Begleiter der Angelito I

Galápagos-Inseln, Februar 2021

Wir sehen in Galápagos wirklich viele Tiere auf den Inseln und beim Schnorcheln. Tolle Eindrücke! Doch manche Sichtung machen wir auch von bzw. an Bord unserer Angelito I. Als erstes sind die Fregattvögel zu nennen. Dafür, dass sie exzellente Flieger sind, legen sie doch eine erstaunliche Faulheit an den Tag, wenn ein Boot vorbei kommt. Auf praktisch jeder Passage haben wir sie als blinde Passagiere an Bord.

Im Wasser begleiten uns auch mal Delfine oder man sieht Mantarochen springen. Das machen sie immer 2-3 Mal und drehen sich dabei sogar. Vermutlich wollen sie beim Aufschlag auf die Wasseroberfläche unerwünschte Parasiten von der Haut vertreiben.

Abends, also wenn wir nicht mal wieder viel zu müde sind, schauen wir noch ein bisschen hinten am Schiff raus. Die Schiffslichter leuchten über das Wasser und darin tummelt sich das Leben. Meist sehen wir nur „normale“ Fische, doch oft schwimmen auch Haie herum. Früher konnte man vor dem Frühstück noch rasch eine Runde ums Schiff schwimmen. Das ist jetzt, nach dem Einbau neuer Generatoren, nicht mehr möglich. Anscheinend senden diese Vibrationen in einer von Haien gerne wahrgenommenen Frequenz aus.

Abends sitzen auch gerne mal ein bis zwei Seelöwen auf der Plattform. Auch hier gilt wohl, dass die ebene, von Menschenhand geschaffene Fläche bequemer ist, als die meisten Steine.

Hin und wieder machen wir morgens auch einen Fund auf dieser Plattform. Da flüchtet ein Fisch vor seinem Jäger und landet auf dem Trockenen. Pech gehabt. Ein Fundstück hatte sogar doppelt Pech… so ein Parasit am Auge stelle ich mir alles andere als angenehm vor.

Vögel auf Isla Genovesa

Galápagos-Inseln, 16. Februar 2021

Über Nacht fahren wir nach Norden über den Äquator. Ziel ist Isla Genovesa, eine Vogelinsel. Keine Untertreibung. Mit dem Sonnenaufgang fahren wir, begrüßt von „Fregatti-Schwärmen“, in die große Kraterbucht auf der Südseite ein.

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)

Schon am Strand werden wir, neben den üblichen Seelöwen, ausgesprochen gefiedert empfangen. Auf den ersten Blick erklärt Maila die Gabelschwanzmöwe zu ihrem neuen Lieblingsvogel. Es ist aber auch wirklich ein schönes Tier. Weißer Bauch, graue Flügel und aus Ihrem schwarzen Kopf stechen die rot umrandeten Augen hervor.

Dazu hat sie noch rote Füße, die sich die Möwe auch gerne mal intensiv anschaut. Frei nach dem Motto: „Sind sie noch da?“

Die Gabelschwanzmöwe ist die einzige nachtaktive Möwe. Wenn es dunkel ist, zieht es sie aufs Meer, um Kalmare zu jagen. Ein Grund dafür sind die Fregattvögel. Die gehen ihrem diebischen Geschäft nur tagsüber nach, so dass die Möwe im Morgengrauen recht angstfrei ihre Kinder füttern kann. Normalerweise legen sie zwei Eier. Herrscht jedoch aus welchem Grund auch immer Nahrungsmangel, wird spontan beschlossen, nur ein Ei zu legen. Das erhöht die Überlebenschancen des Nachwuchses.

In den Mangroven nisten überall Rotfußtölpel. Auch hier ist der Name Programm… mit dem zweiten großen Unterschied, dass der Rotfußtölpel sich im Gegensatz zu seinem blauen Verwandten an Zweigen festkrallen kann.

