Samuel über den Einkauf auf Lanzarote

Wir hatten uns für zwei Tage ein Auto gemietet und einen anstrengenden Ausflug hinter uns, als Mama und Papa einen Lidl sahen, wo sie sofort einkaufen wollten. Maila und ich wollten nicht wirklich mit, aber es war doch ganz lustig da drinnen. Wir haben mehrere große Schinken gesehen, aber leider keinen mitgenommen. Ich fand, dass wir ziemlich viel eingekauft hatten und dachte: „Wie passt das alles in unser kleines Auto?“ Irgendwie hat Papa es dann geschafft, alles im Auto unterzubringen. Als wir vor unserem Boot parkten, haben wir die Taschen erst einmal auf den Steg getragen und Mama bestand darauf, dass alles mögliche Papier wegen möglicher Kakerlakeneier draußen bleibt. Wir mussten unsere Einkäufe irgendwie an Bord bringen, ohne Kakerlakeneier einzuschleppen. Wegen Mamas intensiver Recherche im Internet (Google ;-) wusste Sie, dass man Kakerlakeneier durch Salzwasser von den Behältnissen trennen kann. Somit begann der Spaß. Wir haben alles, was wasserfest war ins Hafenbeckenwasser (was nicht gerade das sauberste war) getaucht. Natürlich haben wir danach noch einmal alles mit Süßwasser gründlich abgespült, aber das hat ganz schön lang gedauert und war anstrengend.

Am nächsten Tag haben wir einen weiteren Ausflug gemacht. Danach waren wir ziemlich erschöpft, allerdings wollten Mama und Papa nochmal zu Lidl einkaufen gehen. Wir Kinder haben Mama und Papa überredet, dass Sie uns an Bord bringen und dann alleine einkaufen gehen. In der Zeit haben Maila und ich uns den Fernseher angemacht und „Herr der Ringe“ geschaut. Als der Film fast zu Ende war, dachten wir schon, dass Mama und Papa nie wieder kommen. Dann hörten wir, dass jemand auf unser Boot ging. Ich habe nachgeschaut, und es war Mama. Da wusste ich, gleich werden wir wieder beim Abwaschen des Einkaufs helfen müssen. Doch dieses Mal sah das Hafenwasser so ölig aus, dass wir es nicht zum reintauchen benutzen wollten. Dann hatte Mama die Idee, dass wir einfach Süßwasser nehmen und dort die halbe Salzpackung reinkippen könnten. Dabei hatte Mama Ihren Schuh ins Hafenwasser gestoßen und ich habe ihn wieder rausgefischt. Dann begann wieder die wunderbare Salzwasserabspülung der gekauften Waren. Dieses Mal war es noch mehr als am Vortag. Maila hat wie am Vortag alle Etiketten von den Flaschen und Dosen abgemacht und ich habe die ganzen Sachen abgewaschen. Das erste, was an Bord kam war zu meinem Erstaunen ein 3,75kg schwerer Schinken und eine besondere Herausforderung war es, diesen Schinken abzuwaschen, weil er nicht komplett in die Salzwasserwanne passte. Aber irgendwie habe ich es dann doch hinbekommen und jetzt bin ich schon sehr gespannt, wann wir den Schinken endlich aufschneiden.

Samuel

La Graciosa

Nachts des Hafens verwiesen fuhren wir in die benachbarte Bucht Playa Francesca. Nur ein anderes Boot war schon da. Platz gab es also reichlich, trotz der zwei unerwarteten (Fischer-?!) Bojen im Licht des Scheinwerfers. Wir hielten uns gut frei, der Anker fiel ins dunkle Wasser und die ob der langen Überfahrt leicht ermattete Crew ins Bett. Im Laufe des Vormittags füllte sich der Strand ein wenig und es kamen auch noch ein paar andere Ankerlieger, teils blieben sie über Nacht, teils als Tagesgast. Aber es war immer noch sehr schön und der Entschluss zu verweilen schnell gefasst.

