Es gibt auf Aruba eine sehr markante Erhebung: den Hooiberg. Monolithisch überragt er mit seinen 165m die Ebene und ist – je nach Quelle – doch nur die zweit- oder dritthöchste Erhebung der Insel. Da müssen wir natürlich rauf! Dabei bietet sich die noch vergleichsweise kühle Morgenstunde an. Wir quälen uns also noch vor Sonnenaufgang aus den Betten und machen uns auf den Weg.
Morgens am Steg
Der Parkplatz ist recht gut gefüllt. Einige Frühsportler meiden die heiße Mittagssonne ebenso wie wir und gehen stoisch treppauf und treppab. Richtig gelesen. Der Hooiberg ist mit einer langen Treppe versehen. Nur schlappe 562 Stufen bis zum Gipfel. Auf geht es!
Die Rangfolge der Atemlosigkeit entspricht weitgehend der Altersstruktur der Familie. Doch die Mühe lohnt sich. Der Blick reicht fast über die gesamte, in warmes Morgenlicht getauchte Insel. Im Süden begrenzen nur die Hügel des Nationalparks Arikok die Sicht. Im Norden erkennen wir Oranjestad, natürlich auch die Hotelburgen sowie das California Lighthouse.
Blick zum Südende der InselBlick zum Nordende der Insel
Der Abstieg wird dann abwechslungsreicher als gedacht. Zunächst streift eine Ziege durch das Unterholz. Samuel zückt natürlich sofort seine Kamera. Derweil zeigen sich immer mehr Geiße, Böcke und auch Zicklein. Manche trotten umher und fressen Kaktus(früchte), einige messen schon ihr Kräfte und eine genießt einfach nur die Morgensonne.
Nacktaugentaube
Und dann entdecken wir einen Brasilianischen Riesenläufer (Scolopendra gigantea). Der kommt in Brasilien aber lustiger Weise gar nicht vor. Mit bis zu 30cm ist es der größte Vertreter der Hundertfüßer-Familie. Sein giftiger Biss ist schmerzhaft, aber für Menschen normalerweise nicht tödlich. Trotzdem zeigen wir Respekt.
Brasilianischer Riesenläufer
Es war nur ein kurzer Ausflug, aber hat sich wirklich gelohnt. Und er bleibt in Erinnerung. Nicht nur die nächsten Tage, an denen die Waden zwicken. Die Intensität entspricht auch hier – wenig überraschend – weitgehend der Altersstruktur der Familie… ;-)
Was Du heute kannst besorgen… ja, das klingt so logisch. Doch Hand aufs Herz. Wohl jeder hat so ein paar Favoriten, die er/sie gerne vor sich herschiebt. Bei Seglern gehört dazu sicherlich der Fäkalientank. Es kommt also, wie es kommen muss. Ein paar Tage nach der letzten Pümpel-Tauchaktion ist der Tank wieder zu. Wieder geht der Skipper ins Wasser. Super, nach nur einem Versuch läuft alles ab.
Was Du heute kannst besorgen… jajaja, ich weiß. Selbst schuld. Natürlich ist der Tank ein paar Tage danach wieder zu. Und dieses Mal meint er es ernst. Nach einer knappen Stunde im Wasser ist der Pegel nur wenig gesunken. Dann wird es dunkel. Ok, da muss ich morgen also nun wirklich mal ran.
Die gute Nachricht ist, dass der Tank sich im Laufe der Nacht weiter geleert hat. Es stehen nur noch ein paar Zentimeter drin. Doch auch ein erneuter Tauchgang sowie Stochern von Innen bringt nichts. Ganz leer bekomme ich ihn nicht. Egal. Keine Ausreden mehr. Ich schraube den verstopften Schlauch vom Borddurchlass. Nur erfreulich wenig Inhalt findet den Weg in die bereitgestellte Plastikbox. Tuch rein, Panzertape rüber, dicht.
Danach schraube ich den ganzen Tank ab und schleppe ihn samt Schlauch und restlichem Inhalt auf den Steg. Jetzt wird es richtig eklig. Erst einmal den Schlauch abnehmen und kräftig gegen den Steg schlagen. Es ist immer wieder erstaunlich, was das Auge da so erblicken darf… aber hey, er ist wieder durchlässig!
Der am Steg angeschlossene Wasserschlauch eines anderen Bootes wird ohnehin nur genutzt, um ein GFK-Deck abzuspritzen. Und mein Tank ist ja auch aus Plastik. Voller Strahl rein und so langsam platzten die Verkrustungen ab… und kommen nicht durch das enge Abflussloch. Nun gut, ich weiß ja, was jetzt kommt. Ich gönne mir einen Gummihandschuh, nehme einen alten Spachtel und der linke Arm geht rein in den Tank. Schön alles abkratzen… lecker ist das nicht.
