Samai auf Landgang

Valdivia, Anfang Oktober 2020

Hin und wieder sollte man ein Segelboot auch mal aus seinem angestammten Element, dem Wasser holen. Einfach mach schauen, wie es da unten aussieht, eventuell das eine oder andere ausbessern und natürlich ist auch das Anti-Fouling (also der zugegebener Maßen üblicherweise wenig umweltfreundliche Anstrich zur Vermeidung von Bewuchs) ein Thema. Bei Metallschiffen kommen ganz oben auf der Liste dann auch noch die Opferanoden hinzu. Gerade Aluminium ist bei all seinen Vorzügen was das Verhältnis von Stabilität und Gewicht angeht leider doch ein im elektrischen Sinn recht schlechte Wahl. Anders gesagt gehen Elektronen bei einer anliegenden Spannung grundsätzlich vom „minderwertigen“ zum „höherwertigen“ Metall. Tja und in dieser Hierarchie ist Aluminium zwar nicht ganz am Ende, aber doch recht weit unten. Darum ist bei einem Boot wie unserem auch die elektrische Installation so wichtig. Es darf weder Strom noch Masse am Rumpf liegen, sonst geht das schnell an die Substanz.

Glücklicher Weise kommt unsere Samai von einer Werft, die in dieser Hinsicht ihr Handwerk versteht. Trotzdem sind sogenannte Opferanoden unverzichtbar. Dabei handelt es sich um in der elektrischen Hierarchie noch minderwertigeres Material als Aluminium, das im Zweifel an Stelle des Rumpfes seine Elektronen abgibt. Doch nicht nur der Rumpf, insbesondere auch der Propeller hat solche Opferanoden um seine Substanz zu schützen.

Bei meinen Tauchaktionen im patagonischen Eiswasser hatte ich ja schon festgestellt, dass eben diese Opferanoden unseres Propellers durch schlichte Abwesenheit glänzten. Natürlich haben wir Ersatz an Bord, doch dieser lässt sich unter Wasser, noch dazu ohne Taucherausrüstung doch allzu arg umständlich installieren. Daher war es in Valdivia von vorneherein ein wichtiges Anliegen, das Boot aus dem Wasser zu holen. In Deutschland bemüht man dafür einen Kran. Entweder die Variante, für dass das sogenannte stehende Gut (also insbesondere die metallenen Wanten, die den Mast halten) gelöst werden, eventuell sogar der Mast vorher weggenommen werden muss. Alternativ gibt es den sogenannten Traveller-Kran, der Boot auch mit stehendem Mast und Gut rausholen kann. Mit der Samai so geschehen vor einer gefühlten Ewigkeit in Rostock.

In Südamerika geht man das Thema eher pragmatisch an. In Brasilien wurde ein Karren ins Wasser gelassen, ein Hafenmitarbeiter ging hinterher und sorgte für sicheren Halt bevor ein Traktor das ganze Gespann raus zog. Hier in Valdivia ist es nicht sehr viel anders. Ok, kein Traktor. Aber letztlich ist es dann doch ein recht einfacher Karren. Vorab wurden nach unseren Angaben ein paar Holzblöcke darauf festgenagelt, auf denen unsere Samai (hoffentlich) sicher aufliegen kann. Dann wird dieser Karren ins Wasser gelassen und das Boot, je nach Tiefgang bevorzugt bei Hochwasser, zwischen die Metallstreben buchsiert. Von der Seite schaut ein Hafenmitarbeiter, ob das passt. Das Wasser ist so flach, dass er das problemlos erkennen kann. Die Leinen fest, also richtig fest, und dann geht es los. Der Karren wird rausgezogen. Das Boot kommt mit. Wir oben drauf. Irgendwann sitzen wir auf und es geht weiter raus. Ein echt komisches Gefühl, doch es funktioniert. Warum auch nicht, schließlich ist das Procedere hier lang erprobt.

