Samuel über tierischen Besuch auf der Samai

Pazifik, 11. April 2021

Mancher Leser mag denken, dass es sich schon wieder um Fische handelt oder um Wale oder Delfine, die ja genau genommen auch nichts anderes als Zahnwale sind. Und ja, Delfine gibt es, aber auch noch einen sehr viel süßeren Besuch. Wer immer noch denkt, Fische sind der Besuch, egal ob an der Angel oder eben nur neben dem Boot, der irrt. Wir haben zwar jeden Tag die Angel draußen, aber angebissen hat noch nie einer auf dieser Passage.

„Komm zum Punkt!“, sagen jetzt vielleicht einige von euch. Also gut. Heute ist ein schulfreier Sonntag, wo wir schön etwas spielen. Nach dem Spielen setzte ich mich oben hin und höre ein Hörbuch. Währenddessen spiele ich meine 50 Minuten iPad. Da sehe ich ihn (oder sie). Er (sie) sitzt auf dem Display des Plotters und pickt daran herum.

Tatsächlich sitzt dort ein Vogel! Ein sehr kleiner und sehr Plüschball-ähnlicher Vogel. Ich betrachte ihn (sie) und plötzlich fliegt er (sie) los. (Ich nenne alle noch folgenden Vögel der Einfachheit halber einfach „er“. Macht das Lesen einfacher und vereinfacht auch das Schreiben… ;-)

Dann flog dieser Vogel also. Ja, das machen Vögel manchmal, aber wieso erwähne ich das? Gute Frage! Ich habe aber auch eine gute Antwort. Nämlich weil das Ziel des Vogels mein Knie war, was ich zum bequemen Spielen angewinkelt habe. Er landet auf meinem Bein und ich stelle fest, dass die kleinen Füße oder eher Füßchen des Vogels doch erstaunlich klein sind.

Leider flieg er nach kurzer Pause schon weiter, aber immerhin! Ich bitte Papa um den Fotoapparat und bekomme ihn auch. Dann suche ich ihn. Den etwa handtellergroßen Vogel. Ich finde ihn kurz darauf an der Ecuadorianische Gastlandflagge. Dort pickt der Kleine an dem gelben Stoff der Flagge. Und das mit einer Ausdauer, wofür man den kleinen Knirps beneiden kann. Zumindest für einen kleinen Vogel wie ihn.

Er schaut sich genau auf unserem Boot um und pickt an Gegenständen, die irgendwie essbar aussehen. Ich stehe vorne und fotografiere den Kleinen, als er plötzlich über eine Leine immer näher kommt. Immer und immer näher, bis wir plötzlich fast auf Augenhöhe sind. Wohlgemerkt habe ich mich nicht hingekniet! Doch wie schon zuvor auf meinem Knie bleibt er nicht lange, sondern muss zu seinen Pflichten. Er fliegt los und erforscht weiter das Boot.

Schließlich macht er eine längere Pause auf der perfekten Vogelschaukel unter dem Radar. Das Radar über ihm schwingt hin und her, genau wie das Kabel darunter. Dort sitzt der Vogel, genießt die Aussicht und lässt sich den Wind um die Nase… ähm ich meine natürlich um den Schnabel wehen.

Ich beobachte den Vogel solange, bis sich ein weiterer Vogel nähert. Er sitzt einfach so auf einem Ast, der mitten im offenen Meer herumtriebt. Er hat längere Beine und ein gräuliches Gefieder. Während ich Fotos mache, schalte ich aus Versehen den Motor aus. Ich mache noch ein paar Fotos vom Vögelchen und hole dann die Angel rein. Die Ruhe ist himmlisch! Nicht der dauerhafte Motorlärm und auch nicht zu hohe Wellen, die die Samai zum starken Schaukeln bringen. „Was war das?“, fragt Mama plötzlich. Wir schauen uns um und sehen einige Delfine atmen! Ich habe ja gesagt, es gibt Delfine. Und dazu das herrliche Panorama der Wolken und der untergehenden Sonne.

Einige Tage zuvor gab es auch noch einen solchen Besuch. Er war ganz anders! Der Vogel ist deutlich größer und sieht so aus, wie eine Schwalbe mit einem roten Kelchen. Und er ist deutlich frecher. Diese kleine Schwalbe hat sich nämlich einfach durch das offene Klofenster in unsere Toilettenräume begeben und selber nicht den Weg wieder herausgefunden. Papa musste ihn mit der Hand einfangen und draußen wieder freilassen. Das zweite Mal ist er einfach durch die offene Tür der Toilette wieder nach draußen geflogen.

