Strände in Aruba

Man mag es kaum glauben, aber in Aruba ist aktuell Hochsaison. In den USA wird es kühler, da fliegen die Touristen in Massen ein. Die Hotels sind weitgehend ausgebucht. Immer Samstags ist Bettenwechsel und wir bekommen das vom Flughafen mit einer entsprechenden Frequenz von US-Touristenbombern hautnah mit.

Doch die Invasion kommt auch über das Wasser. Nach monatelanger Pause sind nun auch die Kreuzfahrer wieder zurück. Im November kommen schon 30 Schiffe, im Dezember sind es 38 und für den Januar haben sich derer sagenhafte 52 (sic!) angekündigt! Wenn wir zum Einkaufen fahren, schauen wir immer vorab in den „Cruiseship Schedule“. Einer geht gerade noch, wenn er nicht zu groß (z.B. AIDA-Klasse) ist. Doch spätestens wenn zwei oder mehr Kreuzfahrer am Pier liegen, ist der Dauerstau auf der Küstenstraße von Oranjestad vorprogrammiert und wir nehmen lieber die etwas längere Umgehungsstraße.

Zwei sind schon da… der dritte nimmt Maß!
Staugefahr!

Natürlich macht sich all das auch an vielen Stränden Arubas bemerkbar. Gerade im Bereich der nördlich gelegenen Hotelburgen sind die Strände an sich zwar sehr schön, halt aber auch alles andere als idyllisch einsam. Doch wenn wir schon einmal hier sind, können wir uns ein paar Strandbesuche natürlich nicht entgehen lassen. Von Norden nach Süden…

Arashi Beach (7. Dezember)

Der nördlichste Strand Arubas liegt in Sichtweite des California Lighthouse. Trotz Busverbindung und Strandbar ist es hier noch vergleichsweise ruhig. Kaum angekommen begrüßt uns erst einmal ein kräftiger Regenschauer. Der kann selbst in den Tropen recht kühl sein.

Samuel ist recht schnell recht weit draußen und schnorchelt. Fast direkt neben ihm stürzen sich immer wieder Pelikane in Wasser und kaum, dass sie versuchen ihren Fang zu verspeisen, hängt ihnen auch schon eine Möwe wahlweise auf Kopf oder Rücken.

Der Sand reicht weit hinein ins flache Wasser. Da trauen sich auch die Mädels weiter weg vom Ufer. Wenn da nur nicht die immer mal wieder kräftigen Wellen wären. Der Wind kann es nicht sein. Im Frage kommen eigentlich nur vorbeifahrende Schiffe. Und seien sie auch so weit weg, wie der gerade abgelegte Kreuzfahrer. Alles in allem ist dieser Strand einer unserer Favoriten.

Eagle Beach (29. November)

Am Eagle Beach findet sich eines der am meisten fotografierten Motive Arubas: der Fofoti-Baum. Direkt an der Küste, gerne am Strand, duckt er sich in Windrichtung dicht über den Boden. Nicht zu verwechseln ist der küstennahe Fofoti-Baum mit dem ganz ähnlich aussehenden Divi-Divi-Baum. Dieses Wahrzeichen Arubas wächst nur im Inselinneren.

Der Strand ist schön und hier am Rand stolpert man auch nicht ständig über andere Menschen. Es gibt nur ein gravierendes Problem. Anscheinend hat eines der im Hintergrund gelegenen (immerhin flach gebauten) Hotels ein Problem mit der Abwasserentsorgung. Es stinkt erbärmlich!

Nicht weit entfernt werden gerade zwei Reihen mit weißen Decken versehene Tische hübsch aufdekoriert. Wahrscheinlich für ein romantisches (Gruppen-)Dinner am Strand?! Wir werden nie erfahren, wie die olfaktorischen Eindrücke des Abwassers mit den dargebrachten Gaumenkitzlern harmonierten. Guten Appetit!

Surfside Beach (4. Dezember)

Direkt südlich von Oranjestad ist Surfside Beach. Die Herkunft des Namens ist weitgehend rätselhaft. Surfer gibt es keine, dafür aber viele ankernde Segelboote. Nun gut, ob der geringen Wassertiefe sind es nahezu ausschließlich Katamarane. Der Strand selbst quetscht sich schmal zwischen Straße und Wasser, doch die schönen Bäume schenken eine lauschig-grüne Kulisse. Da wundert es wenig, dass auch hier schon zwei Tische für romantische Sonneruntergangserlebnisse eingedeckt werden.