Doch dann kam das Imperium des Tourismus mit voller Macht über uns… besser gesagt in die Bucht. Vorboten waren zwei kleine Boote, die Wasserspielzeug und Kajaks brachten. Und dann bogen sie Sternenzerstörern gleich um die Ecke: zwei riesige Katamarane. Brechend voll mit jeweils weit über 50 (Sic!) Gästen, die leicht bekleidet bei wummernder Musik dem Badestopp in dieser bis dato idyllischen Bucht entgegenfieberten, pflügten sie unbeeindruckt durch die kleine Rebellenflotte der Segler zu Ihren Bojen. Schwärmen von Tie-Jägern gleich ergossen sich die Urlaubswütigen ins Wasser und an den Strand. Doch so schnell wie er gekommen war, verschwand der Spuk nach wenigen Stunden auch wieder und es war wieder so ruhig wie in den Weiten von Tatooine… halt nur mit Wasser ;-)

Katamaran des Grauens

Auch wir genossen natürlich Badefreuden, beobachteten die vielen kleinen Fische, beruhigten Maila, dass der kleine Rochen sechs Meter unter uns absolut keine Gefahr darstellt und schauten uns natürlich auch unseren Anker an. Was wir da sahen, gefiel jedoch nicht wirklich. Im Dunkeln unerkannt hatten wir den sandigen Bereich verpasst und den Anker unter einen Felsen eingefahren. Kein Wunder, dass er so gut hielt. Und nein, natürlich hatten wir kein Tripleine dran, mit der man den Anker in Gegenrichtung rausziehen könnte… vor dem Aufholen graute mir nun etwas. Mit zurecht gelegtem „Plan B“ versuchten wir es zunächst klassisch… und was soll ich sagen: der Anker kam problemlos frei. In solchen Momenten brauche ich auch keine Erklärung, sondern genieße die Freude… und plane die Tripleine.

Ob der da richtig liegt?

Im Hafen „Caleta del Sebo“ festgemacht empfing uns sogleich wieder die Security. Nein, wir hatten immer noch keine „Autorizatión“ aber nun immerhin ein geöffnetes Hafenbüro. Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich die falsche Email-Adresse verwendet habe. Meine Anfrage ging nicht an den Hafen, sondern die Zentrale von „Puertos Canarios“… und dort ist die dann auch geblieben. Freundlicher Weise durften wir dann aber doch für 2-3 Tage bleiben und nachdem die spanische Bürokratie in aller Seelenruhe mit vorbildlicher Handschrift und Hilfe des Google-Translators geschafft war, ging ich fröhlich zurück zur Samai…

Caleta del Sebo

Den Ort selbst kann man im Vergleich zu den anderen Kanarischen Inseln nur idyllisch nennen. Auch wenn regelmäßig Fähren Tagesgäste, FeWo-Touristen oder Nutzer des kleinen Zeltplatzes (für den man natürlich auch eine „Autorizatión“ benötigt!) abwerfen, so ist es noch recht ruhig in den sandigen Straßen. Es gibt im Wesentlichen ein paar Restaurants und Souvenirläden am Hafen, einen Bäcker, zwei kleine Supermärkte, einen Gemüseladen und einen Fischverkauf (der jedoch zumindest immer als wir dort waren keinen Fisch zu verkaufen hatte), den Spielplatz neben der Kirche und das angeblich „kleinste Museum der Welt“. Das ist zwar nett, aber doch eher Marketing-Maßnahme des zugehörigen Aloe Vera-Shops.

Auf eine der angebotenen Jeep-Tours oder das Ausleihen von Fahrrädern (die es ohnehin nicht in Kindergrößen gab) hatte wir verzichtet und waren dafür zu einem ganz profanen Badeausflug eine Bucht weitergelaufen. Faszinierend zu beobachten, wie das anfangs ohnehin recht flache Wasser mit der Ebbe immer mehr ablief, bis zum Baden rein gar nichts mehr übrig blieb. Dort hatte sich dann insbesondere der Skipper einen Sonnerbrand geholt, der die Erinnerung an diesen schönen Tag noch einige Zeit schmerzend wachhielt.

Nach den uns zugestandenen drei Tagen im Hafen verbrachten wir noch eine weitere Nacht bei Playa Francesca bevor es an der Westküste Lanzarotes entlang weiter ging in den Süden dieser schönen Insel. Der Skipper war hier in Playa Blanca schon einmal vor gut 20 Jahren im Solo-Urlaub… würde er es wiedererkennen?

Alltagsprobleme an Bord: Post (2)

Dritter Akt: Lissabon – das lange Warten

Wo waren nur die Adapter für die Gasflaschen? Und der Umfüllschlauch? Und die Speicherkarten? Das und noch ein paar andere Dinge waren doch alle schon hier? Und wie war das mit dem Nudelholz? Nun gut, Amazon liefert auch ins Ausland und den Expresszuschlag war es uns wert. Dieses Mal sollte es aber an den Hafen gehen… genauer gesagt die Marina Alcantara in Lissabon. Die Adresse ist kompakt: Doca de Alcântara plus Postleitzahl. Aber uns wurde telefonisch versichert, dass das korrekt sei. So nahm das Unheil seinen Lauf.

