Ja, zugegebener Maßen haben wir noch einen weiteren Tag in der Bahía Cumberland verbracht, doch heute morgen haben wir die Isla Robinson Crusoe endlich achteraus gelassen. Der Nieselregen lässt den Abschied leicht fallen.
Schon bald kommt die Angel wieder zum Einsatz. Der letzte Happen Thunfisch ist gegessen und normalerweise dauert das mit dem Fischefangen ja auch gerne mal seine Zeit. Nicht so heute. Der Köder ist kaum um Wasser, ich stelle gerade die Bremse ein, da wird auch schon Leine rausgezogen. Oh ja, das ist wieder ein kapitaler Fang. Eine ungesunde Mischung aus Übermut und Ungeduld sorgen jedoch für dreifachen Verlust. Fisch, Köder und ordentliche Leine sind verloren. Schade.
Schöne (kleine) Gelbschwanzmakrele
Etwas später soll das Großsegel gesetzt werden. Nur noch rasch die mit neuem Köder versehene Angel einholen. Genau dabei passiert es. Mitten beim Aufrollen erfolgt ein Biss. Kulinarische Abwechslung. Mit seinen 63cm bringt der elegante Fisch zwar nur gut 2kg auf die Waage, doch es reicht für vier große Filets zum Abendessen. Manchmal braucht es so wenig. Bei schönstem Sonnenschein, nur mit Großsegel vor dem Wind, schaukeln wir durch 3m-Schwell und genießen tja, wenn wir das nur wüssten. Ja, es war sehr lecker, aber die Bestimmung des Festmahls steht noch aus und wird nachgereicht ;-)
Vorher…Nachher…Lecker!!!
Ansonsten ist es wieder ein typischer erster Segeltag. Das Sofa im Salon ist zur Liegefläche ausgebaut. Es wird viel gelegen, gelesen, gehört und zwischendurch mal gespielt. Das Beste ist natürlich, dass wir nach eher flauem Beginn nun in die Nacht segeln Äquator voraus, Kurs Nord!
Wir haben heute wetterbedingt noch eine Nacht vor der Isla Robinson Crusoe ran gehängt. La Skipper hatte partout keine Lust auf die angesagte signifikante Wellenhöhe von gut 3½m und die vorhin durchgegangenen Böen über 30kn haben diese Entscheidung bestätigt. Derweil erscheint heute in Deutschland die neue Ausgabe der Yacht. Aus unserer Sicht ein klarer Pflichtkauf. Wir stehen, wie ach so viele Blauwassersegler, schon länger in lockerem Kontakt und nun haben wir das Thema für einen (ersten?) gemeinsamen Artikel gefunden:
Segeln in den patagonischen Kanälen… „Am Ende der Welt“.
Naturgemäß kann der Artikel nur einen flüchtigen Eindruck unserer knapp dreimonatigen Fahrt geben. Wer uns noch nicht kennt und Lust auf Meer hat, wird auf diesen Seiten leicht fündig. Im Menüpunkt Blog finden sich unter dem ersten Punkt nach Land/Region zusammengefasste, chronologische sortierte Artikelübersichten. Im Menüpunkt Reiseinformationen finden sich unter anderem alle bisherigen Liegeplätze mit Koordinaten. Und natürlich stellen wir auch unsere Samai etwas näher vor.
Wir empfehlen insbesondere die Seiten 46-53 :-)
Nachher geht es für uns weiter Richtung Norden. Wenn alles klappt, machen wir in gut 440sm noch einen kurzen Stopp bei der unbewohnten Isla San Felix. Von dort geht es dann geplant direkt nach Ecuador. Wie schon in den letzten Tagen werden wir regelmäßig weiter aktuell berichten. Auch Maila hat schon einen Artikel über Ihre Sicht der Dinge angekündigt. In diesem Sinne danken wir allen Lesern für treues Interesse und Teilhabe an unserem Traum, wünschen uns allen einen gesunden Start in das neue Jahr sowie eine gute Zeit.
Es war 1704, als der schottische Seemann Alexander Selkirk nach einem Streit mit seinem Kapitän auf der zum Juan-Fernandéz-Archipel gehörenden „Isla Más a Tierra“ (näher am Land) ausgesetzt wurde. Nach vier Jahren und vier Monaten gerettet und nach England zurückgekehrt, inspirierte dessen Geschichte Daniel Defoe zu seinem 1719 erschienenen Roman „Robinson Crusoe“. Diesen Namen trägt inzwischen auch die Insel von Selkirks Robinsonade. Dagegen wurde die ca. 90 sm westlich gelegene größte Insel des Juan-Fernandéz-Archipel inzwischen von „Isla Más Afuera“ (weiter draußen) in „Isla Alejandro Selkirk“ umbenannt.