Leider reicht der sandige Teil nur ein paar Meter weit ins Wasser. Schon bald ist der Grund mit dichtem Seegras bewachsen. Samuel und ich lassen uns rübertreiben. Für Maila ist es eine unüberwindliche Grenze. Sie amüsiert sich ausschließlich in Ufernähe.

Mangel Halto (19. Oktober, 30. November)

Hier waren wir erstmals an Samuels Geburtstag. Dieser kleine Strand nur ein paar Minuten südlich vom Flughafen (und damit unserer Marina) ist ein kleiner Geheimtipp. Vor allem Arubaner kommen gerne hierher, Autos mit V-Kennzeichen sind die absolute Ausnahme. Man läuft einen von Mangroven gesäumten Weg, Krebse huschen weg und erreicht einen kleinen Strand. Es ist gut geschützt, lange flach, aber auch ein wenig steinig. Das stört uns wenig.

Alternativ führen wenigen Meter weiter Leitern oder auch eine kleine Plattform ins Wasser. Alles entspannt und ruhig ohne den weiter nördlich üblichen Trubel. Definitiv einer unserer Favoriten!

Baby Beach (13. November)

Über Baby Beach haben wir schon kurz im Rahmen unserer großen Aruba-Tour berichtet. Ganz weit weg im Süden gelegen ist er trotzdem sehr beliebt und gut besucht. Von Arubanern und Touristen gleichermaßen. Es ist auch wirklich eine schöne, große, gut geschützte flache Bucht. Einziges Problem sind (zumindest für Maila) die zwei aufdringlichen, umher streunenden Hunde. Darum haben wir diesem Strand auch keinen zweiten Besuch abgestattet.

Das ist natürlich nur eine kleine, subjektive Auswahl der vielen Strände Arubas. Im touristischen Norden gibt es noch Boca Catalina Beach, Malmok Beach, Hadicurari Beach und natürlich den langen Sandstrand-Streifen vor den Hotelburgen. Insbesondere auf letzteren haben wir leidlich dankend verzichtet. Aber letztlich ist für jeden etwas dabei. Der Full-Service-verwöhnte Tourist wird ebenso glücklich, wie der eher Ruhe suchende Individualist. Dafür ist die kleinste der drei ABC-Inseln dann doch groß genug.

Katerchen Samuel und Kätzchen Maila

November 2021

Jedes Kind sollte im Schutz seiner Familie aufwachen können, mindestens aber in den wichtigen ersten Lebensmonaten seine Mutter haben. Leider ist das nicht immer der Fall. So auch bei den vier kleinen Kätzchen, die vor dem im Aruba Animal Shelter „abgeworfen“ wurden. Viel zu klein. Es ist unverantwortlich, sie so früh von der Mama zu trennen. Trotzdem ist es hier (mal wieder!) geschehen. Die Überlebenschancen solcher Findelbabys sind nicht sehr hoch. Werden sie es schaffen?

Eigentlich sollten die vier Kätzchen noch bei der Mama sein!

Zunächst kommen sie in einen kleinen separaten Raum. Sie müssen sicher entwurmt und flohfrei sein, bevor sie zu den anderen Katzen kommen können. Das zieht sich erstaunlich lange hin.

Doch die vier Kleinen lassen keine Gelegenheit aus, im Rahmen ihrer Möglichkeiten lautstark auf sich aufmerksam zu machen. Kaum betreten wir den Katzenbereich, schallt ihr Mautzen bis in die hinterste Ecken. Eines haben sie sich bei den anderen Katzen schon abgeschaut: das Klettern. Immer mutiger und letztlich bis unter die Decke klettern sie am Gitter empor. Runterfallen? Kein Problem… auch Katzenbabies lernen früh, auf allen vier Pfoten zu landen.

Was sie nicht so schnell lernen ist, sich sauber zu halten. Woher sollen sie es auch wissen. So muss ihre gerade unter dem Schwanz immer wieder verklebtes Fell regelmäßig mit einem feuchten Tuch gereinigt werden. Und danach gibt es extra viele Schmuse-, Kuschel- und Krauleinheiten. Sie genießen es sichtlich.