Vögel als Besucher haben wir bisher noch nie so intensiv gesehen, aber wie man so schön sagt: Es gibt immer ein erstes Mal!

Samuel

Hinweis: Dieser Eintrag wurde per Kurzwelle/Satellitentelefon eingestellt und beinhaltet daher keine Bilder. Diese werden bei Gelegenheit nachgereicht. Nur sporadisch können wir Kommentare lesen und die zur Veröffentlichung notwendige Genehmigung erteilen. Auf Kommentare antworten können (und werden) wir jedoch erst, wenn mal wieder richtiger Internetzugang besteht das soll jedoch bitte niemanden vom Schreiben abhalten! ;-)

Albatrosse und Pelikane

Wer den Skipper etwas näher kennt oder auch nur halbwegs regelmäßiger Leser dieses Blogs ist, weiß um meine Vorliebe für Albatrosse. In den hohen Breiten sind sie häufig gesehene Begleiter. Anmutig, ja geradezu majestätisch gleiten Sie mit ihren meterweit ausgebreiteten Flügeln über die Wellen. Minimalistische Bewegung und wunderschöne Eleganz zeichnen sie aus. Einfach nur ein beeindruckend schönes Erlebnis, sie zu beobachten.

Fährt man dann in niedrigere Breiten, werden Albatrosse jedoch zunehmend rar. Dafür haben wir hier an der südamerikanischen Küste nun andere Gäste bekommen: Pelikane! Erstmals schon in Chile gesichtet, sehen wir sie inzwischen in schöner Regelmäßigkeit. Und auch wenn es erst einmal wenig glaubwürdig klingen mag, auch sie sind ein atemberaubend schöner Anblick.

Aus dem heimischen Zoo kennt man diese großschnabeligen Vögel eher nur vom Vorbeigehen. Hier dagegen fliegen Sie in voller Pracht über den Ozean, gleiten mit wenigen Flügelschlägen dicht über dem Wasser, hin und wieder kratzt eine Flügelspitze in der Welle. Ihre Proportionen sind ganz anders als bei den Albatrossen. Die Brust wölbt sich nach unten, alleine der lange Schnabel macht etwa ein Drittel der Gesamtlänge aus. Und trotzdem ist das Gesamtbild ausgesprochen elegant.

Bei einem ihrer augenscheinlichen Lieblingsmanöver kommen sie von hinten an das fahrende Boot heran, gleiten dicht überholend vorbei, kreuzen den Bug und setzten sich aufs Wasser. Dort beobachten sie dann neugierig das nun wiederum sie überholende Boot.

Hin und wieder kann man sie auch bei einer Aktion beobachten, die man ansonsten eher von kleineren Vögeln gewohnt ist. Aus einiger Höhe stürzen sie sich auf Fischjagd Schnabel-voraus ins Wasser. Was für ein Platsch! Und doch von regelmäßigem Erfolg gesegnet.

Für uns sind die Pelikane in freier Natur eine wirklich überraschende Entdeckung, die mal wieder eine Binsenweisheit bestätigt. Ein Zoo kann noch so lehrreich und auch hilfreich bei der Bewahrung bedrohter Tierarten sein. Die wahre Natur, das echte Leben findet man aber nur außerhalb aller Zäune und Gräben. Und diese Natur ist es, die zu bewahren so unermesslich wichtig ist… leider genau die Disziplin, in der wir Menschen so schlecht (geworden) sind.

Maila feiert Geburtstag

19. Januar 2021 (Callao/Peru)

Ich war die Tage davor sehr aufgeregt auf meinen Geburtstag. Endlich war der Abend vor dem Geburtstag. Ich musste früh ins Bett damit meine Familie schmücken, die Geschenke einpacken und Kuchen backen konnte. Dabei habe ich zwei Filme mit Shaun dem Schaf geguckt.

Ich bin schon um sechs Uhr aufgewacht und habe Samuel, der neben mir gelegen hat, aufgeweckt. Der ist dann aus dem Zimmer gegangen und ich musste warten. Endlich kam meine Familie rein. Sie hatten zwei Kuchen gebacken und haben gesungen. Danach habe ich mich angezogen und bin rausgekommen. Es war schön geschmückt und die Geschenke waren auf dem Tisch. Ich habe mich gleich daran gemacht, die Geschenke auszupacken. Ich habe DVDs (Fünf Freunde) und CDs (Drei Fragezeichen Kids) bekommen. Dazu die acht Planeten unseres Sonnensystems als 3D-Puzzles. Samuel hat mir zum Geburtstag eine schöne Geschichte geschrieben. Ich habe mich über die Geschenke sehr gefreut.

Jetzt bin ich schon neun Jahre alt!
Kartoffelomelett zum Frühstück!

