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Vielen Dank für die lieben Kommentare!!!

Ich weiß ja, dass am Ende der aktuellen Beträge immer der Hinweis steht, dass Kommentare momentan nicht gelesen und freigegeben werden können. Im Grunde ist das auch völlig korrekt. Über Satellitentelefon* können wir uns dafür nicht bei WordPress anmelden und auch unsere normalen Emails erreichen uns hier nicht auf direktem Wege. Aber wir haben ganz liebe Hilfe aus Berlin. Mein Vater prüft sporadisch unsere Emails auf wichtige Post und hat uns nun auch mal die ganzen WordPress-Nachrichten über Eure Kommentare weiter geleitet.

Zuallererst gaaaaaaaaanz vielen lieben Dank dafür.
Wir haben uns wirklich SEHR gefreut!

Und weil wir uns so freuen, haben wir (also meine Eltern und ich) nun zusammen für die notwendigen Freigaben gesorgt. Das wollen wir auch in Zukunft so machen. Hiermit sei also bestätigt, dass wir auch zukünftig Kommentare relativ(!) zeitnah lesen und freigeben können. Eines bleibt allerdings unverändert: Antworten können (und werden!) wir erst dann, wenn wir „richtiges“ Internet haben. Umso besser, je mehr dann zu tun ist ;-)

Vielen Dank für die lieben Kommentare!!!

* Die noch langsamere Alternative über Kurzwelle funktioniert momentan leider gar nicht. Ende letzten Jahres ist das Haus mit der Sailmail-Station in Chile abgebrannt. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen, aber das Equipment ist hinüber. Bis zum Wiederaufbau ist dieser Kommunikationsweg in unserer Region also versperrt. Doch schon bald sind wir in besserer Reichweite für die Stationen in Panama

Weiter nach Norden (3) – Parasailor und Motor

Pazifik, 9./10. Januar 2021

Hätte-hätte-Fahrradkette anscheinend waren wir doch eine Nacht zu lange bei der Isla Robinson Crusoe. Der erwartete Vorteil schwächerer Wellen ist teuer erkauft. Die angekündigten Wolken bleiben zwar aus und wir genießen schönstes Sommersonnenwetter auf dem Pazifik. Sonnencreme ist Pflicht! Die Vorhersage wird jedoch auch immer schwachwindiger. Im Grunde sind 4 Bft. toller Segelwind. Es sei denn, er kommt genau von hinten. Da schlägt dann wieder die Magie des scheinbaren Windes zu. Für jeden Knoten Geschwindigkeit wird der Segelwind schwächer. Außerdem bringt es nichts, das Vorsegel zu setzen, da es in der Abdeckung des Großsegels nur mehr ein schlagender Lappen ist.

Doch wir haben da ja noch ein so richtig großes Vorsegel an Bord. Nach einer gefühlten Ewigkeit holen wir mal wieder unseren bunten 156qm-Parasailor raus. Für den sind beständige 4 Bft. eigentlich ideal. Wie geht das doch gleich nochmal? Man sollte die Handhabung schon etwas öfter üben. Zukünftig sollten wir mehr Gelegenheit dazu bekommen als auf den bisherigen Etappen unserer Reise.

Vom Entschluss zum gesetzten Segel vergeht etwa eine halbe Stunde. Und das große bunte Tuch zieht tatsächlich richtig gut. Herrlich, so muss das sein. Zumindest für ein paar Minuten. Kurz danach geht der Wind weiter runter auf 3 Bft. Immerhin schaffen wir bei 8-9kn wahrem Wind, also gut 5kn scheinbaren (Segel-)Wind noch gut 3kn Fahrt über Grund. Trotzdem ist es nach zwei Stunden schon wieder vorbei. Bei nur noch 2 Bft. geht der Parasilor runter und die eiserne Genua an. Es soll bis zu unserem nächsten Ziel dabei bleiben.

Wir fahren also also unter Motor weiter nach Norden. Um das als alter Europäer besser einordnen zu können, habe ich mir mal unsere aktuellen südlichen Breiten angeschaut und auf nördliche Breiten heimischer Gefilde umgesetzt.