26. November 2021

Heute schickt Jörg von der SY Sissi per WhatApp ein Bild mit zwei kleinen Kätzchen. Darunter steht „Samuel und Maila“. Wie jetzt? Wir können das nicht so recht einordnen. Wenig später bekommen wir Gewissheit. Die vier Kleinsten im Tierheim bekommen offiziell die Namen Maila, Nemo, Samuel und Zara . Was für eine süße Idee!

Ein paar Tage später ist die offizielle Namenszeremonie. Nun bekommen die vier ihr Namenshalsband und dürfen auch endlich in ein größeren Raum zu anderen Katzen. Entgegen aller Befürchtungen geht es allen gut. Natürlich lassen es sich unsere Kinder nicht nehmen, ihre kleinen Namensvettern noch einmal zu besuchen. Ratet mal, wer welches Kätzchen heute ganz besonders intensiv beschmust hat. Noch einmal vielen lieben Dank an die nette Leiterin des Animal Shelter, die Namens-Idee von Jörg in die Tat umgesetzt zu haben.

Nemo

Überhaupt hat die Chefin vor Ort ganz offensichtlich Freude an der Hilfe von uns und besonders unseren Kindern. Für das Boot bekommen wir eine 2022‘er-Katzenkalender geschenkt und zum Abschied dürfen sich Samuel und Maila noch jeder ein T-Shirt aussuchen. Ganz vielen lieben Dank!!!

Auf dem Rücken steht „Beeing good to animals feels good!“

16. Dezember (Nachtrag aus Bonaire)

Heute bekommen wir die traurige Nachricht, dass es Samuel und Nemo leider nicht geschafft haben.

Ruht in Frieden!

Maila und Zara entwickeln sich dagegen prächtig und haben gute Aussichten auf ein langes Katzenleben…

Donkeys reloaded…

Schon wieder Esel? Ja, das muss jetzt leider sein. Ein letztes Mal. Versprochen! Aber immerhin waren die Kinder in wechselnder Begleitung ganze elfmal im Donkey Sanctuary von Aruba. Da gibt es schon was zu erzählen. Zum Beispiel von unseren Spaziergängen.

Das ganze Gelände ist ja etwa 4ha groß. Tagsüber sammeln sich viele Esel in der Nähe des Besucherzentrums. Warum wohl? Mjam! Wir wollen uns trotzdem einen Eindruck verschaffen und begeben uns praktisch jeden Sonntag auf einen kleinen Spaziergang am Grenzzaun entlang einmal rum. Natürlich in der schönsten Mittagssonne, die die Karibik zu bieten hat. Und wenn der Skipper richtig Glück hat, tritt er spontan in eines der hartnäckigen Dornenpärchen, das sich dann auch gleich durch die Sohle bis in den Fuß bohrt. Autsch. Aber was sagt das erst über die Sohlen der getragenen Schuhe aus? Lieber nicht fragen.

Wir trauen uns weg vom Besucherzentrum

Hin und wieder erkunden wir neue Wege auf den Spuren der Esel. Durch diese große Kaktus-Hecke haben sie einen Pfad geschlagen. Da können wir auch durch. Samuel geht voran und ist schon durch, als Maila laut ruft: „Schlange!“ Wie jetzt? Wo jetzt? Zielsicher zeigt Maila auf das Unterholz, an dem Samuel gerade arglos dicht vorbeigelaufen ist. Und tatsächlich ruht da eine gar nicht mal so kleine Schlange. So sehen wir nun endlich auch mal eine Boa Constrictor in freier Wildbahn. Auf Aruba gibt es wohl ein richtiges Schlangenproblem. Einmal hier ansässig, breiten sie sich aus. Am Straßenrand findet man angeblich recht viele überfahrene Schlangen, aber wir haben dort noch keine gesehen. Unsere Schlange erfreut sich bester Gesundheit und an jedem Wochenende suchen wir natürlich den Platz erneut auf. Es bleibt bei der einen Begegnung.

Noch ahnen wir nichts!
Hier kommt man gut durch…
… aber nicht unbeobachtet!

Andere Reptilien zeigen sich dagegen in schöner Regelmäßigkeit. Immer wieder huschen graue, blaue und grüne Eidechsen durch das Unterholz, über den Sand und auf den Bäumen umher. Samuel weiß mal wieder nicht, welche er zuerst fotografieren soll…

Natürlich kreuzen auch einige (meist etwas schlankere) Esel unseren Weg. Aber da wir kein Futter dabei haben, sind wir ziemlich uninteressant. Bei den ersten Spaziergängen hält Maila sich gerne noch hinter dem Papa versteckt, wenn die doch ganz schön großen Tieren mal zum Schnuppern rankommen. Das legt sich aber mit der Zeit.