Es begann damit, dass die Bestellung in zwei Teillieferungen mit unterschiedlichen Transportdienstleistern verschickt wurde. Die erste Lieferung war auch schon kurz nach unserer Ankunft „in Zustellung“. Abends hieß es dann jedoch, dass die Adresse nicht auffindbar und somit falsch sei. Ich müsse etwas tun. Der erste Weg führte zum Hafemeister, der mir bestätigte, dass die Adresse korrekt sei und Post für andere Boote damit durchaus ankomme. Wie auch immer, wenn der zur DPD-Gruppe gehörende Dienstleister nicht in der Lage ist, den meines Wissens zweitgrößten Yachthafen Lissabons zu finden, dann ist das auch kein Problem… sollen sie es halt an einen Paketshop in der Nähe bringen und ich hole das mir dort ab. Das konnte ich sogar direkt auf der Webseite erledigen und kurz danach war das erste Päckchen an Bord.

Das zweite Paket wurde erst ganze fünf Tage nach Bestellung überhaupt versendet… das nenne ich mal „Express“. Egal, Hauptsache es kommt an. Die GLS-Gruppe durfte zeigen, dass sie es besser können als die Konkurrenz. Konnten sie aber nicht. Nach zwei Tagen „in Zustellung“ und „konnte nicht zugestellt werden“ rief ich Amazon an. Leider keine Hilfe. Die nette Dame habe ein Formular ausgefüllt, in den nächsten Tagen sollte sich der Dienstleister bei mir melden. Tat er aber nicht. Und die Sendungsverfolgung auf dessen Webseite funktionierte auch nicht. Über die von Amazon erhaltene spanische Hotline hatte ich dann irgendwann den portugiesischen Telefonservice am Handy. Desculpe, fala inglês? Zum Glück ja! Und dieses Glück kannte kaum Grenzen, als ich dann das reichlich ramponierte aber augenscheinlich noch leidlich verschlossene zweite Paket im Shop abholen konnte… ganze elf Tage nach Express-Bestellung.

Vierter Akt: Lanzarote – das große Finale

Insgesamt vier Pakete sollten uns hier erreichen. Und das ausgerechnet auf den Kanaren. Über den hiesigen Zoll gibt es wahre Horrorgeschichten. Manch ein Ausrüster liefert nur mit Warnung oder auch gar nicht mehr auf die Inseln. Ein erster Kontakt mit Erhard, dem TO-Stützpunktleiter auf Lanzarote, machte dagegen wieder etwas Mut. So schlimm sei das gar nicht, bei ihm habe das bisher immer geklappt, wenn man die wichtigste Grundregel beachtet: das Paket muss augenscheinlich rein privat sein! Mit anderen Worten nur direkt an Erhard schicken (ohne „SY Samai c/o“ oder ähnlichem), keine offensichtlichen Lieferscheine oder Firmenadressen als Absender, und selbst die Aufschrift „Regalo“ (span. für Geschenk) und ein paar nette Aufkleber können nicht schaden. So gebrieft haben die Mutter von La Skipper und die Eltern des Skippers insgesamt drei Pakete zur Post gebracht, und auch Lunatronic hat versprochen, unsere neue WLAN-Antenne nebst Router mit dieser Camouflage auf den Weg zu bringen.

Direkt nach der Ankunft auf den Kanaren siegte die Neugier. Schauen wir doch mal in die Sendungsverfolgung für das erste, sage und schreibe gut 10kg schwere Paket mit diverser Bootsaustattung: Zugestellt am Mi, 28.08.2019 11:23 Uhr!!! Auch die zwei anderen, großelterlichen Päckchen kamen problemdurch durch. Also machten sich die Jungs auf einen kleinen Spaziergang durch Playa Blanca zum TO-Stützpunk, wo wir herzlichst begrüßt wurden und nach eine kurzen Plausch dann sogar noch zum Boot zurück gefahren wurden!

