Samuel über die Tierwelt in Galápagos – Wasser

In Galápagos waren wir fast jeden Tag baden oder eher schnorcheln. Wir bekamen Flossen und eine Taucherbrille mit Schnorchel, wurden dann in eine Schnorchelbucht gefahren und sind ins Wasser gesprungen.

Einmal sind wir in einem Vulkankrater schnorcheln. Dort geht es schnell tief ins Wasser, weshalb es da hilfreich ist, tauchen zu können. Bei uns an Bord auf der Angelito I gibt es einen Fotografen. Er heißt Stefan und er hat mir angeboten, die Kamera für Unterwasserbilder zu nehmen. Ich habe dieses Angebot dankend angenommen und bekam nach einiger Zeit im Wasser auch die Kamera. Dort mache ich super Bilder der herumschwimmenden Tiere.

Es gibt große Fische mit einem seltsamen Gnubbel auf dem Kopf und es gibt große Schwärme an Doktorfischen, durch die ich durchtauche. An anderen Orten sehen wir größtenteils dieselben Fische, aber auch immer mindestens eine neue Fischart.

In einer Bucht gab es auch Pelzrobben. Sie waren in der Antarktis die „pissigen“ Robben, denen man nicht zu nahe kommen sollte. Aber hier kann man gar nicht verhindern, dass sie ins Wasser gehen wo wir Schnorcheln. Nun, wie es kommen muss geht eine von ihnen ins Wasser. Wir alle schwimmen hin und ich schieße recht gute Fotos. Seltsam war, dass er die ganze Zeit auf dem Kopf steht oder eher schwimmt. Ihr fragt, wieso wir alle dort hingeschwommen sind? Ganz einfach! Vor dem Schnorcheln hat Maja, unsere Führerin uns erklärt, dass sie hier in Galápagos total harmlos sind. Nur streicheln sollte man sie nicht. Dann hauen sie ab, beißen aber nicht.

Zurück zu den Fischen. Wir sehen welche, mit gelbe Flossenspitzen und eine gelbe, über Rückenflosse und Bauchflosse verlaufende Linie haben. Sie sind sonst komplett schwarz mit einem weißen Streifen hinter den Kiemen. Diese Fische heißen Galápagos-Kaiserfische. Das sind die absolut Schönsten von allen.

Es gab aber auch Fische, die auf Tarnung setzen. Da ist beispielsweise einer, mit einem komplett grün-schwarzen Körper. Der auf leicht bewachsenen Felsen so gut wie unsichtbar ist. Es gibt aber auch andere. Es gibt immer mal wieder kleine, schwarze Fische mit großen Augen. Solange sie sich auf Felsen nicht bewegen, erkennt man sie wie die gerade besprochenen Fische nicht.

Etwas Gefährliches, zumindest denken das viele, ist das Schnorcheln mit Haien! Ja, ich meine Haie! Überall außer auf Galapagos ist es auch nicht ungefährlich! Wir schnorcheln mit erwachsenen Weißspitzenriffhaien sowie mit kleinen Babyhaien. Mit den kleinen Babyhaien sind auch einige Schildkröten im Wasser gewesen, an die ich fast einen halben Meter heran schwimmen kann. Eine der Schildkröten hat wohl Hunger, weshalb sie Algen vom Stein abfrisst.

In der selben Bucht spielen etwa zehn Galápagos-Seelöwen. Papa ist genau dort hinein geschwommen. Ich habe es aber verpasst das zu fotografieren. Auf dem Spielplatz für die Seelöwen habe ich trotzdem super süße Bilder gemacht. Eines davon ist eine Robbe mit einem Stück Alge im Mund. Einige der Seelöwen sind außerdem so dicht an mir vorbei geschwommen, dass mich ihre Tasthaaren – oder wie man die bei Seelöwen nennt – berührt haben.