Vorbereitungen.
Leinen fest im Karren und los…

Eigentlich wollten wir ob der Windvorhersage erst einen Tag später rausgeholt werden. Doch der Zeitplan ist eng, die Warteliste lang. So verbrachten wir einen ersten unruhigen Abend. Ja, im Gegensatz zu anderen Ländern kann die Besatzung hier selbstverständlich auch dann im Boot bleiben, wenn dieses an Land steht. In Deutschland würde jede Versicherung in unkontrollierten Kreisen laufen. Wir dagegen „genossen“ auf dem Trockenen seitlich Böen von bis über 40kn. In einem mindestens 12t schweren Schiff, das in einem nur bedingt vertrauenswürdig anmutenden Karren stand. Doch der Schein trügt, alles gut!

Wir wollten den Landurlaub unserer Samai möglichst kurz halten und machten uns wann immer es halbwegs trocken war ans Werk. Zunächst wurden alle Opferanoden erneuert. Die zwei kleinen am Bugstrahlruder waren echt nervig, die drei großen dagegen am Rumpf fast schon Routine. Samuel war eine gute Hilfe. Schließlich haben wir Jungs dann auch dem Propeller neue Anoden sowie eine gründlich Schmierung gegönnt. Dieses Thema war damit abgehakt.

Der Propeller sieht auch wieder fein aus.

Ein anderes Thema ist das Anti-Fouling. Im Eis der Antarktis hatten wir uns den Anstrich an der vorderen Bootshälfte auf Wasserlinie bis auf das Aluminium abgeschabt. Da wollte ich dann doch etwas nachbessern.

Andenken aus dem ewigen Eis.

Allerdings durften wir in „freiwilliger Quarantäne“ ja den Hafen nicht verlassen und waren daher auf die restlichen Farbvorräte an Bord angewiesen. Tja, was soll ich sagen. Ich hatte zwar noch einen ganzen Topf für Aluminium taugliches Trilux 33 dabei. Allerdings nur in Weiß! Zur Erinnerung… eigentlich ist unsere Samai unten herum eher dunkel gehalten. Und ein Topf Farbe reicht auch nicht für den ganzen Rumpf. Nun gut, ich hatte wenig Alternativen und was ist Farbe schon anderes als die sprichwörtlichen „Schall und Rauch“. So elegant wie es meinem eingeschränkten Talent möglich war, klebte ich den übelst zugerichteten Bereich des Vorschiffes ab. Die bis auf das Aluminium abgeschabten Bereiche wurden mit einem glücklicherweise ebenfalls an Bord gefundenen „Propeller-Primer“ übergesprüht. Dann kam die Malerrolle zum Einsatz. Ich sage mal: „Nicht schön, aber selten!“. Wir trösten uns mit dem Gedanken, dass es garantiert noch keine Allures mit auch nur ansatzweise vergleichbarer Kreativität bei der Farbgebung des Unterwasserschiffes gab. Wichtiger noch ist allerdings, dass wir das Kunstwerk an Bord stehend nicht wirklich sehen können.

Nachdem ich den vorderen Rumpf fertig hatte, half mir Samuel bei den letzten Baustellen. Die untere Schwertkante hatten wir uns schon im niederländischen Watt abgeschabt, nun strahlt sie weiß. Und auch die Ruder waren über einen neuen Anstrich dankbar… mehr noch, da sie keine Augen haben. Ja, das ist schon ein besonderes optisches Erlebnis, aber ehrlich gesagt… EGAL! Wichtig ist, dass der Rumpf geschützt ist und dass die Anoden ihren Dienst verrichten. Der Rest ist Kosmetik. Und ebenso, wie einen schönen Mann oder natürlich auch eine schöne Frau nichts entstellen kann, so kann auch ein schönes Boot… ;-)

Nach nur zwei Nächten kamen wir wieder ins Wasser. Der Karren wurde langsam-ruckend ins Wasser gelassen. Wieder war es ein komisches Gefühl, dabei an Deck zu stehen. Endlich schwammen wir auf, lösten die Leinen und wollten rückwärts aus dem kleinen Hafen fahren. Doch warum kommt da kein Kühlwasser vom Motor raus? Das ist doch nicht wahr! Motor aus, Ventile kontrolliert, Sitz des Filters und sogar den Impeller geprüft. Alles gut. Ok… tief durchatmen. Klar, beim Rausholen waren die Leitungen trocken gelaufen. Also zur Sicherheit noch etwas Wasser über den Filter nachgekippt, dann den Motor an und einfach mal mit der Drehzahl hoch… schon kam auch wieder das Kühlwasser. Einfach mal Ruhe bewahren!