Nun fehlte nur noch die etwas später abgeschickte Lieferung von Lunatronic, die im Gegensatz zu den anderen Paketen anscheinend nicht ohne offizielle Zollinhaltserklärung auf den Weg gebracht werden konnte. Immerhin war sie nach inzwischen gewohnter Laufzeit auf den Kanaren und am 10. September war es soweit. Die Sendungsverfolgung zeigte am Vortag das bekannte zweite „Classificado“ und allen Unkenrufen zum Trotz kam auch dieses Paket problemlos an. Es wurde von Erhard dann sogar noch zu uns an Bord gebracht. Noch einmal ganz vielen lieben Dank für Deine Unterstützung!!!

Epilog: das war es dann erstmal mit Post für die Samai

Demnächst sind wir aus Europa raus. In Sachen „Post“ nicht gerade eine Erleichterung. Wenn man dann noch von den horrenden Zöllen in Brasilien und Argentinien liest, kann man es eigentlich nur noch bleiben lassen. Chile soll etwas besser sein. Gute Nachrichten für die Kinder… vielleicht gibt es ja doch verspätete Weihnachtsgeschenke aus der Heimat?! Aber ansonsten muss es das jetzt gewesen sein. Was nicht an Bord ist wird entweder vor Ort besorgt oder ist halt nicht an Bord. Das hat in früheren Zeiten ja auch irgendwie funktioniert.

Muss das wirklich sein, Aquamarijn?

Der Segler an sich… so begann lange Jahre eine lesenswerte Zeitschriftenkolumne, ja dieser Segler hält sich selbst meist für ein soziales Wesen. Auf dem Wasser wird gegrüßt, beim Anlegen gerne geholfen und am Steg kommt man schnell ins Gespräch. Und natürlich wird Rücksicht genommen… also meistens. Jedenfalls ist es kein Problem, sich auf – unter Seglern ohnehin freundliche – Nachfrage bei Bedarf zu verholen, damit noch ein anderes Boot an den Steg passt. Es geht aber auch anders. Ich komme gerade vom Hafenmeister zurück und sehe, dass der Segler, welcher schon vor meinem Abmarsch sehr dicht aber wortlos an uns vorbeigefahren war, nun doch hinter uns festgemacht hat. Sein Anker hängt keinen halben Meter von unserem am Davit hängenden Schlauchboot entfernt. Nicht schön, aber da kommt auch schon der andere Skipper… wahrscheinlich mit der oben genannten Frage und dem Angebot, uns beim Verholen nach vorne zu helfen. „Hi, das passt schon. Wir können nicht weiter nach hinten aber das passt schon.“

Nun ja, das hatte ich schon auf den ersten kurzen Blick nicht geglaubt. Als dann der Schwell einer einfahrenden Fähre für Bewegung sorgte, wurde sogar sein Blick skeptisch. Und jetzt? Er fängt an darüber zu philosophieren, wie voll und eng es im Oktober in Las Palmas sei. Ist irgendwie am Thema vorbei und interessiert in diesem Moment auch nicht wirklich. Ich habe Angst um unser Dinghy und verleihe dieser Sorge zugegebenermaßen fäkalsprachlich deutlich Ausdruck. Er ist dagegen anscheinend immer noch der Überzeugung, dass das alles schon seine Richtigkeit hat. Natürlich haben wir uns dann verholt. Da bin ich von ganz alleine drauf gekommen. Und natürlich hat der andere Skipper trotz dankender Ablehnung meinerseits unsere Mittelleine mitgeführt… und sich dabei bewogen gefühlt, unserer am Bug arbeitenden La Skipper auch noch – zumindest aus seiner Sicht – gute Ratschläge zur Leinenarbeit zu geben. Nun ja, auf ein Bierchen im Cockpit werden wir uns in diesem Leben sicher nicht mehr treffen. Aber es kommt ja noch besser!

