Alltagsprobleme an Bord: Post (2)

Dritter Akt: Lissabon – das lange Warten

Wo waren nur die Adapter für die Gasflaschen? Und der Umfüllschlauch? Und die Speicherkarten? Das und noch ein paar andere Dinge waren doch alle schon hier? Und wie war das mit dem Nudelholz? Nun gut, Amazon liefert auch ins Ausland und den Expresszuschlag war es uns wert. Dieses Mal sollte es aber an den Hafen gehen… genauer gesagt die Marina Alcantara in Lissabon. Die Adresse ist kompakt: Doca de Alcântara plus Postleitzahl. Aber uns wurde telefonisch versichert, dass das korrekt sei. So nahm das Unheil seinen Lauf.

Es begann damit, dass die Bestellung in zwei Teillieferungen mit unterschiedlichen Transportdienstleistern verschickt wurde. Die erste Lieferung war auch schon kurz nach unserer Ankunft „in Zustellung“. Abends hieß es dann jedoch, dass die Adresse nicht auffindbar und somit falsch sei. Ich müsse etwas tun. Der erste Weg führte zum Hafemeister, der mir bestätigte, dass die Adresse korrekt sei und Post für andere Boote damit durchaus ankomme. Wie auch immer, wenn der zur DPD-Gruppe gehörende Dienstleister nicht in der Lage ist, den meines Wissens zweitgrößten Yachthafen Lissabons zu finden, dann ist das auch kein Problem… sollen sie es halt an einen Paketshop in der Nähe bringen und ich hole das mir dort ab. Das konnte ich sogar direkt auf der Webseite erledigen und kurz danach war das erste Päckchen an Bord.

Das zweite Paket wurde erst ganze fünf Tage nach Bestellung überhaupt versendet… das nenne ich mal „Express“. Egal, Hauptsache es kommt an. Die GLS-Gruppe durfte zeigen, dass sie es besser können als die Konkurrenz. Konnten sie aber nicht. Nach zwei Tagen „in Zustellung“ und „konnte nicht zugestellt werden“ rief ich Amazon an. Leider keine Hilfe. Die nette Dame habe ein Formular ausgefüllt, in den nächsten Tagen sollte sich der Dienstleister bei mir melden. Tat er aber nicht. Und die Sendungsverfolgung auf dessen Webseite funktionierte auch nicht. Über die von Amazon erhaltene spanische Hotline hatte ich dann irgendwann den portugiesischen Telefonservice am Handy. Desculpe, fala inglês? Zum Glück ja! Und dieses Glück kannte kaum Grenzen, als ich dann das reichlich ramponierte aber augenscheinlich noch leidlich verschlossene zweite Paket im Shop abholen konnte… ganze elf Tage nach Express-Bestellung.

Vierter Akt: Lanzarote – das große Finale

Insgesamt vier Pakete sollten uns hier erreichen. Und das ausgerechnet auf den Kanaren. Über den hiesigen Zoll gibt es wahre Horrorgeschichten. Manch ein Ausrüster liefert nur mit Warnung oder auch gar nicht mehr auf die Inseln. Ein erster Kontakt mit Erhard, dem TO-Stützpunktleiter auf Lanzarote, machte dagegen wieder etwas Mut. So schlimm sei das gar nicht, bei ihm habe das bisher immer geklappt, wenn man die wichtigste Grundregel beachtet: das Paket muss augenscheinlich rein privat sein! Mit anderen Worten nur direkt an Erhard schicken (ohne „SY Samai c/o“ oder ähnlichem), keine offensichtlichen Lieferscheine oder Firmenadressen als Absender, und selbst die Aufschrift „Regalo“ (span. für Geschenk) und ein paar nette Aufkleber können nicht schaden. So gebrieft haben die Mutter von La Skipper und die Eltern des Skippers insgesamt drei Pakete zur Post gebracht, und auch Lunatronic hat versprochen, unsere neue WLAN-Antenne nebst Router mit dieser Camouflage auf den Weg zu bringen.

