Dinghy auf der Intensivstation

29. Mai 2021 – Nachmittag

Heute ist kein guter Tag. Die Stimmung an Bord ist gedrückt. Das wie üblich trübe Wetter des Nachmittags tut sein Übriges. Wenigstens ist der Gewitterstarkregen schon durch. Der für gestern geplante Einkauf ist auch noch nicht erledigt. Also nimmt sich der Skipper Rucksack, Tasche, Portemonnaie sowie Handy, setzt sich ins Dinghy und paddelt los.

Wo soll ich anlegen? Die Wahl fällt auf den schon letztens benutzten Platz hinter einer der Mülleimer-Phalanxen. Hierzu eine kurze Erklärung: in Costa Rica wird konsequente Mülltrennung betrieben. Also zumindest was die Auswahl der überall bereitgestellten Abfallbehälter angeht. Hier in der Banana Bay Marina kommen sie immer im 6‘er-Pack: Glas, Plastik, Aluminium, Papier, Bio und Rest. Schön in stabilen Metallgestellen präsentiert, zieren die kleinen bunten Behälter den Schwimmsteg gleich an mehreren Stellen. Hinter so einer Müllsammelstelle parke ich also mit dem Dinghy.

Schnell sind zwei Leinen an dem Metallgestell festgebunden und Rucksack sowie Tasche liegen auf dem Steg. Jetzt fehlt nur noch der alte Skipper. Dieser nimmt die dargebotene Hilfe gerne an und hält sich an dem stabilen Rahmen der Mülleimer fest. Moment mal… sagte ich „stabil“? Weit gefehlt. Die offensichtlich schon gut durchgerostete Befestigung am Steg bricht. In gefühlter Zeitlupe falle ich rücklings und treffe immerhin das Dinghy. Die Mülleimer treiben zwischen mir und dem Steg. So ein Mist.

Schnell berappelt und dran gemacht, alles Treibgut wieder auf den Steg oder (im Fall von kleinerem Abfall) ins Dinghy zu zerren, werfen und holen. Bei einer stramm nach unten führenden Leine stutze ich zunächst ob des daran hängenden Gewichts. Aber natürlich, da ist ja noch das ganze Gestänge. Langsam ziehe ich es an die Wasseroberfläche. Das Ding soll ich jetzt vom wackligen Dinghy auf den Steg wuchten? An dem ich aktuell ja nicht mal mehr festgebunden bin??? Nun gut, also los…

Doch dann höre ich dieses unvergessliche Geräusch, dass kein Schlauchbootinsasse je hören möchte. Ein kurzes Reißen… gefolgt von beständigem Zischen. Der scharfkantig abgebrochene Fuß hat mir ein Loch ins Dinghy gemacht. Wenigstens ist nur die vordere und somit kleinste der drei Luftkammern betroffen. Trotzdem wäre jetzt durchaus der richtige Moment für einen fäkalen Kraftausdruck. Doch es kommt ja noch besser.

Erst mit dem Finger, dann mit dem Knie dichte ich das knapp 1cm große Loch ab und versuche weiter, das Metallgestell rauszubekommen. Bringt nichts. Und Hilfe kommt natürlich auch nicht. Die zwei Gäste auf der Restaurantterrasse können mich zwar schwerlich übersehen, unternehmen jedoch nichts. Na wenigstens zücken sie auch nicht ihre Handys…

Ich lasse das Loch also Loch sein und klettere auf den Steg. Von hier sollte ich das schwere Ding endlich rausbekommen. Klappt auch schon deutlich besser. Nur, dass der andere abgebrochene – ihr erinnert euch?! – scharfkantige Fuß sich nun am Heck verhakt. Schnell beginnt es zu blubbern. Offensichtlich gibt es nun also noch 1-2 weitere Löcher im Dinghy. Dieses Mal in einer der größeren Seitenkammern. Jetzt ist es endgültig Zeit für den Kraftausdruck!