Bei unseren letzten Spaziergängen kommen wir immer wieder an Sir Lancelot vorbei. Der neueste, erwachsene Neuzugang ist ein wirklich stattlicher Esel mit wunderschönem Fell. Das sehen die hier bereits ansässigen Damen ähnlich. Gypsy und Diva werden nacheinander läufig und präsentieren sich von ihrer besten (Hinter-)Seite. Vielleicht hängt es aber damit zusammen, dass der edle Ritter noch nicht kastriert ist.

Sir Lancelot ist iin stolzer Esel…
Gypsy ist eine interessierte Dame…
Die Gegenliebe hält sich jedoch in Grenzen,,,

Kurz vor Toreschluss steht im Donkey Sanctuary dann noch das große Fressen auf dem Programm. Nur von ein paar Mohrrüben und (von Besuchern gekauften und verfütterten) Pellets bekommt man 126 Esel nicht satt. Abgesehen von den Leckereien verdrückt so ein Esel ganze 2kg Heu, ½ kg Pellets und 4 Gallonen Wasser. Täglich! Natürlich helfen wir bei der Fütterung gerne und tatkräftig mit.

Die zentrale Futterstelle liegt nahe am Eingang direkt hinter einer Scheune. Wir schnappen uns die Schubkarren und beladen sie mit jeweils zwei Heuballen. Jetzt noch kurz die Glocke läuten und schon kommen die Esel herbei und warten wenig geduldig darauf, dass endlich serviert wird. Von außen bietet sich ein herrlicher Anblick. Hintern an Hintern reihen sich die Tiere beidseitig auf.

Ja, wir wären dann bereit!
Das Buffet ist angerichtet!

Was dem „normalen“ Besucher bei diesem Blick jedoch entgeht, ist die Geräuschkulisse mitten drin. Dutzende Mäuler kauen begierig ihr Heu und sorgen so für ein schwer zu beschreibendes Hintergrundrauschen, -knirschen oder knarzen… so noch nicht gehört!

Wenn man genau hinhört… ;-)

Der letzte halbe Heuballen der Schubkarren kommt zu den separat untergebrachten Ausbruchskünstlern. Unglaublich aber wahr… ein lernfähiger Esel bekommt so manchen Riegel auf! Der fünfte Heuballen des Tages wird dann noch auf die verschiedenen Futterstellen in der Nähe des Besucherzentrums verteilt. Jeder hat bei der Tischwahl seine Vorlieben.

Kurz vor vier sind wir fertig. Und meist auch voller Heu. Es ist Zeit, nach Hause auf unsere Samai zu gehen. Doch bis auf das letzte Mal ist es ja nur ein Abschied auf Zeit. Wir kommen wieder… spätestens „Any given Sunday!“

Samuel fährt Offroad!

6. Dezember 2021

Der Jeep wird langsamer. Wir sind an einer Klippe. Es sieht atemberaubend aus. Zwei Vögel, ein Braunmantel-Austernfischer und ihr Baby sitzen vor den Klippen. Der Grund des Anhaltens ist einfach und doch erschreckend. Ich soll den Wagen fahren. Ja ich weiß! In der Schrottkarre von Eddi zu fahren und in einem Mietwagen zu fahren sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Ich steige nun hinters Steuer. Bislang bin ich immer nur Schaltwagen (Eddies rotem Flitzer) gefahren. Doch der Jeep ist ein Automatikwagen. Der Motor startet und ich bin wieder so aufgeregt wie bei meiner ersten Fahrstunde. Vor mir liegt keine Straße sondern Piste. Nur Erde.

Ich trete langsam aufs Gaspedal… und nehme den Fuß sofort wieder herunter. Der Wagen ruckt kurz nach vorn und bleibt dann wieder stehen. Nach einer kurzen Einweisung, dass mein linker Fuß nichts auf der Bremse zu suchen hat, schaffe ich es langsam anzufahren. Es ist aufregend, doch mindestens genauso schmerzhaft. Mein linker Fuß verkrampft sich immer wieder und ich zwinge ihn zu entspannen, was dann für ein bis drei Sekunden hält.