In einer anderen Ankerbucht sind zwei sehr lustiges Ereignisse an der Tagesordnung. Erstens sehen wir, wie ein erwachsener Weißspitzenriffhai von einem erwachsenen Seelöwen weggejagt wird. Zweitens, wie ich durch einen Schwarm kleiner roter Fischchen schwimme. Sie heißen Soldatenfisch und werden ausgewachsen etwa so groß wie ein Fingernagel.

Aber das ist nicht das lustige, sondern das. dass mich plötzlich ein Gesicht mit spitzen Zähnen anblickt. Es sieht gespenstisch aus und auch etwas gefährlich. Es handelt sich dabei aber lediglich um einen augenscheinlich schlecht gelaunten Fisch, der sich in einer Steinnische verkrochen hat und dessen Zähne vorn aus dem Mund schauen.

Ein neugieriger Seelöwe
Samuel auf Fototauchgang

In der letzten Schnorchelbucht passiert noch etwas sehr Cooles! Zum einen sehen wir einen schwarz-weißen Kugelfisch sowie ein paar Pelzrobben. Nach einiger Zeit fängt es an stark zu Regnen, was von unter Wasser richtig cool aussieht. Aber das ist nicht das Coolste. Das Coolste war mit Abstand ein Erlebnis mit der Kamera. Hat von euch schon mal jemand in das Maul einer Pelzrobbe geschaut? Ich glaube nicht. Das konnte ich von mir auch noch nicht behaupten. Bis zu diesem Tag. Eine Pelzrobbe ist höchst interessiert an die Kamera geschwommen und kommt auf weniger als 10 cm heran. Dort vollführt sie einige Akrobatikübungen und präsentiert dann ihr Maul. Sie schwimmt einen Scheinangriff auf die Kamera, dreht aber kurz davor ab. Ich schwimme zurück und sehe, dass sie mir nicht folgt. Wahrscheinlich hat sie ihr Spiegelbild in der Kamera verscheuchen wollen. Das hat ja auch irgendwie geklappt.

Vielen Dank an Stefan Tschumi und Stephanie Bernhard für die Kamera, mit der ich sämtliche Bilder in diesem Beitrag gemacht habe.

Samuel (Text & Fotos)

Leguane auf Isla Santiago und Kakteen auf Isla Rabida

Galápagos-Inseln, 17. Februar 2021

Wieder fahren wir die Nacht durch, zurück auf die Südhalbkugel, Richtung Isla Santiago. Doch trotz der (für uns ausgesprochen sachten, ja im Grunde angenehmen) Schaukelei geht es heute früh los. Wir wollen Leguane sehen und die mögen es in der heißen Mittagssonne nicht so sehr.

Dabei waren die Landleguane auf der Isla Santiago eigentlich schon ausgestorben. Charles Darwin war bei seinem 5-tägigen Aufenthalt einer der letzten, der sie noch in großer Zahl sehen konnte. Nicht viel später machten eingeschleppte Tiere, insbesondere Ratten, aber auch wilde Schweine und Ziegen dem ein Ende. Doch auf Seymour Norte gab es zu viele Landleguane. Da es die gleiche Art ist, wurden einige davon nach Isla Santiago verbracht. Heute leben hier wieder etwa 3.000 dieser Tiere.

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)

Es ist also noch recht früh bei unserer Anlandung am schwarzen Lavastrand. Fast noch Morgendämmerung… Moskitozeit… Repellent Pflicht! Gleich fällt uns eine Hinweisplatte auf. Diese wurden früher auf „interessanten“ Inseln angebracht. Fischer brachten dann Touristen dorthin und haben sie einige Zeit später wieder abgeholt. Diese Zeiten sind zum Glück für die Natur inzwischen vorbei.

Isla Santiago ist momentan vergleichsweise grün. Der Sandsteinboden ist gut, Wicken und Winden fangen schon an zu wachsen und überall sind hübsche kleine Blüten zu entdecken.

Doch auch die Tiere lassen sich nicht lange bitten. Eine bunte Heuschrecke posiert fotogen, eine weibliche Lavaechse sonnt sich, ein kleiner, neugieriger Vogel mag offensichtlich Kameras und fliegt mich kurz an.