Direkt nach der Ankunft auf den Kanaren siegte die Neugier. Schauen wir doch mal in die Sendungsverfolgung für das erste, sage und schreibe gut 10kg schwere Paket mit diverser Bootsaustattung: Zugestellt am Mi, 28.08.2019 11:23 Uhr!!! Auch die zwei anderen, großelterlichen Päckchen kamen problemdurch durch. Also machten sich die Jungs auf einen kleinen Spaziergang durch Playa Blanca zum TO-Stützpunk, wo wir herzlichst begrüßt wurden und nach eine kurzen Plausch dann sogar noch zum Boot zurück gefahren wurden!

Nun fehlte nur noch die etwas später abgeschickte Lieferung von Lunatronic, die im Gegensatz zu den anderen Paketen anscheinend nicht ohne offizielle Zollinhaltserklärung auf den Weg gebracht werden konnte. Immerhin war sie nach inzwischen gewohnter Laufzeit auf den Kanaren und am 10. September war es soweit. Die Sendungsverfolgung zeigte am Vortag das bekannte zweite „Classificado“ und allen Unkenrufen zum Trotz kam auch dieses Paket problemlos an. Es wurde von Erhard dann sogar noch zu uns an Bord gebracht. Noch einmal ganz vielen lieben Dank für Deine Unterstützung!!!

Epilog: das war es dann erstmal mit Post für die Samai

Demnächst sind wir aus Europa raus. In Sachen „Post“ nicht gerade eine Erleichterung. Wenn man dann noch von den horrenden Zöllen in Brasilien und Argentinien liest, kann man es eigentlich nur noch bleiben lassen. Chile soll etwas besser sein. Gute Nachrichten für die Kinder… vielleicht gibt es ja doch verspätete Weihnachtsgeschenke aus der Heimat?! Aber ansonsten muss es das jetzt gewesen sein. Was nicht an Bord ist wird entweder vor Ort besorgt oder ist halt nicht an Bord. Das hat in früheren Zeiten ja auch irgendwie funktioniert.

Muss das wirklich sein, Aquamarijn?

Der Segler an sich… so begann lange Jahre eine lesenswerte Zeitschriftenkolumne, ja dieser Segler hält sich selbst meist für ein soziales Wesen. Auf dem Wasser wird gegrüßt, beim Anlegen gerne geholfen und am Steg kommt man schnell ins Gespräch. Und natürlich wird Rücksicht genommen… also meistens. Jedenfalls ist es kein Problem, sich auf – unter Seglern ohnehin freundliche – Nachfrage bei Bedarf zu verholen, damit noch ein anderes Boot an den Steg passt. Es geht aber auch anders. Ich komme gerade vom Hafenmeister zurück und sehe, dass der Segler, welcher schon vor meinem Abmarsch sehr dicht aber wortlos an uns vorbeigefahren war, nun doch hinter uns festgemacht hat. Sein Anker hängt keinen halben Meter von unserem am Davit hängenden Schlauchboot entfernt. Nicht schön, aber da kommt auch schon der andere Skipper… wahrscheinlich mit der oben genannten Frage und dem Angebot, uns beim Verholen nach vorne zu helfen. „Hi, das passt schon. Wir können nicht weiter nach hinten aber das passt schon.“

