Zurück im Regenwald

21.-23. März 2022

Den dritten Tag in Folge fährt uns der immer zuverlässige Sugrim zum Flughafen. Wieder checken wir in einer kreativen Abflughalle ein und wieder werden wir gewogen. Dieses Mal jedoch leider nicht inkl. Handgepäck. Das geht extra und sorgt für Übergepäck. Immerhin nicht allzu teuer, trotzdem ärgerlich. Immerhin weist man uns (augenscheinlich einzigen Ausländern) die überraschend luxuriöse Warte-Lounge zu.

Die heutige Propellermaschine ist wirklich rustikal. Vor dem Abflug klopft der mit seinem Flugzeug augenscheinlich gemeinsam in Würde gealterte Pilot gegen die wichtigsten Instrumente… und ist zufrieden. Sicher heben wir ab. Einen Autopiloten gibt es heute wohl nicht. Die Hände bleiben (fast ;-) ständig am Steuerhebel…

Alle Instrumente sind abgeklopft…
… es kann also losgehen.
Hand am Steuer, Augen auf dem Papier!
Fairview Airstrip

Nach gut einer Stunden landen wir auf dem Fairview Airstrip. Eine Sandpiste im Dschungel. Unser Fahrer wartet schon. Der Pilot reicht noch kurz unseren großen grünen Seesack durch das Fenster raus und schon kann es losgehen. Schnell sind wir auf DEM Highway Guyanas.

Auf einer Strecke von ca. 550km verbindet die Hauptverkehrsader die an der nördlichen Küste gelegene Hauptstadt Georgetown mit dem südlichen Nachbarn Brasilien, genauer gesagt der Grenzstadt Lethem. Aktuell befinden wir uns auf etwa 2/3 dieses langen Weges mitten im Iwokrama Forest Reserve. Zurück im Regenwald!

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die Atta Rainforest Lodge. Auf einem in den Wald geschlagenen Rechteck stehen neben dem Haupthaus einige Unterkünfte für bis zu 16 Gäste. Nur knapp die Hälfte ist belegt.

Gemeinschaftshaus
Gästehäuser

Kurz nach dem ersten Mittagessen unternehmen wir einen kleinen Waldspaziergang. Neben beeindruckend lauten Vögeln, von dem Samuel noch berichten wird, erspäht unser Adlerauge Maila auch zwei rote Brüllaffen in den hohen Baumwipfeln.

Red Howler Monkey

Ansonsten lohnt sich – wie so oft im Regenwald – der Blick für das Detail. Wir entdecken kleine Spinnen, gehörnte Bullenameisen, Blüten, Früchte und Nüsse an den teils skurril wachsenden Bäumen und am Boden.

Später besuchen wir den Iwokrama Canopy Walkway. In beachtlicher Höhe hat man hier kleine, mit wackeligen Hängebrücken verbundene Plattformen an drei Baumriesen gebaut. Man steht praktisch im obersten Stockwerk. Der Ausblick über den Wald ist wirklich schön. Sowohl bei unserem ersten Sonnenuntergang, als auch unserem letzten Sonnenaufgang in der Atta Lodge, die wir beide hier oben verbringen, glänzt die Tierwelt jedoch durch weitgehende Abwesenheit. Nur Moskitos gibt es im Überfluss. Schade.

Nach einer ruhigen Nacht gehen wir pünktlich zum Sonnenaufgang auf einen Spaziergang zum Highway. Dabei sehen wir viele Vögel, über die Samuel noch berichten wird.

Wespennest

Nach dem Frühstück machen wir den nächsten Waldspaziergang. Auch hier keine großen Entdeckungen. Dafür wieder einige Vögel, viele Details und natürlich Regenwaldatmosphäre.

Am Nachmittag gehen wir nochmal zum Highway. Vielleicht finden wir ja eine Anakonda, die sich am Straßenwand sonnt. Oder ziehen wir sogar das große Los? Gerade am Vorabend hat unser Guide bei der Fahrt in sein Dorf einen Jaguar am Waldrand erspäht. Doch wir haben kein Glück. Wenigstens regnet es nicht.

Unsere Mädels verabschieden sich zur Lodge. Auf dem Weg treffen sie noch auf die anderen Gäste. Sie schauen mit ihrem Guide angestrengt in den Wald. Ein Weißkopfsaki schaut neugierig zurück.