Quer über dem Weg wärmt sich ein erster, großer (Land-)Leguan in der Vormittagssonne. Vorsichtig schleichen wir uns vorbei.

Lavaechse

Wieder an der Küste angekommen, empfängt uns ein Pelikanskelett. Dieses Jahr sind wohl recht viele dieser schönen Vögel hier gestorben. Erst ein paar wenige Seebären ruhen sich nach ihrer nächtlichen Jagd zwischen den Felsen aus. Dafür finden sich umso mehr rote Klippenkrabben, ihre leeren T-Shirts und natürlich auch wieder (Meer-)Leguane.

Interessiert schauen wir den Leguanen bei ihren Gesprächen zu. Ja, das Verb ist korrekt gewählt! Die Kommunikation erfolgt mittels Kopfnicken. Da braucht es natürlich ein wenig Glück, dass der „Angesprochene“ auch gerade in die richtige Richtung schaut.

Hallo… ich rede mit dir!!!

Interessant ist auch die Zusammensetzung des groben Sandes. Natürlich sind es vor allem viele kleine Steine. Doch immer wieder finden sich dunklere, leicht rötliche Bereiche. Hier zeigen sich im Detail unzählige, zerbrochene Stachelreste von Griffelseeigeln. Ihre Stacheln sind so hart, dass man damit problemlos in flache Steine ritzen könnte… das ist auf Galápagos allerdings offiziell verboten!

Dann erlaubt man sich einen bösen Spaß mit dem Skipper. Die schon etwas vorgelaufene Gruppe ruft fragend, ob ich Maila gesehen hätte. Nein. Wo ist sie? Rundumblick, lautes Rufen… doch die lächelnden Gesichter der Anderen lässt mich innehalten. Plötzlich taucht Mailas Kopf aus einem Loch im Boden auf und sie winkt mir lachend zu. Reingelegt!

Zum Abschied entdecken wir noch ein paar Braunmantel-Austernfischer. In einem Nest ist gerade Wachwechsel. Eine anderes Elterntier ist schon weiter und sitzt mit den Kindern entspannt auf den Steinen.

Nach kurzer Fahrt (mit Saltos vollführenden Rochen) werfen wir den Anker bei der Santiago südlich vorgelagerten Isla Rabida und holen die Schnorchelsachen raus. Wieder sind wir an einer Felskante, die heute aber nicht so tief abfällt.

Hier geht es gleich ins Wasser!

Große Schwärme nicht nur von Doktorfischen umgeben uns, Robben spielen im Wasser und zweimal sichten wir einen – für Menschen ungefährlichen – Weißspitzenriffhai. Ein richtig toller Ausflug in die Unterwasserwelt.

Verspielter Seelöwe
Weißspitzenriffhai
La Skipper ist begeistert!

Dabei bekommt Samuel von unserem Fotografenpärchen an Bord eine richtig gute Kamera in einem richtig guten Unterwassergehäuse ausgeliehen und macht damit dann auch richtig gute Fotos… doch die zeigt er in seinem eigenen Beitrag.

Nerd-Wissen: Der Doktorfisch hat seinen Namen von hornartigen Klingen („Skalpellen“), die sie zur Verteidigung vor der Schwanzflosse haben. Man sollte einen Doktorfisch also niemals von hinten mit der bloßen Hand greifen…

Auf einer kleinen Fahrt mit der Angelito I rund um Isla Rabida werden wir dann leider Zeuge von touristischem Verhalten der weniger schönen Art. Drei bis vier vollbesetzte Zodiacs eines anderen Schiffes (nennen wir es „Evolution“) jagen johlend einer Delfinschule hinterher.

