Die Hauptstadt von oben

Quito, 13. Februar 2021 (vormittags)

Man mag uns leichtsinnig schimpfen, doch immerhin fahren wir ja nicht auf eigene Faust in überfüllten Bussen durch das Land. Da sei uns bitte verziehen, das wir es uns nicht nehmen lassen wollen, die höchstgelegene Hauptstadt der Welt zu besuchen: Quito! Aber was genau wollen wir eigentlich sehen? Und wie bekommen wir das hin, ohne jetzt doch auf stark frequentierte Verkehrsmittel zurückgreifen zu müssen? Die Antwort hat einen Namen: Fredy!

Noch am Abend unserer Ankunft verabreden wir uns für den nächsten Morgen. Fredy ist schließlich mehr Führer als Fahrer, zudem mit aktuell mehr Freizeit als gewünscht… das wollen wir gerne nutzen. Wir verlassen uns darauf, dass er uns einen interessanten Tag zusammenstellt, das Transportproblem ist ebenso gelöst und außerdem gibt es uns ein zumindest subjektiv sicheres Gefühl, nicht alleine als offensichtlich fremdländische Touristenfamilie durch die Stadt zu laufen. So gewinnen wir alle!

Am Vormittag soll es hoch hinaus gehen. Quito selbst liegt offiziell vermessen schon auf 2.850m. Doch mit der TelefériQo geht es noch höher. Von der Talstation auf 3.050m führt die Seilbahn (=Teleférico) von Quito die Ostseite des – im übrigen aktiven – Hausvulkans Pichincha hoch auf etwa 4.000m. Zum Vergleich: Die Zugspitze als höchster Berg Deutschlands misst 2.962m.

Da hinten wollen wir hin…
Da oben wollen wir rauf…

Die 2005 eröffnete Anlage ist ganz offensichtlich auf große Besucherströme ausgelegt. Von Überfüllung kann in diesen Zeiten jedoch nicht gesprochen werden. Nur wenige Parkplätze sind besetzt, an der Kasse ist einer vor uns und die Wartezeit für unsere – natürlich frisch desinfizierte – Gondel nicht existent. In gut ¼ Stunde sind wir oben.

Bitte zügig durchtreten!
Fredy und Samuel
Die Vegetation wird auf 4.000m spärlicher
Ankunft in der Bergstation

Alles gut und alles normal. So denken wir. Doch dann gehen wir ein paar Schritte. Es ist echt erstaunlich, wie sehr eine nicht angepasste Konstitution auf die dünne Luft reagiert. Kaum etwas geleistet, keuchen und schnaufen wir laut herum. In der Ruhe liegt die Kraft.

Mit dem Wetter haben wir Glück. Hier oben ist es oft unbeständig, die Sicht nicht immer gut. Zwar sehen wir nicht die teils schneebedeckten Gipfel der vielen umliegenden Vulkane vor blauem Himmel glitzern, doch Quito liegt uns beeindruckend zu Füßen und zeigt seine nahezu einzigartige Form. Durch die Lage in einem schmalen Tal ist es eine wirklich lang gezogene Stadt. Meist kaum breiter als 2-3km zieht sie sich in Nord-Südrichtung über 30km hin. Rundherum wachsen die Vororte zusammen und geben dem gesamten Stadtgebiet einen größeren Anschein, als es bietet. Im Überblick scheinen mir Größenvergleiche mit Berlin nicht abwegig. Die deutsche Hauptstadt hat innerhalb seiner Landesgrenzen auf knapp 900km2 etwa 3,7 Mio. Einwohner… vom Umland reden wir da noch gar nicht. In Quito haben Stadt bzw. Einzugsgebiet dagegen ca. 290km2 bzw. 1.000 km², dabei aber „nur“ gut 2 Mio. Einwohner. So kann der Eindruck täuschen.

Schau mal, da ist Quito!

Ecuadorianer lieben Schaukeln. Ganz offensichtlich. Auch hier oben gibt es eine große, ich nenne sie einfach mal „Wolkenschaukel“. Die Kinder lieben sie und selbst für die älteren Semester ist es ein prickelndes Gefühl, wenn die eigenen Beine gut scheinbar frei über der Stadt fliegen.