Was den Körper angeht, sind die meisten Rotfußtölpel eher bräunlich. Nur etwa 2% zeichnen sich durch ein weißes Federkleid aus.

Der Nistplatz in den Mangroven ist gut gewählt, bietet er doch Schutz vor den größeren Fregattvögeln. Die kommen hier nicht rein und können demnach auch nicht beim Füttern stören. Natürlich verhindert das nicht, dass sie die Tölpel ersatzweise in der Luft angehen. Wir kommen zur richtigen Zeit. Viele kleine Tölpel-Plüschbälle schauen uns neugierig aus ihren schwarzen Knopfaugen an.

Dagegen treffen wir die Nascartölpel bevorzugt am Boden an. Sie sind größer und können sich daher auch besser zur Wehr setzen.

Auch die Flora bietet interessante Eindrücke. Die gelb blühenden Kakteen haben hier weiche Stacheln. Fast schon wie Haare. Der Grund ist simpel. Es gibt niemanden, der sie frisst. Da braucht man auch keine Energie in harte Stacheln stecken. Ok, die Früchte sind vor Dawinfinken nicht sicher, doch daran würden auch harte Stacheln nichts ändern.

Das Alter junger Kakteen kann man recht gut an der Anzahl Blätter abschätzen. Einfache Regel: ein Blatt = ein Jahr. Bei älteren Kakteen ist das dagegen schwieriger, da hier die unteren Blätter zu einem Stamm verwachsen. Da bleibt nur eine Schätzung mehr oder weniger weit über 10 Jahren.

Faszinierend ist die Fortpflanzungsstrategie der roten Mangrove. Aus den Knopfsamen bilden sich längliche, bohnenförmige Sprösslinge mit Sollbruchstelle. Sie bilden im Grunde schon eine komplette kleine Pflanze mit Stiel und Blatt. Nach dem Runterfallen bleiben sie oft gleich im Sand stecken und schlagen schnell Wurzeln. Aber es macht ihnen auch nichts aus, ein Jahr mit den Gezeitenströmen zu treiben.

Hin und wieder sehen wir noch Galápagos-Spottdrosseln, Nachtreiher und große Darwinfinken. Wie schon gesagt… ein Vogelparadies.

Junger Nachtreiher
Ausgewachsener Nachtreiher
Großer Darawinfink

Am Wendepunkt unseres kleinen Spazierganges gehen wir auf Meeresgrund. Zumindest bei Hochwasser ist hier alles überflutet. An den Steinen kleben Austern und Muscheln. Die lila gefärbten sind besonders alt, kleine Galápagos-Winkerkrabben machen auf sich aufmerksam, ein paar hier besonders kleine Meerleguane laufen durch die Steine und natürlich liegen auch Seelöwen herum. Wie immer alles sehr entspannt und wenig scheu. Eine Ausnahme bildet lediglich der Steinwälzer. Der überwintert in Kanada und lernt dort, dass ein wenig Vorsicht nicht schaden kann.

Na wo ist denn die…
Galápagos-Winkerkrabbe
Kleiner Meerleguan
Steinwälzer

Zum Schnorchelausflug fahren wir heute an einen steilen Abbruch. Hier geht es schnell tief runter. Wieder sehen wir ein paar Seelöwen, dazu auch drei Meeresschildkröten, natürlich viele bunte Fische und auch einen kleinen, gelben Kugelfisch. Ganz anders als gestern, aber nicht weniger schön.

Der Nachmittagsausflug führt uns in eine andere Ecke der Isla Genovesa. Wir steuern die Prinz-Philip-Treppe an und werden natürlich wieder von Seelöwen und -bären empfangen.

An Land dann wieder – wenig überraschend – viele Vögel. Allgemein finden sich auf der Insel mehr Bindenfregattvögel. Sie zeichnen sich im Gegensatz zu den bisher öfters gesehenen Prachtfregattvögeln durch einen herzförmigen roten Kehlsack sowie teils grünliche Flügelfedern aus.

