Nach einem schönen Mittag am Salzpier, wollen wir den Ausflug entspannt bei Klein Bonaire ausklingen lassen. Es ist ja nur ein Hüpfer, schnell ist die Südwestecke der kleinen Insel erreicht. Die nächsten zwei Moorings an der Südküste sind schon belegt, aber da wollen wir sowieso nicht hin. Wir halten Kurs zur Westküste.
Da entschließt sich der Katamaran Dué, seine Mooring zu wechseln. Er macht los und hält ebenfalls Kurs auf die Südwestecke. Also eigentlich fährt er mit Volldampf („Hebel on the table!“) auf uns zu. Zufälliger Weise ist die Mooring vor uns frei. Wir wollen da gar nicht ran, aber in Anbetracht der Fahrweise des Kats, herrscht bei ihm an Bord wohl schon grenzwertige Panik. In einem halsbrecherischem Manöver quetscht er sich dicht zwischen uns und einem anderen Mooringlieger durch, setzt sich direkt vor uns und uns stoppt auf. What the f…?!? Nun, da die „Beute“ gesichert ist, lässt der Cowboy es deutlich entspannter angehen. In aller Ruhe macht er an der Mooring fest. Uns würdigt er dabei keines Blickes oder gar Grußes. Sollte er unser kleines Boot vielleicht gar während seiner ganzen Harakiri-Aktion übersehen haben? Das wäre zumindest eine Erklärung. Das Boot fährt übrigens eine US-Amerikanische Flagge.
Wir tingeln weiter die gut besuchte Westküste entlang. Leider ist auch die von uns angepeilte Mooring schon von einem kleinen Boot belegt. Die Kinder stehen am Bug und halten weiter Ausschau. Da winkt uns von dem kleinen Boot, das an unserer Wunschmooring liegt, ein älterer Mann zu und fragt gestisch, ob wir hier ran möchten. Ja, das wäre echt super. Keine zwei Minuten später ist die Mooring frei. Wir winken und bedanken uns herzlich. Das Boot fährt übrigens die Flagge von Bonaire.
Tja und dann gehen wir natürlich wieder ins Wasser. Samuel findet auch heute kein Maß bei der GoPro-Nutzung und wir sind heilfroh, dass da eine 64GB-Karte drin steckt. Hier nur eine kleine Auswahl schöner Schnappschüsse im Umfeld dieser Tauchmooring vor Klein Bonaire:
Der Salzpier gilt unter Tauchern als ein Pflichtbesuch in Bonaire. Doch auch für Schnorchler und Freediver (wie unserem Samuel) lohnt es sich, den Kopf hier unter Wasser zu stecken. Es ist die wohl beste Gelegenheit auf Grüne Meeresschildkröten. Wir hängen also mal wieder das Dinghy an unsere Mooring, segeln die gut 5sm die Küste runter und machen uns an einer der zwei gelben Tauchmoorings fest.
Salzpier vom Wasser ausSamai an der MooringDas Kajak geht zu Wasser
Der Skipper ist ausnahmsweise als erster im Wasser und schnorchelt gleich mal rüber zum Pier. Dort zwischen den Pfeilern gibt es einiges zu sehen. Nicht zuletzt auch ein paar Taucher unter mir. Mangels Kamera bleibt all dies jedoch undokumentiert. Zurück Richtung Samai schnorchle ich etwas dichter unter Land. Der Grund ist hier sandig und nicht sehr tief. Da sehe ich auch schon die erste Meeresschildkröte, bald sind es zwei und dann auch schon drei. Ich rufe Samuel herbei und kurz danach machen sich auch unsere Mädels mit dem Kajak auf den Weg.
Tatsächlich sehen sie noch weit mehr als diese drei Meeresschildkröten. Das ist hier wirklich ein sehr beliebter Platz für diese anmutig dahingleitenden Tiere, die sich hier in aller Muße ausführlich beobachten lassen.
Ein wichtiger Grund ist offensichtlich gutes Futter. Der Boden ist zwar nicht sehr üppig bewachsen, doch augenscheinlich schmeckt es hier besonders gut.