Hastig werfe ich alles Erreichbare auf den Steg, hechte ins Dinghy und paddel was das Zeug hält. Ziel ist die ankernde Samai. Schnell rutscht die Sitzbank aus ihrer Halterung im immer schlaffer werdenden Seitensegment. Auch die Benutzung des dort befestigten Ruders wird dadurch nicht gerade erleichtert. Ich versuche es anders herum stehend, komme jedoch nur noch langsamer voran. Also wieder „richtig herum“ auf den hinreichend gefluteten (zum Glück GFK-)Boden gesetzt und weiter gepaddelt. Immer mit Blick auf den am Heck befestigten Außenborder, dem ich heute definitiv nicht das Schwimmen beibringen möchte.

An Bord der Samai bemerkt man den hektisch paddelnden Skipper erstaunlich früh. Schnell geht der Davit runter, Dinghy ran und hochgezogen. Nun hängt es hoch und trocken und das übernommene Wasser läuft langsam ab. Geschafft. Durchatmen. Meine äußerliche Ruhe täuscht. Im mir brodelt es. Doch was soll ich meckern? Bringt ja nichts. So entsalze ich mich also erst einmal mit gesammelten Regenwasser und danke für das seit Lissabon wasserdichte Handy in meiner Tasche. Dann noch eine WhatsApp-Nachricht an Gabriela von der Marina. Ihre knappe Antwort lautet „Ok“. Nun gut, später sehen wir weiter.

29. Mai 2021 – Abend

Endlich hört es auf regnen. Es ist also Zeit, das Flickzeug rauszuholen. Zum Glück bringt ja jedes aufblasbare Gerät (Dinghy, iSUP, Kajak etc.) sein eigenes Reparatur-Set mit. Derer haben wir vier. Dazu kommt noch ein neutrales Set. Und mit der kürzlichen Reparatur der Ruderhalterung am Dinghy habe ich gerade mal die erste Klebstoff-Tube aufgebraucht. Heute mache ich fast die zweite leer.

Drei große Flicken und die Schadstellen werden jeweils dünn bestrichen. Fünf Minuten warten und das Ganze nochmal. Eigentlich soll noch eine dritte Schicht rauf, doch ich bin mal mutig und presse die Flicken nach erneuter Wartezeit auf die Löcher. Jetzt muss das Ganze nur noch aushärten. Morgen werden wir ja sehen, ob es hält.

30. Mai 2021 – der Morgen danach

Der Patient hat überlebt. Er wirkt zwar nicht taufrisch, die Ränder der Flicken müssen nochmal etwas nachbearbeitet werden und irgendwo verliert er auch noch ein klein wenig Luft. Aber die Alltagstauglichkeit des Dinghys ist wiederhergestellt und darf sich auch gleich auf einer kleinen Einkaufstour unter Beweis stellen. Mit Erfolg!

31. Mai 2021 – Nachspiel?

Wieder braucht es nur eine kleine Luftinfusion, bevor der Skipper für die Erledigung der Formalitäten an Land paddelt. Im Büro der Marina treffe ich Gabriela und spreche sie natürlich auch auf die lädierte Mülleimer-Phalanx an. Ihr wurde in dieser Hinsicht aber nichts zugetragen. Damit sei das erledigt. Habe ich auch kein Problem mit.

Fast nichts passiert ;-)

Nun hängt das Dinghy also wieder hoch und trocken am Heck. Mal sehen, wie der Luftdruck nach drei Tagen Fahrt in Panama aussieht. Wie auch immer, eine Nachuntersuchung wurde bereits angesetzt.

Anfang Juni 2021

Ich bin ein wenig überrascht. Das Dinghy hat anscheinend keine Luft verloren. Schön prall gefüllt hängt es immer noch am Heck. Na das sind doch mal gute Nachrichten. Wäre doch gelacht, wenn uns so ein kleines Malheur gleich ein ganzes Beiboot kosten würde!

Alltagsprobleme in tropischen Breiten: La Cucaracha!