Es wird um sie herum, aber auch gerne mal einfach mitten durch gefahren. Dann wird mit Vollgas überholt, aufgestoppt und mit großen Erwartungen – nein, es ist tatsächlich Jagdfieber! – springen die Passagiere als knappes Dutzend ins Wasser, um einen Augenblick mit den offensichtlich wenig erfreuten Delfinen zu schnorcheln. Schnell sind die Eindringlinge wieder alleine, klettern zurück ins Zodiac und das Spiel beginnt von vorne. Ein Paradebeispiel dafür, wie es nicht sein sollte und in der Tat wird unser Guide Maja diesen Vorfall bei der Parkaufsicht melden… gut so!

Der Nachmittagsspaziergang auf Isla Rabida steht im Zeichen der Kakteen. Ok, eigentlich wären ein paar Flamingos auch schön gewesen, aber die kleine Lagune ist leider verwaist.

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)

Dafür zeigen sich die stacheligen Freunde in wahrlich ungewohnter Form. Wie schon an anderer Stelle geschrieben, verdickt sich der untere Teil dieser Kakteen nach etwa 10 Jahren zu einem Stamm. Anfangs hat der Stamm auch noch Stacheln, doch die werden alt und fallen irgendwann ab. Die Energie für neue Stacheln wird jedoch nicht aufgewendet, die dicke Rinde ist Schutz genug.

Die großen, dicken Opuntia-Feigenkakteen werden so locker über 100 Jahre alt. Und wenn es sie dann doch mal umwirft, wachsen aus den alten Astteilen neue Kakteen. Zeit dafür ist genug, hier auf der Insel gibt es keine kakteenfressenden Tiere. Lediglich die Samen sind vor Darwinfinken nicht sicher.

Die bodennahen Büsche sind noch grau, doch die Balsambäume fangen schon an zu Grünen. Wenn man ihr ausgesprochen langsames Wachstum bedenkt, sind sie teils von beachtlicher Größe. Auch die aufsitzenden, den Bäumen aber nicht weiter schadenden Flechten, wachsen sehr langsam. Als Faustregel gilt: große Balsambäume mit vielen Flechten sind uralt!

Nerd-Wissen: Auf Floreana wurden Flechten einstmals von Sträflingen abgebaut, um daraus in einem recht komplizierten Prozess den Farbstoff Lackmus zu gewinnen.

Auf dem Weg entlang der Steilküste genießen wir das immer wieder schöne Panorama und sichten noch einen Goldrochen.

Zurück am Strand ignorieren wir die ebenfalls eingetroffenen Delfinjäger, wieder an Bord beobachten wir noch ein paar bei ihrer natürlichen Jagd aus dem Wasser springende Thunfische und nach einem erneut sehr leckeren Abendessen geht es auch heute nicht zu spät ins Bett… müde von einem weiteren, ereignisreichen Tag auf Galápagos.

Goldrochen

Begleiter der Angelito I

Galápagos-Inseln, Februar 2021

Wir sehen in Galápagos wirklich viele Tiere auf den Inseln und beim Schnorcheln. Tolle Eindrücke! Doch manche Sichtung machen wir auch von bzw. an Bord unserer Angelito I. Als erstes sind die Fregattvögel zu nennen. Dafür, dass sie exzellente Flieger sind, legen sie doch eine erstaunliche Faulheit an den Tag, wenn ein Boot vorbei kommt. Auf praktisch jeder Passage haben wir sie als blinde Passagiere an Bord.

Im Wasser begleiten uns auch mal Delfine oder man sieht Mantarochen springen. Das machen sie immer 2-3 Mal und drehen sich dabei sogar. Vermutlich wollen sie beim Aufschlag auf die Wasseroberfläche unerwünschte Parasiten von der Haut vertreiben.

Abends, also wenn wir nicht mal wieder viel zu müde sind, schauen wir noch ein bisschen hinten am Schiff raus. Die Schiffslichter leuchten über das Wasser und darin tummelt sich das Leben. Meist sehen wir nur „normale“ Fische, doch oft schwimmen auch Haie herum. Früher konnte man vor dem Frühstück noch rasch eine Runde ums Schiff schwimmen. Das ist jetzt, nach dem Einbau neuer Generatoren, nicht mehr möglich. Anscheinend senden diese Vibrationen in einer von Haien gerne wahrgenommenen Frequenz aus.