Nach einigen Auf- und Abstiegen habe ich den Dreh raus. Es fällt mir inzwischen leichter, mich nicht zu verkrampfen. Ich folge der Piste, fahre durch die ein oder andere Pfütze hindurch und über Waschbretter. Also nicht über echte. Es geht um die, die auf der Straße entstehen wenn Autos an den Stellen oft Bremsen.

Bei einem kleinen Aussichtspunkt machen wir Halt. Alle steigen aus, nur ich nicht. Aber nicht weil ich festgewachsen bin, sondern weil eine Kolonne Strandfahrzeuge, geführt von einem grimmigen Führer, der uns anhupt, den Weg entlangfährt, auf der sich meine Tür befindet. Wir hätten uns keinen besseren Punkt für die Pause aussuchen können.

Während der Pause beobachte ich einen Grashüpfer. Die Landschaft ist auch hier atemberaubend. Die Wellen klatschen an den Felsen empor und das Wasser ist weiß vor Schaum. An diesem Ort trinken wir auch unsere letzte Cola, die In der Kühltruhe dabei ist. Mailas war gut, doch meine… sie lag Kopfüber in der Kühltruhe und die ausgetrunkenen Bierdosen sind ausgelaufen. Würg!

Der letzte Part kommt. Wir sehen schon den Asphalt von der Straße, die zum Leuchtturm führt. Es gibt nur noch ein Hindernis. Ein riesiger Steinhaufen ist die Auffahrt. Ja, das mag sich wie Übertreibung anhören, doch das ist keine.

Geschafft!!!

Der Motor heult auf als ich Gas gebe. Wir bleiben wenige Meter vor dem Ziel stehen. Mein rechter Fuß ist auf der Bremse als Jörg, der neben mir sitzt, den Vierradantrieb einschaltet. Die Steigung fühlt sich in dem Auto fast an wie 160 Grad. Natürlich sind es viel weniger. Als ich zögerlich den Fuß von der Bremse nehme, bleiben wir wo wir sind und als ich dann Gas gebe, kommen wir den Steinhaufen mühelos hinauf.

Das bin ich alles mit dem Jeep gefahren!

Ab da übernimmt Papa, weil ich nicht in dem Straßenverkehr fahren möchte. Das wollen die anderen im Auto auch nicht. ;-) Doch ich habe mich auch in den Verkehr getraut. Und zwar mit dem Auto von Jörg. Es sitzt neben mir und sagt mir dann, wo ich lang fahren soll. Da kommt auch schon mal Gegenverkehr.

Am morgen des Tages, an dem wir den Jeep abgeben müssen, fahre ich auch noch einmal mit ihm. Wir geben den Wagen ab und Papa fährt uns halb zurück. Ja, nur halb denn den Rest fahre ich als Vergleich „roter Flitzer gegen Jeep“. Tag und Nacht beschreiben die Unterschiede der beiden Wagen nicht ansatzweise ausreichend.

Ein paar Tage später fahren wir zu einem guten Fisch-Restaurant, weil meine Großeltern in Kladow – vielen Dank an dieser Stelle noch einmal! – mich und meine Familie zum Geburtstag zum Essen eingeladen haben. Leider ist das Restaurant voll und wir müssen umdrehen. Egal, gehen wir eben in Bonaire zum Essen. Doch ich war derjenige, der den Weg zurück zum Boot fährt. Und das wobei es fast schon dunkel ist. Die letzte Fahrt auf Aruba mit einem Auto. Und die bei Nacht, also dem Ende eines Tages. Passt irgendwie… findet ihr nicht? Doch wie der Tag die Nacht immer wieder ablöst, wird auch irgendwann wieder der Tag anbrechen, an dem ich erneut Auto fahre.

Samuel

Jeepausflug mit Hindernissen – Arikok-Nationalpark

6. Dezember 2021

Bei unserer großen Aruba-Tour haben wir ja schon so ziemlich alle Sehenswürdigkeiten der Insel erkundet. Doch ein Highlight fehlt noch. Der Grund ist simpel. Für die Pisten im Arikok-Nationalpark braucht man einen 4×4-Jeep. Zumindest, wenn man Spaß haben möchte.

Erst in den Park (dunkelgrün), danach die Nordküste bis zum Lighthouse

Die Auswahl an Autovermietern in Aruba ist riesig und in Dutzenden zu bemessen. Das bedeutet leider nicht, dass diese Konkurrenz sich positiv auf den Preis niederschlägt. Zu Zeiten des Lockdown kam man mit ca. 220$ pro Woche davon. Für einen Kleinwagen. Von solchen Preisen kann man aktuell nur träumen. Auf Aruba herrscht Hochsaison. Trotzdem beißen wir (also die SY Samai in Kooperation mit der SY Sissi) in den sauren Apfel und mieten uns einen Jeep Wrangler… 165$ für einen Tag.

