¡Feliz Navidad!

Valdivia, 24. Dezember 2020

Heute ist Heiligabend, schon wieder ein Jahr vergangen. Es flog dahin und zog sich doch zugleich wie Kaugummi. Ich gebe zu, so manches Jahr zwar gelebt, das dabei erlebte aber nicht mehr der Jahreszahl zuordnen zu können. Der Mensch vergisst und oft brennen sich nur ganz besondere Ereignisse ins Langzeitgedächtnis. Unnötig zu sagen, dass 2020 da realistische Chancen auf einen der vordersten Plätze der nicht nur jüngeren Vergangenheit hat.

Nun also das zweite Weihnachtsfest auf unserer kleinen Reise. Im Gegensatz zum letzten Jahr haben wir heute sogar einen kleinen Weihnachtsbaum. Neben einigen mitgebrachten Kugeln unseres Baumschmucks der letzten Jahre hängen von den Kindern selbstgemachte Scherenschnittsterne. Maila hat noch einen besonders schönen großen Stern gebastelt und Samuel aus seinen Steckis einen Weihnachtsmann mit Zweitbäumchen beigesteuert. Von den leckeren Plätzchen ist kaum noch etwas übrig, doch gleich backen wir noch Kuchennachschub.

Gerade auf Langfahrt mit Kindern ist das mit den Geschenken ja ohnehin so eine Sache. Erschwerend kommt hinzu, dass unser letzter Stadtbummel sagenhafte sieben Monate her ist. Im Mai hatten wir zugegebener Maßen noch nicht an Weihnachten gedacht. Umso schöner ist die Hilfe, welche wir erfahren. Vor Ort organisiert unser Honorarkonsul mehr als nur Weihnachtspapier und aus Deutschland kam rechtzeitig zum Fest ein großes Paket an.

Wir haben der Versuchung widerstanden, es sofort aufzumachen. Es sind natürlich nicht nur Weihnachtsgaben, sondern auch einige Dinge für das Boot darin… aber die werden dann halt spontan in Geschenke für den Skipper umgewidmet. Wir alle können die Bescherung kaum noch erwarten.

Trotzdem ist das mit der Weihnachtsstimmung so eine Sache. Kinder haben es da naturgemäß leichter. Heute erwachten beide mit einem Lächeln und der Feststellung, dass nun endlich Weihnachten ist. Bei Erwachsenen gehört oft eine gehörige Portion Kindheitserinnerung dazu. Gelebte Traditionen. Natürlich schauen wir hier auch Weihnachtsfilme, über die Lautsprecher wechselt sich der Webchannel „Weihnachtshits“ von Radio Teddy mit alten und neuen Weihnachts-CDs ab. Und doch ist es – wenig überraschend – völlig anders. Einen Weihnachtsmarkt würden wir selbst dann nicht finden, wenn wir in die Stadt gehen dürften. Und Glühwein im Sommer passt auch nur bedingt. Zeit für neue Traditionen?!

Schließlich fehlt natürlich auch die daheim gebliebene Familie. Doch auch das wäre dieses Jahr anders gewesen. Sandra hätte wie üblich Weihnachtsdienst im Krankenhaus, eine angemessene Quarantäne zum Besuch der Eltern damit unmöglich. Selbst in der gleichen Stadt wären wir zum Fest genauso getrennt, wie wir es nun über Kontinente hinweg sind. Und auch den neuen Familiennachwuchs (Willkommen Lore!!!) hätten wir nicht persönlich in Mecklenburg-Vorpommern besuchen dürfen. Wenigstens haben wir hier ein gutes WiFi für Videotelefonie.

Weihnachten 2020 ist anders, doch der Kern bleibt unangetastet. Wir sind nicht nur dankbar uns zu haben, sondern gerade in diesen Zeiten froh, dass es uns und unseren Familien gut geht. Unsere Gedanken sind bei all den Menschen, die wir lieben und kennen und wünschen der Welt von Herzen ein frohes, friedliches und gesundes Weihnachtsfest!

¡Vete a la mierda!

