weitergefahren wäre. Vielleicht war es am Ende aber doch nicht schlimm, dass wir heute hier nicht baden können. Ein andermal holen wir das noch nach. Und dann lohnt es sich doppelt!

Wir kommen wieder!

Doch nun weiter. Ich bin leicht enttäuscht, weil in dem Pool eine Muräne leben soll, die ich gern gesehen hätte. Aber keine Angst, Jörg meinte, dass sie nicht größer als 30 cm lang sein soll. Zwar kann ich die Muräne nicht sehen, aber immerhin der Wunsch des Badens lässt sich erfüllen. Direkt um die Ecke des Hafens, nur zehn Fahrminuten entfernt, ist ein kleiner Strand wo wir noch hingehen. Der Strand, mit dem enorm flachen Wasser trägt den Namen Mangel Halto. Auf dem Strand finde ich auch zwei schöne große Korallenstücke.

Wir baden noch ein paar Schritte entfernt im tieferen Wasser, wo eine Treppe in das Wasser führt. Das Wasser reicht mir etwa bis zum Hals und dort kann man schwimmen.

Der Rest des Tages verläuft entspannt. Sobald wir auf der Samai zurück sind, macht Papa uns das gewünschte Frühstücksomelette und am Abend gibt es eine leckere Scharfe-Würstchensoße. Es ist trotz der kleinen Enttäuschung beim Pool ein sehr schöner Geburtstag.

Samuel

Samuels Vogelsichtungen in Kolumbien (2)

In Kolumbien gibt es wirklich viele Vögel. Die kann doch niemand aus dem Kopf kennen. Ich natürlich auch nicht. Leider haben wir gar keine Vogelbücher mitgenommen. Aber es gibt ja wirklich tolle Apps, die mir professionelle Birdwatcher empfohlen haben. Am besten finde ich Merlin Bird ID. Da bekomme ich sogar mit einer Aufnahme von Vogelgesang den Namen des Vogels angezeigt. Die App eBird ist dagegen mehr dafür, gesichtete Vögel zu notieren. Und da gab es in Kolumbien wirklich viel zu notieren.

Als kleinen Nachtrag zu unserer Rundfahrt möchte ich noch ein paar Vögel zeigen, die wir in verschiedenen Städten im Landesinnern beobachtet haben.

Nacktzügelibis in Medellín
Schwefelmaskenyrann in Honda
Rabengeier in Honda

Leider sind einige Vögel auch sehr kamerascheu. Der Schwarzbrustspecht war weg, bevor ich mein Handy in Position hatte. Der Buntfalke ist mit seinen großen Flügeln oft auch schneller als ich mit der kleinen Kamera. Einmal bei den Wachspalmen habe ich aber doch erwischt.

Buntfalke bei Salamina

Andere Vögel scheinen geradezu um ein Foto zu betteln. Genau wie in Deutschland wohnen auch in Südamerika sehr viele Tauben in der Stadt und auf dem Land. Die Stadttaube kennt man auch aus Europa. Das Sperlingstäubchen und die Purpurtaube finden sich dagegen nur in Amerika. Noch niedlicher finde ich aber das Rosttäubchen sowie das kleine, nicht einmal handtellergroße Zwergtäubchen mit seinem braunen, gefleckten Gefieder…

Rosttäubchen posiert in Honda

An der Küste waren wir in Cartagena und in Santa Marta. Die Städte sind nicht weit voneinander entfernt. Darum haben wir dort auch ähnlich Vögel gesehen. Und zurück an der Küste zeigen sich auch endlich wieder Möwen.

Aztekenmöve hält Ausguck im Club Nautico Cartagena
Großschwanzgrackeln „bewachen“ die Boote…
Grackel(?) mit sehr großem Schnabel in Santa Marta
Silberreiher in Cartagena
Graslandtyrann auf Kunstrasen in der Marina
Dieser Nachtreiher macht seinem Namen alle Ehre

Gerade im Tayrona Nationalpark bei Santa Marta und in seiner Umgebung gibt es Unmengen an Vögeln. Wir haben dort eine Unterkunft in der zweiten Etage bekommen, von der aus man super Vögel beobachten kann. Viele sogar bei praller Mittagssonne. Zum Beispiel den Brauenzaunkönig, der immer sehr seltsam klingende Laute von sich gibt und auf den Dächern herumläuft. Doch ich gehe auch morgens auf Vogelsuche. Die Sonne ist gerade erst aufgegangen, da steige ich schon aus dem Bett und setze mich mit dem Fernrohr raus. Papa bleibt im Bett liegen. Er verpasst viele schöne Vögel. Das dunkelblau bis schwarze Jacarinitangarenmännchen hüpft beim Zwitschern immer in die Luft. Der Rotkappenspecht macht seinem Namen mit den Farben alle Ehre. Erstmals erspähe ich einen Einfarbspelzer. Die Graukopftangaren flattern für ein Foto leider zu schnell um das Haus und erinnern mit ihrem gelb-grauem Gefieder nur entfernt an Ihre schon oft gesichteten Verwandten, die blauen Bischofstangaren. Schließlich schaut mit dem Weißnackenkolibri auch ein Vertreter der kleinsten Vogelart vorbei.

