Ja die Sissi. Wie oft wollte sie schon von Aruba verschwinden und wie oft hat es nicht geklappt. Der letzte Nackenschlag ist, dass einer der für Bonaire obligatorischen PCR-Tests vor Abfahrt positiv ausfällt. Erstaunlicherweise bleibt der andere Bootsbewohner konsequent negativ. Glücklicherweise zeigen beider keinerlei Symptome. Wie auch immer… einige Tage Bootsquarantäne, zusätzlich Schnelltests vorab sowie ein letztlich negativer PCR-Test räumen die bürokratischen Hürden beiseite. Die Erlaubnis zur Einreise liegt vor. Leinen los von der klebrigen Insel Aruba… ENDLICH!
Konsequenz der verspäteten Abfahrt ist ein praktisch geschlossenes Wetterfenster. Es war so schön ruhig, doch nun weht es mit konsequent 5 Windstärken genau auf die Nase. Dazu eine unangenehme Welle. Da schieben auch 75 PS nur langsam voran. Und auch der gemäßigte Langkieler kann die Seekrankheit des wenig erfahrenen Mitseglers nicht verhindern. Wenigstens ist sie zwar intensiv, aber mit etwa einem Tag nur von vergleichsweise kurzer Dauer.
Ich kann da ja glücklicherweise nicht richtig mitreden. Bisher blieb ich davon verschont. Doch nach allgemein herrschender Meinung gibt es bei einer ordentlichen Seekrankheit drei Eskalationsstufen:
Ein kräftiges Unwohlsein inkl. Erbrechen.
Der Wunsch zu sterben.
Die Erkenntnis, dass man nicht sterben wird.
Die Fahrt der Sissi von Aruba nach Bonaire zieht sich. Es ist schon dunkel, als sie endlich auf unserem Bord-AIS auftaucht. Kurze Zeit später begrüße ich Jörg über Funk. Zur Sicherheit hatten wir am Nachmittag schon eine günstig gelegene Mooring mit unserem Fender belegt. Das erleichtert nun das nächtliche Manöver. Gegen halb zwölf (eigentlich längst allgemeine Schlafenszeit an Bord der Samai) steige ich ins Dinghy und fahre der Sissi entgegen, um sie die letzte Meile zu begleiten und ihre Leinen anzunehmen.
Geschafft. Sicher vertäut liegt der neue, bzw. altbekannte Nachbar zwar nicht an der berüchtigten Mooring direkt hinter uns, aber doch in guter Sichtweite auf der anderen Seite der Nautico Marina. Es ist spät. Alle sind müde. Doch ein seglerisches Ritual ist auch jetzt noch erste Skipperpflicht: das Anlegerbier… natürlich von Boot zu Dinghy! ;-)
Alle sagen, dass man in Bonaire über einem Korallenriff liegt. Darum sind die Erwartungen, an die Fischwelt natürlich groß. Das Korallenriff besteht aber hauptsächlich aus ein paar Hirn- und vielen toten Korallen. Aber Fische gibt es hier dennoch reichlich. Einer hat es sich sogar in unserem Bugstrahlruder häuslich eingerichtet
Gestreifter Sergant
Auch immer wieder unter dem Boot sehen wir einen „böse-guck-Fisch“, bei denen die Jungtiere übrigens ganz anders aussehen. Aber das ist bei den Fischen hier öfter so.
Dabei war noch gar nicht die Rede von der einzigen „Oase“ unter Wasser. Bei der Oase handelt es sich um einen einzigen Ort im ganzen Mooringfeld, bei dem haufenweise Korallen wachsen. An dieser Oase sind noch viel viel mehr Fische zu finden.