Am Boden stehen kleine Nascartölpel, die sich die Wartezeit bis zu Rückkehr der Futter bringenden Eltern vertreiben. Ganz wichtig ist das Spiel mit dem Stöckchen. Immer wieder wird es hoch geworfen und nach einer Drehung wieder aufgefangen. So lernt man den Umgang mit den später hoffentlich gefangenen Fischen. Dabei hat von den Kindern normaler Weise nur eines realistische Chancen. Die zwei Eier werden im Abstand von fünf Tagen gelegt. Entsprechend schlüpfen die Küken. Anfangs bekommen noch beide Futter gebracht, doch irgendwann wird der Schwächere aus dem Nest gedrängt. Meistens ist das der Zweitgeschlüpfte…

Bei diesem Spaziergang erzählt uns Maja auch die Geschichte der Wollsackschildlaus. Sie wurde eingeschleppt und hat sich ohne natürliche Feinde sogleich daran gemacht, ganze Abschnitte von Mangroven und anderen Pflanzen zu vernichten. Es wurde einiges versucht, um die Plage in den Griff zu bekommen, doch Abhilfe schaffte erst die „kalifornische Lösung“. Dort hatte man das gleiche Problem mit Hilfe von australischen Marienkäfern gelöst. Diese fressen die Wollsackschildlaus und sterben selbst, wenn letztere nicht mehr da ist. Nach jahrelangen Studien gab es für dieses auf Galápagos eigentlich undenkbare Vorgehen grünes Licht und es hat funktioniert. Werden heute irgendwo von einem der aufmerksamen Guides Wollsackschildläuse gemeldet, müssen nur ca. 40 dieser Marienkäfer ausgesetzt werden und das Problem hat sich in 2-3 Wochen erledigt.

An der Meerseite wachsen Algen(!) an den Bäumen…

Dann beginnt die große Suche. Wo ist die Sumpfohreule? Recht klein und perfekt getarnt hält sie sich zur Jagd vor allem am Boden auf. Zuerst finden wir Gewölle mit Kopf und Schnabel. Die Sumpfohreule frisst bevorzugt ganze Tiere. Schließlich entdeckt La Skipper das erste Exemplar regungslos neben einem Stein stehend. Die zweite Sichtung geht auf eines der Schweizer Kinder.

Suchbild mit Eule…

Was für ein Glück. Vogelfreunde und Ornithologen würden vor Neid erblassen. Aber wo auch sonst sollte man solche Beobachtungen machen können, wenn nicht auf Genovesa, der Isla de los pájaros.

Adiós!

Ausblicke am Sombrero Chino und von Isla Bartolomé

Galápagos-Inseln, 15. Februar 2021

Nach unserer ersten Nacht an Bord der Angelito I dürfen wir fast schon ausschlafen. Faktisch steigen wir erst um acht Uhr in die Zodiacs. Zum Vormittagsausflug geht es zum „Chinesischen Hut“.

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)
Der Name kommt nicht von ungefähr!

Kaum unterwegs, sehen wir unsere ersten Galápagos-Pinguine. Immer noch auf der Südhalbkugel sind das die nördlichsten Vertreter ihrer Vogelfamilie.

Bei der nassen Landung am Strand werden wir tierisch empfangen. Ein paniertes Robbenkind, Lavareiher und Pelikane zeigen sich jedoch weitgehend desinteressiert.

Sofort fällt uns auch die Beschaffenheit des weißen Sandes und mehr noch die kleinen, weißen Steinchen auf, die sich auch später immer mal wieder finden: Korallen.

Maja führt uns über die Insel und wird nicht müde, ihren unglaublichen Wissensschatz mit uns zu teilen. Die aromatisch duftenden gelben Blüten der haarigen Galápagos-Tomaten, Wolfsmilchgewächse, kleine Ziegenkopfsamen (wer die bei Trockenheit knacken kann, der überlebt!).