Jeder Mensch ist Ausländer… fast überall. Das gilt in besonderem Maße für uns Segler auf großer Fahrt. Wir sind Gast und sollten uns dann zumindest auch so benehmen, wie wir es von Gästen bei uns erwarten würden. Vielleicht war es ja auf dem anderen Segelboot einfach nur nicht bekannt, dass das Angeln in diesem Hafen inmitten eines Naturschutzgebietes nicht erlaubt ist. Das sollte sich aber spätestens dann geändert haben, als der Kapitän einer einfahrenden Fähre den eifrigen Angler auf eben diesen Umstand hinwies. Dieser Hinweis wurde wortlos zur Kenntnis genommen, der Inhalt aber spätestens jetzt verstanden. Umgehend wurden die zwei Angeln unter Deck geräumt. Das war gerade rechtzeitig, bevor der Security-Mitarbeiter des Hafens vorbei kam, um noch einmal persönlich zu informieren. Als Antwort erhielt er ein frei erfundenes Gespräch zwischen Angler und Fährkapitän. Nicht schön, aber wenn man sich so besser fühlt… doch die richtige Show kam ja erst noch. Mit einer gänzlich anderen „Big-Game-Fishing“-Angel kam der andere Skipper plötzlich an Deck und schrie (sic!) der sich schon wieder auf dem Rückweg befindlichen Security hinterher, dass er hier im Leben nicht geangelt, sondern nur die Leinen dieser grandiosen, für einen Hafen ohnehin völlig ungeeigneten Angel gereinigt habe. Zur Verdeutlichung rannte er immer noch lautstark lamentierend auf dem Steg hinterher. Solche Gäste kann man sich doch nur wünschen, nicht wahr?

Das Schauspiel wiederholte sich am nächsten Tag sogar noch, als ein anderer, anscheinend höher gestellter Security-Mitarbeiter vorbeikam. Zwar bestimmt, dabei aber ganz ruhig und freundlich erklärte er, das Angeln selbst beobachtet zu haben. Das sei verboten, habe aber jetzt keine Konsequenzen. Allerdings solle es ab jetzt bitte nicht nochmal passieren, sonst müsse eine Strafe verhängt werden. Und dann das unglaubliche Déjà-vu. Erneut sprang der Ermahnte laut schreiend der sich schon entfernenden Security auf dem Steg hinterher und log, dass sie die Balken bogen. Meine Bewunderung gilt seinem Gegenüber. Ich weiß nicht, ob ich an seiner Stelle so ruhig geblieben wäre. Zum Abschluss versuchte der andere Skipper dann noch beginnend mit „Das ist doch wirklich unglaublich…“ bei uns Bestätigung zu finden. Leider vergeblich. Er verließ uns mit einem mir glücklicherweise unverständlichen Kommentar.

Und die Moral von der Geschichte? Der Segler an sich ist auch nur ein Mensch. Diesen gibt es in vielen Versionen und auch wenn man mit den meisten segelnden Vertretern dieser Spezies auf Anhieb gut klar kommt, so geben doch andere triftigen Grund zum Fremdschämen. In den seltenen Momenten, an denen ich beginne ob der äußeren Umstände innerlich zu verzweifeln, rufe ich mir Situationen wie die hier auf La Graciosa erlebte in Erinnerung. Als abschreckendes Beispiel. Möge niemals jemand Grund oder auch nur wagen Anlass haben, sich meiner derartig zu schämen! Das muss wirklich nicht sein.

Kanarische Inseln voraus!

Skipper: Bei schönstem Wetter und mit recht guter, raumer Windvorhersage für die nächsten Tage, wagten wir uns auf den langen Schlag zu den Kanarischen Inseln. Über 600sm am Stück hatten wir mit unserer Samai bisher noch nicht vor dem Bug. Doch wenn man mal ein wenig an die nächsten Monate und Jahre denkt, dann sollte uns das nun wahrlich nicht schrecken… sonst können wir das mit dem Pazifik auch gleich bleiben lassen.

So lässt es sich leben!

Maila: Es war heute ein schöner, sonniger Tag. Die Welle kam von schräg hinten und es hat geschaukelt. Deswegen mussten wir uns auch erst daran gewöhnen an das Geschaukel und konnten kaum gut schlafen. Der zweite Tag war eigentlich schon ein bisschen besser als der erste und uns war nicht übel. Dann konnten wir auch besser schlafen, aber nicht am besten. Papa hat natürlich die ganze Zeit Nachtwache gehalten und Mama hat so um sechs mit ihm getauscht. In der zweiten Nacht wurde Papa plötzlich angesprungen.

Skipper: Ich war gerade auf einen allgemeinen Kontrollblick nach oben hinter das Steuerrad gegangen, als ich in der linken Seite etwas merkte. Es war wie ein leichtes, freundschaftliches Knuffen eines Kumpels. Allerdings war ich ja nun mal alleine hier oben. Haben wir einen Klabautermann an Bord?

Maila: Nein, es war ein kleiner Tintenfisch! Wir haben uns auch gewundert, weil Tintenfische eigentlich nicht jemanden anspringen. Ich habe vermutet, dass sie gespielt haben und Papa nicht gesehen haben.