Weißkopfsaki

Die Jungs gehen derweil weiter zu einer kleinen Brücke und schlagen sich durch das Unterholz an das Flussufer. Wir haben Angelhaken und Leine dabei und unser Guide hat aus der Küche für Hühnchenköder gesorgt. Mal sehen, ob wir ein paar Piranhas rausziehen. Immer wieder zappelt es an der Leine, aber echten Erfolg haben wir nur einmal. Ausgerechnet der Skipper zieht einen kleinen, welsartigen Catfish raus.

Da unten ist unser Angelplatz
Später gehen wir auf die Brücke
Petri Dank!

Der Koch ist so nett, ihn als kleines Extra für unser Abendessen zuzubereiten.

Catfish… frisch gefangen und sehr lecker!

Kaieteur-Wasserfälle

20. März 2022

Heute Nachmittag besuchen wir DIE Touristenattraktion von Guyana: die Kaieteur-Wasserfälle (… sprich: Kaitschua!). Obwohl es streng genommen ja nur ein richtig großer Wasserfall ist, mit dem der Potaro-Fluss vom Hochland in das Tiefland Guyanas wechselt.

Auf einer Breite von bis zu 113m stürzen die Wassermassen in einer einzigen Stufe eine 226m hohe Sandsteinklippe hinab. Einige steile Kaskaden später sind die insgesamt 251m Höhenunterschied überwunden. In der Liste der höchsten Wasserfälle weltweit belegt er damit zwar nur Platz 123. Berücksichtigt man allerdings die Wassermenge, so haben wir hier „the world’s largest single drop waterfall by the volume of water flowing over it“.

Der einzige Haken an der Sache ist, dass dieser imposante Wasserfall gut 230km im Landesinneren von Guyana liegt. Kein Problem. Kann man problemlos als Halbtagesausflug buchen. Natürlich mit dem Propellerflugzeug.

Check-In für Kaeiteur!
Wieder eine kleine Propellermaschine
Auf den letzten Platz besetzt.

Nach dem Start drehen wir noch eine schöne Runde um Georgetown, bevor wir über den Dschungel des Landesinneren gen Süden fliegen. Leider sehen wir auch hier immer wieder mal die Zeugnisse menschlicher Eingriffe.

Georgetown vom Wasser aus
Scheinbar endloser Regenwald…
… allerdings nicht unberührt :-(
Das Hochplateau beginnt…

Vor der Landung dreht der Pilot noch eine Extrarunde vor dem schon aus der Luft beeindruckenden Wasserfall. Obwohl wir offiziell gerade in einer kurzen Trockenperiode sind, hat es doch soviel geregnet, dass das Wasser über die volle Breite hinunterstürzt.

Erster Blick auf die Kaeiteur-Fälle

Nach der Landung noch ein kurzer „Hygienestopp“ und schon stapft unser „Guide“ (dazu unten mehr) los. Unsere kleine Gruppe folgt brav. Wenn auch eine Dame bei der Schuhauswahl mit ihren schicken Zehensandalen etwas daneben liegt. Sie hält tapfer mit.

Landeanflug
Abmarsch!

Vom ersten Aussichtspunkt „Boy Scout’s View“ bekommen wir schon mal einen Eindruck von der Größe und der Kraft des noch etwas weiter entfernten Wasserfalls.

Die „Rainbow View“ macht ihrem Namen erst einmal noch nicht alle Ehre. Das ändert sich, als kurz danach die Sonne rauskommt.

Am dritten (und letzten) Stopp sind wir den Wassermassen dann schon sehr nahe gekommen. Zwar würde der pittoreske Felsvorsprung vor uns ein perfektes Bild für ein Familienfoto abgeben. Der Zugang ist für Touristen jedoch seit über 10 Jahren gesperrt. Der Grund ist – letztlich leider wenig überraschend – ein damaliger Selbstmord. Allerdings wäre so ein Vorhaben auch heute noch an jedem Aussichtspunkt leicht zu bewerkstelligen. Ich sage mal so… in manch anderem Land würden Absperrungen die Aussicht stören. So genießen wir das Glück, in einem trockenen Moment die nasse Kraft vor uns in die Tiefe stürzen zu sehen. Kaieteur ist wirklich beeindruckend!!!

Der Vorsprung da hinten ist gesperrt…

So, hier würden jetzt wohl die meisten Blogberichte enden. Alles toll, super, genial… einfach perfekt. Aber so können und wollen wir nicht schreiben. Also, was haben wir heute schon wieder zu meckern?