Galápagos-Tomate
Ziegenkopfsamen… wohl dem, der Schuhe trägt.

Ihre Antworten kommen meist schneller als unsere Fragen. Doch wir haben ja noch fünf neugierige Kinder dabei. Denen fällt immer noch was ein und Maja nimmt die Herausforderung ihrer Fragenflut tapfer an.

Nicht verzweifeln… ist doch nur noch EINE Frage! ;-)

Der Vulkan selbst darf nicht bestiegen werden. Das liegt unter anderem auch an sich den überall durch den Untergrund ziehenden Lavatunneln. Auch in Küstennähe sehen wir mehrere, wobei sich einer davon besonders gut zum Durchkrabbeln eignet… zumindest für die kleineren Gäste.

Am Wendepunkt unseres Spaziergangs wimmelt es vor rauschender Brandung von Seelöwen, Lavaechsen und roten Klippenkrabben.

Von letzteren liegen auch immer mal wieder „T-Shirts“ herum. So nennen wir die leeren Hüllen, welche die Krabben nach ihrer Häutung zurücklassen.

Später werden wir dann noch Zeuge einer ganz besonderen Auseinandersetzung. Mitten auf dem Weg streiten sich zwei Einsiedlerkrebse um eine schützende Behausung. In der zunehmenden Hitze ist das ein gefährliches Unterfangen, insbesondere für den Verlierer. Doch Schneckenhäuser in passender Größe liegen hier auch nicht gerade rum wie Sand am Meer. Wer überleben will, muss kämpfen…

… und natürlich auch trinken!

Es wird immer heißer. Da kommt eine Abkühlung sehr gelegen. Noch vor dem Mittagessen machen wir unseren ersten Schnorchelausflug. Recht flaches Wasser, ein paar Fische, auch mal ein Seelöwe und vor allem viel Spaß.

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Am Nachmittag erreichen wir nach gut 1-stündiger Fahrt die Isla Bartolomé. Hier steht eine kleine Vulkanwanderung auf dem Programm

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)

Das nahe liegende und doch hinreichend ferne Ziel ist der Aussichtspunkt ganz oben. Querfeldein ist dabei absolut tabu. Direkt von der Landungsstelle zieht sich ein langer Holzweg mit fast 400 Stufen am Hang entlang in die Höhe.

Dabei hatte schon der Bau dieses Weges Probleme mit sich gebracht. In dem verwendeten Holz hatten sich Ameisennester versteckt. Die eingeschleppten Tiere haben der hiesigen, spärlichen Fauna wenig überraschend nicht sehr gut getan. Inzwischen wurde der Fehler korrigiert und die wenigen verbliebenen Ameisen gehören auf die Insel. Ansonsten sehen wir abgesehen von ein paar Lavaechsen keine Tiere.

Ohnehin fragen wir uns, wie es tierisches Leben auf dieser Insel überhaupt schaffen soll. Die Landschaft ist – vorsichtig gesagt – karg. In der Landschaft verteilte Magmabomen zeugen ebenso davon, dass es sich hier um einen explosiven Vulkan handelt, wie die glitzernden Metalle und Spurenelemente.

Die wenigen Pflanzen leben vom Tau. Kleine sie schützenden Härchen sorgen dafür, dass ihre eigentlich grüne Farbe als schmutziges grau erscheint. Zudem sondern sie über ihre flachen Wurzeln Herbizide ab, damit andere Pflanzen nicht zu nahe kommen. Bei knappen Ressourcen wir mit allen Mitteln ums Überleben gekämpft. Schnelles Wachstum ist ebenso ausgeschlossen. Maja zeigt uns einen Lavakaktus (eine sogenannte „Pionierpflanze“), den sie schon seit 34 Jahren kennt. Immerhin hat er seine Größe in dieser Zeit nahezu verdoppelt.

Ein alter Bekannter!