Ja, das ist wirklich ein sehr eingängiges spanisches Volkslied. Viele Interpreten haben ihre Version in die Welt entlassen. Neu war für mich dabei zugegebener Maßen, dass eine der Versionen ein mexikanisches Revolutionslied sein soll. Der Titel entspricht einem Spitznamen des General Huerta, dem Revoluzzer Pancho Villa wird dagegen gehuldigt.

Wie auch immer. Unter Seglern ist dieses Lied ob seines Titel ohnehin nur leidlich geliebt. In Nordeuropa kein wirkliches Thema, im kalten patagonischen Süden Amerikas keinen verschwendeten Gedanken wert, sind diese Überlebenskünstler in tropischen Gegenden ein präsentes Thema. Auch ohne Spanisch-Kenntnisse habt ihr sicher längst erraten, worum es geht: Kakerlaken.

Kein Segler will sie auf bzw. in seinem Boot haben. Da ist es mehr als eine bedauerliche Koinzidenz, dass es in wärmeren Regionen in praktisch jedem Hafen tendenziell von ihnen wimmelt. Unsere ersten Erfahrungen waren noch auf den Kanarischen Inseln. Auf einer Toilette in Lanzarote verkroch sie sich in einer Ecke. Auf den Stegen von Las Palmas haben wir sie dagegen nicht gesehen. Ganz im Gegensatz zu vielen der nur wenige Wochen später dort abfahrenden Teilnehmer der ARC. Auch Schädlinge haben Saison.

Info für nicht-Segler: Die „Atlantic Rally for Cruisers“ (ARC) ist eine langjährige, ursprünglich von der Segellegende Jimmy Cornell (nochmal vielen Dank für die Widmung!) ins Leben gerufene Institution, bei der alljährlich eine ganze Armada (>200!) Yachten gemeinsam von den Kanaren über den Atlantik in die Karibik segelt … nichts für uns. ;-)

Zurück zum Thema. Wir haben schon seit Brasilien Kakerlakenfallen und Cucaracha-Spray an Bord. Genau darum ist es ja auch ein Alltagsproblem. Es ist wahrlich nicht so, dass jedes Segelboot befallen ist. Aber man sollte in gewissen Regionen immer bemüht sein, den Ernstfall zu verhindern. Dazu gehört das Entsorgen von Papier und Pappe (da legen sie gerne Eier rein) und das Spülen von Schuhen, ggf. auch ganzen Einkäufen und sonstigem in Salzwasser (das tötet wohl Eier ab). Schließlich ist es auch keine schlechte Idee, im Hafen die verwendeten Landleinen mit entsprechendem Spray zu präparieren.

Es gibt etwa 4.600 Schabenarten auf der Welt. Vor allem in den Tropen. In Amerika und fast allen Häfen ist die „Amerikanische Großschabe“ verbreitet. Die hat eine echt unangenehme Eigenart: sie kann fliegen! Was nutzen alle terrestrischen und maritimen Schutzmaßnahmen, wenn der Feind eine Luftwaffe sein Eigen nennt?

Als der Skipper in der Drake Bucht (Costa Rica) die Schutzhülle vom noch am Heck befestigten Außenborder nimmt, stockt La Skipper der Atem. Was krabbelt da? Ja, es ist eine… Sch…!!! Ich schubse sie vom Motor und sie fliegt. Immerhin nicht allzu weit. Der unerwünschte Gast landet im Wasser. Sofort kramt La Skipper zwei Fallen raus und postiert sie an (hoffentlich) strategisch günstigen Stellen. Auch die Nachtruhe wird nun kürzer. Mit gespitzten Ohren hören wir auf jedes unbekannte Geräusch. Krabbelt da was? Bisher zum Glück keine Auffälligkeiten.

Etwa eine Woche später sind wir auf dem Weg von Costa Rica nach Panama. In der Nacht sucht ein kleiner Vogel Schutz in unserem Cockpit. Ich schaue mit der Kopflampe, ob alles in Ordnung ist… und sehe ein Bewegung. Neben dem Vogel stehen zwei Segelsandalen. Unter einer davon lugt ein langer Fühler hervor. Matschtod! Und nun?