Nun liegen wir also wieder im kühlen, hier im Valdivia-River sogar süßen Nass. Unter Wasser ist der Rumpf, wenn schon nicht ästhetisch, so doch wieder gut geschützt und die Zeit wird zeigen, was wir unserem Boot als nächstes Zumuten. Korallen der Südsee oder sogar nochmal ins Eis? Wie auch immer, wir haben volles Vertrauen, dass unsere Samai und natürlich auch wir alles, was noch kommen mag, heile und gesund meistern.

Eclipse solar en Chile

14. Dezember 2020

Der Skipper hatte vor einer gefühlten Ewigkeit das Glück, eine Sonnenfinsternis im elterlichen Garten zu erleben. Am 11. August 1999 wurde in Berlin knapp 90% der Sonne verdeckt. Es war ein Ereignis mit bleibender Erinnerung. Und dann las ich schon vor einigen Wochen zunächst eher zufällig, dass am 14. Dezember 2020 eine Sonnenfinsternis über Südamerika zu sehen ist. Genauer gesagt ziemlich genau hier, wo wir gerade sind. Der Kernschatten soll keine 100sm nördlich von Valdivia durchgehen. Eine Totale Sonnenfinsternis von über 2min… so richtig mit Corona!

Was liegt da näher, als den kleinen Hüpfer zum Kernschatten zu machen? Mangels offizieller Einreise, sowie auch angekündigten Straßensperren zur Vermeidung von Tagesausflüglern, fällt der Landweg weg. Daher fassten wir den Plan, mit dem Boot bis vor Puerto Saavedra zu fahren (rein kommt man da wohl nicht im Guten ;-), um dort das Spektakel zu bewundern. Doch dann kam der Wetterbericht.

Schon vor einer Woche wurde für heute wolkiges Regenwetter angesagt. Je näher der Tag kam, je mehr bestätigte sich diese Vorhersage. Insbesondere für die Region, über die der Kernschatten geht. Dazu kamen dann noch eine ungünstige Windvorhersage mit 30‘er Böen auf die Nase. Die einzig vernünftige Entscheidung ist, in Valdivia zu bleiben und zu hoffen, dass die Wolken hier, etwas weiter im Süden, rechtzeitig weg sind. Immerhin soll die Sonne in Valdivia auch zu stolzen 99% vom Mond verdeckt werden.

Am Vorabend hat es geregnet. In der Nacht hat es geregnet. Am Morgen hat es geregnet. Grau in grau. Doch dann, kurz vor zwölf Uhr, kurz nachdem der Mond anfängt sich vor die Sonne zu schieben, zeigen sich erste blaue Lücken am Himmel. Schnell die vom Honorarkonsul besorgten Brillen aufgesetzt und tatsächlich… da knabbert oben links etwas an der Sonnenscheibe. Es klart sich tatsächlich weiter auf. Was für ein Glück! In Windeseile baut Samuel unsere Hängematte auf. Schließlich möchten die Kinder bequem genießen.

Langsam verändert sich das Licht. Es wird etwas dunkler und doch ist es anders, als wenn sich einfach nur Wolken davorschieben würden. Es ist eine ganz besondere Stimmung, die uns umgibt. Irgendwann beginnt sogar die Untiefentonne in Sichtweite zu blinken. Kurz nach ein Uhr ist das Maximum erreicht. Der Mond geht durch und lässt nur einen kleinen Rand frei. Merklich kühler ist es inzwischen natürlich auch geworden.