Damit es bei all dieser Kargheit nicht zu langweilig wird, kamen ein paar Guides auf die Idee der „Geburtstagsstufe“. Entsprechend der Anzahl Tage ist der jeweilige Monatsletzte und folgende -erste an den Stufen markiert. So wandert man sich durch den Jahreskalender empor und macht an seiner ganz persönlichen Geburtstagsstufe eine besonders ausgiebige Pause.

Zugegeben zieht sich dieser Ausflug für die Kinder trotzdem etwas in die Länge. Doch sie machen tapfer mit. Endlich am Gipfel angekommen, genießen wir die grandiose Aussicht.

Da kommen wir her und da müssen wir wieder hin…

Nerd-Wissen: Die Galápagos-Inseln waren Schauplatz im Film „Master & Commander“ mit Russel Crowe. So wurde die Eröffnungsszene genau hier, auf der Isla Bartolomé gedreht. Es war das erste Mal, dass eine „Nicht-Dokumentation“ hier filmen durfte.

Der Abstieg beginnt…

Zurück am Anlandungsplatz haben es sich wieder Seelöwen bequem gemacht. Auf so einer eben planierten Treppe liegt es sich auch viel schöner als auf kantigen Steinen.

Zurück im Zodiac machen wir dann noch eine kleine Rundfahrt und werden mit Galápagos-Pinguinen und in den Felsen liegenden Seelöwen belohnt.

Zurück an Bord müssen wir erst einmal kräftig durchatmen. Was für ein ereignisreicher Tag. Wie lange sind wir jetzt schon hier? Seit gestern?? Das kann nicht sein… es fühlt sich so viel länger an. Und doch war das im Grunde doch erst der Anfang…