Isla Robins Crusoe in Sicht
Nach nur gut drei Tagen Segelspaß bei raumen Winden zwischen 5 und 7 Windstärken kommen wir am Abend des 2. Januar in der Bahía Cumberland vor San Juan Bautista, dem Hauptort der Isla Robinson Crusoe an. Kaum biegen wir um die Ecke, werden wir auch schon von der chilenischen Armada angefunkt. Man hat es offenbar ausgesprochen eilig, uns darüber zu informieren, dass wir zwar in der Bucht ankern, aber definitiv nicht an Land gehen dürfen. Auch wenn wir das erwartet haben, hinterlässt auch die Art und Weise einen weiteren Makel auf der Weste unserer chilenischen Erfahrungen leider! Wenigstens wird uns Hilfe angeboten für den Fall, dass wir irgendetwas brauchen würden. Wir verzichten dankend.
Wir suchen uns schließlich eine Lücke zwischen den vielen Bojen, an denen die Fischer festmachen und werfen den Anker. Das Grundeisen auf 9m hält mit 45m Kette zwar wieder einmal sehr gut. Allerdings haben wir es hier wohl (wie schon in der Caleta Poza de Oro) mit einem teils steinigen Grund zu tun. Trotz Ankerkralle gehen beim Schwojen von der Kette aus immer wieder ruckende Vibrationen und schabende Geräusche durch das Boot. Am ersten Tag ist das noch harmlos. Die Bucht liegt ruhig im nördlichen Windschatten der Insel. Etwas anders sieht das am zweiten Tag aus. Trotz angesagtem Südwind drehen Böen und Wellen von Nordost in die Bucht und schaukeln uns herum schön ist anders.
Schön dagegen ist der Ausblick auf die grün bewachsenen Hänge der bis zu 900m hohen Berge. Schön ist auch das Gefühl sich trotz verbotenen Landgang an diesem besonderen Ort zu wissen. Und richtig schön lecker ist natürlich der frischen Thunfisch vom Grill. Und so richtig schön ist es, endlich wieder unterwegs zu sein, insbesondere auch endlich mal wieder so richtig schön segeln zu können. Das ist im letzten Jahr definitiv zu kurz gekommen, sei es nun bei den monatelangen Zwischenstopps in Ushuaia und Valdivia oder auch den viel Motoreinsatz verlangenden Fahrten in der Antarktis und den patagonischen Kanälen.
Nach drei Nächten geht es morgen früh weiter nach Norden. Der Weg nach Ecuador führt in nur 440sm direkt an den unbewohnten „Islas Desventuradas“ (unglückliche Inseln) vorbei. Wenn es Wetter und Armada (ja, auch dort haben sie wohl eine Station) zulassen, wollen wir hier noch einen kurzen Anker- und Badestopp einlegen, bevor wir dann auf den langen Schlag gehen. Davon ein anderes Mal mehr…
Zu Jahresbeginn gab es große Überraschungen. Wir hielten die Angel zum dritten mal auf dem Weg zu der Robinson Crusoe Insel hinaus und erwarteten nichts. Bisher hatten wir gestern nur einmal ein Tier am Haken und das war ein Vogel! Er flatterte vom Haken gezogen auf dem Wasser hinter uns her, bis er sich endlich befreien konnte.
Heute, als ich gerade ein Hörbuch hörte, meldete sich plötzlich die Angel wieder. Ein Fisch hat angebissen! Der Skipper und ich sprangen auf, um den Fisch rein zu ziehen. Doch da war der Fisch auch schon wieder von der Angel weg. Ich ärgerte mich und ging leicht traurig darüber, den ersten Fang des Jahres vermasselt zu haben, zurück zu meinem Hörspiel. Circa eine Stunde später ging die Angel wieder los. Ich stürmte wieder hin, aber auch dieser Fisch floh.
Später am Tag, als Maila und ich gerade iPad spielten, sah Papa einen Wal. Maila und ich hörten natürlich sofort auf zu spielen und betrachteten den Wal. Er war fast so lang wie das Boot und schwamm parallel zu uns eine recht lange Zeit. Als wir im Bestimmungsbuch nachgesehen haben, schwankten wir zwischen zwei Walarten. Wahrscheinlich war es ein Brydewal, vielleicht aber auch der sehr ähnliche Seiwal. Wir haben auf Mamas Wunsch dann auch die Angel eingeholt. Damit der Wal, der kein Interesse an der Angel hatte, nicht aus Versehen anbeißt. Als der Wal dann weg war, spielten Maila und ich noch etwas weiter und der Skipper hat die Angel wieder hinausgelassen.
