Samuels schöne Bergwanderung mit Kopfschmerzen

Es war einer der seltenen Tage in Chile wo die Sonne mal schien. Wir ankerten (natürlich mit Landleinen) in einer sehr schönen Bucht, wo es auch einen wunderschönen Wasserfall gab. Und wenn man die Chance schon mal hat einen Ausflug zu machen, dann sollte man sie nutzen. Denn viele der schönen Tage gab es in Chile nicht. Also ruderte die ganze Familie mit dem Dinghy an Land und wir wurden von einer grünen Wand erwartet. Papa hat aber einen kleinen „Pfad“ entdeckt, den wir hoch liefen. Maila und ich waren am letzten Tag auf einem anderen Weg nach oben gelangt und haben die Aussicht genossen. Aber nun wollten wir höher als Maila und ich waren. Wir wollten den Berg besteigen, der sehr hoch war.

Los geht’s!

Anfangs waren wir alle zusammen und sind auf dem steinigen Boden geklettert. Aber mit der Zeit bin ich immer weiter nach vorne gegangen und bin schließlich einen ganz anderen Weg gegangen als der Rest meiner Familie. Ich weiß zwar nicht, wie der Weg von Maila, Mama und Papa war, aber meiner war knifflig und (für mich) spaßig. Einmal musste ich über eine kleine, ca. 1 Meter tiefe Spalte springen und ein andermal musste ich mich an einem kleinen Bach hoch arbeiten. Meine Gummistiefel haben auf den feuchten und auf dem trockenem Gestein gut gehalten.

Steiler Aufstieg!

Teilweise habe ich meine Familie auch überhaupt nicht mehr gesehen, aber ich wusste, wenn ich oben wäre, würde ich sie wieder sehen können. Wenn ihr euch fragt, warum ich mich von meiner Familie getrennt habe lautet die Antwort: ich liebe knifflige Kletterpartien und Maila, Mama und Papa würden eher einen einfachen Weg gehen. Aber schließlich kam ich doch vor ein Hindernis, was man nicht wirklich überwinden kann. Vor mir war eine steile Wand ohne Gras oder ähnliche Pflanzen, die mich hätten halten können. Wäre auf der Wand Stein gewesen, wäre das überhaupt kein Problem gewesen. Ich habe etwa 10 Minuten dagestanden und verschiedenste Sachen ausprobiert. Doch keine der halbwegs sicheren Methoden hat funktioniert. Dann ging ich zu den etwas waghalsigeren über, aber selbst da musste ich etwas rumprobieren. Doch dann entdeckte ich das Gestrüpp, was knapp außerhalb meiner Reichweite war. Ich stellte meine Fuß auf einen kleinen Vorsprung und drückte mich langsam hoch. So kam ich an das Gestrüpp und konnte mich hochziehen. Das war geschafft. Doch was war das? Ich war noch immer nicht am Gipfel, aber ich musste mich erst mal ausruhen. Da entdeckte ich auch meine Familie. Sie saß etwas weiter unten und aß Kekse. Frechheit!!!

Nach einer kurzen Pause machte ich mich wieder auf den Weg nach oben. Die zweite Wand war schwieriger, aber ich überwand sie so ähnlich wie die erste. Ich hatte es geschafft. Ich war am Gipfel. Zumindest an dem Punkt, den wir erreichen konnten. Ich genoss die atemberaubende Aussicht und machte mich wieder auf den Weg nach unten. Wenig später hatte ich Maila, Mama und Papa erreicht. Wir unterhielten uns und ich habe auch ein paar Kekse abbekommen.

Dann ging es wieder den Berg runter.

Leider hatten Mama und Papa den Weg, den sie gekommen sind, vergessen und so schlugen wir uns einen eigenen Weg durch das Unterholz. Ich habe die Gruppe geführt und sie vor kleinen oder großen Vertiefungen gewarnt. Ich wollte eigentlich runter zum Dinghy, aber Maila, Mama und Papa wollten noch zum Wasserfall. Der Weg dorthin war nicht der leichteste, weil wir teilweise durch kleine „Wälder“ mussten. Aber als wir dort angekommen sind, war der Anblick atemberaubend. Die Wassermassen stürzten herab und schlugen auf einen hervorstehenden Stein, der das Wasser richtig schön spritzen ließ.

