Capture the Experience in Caiman House

27. März 2022

Da stehen wir nun an Ginip Landing und warten. Es ist 9:20 Uhr und damit 20 Minuten nach der uns genannten Abholzeit. Während der Fahrt hierher hatte ich mich noch über die Schleichfahrt unseres Fahrers gewundert. Allerdings wurde ihm 9:30 Uhr als Zielzeit gegeben. Dreiviertel zehn sehen wir schließlich das Boot mit unserem Guide heran rauschen. Ihm wurde 10 Uhr gesagt. Aber nun ist ja alles gut… ;-)

Schnell sind unsere Sachen eingeladen und der Tank des Außenborders nachgefüllt. Vor uns liegen gut zwei Stunden kurvige Bootsfahrt gegen den Strom des Rupununi River. Und irgendwie scheint jeder Guide in Guyana automatisch ein Vogelexperte zu sein. Das ist heute nicht anders. Es gibt aber auch wieder wirklich viele gefiederte Freunde zu sehen… aber nicht nur!

Cayennekiebitze
Amazonasfischer
Braunwangensittiche
Amerika-Schlangenhalsvogel
Schwarzbrust Mangokolibri (w)
Cocoireiher
Cocoireiher

Das im Jahr 2005 von einem Amerikaner für seine Doktorarbeit gegründete Caiman House liegt mitten im indigenen Yupukari Village. Als die Arbeit geschrieben ist, geht der Gründer wieder nach Hause. Doch die Arbeit vor Ort kann fortgeführt werden. Ziel ist die Erforschung des Black Caiman / Schwarzen Kaimans (Melanosuchus niger), die Erstellung von Protokollen zur Vermeidung von Mensch-Kaiman-Konflikten, die Ausbildung indigener Naturforscher und die Aufklärung sowie Bildung der lokalen Bevölkerung. Für letzteres wird die einzige öffentliche Bibliothek weit und breit unterhalten. Die Finanzierung erfolgt inzwischen vor allem durch den Tourismus. Doch auch wenn Kaimane nur noch im Beisein zahlender Gäste eingefangen werden, kommen die dabei gewonnen Daten weiterhin der wissenschaftlichen Nutzung zugute.

Glitzerkehlamazilie

Wir bekommen zunächst jedoch ein anderes Projekt präsentiert. Seit 2011 widmet sich das Caiman House auch dem Schutz der Yellow-Spotted Amazon River Turtle / Terekay-Schienenschildkröte (Podocnemis unifilis). In den ersten Jahren wird das Projekt von zwei britischen und dann einem amerikanischen Zoo unterstützt. Aktuell hilft das Sustainable Wildlife Management – Programme Guyana.

Menschliche sowie tierische Jäger, aber auch schwindende Sandbänke (gerade in diesem Jahr werden diese viel zu früh überflutet!) setzen die Population unter Druck. Daher werden die gelegten Eier gesammelt. Das können jährlich zwischen Dezember und April bis zu 1000 Stück sein! Die Babys schlüpfen in geschützter Umgebung und verbleiben ihr erstes Jahr im Schwimmbecken. Sind sie aus dem Gröbsten raus, werden sie in die Freiheit entlassen. Und wenn die Weibchen die nächsten knapp 15 Jahre überleben, legen sie selbst ihre Eier ab…

Kurz vor Sonnenuntergang geht es los. Das Wasser im Rupununi River steht ungewöhnlich hoch. Daher versuchen wir unser Glück auf dem südlich gelegenen See. Es sieht gut aus. Wir sitzen noch nicht im Kanu, da erspähen wir schon den Kopf eines Kaimans auf dem Wasser.

So geht es weiter. Immer wieder lugt ein Kaiman hervor. Manchmal treibt er gelangweilt umher. Manchmal kommt er mit neugierigem Blick näher. Sie sind an die lokalen Fischer gewöhnt und schauen auch bei uns mal nach, ob nicht eine Kleinigkeit abfällt.

Und natürlich ist Samuel wieder auf der Jagd nach dem schönsten Vogelfoto. Maila assistiert bei der Bestimmung.

Gelbbürzelkassike
Humboldtscharbe
Grünfischer

Am Ende des Sees machen wir den Motor aus und paddeln leise durch die im Wasser stehenden Bäume. In dieser Ecke liegt das bevorzugte Nachtlager einer Gruppe Kapuzineraffen. Pünktlich zum Tagesende rascheln die Baumkronen. Doch leider halten sie nicht nur Abstand, sondern sich auch recht gut versteckt.