Samuel und ich haben gleich angefangen, die acht Planeten zu puzzeln. Wir hatten dafür genug Zeit, weil wir ausnahmsweise keine Schule machen mussten. Nachmittags haben wir dann noch Karten und Würfelspiele gespielt und abends haben wir gegrillt. Es war ein sehr schöner Tag.

Maila

Alle Planeten sind fertig gepuzzelt

Maila auf dem Pazifik

30. Dezember 2020 – 11. Januar 2021

Wir hatten schon lange geplant, endlich wieder loszufahren. Herr Hellemann (unser Honorarkonsul) hat die letzten Einkäufe gebracht. Danach sind wir endlich los.

Abschied aus Valdivia

Erst sind wir den Fluss raus auf den Pazifik gefahren. Dort wurde es SEHR schaukelig. Die Wellen waren höher als gedacht und der Wind kam aus einer anderen Richtung. Ich habe mich draußen hingesetzt und rausgeguckt. Der erste Tag war ziemlich langweilig. Das Gute war, wir mussten keine Schule machen. Auch am zweiten Tag mussten wir keine Schule machen, weil Mama immer noch übel war. Ich war die meiste Zeit draußen und habe aufs Meer geguckt. Einmal fast drei Stunden lang! Da habe ich mir einen üblen Sonnenbrand geholt. Seitdem muss ich mich immer mit Sonnencreme einschmieren, was nervig ist. Und ich habe mir einen von Papis Hüten genommen.

Ich genieße den Ausblick auf das Meer

Der nächste Tag war auch wieder ziemlich langweilig. Unten hatten wir die Couch zu einem Bett verwandelt, damit jemand darauf schlafen konnte. Mama lag in der Ecke, ihr war immer noch nicht gut. Ich saß draußen. Samuel lag auch draußen und hat ein Hörbuch gehört… fast den ganzen Tag.

Das kann Samuel fast den ganzen Tag machen…

Endlich waren wir bei Isla Robinson Crusoe. Wir hatten uns eine schöne Stelle ausgesucht wo wir den Anker geworfen haben. Am Hauptort waren viele Häuser, die aussahen, als wären es Ferienhäuser. Links davon war ein Weg, der zu kleinen Plätzen führte. Überall waren hohe Berge, wo die Wolken sich vorbei schlängelten. Das sah schön aus. Am nächsten Tag haben Mama und Papa die großen Fender geputzt. Da sind viele kleine bunte Fische aufgetaucht. Einmal haben wir auch eine Robbe gesehen. Wir mussten hier aber auch wieder Schule machen. Das war doof. Nach fünf Tagen ging es wieder los.

Da bin ich vor der Isla Ronbinson Crusoe

Auf der nächsten Fahrt habe ich mich hinter das Steuerrad gesetzt, umgedreht und die Beine rausbaumeln lassen. Dabei habe ich dem Wasser zugeguckt. Kurz danach mussten wir auch wieder Schule machen. Zum Glück nicht soviel Schule wie sonst am Ankerplatz. Ich habe sonst meistens draußen gesessen hinter dem Steuerrad an meinem neuen Lieblingsplatz. Papa hat mich manchmal besucht. Abends habe ich dann auch oft meine Lieblingssendung auf dem Computer geguckt: „Grizzy und die Lemminge“. Das war sehr lustig.

Papa besucht mich auf meinem neuen Lieblingsplatz

Nach drei Tagen haben wir den Berg von der Isla San Ambrosio gesehen. Schließlich dann auch die Isla San Felix. Es gab in der Mitte der Insel eine glatte Fläche. Wir mussten den Berg erst umrunden. Dort haben wir gesehen, dass auf dem Berg viele Vögel nisteten. Das haben wir erkannt, weil die Berge ganz weiß waren. Das ist Vogelkacka. Mama hat Panik bekommen, weil sich an den Steinen die Wellen meterhoch gebrochen haben. Wir sind erst ein bisschen rumgefahren um den richtigen Ankerplatz zu finden. Es war ziemlich wellig auf dem Ankerplatz. Ich fand es aber trotzdem gemütlich.

Isla San Felix mit Vogelkacka

Am zweiten Tag hat Mama plötzlich gesagt, dass wir doch Baden gehen können. Also schnell Badesachen raus! Samuel ist einfach rein gesprungen und hat berichtet, dass das Wasser sehr salzig ist, aber ok wäre zum Baden drin.