Wir wissen natürlich nicht, ob diese Worte Herrn V. im chilenischen Gesundheitsministerium wirklich durch den Kopf gegangen sind. Die Vermutung liegt jedoch nahe. Über Wochen, ja Monate hinweg landen alle von unserem Honorarkonsul über verschiedenste Kanäle initiierten Anläufe bzgl. einer Ausnahmegenehmigung für unsere Einreise auf seinem Schreibtisch. Genauso lange lautet seine stets gleiche Antwort:

¡No!

Obwohl, bleiben wir ehrlich. Nachdem Herr V. ausgeführt hatte, dass wir keine ausreichenden Gründe für eine Einreise vorgelegen, stellten wir Ende Oktober einen weiteren Antrag aus humanitären Gründen. Schließlich war die Crew seit Mitte 2019 nicht mehr beim Arzt. Zeitlich in Ushuaia anstehende (Vorsorge-)Untersuchungen waren aufgrund der Quarantäne nicht möglich. So listeten wir also für jeden von uns medizinische Gründe für eine Einreise auf. Das kann doch das Gesundheitsministerium nicht ablehnen! Tat es auch nicht. Herr V. ignorierte diesen Antrag einfach.

Nun kam kurz vor Weihnachten die Antwort einer zweiten Verbalnote unserer Botschaft an das Außenministerium. Unser Honorarkonsul solle mit den lokalen Gesundheitsbehörden vor Ort unsere Einreise abstimmen. Das klingt ja eigentlich nicht schlecht. Doch auch dieser Anlauf landet natürlich wieder auf dem gleichen Schreibtisch. Da nun das Außenministerium irgendwie dahinter steht, ist der Adressat wohl wenig motiviert sich eingehender damit zu beschäftigen. Zum Glück fällt Herrn V. spontan unser Antrag von Ende Oktober wieder ein. Nur auf diesen erhalten wir nun endlich eine Antwort: Offensichtlich von weihnachtlicher Nächstenliebe beseelt wird uns nun aus humanitären Gründen gestattet, notwendige medizinische Untersuchungen durchführen zu lassen. Mit Terminvereinbarung und einzureichender Dokumentation als Nachweis. Aus anderen Gründen dürfen wir das Boot weiterhin nicht verlassen. Schließlich sei eine Einreise aus touristischen Gründen in das Land aktuell nicht möglich. Letzteres mag für den Zeitpunkt des Antrags Ende Oktober stimmen, ist seit Ende November jedoch schlichtweg gelogen. Letzte Wochen haben wir in La Estancilla (Außenstelle des Club de Yates Valdivia) viele frisch eingetroffene Touristen getroffen. Nach 20 Stunden im Flugzeug durften sie in Santiago problemlos einreisen. Dann noch eine mehrstündige Busfahrt nach Valdivia (noch bis heute in Phase 1 = Quarantäne!) und schon war alles gut. Natürlich dürfen Sie auch in die Stadt. Von den tausenden extra zur Sonnenfinsternis legal eingereisten Touristen wollen wir da gar nicht erst anfangen. Wir dagegen sind auch nach vier Monaten „freiwilliger Quarantäne“ offensichtlich immer noch eine zu große Gefahr für die Gesundheit des Landes.

Warum sind wir eigentlich immer noch hier? Ganz einfach, wir haben auf die Einreise gehofft. Wir wollten von Chile mehr sehen, als einsame Buchten in den Kanälen des Südens. Wir wollten durch das angeblich sehr schöne Valdivia bummeln. Wir wollten auch auf den über 1.000sm chilenische Küste Richtung Norden ankern, anlegen, das Land erkunden. Wann kommen wir schon mal wieder hier her? Doch ganz offensichtlich sind wir von einer grenzwertig ungesunden Mischung aus Dummheit, Zuversicht und Vertrauen in gesunden Menschenverstand befallen. Zumindest wenn man es mit einem derart ignorant-asozialen Fall wie Herrn V. in Santiago zu tun hat.