Manchmal muss ein Papa tun, was ein Papa tun muss. Wer mich kennt, weiß um meine – ich sage mal – reservierte Einstellung zu Pferden. Ich kann mich noch dunkel erinnern, zu Schulzeiten mal ein paar Meter auf dem Rücken des Pferdes meiner damaligen Freundin gesessen zu haben. Das ist nun – ich wage es kaum zu sagen – gut 30 Jahre her. In der Tat habe ich sicherlich mehr Lebenszeit auf dem Höcker von Dromedaren als dem Rücken von Pferden verbracht. Maila ist das herzlich egal. Sie mag Pferde. Und hier oben auf ca. 4.000m kann man eine Runde reiten. Und sonst hat von der Familie gerade niemand so richtig Lust dazu. Kurz und gut: wo und wann, wenn nicht hier und jetzt?! Der Papa macht einen Ausritt mit seiner Tochter!!!

Im Hintergrund der Krater, im Vordergund Pferde…

Wobei man das jetzt auch nicht allzu sportlich einordnen sollte. Maila fließt auf ihr Pferd, der Skipper schafft es auch irgendwie hoch. Ein kurzer Klaps und die Tiere trotten los. Sie kennen den Weg, der mitlaufende Führer hat einen entspannten Tag. Die Pferde kennen aber auch ihre interne Rangordnung. Sehr zu meinem Leidwesen lässt sich mein unter seiner Last erstaunlich gelassener Zorro nicht davon abbringen, konsequent vor Mailas Rey zu laufen. Notfalls setzt man sich durch. Natürlich auf dem steilsten Stück. Immerhin geht es ohne größere Zwischenfälle ab. So reiten wir fast eine halbe Stunde auf einer gemütlichen Runde durch die Ruhe der tollen Landschaft. Und sogar der Papa muss zugeben, dass es ihm so ein ganz klein bisschen Spaß gemacht hat.

Wir genießen noch ein wenig die Aussicht, beobachten wagemutige Mountainbiker, die sich den Hang hinabstürzen und machen uns ganz langsam auf den Weg zurück zur Seilbahn. Wir wollen ja nicht zu sehr keuchen und schnaufen.

Unten angekommen sehen wir noch ein weiteres Opfer unserer Zeit. Oder war es doch überambitionierte Planung? Der kleine Vergnügungspark bei der Talstation ist geschlossen. Wegen fehlender Besucher pleitegegangen. Ein trauriger Anblick. Einer von vielen in der heutigen Welt.

Wieder besser bei Atem machen wir uns nun immerhin noch auf ca. 3.000 Höhenmeter auf in das Zentrum von Quito… doch davon nächstes Mal mehr.

Crashkurs „Ecuador“ bei unserer Anreise zum Test

12. Februar 2021

Der große Tag ist da. Nach so langer Zeit auf dem Boot und dann doch so kurzer Vorlaufzeit beginnen wir unsere Rundreise durch Ecuador. Einen ganzen Monat werden wir unterwegs sein. An dieser Stelle auch ganz viele liebe Grüße und großer Dank an Volker von Salsareisen, der uns die ganze Tour so schnell, kompetent, unkompliziert und flexibel zusammengestellt hat. Immer erreichbar, immer hilfsbereit… perfekt!

Die erste Etappe führt in die Hauptstadt Quito. Eigentlich sollten wir „urbane Zentren“ meiden, doch um Quito kommen und wollen wir dann doch nicht herum. Von hier startet der Flug zu den Galápagos-Inseln und hier können wir kurzfristig den obligatorischen Test machen. Insgesamt haben wir heute zwar nur etwas mehr als 400km vor uns, aber in Ecuador kann sich das ziehen. Statt deutscher Autobahnen ohne Tempolimit geht es über kurvige Straßen von der Küste in die zentrale Sierra auf bis über 4000 Höhenmeter. Mit Mittagspause werden wir gut 8 Stunden unterwegs sein. Also los.

Wir sind bereit!

Um acht Uhr kommt unser Fahrer Fredy. Was wir schon wissen ist, dass er gut deutsch spricht. Gerade für die Verständigung mit den Kindern ist das ein unschätzbarer Vorteil. Was wir bei Abfahrt noch nicht wissen, aber schon bald kennen lernen ist, dass er ein ausgesprochen mitteilsamer „Guide der alten Schule“ ist. Trotz der langen Fahrt kommt keine Langeweile auf. Seitenweise mache ich mir Notizen, viel zu viel, um sie hier auch nur ansatzweise vollständig wiederzugeben.