Abends sitzen auch gerne mal ein bis zwei Seelöwen auf der Plattform. Auch hier gilt wohl, dass die ebene, von Menschenhand geschaffene Fläche bequemer ist, als die meisten Steine.

Hin und wieder machen wir morgens auch einen Fund auf dieser Plattform. Da flüchtet ein Fisch vor seinem Jäger und landet auf dem Trockenen. Pech gehabt. Ein Fundstück hatte sogar doppelt Pech… so ein Parasit am Auge stelle ich mir alles andere als angenehm vor.

Vögel auf Isla Genovesa

Galápagos-Inseln, 16. Februar 2021

Über Nacht fahren wir nach Norden über den Äquator. Ziel ist Isla Genovesa, eine Vogelinsel. Keine Untertreibung. Mit dem Sonnenaufgang fahren wir, begrüßt von „Fregatti-Schwärmen“, in die große Kraterbucht auf der Südseite ein.

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)

Schon am Strand werden wir, neben den üblichen Seelöwen, ausgesprochen gefiedert empfangen. Auf den ersten Blick erklärt Maila die Gabelschwanzmöwe zu ihrem neuen Lieblingsvogel. Es ist aber auch wirklich ein schönes Tier. Weißer Bauch, graue Flügel und aus Ihrem schwarzen Kopf stechen die rot umrandeten Augen hervor.

Dazu hat sie noch rote Füße, die sich die Möwe auch gerne mal intensiv anschaut. Frei nach dem Motto: „Sind sie noch da?“

Die Gabelschwanzmöwe ist die einzige nachtaktive Möwe. Wenn es dunkel ist, zieht es sie aufs Meer, um Kalmare zu jagen. Ein Grund dafür sind die Fregattvögel. Die gehen ihrem diebischen Geschäft nur tagsüber nach, so dass die Möwe im Morgengrauen recht angstfrei ihre Kinder füttern kann. Normalerweise legen sie zwei Eier. Herrscht jedoch aus welchem Grund auch immer Nahrungsmangel, wird spontan beschlossen, nur ein Ei zu legen. Das erhöht die Überlebenschancen des Nachwuchses.

In den Mangroven nisten überall Rotfußtölpel. Auch hier ist der Name Programm… mit dem zweiten großen Unterschied, dass der Rotfußtölpel sich im Gegensatz zu seinem blauen Verwandten an Zweigen festkrallen kann.

Was den Körper angeht, sind die meisten Rotfußtölpel eher bräunlich. Nur etwa 2% zeichnen sich durch ein weißes Federkleid aus.

Der Nistplatz in den Mangroven ist gut gewählt, bietet er doch Schutz vor den größeren Fregattvögeln. Die kommen hier nicht rein und können demnach auch nicht beim Füttern stören. Natürlich verhindert das nicht, dass sie die Tölpel ersatzweise in der Luft angehen. Wir kommen zur richtigen Zeit. Viele kleine Tölpel-Plüschbälle schauen uns neugierig aus ihren schwarzen Knopfaugen an.

Dagegen treffen wir die Nascartölpel bevorzugt am Boden an. Sie sind größer und können sich daher auch besser zur Wehr setzen.

Auch die Flora bietet interessante Eindrücke. Die gelb blühenden Kakteen haben hier weiche Stacheln. Fast schon wie Haare. Der Grund ist simpel. Es gibt niemanden, der sie frisst. Da braucht man auch keine Energie in harte Stacheln stecken. Ok, die Früchte sind vor Dawinfinken nicht sicher, doch daran würden auch harte Stacheln nichts ändern.

Das Alter junger Kakteen kann man recht gut an der Anzahl Blätter abschätzen. Einfache Regel: ein Blatt = ein Jahr. Bei älteren Kakteen ist das dagegen schwieriger, da hier die unteren Blätter zu einem Stamm verwachsen. Da bleibt nur eine Schätzung mehr oder weniger weit über 10 Jahren.