Brauenzaunkönig
Rotkappenspecht
Einfarbspelzer
Bischofstangare (hier in Barichara)
???

Es gab natürlich auch alte Bekannte zu sehen. Der schon in Panama zuerst von Maila gesichtete Gelbkopfkarakara setzte sich auf einen bewachsenen Ast direkt vor den Himmel. Das Motiv war perfekt! Der Vogel war super anzusehen und blieb auch fast 10 Minuten dort sitzen. Ein Schwarm grüner Papageien, wahrscheinlich Tovisittiche, versteckte sich dagegen lieber laut krächzend in den Bäumen. Den schönen Liktormaskentyrann haben wir auch schon ein paarmal gesehen. Und Dann sehe ich noch einen mysteriösen Vogel mehrere hundert Meter entfernt auf einem Baum landen. Mit meinem Fernglas sehe ich ihn zwar, erkenne aber nur die Umrisse. Er sitzt genau mit dem Licht im Rücken. Keine Ahnung, was das für ein Vogel ist. Aber es sah trotzdem toll aus.

Gelbkopfkarakara
Liktormaskentyrann

Ich weiß, dass es hier eigentlich um Vögel geht. Aber ein anderes fliegendes Tier fand ich so faszinierend, dass es unbedingt gezeigt werden soll. Es ist ein Käfer mit dem Namen Membracics. Er hat einen schwarzem Körper und… ach, seht lieber selbst:

Natürlich haben wir auch viele schöne Schmetterlinge gesehen!

Dann sind wir in den Tayrona Park gegangen. Der Wandertag war elendig heiß. Wir alle haben geschwitzt. Doch einige Vögel wohl nicht. Ein Tukan flüchtet sich von einem Schattenplatz auf den nächsten. Die Schwarznacken-Stelzenläufer stehen mit ihren rosa Beinen im kühleren Wasser. Der Orangbauch-Schattenkolibri war so schnell unterwegs, dass der Flugwind ihn wahrscheinlich abkühlt. Sie sind diese Temperaturen wohl besser gewohnt. Leider waren ich und Papa immer zu langsam für ein Foto.

Doch nun weg vom Festland und auf das Wasser Richtung Aruba. Auf der Fahrt haben wir einige Vögel gesehen. Der Braunpelikan ist ein alter Bekannter. Ihn sehen wir inzwischen auf fast jeder längeren Route, die wir fahren. Ansonsten flog eine Königsseeschwalbe hoch über unseren Köpfen königlich entlang und ein bislang noch nie gesehener Maskentölpel begleitet uns über eine halbe Meile. Ein Weißbauchtölpel und ein Schneesichler schauen auch mal vorbei. Richtig süß war aber ein kleiner brauner Vogel, der dicht über das Wasser flatterte. Was war das bloß?

???

Das waren natürlich immer noch nicht alle Vögel, die wir in Kolumbien gesehen haben. Gelbbauchspelzer, Grünbrust-Mangokolibri, Mangrovreiher, Ohrflecktaube, Schwarzbrustspecht, Schwarzkappentangare, Schwarzschnabeldrossel, Speerreiher, Weintaube… die Liste ließe sich fortsetzen. Es stimmt wohl, dass Kolumbien das Land mit den meisten Vogelarten der Welt ist.

Für mich ist es ein Paradies!

Samuel

Samuels Vogelsichtungen in Kolumbien (1)

Wo soll ich anfangen? Es gibt sooo viele Vögel auf der Welt besonders in Kolumbien. Das Land behauptet wohl nicht zu Unrecht, die weltweit größte Artenvielfalt an Vögeln zu haben. Es gibt dort 1.727 bekannte Vogelarten! So viele haben wir zwar nicht gesehen, aber immerhin kommen wir auf eine stolze Summe von 58 Vogelarten, die ich identifizieren konnte.