Eigentlich hatten wir den Ganztagesausflug mit einem zweiten Stopp bei den Orinduik-Wasserfällen gebucht. Dieser wurde jedoch einen Tag vorher abgesagt, weil es wohl nicht genug Reservierungen gab. Zum Glück haben wir noch die letzten vier Plätze für die abgespeckte Version bekommen. Nicht auszumalen, wenn das komplett ins Wasser gefallen wäre.

Aber so waren wir ja bei den Kaieteur-Fällen und die waren und sind auch wirklich beeindruckend. Allerdings grenzte das Verhalten unseres sogenannten „Guides“ an Arbeitsverweigerung. Er zeigt den Weg und auf die Uhr, wenn er weiter will. Das war es dann aber auch schon. Den ersten Aussichtspunkt „Johnson’s View“ lässt er dabei schlichtweg aus. Ebenso gibt er keinerlei Erklärungen, z.B. zu den beeindruckenden Bromelien.

In diesen Bromelien findet man auch den ausschließlich hier bei den Kaieteur-Fällen lebenden „goldenen Frosch“. Wir können deutlich die markanten Laute kleiner Frösche in der Umgebung hören. Alleine verweigert unser „Guide“ jeden Versuch, in auch nur einer Bromelie danach zu schauen. Ist ja allgemein bekannt, dass Frösche bei feuchtem Wetter nicht rauskommen.

Kein Frosch, aber immerhin Kaulquappen…
… und eine Fangschrecke

Last but not least gibt es hier gute Chancen, den farbenprächtigen „Cock-of-the-Rock“ zu erspähen. Eine in dieser Gegend endemische Vogelart mit knall-orangen Männchen. Muss ich weiter schreiben? Zum Glück werden wir diese besondere Sichtung in ein paar Tagen nachholen können.

Wie auch immer… Pech gehabt. Trotzdem sind die Kaieteur-Wasserfälle wirklich beeindruckend und den Ausflug absolut wert!

St. George’s Cathedral in Guyana

Georgetown, 20. März 2022

Ähnlich wie Suriname zeichnet sich die Bevölkerung von Guyana durch eine große ethnische Vielfalt aus: über 40% indische, ca. 30% afrikanische, knapp 20% gemischte und knapp 10% indigene Herkunft plus ein paar Chinesen und Portugiesen. Das spiegelt sich auch in den vertretenen Religionen wider, wobei die über 50% Christen (verschiedenster Richtungen!) für missionarische Erfolge während der Kolonialzeit sprechen. Dazu kommen gut 30% Hindus, etwa 7% Muslime, einige Atheisten plus Rastafari sowie natürlich verschiedene ethnische Religionen indigener Völker. Und im Gegensatz zu unerfreulich vielen anderen Teilen der Welt gibt es praktische keinerlei religiöse Differenzen. Die christlichen Ostern und Weihnachten sind ebenso von allen begangene Feiertage wie die hinduistischen Holi und Diwali sowie das islamische Opferfest und Maulid an-Nabī. Auch hier zeigen sich Ähnlichkeiten zwischen Guyana und Suriname.

Eine andere Gemeinsamkeit der zwei Nachbarländer ist das friedlichen Nebeneinander der verschiedenen Gotteshäuser. Und beide Hauptstädte haben eine beachtliche, Ende des 19. Jahrhunderts gebaute, jeweils über 40m hohe Holzkathedrale! Heute besuchen wir die anglikanische St. George’s Cathedral in Guyanas Hauptstadt Georgetown.

Schon von weitem sehen wir den weiß strahlenden Turm über die benachbarten Dächer ragen. Das tut er nun schon über 100 Jahre lang. Auf dem Standort verschiedener Vorgängerkirchen wird der heutige Bau am 21. November 1889 begonnen, am 8. November 1894 geweiht und 1899 abgeschlossen. Und die Kathedrale ist wirklich komplett aus Holz. Mit seinen 143ft (43,5m) hohen Turm ist sie so lange die höchste Holzkirche der Welt, bis 2003 die rumänische Peri-Săpânţa Monastery (246ft!) fertig gestellt wird.