Faszinierend ist die Fortpflanzungsstrategie der roten Mangrove. Aus den Knopfsamen bilden sich längliche, bohnenförmige Sprösslinge mit Sollbruchstelle. Sie bilden im Grunde schon eine komplette kleine Pflanze mit Stiel und Blatt. Nach dem Runterfallen bleiben sie oft gleich im Sand stecken und schlagen schnell Wurzeln. Aber es macht ihnen auch nichts aus, ein Jahr mit den Gezeitenströmen zu treiben.

Hin und wieder sehen wir noch Galápagos-Spottdrosseln, Nachtreiher und große Darwinfinken. Wie schon gesagt… ein Vogelparadies.

Junger Nachtreiher
Ausgewachsener Nachtreiher
Großer Darawinfink

Am Wendepunkt unseres kleinen Spazierganges gehen wir auf Meeresgrund. Zumindest bei Hochwasser ist hier alles überflutet. An den Steinen kleben Austern und Muscheln. Die lila gefärbten sind besonders alt, kleine Galápagos-Winkerkrabben machen auf sich aufmerksam, ein paar hier besonders kleine Meeresleguane laufen durch die Steine und natürlich liegen auch Seelöwen herum. Wie immer alles sehr entspannt und wenig scheu. Eine Ausnahme bildet lediglich der Steinwälzer. Der überwintert in Kanada und lernt dort, dass ein wenig Vorsicht nicht schaden kann.

Na wo ist denn die…
Galápagos-Winkerkrabbe
Kleiner Meerleguan
Steinwälzer

Zum Schnorchelausflug fahren wir heute an einen steilen Abbruch. Hier geht es schnell tief runter. Wieder sehen wir ein paar Seelöwen, dazu auch drei Meeresschildkröten, natürlich viele bunte Fische und auch einen kleinen, gelben Kugelfisch. Ganz anders als gestern, aber nicht weniger schön.

Der Nachmittagsausflug führt uns in eine andere Ecke der Isla Genovesa. Wir steuern die Prinz-Philip-Treppe an und werden natürlich wieder von Seelöwen und -bären empfangen.

An Land dann wieder – wenig überraschend – viele Vögel. Allgemein finden sich auf der Insel mehr Bindenfregattvögel. Sie zeichnen sich im Gegensatz zu den bisher öfters gesehenen Prachtfregattvögeln durch einen herzförmigen roten Kehlsack sowie teils grünliche Flügelfedern aus.

Am Boden stehen kleine Nascartölpel, die sich die Wartezeit bis zu Rückkehr der Futter bringenden Eltern vertreiben. Ganz wichtig ist das Spiel mit dem Stöckchen. Immer wieder wird es hoch geworfen und nach einer Drehung wieder aufgefangen. So lernt man den Umgang mit den später hoffentlich gefangenen Fischen. Dabei hat von den Kindern normaler Weise nur eines realistische Chancen. Die zwei Eier werden im Abstand von fünf Tagen gelegt. Entsprechend schlüpfen die Küken. Anfangs bekommen noch beide Futter gebracht, doch irgendwann wird der Schwächere aus dem Nest gedrängt. Meistens ist das der Zweitgeschlüpfte…

Bei diesem Spaziergang erzählt uns Maja auch die Geschichte der Wollsackschildlaus. Sie wurde eingeschleppt und hat sich ohne natürliche Feinde sogleich daran gemacht, ganze Abschnitte von Mangroven und anderen Pflanzen zu vernichten. Es wurde einiges versucht, um die Plage in den Griff zu bekommen, doch Abhilfe schaffte erst die „kalifornische Lösung“. Dort hatte man das gleiche Problem mit Hilfe von australischen Marienkäfern gelöst. Diese fressen die Wollsackschildlaus und sterben selbst, wenn letztere nicht mehr da ist. Nach jahrelangen Studien gab es für dieses auf Galápagos eigentlich undenkbare Vorgehen grünes Licht und es hat funktioniert. Werden heute irgendwo von einem der aufmerksamen Guides Wollsackschildläuse gemeldet, müssen nur ca. 40 dieser Marienkäfer ausgesetzt werden und das Problem hat sich in 2-3 Wochen erledigt.