Wir haben sie verteilt in Kolumbien gesehen und natürlich einige auch an mehreren Stellen. Nur leider kann ich nicht allen Vögeln Orten zuordnen. Aber ich bin fleißig gewesen und habe auf meinem Handy mitgeschrieben. Einen Vogel kennt ihr bereits schon von meinem Beitrag über die Höhlenwanderung. Den Fettschwalm.

Fettschwalm (Foto von eBird.org)

Dann bleiben wir doch erst einmal beim Rio Claro Nationalpark. Wir bewohnten dort ein Zimmer im zweiten Stock. An einem Baum etwas hinter unserem Zimmer und genau am Weg befindet sich ein kleines Kolibrinest. Es wird gerade gebaut, aber leider sehen wir die Erbauer nur einmal kurz und die Kamera ist zu weit weg.

Doch dort sehe ich noch einen anderen Vogel. Den Dickschnabelorganist. Er hing einmal über dem Nest und verschwand dann schnell. Für ein Foto reichte es nicht. Auf der Terrasse des Haupthauses mit Restaurant sehen wir auf dem Baum oft einen Tukan. Ich vermute, dass es sich bei diesem Exemplar um einen Halsbandarassari handelte. Einen Tukan, der gern Babyquetzals verspeist. Der Rücken ist ganz schwarz und der Bauch gelblich. Um die Augen hat er eine rote Färbung. Der Lange Schnabel ist unten meistens schwarz und oben orangegelb. Das Schwarze geht in zackenartigen Verfärbungen in den orangegelben über.

In Villa de Leyva haben wir noch einen Bronzekiebitz gesehen. Nur leider war er die meiste Zeit hinter Sträuchern. Sie sind wohl etwas kamerascheu. Er hat ein leicht bräunliches Gefieder an der Oberseite, ganz braune Schultern, eine schwarze Brust und einen weißen Bauch. Am auffälligsten ist die eine Feder, die vom Hinterkopf absteht.

Weiter geht es. Wir gehen den Weg durch den Park entlang und sehen immer wieder einen Vogel, der seltsam mit dem Schwanz hin und her wedelt. Wir verscheuchen ihn, aber das ist nicht so schlimm. Wir sehen die Vogelart auf dem Weg häufiger herumtanzen. Es handelt sich um den Schmätzerwaldsänger. Das Gefieder am Rücken ist unscheinbar bräunlich. Der Bauch und der beginn des Schwanzes jedoch sind ganz gelb. Das Vögelchen ist auch nicht größer als die Handfläche eines Erwachsenen.

In Barichara, der tollen Finka von Katja, bin ich immer sehr früh aufgestanden. Auch dort leben, mitten im trockenen Regenwald haufenweise Vögel. Denn es hat hier in letzter Zeit sehr viel geregnet und statt, dass alles trocken und braun ist wie in den fünf Jahren seitdem Katja dort lebt, ist es nun saftig grün.

Eine Blauringtaube läuft hier jeden Morgen und eigentlich den größten Teil des Tages auf dem Gelände umher und sucht Samen und/oder Früchte. Der blaue Ring um das Auge ist bei dieser Taube namengebend.

Auch kommt hier jeden Morgen ein Pärchen Safrangilbtangaren vorbei. Sie versuchen auch Samen vom Boden aufzulesen. Zum Glück ist genug für alle da.

männlicher Vertreter mit dem Spitznamen Bert
weibliche Vertreterin mit dem Spitznamen Berta

Ich entdecke sogar einmal einen Chocóspecht. Die Spezies hat einen braunen Rücken, eine rote Kappe und einen schwarz weiß gestreiften Bauch. Nur war er sehr schnell wieder weg. Pech.

Jeden Morgen bekomme ich von Katja einen Tee, um mich bei der anfänglichen Kälte etwas zu wärmen. Auch Mama ist dabei und schaut zu. Am zweiten Tag fliegt ein Vogel mit schwarzem Oberkörper, einem kleinen weißen Fleck an den Flügeln und einem knallig gelbem Bauch auf einen nahe stehenden Baum. Es handelt sich um einen männlichen Mexikozeisig. (ein seltsamer Name, ich weiß!)

Einen anderen Vogel sehen wir dort zum ersten mal. Den Gelbbauchspelzer. Er hat einen weißen Schnabel, einen schwarzen Kopf und dazu einen hellbräunlichem Rücken und einen schmutzig weißen Bauch.

Die ganze Zeit hören wir einen seltsamen Schrei, finden aber keinen dazu passenden Vogel. Plötzlich sieht Mama ihn. Ein Tüpfelguan schreit dort immer herum. Und nicht nur der eine schreit. Es sind bestimmt drei oder vier Tüpfelguane. Bei dem Lärm war das auch zu erwarten. Nach ein bis zwei Stunden wachen die restlichen Familienmitglieder auch noch auf und kommen zu uns.