Wir haben endgültig genug. Gestern haben wir das letzte Paket aus Deutschland bekommen. Heiligabend packen wir es zur Bescherung gemeinsam aus. Heute noch kommt das Dinghy auf das Vorschiff. Am 26. Dezember erhalten wir eine letzte Lieferung vom Supermarkt. Und wenn nicht noch ein „immigrationstechnisches“ Wunder geschieht, dann folgen wir noch dieses Jahr der Aufforderung der Überschrift und „verpissen“ uns auf direktem Weg raus aus Chile. Eine Anfrage beim Yachtclub in Callao zur aktuellen Situation in Peru (über die Immigration von Seglern dort hört und liest man ja nur Horrorgeschichten) ist raus. Ansonsten habe ich auch den direkte Kurs nach Ecuador (ca. 2.350sm) schon mal abgesteckt.

Was für ein Ende. Echt traurig. Chile ist so ein schönes Land, von dem wir so wenig gesehen haben. Wir durften so viele unglaublich nette und hilfsbereite Menschen kennenlernen und dann wird der Gesamteindruck von einem Einzelnen derartig angekratzt. Ja, uns wurde mehrmals gesagt, dass das nicht Chile sei. Andererseits sei dieses „wischi-waschi-nicht-echte-Lösung-finden“ dann aber doch wieder typisch Chile. Was denn nun?

Vielleicht merkt man, dass diese Zeilen nicht in einem Gemütszustand tiefer Entspannung geschrieben sind. Ja, ich bin stinksauer und erlaube mir, diesen Umstand nur notdürftig zu kaschieren. Vielleicht bereue ich schon morgen meine hier niedergeschriebenen Worte. Das macht sie aber nicht weniger authentisch. Blauwassersegeln ist ein wunderschönes Privileg. Aber nein, es ist selbst in normalen Zeiten nicht immer alles Eitel-Sonnenschein. Das wollen wir auch in diesem Blog nie behaupten. Umso mehr sei es mir also bitte gestattet und gegebenenfalls auch verziehen, wenn ich nun fast schon im Affekt und ohne die bei der Bundeswehr übliche „militärische Nacht“ darüber zu schlafen unserem Ärger über diese unnormale Erfahrung Ausdruck verleihe. Das ändert nichts daran, dass unsere Familie ihre Entscheidung zu dieser Auszeit unter Segeln noch nie bereut hat und wir gerade auch in der aktuellen C*-Situation nirgendwo lieber wären, als hier auf unserem Boot.

In diesem versöhnlichen Sinne gilt unser Dank all den lieben Menschen, die immer für uns da waren, sind und sein werden… sei es nun zu Hause in Deutschland oder zu Hause bei unserer Samai.

Euch behalten wir im Herzen!

Alltagsprobleme an Bord: Außenbordmotor

Wie fast alle Boote ab einer gewissen Größe hat auch unsere Samai ein kleineres Beiboot. Über die Schreibweise kann man streiten, ich habe mich jetzt mal mit „Dinghy“ angefreundet. Dieses Dinghy hat natürlich Ruder. Damit kann man unkompliziert kleinere Strecken zurücklegen. Beim Ausbringen der Landleinen reicht das völlig aus. Für längere Strecken nimmt man aber doch lieber die Hilfe eines Außenbordmotors in Anspruch. Wir hatten uns damals für einen Tohatsu 9.8 entschieden. Ja, er ist mit seinen knapp 10PS zugegebener Maßen kein Leichtgewicht, aber letztlich ein recht guter Kompromiss zwischen Handhabbarkeit und Leistung.

Anfang Oktober 2019 hatten wir unseren Außenborder in Mindelo (Kap Verde) für die Atlantiküberquerung im Heck unter Deck verstaut. Dort lag er dann auch, wir hatten ihn einfach nicht wirklich benötigt, bis in die Antarktis. Erst Anfang Februar 2020 in Deception Island (erster Ankerplatz im antarktischen Vulkan) holten wir ihn frohgemut wieder raus. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass es einen Moment gedauert hat, bis er wieder lief. Doch er lief. Ja, da waren anscheinend einige Tropfen Benzin in das Gehäuse (nicht ins Wasser!) gelaufen. Doch er lief. Die ganze Zeit im Eis ließ er uns nie im Stich.