Tuk Tuks in Pedernales

Natürlich gibt es eine kleine Einführung in die gesichtete Tierwelt, von Aasgeiern mit schwarzem, weißen oder rotem Kopf, diversen Reihern, Kolibris und mehr. Gerade in der flachen Costa sowie auch im schon etwas höher gelegenem Nebelwald werden die Pflanzen am Straßenrand sowie auch der durchfahrenen Plantagen identifiziert… Papaya, Mango, Maracuja, Banane, Kakao, Kaffee, Reis und so viel mehr.. Wir erfahren, dass die wichtigsten Utensilien bei der Arbeit in der Natur eine Machete und Gummistiefel sind. Erstere hilft beim Durchkommen, letztere gegen Schlangen. Schlangen sind neben Überflutungen auch ein Grund, warum in der Costa viele Häuser auf kleinen Stelzen stehen… natürlich müssen es quadratische Stelzen sein, damit die Reptilien nicht hoch kommen.

Natürlich wird auch beklagt, dass inzwischen immer mehr große Garnelenfarmen den ehemaligen Platz von Mangroven einnehmen. Immerhin muss heute aufgeforstet oder empfindlich Strafe gezahlt werden. Trotzdem ein schwacher Trost wenn man bedenkt, dass Mangroven für 3m etwa 100 Jahre lang wachsen müssen.

Als wir erstmals am heutig Tag den Äquator überqueren, kommt das Gespräch unweigerlich auf das leidige Wasserstrudel-Thema. Bekanntermaßen in der Theorie korrekt, in der Praxis aufgrund anderer Störungen (alleine schon die Art des Eingießens) jedoch irrelevant. Wohl aber wachsen Schlingpflanzen auf der Nordhalbkugel gegen, im Süden dagegen im Uhrzeigersinn… wird uns erzählt…

Das Thema kommt auch auf Politik und Gesellschaft Ecuadors und Fredy erzählt erfrischen offen und ehrlich. Zur Wahlpflicht klärt er uns auf, dass dessen Erfüllung über ein bei Stimmabgabe erhaltenes Zertifikat bei nahezu allen Behörden- und Bankbesuchen nachzuweisen ist… auch hier droht Strafe! Das gilt im Übrigen auch für Analphabeten… es gibt schließlich Fotos.

Mittagspause im Nebelwald
Wilde Orchideen
Ungewohnte Kombination, aber lecker: käsegefüllte Empanadas mit Kaffee
Ausblick beim Essen.

Wenigstens nimmt die Analphabetenrate ab. Offiziell herrscht ab dem Kindergarten eine 13-jährige(!) Schulpflicht, doch die Praxis zeigt Schwächen. In einer Klasse sitzen gerne mal 60 Schüler. Dementsprechend ist es wichtiger ordentlich nachzusprechen und Dinge stur auswendig zu lernen, als Zusammenhänge zu verstehen und zu hinterfragen. Seit einigen Jahren gibt es einen landesweit einheitlichen, leistungsunabhängigen Schulabschluss. Das soll für gleiche Voraussetzung und somit mehr Entscheidungsfreiheit der Schüler sorgen. Bei Mädchen wird aber gerade in ärmeren Gegenden immer noch allzu oft ein allzu großer Wert auf die Vorbereitung als Mutter und Hausfrau gelegt. Ob nun Mädchen oder Junge… in der Praxis braucht man für gute Aussichten zwingend ein „Doktorat“ aus dem Ausland (USA, EU, Brasilien). Da liegt es nahe, dass die „Eliten“ ihre Kinder ausschließlich auf Privatschulen schicken. Parallele Leben…

Sierra bei Quito
Wie war das doch gleich mit Abstandsregeln?!

Natürlich geht es auch um Korruption, doch das würde in diesem Artikel wohl zu weit führen. Nur die kleine Anekdote von kurz nach unserer Abfahrt: Fredy biegt ab und fährt unverhofft in eine mehrspurige Einbahnstraße. Natürlich in falscher Richtung. Natürlich kommt direkt ein Polizeiwagen entgegen. Blaulicht an, schnell gewendet und an die Seite gewunken. Unser Fahrer geht vor zum Streifenwagen, ein kurzes Gespräch, ein Händedruck, er kommt zurück. 10$ habe ihn das jetzt gekostet… und ich liege wohl nicht falsch damit, dass das nicht die offizielle Strafe für Falschfahren in der Einbahnstraße ist.