Samuel ist als erster reingesprungen

Als erstes hat Mama sich auf die Leiter getraut. Dabei hat sie ein bisschen rumgemault. Dann hat sie schließlich rückwärts reingelegt ins Wasser. Samuel und ich haben gelacht! Dann war ich dran. Ich bin vorsichtig auf die Leiter gestiegen, es hat aber eine Weile gedauert, bis ich wirklich drin war. Ich habe vielleicht ein ganz kleines bisschen rumgemault.

Eigentlich haben wir gar nicht rumgemault
Wir haben Spaß!

Als wir länger drin waren, wurde es wärmer. Samuel hat sich an der Seite ans Boot gehängt. Ich und Mama sind an der Rettungsleine rumgeschwommen, die Papa rausgelassen hat. Wir sind hin und wieder rausgegangen um etwas zu trinken und uns etwas aufzuwärmen. Papi hat gestreikt und lieber telefoniert. Uns anderen hat es sehr viel Spaß gemacht!

Maila

Samuel, ein Wal und der Thunfisch

Pazifik, 2. Januar 2021

Zu Jahresbeginn gab es große Überraschungen. Wir hielten die Angel zum dritten mal auf dem Weg zu der Robinson Crusoe Insel hinaus und erwarteten nichts. Bisher hatten wir gestern nur einmal ein Tier am Haken und das war ein Vogel! Er flatterte vom Haken gezogen auf dem Wasser hinter uns her, bis er sich endlich befreien konnte.

Heute, als ich gerade ein Hörbuch hörte, meldete sich plötzlich die Angel wieder. Ein Fisch hat angebissen! Der Skipper und ich sprangen auf, um den Fisch rein zu ziehen. Doch da war der Fisch auch schon wieder von der Angel weg. Ich ärgerte mich und ging leicht traurig darüber, den ersten Fang des Jahres vermasselt zu haben, zurück zu meinem Hörspiel. Circa eine Stunde später ging die Angel wieder los. Ich stürmte wieder hin, aber auch dieser Fisch floh.

Später am Tag, als Maila und ich gerade iPad spielten, sah Papa einen Wal. Maila und ich hörten natürlich sofort auf zu spielen und betrachteten den Wal. Er war fast so lang wie das Boot und schwamm parallel zu uns eine recht lange Zeit. Als wir im Bestimmungsbuch nachgesehen haben, schwankten wir zwischen zwei Walarten. Wahrscheinlich war es ein Brydewal, vielleicht aber auch der sehr ähnliche Seiwal. Wir haben auf Mamas Wunsch dann auch die Angel eingeholt. Damit der Wal, der kein Interesse an der Angel hatte, nicht aus Versehen anbeißt. Als der Wal dann weg war, spielten Maila und ich noch etwas weiter und der Skipper hat die Angel wieder hinausgelassen.

Wal an Backbord
Wahrscheinlich ist es ein Brydewal

Plötzlich meldete sich die Angel erneut. Allerdings wieder nur kurz. Mist! Kann denn kein Fisch mal dranbleiben?, habe ich mich gefragt. Nach einiger Zeit meldete sich die Angel erneut und dieses mal wirklich. Ein Fisch zog ein wenig Leine raus und dann hielt die Bremse. Bei Ostseefischen wird sie nicht benötigt, weil sie nicht so kampfstark sind wie die Meeresfische. Um 17.10 Uhr hat er angebissen. Der Fisch zog dauerhaft recht stark, als der Skipper die Fahrt drosselte. Anfangs nahm er die Angel, weil wir dachten, dass der Fisch für mich zu stark sei. Aber ich nahm mir dann doch die Angel und bemerkte, dass er gar nicht so stark war. Ich zog ungefähr 20 Meter Leine hinein, bis Papa rief: Ich kann ihn sehen! Als Mama dazukam meinte sie, das sähe aus wie ein kleiner Hai. Das war er natürlich nicht.

Der Skipper nahm den großen, fast vier Meter langen Gaff (also einen langen Haken um Fische rauszuholen), den wir vorher aus der Weinkammer geholt hatten. Er zog den Fisch an Bord und die Familie erstarrte. Am Gaff von Papa hing ein knapp 7 kg schwerer und ungefähr 80 cm langer Thunfisch. Das war der größte und schwerste Fisch, den die Samai jemals an Bord geholt hatte. Als er tot war, nahmen wir ihn aus und halbierten ihn neben der Wirbelsäule. Eine Hälfte legten wir in den Kühlschrank und die andere machten wir für den heutigen Verbrauch bereit.

Später am Abend gab es dann Fisch vom Grill mit Reis und einer Zwiebelpfanne. Wir aßen alle so viel wir konnten und trotzdem blieb noch einiges von dem halben Fisch übrig. Thunfisch satt auch morgen!

Samuel

Der halbe(!) Thunfisch auf dem Grill