Wo ich schon einmal dabei bin, baue ich auch gleich mal den Schlauch zwischen Toilette und Tank aus. Hier bildet sich auch immer wieder gerne eine beachtliche Kruste, die den Durchfluss gut und gerne halbiert! Wieder prügel ich einen armen Schlauch derartig gegen den Steg, dass keiner von beiden weiß, wie ihnen geschieht. Doch es hilft. Nach und nach kommen die Brocken raus. Jetzt noch beide Schläuche und natürlich auch den Tank kräftig durchspülen. Fertig. Nicht wie neu, aber fertig!
Also fast. Das ganze Zeug muss ja auch wieder eingebaut werden. Nach reiflicher Überlegung nehme ich dabei eine kleine Änderung der Konstruktion vor. Der Schlauch von der Toilette führt nun nicht mehr in den Tank, so dass alles erst da hindurch in den Abfluss muss. Stattdessen nehme ich die Abkürzung direkt zum Borddurchlass. Der Tank ist die kommenden Monate reine Dekoration. Das sollte die nächste, unvermeidlich bevorstehende Aktion dieser Art zumindest etwas hinauszögern. Und ja, mir ist selbstverständlich klar, dass das keine Dauerlösung ist. Stichwort: MARPOL. Spätestens rechtzeitig vor der Ostsee werde ich also die alte Konfiguration wieder herstellen. Aber bis dahin ist ja noch etwas Zeit. Und dann wird es auch sicher wieder heißen: Was Du heute kannst besorgen… ;-)
Wir geben der Straßenbahn noch ein Chance. Frisch geimpft sind wir ohnehin schon in Oranjestad. Damit ist eine Fahrt erledigt. Da wir gerade kein Auto zur Verfügung haben, ist das durchaus ein Thema. Jörg hat uns freundlicherweise vom Animal Shelter zum DVG gefahren. Zurück zur Marina sollte es mit dem Bus klappen. So denken wir jetzt noch.
Egal, der erste Weg führt ohnehin zum Frisör. Ja, der Skipper muss auch mal wieder, aber die Kinder haben Priorität. Maila kommt mit der Bürste kaum noch schmerzarm durch und möchte ihre Haare dringen kürzer haben. Bei Samuel ist es eher eine extrinsische Motivation… ;-) Wir folgen einer Empfehlung und gehen nicht in einen der vielen Barbershops, sondern zu einem richtigen Frisör. Eigentlich geht das nur mit Termin, aber die Dame hat gerade Mittagspause und keinen Hunger. Spontan schiebt sie uns rein und schon eine knappe halbe Stunde später sind unsere Kinder haartechnisch wieder vorzeigbar.
Wir gehen weiter Richtung Stadtzentrum. Dabei nehmen wir nun auch bewusst die immer schon wieder einmal gesehenen blauen Pferde des Projektes Paarden Baai wahr. Derer acht sind seit 2015 zu entdecken. Jedes hat seinen Namen und eine kleine Geschichte. Zusammen erinnern sie an eine längst vergangene Zeit, als der Pferdehandel in der Bucht von Oranjestad blühte.
Eufrosina genießt aus der „Quelle des Lebens“… im Hintergrund Sinforosa
Nun aber endlich zur Straßenbahn. Fahrpläne sucht man ohnehin vergeblich, aber im Hafen liegt ein Kreuzfahrer. Damit stehen die Chancen gut, dass sie fährt. Wir gehen die Gleise entlang. Nichts. Wir kommen am Depot vorbei. Die Tür steht offen. Ein Zug fehlt. Ok, das sieht eigentlich nicht schlecht aus. Trotzdem schauen wir auch an der Endhaltestelle vergeblich.
Wo ist denn nun die Bahn???
Nun gut, machen wir halt in der Zwischenzeit ein obligatorisches „I Love Aruba“-Foto. Wir sind ja auch nur Touristen.
Eine neue Strategie muss her. Wir gehen entgegen der mutmaßlichen Fahrrunde der Straßenbahn die Schienen entlang. Sie wird schon nicht falsch in der Einbahnstraße der Autos fahren. Und dann sehen wir sie. Die Augen weiten sich. Die Straßenbahn steht an einer Haltestelle. Schaffen wir aber nicht. Sie fährt an uns vorbei. Wir hinterher. Hey, da ist noch eine Haltestelle. Schnell reingehüpft. Geschafft. Wir fahren tatsächlich die einzige Straßenbahn der Karibik.