Anfang Juni machten wir uns in der chilenischen Caleta Beaulieu mit dem Dinghy auf dem Weg zur Gletscherkante. Es war etwas windig, leichte Wellen, doch an sich kein Problem. Bis der Motor plötzlich anfing, nicht mehr so richtig rund zu laufen. Der Skipper fühlte sich an den Klang seines ersten Autos (79‘er Golf) erinnert, als diesem ein bis zwei Zündkerzen versagten. Wir brachen unseren Ausflug ab. Es war einfach zu riskant. Wäre der Außenborder ganz ausgefallen, hätten wir eine – ich sage mal – herausfordernde Ruderstrecke vor uns gehabt. Der Außenborder kam an die Heckreling, die Ruder waren fortan Kurzstecken-Antrieb der Stunde.

Ich hatte mir also einen Zündkerzenwechsel auf die 2do-Liste geschrieben. Sollte kein Problem sein, schließlich sind in meinem Werkzeugkoffer auch zwei Zündkerzenschlüssel. Beide zu groß. Mist. In einem der Care-Pakete aus Deutschland kam Nachschub, neben zwei weiteren Zündkerzen nun auch der passende Schlüssel. Ja, sicher hätte ich den auch in Chile bekommen… gestaltet sich halt nur etwas schwierig, wenn man den Hafen nicht verlassen und selbst einkaufen gehen darf.

Egal. Im November habe ich endlich die Zündkerzen gewechselt, dann den Motor gestartet. Hey, das klingt gut. Zur Sicherheit lasse ich ihn noch etwas laufen. Doch dann geht die Drehzahl runter. Der Motor stirbt ab und lässt sich auch nicht wieder starten. Vielleicht erwähnte ich es ja schon: Mist! Da sollte wohl doch einmal ein Profi rein schauen.

Wo tropft es nur so still und heimlich?!

Unser Honorarkonsul hat uns dann einen (deutsch und englisch sprechenden) Schulfreund seines Sohnes vermittelt. Dessen Eltern betreiben in Valdivia den kleinen aber feinen Ausrüster und Außenborder-Spezialisten Fibronaval. Ein kurzer Anruf und die Schilderung unserer Situation reichten aus, um ihn uns helfen lassen zu wollen. Er kam also im Hafen vorbei, um sich das mal anzuschauen. Ja, Suzuki und Tohatsu können sie reparieren und warten. Bingo! Er packte den Außenborder gleich auf seinen Pickup. Ich sagte noch, dass sie bei Bedarf ja auch gerne das Öl wechseln könnten. Schließlich lag die letzte Wartung in Rostock schon eine Weile zurück. Was das ganze kosten würde? Keine Ahnung. Ich hatte nur das Vertrauen, dass sie uns nicht über das Ohr hauen würden.

Ein paar Tage später kam die Nachricht, dass unser Außenborder wieder schnurrt. Sie haben das Benzinleck abgedichtet, den Vergaser gereinigt sowie Getriebe- und Motoröl gewechselt. Letzteres hatte es auch echt nötig. Anscheinen war da einiges an (Kondens-?)Wasser rein gekommen. Was das Getriebeöl angeht wurde mir gesagt, dass wohl noch das Original vom Kauf des Motors (vor fast sechs Jahren!) drin war. Erwähnte ich schon, dass ich den Außenborder zwischenzeitlich für einen Service bei Volvo Penta bei Rostock hatte? Man nennt die Jungs in Blau (sorry, habe noch kein Mädel gesehen) wohl nicht umsonst die „modernen Piraten der Ostsee“ ;-)

Für diese Leistungen wurde uns, wie es nur recht und billig ist, natürlich auch eine Rechnung aufgemacht: 25.000 Chilenische Pesos! Dazu muss man jetzt den Umrechnungskurs kennen. Das sind nicht einmal 30€. Mir klappte im positiven Sinne die Kinnlade runter. Kurz danach wurde der Motor zu uns in den Hafen gebracht (dieser Service ist selbstredend inklusive!) und hängt jetzt nach einem netten Plausch wieder am Dinghy.