Nummer 1

Schon die Abholung erfordert Geduld. Reichlich nach dem vereinbarten Termin wird der Wagen vorgefahren. Fünf Leute haben darin Platz. Aber warum hat er dann nur vier Gurtschlösser? Man verspricht uns einen prompten Tausch. Ein anderer Jeep wird herangeschafft. Dieser hat fünf Gurtschlösser. Nur sehen leider auch die Reifen schlechter aus. Egal. Wir haben jetzt schon eine Stunde Verspätung. Los geht es Richtung Nationalpark. Die leuchtende Motorlampe ignorieren wir. Ist sicher nur eine anfällige Inspektion. Aber warum nur schlingert der Wagen auf gerade Straße so hin und her? Ahnt er etwa, dass Segler an Bord sind?!?

Arikok Parke Nacional Aruba

Der offiziell im Jahr 2000 gegründete Arikok Nationalpark umfasst mit seinen 34km2 etwa 18% von Aruba. Hier bekommt man einen Eindruck der ursprünglichen Insel, die heute ansonsten in weiten Teilen zersiedelten ist. Auf dem offiziellen Park-Plan sind ganze 20 Points of Interest verzeichnet. Aber da wird auch so manche Mücke zum Elefanten gemacht. Und die Windturbinen für die Straßenbahn liegen noch nicht einmal im Park selbst. Wir konzentrieren uns auf die echten Höhepunkte.

Piste zum…

Conchi Natural Pool

Das erste Ziel ist der durch Lavafelsen gut vor der rauen See geschützte Conchi Natural Pool. Einer der bei Touristen wie Einheimischen beliebtesten Orte der Insel. Aber halt nur mit einem 4×4-Jeep zu erreichen. Wir merken recht schnell, dass das keine leere Drohung ist. Über viele Steine und wenige Stöcke schaukeln wir uns voran bis zum Parkplatz. Von hier sind es nur noch ein paar Stufen und wir können ins kühle Nass. So denken wir. Vor Ort dann die Ernüchterung. Die See ist heute rau. Also wirklich richtig rau. Immer wieder brechen Wellen über die Felsen in den plötzlich gar nicht so geschützt wirkenden Pool. Der Park Ranger erläutert das Offensichtliche… Baden verboten! Die großen Jungs spülen den Frust mit einer Gerstenkaltschale runter.

Raue See…
… steigt in den „geschützten“ Pool
„Baden verboten!“

Nun gut. Wir kämpfen uns die Piste wieder bergan Richtung Straße. Doch warum gibt der Wagen einen Temperaturalarm. Die Anzeige ist direkt nach dem Anlassen am Anschlag, geht kurz darauf jedoch runter auf Null. Na dann geht das wohl noch. Wahrscheinlich ein defekter Sensor? Doch warum riecht das hier so komisch nach einer Mischung aus Gummi und verbranntem Öl? Und warum qualmt unser Auspuff so? Egal, ist ein Mietwagen. Trotzdem schleicht sich eine gewisse Nervosität ein.

Nummer 2
Sichel voraus?!?

Fontein Cave

Wir fahren langsam aber stetig weiter zur nächsten Attraktion. Einer von zwei zu besichtigenden Höhlen. Der Wagen scheint nun doch ernsthafte Probleme zu haben und geht zwischenzeitlich aus. Nur mit Mühe lässt er sich zur Weiterfahrt überreden. Kurz vor dem Parkplatz kommt weißer Qualm unter der Motorhaube hervor und zwei Meter vor der angedachten Parklücke ist endgültig Schluss. Der Jeep qualmt still schweigend vor sich hin. Doch unser Plan geht auf. Hier sind Parkranger mit Funkgeräten. Über die Zentrale wird der Mietwagenverleih informiert, der uns einen Austauschjeep zugesagt. Das wäre dann also die Nummer 3 am heutigen Tag.

Ok, wir haben nun also etwas Zeit. Als kleine Überraschung zeigt uns der Ranger zunächst ein ganz besonderes Tier: das dösendes Exemplar einer auf Aruba endemischen Unterart der Schauer-Klapperschlange (Crotalus durissus unicolor). Ihre Mortalitätsrate liegt immerhin bei 10-40%. Wir halten respektvollen Abstand.