Die Weiche wird von Hand verstellt!
Dabei sollte man das jetzt nicht mit einer echten Straßenbahn (aka Tram) verwechseln. Dient diese in der Regel dem Personentransport, ist das hier ein – immerhin kostenlose! – Touristenfahrt. Und die ist auch schnell wieder vorbei. Am Kreuzfahrterminal ist erst einmal Schluss. Wir müssen aussteigen. Aber in 5 Minuten sei sie zurück. Perfekt.
Langer Rede kurzer Sinn… wir drehen noch eine komplette Runde mit dieser sagenumwobenen Straßenbahn. Und wieder einmal haben wir Glück. Es ist die letzte Fahrt des Tages.
… fahren wir ENDLICH die einzige Straßenbahn der Karibik.Zurück an der Endhaltestelle… Schluss für heute!
Danach müssen wir noch etwas Zeit rumbringen, bis unser Bus fährt. Das ist immerhin 5x am Tag. Die nächste Fahrt ist in 1 ½ Stunden. Da möchte La Skipper noch etwas essen gehen. Immerhin schon das zweite Mal seit unserer Ankunft in Aruba. Welch Luxus! Am Ufer werden wir in „Lucy’s Retired Surfers Bar & Restaurant“ satt und machen uns pünktlich auf den Weg zum Busbahnhof.
Da sitzen wir nun und warten. Hmmm… ganz schon leer hier. Ein Mann kommt vorbei und fragt, ob wir auf den Bus warten. Dann erklärt er uns, dass die heute streiken. Noch gut eine Stunde. Perfektes Timing. Noch einmal fast zwei Stunden rumbringen ist keine Option. Da erinnere ich mich an die Minibusse. Mit denen kommt man zwar nicht von der Marina weg, aber für einen kleinen Aufpreis machen sie den Umweg und bringen einen dort hin. Doch wo ist die Minibus-Haltestelle?
Rosa Touri-Kitsch…… und pittoresker Verfall…… liegen manchmal, wie hier in grün, …… direkt auf gegenüberliegenden Straßenseiten.
Nett gefragt ist halb gefunden. Wir sehen zwei Minibusse, die eigentlich in das südliche San Nicolas fahren. Wir fragen, ob sie uns zur Marina bringen. Ok, geht klar. Gut, es kostet uns knapp doppelt soviel wie der normale Bus, aber immer noch den Bruchteil eines Taxis. Aber genau das ist es letztlich dann. Wir vier steigen ein und der Fahrer fährt los. Zweimal winken Fahrgäste am Straßenrand und sind wenig erfreut, nicht in den halb leeren Bus gelassen zu werden, doch sie kennen ja nicht unser Ziel. Zurück zur Varadero Marina. Zurück zur Samai. Nach einem langen Tag mit Tierheim, Impfung, Frisör und – ganz wichtig – einer Straßenbahnfahrt in Oranjestad.
Nein, dieses „krönigliche“ (sic!) C*-Wort war bisher und wird auch zukünftig auf diesem Blog nicht veröffentlicht. Doch wenn man den Nachrichten Glauben schenkt, leben wir nun einmal seit einigen Monaten in einer Pandemie. Da kommt man um dieses leidige Thema nicht herum. Es ist eine neue Normalität geworden. Egal, wo man gerade ist…
Zum Thema. Es gibt seit Monaten mehr oder weniger wirksame Impfstoffe gegen dieses bestimmte Virus. Ziemlich genau so lange war es nicht nur in Deutschland, sondern den meisten anderen (was für eine Schande: nicht-afrikanischen) Ländern auch kein Problem, einem persönlichen Verlangen nach Impfung nachzukommen. Der Staat kümmert sich um seine Bürger. Dass die Situation – wenn man den Nachrichten Glauben schenkt – aktuell reichlich aus dem Ruder läuft, dürfe eigentlich nichts mit fehlenden Impfmöglichkeiten in der Vergangenheit(!) zu tun haben… aktuell ist die Situation natürlich etwas „angespannter“.
Doch was, wenn man gerade nicht zu Hause ist? Was, wenn man (altersbedingt) auch in keiner Prioritätenliste auftaucht? Was, wenn immer mehr Länder für eine Einreise Impfungen mehr oder weniger als selbstverständlich ansehen? Mit anderen Worten… was machen wir hier als „Dauer-Ausländer“ unter Segeln?