Nur hin und wieder stecken sie ihren kleinen Kopf aus dem Wasser um Luft zu holen. Danach schweben sie wieder fast schwerelos hinunter.
Manchmal bekommen sie auch Gesellschaft, sei es nun ein junger Franzosen-Kaiserfisch oder ein Perlen-Kofferfisch.
Ein junger Franzosen-Kaiserfisch…… knabbert am Panzer.
Doch natürlich gibt es auch hier noch andere Meeresbewohner zu sehen, als nur Meeresschildkröten.
Der kleine, rote Blackbar-Solidarfish…… ist immer gut versteckt.Noch besser versteckt sich diese Flunder!Der Kalkigel dagegen braucht kein VersteckGelbkopf-LippenfischPalometas
Letztlich sind es aber die gepanzerten Schwimmer, die uns hier am Salzpier am meisten in Ihren Bann ziehen…
Der 1969 eingerichtete Washington Slagbaai National Park umfasst mit 5.643 Hektar den gesamten Norden von Bonaire. Namensgebend sind die ehemalige Plantage „Washington“ und der natürliche Hafen „Slagbaai“ (Schlachtbucht). Ein geschütztes Habitat für viele Tier- und Pflanzenarten, beliebt bei den Einheimischen und für uns einer der Gründe für den gemieteten Pickup.
Natürlich darf man in dem Schutzgebiet nicht einfach wild umherfahren. Die Parkverwaltung hat zwei Routen eingerichtet. Die lange Route (gelb) führt in insgesamt 34km zunächst an der Nordküste Bonaires entlang, während die kurze 24km-Route (grün) einmal quer durch abkürzt. Sie treffen sich im Westen rechtzeitig vor gut besuchten Bade- und Schnorchelstränden, bevor sie dann die Piste wieder quer über die Insel zurück zum Eingangsbereich am Südostende des Parks schlängeln. Heute steht die lange Route auf dem Programm. Und natürlich erkunden wir da auch jeden kleinen Abzweig.
Heute fahren wir die lange = gelbe Route
Schon auf den ersten Metern bekommen wir einen guten Eindruck von dem, was uns heute erwartet: viele Kakteen, Eidechsen, eine teils abenteuerliche Piste und viel raue Natur mit ihrem besonderen Charme.
Willkommen im National ParkErste PistenmeterSalina Matijs
Playa Chikitu
Der erste Abzweig führt zur Boca Chikitu. Wir haben die Küste noch nicht ganz erreicht, da kommt von Samuel auf der Ladefläche des Pickup die Aufforderung zum Zwischenstopp. Einige schöne Nordkarakaras wollen ausgiebig beobachtet werden.
Samuel auf Vogelpirsch
Der feine Sandstrand des Playa Chikitu ist ein beliebter Nistplatz für Meeresschildkröten und lädt eigentlich zu einem erfrischenden Bad ein. Doch davon sollte man hier absehen. Wir sind an der rauen, dem Wind zugewandten Ostseite der Insel. Das Meer zeigt seine Kraft und die Unterströmungen dürfen nicht unterschätzt werden.
Die benachbarte Bucht
Seru Grandi
Die bis zu 58m hohe Terrassen aus Kalkstein und fossilen Korallen bei Seru Grandi geben einen Eindruck der geologischen Geschichte Bonaires. Die obere Terrasse ist über eine Million, die untere immerhin noch ca. 210 Tausend Jahre alt. Rund herum liegen große, von Tsunamis über die Landschaft verteilte Steinbrocken.
Ein selbst bei den heute eigentlich moderaten Bedingungen Fontänen spritzendes Blasloch sowie ein gut versteckter Brunnen bieten sich für kurze Zwischenstopps an.
Boka Kokolishi
Als wir bei der idyllischen Boka Kokolishi ankommen, sind wir die einzigen Besucher. Schön! Umgeben von aufragenden Fossilien lang vergangener Korallenriffe und Muscheln liegt ein kleiner Strand. Er ist mit unzähligen, dunklen Fragmenten der Schale von Meeresschnecken übersät, den sogenannten „kokolishi shells“. Leise plätschert das Wasser ans Ufer. Ein vorgelagerter Absatz bricht die großen Wellen und bringt Ruhe in die raue See.