Kurz nach der maximalen Verdunklung…
Samuel hat sich auf die erste Saling zurück gezogen…

Kurz danach verabschiedet sich Maila, der es heute leider nicht so gut geht, ins Bett. Der Rest der Crew bleibt auf dem Vordeck. Die Sonne wird heller, erinnert nun wieder ein wenig an Pac-Man, es wird wärmer und kurz vor halb drei ist das Spektakel auch schon vorbei. Was für ein schönes Erlebnis.

Fast vorbei :-(

Und es war definitiv die richtige Entscheidung in Valdivia zu bleiben. Webcams zeigen, dass die vielen angereisten Touristen zumindest in der chilenischen Totalitätszone wohl kaum mehr als eine Helligkeitsschwankung hinter der Wolkendecke wahrgenommen haben. Endlich mal wieder etwas Glück gehabt.

P.S. Die Bilder sind nicht bearbeitet!

Endspurt nach Valdivia

19. – 20. August 2020
(plus Ausblick)

Nun steht uns also endlich der letzte Abschnitt bevor. Noch 135sm liegen vor uns, der dritte Ausflug auf den Pazifik, die dritte Nachtfahrt. Mittags geht es los. Doch erst einmal müssen wir den aufgeholten Anker klarieren, wir haben uns ein kleines Netz eingefangen. Die Zeugen der Zivilisation finden sich – wenig überraschend – nicht nur über Wasser.

Gruß an Faro Punta Corona!

Wir melden uns also brav beim Faro Punta Corona ab und mit leichtem Rückenwind geht es auf den Ozean. Wir versuchen zu segeln, doch der etwas zu schwache Wind gepaart mit 2m seitlichem Schwell überreden uns zur widerwilligen Motorfahrt. Im Laufe des Tages nimmt beides zu. Der Wind geht sogar kurz mal auf knapp 5 Bft. hoch, kommt nun allerdings exakt von hinten. Dazu schaukeln inzwischen gut 3m Schwell von schräg links-hinten das Boot hin und her. Da steht zumindest auf unserer Samai kein Segel. Grmpf… nur auf dem Rummelplatz ist es schöner! ;-)

Im Grunde ist es aber einerlei. Der Wind macht die Nacht über ohnehin was er will, geht runter auf 2-3 Bft., dreht spontan von Süd auf Ost, später dann auf Nord, verschwindet zwischendurch mal ganz und kommt genau dann, wenn wir nach Osten Richtung Valdivia abbiegen mit 5Bft. genau auf die Nase. Wenigstens schiebt der Strom und wir kommen gut voran: Um Mitternacht waren mit 80sm schon weit mehr als die Hälfte geschafft.

Ansteuerung Bahía Corral…
… bei Sonnenaufgang.

Ursprünglich wollten wir ja noch eine letzte Nacht in der Bahía Corral an der Mündung des Río Valdivia ankern. Doch die wieder einmal jede Vorhersage verhöhnenden Bedingungen rieten zur Planänderung. Nun also auf direktem Weg Richtung Valdivia. Immer mal wieder von Delfinen und Pelikanen begleitet fahren wir flußaufwärts, vorbei an bewaldeter Küste, idyllisch gelegenen Häusern und einem Wrack.

1.2 Valdivia – Marina La Estancilla

Wir hatten vorab mit Jorge vom Club de Yates Valdivia (CYV) vereinbart, für die Formalitäten erst einmal in La Estancilla anzulegen. Dass sich das mit den Formalitäten dann doch etwas anders gestaltet hat als erwartet, ist dem treuen Leser nicht neu. Trotzdem bleiben wir hier knapp einen Monat, der Skipper nimmt seine erste Dusche seit Ushuaia, wir waschen die Wäscheberge, füllen das Gas auf, die Kinder spielen mit den Hunden und wir folgen mit dem Dinghy (illegaler Weise) einer ganz lieben Einladung für einen sehr netten Abend und lernen natürlich auch unseren unglaublichen Honorarkonsul persönlich kennen.