Dann sehen wir noch einen Riesenotter und fragen uns, ob das für den hier nicht etwas zu gefährlich sei… so mit all den Kaimanen?! Mitnichten. Es ist eher anders herum so, dass die in Gruppen jagende Riesenotter sich eher mal an einen Kaiman heranmachen. Wow!

Zurück am Strand warten wir auf das zweite Boot. Darin sitzen und stehen vier Männer. Am Motor der Kapitän, davor der Lampenmann, dann der Verantwortliche für die Leinen und ganz vorne hat man „das große Los“ gezogen. Die lange Stange mit der Schlaufe weist den eigentlichen Kaimanfänger aus. Bei einer kurzen Begrüßung wird uns auch der extra verstärke Bug der Kanus gezeigt. Wir werden gleich sehen, warum er so verbeult ist.

Wir halten uns im Hintergrund, während das andere Boot einen ersten Fangversuch unternimmt. Erfolglos. Das Tier taucht zu schnell ab. Danach leuchten Kaimanaugen im Gebüsch einer kleinen Insel. Das andere Boot schaut nach und kommt recht schnell scheinbar unverrichteter Dinge zurück. Welch Irrtum. Kurz danach hält Maila einen Baby-Kaiman in den Händen und ist begeistert. „Man spürt richtig, wie es atmet.“ So süß!!! Auch Samuel nimmt und streichelt den Kleinen, bevor sie ihn wieder zurück bringen.

Dann wird es wild… Mama taucht auf! Eigentlich wird das Einfangen im Gebüsch vermieden. Wir sehen warum. Leinen verwickeln sich im Unterholz. Die Schlinge liegt nicht um den Hals, sondern am Bauch des mächtigen Kaimans. Wir haben Glück. Es ist wirklich ein recht großes Exemplar, dass das andere Boot irgendwann auf das offene Wasser ziehen kann. So richtig glücklich wirkt Mama-Kaiman dabei nicht. Sie tobt herum, windet sich, greift das Boot an. Doch plötzlich herrscht Ruhe. Der Grund ist letztlich banal. In dem Moment, wo ihr das Maul zugebunden wird, gibt sie auf. Der einzigen wirksamen Waffe beraubt, ergibt sich der sonst unerschrockene Jäger in sein Schicksal.

Kurze Zeit später liegen stattliche 3m Schwarzer Kaiman vor uns am Strand. Ja, es ist tatsächlich ein Weibchen. Sie bekommt einen Chip mit der Nummer 797. Wir helfen beim Vermessen, Umdrehen und Wiegen. Gänsehautmomente! Wann hat man schon mal die Chance, einen lebenden Schwarzen Kaiman zu streicheln?

Mit etwas Unbehagen sehen wir, wie sie auch am Schwanz markiert wird. Über ein Nummernsystem kann das Tier so auch mit dem Fernglas identifiziert werden. Man versichert uns, dass es ihr nicht schadet.

Die Minuten rasen. Noch ein letztes Mal die Hand auf den harten Rückenpanzer gelegt. Dann heißt es „Abstand!“. Näher zum Wasser gezogen wird als Letztes das Klebeband vom Maul des Raubtieres entfernt. Sie ist frei… und bleibt erst einmal liegen. Mit dem Boot versucht man sie zu motivieren. Nichts. Dann plötzlich rennt sie los. Allerdings nicht ins Wasser, sondern zum Land. Einer der Fänger klettert in Windeseile einen Baum hoch. Das wird er noch lange zu hören bekommen. Dann geht alles ganz schnell. In Sekundenbruchteilen verschwindet der Kaiman im Wasser. Was für ein Erlebnis!

Ruhetag in der Rock View Lodge

26. März 2022

Gleich nach dem Frühstück fahren wir mit dem Surama-City-Bus weiter Richtung Süden. Rechts und links flankiert das Grün des Dschungels den Highway. Doch plötzlich öffnet sich eine weite Savanne. Flaches Grasland soweit das Auge reicht. Und nein, das ist nicht das Ergebnis von Abholzung, sondern ein erstaunlicher Wechsel der natürlichen Vegetation. Faszinierend. Trotzdem lassen sich menschliche Eingriffe nicht übersehen. Vereinzelt stehen Häuser, meist auf kleinen Anhöhen. Ansonsten bekämen die Bewohner schnell nasse Füße. Die ganze Savanne ist ausgesprochen feucht.