Wal an BackbordWahrscheinlich ist es ein Brydewal
Plötzlich meldete sich die Angel erneut. Allerdings wieder nur kurz. Mist! Kann denn kein Fisch mal dranbleiben?, habe ich mich gefragt. Nach einiger Zeit meldete sich die Angel erneut und dieses mal wirklich. Ein Fisch zog ein wenig Leine raus und dann hielt die Bremse. Bei Ostseefischen wird sie nicht benötigt, weil sie nicht so kampfstark sind wie die Meeresfische. Um 17.10 Uhr hat er angebissen. Der Fisch zog dauerhaft recht stark, als der Skipper die Fahrt drosselte. Anfangs nahm er die Angel, weil wir dachten, dass der Fisch für mich zu stark sei. Aber ich nahm mir dann doch die Angel und bemerkte, dass er gar nicht so stark war. Ich zog ungefähr 20 Meter Leine hinein, bis Papa rief: Ich kann ihn sehen! Als Mama dazukam meinte sie, das sähe aus wie ein kleiner Hai. Das war er natürlich nicht.
Der Skipper nahm den großen, fast vier Meter langen Gaff (also einen langen Haken um Fische rauszuholen), den wir vorher aus der Weinkammer geholt hatten. Er zog den Fisch an Bord und die Familie erstarrte. Am Gaff von Papa hing ein knapp 7 kg schwerer und ungefähr 80 cm langer Thunfisch. Das war der größte und schwerste Fisch, den die Samai jemals an Bord geholt hatte. Als er tot war, nahmen wir ihn aus und halbierten ihn neben der Wirbelsäule. Eine Hälfte legten wir in den Kühlschrank und die andere machten wir für den heutigen Verbrauch bereit.
Da muss jeder der Jungs mal posieren ;-)
Später am Abend gab es dann Fisch vom Grill mit Reis und einer Zwiebelpfanne. Wir aßen alle so viel wir konnten und trotzdem blieb noch einiges von dem halben Fisch übrig. Thunfisch satt auch morgen!
Das letztlich nicht ganz unerwartete Problem deutet sich schon am vorhergehenden Silvestermorgen an. Für ein Segelmanöver wollen wir den Motor starten, doch außer einem kurzen Zucken des Anlassers passiert nichts. Schon wieder. Die Verbraucherbatterien stehen auf 92% und die Spannung der Starterbatterie sieht mit 12,6V auch gut aus. Trotzdem gibt es anscheinend nicht genug Saft zum Motorstart. Wir hatten über das Thema ja schon unter Alltagsprobleme in hohen Breiten: Batterien berichtet. Nun zerschlägt sich die dort geäußerte Hoffnung auf Besserung bei höheren Temperaturen. Nur gut, dass ich die Überbrückungskabel in weiser Voraussicht nicht zu weit weggestaut habe.
An Neujahr reißt mich dann um 5:59 Uhr, genau eine Minute vor dem Handywecker, ein Piepen im Salon aus meinem kurzen Nickerchen. Batteriealarm. Laut Anzeige sind die Verbraucherbatterien wiederum bei 92% Ladung, haben aber nur noch 10,6V Spannung. Folgerichtig blinkt der rote Hinweis Batterie leer. Der Unterschied zu gestern ist, dass wir diese Nacht die Starterbatterie abgeklemmt haben. Die sollte zwar offiziell von den Verbrauchern getrennt sein, genau um Situationen wie die gestrige zu verhindern. Bei uns scheint es da aber einen Schleichweg zu geben. Unbestrittener Vorteil ist, dass nach dem Anklemmen der Starterbatterie der Motor heute umgehend startet.