Ich spüle die Stelle mit Salzwasser. Überall an meinem Körper juckt es. Psychosomatisch oder trockener Schweiß? Immer wieder reiße ich unter Deck Bodenluken auf und sehe… nichts. Das wird sich die nächsten Nächte sicher (bzw. hoffentlich) wiederholen. In blindem Aktionismus greife ich mir die große Sprühdose. Direkt neben dem Fundort ist die Box für die Rettungsinsel. Von oben sprühe ich hinein. Dann mache ich sie auf, sprühe, sprühe und sprühe nochmal rein, mache sie wieder zu und lasse das Zeug einwirken. Noch zwei Stunden später habe ich den süßlichen Geruch in der Nase. Wie gesagt… reiner Aktionismus aber letztlich Valium für die Nerven.

So… wie ist die Lage? Gute Frage. War der zweite Fund nur wieder der erste, der sich zurück an Bord gerettet hat? Warum gibt es (zum Glück!!!) keine Auffälligkeiten unter Deck? Der Niedergang steht nachts weit offen und auch sonst hat ein Segelboot über Wasser erstaunlich viele kleine Durchgänge nach unten. Liegen irgendwo schon Eier und warten auf ihren großen Auftritt? Wir wissen es nicht. Noch nicht. Hofft mit uns, dass es uns nicht erwischt hat, denn erwischen kann es jeden Segler mit diesem Alltagsproblem… Kakerlaken!

Bahía de Caráquez

Ecuador, Anfang 2021

Von Seglern ist Bahía de Caráquez gefürchtet und geliebt. Ersteres liegt einerseits an der Einfahrt in die Flussmündung des Río Chone. Diese ist zwar sehr breit, allerdings auch sehr, sehr, wirklich sehr flach. Weite Teile fallen bei Niedrigwasser trocken. Die natürlich unbetonnte Durchfahrt geht dicht an der Küste entlang und sollte möglichst kurz vor Hochwasser und zumindest bei Erstbenutzung mit Lotse genommen werden. Trotzdem bleiben nicht zwingend immer mehr als 2m Wasser unter dem Kiel.

Knifflige Einfahrt

Der andere Haken ist der ausgesprochen starke Bewuchs. Das Boot liegt vor Anker oder an Moorings im stark strömenden und von landeinwärts gelegenen Fischfarmen gut gedüngten Fluss. In den zwei Monaten, die wir dort liegen, bildet sich trotz recht frischem Antifouling ein dichter Bewuchs. Ein spezielles Problem ist unsere Schraube. Angeblich gibt es den Service, diese von einem Mitarbeiter der Marina in einen Beutel einpacken zu lassen. Soll helfen.

Auf und im Río Chone schwimmt viel rum

Damit sind wir auch schon beim unbestrittenen Vorteil: Puerto Amistad. Nein, es ist keine Luxusmarina, jedoch vergleichsweise günstig und hat im Grunde alles, was Segler brauchen. Hilfe beim unkomplizierten Ein- und Ausklarieren (Port of Entry), ein nettes Restaurant mit Bootsblick, die Duschen haben meist sogar warmes Wasser, der Wäscheservice ist zuverlässig, Diesel gibt es bei der nahen Tankstelle, nur das Leitungswasser ist in Ecuador leider nicht trinkbar… das Wichtigste aber: Sicherheit! Wir haben unsere Samai hier bedenkenlos alleine liegen lassen können. Die Mitarbeiter der Marina (allen voran Sicherheitschef Miguel!) haben immer ein Auge darauf und prüfen täglich die Moorings. Außerdem dürfte hier zumindest im maritimen Bereich ohnehin jeder jeden kennen…