Nun ja, das hatte ich schon auf den ersten kurzen Blick nicht geglaubt. Als dann der Schwell einer einfahrenden Fähre für Bewegung sorgte, wurde sogar sein Blick skeptisch. Und jetzt? Er fängt an darüber zu philosophieren, wie voll und eng es im Oktober in Las Palmas sei. Ist irgendwie am Thema vorbei und interessiert in diesem Moment auch nicht wirklich. Ich habe Angst um unser Dinghy und verleihe dieser Sorge zugegebenermaßen fäkalsprachlich deutlich Ausdruck. Er ist dagegen anscheinend immer noch der Überzeugung, dass das alles schon seine Richtigkeit hat. Natürlich haben wir uns dann verholt. Da bin ich von ganz alleine drauf gekommen. Und natürlich hat der andere Skipper trotz dankender Ablehnung meinerseits unsere Mittelleine mitgeführt… und sich dabei bewogen gefühlt, unserer am Bug arbeitenden La Skipper auch noch – zumindest aus seiner Sicht – gute Ratschläge zur Leinenarbeit zu geben. Nun ja, auf ein Bierchen im Cockpit werden wir uns in diesem Leben sicher nicht mehr treffen. Aber es kommt ja noch besser!

Jeder Mensch ist Ausländer… fast überall. Das gilt in besonderem Maße für uns Segler auf großer Fahrt. Wir sind Gast und sollten uns dann zumindest auch so benehmen, wie wir es von Gästen bei uns erwarten würden. Vielleicht war es ja auf dem anderen Segelboot einfach nur nicht bekannt, dass das Angeln in diesem Hafen inmitten eines Naturschutzgebietes nicht erlaubt ist. Das sollte sich aber spätestens dann geändert haben, als der Kapitän einer einfahrenden Fähre den eifrigen Angler auf eben diesen Umstand hinwies. Dieser Hinweis wurde wortlos zur Kenntnis genommen, der Inhalt aber spätestens jetzt verstanden. Umgehend wurden die zwei Angeln unter Deck geräumt. Das war gerade rechtzeitig, bevor der Security-Mitarbeiter des Hafens vorbei kam, um noch einmal persönlich zu informieren. Als Antwort erhielt er ein frei erfundenes Gespräch zwischen Angler und Fährkapitän. Nicht schön, aber wenn man sich so besser fühlt… doch die richtige Show kam ja erst noch. Mit einer gänzlich anderen „Big-Game-Fishing“-Angel kam der andere Skipper plötzlich an Deck und schrie (sic!) der sich schon wieder auf dem Rückweg befindlichen Security hinterher, dass er hier im Leben nicht geangelt, sondern nur die Leinen dieser grandiosen, für einen Hafen ohnehin völlig ungeeigneten Angel gereinigt habe. Zur Verdeutlichung rannte er immer noch lautstark lamentierend auf dem Steg hinterher. Solche Gäste kann man sich doch nur wünschen, nicht wahr?

Das Schauspiel wiederholte sich am nächsten Tag sogar noch, als ein anderer, anscheinend höher gestellter Security-Mitarbeiter vorbeikam. Zwar bestimmt, dabei aber ganz ruhig und freundlich erklärte er, das Angeln selbst beobachtet zu haben. Das sei verboten, habe aber jetzt keine Konsequenzen. Allerdings solle es ab jetzt bitte nicht nochmal passieren, sonst müsse eine Strafe verhängt werden. Und dann das unglaubliche Déjà-vu. Erneut sprang der Ermahnte laut schreiend der sich schon entfernenden Security auf dem Steg hinterher und log, dass sie die Balken bogen. Meine Bewunderung gilt seinem Gegenüber. Ich weiß nicht, ob ich an seiner Stelle so ruhig geblieben wäre. Zum Abschluss versuchte der andere Skipper dann noch beginnend mit „Das ist doch wirklich unglaublich…“ bei uns Bestätigung zu finden. Leider vergeblich. Er verließ uns mit einem mir glücklicherweise unverständlichen Kommentar.

Und die Moral von der Geschichte? Der Segler an sich ist auch nur ein Mensch. Diesen gibt es in vielen Versionen und auch wenn man mit den meisten segelnden Vertretern dieser Spezies auf Anhieb gut klar kommt, so geben doch andere triftigen Grund zum Fremdschämen. In den seltenen Momenten, an denen ich beginne ob der äußeren Umstände innerlich zu verzweifeln, rufe ich mir Situationen wie die hier auf La Graciosa erlebte in Erinnerung. Als abschreckendes Beispiel. Möge niemals jemand Grund oder auch nur wagen Anlass haben, sich meiner derartig zu schämen! Das muss wirklich nicht sein.