„Oase“Französische Grunzer
Gelbstreifen-Grunzer (in der Mitte )Gelbschwanz-Demoiselle (links unten)Gelbschwanz-Demoiselle (Jungtier)Gefleckte Meerbarbe
Doch es gibt hier nicht nur harmlose Fische, sondern auch gefährliche Tiere wie zum Beispiel …
Gefleckter Adlerrochen
Gefleckte Muräne
Am Anfang habe ich auch die folgenden Fische für Muränen gehalten. Doch es sind nur Aale
Das war noch nicht alles. Ich habe mir noch ein paar super-schöne Bilder von der Unterwasserwelt im Mooringfeld aufgehoben. Davon das nächste Mal mehr.
Sie haben uns verlassen. Unser Nachbar-Kat ist abgefahren. Leer und einsam liegt die Mooring hinter uns. Doch nicht lange. Der Platz ist zu verlockend. Eine 56’er-Bavaria Cruiser mit netter Sechsercrew macht unter gelber Quarantäneflagge fest. Willkommen in Bonaire und auf gute Nachbarschaft!
Zumindest für das Frühstücksbegleitprogramm des nächsten Morgens tragen unsere neuen Nachbarn selbstlos Sorge. Gerade haben sie ihr Dinghy an der Mooring festgebunden. Der Rudergänger gibt schon mal Fahrt voraus, während die zwei Jungs am Bug zunehmend hektisch mit den Mooringleinen kämpfen. Gerade noch rechtzeitig bekommen sie sie los. Der Rudergänger fährt unbeirrt voraus… jeder halbwegs erfahrene Segler ahnt schon, was jetzt kommen muss…
Zeitgleich mit dem absterbenden Motorgeräusch bricht eine gewisse Geschäftigkeit an Bord aus. Offensichtliche Ferndiagnose: Leine in der Schraube. Kann jedem mal passieren. Ist auch uns schon passiert, noch dazu im winterlichen Patagonien. Aber immerhin sind wir dafür nicht unbeirrbar durch ein Bündel Leinen motort.
Drei der Jungs springen ins Wasser. Ich kann mir ein Foto nicht verkneifen. Freundliches Grüßen. Einige Zeit später haben sie die Schraube wieder frei. Jetzt bei der Abfahrt nur noch rasch mit einer Leine eine der Trageschlaufen vom Dinghy abreißen und der der Tagesausflug kann endlich starten.
Offensichtlich geht es Richtung Klein Bonaire. Ob sie wissen, dass Boote über 45 Fuß an den gelben Tauchmoorings nicht festmachen dürfen? Ob sie wissen, dass diese Moorings allgemein nur für zwei Stunden belegt werden dürfen?? Ob es sie überhaupt interessiert???
Wie auch immer… Sonnenbrille auf und lächeln. Wir wünschen jedenfalls einen entspannten Tag! :-)
Die Nachrichten werden weiterhin von dem einen, alles beherrschenden Thema dominiert. Das Leben hat sich geändert. Kaum jemand macht sich heute noch auf den Weg, ohne einen Mundschutz zumindest in der Tasche dabei zu haben. Das Lächeln seines Gegenüber erkennt man meist nur noch an den Augen.
Dabei war das hier in Bonaire bis vor Kurzem noch relativ locker gehandhabt. In den großen Supermärkten waren Masken zwar empfohlen, aber keine Pflicht. Vor allem jüngere Menschen nahmen sich diese Freiheit. Damit ist es seit einer Woche vorbei. Seit dem 4. Januar gelten verschärfte Regeln. In die Geschäfte darf jeweils nur noch ein Mitglied eines Haushaltes oder einer Gruppe. Die Maske ist ebenso Pflicht wie die Benutzung von Einkaufswagen/-korb.
Die Einreisevorschriften wurden ja schon am Tag vor Weihnachten angepasst. Ungeimpfte müssen grundsätzlich in eine 5-tägige Selbstquarantäne gehen. Und unabhängig vom Impfstatus sind für die Einreise in der Regel nun zwei PCR-Tests (einer vor Abreise und einer nach fünf Tagen) sowie ein Schnelltest (bei Ankunft) notwendig. Bei einer vierköpfigen Familie gehen diese PCR-Tests übrigens ganz schön ins Geld. In Panama waren über 300$, in Aruba sogar über 500$ fällig. Wohlgemerkt für eine Testrunde!