Letzteres dürfte zum Teil auch mit dem Schicksal der kleinen Stadt zu tun haben. Vor gar nicht langer Zeit war Bahía de Caráquez noch die Vorzeigestadt der Costa Manabita. Selbst ein Erdbeben der Stärke 7,1 im Jahre 1998 konnte das nicht ernsthaft gefährden. Doch dann kam der April 2016. Ein erneutes Erdbeben der Stärke 7,8 zerstörte mitsamt starkem Nachbeben in Minutenschnelle die touristische Infrastruktur. Praktisch alle (Hotel-)Hochhäuser der Stadt stehen immer noch als abrissbereite Ruinen am Rand der verwaisten Promenade. Darüber hinaus wurden bei diesem Beben viele Bewohner getötet, noch mehr verloren ihr Heim. Davon hat sich die Stadt bis heute nicht erholt. Das wird auch bei unserem kleinen Spaziergang an jeder Ecke deutlich.

Das Schicksal hat die Menschen sicher zusammengeschweißt, ihnen dabei aber rein gar nichts von ihrer Freundlichkeit genommen. Überall in den Straßen, Parks, Geschäften und auch auf dem Wasser sehen wir lächelnde Gesichter. Es wird gewunken, gegrüßt, Daumen hoch. Sicher liegt das auch am inzwischen ungewohnten Anblick von offensichtlich ausländischen Touristen. Doch spüren wir nichts von den einschlägigen Hintergedanken. Man möchte uns nichts verkaufen, in Restaurants oder in Geschäfte locken. Man ist einfach nur nett zu uns! Nicht zuletzt das ist es, was wir von Bahía de Caráquez wie auch dem ganzen Land in Erinnerung und im Herzen behalten wollen und werden.

Letzter Tag in der Nicky Amazon Lodge

8./9. März 2021

Die Camping-Tour war echt schön, die Nicky Amazon Lodge ist es aber auch. Wir hatten wohl wegen der eher geringen Auslastung eine große Doppelhütte für uns. Platz ohne Ende. Da wir den Küchenchef wieder wohlbehalten mitgebracht haben, ist natürlich auch das Essen super lecker. Unsere Jüngste bekommt als kleinen Sonderservice jeden Morgen eine Schüssel Reis… so wie es ihr schmeckt.

Rechts das Gemeinschaftshaus mit Küche

So aufgeräumt und hergerichtet das Gelände auch wirkt, der Dschungel beginnt gleich hinter den Hütten. Morgens werden wir von einer lautstark durchziehenden Gruppe Brüllaffen geweckt. Von den Spaziergängen bei Tag und Nacht haben die Kinder schon berichtet. Doch auch in den Hütten bekommen wir immer mal wieder tierischen Besuch.

Kleine Fangschrecke auf einer Klopapierrolle

Am letzten Tag machen wir dann noch einmal einen Kanu-Ausflug zu der nahe gelegenen Laguna Grande. Wo ist die Anakonda? Doch so sehr wir auch danach suchen, bleibt sie uns verwehrt. Dafür genießen wir noch einmal die einmalige Atmosphäre.

Hier ist auch keine Anakonda

Nach erfolgloser Suche landen wir nochmal an und machen einen kleinen Spaziergang. Was wackelt da denn am Boden umher? Unzählbar viele Blattschneiderameisen tragen ihre Last in Richtung Nest. So süß! Und was für ein riesiges Nest. Rom klärt uns umgehend darüber auf, dass diese Blätter nicht zum Eigenverzehr gedacht sind, sondern die Grundlage von Pilzfarmen dienen. Ja, die Ameisen hegen und pflegen in großem Stil Pilze. Letztlich ist es eine Symbiose. Die Insekten liefern Nahrung sowie auch Schutz vor einem ihren Pilz befallenden Schlauchpilz. Im Gegenzug sind die Pilze Nahrungsgrundlage der Kolonie.