Perlen der Weltmeere (3): Marina Alcântara in Lissabon (Portugal)

An manchen Orten findet man eine ganz besondere Magie. Rio de Janeiro, San Francisco, Hamburg, Nigeria und noch viel mehr versammelt in nur einer Marina! Solche Internationalität haben wir selbst in der portugiesischen Hauptstadt nicht erwartet, doch das Unerwartete traf uns wie ein Donnerschlag.

Schon in der Einfahrt erwartete uns die „Agat“ , eine leider nur schwache Ahnung der visuellen Macht moderner Schiffsfriedhöfe, deren mit über 70 Wracks weltgrößter Vertreter vor der Küste von Lagos (Nigeria) liegt.

Kaum sind die Leinen in dieser alles andere als überfüllten Marina belegt, schweift der Blick nach Südamerika. Vom gegenüberliegenden Ufer grüßt die von Rio de Janeiro (Brasilien) inspirierte Cristo-Rei Staute. Auf einem 82m hohen Sockel steht dieser 28m hohe Dank an Gott dafür, dass Portugal vom zweiten Weltkrieg verschont blieb.

Direkt daneben werden zumindest für ältere Semester Kindheitserinnerungen an Karl Malden und den jungen Michael Douglas  wach. Deren Revier waren die Straßen von San Francisco (USA), deren wohl berühmteste über die Golden Gate Bridge führt. Wer jedoch auf die Details achtet, findet mehr noch das eigentliche Vorbild, die San Francisco Bay Bridge in der den Tejo überspannenden Ponte 25 de Abril wieder. Über mehr als 3km lang, davon 2.278m als Hängebrücke, verbindet sie Lissabon mit dem lange im Abseits liegenden Süden auf zwei Etagen: unten fahren täglich rund 160 Schienenfahrzeuge, darüber täglich ca. 150.000 Straßenfahrzeuge (Zahlen von 2006). Letztere, ob nun fehlenden Geldes oder eingeschränkter Tragkraft wegen, müssen sich auch nicht über schnöden Asphalt quälen. Die Fahrbahn aus Stahlgitter schüttelt nicht nur das Fahrzeug schön durch, sondern sorgt auch für eine weit reichende, unvergleichliche Geräuschkulisse.

Vor diesem grandiosen Hintergrund stapeln sich an der Südseite des Hafens die Container. Erinnerungen an große Häfen in Hamburg (Deutschland) oder Rotterdam (Niederlande) steigen auf, selbst wenn hier nur bescheidene drei Frachtschiffe längsseits liegen und von großen Kränen be- und entladen werden.

An andere große Häfen, genauer Flughäfen der Welt erinnert der Umstand, dass wir hier direkt unter der Einflugschneise liegen. Tagsüber schweben die Touristenbomber fast im Minutentakt anmutig über unsere Köpfe. Und dass das portugiesische Wörterbuch eine Übersetzung für „Nachtflugverbot“ findet, überrascht schon etwas. Zumindest in Lissabon handelt es sich dabei offensichtlich um ein unbekanntes Konzept. Damit verbietet sich natürlich auch ein Vergleich mit unserem allseits beliebten und bekannten Hauptstadtflughafen in Berlin (Deutschland), so dass ich in diesem Fall den internationalen Vergleich dem Erfahrungsschatz des geneigten Lesers (m/w) überlasse.