Inzwischen verkündet die Batterieanzeige 0% und fordert Bitte nachladen!. Ach nee! Wir lassen den Motor also laufen und die Lichtmaschine lädt anfangs mit gut über 20A. Nach etwas über einer Stunde sind wir bei 4%. Das kann also noch etwas dauern. Oder auch nicht. Kurz danach verringert sich der Ladestrom allmählich auf unter 9A. Das ist eigentlich ein Zeichen dafür, dass die Batterien so langsam voller sind. Nach insgesamt gut 1½ Stunden ist es dann soweit. Die Anzeige springt spontan von 5% auf 100%. Ein Ladegerät, das das bei unseren nominell 500Ah schafft, muss jedoch erst noch erfunden werden. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand. Unsere direkt vor Abfahrt zur Sicherheit neu angeschafften Verbraucherbatterien werden uns nicht – wie erwartet und versprochen – um die Welt bringen, sondern haben im Laufe des letzten Jahres auf gut deutsch den Arsch hoch gemacht. Die aktuell vorhandene Kapazität schätze ich auf maximal 50Ah ein Zehntel!
Für solche Nachrichten gibt es naturgemäß keinen guten Zeitpunkt. Aber mit einen Tag nach Verlassen des Hafens und über 2000sm ohne Nachschubmöglichkeit vor dem Bug ist dieser Zeitpunkt nicht einmal ansatzweise nahe dran an gut. Soooo schlimm ist es aber dann auch wieder nicht. Wir haben mehr als genug Diesel für eine tägliche Laderunde dabei. Außerdem nähern wir uns dem sommer-sonnigen Äquator. Da haben wir mit unserem Solarpaneel tagsüber praktisch keinen Nettostromverbrauch. Wir werden es also sicher bis Ecuador schaffen. Dort stehen dann aber neue Verbraucherbatterien ganz oben auf der Einkaufsliste.
Ansonsten verläuft der Tag entspannt und ähnlich wie gestern. Na wenigstens schaut Samuel sich mal ein paar Vokabeln an und auch Maila macht zumindest etwas Schule. Erste Schritte auf dem Weg zur Bordroutine unter Segeln. Ansonsten verbringen beide wieder viel Zeit im Cockpit. Nachdem Maila sich gestern einen kleinen Sonnenbrand im Gesicht holte, hat sie nun Papas Schlapphut als modisches Schutzaccessoire entdeckt echt süß!
Maila hat sich Papas Schlapphut stibitzt…
Der Skipper hat mal wieder einer alter Seglertradition folgend dem lieben Rasmus ein Schlückchen Rum geopfert. Nach vier Monaten im Hafen scheint eine Erneuerung der hoffentlich guten Beziehungen angemessen. In diesem Zusammenhang geht ein besonderer Gruß und Dank für die Inspiration an Skipper Thomas!
Die Wellen schaukeln uns hin und her… man merkt, wir sind hier auf dem Meer. Drum Rasmus altes Rübenschwein, schenk uns Wind und Sonne ein!
Das Opfer wird anscheinend angenommen. Der Wind pendelt sich ziemlich konstant bei angenehmen 5-6 Bft. Süd ein. Das Großsegel wird ausgerefft und bringt uns weiter zügig voran. Auch die Welle nimmt etwas ab und wird trotz weiterhin 2-3m Höhe irgendwie angenehmer. Rundherum nur das Blau und Weiß von Himmel und Wolken, von Meer und Schaumkronen. Auf AIS und Radar herrscht weiterhin gähnende Leere. Lediglich zwei Landsignale der Einfahrt zur Bahía Concepción erreichen uns einmal aus fast 150sm Entfernung. Wir sind wohl im Umkreis von mindestens 100km die einzigen Menschenseelen. Irgendwie ein tolles Gefühl.
Weit und breit weder Schiff…
Heutzutage gibt es immer weniger Orte auf der Welt, an denen das möglich ist insbesondere wohl in (Eis-)Wüsten und auf den Meeren. Obwohl letztere auch alles andere als vereinsamt sind. Man zoome sich bei Marinetraffic oder Vesselfinder einfach mal raus und staune und das sind nur (nicht einmal alle) Schiffe mit AIS! Doch der hier gewonnen Eindruck täuscht auch etwas. Ja, es sind viel zu viele. Es ist aber auch nicht so, dass man trockenen Fußes von Küste zu Küste käme. Zumindest abseits der großen Schifffahrtswege und Fischereigebiete verlaufen sich die vielen kleinen Schiffe in der Praxis dann schon ein wenig auf dem großen Ozean und man kann ein klein bisschen das hoffentlich nicht allzu trügerische Gefühl großer Freiheit genießen.
… noch Land in Sicht!
In der nächsten Nacht beginnt der Batteriealarm dann schon um 4 Uhr. Innerhalb einer halben Stunde ist die Spannung von 12,7V auf 10,7V abgefallen. Motor an zum Laden. Das ist dann wohl der Beginn einer neuen Routine.