Nach einigen Minuten wollen wir aber wieder zurück zum Dinghy. Das Problem war, dass wir durch einen Wald mussten. Der war natürlich nicht weniger dicht als die anderen Wälder. Weil der Wald so dicht an dem Wasserfall war, war auch der Boden recht aufgeweicht und durchlöchert. Nach einiger Zeit, wo wir uns durch den Wald geschlagen haben, sah ich vor mir eine dieser vielen Spalten. Ich sprang über sie und rutschte auf der anderen Seite ab. Ich dachte ich würde Halt finden und habe einen Fuß nach vorne ausgestreckt aber fand keinen Boden. Ich machte einen Purzelbaum in eine noch größere Schlucht. Nur leider knallte mein Kopf auf einen kleinen Steinvorsprung. Vor meinem Auge drehte sich so einiges und ich hatte Kopfschmerzen. Aber nach kurzer Zeit war alles wieder gut na ja, bis auf die Kopfschmerzen. Als ich mich wieder aus der „Höhle“ gezogen habe, machten wir uns auf den Weg raus aus dem Wald. Als wir den Wald verlassen hatten, gingen wir den langen Weg wieder zurück und sahen den Felsen, auf dem Maila und ich den Tag zuvor gewesen waren. Wir erkannten die Fußabdrücke, die wir auf dem Hinweg hinterlassen hatten und wir krakelten zum Dinghy runter. Ich hatte immer noch Kopfschmerzen, doch an Bord wurde meine Wunde von Mama untersucht und sie stellte fest, dass ein kleiner Teil meiner Kopfhaut aufgerissen sei. Die Wunde wurde desinfiziert und gesäubert. Dann durften wir auf den iPads spielen.

Es war ein schöner Tag, aber das Ende hätte für mich besser verlaufen können. Doch drei Tage nach dem Unfall spürte ich meine Verletzung gar nicht mehr.

Samuel

Magellanstraße (3) – Wasserfälle in Caleta Playa Parda & Bahía Wodsworth

20. – 23. Juni 2020

8.6 Caleta Playa Parda (Isla Riesco)

Ein Bimini ist ja eigentlich als Sonnenschutz gedacht. Hier unten dagegen kommt der Funktion eines Regenschutzes größere Bedeutung zu. So auch auf dem nachmittäglichen, kurzen Weg zur Caleta Playa Parda. Hier besteht auch die Möglichkeit, an einem bewachsenen Felsen längsseits zu gehen, wir entschieden uns jedoch, in der Mitte der Bucht einfach den Anker zu werfen. Endlich mal kein Leinengerödel…

Und es regnete weiter. Die wunderschöne Szenerie wurde damit zwar nicht gerade hervorgehoben, konnte jedoch auch nicht wirklich geschmälert werden. Hier lagen wir mal wieder sehr imposant umgeben von steilen, grün bewachsenen Hügeln, dahinter Andenausläufer bis über 1000m und weiter hinten rauscht ein großer Wasserfall die Felsen herunter. Kein Wunder, dass hier nahezu jeder vorbeikommende Segler einen Zwischenstopp einlegt.

Der Regen ließ irgendwann nach und der Wind drehte auf günstige, südlich Richtung. So blieben eigentlich nur noch die Probleme mit der Gezeitenströmung und zum heutigen Winteranfang kürzesten Tag des Jahres. Ja, es war wirklich offiziell Winter geworden. La Skipper würde es eloquent in einem Wort zusammenfassen: KALT!

8.6 Caleta Playa Parda

Magellanstraße

Das nächste Ziel lag 45sm weiter nordwestlich. Bei knapp sieben Stunden Tagesdauer und potenziellem Gezeitenstrom gegenan eine ganz schöne Strecke. Wir überlegten hin und her, was wir jetzt machen sollten, erwogen sogar ein (aufgrund des Nachtfahrverbots offiziell verbotenes) Ablegen zu frühmorgendlichem Hochwasser gegen 6 Uhr. Schließlich fassten wir den Entschluss, gleich in der Morgendämmerung loszufahren und zu schauen, wie weit wir kämen. Gut 10sm vor unserem eigentlichen Ziel liegt eine Bucht, die wir bei drohender Dunkelheit anlaufen könnten.