Wir haben Glück. Der sonntägliche Gottesdienst scheint noch nicht lange beendet, so dass die Türen noch offen stehen. Einige Tage später erfahren wir, dass das in den aktuellen Zeiten nicht üblich sei. So bekommen wir eine seltene Chance, die anglikanische Kathedrale im gotischen Stil nicht nur von außen, sondern auch von innen zu besichtigen. Es lohnt sich.

Nur der kleine Seiteneingang ist geöffnet

Auf der Ostseite dominiert ein großer, von Buntglasfenstern umrahmter Hochaltar im Kirchenchor den Innenraum. Ein echter Hingucker ist die Orgel direkt daneben.

Dem gegenüber sind die restlichen Fenster einfarbig in Lila- bzw. Gelbtönen gehalten und tauchen den Innenraum in ein besonderes Licht. Überall erinnern Gedenktafeln und fast schon unscheinbar in einer hinteren Ecke steht ein wunderschönes Taufbecken.

Als Gottesdienstbesucher sollte man sich jedoch seinen Sitzplatz gut überlegen. Unübersehbare Spuren auf den dicken Querbalken unter der Decke bezeugen, dass nicht nur Menschen sich hier wohlfühlen.

Das ist aber nur eine kleine Randnotiz und kann den Gesamteindruck nicht schmälern. Die St. George’s Cathedral ist ein Ruhepol inmitten des oft chaotischen Georgetown und wirklich ein wunderschönes Gotteshaus.

Auch die Sint-Petrus-en-Pauluskathedraal in Suriname ist einen Besuch wert!

7 Curry Tour in Georgetown

19. März 2022

Gleich nach unserer Ankunft in Guyana geht es auch schon mit dem Programm los. Im Hotel ist das Zimmer natürlich noch nicht bereit, also werfen wir unser Gepäck nur schnell in der Lobby ab. Dort warten auch schon der „Singing Chef“ Eon und seine langjährige Managerin sowie recht frisch gebackene Ehefrau Jessica auf uns. Los geht es auf die 7 Curry Tour durch Georgetown.

Vorab nur kurz zur Begriffsklärung. Wir Deutsche mögen unter „Curry“ vor allem ein gelbes Pulver verstehen. Damit kann im linguistischen Herkunftsland Indien jedoch niemand etwas anfangen. Dort ist ein Curry einfach nur ein Eintopfgericht. Und da über 40% der Einwohner Guyanas indische Wurzeln haben, ist das hier nicht anders. Bevor wir uns jedoch den kulinarischen Höhepunkten des Tages hingeben können, stehen uns etwas Arbeit, Entdeckungen und viele neue Eindrücke bevor.

Zunächst einmal besorgen wir frisch gepflückte Teller. Natürlich rein pflanzlich. Schon nach kurzer Fahrt halten wir mitten in der Stadt an einem der vielen grünen Wassergräben, in denen Lotusblumen wachsen. Hmmm… geht besser. Gleich nebenan ist es besser. Kurz danach ist die Ausbeute großer Blätter reichlich. Damit müssen wir schon mal weder aus dem Topf noch vom Tisch essen.

Alle Teller sind im Körbchen

Vor dem nächsten Stopp weist Eon uns darauf hin, dass wir auf der Straße echt aufpassen müssen. Der Verkehr hier sei „herausfordernd“. Was für eine Untertreibung. Doch ich nehme gerne vorweg, dass uns nichts passiert. Wenigstens mussten wir nicht Hand-in-Hand als Zweierreihe gehen. ;-)

Auf dem Bourda-Markt kaufen wir etwas Obst und Gemüse ein. Die Auswahl und Eindrücke sind selbst für uns fast schon erfahrende Marktgänger Südamerikas beeindruckend. Hier laufen und sitzen echte Originale rum, die letztlich aber auch nur versuchen, in einem der ärmsten Länder des Kontinents über die Runden zu kommen.

Zwischendurch erfrischen wir uns mit einer Kokosnuss. Hier in Guyana gibt es ein Gebiet, in dem diese besonders süß sind. Ungläubige vermuteten eine Zuckerzugabe, die von unabhängigen Analysen jedoch widerlegt wurde. Und wirklich schmeckt das Kokoswasser fast wie ein Softdrink. Nur besser.