Wir genießen diese Ruhe solange es geht. Der Park ist groß und die Besucher verteilen sich. Letztlich fahren dann aber doch alle auf einer der zwei vorgegebenen Routen. Als der fünfte Pickup auf den Parkplatz fährt, ergreifen wir die Flucht. Vorbei am schicken Beru Bentana Leuchtturm fahren wir weiter.
Pos Mangel
Natürliches Süßwasser ist rar auf Bonaire. Heute erfolgt die Versorgung über Entsalzungsanlagen, doch über Jahrhunderte mussten Regenwasser sowie kleine Brunnen genügen. Auf der ganzen Insel finden sich nur zwei ganzjährig nutzbare Quellen. Eine davon ist Pos Mangel. Ein natürlicher Anziehungspunkt für Reptilien, Vögel… und Mücken.
Versteckte Quelle
Auf unserem kleinen Spaziergang müssen wir immer in Bewegung bleiben. Über das Repellent lachen die kleinen Plagegeister nur. Da hat es der Yuana (grüner Leguan) mit seinem langen, prachtvollen Schwanz aber vor allem der dicken Haut wegen deutlich besser.
Malmok
Den nächsten Halt machen wir an der Nordspitze von Bonaire. Hier liegt mit Malmok eine wichtige historische und geologische Stätte der Insel. Zunächst fallen die Ruinen aus dem 19. Jahrhundert ins Auge. Der hier erbaute Leuchtturm samt Wärterhaus wurde jedoch in Betrieb genommen.
Samuel ist wieder auf der Pirsch :-)
Auch hier liegen wieder von Tsunamis angeschwemmte Steine. Weniger offensichtlich sind die bis zu 1.200 Jahre alten Überreste prähistorischer Behausungen. Gänzlich dem Auge verborgen bleiben die nach Schätzungen über 150 Schiffswracks, die hier vor der Küste liegen.
Wayaka 3
Die meisten Tauchmoorings und praktisch alle Bade- und Schnorchelstellen liegen an der windabgewandten Westküste von Bonarie. So auch im Nationalpark. Playa Benge scheint für ein entspanntes Bad allerdings etwas zu aufgewühlt.
Am Eingang wurde uns Wayaka 2 empfohlen. Nicht nur uns. Der Parkplatz ist voll. Wir fahren etwas weiter nach Wayaka 3. Kein Sandstrand, dafür Ruhe. Und im Wasser sind es letztlich die gleichen Korallen und Fische, die sich mal wieder in schönster Pracht präsentieren.
Wayaka 3Salina Wayaka
Samuel geht natürlich auch hier auf Vogelpirsch…
Vorbei an der namensgebenden und ausgesprochen gut besuchten Slagbaai machen wir uns auf den Rückweg. Das sind immerhin noch einige Kilometer Piste, die sich durchaus in die Länge ziehen. Wieder fahren wir durch die zugleich karge wie auch grüne Landschaft. So viele Kakteen wie heute haben wir wirklich noch nie auf einem Flecken gesehen. Immer wieder huschen Eidechsen über die Straße, ein paar Ziegen durch die Büsche oder Vögel auf die Kakteen, während wir über die Piste rumpeln.
Salina SlagbaaiDie lange Piste…… zurück zum Parkausgang.
Unsere Zeit in Bonaire neigt sich dem Ende zu. Es ist hier wirklich schön, doch wir haben ja leider nicht ewig Zeit. Doch bevor wir die Leinen loswerfen, stehen noch ein paar Vorbereitungen an. Wir wissen ja noch nicht einmal, wie lang der nächste Schlag nach Barbados wird. Aber das ist ein anderes Thema.
