Alltagsprobleme an Bord: Post (1)

Ein Drama in vier Akten

Ironischerweise war es bei uns so, dass gerade am Anfang die Notwendigkeit bestand, einige Sachen aus der Heimat zu erhalten. Pässe, an Bord nicht mehr auffindbare bzw. in letzter Minute erst als notwendig identifizierte Ausrüstung oder auch nur vergessenes Entertainment… doch glaubt man einschlägigen Erfahrungsberichten, so ist es ja nicht schwer auch auf einem Segelboot „in transit“ Post zu bekommen. Nahezu jeder Hafen sowie insbesondere auch die weltweit verteilten Trans Ocean Stützpunktleiter helfen gerne. Warum sollte das also nicht klappen?!?

Vorspiel: Heimat

Wer kennt das nicht?! Man erwartet eine wichtige Lieferung. Die Sendungsverfolgung besagt, dass diese im Zustellwagen unterwegs ist. Gut, dass man zufällig den ganzen Tag zu Hause ist. Morgens, gleich nach dem Aufstehen werden zur Sicherheit Namensschild und Türklingel überprüft… alles ok. Beim Toilettengang bleibt die Tür offen, nichts soll überhört werden. So vergeht die Zeit, Minuten und Stunden verrinnen, aber nichts passiert. Nun gut, das kommt schon noch… heutzutage liefern die armen Mitarbeiter der einschlägigen Transportdienstleister ja bis spät abends aus.

Trotzdem führt der Weg am späten Nachmittag zum Briefkasten, der Briefträger war ja schon da. Und hier im Briefkasten fällt der ungläubige Blick dann auf eine Benachrichtigungskarte: „Leider haben wir Sie heute um 14:23 Uhr nicht persönlich angetroffen. Sie können Ihre Sendung ab dem nächsten Werktag in unserer Filiale abholen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“ Nur mal grundsätzlich: man kann mich jederzeit gerne um Verständnis bitten, sollte jedoch niemals ungefragt dafür danken (die Bahn macht das ausgesprochen gerne). Zur Ehrenrettung der armen Menschen, mit deren Arbeitsbedingungen wir nicht tauschen möchten, sei gesagt, dass diese Darstellung sicher nicht der Regelfall ist… es sei denn, man wohnt im 5. Stock Altbau ohne Aufzug.

Erster Akt: Penzance – das gute Vorbild

Der flexiblen Terminvergabe Berliner Ämter sei Dank, konnten wir die melderechtlichen Notwendigkeiten nicht mehr vor unserer Abfahrt erledigen. Ist ja schön und gut, dass man sich innerhalb von zwei Wochen nach einem Umzug ummelden muss. Aber warum ist dann der nächste freie Termin im Portal erst in knapp zwei Monaten? Mit etwas Glück dauerte es bei uns zwar nicht so lange, zu spät war es trotzdem. Dankenswerter Weise war des Skippers Vater so lieb, uns diese Aufgabe bewaffnet mit umfassenden Vollmachten und Ausweisen der ganzen Familie abzunehmen. Damit mussten wir dann jedoch ohne die Pässe der Kinder losfahren… sozusagen eine illegale Einreise nach England!

Doch Adrian (der TO-Stützpunktleiter von Penzance) und sein Neffe halfen uns auf den Weg zur Legalität zurück. Wie telefonisch vorab besprochen wurden das Einschreiben sowie ein kleines Päckchen von Blue Sailing gerne angenommen und uns zum sogar Hafen gebracht, dazu ein netter Plausch… so sollte es sein. Und das ließ uns dann wohl etwas zu optimistisch werden.

Zweiter Akt: Leixões – die lange Suche

Ein „Care Paket“ von den Großeltern sollte dann nach Leixões gehen. Auch hier wurde vorab mit dem TO-Stützpunktleiter telefoniert. Rudolfo war zwar schlecht zu verstehen, sagte auch etwas von Krankenhaus, aber letztlich bestätigte er seine Postfach-Adresse und die Möglichkeit, darüber Post zu empfangen.

Kurz vor unserer Ankunft habe ich erneut versucht ihn anzurufen, ohne Erfolg. Auch meine Versuche per SMS blieben unbeantwortet. Also bin ich einfach mal zu der für den Stützpunkt angegebenen, glücklicher Weise nicht allzu weit vom Hafen entfernte Adresse gegangen. Es sah aus wie ein Wohnhaus, allerdings mit unbesetztem Pförtnertisch und diversen Firmenschildern im Eingangsbereich. Eines zeigte eine Firma mit dem Namen der Stützpunktleiters und ein anderes sogar den Trans Ocean Stander!

Also gut, einfach mal die Treppe hoch alle Stockwerke bis hinauf aufs Dach abgeklappert, doch die gesuchte Firma war nicht zu finden. Glücklich sind jene, die lesen können: auf dem Schild im Foyer stand ganz klein „5. Etage“, und mit dem Aufzug kam ich dann tatsächlich zur gesuchten Tür. Eine nette Dame im Büro sagte, dass Rudolfo nicht mehr so oft ins Büro komme und der Kollege, der sich darum kümmert in der Pause sei. Etwa eine Stunde später erzählte mir dieser nette Mann dann allerdings, dass das Postfach schon seit längerem nicht mehr bezahlt werde und geschlossen sei. In der Tat sei Rudolfo schon seit Monaten nicht mehr in der Firma gewesen. Durchaus nachvollziehbar wenn man bedenkt, dass er 85 Jahre alt ist und gesundheitliche Probleme hat. Einerseits von Herzen gute Besserung. Andererseits schade, das erst jetzt zu erfahren. Und schließlich: wo ist mein Päckchen? Hier sei es jedenfalls nicht, ich solle mal zur Post gehen.

Bei der Post wurde mir gesagt, dass das Postfach durchaus nicht geschlossen sei und gerade heute Morgen jemand den Inhalt abgeholt hat. Zurück ins Büro: nein das kann nicht sein, man habe zwar andere Postfächer, aber dieses sei geschlossen. Zurück zur Post: ja, das Postfach mit dieser (auch bei ersten Besuch schon angegebenen) Nummer sei geschlossen, das Päckchen müsste zurück an den Absender gegangen sein. Überflüssig zu erwähnen, dass es dort bis heute nicht angekommen ist. Und was ist mit einem Nachforschungsauftrag? Dazu bedarf es einer Sendungsnummer, und ausgerechnet dieses Mal wurde die Sendungsverfolgung vergessen. Das müssen wir dann wohl unter „Lehrgeld“ verbuchen.

Pause… Getränke stehen im Kühlschrank!