Gerade noch im Regenwald…
… schon in der Savanne

Bald schon erreichen wir die Rock View Lodge. Unser Gastgeber Colin ist etwas aufgeregt. Wir kommen viel zu früh. Die Zimmer sind noch nicht fertig. Kein Problem. Erst einmal bekommen wir einen Kaffee bzw. frischen Saft, genossen unter den Augen eines neugierigen Kapuzineraffen. Vor etwa fünf Jahren schaute dieser erstmals in der Lodge vorbei und beschloss spontan zu bleiben. Dazu trägt sicher auch der Umstand bei, dass er hier regelmäßig kleine Leckereien serviert bekommt.

Das gilt auch für einen anderen tierischen Bewohner der Lodge. Der Arapaima kann Größe und Gewicht des Skippers noch übertreffen und ist damit einer der größten Süßwasserfische der Welt. Wir kommen rechtzeitig zur Fütterung.

Arapaima-Fütterung

Um noch etwas Zeit zu überbrücken, führt uns Colins Sohn auf dem Gelände herum. Zunächst geht es auf den namensgebenden Rock mit der View über die Savanne. Ein wirklich schöner Ausblick! Das sah der Engländer Daniel Edwards genau so. Er war von der Gegend begeistert und spendete unter anderem auch das Schulgebäude in Surama. Seit dem frühen Unfalltod wird seiner hier mit einem Ficus und einer Erinnerungsplakette gedacht.

Rock View

Weiter geht es zum ältesten Haus der Lodge. Vielmehr stand hier nicht, als Colin das Gelände vor über 30 Jahren erwarb und zu dem machte, was es heute ist. Eine kleine, grüne, erholsame Oase voller Gastfreundschaft. Aktuell leider jedoch mit eingeschränktem Angebot. Das Rösten von hier angepflanzten Cashewnüssen fällt wegen der schlechten Ernte aus. Für den Workshop lokaler Handwerkskunst fehlt (pandemiebedingt) das Personal.

Was bleibt, ist der kurze „Uncle Dennis Trail“ auf die Ausläufer der Pakaraima Mountains. Aufgrund des aktuell trockenen Wetters machen wir uns nach dem Mittagessen auf den Weg. Der Trail ist rutschig und so mancher Handlauf müsste erneuert werden. Letztlich kommen wir aber deutlich komfortabler zum Aussichtspunkt, als gedacht.

Es hat wohl geregnet?!
Das Ziel liegt auf dem Hügel.

Von hier oben schweift der Blick weit über die offene Savanne. Wir hören Geschichten von den Auseinandersetzungen indigener Stämme. Bevor der Trail angelegt wurde, mussten die in diesen Felsen gestorbenen von kundigen Schamanen um Friede gebeten werden.

Wieder zurück in der Lodge springen wir in den (laut Eigenwerbung ;-) besten Pool weit und breit. Ein großer Spaß für die ganze Familie. Doch irgendwann bemerken wir, dass in einem kleinen Nebenbecken Kaulquappen schwimmen, die durch unser Planschen in das große Becken geschwemmt werden. Sofort startet unter Oberaufsicht der selbsternannten Quappen-Retterin Maila eine systematische Suche. Tatsächlich schaffen wir den Froschnachwuchs weitgehend vollständig(?) wieder in ihr kleines Becken zurück. Der Tag ist gerettet!

Die Caipirinha Einladung unseres Gastgebers Colin läutet den Abend ein. Das wie immer leckere Abendessen nehmen wir wieder unter genaue Kapuziner-Beobachtung ein. Wir fühlen uns wirklich willkommen.

Danke Colin!

Vor der Nachtruhe kümmert Samuel sich noch um den „kleinen Besucher“ am Nachttisch unserer Mädels. Der andere bleibt dankenswerter Weise gleich draußen und verkriecht sich letztlich hinter einem Bild.