Das Gefieder muss nach dem Gekreische geputzt werden

Am zweiten Tag taucht plötzlich noch ein großer brauner Vogel mit grauem Bauch auf. Er sitzt in dem großen Baum, in dem ich die meisten Vögel sehe, nur leider zu gut versteckt. Katja weiß, dass der Vogel auf Englich Squirrel Cukoo heißt. Im Deutschen nennt man ihn, wie ich herausgefunden habe, Eichhornkuckuck. Um Bilder von ihm zu machen, laufe ich dem hüpfendem Vogel hinterher. Ja, nicht verlesen! Dieser Vogel hüpft gern von Ast zu Ast. Und das tut er recht häufig und ist auch gut darin, weshalb ich ihn solange gejagt habe wie möglich.

Wir haben bei Katja auch Armbänder gestrickt. Da fliegt plötzlich eine Rotscheiteltangare über unseren Köpfen entlang, landet kurz und fliegt wieder weg. Sie sieht ein wenig wie die Bischofstangare aus, nur mit einem roten Kopfgefieder. Einem Rotscheitel eben.

Bei der Kaffeeplantage Alfanía sehen wir noch diverse Kolibris. Nur den Weißkinn-Saphierkolibri kann ich bestimmen, weil die anderen sich gegen das Licht hingesetzt haben. Frechheit.:-)

Auf der Seilbahnfahrt durch die Schlucht sehen wir die Trauergrackeln.

Großschwanzgrackel

Sie sehen aus wie die Großschwanzgrackel in klein, die wir in Kolumbien überall sonst gesehen haben, außer auf diesem Berg. Fast so häufig wie die Felsentauben in Deutschland. Besonders gern sind die Grackeln auf den Booten gewesen und haben ihren Kot als Dankeschön hinterlassen. Das fand der Skipper nicht so toll.

Andere Vögel, die wir ziemlich oft sehen sind die wunderschön gezeichneten Starkschnabel-Maskentyrannen

… und mächtige Rabengeier, die zu Dutzenden über den Himmel kreisen.

Die hübsche Bischofstangare ist in dieser Gegend aber nicht minder verbreitet.

So… ich glaube, das reicht für heute. Beim nächsten Mal erzähle ich euch von den Vögeln an der Küste und auf dem Meer.

Samuel

Baden in Klamotten – Maila beim Rafting

6. September 2021

Wir sind im Rio Cláro Naturreservat. Dort kann man noch mehr machen außer einer Höhlentour, zum Beispiel Rafting. Ja, ich muss wohl zugeben, keiner von uns hat auch nur ein einziges mal Rafting gemacht. Doch an der Tafel stand etwas von „mittel“ (natürlich alles auf Spanisch) und auf den Bildern sieht es ruhig aus. Samuel und Papa haben einfach die Sachen von der Höhlentour angelassen, die sowie noch nass sind. Das Rafting startet kurz nach Ende der Höhlentour. Für mich und Mama steht allerdings die Frage offen, was wir denn anziehen. Wir vermuten, dass es nass wird. Sollen wir deswegen einfach nur die Badesachen anziehen? Oder sollten wir die normalen Klamotten anziehen? Schließlich haben wir uns für einen Kompromiss entschieden. Vom Führer der mit uns Rafting macht, bekommen wir noch Helme und Rettungswesten. Dann geht es los.

Erst noch einen Vogel beobachten!

Wir fahren mit einem Gummiboot, deswegen hat Mama es überhaupt erlaubt. Es geht los. Vorne im Gummiboot sitzen Papa und ein anderer Mann, der auch mitkommt. Die Jungs kennen ihn aus der Höhle. Dahinter Samuel und eine Frau. Fast ganz hinten sitzen ich und Mama. Unten im Gummiboot gibt es Löcher damit sich das Wasser ausgleicht. Als alle drin sitzen geht es los. Adelanteheißt nach vorne paddeln, denn jeder von uns hat ein Paddle. Als erstes müssen wir komischerweise gegen die Strömung und zwar seitlich. Das wundert mich schon. Dann trifft uns eine Welle und zack neigt sich das Boot gefährlich zur Seite und wir alle sind nass, aber plötzlich sitzt der Mann neben Papa nicht mehr neben ihm sondern ist im Wasser. Die vorne sitzenden hieven ihn wieder ins Boot. Oh nein, wenn das so weiter geht wird das Rafting nicht sehr schön.