Falsche Richtung? Da kann man doch drüber reden…

Am frühen Abend, in Äquatornähe also kurz vor Sonnenuntergang, erreichen wir Tababela, einen kleinen, mit „Landgasthäusern“ vollgestopften Vorort von Quito direkt neben dem neuen Flughafen. Hier bleiben wir zwei Nächte. Die Pflicht steht an. Ohne negativen Test kommen wir nicht auf die Galápagos-Inseln.

Schade… ich hatte mich schon so darauf gefreut, mein Klopapier ins Badezimmer zu werfen ;-)

Abends schaut also eine offiziell zertifizierte, mobile Testeinheit vorbei. Die Dame legt ihre einem Ebola-Ausbruch würdige Schutzkleidung an und bittet uns auf den Stuhl. Na so schlimm wird das mit dem Stäbchen in der Nase schon nicht werden. Denken wir zumindest. Eindrucksvoll wird uns praktisch demonstriert, dass es zwischen Nase und Rachen ganz offensichtlich eine Verbindung gibt, die zudem gefühlt einmal quer durch die vorderen Gehirnlappen führt. Boahhhhh… ist das unangenehm. Zum Glück müssen das die Kinder nicht über sich ergehen lassen. Unter 18 Jahren braucht man keinen Test. Über den (Un-)Sinn dieser Regel brauchen wir nicht diskutieren… wir nehmen sie dankbar hin.

Jetzt heißt es warten. Am nächsten Abend sollen die Testergebnisse vorliegen. Wir wollen den Tag für einen Ausflug nach Quito nutzen. Wie sollte in einer, wie schon bei Ankunft eindrucksvoll bemerkt, voll gepackten Großstadt schon die Gefahr bestehen, ein vorher eingereichtes Testergebnis zu kompromittieren?!

Wie jetzt… die Gefahr besteht?… aber nicht doch… das wäre ja logisch! ;-)

Hostería La Roulotte

Mindo, 23-26. Februar und 10.-13. März 2021

Mindo ist ein Touristenzentrum im ecuadorianischen Nebelwald. Das merkt man alleine schon an der Vielzahl von Bespaßungsanbietern an der Hauptstraße. Auch ohne deren Dienste in Anspruch zu nehmen, haben wir hier so manche Unternehmungen gemacht. Bewusst verzichtet wurde von uns dabei jedoch auf „Tube rafting“. Man ziehe ein paar große Schläuche aus LKW-Reifen, puste sie kräftig auf, binde sie zusammen, setzte ein paar Touristen drauf und werfe das ganze in den reißenden, kalten Fluss. Muss man wohl mögen und anscheinend gibt es ausreichend (nicht zuletzt ecuadorianische Inlands-) Touristen, die das machen. Wir dann doch eher nicht.

Entspannter ist es da im Bambus-Labyrinth. Nein, das ist jetzt nicht unbedingt das große Highlight, für das man eine lange Anreise gerne in Kauf nimmt. Lustig ist es trotzdem, sich einen Weg durch die verschlungenen Pfade zu suchen. Die Kinder sind am Ausgang einfach nochmal wieder rein gegangen um sich auf die Suche nach den gemütlich hinterher schlendernden Eltern machen.

Hmmm… wo geht es lang?

Der große Vorteil des Labyrinths ist, dass es direkt in unserer Unterkunft liegt: Hostería La Roulotte.

Wandmalerei im La Roulotte: Mindo und Umgebung

Natürlich gibt es sehr viele kleine Hostels im Ort, doch gemütlicher ist es etwas außerhalb von Mindo. Hier wurden wir einquartiert und es war eine gute Wahl. Als Unterkunft dienen namensgebende „Roulottes“, politisch korrekt übersetzt mit Wohn- bzw. Planwagen. Eine bildliche Beschreibung bietet das uns gegenüber normaler Weise geäußerte „Zigeunerwagen“. Diese stehen im subtropischen Grün mit vielen bunten Farbtupfern.