La Estancilla Blick flußabwärts…
… und voraus zur Isla San Francisco.
1.2 Valdivia – Marina La Estancilla

1.1 Club de Yates Valdivia (Río Valdivia)

Am 14. September verholen wir uns schließlich in den stadtnahen Haupthafen des Clubs. Hier werden wir die Samai erstmals auf unserer langen Reise aus dem Wasser holen, Supermärkte liefern Nachschub, der Außenborder wird wieder in Schuss gebracht, das Kajak ausgepackt und trotzdem bleiben wir nur geduldet und dürfen den Hafen nicht verlassen.

Flussaufwärts Richtung Valdivia
Club de Yater Valdivia

Isla Haverbeck

Anfang November passiert dann das, was sich vorher schon angedeutet hatte. Valdivia wird auf Phase 1 = Quarantäne herabgestuft. Wir nehmen das zum Anlass, einer schon vor einiger Zeit ausgesprochenen Einladung zur Isla Haverbeck zu folgen. Die Gobernación Martima schaut weg, besucht uns dann aber doch wieder an unserem neuen Liegeplatz. Auch sie bezeugen ihr Mitleid mit uns. Nicht jedoch ohne zu betonen, dass es nicht an ihnen, sondern ausschließlich dem Gesundheitsministerium liegt.

Canal Haverbeck

Wir hoffen weiter auf die Einreise, sie würde einiges erleichtern. Unlängst hatten wir ja beschlossen, die südamerikanische Küste weiter Richtung Norden bis nach Ecuador zu fahren. Da liegen aber noch über 1000sm chilenische Küste vor uns. Wäre schon schön, wenn wir da auch irgendwo mal anlanden dürften. Wie auch immer, unsere Tage hier sind gezählt. Zu sehr juckt es in den Segeln… wir müssen endlich weiter…

1.1 Club de Yates Valdivia & Isla Haverbeck

Alltagsprobleme in hohen Breiten: Batterien

Spoiler-Alarm: Heute wird es – trotz eingestreuter Anekdoten – mal wieder etwas technischer… :-)

In den guten alten Zeiten, war das alles gar kein Thema. Energie an Bord eines Segelschiffes beschränkte sich auf den Wind, der in den Segeln das Boot vorantrieb. Dann die Wellen, die das Boot umher warfen. Schließlich die Sonne, die den Seeleuten die Haut verbrannten. Ja, auch heute spielen diese drei noch eine wichtige Rolle, gerade der Wind. Ansonsten dienen Sonne und Wind (sowie hin und wieder auch die Strömung) eher dazu, die Energiespeicher an Bord zu füllen… Batterien.

Unsere Samai ist von der Werft gut ausgestattet. Vier Verbraucherbatterien brachten etwa 450Ah (Amperestunden… die physikalischen Details am Ende), dazu eine Starterbatterie für den Motor sowie eine Batterie für Ankerwinsch und Bugstrahlruder. Die letzten zwei sind von den Verbrauchern getrennt, damit ihre Leistung sicher zur Verfügung steht. Vor der langen Fahrt hatten wir uns dann noch frische Verbraucherbatterien gegönnt: 4 x 125 = 500Ah in neuen Victron AGM Super Cycle sollten uns sicher und entspannt um die Welt bringen. Soweit die Theorie.

Ich möchte nicht unfair erscheinen. Ja, die Batterien bei uns an Bord sind sicher gut und sinnvoll gewählt (… schließlich haben wir uns ja auch auf Expertenrat verlassen ;-). Doch die übliche Blauwasserfahrt führt halt in Reviere, die eher durch angenehme Temperaturen, um nicht zu sagen „Wärme“ gekennzeichnet sind. Wir waren dieses Jahr aber eher in kalten Regionen unterwegs. Das ist ein anderes Spielfeld.