Manche Langfahrer und -reisende treffen es nicht schlecht. Nach dem, was wir so mitbekommen, war es in den USA kein Problem, seine Pikser zu bekommen. Von anderen, die z.B. in Mittelamerika unterwegs sind, gibt es weniger gute Neuigkeiten.
Unsere Route war und ist etwas speziell. Wir haben eine erste, allerdings rein theoretische Chance Anfang dieses Jahres in Ecuador. Also in einem Land, dass nicht zuletzt aufgrund von Korruption und Vetternwirtschaft bei der Beschaffung kaum einen Bruchteil seiner eigenen Bevölkerung geimpft hat. Vergiss es. Auch in Costa Rica und Panama haben wir keine echte Chance. Ok, in Panama wäre es ganz vielleicht noch möglich gewesen, irgendwie so halblegal an eine Astra-Dosis zu kommen. Trotzdem fahren wir ohne sie weiter.
Dann kommen wir in Kolumbien an. Auch aufgrund des Blitzschlages ist hier ein längerer Aufenthalt geplant und wir beschäftigen uns ernsthaft mit den Optionen. Offiziell ist das ganze Prozedere auf Kolumbianer zugeschnitten. Ohne irgendeine kolumbianische Identifikationsnummer verweigern die einschlägigen Webseiten und Apps jede Zusammenarbeit.
24. August 2021
Durch Zufall bekommen wir den Tipp, in das Impfzentrum gleich neben der (aktuell leider geschlossenen) Deutschen Kneipe „León de Baviera“ in Getsemaní zu gehen. Einfach mal freundlich fragen. Nun gut, ein Versuch kann nicht schaden. Tatsächlich hat man ein Einsehen mit uns. Nur mit Pass, einer kolumbianischen (Prepaid-)Telefonnummer und der Marina als lokale Meldeadresse bekommen wir Eltern eine erste Impfung. Das übernimmt eine nette, spanischsprachige Schwester. Medizinische Aufklärung? Arzt oder Ärztin? So etwas ist hier nicht nötig. Also rein damit. Leider ist aktuell nur AstraZeneca vorrätig. Aber eine Misch-Impfung soll ja hervorragende Ergebnisse bringen. Tja, das Problem ist nur, dass in Kolumbien grundsätzlich „sortenrein“ geimpft wird. Keine Ausnahmen. Wir bekommen einen Astra-Folgetermin drei Monate später. Lange nach Ablauf unseres Visums. Also fahren wir halb-geimpft weiter.
Gleich hinter der Deutschen Kneipe…… warten geschäftige Schwestern nur auf uns?!1x piksen…… 1x wartenKolumbianischer Impfnachweis
4. November 2021
Hier in Aruba haben wir von anderen Seglern gehört, dass das mit der Impfung klappen soll. Doch dann eine kleine Ernüchterung. Man möchte offensichtlich keine durchreisenden Touristen versorgen. Als Voraussetzung für eine Impfung muss man schon ziemlich lange im Land bleiben. Doch das lässt sich mit Hilfe der Marina „arrangieren“. Die nächste Voraussetzung, schon mindestens drei Wochen in Aruba zu sein, sitzen wir einfach aus und stehen exakt 21 Tage nach unserer Immigration bei der Directie Volksgezondheid in Oranjestad. Da die Altersgrenze in immer mehr Ländern runter gesetzt wird, ist auch Samuel dabei. Dreimal BioNTech bitte… Danke!
Unscheinbare Directie VolksgezondheidHier sehen wir auch einen „Arts“ :-)
25. November 2021
Die Eltern sind damit im Grunde durch. Aber mit einem handgeschrieben Zettel aus Kolumbien zusammen mit einem nicht vollständigen Nachweis aus Aruba brauchen wir sicher nirgendwo aufzukreuzen. So sind wir also auf den Tag genau nach der Mindestwartezeit von drei Wochen wieder vor Ort und holen uns den nächsten Pickser ab. Damit ist Samuel geimpft und die Eltern sind streng genommen sogar schon einmal „geboostert“.
Die Prikker Picksen ;-)
So extrem wie ein anderer Segler hier vor Ort, der sich gerade unter Vorspiegelung falscher Tatsachen – „Nein, ich wurde noch nie geimpft!“ – die fünfte (sic!) Dosis abgeholt hat, werden wir es sicher nicht treiben. Wir haben den Nachweis aus Aruba und können damit problemlos das digitale EU-Zertifikat anfordern. Das müsste reichen, bis die Samai nächsten Sommer wieder zurück in Deutschland ist.