An der Meerseite wachsen Algen(!) an den Bäumen…

Dann beginnt die große Suche. Wo ist die Sumpfohreule? Recht klein und perfekt getarnt hält sie sich zur Jagd vor allem am Boden auf. Zuerst finden wir Gewölle mit Kopf und Schnabel. Die Sumpfohreule frisst bevorzugt ganze Tiere. Schließlich entdeckt La Skipper das erste Exemplar regungslos neben einem Stein stehend. Die zweite Sichtung geht auf eines der Schweizer Kinder.

Suchbild mit Eule…

Was für ein Glück. Vogelfreunde und Ornithologen würden vor Neid erblassen. Aber wo auch sonst sollte man solche Beobachtungen machen können, wenn nicht auf Genovesa, der Isla de los pájaros.

Adiós!

Ausblicke am Sombrero Chino und von Isla Bartolomé

Galápagos-Inseln, 15. Februar 2021

Nach unserer ersten Nacht an Bord der Angelito I dürfen wir fast schon ausschlafen. Faktisch steigen wir erst um acht Uhr in die Zodiacs. Zum Vormittagsausflug geht es zum „Chinesischen Hut“.

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)
Der Name kommt nicht von ungefähr!

Kaum unterwegs, sehen wir unsere ersten Galápagos-Pinguine. Immer noch auf der Südhalbkugel sind das die nördlichsten Vertreter ihrer Vogelfamilie.

Bei der nassen Landung am Strand werden wir tierisch empfangen. Ein paniertes Robbenkind, Lavareiher und Pelikane zeigen sich jedoch weitgehend desinteressiert.

Sofort fällt uns auch die Beschaffenheit des weißen Sandes und mehr noch die kleinen, weißen Steinchen auf, die sich auch später immer mal wieder finden: Korallen.

Maja führt uns über die Insel und wird nicht müde, ihren unglaublichen Wissensschatz mit uns zu teilen. Die aromatisch duftenden gelben Blüten der haarigen Galápagos-Tomaten, Wolfsmilchgewächse, kleine Ziegenkopfsamen (wer die bei Trockenheit knacken kann, der überlebt!).

Galápagos-Tomate
Ziegenkopfsamen… wohl dem, der Schuhe trägt.

Ihre Antworten kommen meist schneller als unsere Fragen. Doch wir haben ja noch fünf neugierige Kinder dabei. Denen fällt immer noch was ein und Maja nimmt die Herausforderung ihrer Fragenflut tapfer an.

Nicht verzweifeln… ist doch nur noch EINE Frage! ;-)

Der Vulkan selbst darf nicht bestiegen werden. Das liegt unter anderem auch an sich den überall durch den Untergrund ziehenden Lavatunneln. Auch in Küstennähe sehen wir mehrere, wobei sich einer davon besonders gut zum Durchkrabbeln eignet… zumindest für die kleineren Gäste.

Am Wendepunkt unseres Spaziergangs wimmelt es vor rauschender Brandung von Seelöwen, Lavaechsen und roten Klippenkrabben.

Von letzteren liegen auch immer mal wieder „T-Shirts“ herum. So nennen wir die leeren Hüllen, welche die Krabben nach ihrer Häutung zurücklassen.

Später werden wir dann noch Zeuge einer ganz besonderen Auseinandersetzung. Mitten auf dem Weg streiten sich zwei Einsiedlerkrebse um eine schützende Behausung. In der zunehmenden Hitze ist das ein gefährliches Unterfangen, insbesondere für den Verlierer. Doch Schneckenhäuser in passender Größe liegen hier auch nicht gerade rum wie Sand am Meer. Wer überleben will, muss kämpfen…

… und natürlich auch trinken!