Trotzdem ist in Bonaire (wie schon in Aruba) gerade Hochsaison. Dabei gibt es allerdings eine Verschiebung. In der Autovermietung haben sie zu dieser Zeit normalerweise je 40% niederländische und amerikanische Kunden. Aktuell sind es zu 70% Niederländer, die sozusagen „Urlaub im eigenen Land“ machen.
Aktuelle Regeln seit 4. Januar
Tja und dann gibt es da ja auch noch die Kreuzfahrer. Wer kann nach den Nachrichten der letzten Wochen noch an die von den Veranstaltern gebetsmühlenartig verbreiteten Sicherheitsbekundungen der schwimmenden Hotelburgen glauben? Das amerikanische Seuchenkontrollzentrum CDC überwacht dutzende Schiffe (jedoch weder AIDA noch Mein Schiff). Trotzdem gibt es genug Nachfrage von Menschen mit Anspruch(?!). Selbst im kleinen Bonaire mit seinen nur gut 20.000 Einwohnern legt fast jeden Tag ein Kreuzfahrer an. Gerade gestern sorgt die AIDAperla dafür, dass in den Straßen Kralendijks sehr viel deutsch gesprochen wird. In zwei Wochen ist sie schon wieder hier. Heute dagegen dominiert bei der Regal Princess englisch mit US-Akzent.
Abfahrt Regal Princess
Aber wie machen die potenziellen Superspreader-Kreuzfahrer das eigentlich mit den strengen Einreisevorschriften? Einfache Antwort: gar nicht. Nein, sie brauchen keinen extra PCR-Test für Bonaire. Ich habe bisher auch vor kaum einen Souvenirladen wartende Partner gesehen (Stichwort: eine Person pro Haushalt). Auf den Ausflugsbooten nach Klein Bonaire herrscht dichtes Gedränge. Morgens wird die Insel geflutet und abends wieder alles eingesammelt. Was soll schon passieren?! Ist ja nur ein kurzer Stopp. Zumindest für die jeweiligen Passagiere. Aus Sicht der Insel ist es ein regelmäßiges Ereignis und die Annahme, dass das keinen Einfluss auf die aktuell auch hier steigenden Zahlen haben soll, wohlwollend gesagt „naiv“.
Manchmal kommen sie nicht alleine! :-(
Wir passen uns an. Bevorzugt gehen wir an den wenigen besuchsfreien Tagen an Land. Um die meist gut erkennbaren Kreuzfahrer machen wir einen großen Bogen. Ist das nicht möglich, tragen wir auch auf offener Straße gerne mal einen Mundschutz… und hin und wieder sieht man uns dabei trotz allem Lächeln… vor allem mit den Augen. ;-)
Der Bonaire National Marine Park muss geschützt werden. Da sind sich alle einig. Alleine über die Prioritätensetzung gibt es hier aktuell einige Diskussionen. Obwohl es sich dabei eigentlich weniger um Diskussionen als die Information über vollendete Tatsachen handelt. Es geht um die Abwasser im Allgemein und die Segler im Besonderen.
Menschliche, insbesondere mit Fäkalien versetzte Abwasser sind nicht unbedingt das Beste für eine blühende Rifflandschaft, wie es sie hier in Bonaire gibt. Das steht außer Zweifel, selbst wenn andere Faktoren wie globale Erwärmung, Plastikmüll etc. bequemer Weise ignoriert werden. Folgerichtig ist man auf Bonaire dabei, die gut 20.000 Bewohner der Insel nebst diverser Hotels endlich mal an eine funktionierende Kanalisation mit Abwasseraufbereitung anzuschließen. Sehr löblich. Wenn auch fast 90% noch entweder eine veraltete Sickergrube oder eine etwas modernere, inzwischen aber auch oft leckende Abwassergrube haben. Wie gesagt… kleine Schritte auf einem richtigen und lobenswerten Weg.