Abfahrt…

Kurz vor 10Uhr ging es also los. Der Wetterbericht versprach eine ruhige (Motor-)Fahrt mit leichtem Wind von hinten. Die „Böen“ sollten nur knapp über 10kn gehen. Doch offensichtlich hatte das Wetter seinen eigenen Bericht nicht gelesen. Kurz nach Einbiegen in die Magellanstraße blies es mit bis zu 30kn (7 Bft.). Wenigsten von schräg hinten. Das musste mit der Einbuchtung und den dahinter liegenden Bergen zu tun haben. Fallwinde sind hier ja keine Seltenheit. Folgerichtig lies der Wind auch bald wieder nach und wir motorten vor uns hin. Unten liefen Wassermacher und Brotbackautomat auf Hochtouren.

Doch ab halb zwei rieb sich der Skipper verwundert seine Augen. Da war er wieder, der nicht angesagte Wind. Über Stunden hinweg wehte es konstant um die 30kn, in Böen sogar bis zu 36kn (8 Bft.). So ein Glück!!!

Ja, dieses Wetter bezeichneten wir tatsächlich als Glück! Eine kurze Welle baute sich auf, rundherum tanzten weiße Schaumkronen und nur mit der Fock rasten wir mit 7 bis teilweise über 8kn unserem Ziel entgegen. Letztlich schafften wir es nur so, unser eigentliches Ziel wider Erwarten rechtzeitig zu erreichen.

8.1b Bahía Wodsworth (Isla Desolación)

Bei Einfahrt zur Bahía Woodsworth zeigte sich wieder einmal, dass man den Seekarten hier nicht blind vertrauen darf. Wieder einmal fuhren wir über Land. Doch mit Ausblick und Radar stellte das kein Problem dar und pünktlich zum Sonnenuntergang gegen halb sechs fiel der Anker in einer malerischen Bucht direkt neben einem ca. 100m hohen Wasserfall.

Der Morgen empfing uns mit blauem Himmel und Sonnenschein!

Blick nach Norden…
… Osten…
… und Süden (ganz schön dicht!)

Natürlich nutzen wir die Gelegenheit zu einer kleinen Kletterpartie. Es ging zwar recht steil hinauf, doch angeblich könne man bis zum Anfang des Wasserfalls hochkommen. Anfangs ging es ja auch noch. Samuel fand mal wieder eigene Wege etwas weiter links vom Rest der Crew. Sah ganz schön steil bei ihm aus. Aber letztlich war er der einzige, der es bis ganz nach oben schaffte. Maila war auch Feuer und Flamme, aber irgendwann ging es dem besorgten Vater dann doch etwas zu lange und zu steil runter, als dass ich da mit ihr noch hätte weiter klettern wollen. La Skipper hatte da ohnehin schon längst beschlossen, dass hier für sie Endstation sei. So genossen wir also ein wenig die Aussicht und warteten, bis der Abenteuer-Sohn von oben kommend wieder zu uns stieß.

Auf dem Rückweg schauten wir alle dann wenigstens noch am Fuße des Wasserfalls vorbei. Für die beeindruckende Show beim herunterkommen war es dann doch ein erstaunlich kleiner Fluss, der von hier die letzten Meter bis in die Bucht floss.

Fundstück

Dann mussten wir nur noch zum Dinghy kommen. Doch wo war der dichte Waldgürtel am Ufer bloß zu durchdringen. Der erste Versuch endete in einer Sackgasse. Den Schlusspunkt setze eine Art Grube, in die hinein der uns leitende Sohn einen spontanen Purzelbaum schlug… sein Kopf tat dabei selbiges recht unangenehm auf den harten Boden. Eine dicke Beule, sogar mit einer kleinen blutende Stelle, würde ihn noch ein paar Tage an diesen Ausflug erinnern. Aber er ist ja hart im Nehmen!

Im zweiten Anlauf schafften wir es, an der vom Hinweg bekannten Stelle durch das Unterholz zu kommen und kaum war das Dinghy wieder bei der Samai festgemacht, war es auch schon vorbei mit dem schönen Sonnenschein… es begann mal wieder zu regnen.

8.1b Bahía Wodsworth

Magellanstraße (2) – Zwischenstopps in Bahía Tilly & Caleta Notch

18.-19. Juni 2020

In der Magellanstraße auf dem Weg nach (Nord-)Westen muss man auf zwei Dinge besonders achten.

  • Die hier vorherrschenden Westwinde pusten uns auf unserem Weg im Zweifel voll auf die Nase.
  • Die Gezeitenströmung kann mehrere Knoten betragen, so dass wir möglichst bei Ebbe (also ablaufendem Wasser) fahren sollten.

