La Graciosa

Nachts des Hafens verwiesen fuhren wir in die benachbarte Bucht Playa Francesca. Nur ein anderes Boot war schon da. Platz gab es also reichlich, trotz der zwei unerwarteten (Fischer-?!) Bojen im Licht des Scheinwerfers. Wir hielten uns gut frei, der Anker fiel ins dunkle Wasser und die ob der langen Überfahrt leicht ermattete Crew ins Bett. Im Laufe des Vormittags füllte sich der Strand ein wenig und es kamen auch noch ein paar andere Ankerlieger, teils blieben sie über Nacht, teils als Tagesgast. Aber es war immer noch sehr schön und der Entschluss zu verweilen schnell gefasst.

Doch dann kam das Imperium des Tourismus mit voller Macht über uns… besser gesagt in die Bucht. Vorboten waren zwei kleine Boote, die Wasserspielzeug und Kajaks brachten. Und dann bogen sie Sternenzerstörern gleich um die Ecke: zwei riesige Katamarane. Brechend voll mit jeweils weit über 50 (Sic!) Gästen, die leicht bekleidet bei wummernder Musik dem Badestopp in dieser bis dato idyllischen Bucht entgegenfieberten, pflügten sie unbeeindruckt durch die kleine Rebellenflotte der Segler zu Ihren Bojen. Schwärmen von Tie-Jägern gleich ergossen sich die Urlaubswütigen ins Wasser und an den Strand. Doch so schnell wie er gekommen war, verschwand der Spuk nach wenigen Stunden auch wieder und es war wieder so ruhig wie in den Weiten von Tatooine… halt nur mit Wasser ;-)

Katamaran des Grauens

Auch wir genossen natürlich Badefreuden, beobachteten die vielen kleinen Fische, beruhigten Maila, dass der kleine Rochen sechs Meter unter uns absolut keine Gefahr darstellt und schauten uns natürlich auch unseren Anker an. Was wir da sahen, gefiel jedoch nicht wirklich. Im Dunkeln unerkannt hatten wir den sandigen Bereich verpasst und den Anker unter einen Felsen eingefahren. Kein Wunder, dass er so gut hielt. Und nein, natürlich hatten wir kein Tripleine dran, mit der man den Anker in Gegenrichtung rausziehen könnte… vor dem Aufholen graute mir nun etwas. Mit zurecht gelegtem „Plan B“ versuchten wir es zunächst klassisch… und was soll ich sagen: der Anker kam problemlos frei. In solchen Momenten brauche ich auch keine Erklärung, sondern genieße die Freude… und plane die Tripleine.

Ob der da richtig liegt?

Im Hafen „Caleta del Sebo“ festgemacht empfing uns sogleich wieder die Security. Nein, wir hatten immer noch keine „Autorizatión“ aber nun immerhin ein geöffnetes Hafenbüro. Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich die falsche Email-Adresse verwendet habe. Meine Anfrage ging nicht an den Hafen, sondern die Zentrale von „Puertos Canarios“… und dort ist die dann auch geblieben. Freundlicher Weise durften wir dann aber doch für 2-3 Tage bleiben und nachdem die spanische Bürokratie in aller Seelenruhe mit vorbildlicher Handschrift und Hilfe des Google-Translators geschafft war, ging ich fröhlich zurück zur Samai…

Caleta del Sebo

Den Ort selbst kann man im Vergleich zu den anderen Kanarischen Inseln nur idyllisch nennen. Auch wenn regelmäßig Fähren Tagesgäste, FeWo-Touristen oder Nutzer des kleinen Zeltplatzes (für den man natürlich auch eine „Autorizatión“ benötigt!) abwerfen, so ist es noch recht ruhig in den sandigen Straßen. Es gibt im Wesentlichen ein paar Restaurants und Souvenirläden am Hafen, einen Bäcker, zwei kleine Supermärkte, einen Gemüseladen und einen Fischverkauf (der jedoch zumindest immer als wir dort waren keinen Fisch zu verkaufen hatte), den Spielplatz neben der Kirche und das angeblich „kleinste Museum der Welt“. Das ist zwar nett, aber doch eher Marketing-Maßnahme des zugehörigen Aloe Vera-Shops.

Auf eine der angebotenen Jeep-Tours oder das Ausleihen von Fahrrädern (die es ohnehin nicht in Kindergrößen gab) hatte wir verzichtet und waren dafür zu einem ganz profanen Badeausflug eine Bucht weitergelaufen. Faszinierend zu beobachten, wie das anfangs ohnehin recht flache Wasser mit der Ebbe immer mehr ablief, bis zum Baden rein gar nichts mehr übrig blieb. Dort hatte sich dann insbesondere der Skipper einen Sonnerbrand geholt, der die Erinnerung an diesen schönen Tag noch einige Zeit schmerzend wachhielt.

Nach den uns zugestandenen drei Tagen im Hafen verbrachten wir noch eine weitere Nacht bei Playa Francesca bevor es an der Westküste Lanzarotes entlang weiter ging in den Süden dieser schönen Insel. Der Skipper war hier in Playa Blanca schon einmal vor gut 20 Jahren im Solo-Urlaub… würde er es wiedererkennen?