  • Der Start in Valdivia (39°50S) ist auf der Nordhalbkugel vergleichbar mit dem Norden Mallorcas.
  • Erster Zwischenstopp Isla Robinson Crusoe (33°38S) liegt jenseits des Äquators auf dem gleichen Breitengrad wie das tunesische Urlaubsziel Djerba.
  • Der nächste Zwischenstopp Isla San Felix (26°17S) wäre im Norden dann schon etwas nördlich des ägyptischen Luxor bzw. 200km südlich der Kanarischen Inseln.
  • Der Zielhafen Puerto Lucia in Ecuador (02°13S) liegt dicht unter dem Äquator. Die kleine Reise von Norden kommend wäre das mitten in Uganda, gleich nördlich des Victoriasees.

Die zwei letzten Nächte teilen wir uns zur Abwechslung mal auf. Der noch müde Skipper verschläft den Abend und übernimmt gegen 2 Uhr von La Skipper. Viel zu tun ist tatsächlich nicht. Wir sehen nicht ein einziges AIS-Signal oder gar anderes Licht als das von Sonne, Mond und Sternen. Einsame Gegend hier knapp 500sm vor der chilenischen Küste.

Am frühen Nachmittag des dritten Tages ist es dann soweit: Land in Sicht! Voraus liegen die Islas Desventuradas, der voraussichtlich letzte Stopp vor Ecuador mal schauen, ob das klappt.

Isla San Felix voraus

Laaaaaaangweilig!?!?

Pazifik, 9. Januar 2021

Hmmm… interessiert das hier eigentlich irgendwen? Die letzten Tage und kommenden Wochen sind ja weitgehend von Bordalltag geprägt. Keine großen Abenteuer im ewigen Eis oder in Patagonien, keine Erkundung unbekannter Länder oder traumhafter Eilande, keine Begegnungen mit tollen Menschen oder störrischen Autoritäten. Ja, all das und noch mehr findet sich (zumindest ansatzweise) beim Stöbern in unserem Archiv. Doch aktuell geht es im Grunde nur um eine durchschnittliche Familie auf einem kleinen Boot auf einem großen Ozean. Und dazu gibt es zurzeit nicht einmal Bilder. Laaaaaaangweilig!?!?

Vielleicht, und doch hoffentlich nicht zu sehr. Auch diese Dinge gehört zu dem, was wir hier so treiben. Und das ist zugegebener Maßen etwas, was nicht jeder so treibt. Der Mensch vergisst ach so schnell und wir möchten uns erinnern. Ja, unsere zukünftigen Selbst sind Zielgruppe dieser Zeilen. Von denen sind wir ziemlich sicher, dass sie das interessiert. Familie und Freunde sind Zielgruppe dieser Zeilen. Von denen können wir begründet vermuten, dass sie das interessiert. Jeder interessierte Leser ist Zielgruppe dieser Zeilen. Doch hier bleiben ohne Feedback alleine die Fragezeichen.

Unabhängig davon, wer unseren Blog liest, hegen wir die (bisher zum Glück selten enttäuschte) Hoffnung einer positiven Grundeinstellung uns und unserer Reise gegenüber. Wir versuchen hier möglichst authentisch zu berichten. Unvergessliche Erlebnisse, aber kein Abenteuerroman. Tolle Fotos, aber kein Hochglanzreiseprospekt. Positive Erfahrungen, aber keine Schönfärberei. Auch die schlechten Tage nicht verdrängen, auch den Alltag nicht vergessen, auch den kleinen Dingen ihren Raum geben, auch abseitige Gedanken nicht unterdrücken.

Keine Ahnung, ob wir diesem, unserem Anspruch gerecht werden. Doch wir versuchen es immer wieder und versuchen es immer weiter. Wir freuen uns über jede Begleitung auf dem Weg und haben natürlich auch kein Problem damit, wenn subjektiv Langweiliges kaum mehr als überflogen wird so machen wir das selbst ja auch ;-)

In diesem Sinne von Herzen Dank, dass ihr bei uns seid!