21. Januar 2022
Heute wollen wir die Gasflaschen wieder auffüllen lassen. Das sollte hier in Bonarie eigentlich möglich sein. Frohgemut fahre ich also zum ansässigen Gas-Anbieter Curoil. Der Weg führt über unbefestigte Piste! Vor Ort dann die Ernüchterung. Ja, er könne meine Flaschen durchaus füllen. Dafür müssen sie (wie alle anderen Gasflaschen!) jedoch nach Curaçao geschafft werden. Dauer etwa zwei Wochen. Na, das ist dann wohl keine Option. Wir haben jetzt noch eine halbe graue 5kg-Flasche, unsere kleine blaue 2,5kg-Flasche und als letzten Notanker noch eine 5kg-Flasche aus Chile… aber da müsste ich erst noch ein bisschen improvisieren. Na es wird auch so schon reichen.
Am späten Nachmittag erledigen wir noch größere Einkäufe bei BonDiGro. Von außen unscheinbar und von innen mit dem Charme einer staubigen Lagerhalle bietet der Laden ein gut sortiertes Konservensortiment zu vergleichsweise verführerischen Preisen. La Skipper schlägt erbarmungslos zu. Alleine 36 große Dosen mit Eintopf, 10x Würstchen, 20 Packungen passierte Tomaten, ungezählte Gemüsevariationen und vieles mehr. Das Dinghy auf dem Weg zur Samai liegt gleich mal ein paar Zentimeter tiefer. Muss sein! ;-)
22. Januar 2022
Am Mittag müssen wir den Wagen abgeben. Bis dahin ist noch viel zu tun. Der erste Weg führt zur Magero Laundry . Schon wieder haben sich drei große und eine kleine Maschine angesammelt. Wir nutzen aber auch gerne die Gelegenheit, das komplette Bettzeug und alle Handtücher nochmal richtig durchzuwaschen. La Skipper hat sich dabei spontan in die zwei Riesen-Trockner verliebt. Einer davon schluckt tatsächlich unser ganzes Zeug. Netter Nebeneffekt ist, dass die Wäscherei das vermutlich schnellste freie Internet der ganzen Insel hat. Hier lassen sich sogar gut 2GB-große NFL-Übertragungen problemlos laden!
Danach geht es zur Habour Village Marina. Der nette Skipper von unserem Nachbarn „eight“ meinte, dass wir unsere Gasflasche hier füllen lassen können. Dauert nur zwei Tage. Die nette Dame verspricht uns, es schon bis Montag zu versuchen. Super!
Tja und dann erledigen wir noch die letzten Groß-, Mittel- und Kleineinkäufe bei unseren drei üblichen Verdächtigen BonDiGro (nur noch ein paar Kleinigkeiten), Warehouse (gut sortiert und vergleichsweise günstig), Van Den Tweel (bestes Sortiment der Insel, dafür etwas teurer) und einem kleinen Spirituosen-Laden. Der Skipper möchte Rasmus für den bevorstehenden Törn gnädig stimmen. Sonst gäbe es natürlich keinen Grund… ;-)
Zurück am Steg fährt La Skipper das beladene Dinghy zur Samai, während der Skipper das Auto weiter auslädt. Drei Fuhren kommen zusammen. Bonaire ist bis auf weiteres die günstigste Möglichkeit zur Verproviantierung. Und schließlich sind wir ja auch eine vierköpfige Familie mit entsprechendem Verbrauch. Beim Stauen zeigt unsere kleine Samai mal wieder ihr Talent als Raumwunder. Wie gewohnt bekommen wir alles unter und finden sogar noch Platz für uns. So, jetzt wären wir fast fertig.
24. Januar 2022
La Skipper hat gewisse Dauerbedenken, was die Dieselqualität angeht. Darum decken wir uns hier mit einer ausreichenden Menge „Biobor JF Diesel Biocide“ ein. Doch einfach nur rein schütten geht natürlich nicht. Sie möchte sich einen persönlichen Eindruck von der biologischen Durchseuchung unseres Dieseltanks machen, weshalb wir ihn halt mal wieder aufschrauben. Was soll ich sagen?! Sieht richtig gut aus. Ein bisschen von dem angeblichen Wundermittel schütten wir trotzdem rein. Sicher ist sicher! ;-)
Sieht gut aus im Dieseltank!