Unerwarteter Besuch an Bord

Skipper: Vielleicht ist aber auch ein tintenfischiges Männlichkeitsritual, dass die Jugend erst ein vorbeifahrendes Segelboot überspringen muss um in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen zu werden… und das klappt halt nicht immer.

Maila: Papa hat erstmal eine Taschenlampe geholt und geguckt, was das war. Und da war ein Tintenfisch. Er hatte Tentakel und man konnte in ihn reinsehen, weil er ganz durchsichtig war. Und dann hat Papa ihn in einen Eimer voller Wasser getan, weil er uns den zeigen wollte.

Skipper: Allerdings hat sich der Kleine offensichtlich nicht sehr wohl gefühlt. Schon nach wenigen Sekunden sah ich eine kleine schwarze Wolke im Wasser. Mehrere Male gab er seine Tinte ab, bis in dem Eimer nur noch eine dunkle, undurchsichtige Flüssigkeit zu sehen war.

Maila: Als wir dann aufgewacht sind, war der Tintenfisch leider irgendwie gestorben und Papa hat mir das Foto, als er noch dursichtig war, gezeigt. Und dann wollte ich ihn erst nicht sehen, aber dann habe ich ihn angeguckt und da lag er in einer Box mit Wasser drin und er war gar nicht mehr durchsichtig, nämlich ganz dunkel.

Am nächsten Morgen

Skipper: Das Wasser strahlte im Sonnenschein dagegen alles andere als dunkel, sondern in einem wunderschönen, tiefen Blau. Es ist ja keine große Neuigkeit, dass das „Blauwassersegeln“ genau deswegen so genannt wird. Aber all dieses Wissen kann einem nicht die Schönheit vermitteln, die ebenso wenig auf einem Foto festgehalten werden kann, wie die Höhe von Wellen… diese Farbe muss man mit den eigenen Sinnen wahrnehmen.

Maila: Es war so tief, dass unser Messgerät, wie tief es ist, es gar nicht mehr anzeigen konnte, weil das Signal nach unten geht und dann wieder nach oben. Das dauert dann so lange, dass wir schon weg sind, weil wir schon weiter gefahren sind.

Blau

Skipper: Unterwegs haben wir auch erstmals unsere große Angel benutzt, allerdings noch ohne Erfolg. Wir waren zwar schnell genug unter Segeln unterwegs, allerdings passte der Köder wohl nicht wirklich. Auf den Kanaren werden wir mal nach den uns empfohlenen Hochseewobblern Ausschau halten. Damit sollt es dann auf dem weiteren Weg zu den Cap Verden hoffentlich mal klappen. Trotzdem hatten wir nicht nur den einen, oben beschriebenen Tintenfisch gefangen. Unglaublich, aber wahr: in der darauffolgenden Nacht hat tatsächlich noch ein zweiter Tintenfisch den Weg an Bord gefunden… dieses mal auf das seitliche Laufdeck!

Maila: Im Laufe des Tages haben wir auch Delfine gesehen und die haben vorne mit dem Schaum gespielt. Wir durften mit Rettungsweste auch nach vorne und wir wurden manchmal auch ein bisschen nass. Und da waren Delfine und haben gespielt. Dann, als wir zurückgehen wollten, war hinter uns auch noch die Gruppe und Samuel hat gesehen, wie einer eine Schraube in der Luft gemacht hat. Das ist, wenn ein Delfin hoch springt und sich um seine eigene Achse dreht. Am letzten Abend beim Sonnenuntergang, als Papa gerade geschlafen hatte, sind relativ kleine, aber schöne Delfine gesprungen. Richtig aus dem Wasser. Leider waren sie nur kurz da, aber trotzdem war es wunderschön, die Delfine am Sonnenuntergang zu beobachten.

Skipper: Nach ziemlich genau 4 1/2 Tagen kamen wir schließlich auf La Graciosa an. Im Hafen waren wir sogar schon ein kleines bisschen früher fest. Doch hier braucht man eine „Authorisation“. Ich hatte zwar entsprechende Emails abgeschickt, aber nie eine Antwort erhalten und somit nichts in der Hand. Folgerichtig schickte uns die Security auch um halb zwei nachts gleich wieder raus. Wir könnten ja erstmal vor der Playa Francesca ankern. Ok, da braucht man zwar auch eine Erlaubnis und auch hier hatte ich auf meinen Antrag nie eine Antwort erhalten. Aber wenn das den netten Spanier nicht störte, sollte uns das auch egal sein.