Es wird immer heißer. Da kommt eine Abkühlung sehr gelegen. Noch vor dem Mittagessen machen wir unseren ersten Schnorchelausflug. Recht flaches Wasser, ein paar Fische, auch mal ein Seelöwe und vor allem viel Spaß.

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Am Nachmittag erreichen wir nach gut 1-stündiger Fahrt die Isla Bartolomé. Hier steht eine kleine Vulkanwanderung auf dem Programm

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)

Das nahe liegende und doch hinreichend ferne Ziel ist der Aussichtspunkt ganz oben. Querfeldein ist dabei absolut tabu. Direkt von der Landungsstelle zieht sich ein langer Holzweg mit fast 400 Stufen am Hang entlang in die Höhe.

Dabei hatte schon der Bau dieses Weges Probleme mit sich gebracht. In dem verwendeten Holz hatten sich Ameisennester versteckt. Die eingeschleppten Tiere haben der hiesigen, spärlichen Fauna wenig überraschend nicht sehr gut getan. Inzwischen wurde der Fehler korrigiert und die wenigen verbliebenen Ameisen gehören auf die Insel. Ansonsten sehen wir abgesehen von ein paar Lavaechsen keine Tiere.

Ohnehin fragen wir uns, wie es tierisches Leben auf dieser Insel überhaupt schaffen soll. Die Landschaft ist – vorsichtig gesagt – karg. In der Landschaft verteilte Magmabomen zeugen ebenso davon, dass es sich hier um einen explosiven Vulkan handelt, wie die glitzernden Metalle und Spurenelemente.

Die wenigen Pflanzen leben vom Tau. Kleine sie schützenden Härchen sorgen dafür, dass ihre eigentlich grüne Farbe als schmutziges grau erscheint. Zudem sondern sie über ihre flachen Wurzeln Herbizide ab, damit andere Pflanzen nicht zu nahe kommen. Bei knappen Ressourcen wir mit allen Mitteln ums Überleben gekämpft. Schnelles Wachstum ist ebenso ausgeschlossen. Maja zeigt uns einen Lavakaktus (eine sogenannte „Pionierpflanze“), den sie schon seit 34 Jahren kennt. Immerhin hat er seine Größe in dieser Zeit nahezu verdoppelt.

Ein alter Bekannter!

Damit es bei all dieser Kargheit nicht zu langweilig wird, kamen ein paar Guides auf die Idee der „Geburtstagsstufe“. Entsprechend der Anzahl Tage ist der jeweilige Monatsletzte und folgende -erste an den Stufen markiert. So wandert man sich durch den Jahreskalender empor und macht an seiner ganz persönlichen Geburtstagsstufe eine besonders ausgiebige Pause.

Zugegeben zieht sich dieser Ausflug für die Kinder trotzdem etwas in die Länge. Doch sie machen tapfer mit. Endlich am Gipfel angekommen, genießen wir die grandiose Aussicht.

Da kommen wir her und da müssen wir wieder hin…

Nerd-Wissen: Die Galápagos-Inseln waren Schauplatz im Film „Master & Commander“ mit Russel Crowe. So wurde die Eröffnungsszene genau hier, auf der Isla Bartolomé gedreht. Es war das erste Mal, dass eine „Nicht-Dokumentation“ hier filmen durfte.

Der Abstieg beginnt…

Zurück am Anlandungsplatz haben es sich wieder Seelöwen bequem gemacht. Auf so einer eben planierten Treppe liegt es sich auch viel schöner als auf kantigen Steinen.

Zurück im Zodiac machen wir dann noch eine kleine Rundfahrt und werden mit Galápagos-Pinguinen und in den Felsen liegenden Seelöwen belohnt.

Zurück an Bord müssen wir erst einmal kräftig durchatmen. Was für ein ereignisreicher Tag. Wie lange sind wir jetzt schon hier? Seit gestern?? Das kann nicht sein… es fühlt sich so viel länger an. Und doch war das im Grunde doch erst der Anfang…