28. Januar 2022
An dieser Stelle noch ein halbes Wort zu DHL: SCH….! Meine Eltern haben am 13. Dezember ein kleines „knapp-2kg-Päckchen“ für uns aufgegeben. Trotz extra bezahlter Sendungsverfolgung (und Versicherung) tut sich wochenlang nichts. Wir fragen schon hier in Bonaire beim Zoll nach. Auch in Deutschland wird regelmäßig nachgehakt. Bringt alles nichts. Am 11. Januar, also nach gut vier Wochen dann die ebenso erleichternde wie unglaubliche Nachricht: Das Päckchen hat heute das Paketzentrum Frankfurt/M verlassen. Wir können es nicht fassen. Am 14. Januar kommt es im benachbarten Curaçao an, von wo es sich am 19. Januar angeblich wieder aufmacht. Hoffentlich in unsere Richtung?! Eigentlich ist es nur ein kleiner Hüpfer, die Nachbarinsel fast schon in Sichtweite. Doch es tut sich wieder fast eine Woche gar nichts. Ich frage erfolglos bei der Post nach.
Es dauert noch bis zum 27. Januar, bis das Päckchen endlich hier in Bonaire als Eingang erfasst wird. Am 28. Januar, früh am morgen wurde das Päckchen vom Zoll freigegeben, laufe ich zur Post. „Yes, it is here!“ Mit diesen Worten geht die nette Dame nach hinten und kommt eine ganze Weile nicht wieder. Das Päckchen ist aktuell nicht auffindbar. Ohne Worte. Später am Nachmittag der nächste Versuch. Schon beim Reinkommen sehe ich ein kleines Päckchen neben der Dame auf dem Schreibtisch liegen. Endlich halten wir es in den Händen! Nach 46 Tagen!! Die von DHL angegebene Regellaufzeit beträgt übrigens 8-12 Tage!!!
Wie auch immer. Damit gibt es für uns keinen Vorwand, länger auf der Insel zu bleiben. Wir müssen weiter. Noch eine letzte kurze Waschmaschine, einige letzte Downloads, ein letzter „kleiner“ Einkauf (Schnauf!) und wir melden uns ab. Auf zu neuen Ufern!
Die SY Sissi hat aktuell eine 2-Mann-Crew. Jörgs Neffe Eike ist für ein paar Wochen gekommen, um zusammen das Boot von Aruba über Bonaire weiter Richtung Antillenbogen zu bringen. Die erste Etappe hat bekanntlich geklappt… wenn auch nicht frei von Übelkeit. Jetzt liegt die Sissi nicht weit entfernt neben uns. Wie viele Boote muss auch sie hin und wieder den Motor zum Laden der Batterien anwerfen. Eigentlich muss sie dass sogar recht häufig. Schon bald werde ich erfahren, dass zwei der Batterien endgültig die Grätsche gemacht haben. Wie auch immer, es besteht der publizierte Vorsatz, die Motorstunden für Bootsausflüge an die hier überall vorhandenen gelben Tauchmoorings zu nutzen. Aber wenn hinter so einem Vorsatz keine quengelnden Kinder stehen… nun ja, decken wir den Mantel des Schweigens darüber.
Langer Rede kurzer Sinn… wir können es nicht verantworten, dass Eike hier nicht einmal einen Ausflug nach Klein Bonaire unternommen hat und werfen, wie bei einem gemeinsamen Essen bei „Beer & Burgers“ vereinbart, heute morgen kurzerhand das Dinghy an unsere Mooring und gleich danach die Leinen los. Ein kleiner Tagesausflug zu fünft. Das machen wir auch wirklich gerne. Ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass man keine zweite Chance für einen ersten Eindruck bekommt. Es ist aber auch unbestritten so, dass man ein Buch nicht nach dem Einband beurteilen soll. Das ist auch ein Leitspruch von Eike und wir merken sehr schnell, dass hinter dieser auf den ersten Blick ungewöhnlichen Fassade eines 23-Jährigen ein echt netter Kerl steckt!