Eine „kleine“ Riesenkrabbenspinnen“ mal drinnen…
… und mal draußen (sie verbringt die Nacht hinter dem Bild)

Den Sonnenaufgang verbringt ¾ der Familie mit Vogelsuche. Insbesondere Samuel ist natürlich wieder voll in seinem Element. Wir schließen mit einer Auswahl seiner besten Sichtungen bei der Rock View Lodge…

Orangerückentrupial
Orangerückentrupial
Braunwangensittich
Braunwangensittich

Surama – ein indigenes Dorf in Guyana

25. März 2022

Schon bei unserer Camping-Tour erzählt unser indigener Guide vom Stamm der Macushi etwas über die oft leidvolle Geschichte seines Volkes. Dieses lebt heute grenzübergreifend in Guyana und Brasilien. Eine Grenze, die sie selbst niemals gezogen haben. Doch das ist bei weitem nicht alles. Exemplarisch möchte ich hier von der Sprache erzählen.

Nach Ankunft der Kolonialisten wurde den indigenen Völkern bei Strafe verboten, ihre eigenen Sprachen zu sprechen. Bis heute ist Englisch die offizielle Nummer 1. Viele indigene Mundarten sind inzwischen ausgestorben oder verkrüppelt. Dabei „half“ der Umstand, dass diese Sprachen keine schriftliche Tradition haben. Nur über den täglichen, mündlichen Gebrauch waren sie erlernbar. Das ändert sich erst und ausgerechnet über den Einsatz der Amerikanerin Miriam Abbot. Sie lebte und arbeitete gut 30 Jahre in Brasilien und entwickelte zusammen mit den indigenen Völker eine Schriftversion der fast vergessenen Sprachen. Geschrieben wird diese übrigens von rechts nach links.

Trotzdem ist viel verloren gegangen. Es gibt nun einmal kein altes Wörter- oder Grammatikbuch der ursprünglichen, fast vergessenen Sprachen. Auch heute noch kommt kein Schüler in Guyana an Englisch vorbei. Daneben gibt es Unterricht in Spanisch und Portugiesisch. Indigene Sprachen kann man höchstens als freiwilliges Wahlfach lernen. Manch einer mag jetzt vielleicht denken, dass das ja wohl nicht so schlimm sei. Da empfehle ich nur einmal einen kurzen Perspektivenwechsel. Man stelle sich vor, die Alliierten hätten Englisch als Hauptsprache in (West-)Deutschland installiert und die Nutzung unserer eigenen Sprache bei Strafe verboten… muss ich weiter schreiben?

Plan von Surama

Doch die Sprache ist natürlich nicht die einzige Herausforderung für die indigene Lebensart. Der allgemeine Fortschritt und die auch in abgelegene Gebiete reichende, weltweite Vernetzung tun ihr Übriges. Umso mehr sind wir positiv überrascht, wie Surama damit umgeht. Wie eigentlich immer und überall fängt es mit der Bildung an.

Der Kindergarten ist hier Pflicht!

Direkt neben dem (hier obligatorischen!) Kindergarten liegt die Grundschule. Aktuell lernen hier 43 Schüler in sechs Klassen. Die meisten davon einem großen Raum. Vorne sind die Klassen 1 und 2, in der Mitte 3 und 4, hinten die 5. Mitten drin das Krankenbett. Nur die 6. Klasse hat ein eigenes, durch die Spende eines Engländers finanziertes Gebäude. Gerade finden hier die Vorbereitung für die Abschlussprüfung statt. Überall fallen uns Details auf. Daran kann sich manch eine Schule in „entwickelten Ländern“ ein Beispiel nehmen!

Nach der Grundschule führt der weitere Bildungsweg weg von Surama. Eine Oberschule findet sich nur in größeren Ortschaften. Das war es dann aber meist auch schon. Die Uni im fernen Georgetown ist ohne Stipendium unbezahlbar. So bleibt nach dem Schulabschluss die Jobsuche.

Das ist auch ein Grund für die lokal betriebene Surama Eco Lodge, deren Gäste wir sind. Damit werden Arbeitsplätze und Einkommen für die Community geschaffen. Viele Jugendliche kommen tatsächlich zurück. Bei fast jedem Schritt spüren wir, dass wir hier durch eine intakte Dorfgemeinschaft laufen.

Das ganze Land gehört der Community. Wenn jemand ein Haus bauen oder ein Stück Land nutzen möchte, muss beim Council um Erlaubnis gefragt werden. Und auch dann wird Land nicht verkauft oder übereignet. Es bleibt Gemeindeeigentum.