Die Sonne sinkt zum Horizont, der Tag neigt sich dem Ende zu, und mit etwas Traurigkeit vernimmt das Ohr ein wenn auch nur leichtes, so doch merkliches Abnehmen des ständigen Hintergrundrauschens der internationalen Eindrücke rundherum. Zumindest vorübergehend, schließlich finden sich rund um den Hafen einige der bekanntesten und beliebtesten Tanzclubs und Discos der Stadt. Und natürlich feiert es sich bei diesen Temperaturen am besten im Freien, zumindest aber doch bei geöffneten Fenstern und Türen. Der Ballermann auf Mallorca (Spanien) lässt grüßen. Für den nach Entspannung suchenden Segler ist es ein ganz besonderer, bis zum Morgengrauen angebotener Service: sollte sich wider jeglichen Erwartens eine leichte Schlafstörung einstellen, braucht man einfach nur hoch ins Cockpit um sich dezent belgleitet müde tanzen zu können…

Abhängig von Schweißproduktion und (In-)Kontinenz, führt der Weg früher oder später zum Sanitärbereich eines Hafens. Im Herrenbereich der hiesigen Wellnessoase finden sich dann auch je zwei Toiletten und Pissoirs sowie vier Duschkabinen. Wohlgemerkt für eine Marina mit offiziell 370 Liegeplätzen! Da ist es gar nicht weiter schlimm, dass das Klopapier fehlt. Ein Blick auf die undefinierbaren Pfützen am Boden und den sonstigen Allgemeinzustand der Örtlichkeit lassen Mitleid mit den eigenen Stoffwechselendprodukten aufkommen. Man möchte seinem Urin einfach nicht zumuten, hier abgeschlagen zu werden. Dafür fällt die Wahl der Dusche ob des zur Verfügung gestellten Entscheidungskriteriums leicht: ich nehme die Kabine, bei der der Vorhang nur im unteren Viertel verschimmelt ist… bei den anderen reichen die ästhetischen Muster deutlich höher. Glücklich die Damen, welche auch eine Option ganz ohne Vorhang haben. Ob dort dann aber auch fünf(!) leere Flaschen Duschzeug und angefangene Seifen rumliegen? In der Tat fühlt man sich hier an viele Orte der Welt versetzt. Orte mit einem anderen Verständnis für Sauberkeit und Hygiene. Orte, für die der (zufällig auf meinen Geburtstag fallende) Welttoilettentag eingeführt wurde. Orte, die man oft noch nie gesehen hat und im Grunde auch gar nicht sehen möchte.

Die letzte Inspiration in diesem unvergleichlichen Hafen sprengt jede Internationalität. Trotz laut Hafenmeister korrekt angegebener Adresse war es zwei Transportdienstleistern unabhängig voneinander absolut unmöglich, unsere Pakete hier zuzustellen. So fühlt es sich an, im postalischen Vakuum der unendlichen Weiten des Weltraums, das zu befahren uns dann aber doch eine etwas zu große Herausforderung ist. Wir bleiben auf der Erde, wir bleiben auf dem Wasser, immer auf der unfreiwilligen Suche nach diesen speziellen Orten… Perlen der Weltmeere.

Alltagsprobleme an Bord: Post (1)

Ein Drama in vier Akten

Ironischerweise war es bei uns so, dass gerade am Anfang die Notwendigkeit bestand, einige Sachen aus der Heimat zu erhalten. Pässe, an Bord nicht mehr auffindbare bzw. in letzter Minute erst als notwendig identifizierte Ausrüstung oder auch nur vergessenes Entertainment… doch glaubt man einschlägigen Erfahrungsberichten, so ist es ja nicht schwer auch auf einem Segelboot „in transit“ Post zu bekommen. Nahezu jeder Hafen sowie insbesondere auch die weltweit verteilten Trans Ocean Stützpunktleiter helfen gerne. Warum sollte das also nicht klappen?!?

Vorspiel: Heimat

Wer kennt das nicht?! Man erwartet eine wichtige Lieferung. Die Sendungsverfolgung besagt, dass diese im Zustellwagen unterwegs ist. Gut, dass man zufällig den ganzen Tag zu Hause ist. Morgens, gleich nach dem Aufstehen werden zur Sicherheit Namensschild und Türklingel überprüft… alles ok. Beim Toilettengang bleibt die Tür offen, nichts soll überhört werden. So vergeht die Zeit, Minuten und Stunden verrinnen, aber nichts passiert. Nun gut, das kommt schon noch… heutzutage liefern die armen Mitarbeiter der einschlägigen Transportdienstleister ja bis spät abends aus.