Was den Wind angeht, hatten wir eigentlich ziemliches Glück. Meist blies es eher schwach und wenn doch mal von vorne, dann nur vorübergehend. Das immer größer werdende Problem war dagegen die Strömung. Hochwasser hatten wir aktuell gegen 14Uhr und um halb sechs geht die Sonne unter. Das ergibt ein immer enger werdendes Zeitfenster um ein paar Meilen zurückzulegen. Uns bleibt kaum eine andere Wahl, als von Bucht zu Bucht zu hüpfen.

8.11 Bahía Tilly (Isla Carlos III)

Noch so eine eisige Nacht wollten wir in der Caleta Gallant nicht erleben, daher fuhren wir gleich am Folgetag weiter. Der Wind wehte schwach (1 Bft.) bis kräftig (6 Bft) mehrfach die Kompassrose herum. Die Fock kam nur mal als Unterstützung raus. Nach nur knapp 19sm verkrochen wir uns in der Bahía Tilly am Nordende der in der Magellanstraße liegenden Isla Carlos III. Anker, drei Landleinen, Ruhe…

Blick vom Ankerplatz nach Norden…
… Westen (Kelp in der Zufahrt)…
… und Süden.
8.11 Bahía Tilly

Paso Tortuoso

Auch am nächsten Tag fuhren wir wieder einmal erst am frühen Nachmittag los. Das Hochwasser verschob sich immer weiter nach hinten, so dass wir trotzdem noch eine Zeitlang etwas Gegenstrom erwarteten. Wenigstens hatte der Skipper vor Abfahrt noch etwas Zeit für die dringend notwendige Rasur.

Zunächst mussten wir durch den Paso Tortuoso. Für diese Gegend vermerkt die Seekarte die Möglichkeit von „Overfalls“ und auch der nautische Führer schreibt „violent eddies and tide-rips have been observed“. Dafür braucht es in der Regel jedoch ordentlich Wind, und dieser glänzte bei uns dankenswerter Weise durch Abwesenheit. So konnten wir bei weitgehend glattem Wasser lehrbuchhafte Stromverwerfungen beobachten. In der Praxis zeigte sich das durch spontanen Kursversatz sowie eine Geschwindigkeit über Grund, die zwischen 3,5kn und 6kn schwankt… je nachdem, in welche Strömung wir gerade geraten waren. Faszinierend!

Im Laufe des Spätnachmittags sollte der Strom uns eigentlich helfen und das wollten wir ausnutzen. Also ließen wir das ursprüngliche Tagesziel nach nur gut 10sm links liegen und fuhren noch eine Bucht weiter. Nun ja, im Nachhinein wohl eine eher zweifelhafte Entscheidung. Erst wurde es vor uns dunkelgrau, dann weiß, dann kam erstaunlicher Weise etwas blauer Himmel zum Vorschein und dann blies es doch wieder mit 5-6 Windstärken auf die Nase. Das nennt mal wohl „wechselhaftes“ Wetter.

Impressionen einer wechselhaften Magellanstraße

8.7 Caleta Notch (Isla Riesco)

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir die Caleta Notch. Da es bald dunkel würde und der hintere Bereich auch noch für seine „williwaws“ (Fallböen) berüchtigt ist, legten wir uns weiter vorne vor eine bewaldete Wand. Anker auf 20m, drei Landleinen (deren Ausbringung dieses Mal wieder weniger reibungslos klappte ;-) und wir verbrachten eine ruhige Nacht. Der Morgen begrüßte uns dann leider wieder einmal mit Regen.

Da vorne wird geankert…
… Landleinen sind ausgebracht.
8.7 Caleta Notch
8.7 Caleta Notch (Detail)

Magellanstraße (1) – (Eis-)Ankern in Bahía Woods & Caleta Gallant

16.- 17. Juni 2020

8.14 Bahía Woods (Península Brunswick)

Um 14:35 Uhr erreichten wir die Magellanstraße und sahen erstmals auch wieder andere Schiffe auf dem (immer noch im Silent-Mode gefahrenen) AIS. Vom Namen her waren es drei große (>50m) chinesische Fischer. Entgegen aller Vorhersage, aber daran gewöhnten wir uns hier unten schon so langsam, bekamen wir sogar Wind und eine kurze Welle von der Seite. Es wurde eine schnelle Überfahrt zu der angepeilten Bahía Woods. Doch wo war diese nur?