Neben der Schule befindet sich im Zentrum ein großes Sportfeld. Hier finden im September, dem Monat der „Indigenious Celebrations“ auch Wettbewerbe (z.B. Bogenschießen) der neun Stämme Guyanas statt. Jeder ist für eine Spezialität bekannt, hier ist es das Flechten von Körben und Spinnen von Stoffen. Diese alljährlichen, das indigene Erbe feiernden Wettbewerbe gehen von der lokalen Ebene bis hin nach Georgetown.

Der zentrale Sportplatz links wird gerade „überarbeitet“…

Einen weiteren Beitrag für die Gemeinschaft liefert die Kirche. Es gibt trotz gewisser Glaubensvielfalt nur ein anglikanisches Gotteshaus, in dem jeder willkommen ist. Man möchte nicht, dass unterschiedliche Glaubensrichtungen und getrennte Rituale die Gemeinschaft spalten. Tatsächlich trifft sich hier sonntäglich das ganze Dorf zum gemeinsamen Gottesdienst und natürlich auch für die offiziellen Verlautbarungen des Council.

Natürlich von lokalen Künstlern gemalt!

Auch sonst wird einiges getan. Es gibt einen „Women’s Organic Garden“ (…bei dem Männer höchstens als Hilfskräfte willkommen sind ;-). Ein Wildlife Club bringt der Jugend das Verständnis für die Schätze der Natur und Umgebung nahe.

Zum Abschluss unseres kleinen Dorfrundgangs kommen wir zur Machtzentrale, dem White House! Nicht ganz so pompös wie bekanntere Namensvettern tagt hier der Counsil und entscheidet über die wichtigen Angelegenheiten der Gemeinschaft.

White House!

Direkt daneben steht ein Totem. Ja, hier ist jedem klar, dass das eine nordamerikanische Tradition ist. Trotzdem hat auch hier ein lokaler Künstler natürlich mit lokalen Motiven dieses Symbol der sinngebenden Gemeinschaftsbildung geschaffen.

Und dann ist da noch das Thema der medizinischen Versorgung. In heutigen Zeiten kann man dabei erwähnen, dass das gesamte Dorf komplett durch geimpft ist. Tatsächlich war die Impfung der Eltern sogar Voraussetzung für den Schulbesuch der Kinder. Das motiviert. Ansonsten gibt es im Dorf einen Healthworker, der sich um kleinere Krankheiten, aber auch einer zuverlässigen Malaria-Diagnose kümmert. Der nächste Doktor ist im einige Kilometer entfernten Annai. Einen Medizinmann gibt es in Surama dagegen nicht mehr. Dieser Posten ist dem klassischen Nachfolgeproblem zum Opfer gefallen, was natürlich zu einem großen Verlust naturheilkundlichen Wissens führte.

Der kleine „Surama-City-Bus“ fährt uns zurück zur Lodge. Normalerweise wird er vor allem für Einkäufe genutzt. Der nächste Supermarkt ist 18 Meilen weit weg. Da tun sich regelmäßig Familien für gemeinsames Shopping zusammen. Morgen früh dagegen bringt er Einnahmen durch den Transport von Touristen. Mit ihm fahren wir weiter zu unserem nächsten Ziel in Guyana.

Die Sachen sind gepackt…
… der Bus wartet…
… auf Wiedersehen?!

So noch nicht gesehen: Sehr hungrige Ameisen!

Warnung: Dieser Beitrag ist nichts für schwache Nerven!

25. März 2022

In so einer Lodge wohnt man nie alleine. Mal huscht eine Kakerlake durch. Ein anderes mal eine mehr oder weniger große Spinne. Das ist in der Surama Eco Lodge nicht anders. Am Abend entdecken wir einen durchaus beachtlichen Achtbeiner neben unseren Betten. Ok, wir haben natürlich Moskitonetze. Trotzdem wollen wir eigentlich nicht, dass diese Spinne noch da ist, wenn wir das Licht ausmachen. Ein Schuh schafft schnelle Abhilfe. Doch was sich nur wenige Minuten später abspielt, haben wir so nun wirklich noch nicht gesehen…

Im Dschungel wird nichts verschwendet. Für manche ist da so ein Spinnenkadaver sehr willkommen. Heute Abend sind die Ameisen als erste am Buffet. Und sie wollen sich nichts wegnehmen lassen. Eilig versuchen Sie, die tote Spinne in Richtung Ausgang zu schleppen. Was für ein Anblick!