Endlich wieder einsatzbereit!

Als nächstes stand eine kleine Probefahrt an. Was soll ich sagen?! So schön hat er wirklich schon SEHR lange nicht mehr geschnurrt. Schnell und unkompliziert angesprungen, runder Lauf (sagt man das so?! ;-), kein nennenswerter Qualm… der Skipper ist glücklich! Das Ziel für die nächste Ausfahrt steht auch schon fest. Fehlende Stempel im Pass und Quarantäne hin oder her will der Skipper endlich mal wieder einkaufen. Also wird es zum Steg von Fibronaval gehen. Ja, ich darf immer noch nicht an Land herumspazieren… aber wenn der Ausrüster auch einen Wasserzugang hat… ;-)

Wir durften hier in Chile wirklich unglaublich nette und hilfsbereite Menschen kennen lernen. Was für ein Kontrast zu der ihren Rücken freihaltenden offiziellen Stelle in Santiago (nennen wir sie „Herr V.“), die uns monatelang eine Ausnahmegenehmigung für die Einreise verweigert. Doch das ist hier nicht die Norm. In dieser Hinsicht hatte uns schon Brasilien überrascht, auch in Argentinien hatten wir tolle Begegnungen, nun also Chile. Es scheint sich tatsächlich um ein südamerikanisches Phänomen zu handeln, von dem sich so manche Ecke der Welt eine Scheibe abschneiden könnte. Eine unglaublich schöne Erfahrung!

Und ewig lockt die 2do-Liste

Valdivia, (Süd-)Frühling 2020

Nicht nur wenn man auf längerer Fahrt ist, führt man an Bord eines Segelbootes selbstredend eine „2do-Liste“. Das ist nicht immer schön. Schon gar nicht, wenn sich mal wieder ein neuer, absolut unerwarteter Punkt einreiht. Aber es hilft ja nichts.

Der Kühlschrank an Bord war ja schon mehrfach Thema. Einmal rauschte er im Seegang einfach aus seiner Verankerung. Ein anderes Mal bemerkten wir, dass das Licht auch bei geschlossener Tür brennt (… das muss ich mir in der Tat nochmal anschauen). Nun also der Griff. Man zieht daran und entriegelt damit die Tür. Doch nach einem unachtsamen Abrutschen hatte dieser Griff plötzlich ungewöhnlich viel Spiel. Schlimmer noch, er verriegelte die Tür nicht mehr richtig. Grmpf!

Der Griff an sich war ja schnell ausgebaut. An die Innereien kam ich aber nicht im Guten ran. Erst nachdem ich mit der Akku-Flex vorsichtig den Knubbel der Haltestange weggefräst hatte, lag das Schloss in seinen Einzelteilen vor mir und bestätigte meinen Verdacht: gebrochene Feder. Und nein, so eine spezielle Feder war hier nicht zu finden. Nun gut, wenn die Feder nun kürzer ist, was liegt dann näher als auch den Spielraum der Feder zu verkürzen. Ich klebte also eine kleine Mutter in das Schloss, so dass das nun so halbwegs passen sollte. Was soll ich sagen, zu meiner eigenen Überraschung hat es funktioniert. Der Griff hat kein Spiel mehr und die Tür schließt fest. Trotzdem haben wir zur Sicherheit ein neues Schloss bestellt… es sollte mit dem nächsten „Care-Paket“ aus Deutschland bei uns eintreffen.

Eingeklebte Mutter verringert das Spiel der gebrochenen Feder… und das klappt sogar!