Vor uns die Küste ließ nichts erkennen. Erst kurz davor erkannten wir die weite Bucht. Nach Osten offen, für die diese Nacht angesagten Winde aber perfekt geschützt. Das sahen zwei dicht neben uns ankernde Fischer genauso. Die Jungs sind wirklich entspannt. Wo wir eher zu viel Kette stecken und den Anker auch immer schön einfahren, da werfen sie das an einer Leine befestigte Grundeisen einfach über Bord und fahren ein paar wenige Bootslängen zurück Es scheint ja trotzdem zu halten.

Blick zurück über die Magellanstraße
Abendstimmung noch ohne Fischer
Panorama Bahía Woods
8.14 Bahía Woods
Weiter durch die Magellanstraße…

8.13 Caleta Gallant (Península Brunswick)

Der nächste Tag zeigte sich dann auch endlich mal wieder mit blauem Himmel und Sonnenschein. Also meistens. Nach eher kurzer Fahrt erreichten wir die gewundene Einfahrt in die große, rundum geschützte Caleta Gallant. Das Wasser hier drin ist anscheinend so ruhig, dass hier und da sogar eine dünne Eisschicht darauf trieb.

Und es gab einen schönen Strand und auch endlich mal wieder richtig schön trockenes Feuerholz. Samuel schleppte nicht nur große Äste, sondern fast schon ganze Bäume an, die gut getrocknet im Wald herumlagen. Das Handbeil erwies sich beim anschließenden Zerkleinern mal wieder als eine sinnvolle Investition.

Das Feuer brannte so gut, dass wir endlich auch mal sämtliches angefallenes und inzwischen wahrlich nicht mehr wirklich trockenes Papier verbrennen konnten. Danach packten wir noch ein gutes Stück Rind an unseren langen Asado-Spieß. Abgewaschen wurde es kurzerhand im Wasser der Bucht, das gab gleich ein leicht salziges Aroma. Dann kam es über die Glut und war unglaublich lecker… da kommen Pfanne und Grill einfach nicht mit!

Es war dunkel geworden, Samuel hielt das Feuer eifrig am Brennen, Maila sammelte Muscheln und Schnecken, da schaute die Crew zum Himmel und stutzte. Für einen Meteoriten zu langsam und für ein Flugzeug nicht genug blinkend müsste es sich eigentlich um Satelliten handeln. Allerdings nicht nur einen. Wie an einer Perlenschnur gezogen flogen fast erst 35 und nach einer kurzen Lücke nochmal 20 Lichter über den Himmel. So etwas hatten wir noch nicht gesehen. Die wahrscheinliche Erklärung brachte eine E-Mail der Familie. Demnach wurden wohl gerade 60 Satelliten für schnelleres Internet in den Himmel geschossen. Und wir haben sie gesehen. Was für ein schöner Zufall.

In der Nacht wurde es dann bei immer noch sternenklarem Himmel richtig kalt. Immer wieder hörten wir diese komischen Geräusche, wenn sich die Ankerkette oder auch mal der ganze Rumpf durch eine dünne Eisschicht arbeitet. Das kann unter Deck wirklich erstaunlich laut werden. Am nächsten Morgen war nicht nur die ganze Bucht überfroren, sondern es lag auch eine weiße Eisschicht über dem Boot. Die nachts draußen hängenden Handtücher, selbst im Cockpit liegende Leinen waren steif gefroren.

Zu allem Überfluss hatte Maila auch noch ihre Muschelsammlung vom Vorabend am Strand vergessen. Da hat ein fürsorglicher Skipper natürlich keine andere Wahl, als das Dinghy nochmal ins Wasser zu lassen. Durch das in kleiner Welle allmählich brechende Eis paddelten Vater und Tochter also an Land und fanden ein völlig verändertes Ufer vor. Am Vorabend war der Weg vom Feuer zum Wasser ein kleiner Spaziergang, jetzt hatten wir Glück, dass die Muscheln noch nicht wieder im Wasser lagen.

Wenig verwunderlich, dass wir an diesem Morgen auch unter Deck die 10 Grad Celsius aber sowas von nicht erreichten. Das ist dann wohl der Nachteil eines schön klaren Winterwetters in den Chilenischen Kanälen.

8.13 Caleta Gallant

Canal Cockburn & Canal Acwalisnan – Caleta Cluedo

13. – 16. Juni 2020

Canal Cockburn

Der insgesamt ca. 40sm lange Canal Cockburn ist im Westen weit zum Pazifik offen. Gezeitenströme, Pazifikschwell und Wind können einem hier echt zusetzen. Doch wir hatten Glück, die Vorhersage verhieß eine entspannte Fahrt. Gleich nach Sonnenaufgang (also kurz nach 10 Uhr) machten wir die Leinen los und zogen den Anker hoch. Schnee fiel vom Himmel und ließen einen grauen Tag erwarten.