Trotzdem führt der Weg am späten Nachmittag zum Briefkasten, der Briefträger war ja schon da. Und hier im Briefkasten fällt der ungläubige Blick dann auf eine Benachrichtigungskarte: „Leider haben wir Sie heute um 14:23 Uhr nicht persönlich angetroffen. Sie können Ihre Sendung ab dem nächsten Werktag in unserer Filiale abholen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“ Nur mal grundsätzlich: man kann mich jederzeit gerne um Verständnis bitten, sollte jedoch niemals ungefragt dafür danken (die Bahn macht das ausgesprochen gerne). Zur Ehrenrettung der armen Menschen, mit deren Arbeitsbedingungen wir nicht tauschen möchten, sei gesagt, dass diese Darstellung sicher nicht der Regelfall ist… es sei denn, man wohnt im 5. Stock Altbau ohne Aufzug.

Erster Akt: Penzance – das gute Vorbild

Der flexiblen Terminvergabe Berliner Ämter sei Dank, konnten wir die melderechtlichen Notwendigkeiten nicht mehr vor unserer Abfahrt erledigen. Ist ja schön und gut, dass man sich innerhalb von zwei Wochen nach einem Umzug ummelden muss. Aber warum ist dann der nächste freie Termin im Portal erst in knapp zwei Monaten? Mit etwas Glück dauerte es bei uns zwar nicht so lange, zu spät war es trotzdem. Dankenswerter Weise war des Skippers Vater so lieb, uns diese Aufgabe bewaffnet mit umfassenden Vollmachten und Ausweisen der ganzen Familie abzunehmen. Damit mussten wir dann jedoch ohne die Pässe der Kinder losfahren… sozusagen eine illegale Einreise nach England!

Doch Adrian (der TO-Stützpunktleiter von Penzance) und sein Neffe halfen uns auf den Weg zur Legalität zurück. Wie telefonisch vorab besprochen wurden das Einschreiben sowie ein kleines Päckchen von Blue Sailing gerne angenommen und uns zum sogar Hafen gebracht, dazu ein netter Plausch… so sollte es sein. Und das ließ uns dann wohl etwas zu optimistisch werden.

Zweiter Akt: Leixões – die lange Suche

Ein „Care Paket“ von den Großeltern sollte dann nach Leixões gehen. Auch hier wurde vorab mit dem TO-Stützpunktleiter telefoniert. Rudolfo war zwar schlecht zu verstehen, sagte auch etwas von Krankenhaus, aber letztlich bestätigte er seine Postfach-Adresse und die Möglichkeit, darüber Post zu empfangen.

Kurz vor unserer Ankunft habe ich erneut versucht ihn anzurufen, ohne Erfolg. Auch meine Versuche per SMS blieben unbeantwortet. Also bin ich einfach mal zu der für den Stützpunkt angegebenen, glücklicher Weise nicht allzu weit vom Hafen entfernte Adresse gegangen. Es sah aus wie ein Wohnhaus, allerdings mit unbesetztem Pförtnertisch und diversen Firmenschildern im Eingangsbereich. Eines zeigte eine Firma mit dem Namen der Stützpunktleiters und ein anderes sogar den Trans Ocean Stander!