Weiter nach Norden (2) – Segelalltag

Pazifik, 8. Januar 2021

Ja, die kleine Gelbschwanzmakrele war echt lecker. Ich hätte zugegebener Maßen von selbst darauf kommen können. Schließlich suchte ich in unserer super-praktischen Offline-Wikipedia (Stichwort Kiwix) ja unter anderem auch nach Makrelen. Aber gut, wenn man seinen heimischen Fischexperten befragen kann.

So schön wir in die letzte Nacht hinein segeln können, so weniger schön lässt dann auch schon bald der Wind nach. Wir müssen also leider mal wieder den Motor zu Hilfe nehmen. Wenigstens nicht gegenan. Die kleinen Glaskalmare scheint das jedoch nicht zu stören. Derer gleich vier finden wir auf dem morgendlichen Deck. Fliegende Fische haben wir auf dem Pazifik dagegen noch nicht gesichtet.

Schule muss sein!

Auch sonst machen wir mal einen Tag Fischpause. Der Skipper improvisiert dafür einen würzigen Shepherds Pie auf den Tisch. Und wenn der Ofen schon mal aufgeheizt ist, kann man ja gleich noch einen Apfelkuchen und eine Zitronentarte hinterher schieben die gehen an Bord immer gut weg.

Kuchen geht immer gut weg

So fahren wir nach einem sonnigen Tag weiter unter Motor in die zweite Nacht. Während der Skipper sich noch eine abendliche Mütze Schlaf gönnt, nimmt der Wind endlich wieder zu. Halb zwei geht das Groß hoch, der Bullenstander ist gesetzt, endlich Ruhe an Bord und wir treffen sogar fast unseren Kurs. Gut die halbe Strecke zu den Islas Desventuradas ist geschafft morgen Nachmittag sollten wir ankommen.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 210107-sonnenuntergang.jpg.

Weiter nach Norden (1) – Gelbschwanzmakrele

Pazifik, 7. Januar 2021

Ja, zugegebener Maßen haben wir noch einen weiteren Tag in der Bahía Cumberland verbracht, doch heute morgen haben wir die Isla Robinson Crusoe endlich achteraus gelassen. Der Nieselregen lässt den Abschied leicht fallen.

Schon bald kommt die Angel wieder zum Einsatz. Der letzte Happen Thunfisch ist gegessen und normalerweise dauert das mit dem Fischefangen ja auch gerne mal seine Zeit. Nicht so heute. Der Köder ist kaum um Wasser, ich stelle gerade die Bremse ein, da wird auch schon Leine rausgezogen. Oh ja, das ist wieder ein kapitaler Fang. Eine ungesunde Mischung aus Übermut und Ungeduld sorgen jedoch für dreifachen Verlust. Fisch, Köder und ordentliche Leine sind verloren. Schade.

Etwas später soll das Großsegel gesetzt werden. Nur noch rasch die mit neuem Köder versehene Angel einholen. Genau dabei passiert es. Mitten beim Aufrollen erfolgt ein Biss. Kulinarische Abwechslung. Mit seinen 63cm bringt der elegante Fisch zwar nur gut 2kg auf die Waage, doch es reicht für vier große Filets zum Abendessen. Manchmal braucht es so wenig. Bei schönstem Sonnenschein, nur mit Großsegel vor dem Wind, schaukeln wir durch 3m-Schwell und genießen tja, wenn wir das nur wüssten. Ja, es war sehr lecker, aber die Bestimmung des Festmahls steht noch aus und wird nachgereicht ;-)

Vorher…
Nachher…
Lecker!!!

Ansonsten ist es wieder ein typischer erster Segeltag. Das Sofa im Salon ist zur Liegefläche ausgebaut. Es wird viel gelegen, gelesen, gehört und zwischendurch mal gespielt. Das Beste ist natürlich, dass wir nach eher flauem Beginn nun in die Nacht segeln Äquator voraus, Kurs Nord!