Anker auf im Schneefall

Doch nicht lange danach trauten wir unseren Augen kaum. Blauer Himmel! Und kaum eine weitere Stunde später schaffte es die Sonne sogar über die bis zum Wasser verschneiten Berge zu schauen. Ja, so sollte hier angeblich typisches Winterwetter aussehen. Schön, dass wir es auch endlich mal zu sehen bekamen.

Noch im Canal Ocasión kommt die Sonne raus.

Der Ebbstrom schob ein wenig, der Schwell war kaum einen Meter hoch und der Wind nicht erwähnenswert. Perfekt! Ansonsten kamen uns auf der Fahrt insgesamt vier freundlich grüßende, teilweise sogar tutende Fischerboote entgegen. Mehr, als wir in den letzten gut zwei Wochen insgesamt gesehen hatten.

Nur gut, dass diese kleine Zelle vom Pazifik hinter uns bleibt….
Canal Cockburn
Monte Sarmiento (2246m) aus ca. 35sm Entfernung
Tuuuuuuuuut!

9.7 Caleta Cluedo (Isla Clarence)

Schließlich kam die Einfahrt zu unserem Tagesziel in Sicht. Der Anker fiel auf flache 7m, das mit den Leinen war irgendwann auch mal erledigt und schon waren die Kinder an Land. Wir hatten mal wieder einen kleinen Strand… sehr zur Freude von Samuel, bedeutete das doch endlich mal wieder die Gelegenheit zu einem kleinen Lagerfeuer. Auch wenn es diese Mal nicht ganz so gut brannte, genossen wir einen stimmungsvollen Winterabend!

Am nächsten Morgen hatte sich das mit der Sonne dann auch schon wieder erledigt. Dazu kam dann auch noch seitlicher Schwell rein, so dass wir in den sauren Apfel bissen und die Samai neu ausrichteten, um nicht allzu sehr umhergeschaukelt zu werden. Insgesamt sollen es drei Nächte werden, die wir auf besseres Wetter wartend in einer Bucht verbrachten. Wenigstens war es wieder einmal eine wirklich schöne Bucht. Davon gibt es hier wirklich eine ganze Menge.

9.7 Caleta Cluedo

Canal Acwalisnan

Vom Canal Cockburn zur Magellanstraße gibt es drei mögliche Kanäle zur Auswahl. Der westliche Canal Bárbara ist am kürzesten (ca. 50sm), aber nicht ganz einfach. Der Weg durch den östlichen breiten Canal Magdalena ist am längsten (100sm). Für Segler ideal ist der mittlere Canal Acwalisnan (ca. 65sm). Es gibt jedoch ein Problem: Die Chilenische Armada erlaubt offiziell nur die längste Durchfahrt. Dazu muss man wissen, dass ein Boot in Chile normalerweise ein sogenanntes „Zarpe“ benötigt. Im Abfahrtshafen wird nicht nur der nächste Hafen, sondern auch der dahin geplante Weg genannt. Diese Route muss genehmigt werden, erfährt gegebenenfalls auch schon mal eine Anpassung und steht dann in diesem offiziellen Zarpe. Der Canal Acwalisnan wird dabei normalerweise nicht genehmigt, so dass man hier nur halb-offiziell wetter- bzw. sicherheitsbedingt durchfahren darf. Oder man macht es wie wir… inoffiziell… ganz ohne Zarpe!

Kein Regen mehr… los gehts!

Wir haben in unserer unter anderem auch nach Valdivia geschickten Route immer diesen Canal Acwalisnan genannt. Da ist dessen Benutzung doch nur konsequent. Bei wenig Wind von hinten und soweit wie möglich auf die Gezeiten abgestimmt fuhren wir entspannt durch.

Gerade an den Engstellen mit teilweise gerade mal 4m Tiefe schob die Strömung kräftig, hin und wieder schaute ein Delfin aus dem Wasser, ein entgegenkommender Fischer tutete und winkte. Wir kamen so gut voran, dass wir beschlossen, das ursprünglich angedachte Ziel links liegen zu lassen und gleich noch eine Bucht weiter zu fahren… einmal quer über die Magellanstraße…