Zum Abschluss des Marktbesuchs schauen wir noch in der Medizinecke vorbei. In Guyana lautet die erste Regel: „Nicht krank werden!“. Dabei sollen die hier feilgebotenen Kräuter, Tees und Tinkturen helfen. Und wenn es dann doch mal passiert ist, gehen die meisten lieber hierher als zu einem Arzt. Es ist keine Schulmedizin, doch die Heiler haben ein umfassendes Wissen um die Wirkungen ihrer Angebote. Das gestehen auch unsere Gastgeber ein, die grundsätzlich mal nicht an Zauberei und Schamanismus glauben.

Neben Reis sind Puri eine beliebte Beilage zu Curry. Was liegt da näher, als sich direkt beim Erzeuger einzudecken. Mitten in einem Wohngebiet, in das ein Tourist auf eigene Faust wohl keinen Fuß setzen würde, halten wir bei Tonys Dhal Puri Shop. Einem kleinen Familienbetrieb, der täglich gut 1.500 Puris macht. In Handarbeit. Man nimmt eine Kugel Teig, füllt sie mit gemahlenen Erbsen und rollt sie – gerne mit einer Flasche – aus, bevor sie auf die heiße Platte kommt. Maila und Samuel sind herzlich eingeladen, selbst Hand anzulegen. Alle haben viel Spaß und die als Mittagssnack vorbereiteten, vegetarisch gefüllten Puri auf dem Tisch sind echt lecker. Dazu gibt es selbstgemachte Limonade aus der Tüte. Mjammm!!!

Jetzt endlich fahren wir in den „Secret Garden“ von Eon und Jessica. Ein kleiner grüner Fleck inmitten der wuseligen Stadt. Die Vorbesitzer boten an, den Garten vor der Übergabe von dem lästigen Bewuchs zu „säubern“. Was für ein Frevel. Eon konnte das zum Glück verhindern. Nicht nur der jahrzehntealte Mangobaum wäre ein echter Verlust gewesen. So haben die zwei sich hier nun ein kleines Refugium mit Hofküche eingerichtet. Die Schürzen liegen bereit, die Messer sind gewetzt, das Gemüse wartet auf Portionierung. Dieser Aufgabe widmen sich die Familienmitglieder mit unterschiedlichem Engagement. Gerade für unseren Tierflüsterer Samuel ist die Anhänglichkeit des süßen kleinen Hündchens eine willkommene Ablenkung.

So langsam erfahren wir auch den Hintergrund von Eon. In Guyana ist er kein Unbekannter. Einerseits in den USA und Europa gelernter Koch. Andererseits Musiker von Herzen. Sollte er in der Küche Gebäck machen, sang er dazu… natürlich davon, Gebäck zu machen. Er kennt aber auch die großen Bühnen bis hin zu Auftritten beim legendären Glastonbury Festival vor Tausenden von begeisterten Zuschauern. In den letzten Jahren hat er in Guyana zusammen mit Jessica die Fernsehsendung „The Singing Chef Show“ etabliert und bietet nebenbei unter anderem die 7 Curry Tour durch Georgetown an. Man merkt schnell, dass die zwei lieben, was sie tun!

Achtung: Ich habe eine Okra!

Doch zurück in den „Secret Garden“. Die Basis eines guten Curry ist die Masala-Paste. Hier natürlich selbst gemacht. Eine bunte Mischung, die wir in Deutschland wohl kaum jemals so bekommen, wird angeröstet und schließlich ganz rustikal mit einem Stein im Mörser zerstoßen. Der Chef ist begeistert von Mailas Einsatz und Ergebnis. Dann noch mit Zwiebeln, Kokosöl und einigem mehr vermischt. Fertig.

Vier der Currys sind schon vorbereitet, um den Rest kümmern wir uns nun selbst. Immer wieder erstaunlich wie einfach es letztlich ist, wenn man nur die richtigen Zutaten gut zu verarbeiten weiß. Das gilt ebenso für die frittierten vegetarischen Bällchen. Schnell gemixt, mit Spaß geformt und soooo lecker.

Zum natürlich authentisch aus den selbst gepflückten Lotus-Blättern genossenen Essen gibt Eon ein kleines Konzert. Er singt ausschließlich eigenes Liedgut.

Besonders der Song „Moskito Ninja“ spricht uns allen aus der Seele.

Quelle: https://www.facebook.com/singingchefgy

So geht ein schöner Tag viel zu schnell zu Ende. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge und ausgesprochen satt verabschieden wir uns von Eon und Jessica. Vielen Dank für ein tolles Erlebnis. Ein perfekter Auftakt für unsere kleine Guyana-Rundreise!