Wir sind sicher nicht die einzigen mit der Hoffnung, dass sich die Situation bis dahin beruhigt hat. Das leidige Thema wird uns sicher nicht mehr so ganz verlassen. Aber etwas mehr alte Normalität in der Welt wäre inzwischen wirklich mal eine willkommene Abwechslung.
Nein, nicht verlesen! Ich habe mich wirklich hinters Steuer gesetzt und bin einige Meter Auto gefahren! Zugegeben, ich habe etwas Angst davor, den roten Flitzer (die Schrottmühle, die wir uns gemietet haben) gegen einen Baum oder wahrscheinlicher einen Kaktus zu semmeln. Doch zum Glück ist meine Angst unberechtigt. Bevor ich beginne zu erzählen sollte noch erwähnt werden, dass das Auto einen starken Rechtsdrall hat.
Seit einigen Tagen will Papa mit mir eine Fahrstunde machen, doch irgendwie fehlt immer die Zeit. Bis zum 1. Dezember 2021. Ich mache wie jeden morgen meine erste Schulstunde und danach geht es los. Papa und ich steigen in das Auto und Papa fährt den Wagen auf die Einbuchtung der normalerweise leeren Küstenstraße direkt vor dem Hafengelände. Auch heute ist die Küstenstraße wenig befahren, aber dennoch befahrener als sonst. Na toll!
Dort stellt er den Motor ab und schickt mich hinters Steuer. Meine Angst wächst immer mehr. Doch nachdem Papa mir die Theorie halbwegs nahegebracht hat, schalte ich den Motor an und die Angst hört auf zu wachsen. Wenig später, nicht mal eine Minute später, habe ich ihn bei einem Anfahrversuch abgewürgt. Welchen Autofahrer passiert es nicht auch ab und zu. Wenn es den Profis passiert, dann darf es doch mir auch passieren.
Motor also wieder an und zweiter Versuch. Wir beginnen einfach. Ich soll nur die Kupplung im ersten Gang zum Fahren benutzen. Bei einer kurzen Kurve würge ich den Motor aber wieder ab. Das geschieht in meiner ersten Fahrstunde häufiger als mir lieb ist.
Die Kupplung habe ich praktisch verstanden. Jetzt geht es zum Gas. Ich nutze nun die Kupplung nur noch zum Anfahren und nutze dann das Gaspedal. Das üben wir einige Zeit lang und meine Angst wird weniger, bis sie sich schließlich in Spaß umwandelt.
Dann geht es zu Lernschritt 2. Gang hochschalten! Es sieht bei Papa immer so leicht aus, doch als Anfänger ist es dann eher weniger leicht. Gleichzeitig Kupplung treten, vom Gas runter gehen, auf die Straße schauen und den Gang umlegen. Ich brauche einige Versuche bis ich es schließlich schaffe. Ich habe manchmal den Gang auch nicht rein bekommen, weil ich nicht über den Leerlauf hinweg gekommen bin. Im zweiten Gang fahren wir einige Runden auf der Straße und einige hundert Meter weiter um einen Baum herum. Dann wieder zurück.
Darauf folgt der vorletzte Lernabschnitt für diesen Tag. Das Herunterschalten. Es ist etwas kniffliger als das hochschalten, ich schaffe es aber dennoch nach einigen Versuchen, den Gang halbwegs vernünftig herunterzuschalten. Es passiert aber auch hier, das ich den Gang nicht treffe und plötzlich im Leerlauf bin.
Der letzte Abschnitt meiner Fahrstunde besteht darin, das Auto einzuparken. Ich fahren mit dem Fuß auf der Bremse langsam das Gefälle zum Hafengelände hinunter. Mein Herz beginnt vor Aufregung wieder wie wild zu schlagen. Ich will einfach kein anderes Auto anrammeln. Verständlich oder? Wie dem auch sei, Papa deutet auf eine leere Stelle neben einer Laterne, wo ich kein anderes Auto treffen kann. Ich beruhige mich etwas und lasse das Auto sanft in die sehr große Parklücke neben dem Laternenpfahl ausrollen.
Es war meine allererste Fahrstunde und ich finde, dass ich mich trotz meiner Angst sehr gut geschlagen habe. Wer von denen, die nun Autofahren können, hatten am Anfang keine Angst? Das Autofahren hat, nachdem ich meine Angst überwunden habe sogar Spaß gemacht.
Und wenn mich jemand fragt, wo ich das erste Mal Auto gefahren bin, ist die Antwort: „Das war mit einer Schrottkarre in Aruba!“. Wer kann das schon von sich behaupten? :-)