Bürokratie in Südamerika: Ecuador

Anfang 2021
Uns ist schon klar, dass wir gerade nicht in normalen Zeiten leben. Das betrifft natürlich nicht zuletzt die Einreise in fremde Länder. Da können sich die Vorschriften täglich ändern und so richtig offen und normal geht es gerade wohl in kaum einem Land zu. Auch in Ecuador durchlaufen wir offensichtlich nicht das übliche Prozedere, aber immerhin durften wir trotz offiziell geschlossener Seegrenzen dann wohl doch so halbwegs offiziell immigrieren. Das glauben wir zumindest.
Um die einzelnen Schritte der Ein- und Ausreise haben wir uns zugegebener Maßen gar nicht selbst gekümmert, sondern den Service vom Puerto Amistad (je 180$) in Anspruch genommen. Allerdings bleibt uns im Grunde gar keine realistische Wahl. Auch nicht bei der aufgrund der aktuellen Zeiten von den Behörden zusätzlich erhobenen Sondergebühr oder ist es die Notwendigkeit, eine bestimmte Agentur in Manta zu bemühen? oder ist es dann doch einfach nur die Schmiere, welche uns die Einreise überhaupt erst ermöglicht? So genau werden wir das wohl nie erfahren.
Der Prozess selbst gestaltet sich für uns denkbar einfach. Ich gebe Miguel von der Marina unser Schiffszertifikat, eine Crewliste und die letzten erhältlichen Reiseunterlagen. Also das inzwischen uralte argentinische Zarpe aus Ushuaia sowie ein chilenisches Schreiben aus Valdivia. Im Hintergrund geht dann alles seine verschlungenen Wege. Ich frage hin und wieder mal nach und bekomme stets die Information, dass alles gut laufe. Stempel im Pass? Nein, die würden wir weder brauchen noch bekommen das sei alles im System gespeichert.
Doch dann geben wir unsere Absicht bekannt, zu den Galapagos-Inseln zu fliegen. Es ist eigentlich nur ein Inlandsflug. Trotzdem beschleicht uns das ungute Gefühl, dass es da durchaus Rückfragen geben könnte, wenn wir mit Pässen ohne Einreisestempel auftauchen. Einen Tag vor Beginn unserer 1-monatigen Rundreise wird das wohl auch unserem Service klar. Spontan muss der Skipper persönlich in die nächstgrößere Stadt Manta, um die Pässe stempeln zu lassen. Perfektes Timing, habe heute ja sonst nichts zu tun. Vorab bekomme ich die vorzulegenden Papiere zur Unterschrift. Hmmm warum hat unser Boot einen anderen Namen und warum sind wir in der Crew-Liste plötzlich alle zu Holländern geworden? Könnte das etwas mit dem nur Tage vor uns eingetroffenen Boot aus dem deutschen Nachbarland zu tun haben? Aber das sei nicht weiter schlimm. Das mit dem Bootnamen werde bis zu meiner Ankunft bei der Immigration in Manta korrigiert und die Nationalität der Crew spiele ohnehin keine Rolle.
Im Büro der Immigration scheint unser Vorgang tatsächlich bekannt zu sein. Ich lege die Papiere vor, korrigiere mündlich nochmal die falschen Angaben und schon sucht die nette Dame den Schlüssel für einen kleinen Wandschrank raus. Darin liegen Stempel. Kurz danach sind wir offiziell eingereist.
Die Ausreise gestaltet sich technisch noch unkomplizierter für uns. Ich bestätige mündlich unseren geplanten Abreisetermin und den nächsten Hafen. Wenige Tage später muss ich ein paar Papiere unterschreiben, die von Miguel dann zum Hafenkapitän gebracht werden. Letzterer stellt uns auch unser internationales Zarpe nach Golfito/Costa Rica aus. Natürlich sind wir darin immer noch als Holländer geführt. Meine Frage, ob ich nochmal zur Immigration nach Manta muss, wird verneint. Früher, also in normalen Zeiten, wäre das wohl nötig gewesen. Jetzt nicht mehr. Ausreisestempel werden wir auch nicht bekommen, denn das sei alles im System gespeichert.
Jetzt mag der ein oder andere der Einklarierung nicht unkundige Segler sicher fragen, was denn nun mit Customs ist. Der Zoll ist neben Hafenkapitän und Immigration eigentlich immer die dritte notwendige Anlaufstelle. Ehrliche Antwort: keine Ahnung.
So sind wir nun also auf dem Weg nach Costa Rica. In den Pässen zwar Ein- aber keine Ausreisestempel aus Ecuador, in der Hand immerhin ein internationales Zarpe. Auch in Golfito werden wir den Service der Banana Bay Marina in Anspruch nehmen. Das ist wohl gerade mit eingeschränkten Kenntnissen der spanischen Sprache und in nicht ganz normalen Zeiten eine gute Empfehlung. Unsere Unterlagen haben wir alle schon vorab per Email hingeschickt. Problematisch ist nur der binnen drei Tagen vor Ankunft in Costa Rica online auszufüllenden Health Pass. Offiziell ist das Pflicht, doch ohne normalen Internetzugang haben wir da auf dem offenen Pazifik keine Chance. Das sei jedoch nicht weiter schlimm und könne auch vor Ort nachgeholt werden. Zumindest in manchen Ländern Süd- und Mittelamerikas von Chile reden wir hier besser nicht werden gewisse Dinge offensichtlich sehr pragmatisch angegangen gerade in weniger normalen Zeiten.
Hinweis: Dieser Eintrag wurde per Kurzwelle/Satellitentelefon eingestellt und beinhaltet daher keine Bilder. Diese werden bei Gelegenheit nachgereicht. Nur sporadisch können wir Kommentare lesen und die zur Veröffentlichung notwendige Genehmigung erteilen. Auf Kommentare antworten können (und werden) wir jedoch erst, wenn mal wieder richtiger Internetzugang besteht das soll jedoch bitte niemanden vom Schreiben abhalten! ;-)

Ein typischer Tag auf der Angelito I

Wir sind ja nicht zum Spaß auf einer Galápagos-Kreuzfahrt. Sowas ist nicht billig und da möchte man natürlich auch ordentlich was unternehmen. Doch das ist auf der Angelito I kein Problem. Die Fahrt ist gnadenlos durchgetaktet. Die Schiffe haben im Grunde auch keine Wahl. Ihre Route ist vorab beantragt, genehmigt und muss penibel eingehalten werden. Dabei gibt es im Wesentlichen zwei Varianten. Wir machen die sogenannte Itinerary A und besuchen dabei eher die zentralen bzw. östlichen Inseln. Die größte Insel Isabela, Hauptziel von Itinerary B, lassen wir dagegen aus.