Der Transport der Blätter ist eine gefährliche Angelegenheit. Mit der Last auf dem Rücken sind die Träger angreifbar. Zum Glück sind sie nicht alleine. Einerseits sehen wir immer wieder größere Ameisen am Rand der eigentlichen „Straße“. Die stehen Wache gegen Gefahren am Boden. Andererseits werden immer wieder auch kleinere Ameisen auf den Blättern mitgeschleppt. Tatsächlich dienen diese der Verteidigung gegen Angriffe aus der Luft.

Auch im Dschungel gibt es ein Äquatordenkmal. Nein, mit seinem Namensvetter bei Quito ist diese kleine Säule nicht vergleichbar, wenn auch auf beiden eine Weltkugel ruht. Dafür steht dieses hier aber nicht 240m neben dem Äquator.

Den Abschiedsabend in der Lodge begehen wir mit Kuchen und Musik. Auf jedem Tisch steht ein leckerer Nachtisch. Unser Koch Fredy beweist, dass er auch mit der Gitarre umgehen und echt schön singen kann. Ein wirklich stimmungsvoller Ausklang.

Am nächsten Morgen fahren wir dann noch ein letztes Mal mit dem Kanu durch den Dschungel. Auch wenn der am allerersten Tag noch tief empfundene Zauber des ersten Eindrucks etwas verflogen ist, können wir uns nicht satt sehen.

Am Ausgangs- und Endpunkt unseres kleinen Dschungelausflugs wartet schon der Fahrer. Wieder steht uns eine stundenlange Fahrt bevor. Zurück nach Quito. Doch unsere Rundreise beenden wir entgegen der ursprünglichen Planung noch nicht. Ein wenig sammeln, zur Ruhe kommen und Eindrücke verarbeiten, ohne gleich im Bootsalltag gefangen zu sein. Kurzerhand hängen wir zum Ausklang noch ein paar Tage im Nebelwald ran. Eine gute Entscheidung.

Samuels Schätze

Maila auf Matschwanderung im Dschungel

8. März 2021

Erst mal Frühstück. Wie immer mit ganz viel Reis. Danach will Rom mit uns eine kleine Wanderung um die Lodge machen. Wir gehen Richtung Bootsteg und finden wieder die Ameisenstraße. Wir biegen in einen Weg ein. Dann zieht eine Gruppe Brüllaffen über die Bäume vor uns hinweg. Und dieses mal machen sie ihrem Namen nicht die Ehre. Bald ist es gut, dass wir Gummistiefel anhaben, denn wir müssen durch einen flachen Fluss waten. Das ist sehr lustig! Immer wieder sinken wir ein und müssen uns an dem vor uns festhalten. Der kommt dann meistens ins Wanken. Das ist dann lustig.

Dann haben wir es endlich geschafft. Der Führer hatte keine weiteren Probleme und hat gewartet. Dann gehen wir weiter. Wir kommen an einem Baum vorbei, der viele, auf meiner Höhe liegende, grüne, etwa faustgroße Früchte hat. Rom sagt, das sie eine sehr harte Schale haben. Aber die Affen lassen sich davon trotzdem nicht abhalten. Sie mögen die Früchte trotz der harten Schale.

Wir finden auch ein Nest von sehr große Ameisen. Tropische Riesen-Ameisen! Sie soll den schmerzhaftesten Stich von aller Insekten haben. Diese „Bullet Ants“ werden bei Indigenen oft für Erwachsenenritualen benutzt. Aua! Schnell weitergehen! Noch mal Schlamm, aber diesmal sehe ich eine Bewegung. Wie sich herausstellt, war es ein Krebs. Schade, dass ich ihn kaum gesehen habe.

Wir haben auch an einem herunter hängenden Blatt eine Ameise gesehen, die wohl von einem Pilz befallen wurde. Wie gruselig!