Ja, Kälte ist kein Freund von Batterien. Wer schon mal die Batterie des Fotoapparates bei -20 Grad (Hundeschlittentour in Spitzbergen) im Gerät gelassen und nicht in der warmen Brusttasche verstaut hat, kann ein Lied davon singen. So war es also nicht verwunderlich, dass auch unsere Bordbatterien in der Antarktis oder dem patagonischen Südwinter keine Eispartys gefeiert haben. Trotzdem waren wir durchaus erstaunt, dass der Batteriemonitor uns am kalten Morgen oft kaum mehr als 11,5V angezeigte. Am Vorabend waren sie wohlgemerkt voll geladen, die Spannung bei gut 13V! Als erste Hilfe wurde der Kühlschrank nun nachts konsequent ausgeschaltet, die Außentemperatur sollte reichen.

Erstmals so richtig stutzig wurden wir bei Benutzung unseres Inverters in der Kälte. Dieser bringt die 12V des Bordnetzes auf die 230V der normalen Steckdosen. Schon klar, dass da z.B. ein Toaster ordentlich Strom zieht. Doch ganz oft hat er eben das nicht getan. Die angezeigte Batteriespannung viel umgehend rapide ab und das rote Lämpchen für „low batterie“ leuchtete. Letztlich konnten wir den Inverter und die damit verbundene größere Last nur dann richtig nutzen, wenn dazu der Motor (also die stomerzeigende Lichtmaschine) lief. Schon etwas nervig.

Und dann ist da ja noch die Starterbatterie. Diese muss – im Gegensatz zu den Verbrauchern – zum Motorstart kurze Zeit hohe Leistung bringen. Darum ist das auch eine andere Art von Batterie und von den Verbrauchern getrennt. Die normalen Stromabnehmer sollen die Starterbatterie nicht belasten und damit jederzeit einen problemlosen Motorstart sicher stellen. Aber warum zeigt der Batteriemonitor dann unter Last mit Inverter auch einen signifikanten Spannungsabfall eben dieser eigentlich getrennten Starterbatterie an. Sehr suspekt. Mehr noch… morgens war nicht nur die Spannung der Verbraucher-, sondern auch dieser Starterbatterie runter. Mehr als einmal reichte es nicht mal mehr aus, um den Motor zu starten. Nur gut, dass wir Überbrückungskabel an Bord haben. Irgendwann wurde es zu unserer normalen Routine, die Starterbatterie vor Anker schlichtweg abzuklemmen. Das half tatsächlich. Vor der Abfahrt wieder angeklemmt, startete der Motor fortan hinreichend zuverlässig.

Ein weiterer unbestrittener Höhepunkt ereignete sich erstmals an einem gemütlichen Fernsehabend. Einer von uns ging auf Toilette und wusch sich danach natürlich brav die Hände. Die Wasserpumpe surrte, die Salonbeleuchtung flackerte und der Fernseher ging aus! Da war dann wohl nicht mehr genug Spannung in der 12V-Steckdose übrig. Natürlich hat sich das in der Folgezeit wiederholt. Als Konsequenz haben wir an Fernsehabenden vorab etwas Wasser bereitgestellt und dann die Pumpe abgeschaltet. Ohne Worte!

Wir sind noch etwas unschlüssig, ob die Batterien inzwischen einen bleibenden Knacks abbekommen haben. Jedenfalls funktioniert das mit dem Inverter auch im frühlingshaften Valdivia nicht so wirklich gut. Unter Last geht spontan die Spannung runter und das rote Lämpchen leuchtet. Auch scheinen sie sich schneller zu entladen, als der angezeigte Stromverbrauch es rechnerisch erwarten lässt. Ein anderes schon länger beobachtetes Phänomen ist umgekehrt das Ladeverhalten. Bis zu 98% geht das ganz normal langsam hoch, der letzte Sprung auf 100% vollzieht sich dann sehr plötzlich. Oder ist der neue Mess-Shunt ein Problem? Den musste ich ja letztes Jahr ersetzen, habe mich dabei aber penibel an Anleitung und die Anschlüsse des (kaputten) Vorgängers orientiert. Sollte also eigentlich passen.