Thanks Jessica & Eon!

Internationale Flüge zwischen Suriname und Guyana

Ende März 2022

Paramaribo hat wie manche Hauptstadt der Welt gleich zwei internationale Flughäfen. Der größere Johan Adolf Pengel International Airport liegt gut 40km südlich und wird eigentlich nur „Zanderij“ genannt. Hier landen sogar regelmäßig Transatlantikflüge aus Amsterdam. Trotzdem hält sich das Geschehen in Grenzen. Laut offiziellem Flugplan gibt es täglich jeweils 3-6 Starts und Landungen.

Ruhig geht es auch im Innenstadtflughafen Zorg en Hoop zu. Bevorzugt starten hier kleine Propellermaschinen auf Inlandsflüge. Doch es gibt auch einen internationalen Flug. Schließlich ist es die Heimatbasis der kleinen Fluggesellschaft Gum Air, die ein- bis maximal zweimal täglich mit einer ihrer drei Maschinen ins benachbarte Guyana nach Georgetown startet. Das ist unser Flug. Natürlich mit Propellermaschine.

Klein aber fein!

Abflug 7:30 Uhr. Es ist noch dunkel, als unser Fahrer um 6:00 Uhr vorfährt. Im ersten Licht des Tages erkennen wir, dass er uns fälschlicherweise direkt am Gum Air Hangar abgesetzt hat. Nun gut, der (nennen wir es mal…) „Terminal“ ist nur eine Ecke weiter: „Beim großen Baum da vorne geht es rein!“.

Hier geht es rein…
… zum Hauptterminal ;-)

Wir sind nicht die ersten im Warteraum. Immerhin ist die Maschine nicht ausgebucht. Keine zehn Passagiere kommen mit. Trotzdem zieht sich der Check-In in die Länge. Neben Pass sind noch Impfnachweise für bzw. gegen C* und Gelbfieber sowie auch ein negatives Testergebnis vorzulegen. Und dann geht es auf die Waage. Nein, nicht nur das Aufgabegepäck. Jeder Passagier wird inkl. seines Handgepäcks gewogen. Danach geht es zur Gepäckkontrolle. Das wird hier noch händisch erledigt. Nach der Immigration müssen wir dann tatsächlich noch durch einen Metalldetektor und schon sind wir am Gate.

Da hinten wird gewogen
Check-In, Migration, Security, Gate… kompakt beieinander.

Im Flieger ergattern wir die erste Reihe direkt hinter dem Piloten. Solche Einblicke bekommt man sonst auf keinem Linienflug. Und dank der nicht allzugroßen Flughöhe haben wir auch einen schönen Ausblick auf die bewaldete Küste von Suriname.

Es kann losgehen
Vorfreude mischt sich mit Aufregung
Start in Paramaribo
Alles entspannt
Große Mündung des Coppename River

Das Bild ändert sich schlagartig hinter dem Grenzfluss Courantyne (en) bzw. Corantijn (nl) zu Guyana. Hier dominieren die noch von den niederländischen Kolonialisten angelegten Felder.

Guyana
Alles klar in Reihe 1
Innenansicht

Irgendwann kommt Georgetown in Sicht. Auch hier gibt es es zwei internationale Flughäfen. Der größere Cheddi Jagan International Airport liegt wiederum etwa 40km südlich. Erst dort bietet der Untergrund genug Stabilität. Wir landen stadtnah auf dem Eugene F. Correia International Airport, hier eigentlich nur „Ogle Airport“ genannt.

Kurze Wege Auch hier…

Im direkten Vergleich ist das fast schon ein Großflughafen. Beim Check-in 10 Tage später wird sogar das Aufgabegepäck durchleuchtet. Auf die Waage muss aber auch hier wieder alles und jeder. Auf dem Rückflug ist der Flieger beinahe ausgebucht. Fast machen wir das Dutzend Passagiere voll. Wieder ergattern wir die erste Reihe. Der Pilot dreht sich zur freundlichen Begrüßung um und bringt uns anschließend routiniert von Georgetown wieder zurück nach Paramaribo.

Start in Georgetown
Wieder ganz vorne.
Landeanflug in Paramaribo
Kurze Wege am Flughafen

Ich sage mal… internationale Flüge wie diese werden wir wohl so schnell nicht wieder erleben. :-)