Zum Glück ist es erst mal ruhig und wir treiben so dahin. Doch natürlich gibt es auch Stromschnellen und gerade fahren wir genau auf eine zu. Es ist ziemlich wellig und es schaukelt, sonst ist zum Glück nichts passiert. Doch schon kommt die nächste Stromschnelle in Sicht und die ist schon wilder, am Rand ist es besonders wild doch der Führer hält uns gerade so von der welligen Seite ab und dann ist auch diese Stromschnelle überwunden. Danach treiben wir noch eine Weile bis er uns vorschlägt auch mal ins Wasser zu gehen. Das Wasser ist wegen dem starken Regen immer noch ganz braun und man sieht gar nichts. Todesmutig trauen sich Samuel und die Frau ins Wasser und dann noch Mama. Wenn fast alle drin sind, muss ich wohl auch. Es ist ehrlich gesagt wirklich erfrischend.

Unter Wasser sehe ich meine Hand kaum, die kurz unter der Wasser Oberfläche ist. Wir müssen nicht schwimmen, denn die Strömung treibt uns weiter. Als ich ins Boot zurück will ist das schwieriger als gedacht. Mit vereinten Kräften schaffe ich es mit Papas Hilfe wieder ins Boot. Ich hatte nicht erwartet, dass man bei Rafting auch ins Wasser geht. Als alle auf ihrer Position sind, kommt schon die nächste Stromschnelle, wie ich einschätzten kann, die nicht sehr schlimm ist. Am Ende der Stromschnelle ragt in der Mitte des Flusses ein Felsen aus dem Wasser. Da kann man einfach dran vorbei fahren. Mitten in der Stromschnelle sagt der Führer plötzlich: Adelante! Adelante! Das heißt schneller geradeaus. Ich paddle doch, warum sollten wir noch mehr paddeln? Einen Moment später erfahre ich es, denn kurz nach dem Felsen macht er eine scharfe Wendung und alle kippen. Fast wäre ich herausgefallen, doch zum Glück nicht. Das hat der doch mit Absicht gemacht!

Ein weiteres tolles Erlebnis ist, als wir plötzlich bei einem hohen Felsen gestoppt haben und die andere Frau dort plötzlich hinaufklettert. Samuel hinterher. Kurz danach traut sich Samuel, dort herunterzuspringen. Er muss sich auch überwinden und meint hinterher, dass es von oben höher aussieht, als es wirklich ist. Und will gleich noch einmal. Mittlerweile ist die andere Frau mit viel Überwindung auch gesprungen.

Weiter geht es. Komischerweise hat unser Guide uns ein Kommando erklärt, bei dem wir alle in die Mitte des Bootes müssen. Da habe ich schon eine böse Vorahnung gehabt. Bei der nächsten Stromschnelle ist es besonders wild. Und da weiß ich, dass wir da wahrscheinlich in die Mitte sollen. Schon bevor er es sagt, habe ich mich in die Mitte gebeugt. Als er es dann in echt sagt, sind auch alle anderen hinterher. Es ist ein wilder Ritt gewesen und ich bin sehr froh darüber, im Zentrum zu sein.

Schließlich sind wir an einen wunderschönen Felsüberhang gekommen, wo es viele schöne Tropfsteine gibt. Dort sind wir kurz angelandet und haben ein paar Fotos gemacht. Man konnte auch etwas in dem Fluss waten und sich dann auf einen Felsen stellen.

Nach diesem Highlight dürfen wir noch einmal ins Wasser. Diesmal ist auch Papa mit reingekommen. Wir haben uns mit dem Fluss treiben lassen und es ist sehr entspannend. Ich konnte zwischenzeitlich stehen, aber die Strömung hat mich gleich wieder mitgerissen. Dann ist eine kleine Stromschnelle in Sicht gekommen und ich will wieder ins Boot, aber der Führer meint, wir können dort einfach durchtreiben. Ich bin sehr erstaunt und bleibe im Wasser. Trotzdem suche ich vorsichtshalber Papas Nähe. Alle haben sich in die richtige Position gebracht, so dass die Beine nach vorne zeigen und der Kopf nicht gegen die Steine prallt. Dann geht es also durch. Ich war sehr aufgeregt und zum Glück ist es keine schlimme Stromschnelle gewesen und deswegen haben wir es alle unbeschadet überstanden. Dann aber wieder ab ins Boot. Die letzten Stromschnellen haben mir sogar Spaß gemacht. Es war eine gute Idee Rafting zu machen. Es ist ein aufregendes und sehr lustiges Erlebnis gewesen.

Maila

Auf dem Rückweg…