Kurz und gut… Kälte und Batterien… so richtig geht das anscheinend nicht zusammen. Wäre schön gewesen, hätten wir das vorher in aller Konsequenz gewusst. War nicht so. Ist aber auch nicht unerträglich schlimm. Wir (und wahrlich nicht nur wir) haben das nun hautnah erleben dürfen und daraus gelernt. Und wir freuen uns definitiv auf wärmere Reviere, in denen die Batterien hoffentlich(!) kein Alltagsproblem mehr sind, sondern einfach nur das machen, wofür wir sie an Bord haben: zuverlässig Energie liefern!

Nachtrag: physikalischer Kauderwelsch

Volt (V): Die Stromspannung eines Netzwerkes. An Land sind das in Deutschland 230 Volt, in anderen Ländern auch mal nur etwa die Hälfte. An Bord vieler Segelboote (so auch der Samai) sind das 12 Volt.

Ampere (A): Die Stromstärke, welche „fließt“ um den Bedarf eines Verbrauchers zu befriedigen.

Amperestunden (Ah): So wird die Kapazität von Batterien angegeben. Die sind in der Lage, eben diese Stromstärke für eine Stunde oder entsprechende Bruchteile entsprechend länger zur Verfügung zu stellen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass eine normale (Verbraucher-)Batterie niemals vollständig, sondern nur je nach Typ maximal nur auf etwa 60% entladen werden sollte. Ansonsten können sie dauerhaften Schaden nehmen. Ach ja, wenn sich eine Batterie entlädt, dann lässt auch ihre Spannung nach.

Watt (W): Achtung Formel… W = V * A (Watt = Volt * Ampere). Watt ist die Leistung, die ein Verbraucher (z.B. Toaster) aus dem Stromnetz zieht. Das steht bei jedem Gerät auf dem Etikett, gerne mal nachschauen. Einfaches Beispiel: Wenn ein Verbraucher 1200 Watt benötigt, dann zieht er aus einem 12V-Netz ganze 100A. Verbraucherbatterien mit 500Ah wären also nach 5 Stunden vollständig leer. Also so richtig ganz destruktiv leer (nicht gut ;-). In der Realität bleibt meist eher weniger Zeit… warum auch immer. Unser Inverter schafft es auf eben diese 1200 Watt.

Isla de Chiloé (3) – Canal Chacao & Estéro Chaular

16. – 18. August 2020

Canal Chacao

An dieser Stelle wurde schon mehrfach davon berichtet, dass den Gezeiten und damit einhergehenden Strömungen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung bei der Törnplanung in den chilenischen Kanälen zukommt. In dieser Hinsicht nun haben wir uns das Beste für den Schluss aufgehoben: Canal Chacao. Dieser trennt die Nordseite der Isla de Chiloé vom chilenischen Festland. Die Gezeiten strömen hier mit 4-9 Knoten durch. „Slack“, also das Stillwasser, im Zuge dessen sich die Strömung umkehrt, dauert nur wenige Minuten. Steht der teils kräftig kanalisierte (oft West-)Wind gegen den rasanten (ablaufenden) Strom entsteht eine konfuse Welle. Immer wieder finden sich auf der Seekarte die Zeichen für „Wasserturbulenzen“. Ganz offensichtlich brauchen wir auf dem Weg vom Golfo de Ancud zum Pazifik also Ebbe und ruhiges Wetter. Und wir haben Glück.

Gut 1 ½ Stunden nach Abfahrt aus Puerto Hueihue erreichen wir um halb zwei Punta Barranco am Ostende des Canal Chacao. Das Tageshochwasser ist durch und wir bekommen den Schub immer stärker zu spüren. Bildlich vorgeführt wird es an den Beinen einer mittig im Kanal verankerten Arbeitsplattform… das kommt nur von der Strömung!!!