Dazu ist er auch noch gelernter Bäcker. Schon vor ein paar Tagen hat er uns ein echt leckeres Zwiebelbrot vorbei gebracht. Heute ist er für die Frühstücksbrötchen zuständig und der Skipper erkennt neidlos an, dass das die mit Abstand fluffigsten Brötchen sind, die unser Ofen jemals ausgespuckt hat. Sehr lecker… vielen Dank!
Das Wetter ist heute etwas wechselhaft. Einmal zieht gar eine dicke Wind-und-Regen-Front durch. Unserem Spaß tut das keinen Abbruch. Wir tingeln von Mooring zu Mooring und erkunden die Unterwasserwelt. Das Riff und die Vielfalt hier in Klein Bonaire bieten dann doch noch mal etwas anderes, als die Schnorchelausflüge an der Mooring vor Kralendijk. Einfach nur toll. An dieser Stelle nur ein paar wenige, unkommentierte Eindrücke…
Irgendwann, kurz nachdem Samuel unserem Gast die Maststufen der Samai gezeigt hat, höre ich hinter mir Eikes leises Murmeln, dass es jetzt wohl ein schlechtes Vorbild sei, wenn er von der ersten Saling springen würde. Nö! Wieso? Ich frage Samuel schon länger, wann er sich das denn mal traut. So ist es nun also Eike, der den ersten Sprung aus gut 7m Höhe von der ersten Saling der Samai wagt.
Noch skeptisch…… aber mutig!
Eikes erster Sprung von der ersten Saling
Samuel schaut anfangs noch recht skeptisch. Eike ist dagegen kaum noch zu bremsen. Beim ersten Mal sich noch sehr langsam voran tastend, wird er immer sicherer. Ein ums andere Mal klettert er hoch und spring runter. Das Grinsen geht im nicht mehr aus dem Gesicht!
Auf zur nächsten Mooring…
Dann schließlich nimmt auch Samuel sein Herz in die Hand und klettert auf die ihm ach so bekannte Höhe. Schon in der Antarktis und natürlich auch in San Blas / Guna Yala hat er der Samai von der ersten Saling schon oft den rechten Weg gewiesen. Heute nun tastet er sich erstmals an den Rand… und… springt! BRAVO!!!
Samuels erster Sprung von der ersten Saling
Derweil geht Eikes Blick hoch zur zweiten Saling. Ich sage ihm gleich, dass er da definitiv nicht ungesichert hochgehen wird. Danach dauert es nur etwa eine halbe Stunde, bis ich die im Grunde erwartete Frage höre: „Micha, kannst Du mich sichern?“ Ok, warum nicht. Mit Klettergurt am Gennakerfall gesichert klettert er den Mast bis zur zweiten Saling hoch. Das sind dann so etwa 14m über der Wasserlinie. Und da fühlt sich jeder Zentimeter von oben nochmal doppelt so hoch an, wie von unten betrachtet. Er stellt sich hin und überschreitet den „Point of no return“. Nach dem Lösen der Sicherung bleibt als einziger Weg nach unten der Sprung ins Wasser.
Erste Saling (gut 7m)Zweite Saling (ca. 14m)
Eikes einziger Sprung von der zweiten Saling
Es bleibt heute der einzige Sprung aus dieser Höhe. Danach lassen es sich unsere mutigen Jungs aber nicht nehmen, noch einmal parallel ins Wasser zu springen.
Wir lassen den Ausflug so langsam ausklingen. Noch eine kleine Kajak-Tour. Noch etwas Schnorcheln. Und zugegebener Maßen auch noch ein Bierchen. So kommt jeder auf seine Kosten und wir machen uns glücklich, aber auch ein bisschen müde auf den Rückweg.
Eine neue Kajak-Kombination…… mit Ballast ;-)Sehr flott unterwegs!
Der Ausflug mit Eike nach Klein Bonaire hat sich für uns alle gelohnt… ein wirklich schöner Tag!