Sie scheint satt zu sein.

Danach vertreiben wir uns die Zeit mit einem maritimen Fußpeeling. Schuhe aus, Füße ins Wasser und ganz fest die Zähne zusammenbeißen. Nicht, weil die knabbernden Fische schmerzen, sondern es gerade am Anfang so unsäglich doll kitzelt.

Fontein Cave selbst präsentiert sich recht düster und zeichnet mit seinen bizarren Felsen immer wieder Fratzen und Umrisse in die blühende Fantasie der Besucher. Nur die etwa 50m tiefe Eingangshalle ist für Besucher zugänglich. Weiter hinten hausen viele Langnasen-Fledermäuse, deren Ausscheidungen nicht gerade gesundheitsfördernd sind. Doch auch hier vorne huschen schon kleine Kakerlaken über die Steine.

Warum nur Samuel brauch unbedingt so viele Fotos von den Kakerlaken?

Bemerkenswert sind die alten Zeichnungen, welche die indigenen Arawak in der präkolumbischen Zeit an der Decke hinterlassen haben. Besonders das Symbol für Stärke ist heute ein beliebtes Tattoo-Motiv.

* MUT *

Quadirikiri Cave

Mit dem dritten Jeep des Tages fahren wir weiter. Auch hier leuchtet die Motorwarnlampe. Dazu noch die Reifendrucklampe, aber der Kollege sichert uns zu, dass das wirklich nur ein defekter Sensor sei. Ach ja, natürlich sind hier wieder nicht mehr als vier Gurtschlösser… aber darüber wollen wir jetzt wirklich nicht weiter reden.

Eingang zur Quadirikiri Cave

Nächster Stopp ist die locker-leicht über die Lippen gehende Quadirikiri Cave. Sie ist eine der größten Grotten auf Aruba und bietet mit ihren drei großen Räumen einige schöne Winkel und Perspektiven zu entdecken. Für stimmungsvolle Beleuchtung sorgen Deckenlöcher, durch die einer alten Sage nach schon die Geister eines hier getrennt eingeschlossenen und letztlich verstorbenen, unglücklichen Liebespaares entschwunden sind.

..Samuel versucht eine der umherschwirrenden Fledermäuse zu erwischen…

Boca Prins

Nach den Höhlenbesuchen brauchen wir noch etwas frische Luft. Die lassen wir uns bei Boca Prins um die Nase wehen. Der schöne, ausgesprochen saubere Strand mit seinen Dünen im Hintergrund lädt aufgrund der starken Brandung leider nicht zum Baden ein. Die Kraft der Wellen zeigt sich von ihrer ungezähmten Seite.

Im Hintergrund die Dünen…
… von Boca Prins.

Daimari Beach

Damit haben wir Arikok Nationalpark genug gesehen. Lieber soll es noch ein bisschen über die Piste gehen… nun, da wir einen Jeep haben, der uns anscheinend aus- und den Tag durchhält. Weiter geht es zum Daimari Beach. Normale Autos halten auf dem Hügel. Wir fahren runter und ich frage still in mich hinein, ob es nicht vielleicht auch einen anderen Rückweg gibt.

Ziegenimpression auf dem Weg.
Hier fahren wir jetzt runter.

Mal schauen, zuvor spazieren wir zum Strand. Je näher wir kommen, umso deutlicher wird das Desaster. Im Nationalpark werden die Strände regelmäßig gereinigt. Dieser hier ist mehr oder weniger sich selbst überlassen… und sammelt den vorwiegend karibischen Müll der Meere. Uns fehlen die Worte. Und das, wo es auf anderen Inseln wohl noch viel schlimmer aussehen soll. Unfassbar traurig machen wir uns auf den Rückweg.

Die Fahrt den Hang hinauf verläuft erstaunlich problemlos. Vorher in Gedanken die Route abgesteckt und dann 4×4 hoch. Oben gönnen wir uns erst einmal eine Erfrischung.

Ok, dann mal los…

Die Fahrt geht noch weiter. Zunächst wieder einmal vorbei am „New Natural Pool“ steuern wir nun die Piste entlang der rauen Ostküste Arubas bis hoch zum California Lighthouse an. Doch von dieser Fahrt möchte gerne ein anderes Crewmitglied berichten…

Hier fahren wir gerne vorbei… ;-)