Danach kamen wir zu einem Platz, wo ganz viele Pflanzen einer Art waren. Da hat Rom gefragt, ob jemand seine Haare färben will. Wie? Was soll das denn??? Dann nahm er den Stängel einer Pflanze. Sie reichten mir gerade zum Knie und hatten außerdem sehr große Blätter. Er riss also einen Stängel ab und zerrieb ihn. Nach einem Hin und Her ließ ich mir die Haare färben. Er rieb meine Haare mit der zerriebenen Pflanze ein und meine Haarsträhne wurde grün. Als er das länger machte, wurde die Farbe immer deutlicher. Die einheimischen sollen die Pflanze auch benutzt haben um ihre Haare zu Färben. Schließlich war er fertig und ging weiter. Die grüne Strähne hielt sich sehr gut.

Rom ist wieder an einer Palme stehen geblieben, hat vier dünne Streifen genommen und sie geflochten. Zu einer richtigen Blätterkrone! Und er hat sie mir aufgesetzt. Sie passte und sah gut aus. Wir haben sie mitgenommen. Die Einheimischen nutzen die stabilen Pflanzen auch für ihre Hüttendächer.

Rom hat uns auch noch den sogenannten „Dschungel-Knoblauch“ gezeigt. Wenn man auf dem Blatt rumkaut, schmeckt es nach Knoblauch. Papa hat das gemacht und bestätigt. Ich wollte eher nicht. Dann weiter. Als nächstes haben wir rote Wurzeln gefunden. Das Rot dient dazu; Feinde abzuschrecken, die die flachen Wurzeln vielleicht essen wollen. Dann weiter.

Er hat eine kleine Springspinne entdeckt. Wir haben sie beobachtet. Dann haben wir lieber einen großen, schwarzen Tausendfüßler beobachtet. Der hat sich um ein Blatt geringelt. Ich habe alle gewarnt, dass sie ja nicht auf den Tausendfüßler drauf treten sollen. Jeder hat sich dran gehalten!

Rom hat einen schwarzen Frosch entdeckt. Der saß auf einem Blatt. Nach kurzem Lauf haben wir ein großes, ziemlich niedrig gelegenes Ameisennest gesehen. Die Ameisen sind nicht giftig, aber viele und nervig. Wenn man sein Arm ran hält, dauert es lange, bis alle Ameisen wieder runter sind. Man nennt sie auch „take off your underwear ants“. Manche drücken ihre Hunde an solche Nester und wenn der los hechtet heißt es, er sei ein guter Jagdhund. Das finde ich nicht so toll.

Eine Matschpfütze! Ich halte Ausschau nach einen Krebs, doch vergeblich. Vor uns kommt ein riesiger Baum in Sicht. Ein Kapok-Baum. Der größte Baum im Dschungel. Dort hingen lange Wurzeln am Baum runter. Da kann man vielleicht dran hochklettern. Wir suchen uns eine stabile aus und versuchen, daran hoch zu klettern. Ein bisschen schafft Samuel es.

Dann kommen wir auf die Idee, daran zu schaukeln. Wir schubsen Samuel an und es klappt. Es macht sogar Spaß. Ich probiere es auch mal. Lange geht es nicht, da man irgendwann abrutscht. Aber es macht Spaß! Ich und Samuel wechseln uns ab. Bis wir auf die Idee kommen, eine Wurzel des großen Baumes ein Stück hoch zu klettern und den Schwung zu nutzen. Und es klappt. Die Wurzel ist ziemlich rutschig zum Draufklettern, doch es macht Spaß!

Irgendwann müssen wir leider weiter. Ich bin enttäuscht. Ein Baum mit stacheligen Wurzeln. Sehr interessant. Die Stacheln sind sehr spitz. Man kann Früchte damit aufreiben. Rom hat es uns gleich gezeigt. Als wir weiter gegangen sind, haben wir eine Palme gesehen, die den ganzen Stamm voller pikesiger Stacheln hat. Daraus macht man auch die Pfeile für Blasrohre. Bloß nicht anfassen, denn das kann wehtun!

Eine schöne Blüte hat er uns am Ende noch gezeigt. Sie hatte ganz besonders geformte Blütenblatter, womit sie Wasser auffängt. Sie war orange-gelb und roch gut.

Danach war die Führung auch schon wieder beendet. Sie war aber sehr spannend!

Maila