Also gut, einfach mal die Treppe hoch alle Stockwerke bis hinauf aufs Dach abgeklappert, doch die gesuchte Firma war nicht zu finden. Glücklich sind jene, die lesen können: auf dem Schild im Foyer stand ganz klein „5. Etage“, und mit dem Aufzug kam ich dann tatsächlich zur gesuchten Tür. Eine nette Dame im Büro sagte, dass Rudolfo nicht mehr so oft ins Büro komme und der Kollege, der sich darum kümmert in der Pause sei. Etwa eine Stunde später erzählte mir dieser nette Mann dann allerdings, dass das Postfach schon seit längerem nicht mehr bezahlt werde und geschlossen sei. In der Tat sei Rudolfo schon seit Monaten nicht mehr in der Firma gewesen. Durchaus nachvollziehbar wenn man bedenkt, dass er 85 Jahre alt ist und gesundheitliche Probleme hat. Einerseits von Herzen gute Besserung. Andererseits schade, das erst jetzt zu erfahren. Und schließlich: wo ist mein Päckchen? Hier sei es jedenfalls nicht, ich solle mal zur Post gehen.

Bei der Post wurde mir gesagt, dass das Postfach durchaus nicht geschlossen sei und gerade heute Morgen jemand den Inhalt abgeholt hat. Zurück ins Büro: nein das kann nicht sein, man habe zwar andere Postfächer, aber dieses sei geschlossen. Zurück zur Post: ja, das Postfach mit dieser (auch bei ersten Besuch schon angegebenen) Nummer sei geschlossen, das Päckchen müsste zurück an den Absender gegangen sein. Überflüssig zu erwähnen, dass es dort bis heute nicht angekommen ist. Und was ist mit einem Nachforschungsauftrag? Dazu bedarf es einer Sendungsnummer, und ausgerechnet dieses Mal wurde die Sendungsverfolgung vergessen. Das müssen wir dann wohl unter „Lehrgeld“ verbuchen.

Pause… Getränke stehen im Kühlschrank!

Alltagsprobleme an Bord: Nudelholz

Pizza wird gewünscht. Ich habe zwar meine Zweifel, dass der Gasofen an Bord das hinbekommt, aber was soll ich anderes tun, wenn die Familie hungrig schaut… Pizza halt. Nun gut, der Teig ist schnell angesetzt und während die Hefe ihren Dienst verrichtet wird die Belagauswahl vorbereitet. Schließlich ist es soweit. Der Pizzateig ist in vier nahezu gleichgroße Stück geteilt und muss nur noch ausgerollt werden. Ok, ein geübter Italiener wirft die Knetware ein paar Mal nach oben, wirbelt herum, murmelt einen Zauberspruch und in der Luft bildet sich der kreisrunde Pizzaboden wie von selbst. Mal abgesehen von der mangelnden Deckenhöhe unserer Pantry – so nennt man an Bord eine Küche(necke) – habe ich auch den Zauberspruch gerade nicht parat und bin daher auf die klassische Methode angewiesen: mit einem Nudelholz ausrollen.

Wo ist doch gleich das Nudelholz? Wie alle Dinge, die man leidenschaftlich sucht, tauchen vor dem geistigen Auge all jene Orte auf, an denen das Objekt der Begierde sein könnte. Und wie jedes Mal, wenn man leidenschaftlich sucht, ist eben das Objekt der Begierde an keinem dieser Orte auffindbar. Und ich habe an allen diesen Orten nachgeschaut. Zweimal!

Nun hat eine Weltumseglung ja glücklicher Weise nicht nur mit Reparieren zu tun, sondern auch mit Improvisieren. Dank einer passend geformten englischen Cola-Flasche kann der Teig dann kurze Zeit später doch noch belegt werden und zu meiner großen Überraschung schafft es der kleine Ofen ohne Oberhitze dann tatsächlich, aus dem Ganzen vier schmackhafte Pizzen zu zaubern. Ohne Zauberspruch, nur mit Gas.

Auf der Liste für unseren nächsten Einkauf steht nun ein Nudelholz. Das erprobte Hilfsutensil ist leider keine Option mehr, da La Skipper diesem am nächsten Tag nebenbei mal rasch ein Loch in die Seite verpasst. Natürlich steht die Flasche noch oder schon wieder unter Druck. Was für eine Sauerei.