Mailas liebste Beschäftigung ist es, gleich morgens auf dem Bett sitzend umher schwirrende Kolibris und sonstige Vögel zu beobachten.

Mailas Lieblingsblumen im Garten

Der Vorteil ruhiger Abgeschiedenheit wandelt sich beim Thema Abendessen dann in den Nachteil einer längeren Wegstrecke nach Mindo. Ohne Mietwagen oder Taxi ist das zu Fuß gerade bei Regen nicht wirklich eine Freude. Abhilfe schafft das kleine zur Hostería gehörende Restaurant. Ausgiebig testen wir die sehr leckere Pizza und auch das Lomo war ein Genuss…

Gastgeber Ignacio und Carmen kümmern sich sehr gut um ihre leider einzigen Übernachtungsgäste. Eine Ausflugsempfehlung? Ein Anruf im Mariposario? Ein guter Vogel-Guide? Mailas Spezial-Pizza? All das und noch einiges mehr ist kein Problem… und zum Abschied gibt es noch ein Glas hausgemachte Marmelade mit auf den Weg… mjam!

Frühstück mit leckerer, hausgemachter Marmelade…
… und Ausblick!

Wir hoffen sehr, dass „La Roulotte“ gut durch die aktuellen Zeiten kommt… ohne damit andere um ihr geschäftliches Überleben kämpfende Gastgeber herabsetzen zu wollen: sie hätten es sich wirklich verdient!

Cocina Ecuatoriana (6) – Plátanos

Was den weltweiten Bananenanbau in absoluten Zahlen angeht, so steht Indien entspannt vor China. Was jedoch den Bananenexport angeht, da ist schon jahrelang ein viel kleineres Land mit Abstand ganz vorne: Ecuador.

Ja, natürlich hat das ganze auch seine Schattenseiten. Weithin bekannte Stichworte sind Monokultur, Abholzung des Regenwaldes, Pestizide, Hungerlöhne… und dann sind auch noch die Mehrzahl der Plantagen im Besitz amerikanischer Gesellschaften: Chiquita, Dole und DelMonte. Diese Namen kennen wohl auch die meisten Deutschen. Weniger bekannt ist allerdings die Bandbreite dieser Frucht… kommt doch letztlich fast ausschließlich die Dessertbanane in europäische Supermarktregale.

In Ecuador gehören Bananen zu den Grundnahrungsmitteln. Und das betrifft wahrlich nicht nur die süße Variante. Ganz vorne in der Verbrauchsstatistik sind hier die oft noch grünen Kochbananen. Schwerer zu schälen sind die im Grunde nicht für den direkten Verzehr gedacht. Doch dafür zerfallen sie auch nicht gleich, wenn mal etwas Wärme in die Nähe kommt. Auf der Camping-Tour im Regenwald lag gleich eine ganze Staude Kochbananen im Kanu. Entsprechend oft wurden sie serviert. Sei es nun Stückweise gekocht, in Suppe, Gemüse oder sonst wie zubereitet. Dabei darf man sich jetzt nicht den bekannten süßen Geschmack vorstellen. In der Tat sind Kochbananen relativ neutral.

Verpflegung im Dschungel…

Eine der beliebtesten Beilagen sind „Patacónes“. Im Restaurant günstiger als Pommes ist das im Grunde nichts anderes, als etwas gesalzene, frittierte, plattgedrückte und nochmal gebratene Banane. Dabei ist die Verwendung von Kochbananen zwingend notwendig. Glaubt mir… ich habe es vor unserer Abfahrt mit den typischen Supermarktbananen aus Deutschland versucht. Nicht gut!

Patacónes auf einem Fingerfood-Teller

Im hiesigen Supermarkt finden sich neben den international bekannten Kartoffel- oder Maischips dann auch ganz selbstverständlich Bananenchips… mit scharfem und/oder Koriander-Dip eine beliebte Vorspeise! Ebenso gibt es natürlich Patacónes als Snack in Tüten.

Wenig überraschend ist die Auswahl an Bananensorten hier um einiges reichhaltiger… sei es nun im Supermarkt oder selbstredend auch auf einem indigenen Markt in der Sierra.

Bananen: klein-groß-gelb-grün-dick-dünn…
… und vor allem ganz viele!