Und dann ist da noch der Abluftschlauch unserer Dieselheizung. Der führt im Heck hinter dem Ruderquadranten durch einen wirklich schönen Stauraum und er wird wirklich schön heiß. Über den Atlantik hatten wir da unten unseren Außenborder gestaut. Er lag auf der Abdeckplane des Dinghys. Tja und eben diese Abdeckplane hat von eben diesem Abluftrohr seitdem ein schönes Loch eingebrannt bekommen. Später hatten wir da unten Dieselkanister gestaut. Natürlich hatte ich auf das Abluftrohr geachtet. Doch im Seegang kam es anders. In der Antarktis bemerkten wir plötzlich Diesel in der Bilge. Grmpf!

Das wird heiß… da kann es schmoren :-(

Ja, einer der Kanister war diesem Abluftrohr zu nahe und bekam ein kleines Loch eingeschmolzen. Also mal ehrlich, so konnte das doch nicht weiter gehen. In Valdivia besorgte uns unser Honorarkonsul schließlich eine große Holzplatte… von der Resterampe für gerade mal gut 2€! Perfekt!!! Mit der Akku-Stichsäge tastete ich mich und das Holz langsam an die passenden Formen.

Das ist mal wieder Geduld gefragt ;-)
Das sollte reichen…

Nun endlich ist diese leidige Rohr abgedeckt, den Brennpunkt von Holz wird es dann mutmaßlich (hoffentlich ;-) doch nicht erreichen. So kann nun auch dieser Stauraum endlich richtig ausgenutzt werden. Auf so einem – zumindest für Blauwassersegler – so kleinen Boot wie unserer Samai ist das eminent wichtig.

… und der knappe Stauraum ist endlich gefahrlos nutzbar :-)

Ein weiteres Problem war einer unserer Cockpit-Plotter. Erst ging er nur hin und wieder mal unmotiviert aus. Dann immer öfter. Schließlich blieb der Schirm konstant dunkel. Ehrlich gesagt war das aber auch kein Wunder, wenn man mal einen Blick in den Stromstecker wirft. Einer der vier Anschlüsse war recht offensichtlich korrodiert. Auch hier kam Ersatz aus Deutschland… zur Sicherheit gleich zweimal.

Leider stellte sich beim Verkabeln dann heraus, dass auch einige der Stromkabel sich nach dem Abisolieren eher grau-schwarz als metallisch-glänzend präsentieren. Man braucht nicht viel Phantasie für die ernüchternde Feststellung, dass sich hier die nächste Baustelle ankündigt. Doch dazu hatte ich an diesem Tag nun wirklich keine Lust mehr ;-)

Der Antennenadapter für das Satellitentelefon hatte sich ja schon vor einiger Zeit verabschiedet. Aber jetzt mal ehrlich… diese dünne Kabelchen ist doch an Bord einer Langfahrtyacht doch auch alles andere als alltagstauglich, oder?! Ersatz bekamen wir im letzten „Care-Paket“ aus Deutschland und mit ausreichend vulkanisierendem Tape um die Sollbruchstelle ist das nun auch deutlich stabiler.

Auch der Kohlebehälter von unserem Lotus-Grill hatte sich nach intensiver Nutzung, nicht zuletzt in den kalten Kanälen Patagoniens, seinen Lebensabend redlich verdient!

Und mit dem rechten haben wir noch bis zuletzt gegrillt!!!

So arbeiten auch wir uns durch die allgegenwärtige 2do-Liste. Zumindest immer dann, wenn der innere Müßiggang genug Motivation dafür erübrigt. Jeder durchgestrichene Punkt bringt Erleichterung, ein Lächeln auf die Lippen und manches Mal sogar so etwas wie ein kleines wenig Stolz mit sich.

Trotzdem wird mir jeder Skipper darin beipflichten, dass es letztlich ein Kampf gegen Windmühlen ist. Beruhigend und auch motivierende ist jedoch der Gedanke, dass diese Windmühlen nicht irgendwo in Spanien stehen, sondern unmittelbar unser Boot betreffen… unser Zuhause… und für dieses lohnt sich jeder Griff und jede Mühe… letztlich ist es doch für uns!