Die Schwarmintelligenz entscheidet sich für den Spalt zwischen Wand und Boden. Leider zu schmal. Tapfer wird gedrückt und gezogen… doch die Beute will einfach nicht durchpassen. Da hat Samuel ein Einsehen. Mit einem Tuch dirigiert er den wuseligen Haufen in ein größeres Loch an einem der Eckpfeiler. Hier passt es nun endlich und schon wenige Minuten später ist der Spuk auch schon wieder vorbei… guten Appetit!

Von Geiern und Eisvögeln

23.-25. März 2022

Papa hat von keinem einzigen Vogel berichtet. Das ist selbstverständlich mein Job. Also, wo fangen wir denn an … na gut. Wir beginnen bei meinem ersten Birdwatching noch vor der Camping-Tour in der Surama Lodge. Dort hat Mama nämlich einen Greifvogel bemerkt, der majestätisch auf der Spitze eines Baumes sitzt. Es handelt sich dabei um den Savannenbussard.

Savannenbussard

Ein anderer Vogel ist etwas weniger auffällig und bewegt sich sehr viel mehr als der faule Savannenbussard. Ich meine die Gelbbürzelkassike. Es ist ein komplett schwarzer Vogel mit einem, wie der Name schon verrät, gelbem Hinterteil. Diese Art bevölkert einen ganzen Baum und macht Lärm ohne Ende.

Gelbbürzelkassike
… macht ordentlich Lärm!

Sie fliegen immer auf einen bestimmten Baum, suchen sich Nestmaterial, und kehren dann um. Und auf diesem Baum, einem hölzernen zwei Fichten großem Ding, entdecke ich weitere Vögel. Die Riesenkuhstärlinge. Sie sind wie in ein Trauer-Gewandt gekleidet, aber trotzdem hübsch anzusehen.

Riesenkuhstärling

Oder die Gelbscheitelamazone. Sie entdecke ich auch mehrfach in der Spitze dieses Baumes. Langsam wird das der „Langweilerpapagei“.

Gelbscheitelamazone

Auch die Bischofstangare sitzt wieder auf den Bäumen sowie der Liktormaskentyrann zwischen den Ästen von Büschen sitzt.

Bischofstangare
Liktormaskentyrann

In einem Vogelhäuschen über dem Essensraum brütet ein Pärchen Süd-Fleckenmaskentyranne. Hier nisten halt andere Vögel in Vogelhäusern als in Deutschland.

Und drei weitere Vögel möchte ich hier noch kurz erwähnen. Die Blauringtaube (die wir das erste mal auf Katjas Farm im kolumbianischen Barichara entdeckt haben), die Purpurtangare und eine andere Tangare. Die Blauringtaube hat, wie der Name schon sagt, einen blauen Ring um die Augen, während die Purpurtangare eine wirklich hübsche rötliche Brust und einen gekreuzten Schnabel ihr eigen nennen kann. Und ganz oben auf einem Dach sitzt auch schon die andere Tangarenart, die ich erwähnt habe: die

Palmentangare.

Blauringtaube
Palmentangare

Doch nun geht es los. Auf dem Weg zum Landing-Point hören wir einen Schreikotinga und weit über uns hören wir auch schon den nächsten Vogel… einen Marailguan. Plötzlich fliegt ein Vogel, der neben dem Weg im Gras gebrütet hat, weg. Es handelt sich um eine Pauraquenachtschwalbe. Das Ei lässt sie unbewacht zurück. Wie unfürsorglich von ihr, nicht wahr?

Ei einer bodenbrütenden Pauraquenachtschwalbe
Sehr gut getarnte Pauraquenachtschwalbe

Wir erreichen das Bot und steigen ein. Dann beginnt die Fahrt. Im kleinen Nebenfluss entdecken wir nicht allzu viel. Doch dann, als der Fluss etwas breiter wird, sehen wir lauter niedliche Schwalben. Bei denen handelt es sich um die im Norden Südamerikas weit verbreitete Weißbandschwalbe. Sie macht ihrem Namen auch alle Ehre. Der weiße Streifen auf ihrer Brust ist schwer zu übersehen.