Selbst für die Tiere ist gesorgt. Rosa Zwergbananen sind zwar prinzipiell auch für Menschen essbar. Trotzdem bleiben die hier oft wildwachsenden Früchte in oft nicht-menschlichen Konsumenten vorbehalten. Ist aber auch nicht weiter schlimm… bei dieser Auswahl an Bananen hier in Ecuador…

Semáforo rojo en Bahía… oder: das böse C-Wort

Bahía de Caráquez, 26. März 2021

Man könnte die Überschrift mit „Rotlicht in Bahía“ übersetzen, aber das hat zugegebener Maßen einen gewissen Beigeschmack, den das COE sicher nicht meint. Hier in Ecuador steht COE für „Comité de Operaciones de Emergencia“. So ein Komitee gibt es zunächst auf nationaler Ebene. Als Nation ist Ecuador in 24 Provinzen unterteilt (z.B. Manabi). Darunter gibt es insgesamt 221 Kantone (z.B. Sucre). Die genannten Beispiele sind natürlich nicht zufällig gewählt. Wir liegen momentan in Ecuador – Provinz Manabi – Kanton Sucre – Bahía de Caraquez.

Auch auf kantonaler Ebene gibt es diese Notfallkomitees. Am 23. März hat sich nun das COE cantonal von Sucre getroffen und beschlossen, dass unser Kanton auf Stufe „rot“ zurückkehrt. Beginn 24. März. Dauer 30 Tage. Das böse C-Wort: Cuarentena!

Das bedeutet ohne Anspruch auf Vollständigkeit…

  • Öffentliche und private Veranstaltungen sind verboten, sei es nun kulturell, zivil oder militärisch.
  • Auch religiöse Versammlungen aller Art dürfen nicht stattfinden… und das über Ostern in einem tief katholischen Land.
  • Keine Sportspiele auf öffentlichen oder privaten Plätzen.
  • Schließung aller Strände, Schwimmbäder etc.
  • Restaurants dürfen zwar öffnen, aber nur mit 30% Kapazität.

War da noch was? Ach ja: kein Alkohol. Also jetzt nicht nur in Restaurants. Ganz allgemein ist im Kanton der Verkauf (und Konsum) alkoholischer Getränke aller Art verboten. Ja, auch im Supermarkt. Erwähnte ich schon, dass das ganze mit einem Tag Vorlauf für die Dauer von einem Monat beschlossen wurde?

Hmmm… Perspektivenwechsel. Kann sich jemand diesen Beschluss und eine auch nur ansatzweise wirksame Umsetzung solcher Maßnahmen in Deutschland vorstellen… und sei es nur auf Gemeindeebene?!? In einem Land, wo Hamburger Gerichte die Maskenpflicht von Erwachsenen auf Spielplätzen oder auch Joggern selbst an gut frequentierten Orten kippt, soll das deutsche Grundrecht auf ein gemütliches Feierabendbier keine Chance auf „Verhältnismäßigkeit“ haben? In Berlin könnte dann doch jeder zweite „Späti“ dicht machen… also zumindest während der für das beflissene Ordnungsamt üblichen Kontrollzeiten. Doch ich schweife ab.

Der alltägliche, ach was… weltweite Wahnsinn zeigt sich in einem anderen Detail. Die Beschlüsse gelten für den Kanton Sucre. Schon auf der anderen Seite des Flusses sieht das anders aus. Sollen wir es wagen, mit dem Taxi…?!? Mal schauen.

Jetzt schließen wir erst einmal die sonstigen Vorbereitungen für die anstehende Weiterreise ab. Die Wäsche ist weitgehend sauber, der Puerto Amistad schon einmal bis Anfang April bezahlt, der Wassertank ist (natürlich mit Hilfe von großen Flaschen und Dinghy) voll und heute werden die letzten Dieselkanister mit dem Bollerwagen zur Tankstelle gebracht, gefüllt und an Bord verstaut. Nächste Woche steht dann noch das Aufräumen des Technikraums, das Auffüllen der Gasflaschen und der Check-Out auf dem Programm. Ich hoffe auf die Minimalchance, dafür nicht noch einmal nach Manta zu müssen.

Zu guter Letzt schulden wir euch natürlich noch einige Berichte. Kürzlich wurde ich nach den Galapagos-Inseln gefragt. Ist in Arbeit… :-)