Tanken in Valdivia

Valdivia, Anfang Oktober 2020

Das mit dem Diesel an Bord ist ja so eine Sache. In europäischen Gewässern ist man es gewohnt, an einem Tanksteg festzumachen und dort den begehrten Energieträger unkompliziert einfüllen zu können. In Südamerika ist das hin und wieder auch der Fall. Und doch muss man sich ganz oft nach Alternativen umschauen. Der Klassiker sind Kanister. In Cabedelo (Brasilien) wurde der Diesel in Kanistern zum Boot gebracht. In Buenos Aires habe ich unsere eigenen Kanister geschnappt und bin mit einem Uber-Fahrer zur Shell-Tankstelle gefahren… er war entspannt und fuhr mich und den Diesel wieder zum Hafen zurück. In Ushuaia bin ich selbst im Mietwagen mit Dutzenden Dieselkanistern zur Tankstelle gefahren… trotz aller Sprachbarrieren (ja, mein Spanisch ist leider immer noch absolut unzureichend) hatte ich mit dem Tankwart ein nettes Gespräch. Ein Höhepunkt war natürlich Tanken in Rawson :-)

Nun also Valdivia. Ich wäre ja auch mit dem Mietwagen zur Tanke gefahren, aber das durfte ich ja nicht. Also fragten wir beim Club de Yates Valdivia… alles kein Problem… „tranquillo“ Man bestellte kurzerhand eine Tankwagen zum Hafen. Da sah ich dann auch erstmals die Bemalung des Außentores…COOL!

Der Tankwagen tastete sich vorsichtig durch an Land stehende Boote und der Schlauch reichte natürlich auch bis zum Boot. Er passte dann zwar auch in unsere Tanköffnung, aber leider nicht in alle unsere Kanister. Lustiger Weise sind es gerade die noch in Deutschland gekauften Kanister, deren Öffnungen zu klein sind. So füllte der mobile Tankwart also unseren Tank und die Kanister mit großer Öffnung, während ich den Diesel mit dem Schüttelschlauch von letzteren in die Kanister mit kleinerer Öffnung umfüllte. War ein „Groß-Loch-Kanister“ leer, kümmerte er sich wieder darum… so ging das eine ganze Weile. Aber auch hier kein Murren oder Maulen… nur freundliches Lächeln, Verständnis und Hilfsbereitschaft.

Es dauerte eine Weile und ja, es ging auch der ein oder andere Tropfen daneben. Doch irgendwann waren Tank und alle Kanister gefüllt. Gut 800 Liter hatten wir gebunkert… und dafür – jetzt mal kurz festhalten – gerade mal umgerechnet 460 Euro bezahlt. Da bekäme jeder Autofahrer an einer deutschen Tankstelle feuchte Augen.

In diesem Zusammenhang mache ich mich dann auch endlich an ein anderes, lange überfälliges Thema. Vor unserer Abfahrt hatten wir uns noch einen Doppeldieselfilter einbauen lassen. Sehr praktisch. Sollte ein Filter zugesetzt sein, kann man schnell auf den anderen wechseln und die klare Bowle lässt keinen Zweifel daran, ob eine Reinigung ansteht. Ich sage mal so… die Nachricht war mehr als deutlich.

Lange Zeit sah es im Filter eigentlich richtig sauber aus. Doch in Argentinien war das dann wohl doch nicht so toll mit der Dieselqualität. Natürlich haben wir immer die schwefelarme Version gekauft, trotzdem schimmerte es beim Umfüllen vom Kanister in den Tank immer so leicht grünlich. Aber wenigstens hatte sich nichts weiter im Tank abgesetzt… der berüchtigte Bioschleim blieb uns also erspart.

Dunkel, aber ohne Ablagerungen!

Nun gut, neue Filterelemente sind an Bord (Danke Nils!) und letztlich doch erstaunlich schnell gewechselt… selbst beim ersten Mal. Somit ist also das allgemeine Dieselthema erledigt. Die Kanister stehen zwar erst einmal noch an Deck. Doch bevor ich sie wieder runter Deck wegstauen kann, steht noch ein anderer Punkt auf der 2do-Liste an… doch davon das nächste Mal mehr…