Wir machen die rote Itinerary A

Ein typischer Tag sieht nun also wie folgt aus:

  • Eigentlich beginnt es immer schon am Vorabend. Nach dem Essen bereitet Führerin Maja uns Gäste sehr sorgfältig auf die am nächsten Tag geplanten Ausflüge vor. Sie erzählt, wann es jeweils losgeht, ob es eine trockene oder nasse Landung wird, was wir machen und was uns so erwartet. Danach gibt es oft noch einen kurzen Info-Film und eine kleine Hai-Show rund ums Boot. Dann werden wir müde in die Betten entlassen.
  • Längere Strecken legt das Schiff in der Nacht zurück. Dabei hat jede Kabine ihre Vor- und Nachteile. Weiter hinten ist der Motor lauter, dafür schaukelt es vorne etwas mehr und man hört den Anker ausgesprochen deutlich. Wir sind mit den zwei vordersten Kabinen ausgesprochen glücklich.
Wir schlafen hinter dem rechten der vier mittleren Fenster…
  • Je nach Ausflugsbeginn geht der Wecker früh oder noch etwas früher. Vor dem Frühstück steht noch eine Temperaturmessung an. Das ist zwar keine Pflicht, wird hier an Bord aber auf freiwilliger Basis durchgeführt.
  • Nach dem reichhaltigen Frühstück steigen wir zum ersten Landausflug in die Zodiacs.
  • Zurück an Bord gibt es zur Begrüßung einen ersten Snack. Dazu werden meist Früchte gereicht. Natürlich stets begleitet von einem leckeren, frischgepressten Saft.
  • Meistens vor, manchmal auch direkt nach dem Mittagessen machen wir einen Schnorchelausflug. Dabei gibt es im Grunde keine echte Zeitbegrenzung… man kommt raus, wenn es langsam zu frisch wird.
  • Zurück an Bord werden die ausgekühlten Schnorchler mit einem warmen Getränk (Tee oder Kakao) begrüßt.
  • Das Mittagessen (natürlich mit Vorsuppe und Nachtisch) erwähnte ich ja schon.
  • Am Nachmittag geht es dann wieder mit den Zodiacs zum zweiten Landausflug.
  • Zurück an Bord gibt es zur Begrüßung einen weiteren Snack. Dabei kann es sich durchaus auch schon mal um Pizza oder HotDogs handeln. Natürlich stets begleitet von einem leckeren, frischgepressten Saft.
  • Tja und dann ist auch schon bald wieder Zeit für das Abendessen (natürlich mit Vorsuppe und Nachtisch).

Ich sage mal so… trotz aller Bewegung an Land und im Wasser laufen wir nicht auch nur im geringsten Gefahr, vom Fleisch zu fallen. Tatsächlich bleibt mit fortschreitenden Tagen auch immer wieder mal etwas mehr liegen… manchmal kann mir unser Koch schon leid tun.

Nein, das ist NICHT unser Koch! ;-)

Nur gut eine Woche verbringen wir auf der Angelito I, und doch kommt es uns viel länger vor. Es sind einfach sooooooo viele tolle Eindrücke. Davon ab dem nächsten Mal wieder mehr!

Das Hinterherziehen der Zodiacs ist eine Ausnahme… normalerweise verbringen sie die Fahrt sicher an ihren seitlichen Aufhängungen hochgezogen.