Weißbandschwalbe

Auf einmal bemerke ich irgendeinen seltsamen Geruch. Es riecht als wenn Fleisch verrottet. Gerade als ich das denke, sehen wir den Kadaver eines Kaiman an Land liegen. Ich blicke in die Bäume und sehe Geier. Es handelt sich um die äußerst hässlichen, aber auch irgendwie ansehnlichen Königsgeier. Sie sind kein Augenschmaus, aber dennoch wollte ich sie schon immer sehen. Ich weiß auch nicht genau warum.

Königsgeier
Volles Buffet
Königsgeier

Da! Eine Bewegung im Unterholz am Rand des Flusses. Ein Eisvogel. Ein erstaunlich Großer. Es handelt sich bei diesem Exemplar um einen Rotbrustfischer. Die größte der fünf Eisvogelarten, die hier in der Gegend vorkommen.

Rotbrustfischer
Rotbrustfischer

Im weiteren Verlauf des Ruderns sehen wir oben hoch oben auf den Bäumen wieder Vögel, die ich, aufgrund ihrer Ähnlichkeit, zuerst für Gelbbürzelkassiken halte. Es handelt sich jedoch um Krähenstirnvögel.

Kurz nach den Sichtungen der Krähenstirnvögel entdecken wir auf Totholz mitten im Fluss Schwarzkehltangaren. Meiner Meinung nach hätte man sie zwar eher Wut-oder Rotkopftangare nennen sollen, doch nun gut. Ich habe den Namen nicht vergeben.

Schwarzkehltangare

Was ist das Grüne dort? Ein Vogel! Ein Amazonasfischer um genau zu sein, der auf einem Ast sitzt und ins Wasser schaut. Er scheint irgendetwas zu suchen. Vielleicht sein Mittagessen?

Nach einer erholsamen Nacht folgt der nächste Ausflug flussaufwärts. Dort entdecken wir einen Grünfischer. Er ist von weitem kaum vom Amazonasfischer zu unterscheiden, hat aber eher ein dunkleres Gefieder und ist weniger grün.

Immer wieder sehen wir auch Rotbrustfischer, die vor uns wegfliegen. Ich bin jedes mal aufs Neue von ihrer Größe beeindruckt.

Doch nun zur Rückfahrt. Direkt bevor wir los wollten, entdecken wir einen Weißbrusttukan gemütlich auf einem hölzernen Baum sitzen.

Weißbrusttukan auf der anderen Flussseite
Weißbrusttukan

Wir fahren zurück. Dieses mal treiben wir fast die ganze Strecke und sehen so wieder einige Vögel. Unter anderem die einzige hier vorkommende Motmot-Art: den Amazonasmotmot.

Wir sehen auch noch einen faulen Vogel, der einfach nur im Geäst rumsitzt. Er ist langweilig schwarz mit einem verräterisch roten Schnabel. Es handelt sich um den Schwarzstirnfaulvogel.

Doch die Eisvögel wollen sich, wie es aussieht noch einmal bei uns bedanken, denn ein Zweifarbenfischer, die vierte von fünf Eisvogelarten beglückt uns mit seiner Anwesenheit. Er hat einen knallroten Bauch, einen langen dicken Schnabel und ein grünes Rücken sowie Kopfgefieder. seinen Nacken und Hals ziert ein weißer Streifen. Der Zweifarbenfischer ist aber nicht viel größer als eine Hand.

Wir kommen wieder zur Stelle, wo vor zwei Tagen der Kaiman gelegen hat. Nun sind nur noch Knochen zu sehen. Alles weggeputzt. Da Geier nie weit weg von Aas, sind sehen wir wieder mehrere von ihnen. Dieses mal einen jungen Königsgeier sowie einen ausgewachsenen Wald-Gelbkopfgeier. Bei dem Wald-Gelbkopfgeier verhält es sich ähnlich wie bei den Königsgeiern. Eigentlich hässlich, aber doch irgendwie interessant und sehenswert.

Junger Königsgeier
Leeres Buffet

Vogeltechnisch waren dass die meisten unserer Sichtungen. Nicht alle. Für die Cocoireiher, die Amerika-Schlangenhalsvögel und… und… und… füge ich aber nur noch ein paar Bilder an.

Cocoireiher
Amerika-Schlangenhalsvogel
Amerika-Schlangenhalsvogel
Grünflügelara…
… sieht man meist als Pärchen!
Kurzschnabelmaskentyrann

Samuel