Solche Stromverwerfungen haben wir wirklich noch nicht gesehen. Ausweichen ist unmöglich. Das Ruder fest in der Hand spüre ich immer wieder, dass unsere Samai fast schon wie eine Jolle verschoben wird. In der Spitze rasen wir mit fast 12kn über Grund.

Um zwei Uhr werden wir mittendrin angefunkt. Es meldet sich – kein Scherz! – der Faro Punta Corona! Ein Kanal wie dieser ist natürlich lückenlos überwacht und durch unsere allabendlichen Berichte wissen die Autoritäten zumindest ungefähr, wo wir am nächsten Tag sein müssten. Auch ohne AIS werden wir, das mutmaßlich einzige Segelschiff weit und breit, korrekt mit Namen angerufen. Wir geben die gewünschten Informationen und machen uns auf die letzten 13 Meilen zur Ankerbucht. Leider kommt nun etwas mehr Gegenwind auf. Erwähnte ich schon, dass das auch bei ansonsten ruhigen Bedingungen zu einem konfusen Wellenbild führen kann?

Ok, da versuchen wir dann doch besser soweit möglich vorbei zu fahren…

2.1 Estéro Chaular

Kurz vor 16 Uhr, nach insgesamt nur knapp 4 Stunden, sind die knapp 30sm des Tages geschafft. Wir fahren durch den von anderen Yachten genutzten, uns jedoch zu unruhigen Puerto Inglès in die deutlich besser geschützte Estéro Chaular. Die laut Karte lediglich 2,5m Wassertiefe in der Einfahrt können uns nun wirklich nicht schrecken… ;-)

Empfangskomitee auf Punta Largo

Wir haben gerade den Ankerplatz abgefahren, da funkt uns schon wieder die Armada an. Anscheinend haben die Kollegen unscharfe Vorstellungen von den Möglichkeiten einer ständigen Funkwache bei kleiner Familiencrew. Wir können die Störung kurz halten und schließen das Ankermanöver kurz danach ab. Noch ist es schön und einige Zeit hell, so dass wir den Abend für einen kleinen Strandspaziergang der Landzunge Punta Larga nutzen. Traurig aber wahr, hier am letzten Ankerplatz, setzen wir zum ersten (und letzten) Mal einen Fuß auf die Isla Chiloé.

Los geht es!!!
Blick auf die Einfahrt zur Estero Chaular
Sicher und gut geschützt vor Anker

Zurück an Bord schicke ich unseren täglichen QTH ab. Auch die chilenischen Autoritäten waren und sind aktiv. Natürlich geht unsere Kurzwellen-Emailadresse bei den Kollegen rum und so fragen sowohl die Armada der Inselhauptstadt Castro (ohnehin Empfänger unseres Positionsberichtes) als auch der Faro Punta Corona (und damit die Gobernación Maritima Puerto Montt) regelmäßig unsere Position ab. Schließlich schicken uns letztere dann noch eine „INFORMATION FOR YOUR KNOWLEDGE“… darin heißt es unter anderem „You cannot disembark at this anchorage“.

Blick nach Nordost zum Punta Corona… danke noch einmal für die „INFORMATION“ :-)

Nur gut, dass wir unseren Landgang schon hinter uns haben! So fällt es uns leicht, diese Information zu befolgen. Der folgende Montag lockt mit starkem Westwind und Regen keinen auch nur unter Deck hervor, geschweige denn an Land. Dienstag hätte man vom Wetter her weiter fahren können, doch die mit 3,5m angesagte Restwelle auf der küstennahen Pazifikpassage sorgt für das Veto von La Skipper. Am nächsten Tag soll der Schwell auf (kaum noch wahrnehmbare ;-) zwei Meter abgenommen haben. Abfahrt also am Mittwoch. Nur noch ein kurzer Nachtschlag und wir erreichen endlich den Río Valdivia.

Blick vom Ankerplatz nach Süden zur Einfahrt…
… und Blick nach Westen.
2.1 Puerto Inglés – Estéro Chaular