Doch dann kommt jemand auf die Idee, uns Segler mal so richtig ins Visier zu nehmen. Hier gibt es etwa 50 Mooringbojen für meist besuchende Segelboote. Dazu kommen noch ein paar Marinaplätze. Das sind bei einer typischen Besatzung von 2 Personen, einigen größeren Crews, aber sicher auch einigen aktuell verwaisten Booten also vielleicht so 200 bis maximal 300 Personen. Und alle diese Boote liegen an einem schmalen Küstenstreifen zwischen Kralendijk und Klein-Bonaire. Trotzdem tragen genau sie nach der durchaus plakativ formulierten Titelstory im lokalen 2-Wochenblatt „The Reporter“ Ende November eine signifikante Mitschuld am Leid der Riffe rund um die Insel: „HV yacht pumpout could save our reefs“. (The Reporter, year 28, issue 22, page 1)
Ganzseitige Titelstory
Wer diesen und andere Artikel gerne im Original lesen möchte, kann sich alle Ausgaben des Reporters hier runterladen.
Die Diskussion wird aktuell wirklich hochgekocht. In jeder Ausgabe des Reporters lesen wir Neuigkeiten. Ein sachlicher Leserbrief fordert die federführenden Organisationen des „Water Circles team“ zu einem offenen Gespräch auf. Der Termin findet tatsächlich noch kurz vor Weihnachten statt. Eher einer Informationsveranstaltung: „Many of the yachties reported they felt that their voices were not being heard, that the meeting was designed to manupulate the discussion, and that they were not being treated fairly.“ (The Reporter, y28, i24, p9)
Wie auch immer. Wir wollen uns als Kurzzeitgäste nicht einmischen, sondern an dieser Stelle anderen Segler einen kurzen Überblick geben, was Besucher dieser wunderschönen Insel zukünftig erwartet (Quelle: The Reporter, a.a.O.)
Bereits seit November gibt es eine erste, für 30.000$ installierte Abpumpstation in der Harbour Village Marina. Aktuell ist diese für Segler noch kostenlos, doch das wird sich voraussichtlich ändern.
Ab 1. Januar dürfen Besucheryachten maximal 3 Monate bleiben.
Ab 31. März soll es (endlich) ein Online-Reservierungssystem für Moorings geben.
Ab diesem Zeitpunkt dürfen Boote ohne Fäkalientank die Insel nicht mehr anlaufen. Das Ablaufventil des Tanks wird bei Ankunft versiegelt.
Ab dem 1. Juli steigt die Gebühr für eine Mooringboje von aktuell gut 10$ auf 45$ (sic!) pro Nacht… plus Steuern.
Ab diesem Zeitpunkt dürfen lokale Dauerlieger diese Moorings nicht mehr benutzen, sondern müssen sich um eine private Mooring gekümmert haben. Für die sind dann 1.000$ pro Jahr zu entrichten.
Absolut unklar bleibt, wann das angekündigte, mobile Abpump-Boot zur Verfügung steht. Dieses soll die Yachten direkt an der Mooring ihrer Abwasser und des (aktuell im Hafen abzugebenden) Mülls entledigen, sowie Trinkwasser und „environmental products“ anbieten. Angeblich als Gegenleistung für die drastisch erhöhten Mooringpreise. Wann? Unklar. Zu welchen Kosten? Verschwiegen. Klar scheint nur, dass dieses Boot wohl überhaupt erst durch eben diese ab Juli drastisch erhöhten Mooringpreise finanziert werden soll.
Ebenso wage bleiben die von „Water Circles“ gemachten Aussagen über zusätzliche Service-Dienstleistungen „like a dinghy dock so the cruisers can spend money on shore, laundry facilities and showers“. Abgesehen davon, dass die Nautico Marina für 10$ pro Woche bereits ein (leider oft auch „schwarz“ benutztes) Dinghy-Dock anbietet, ersparen wir uns einen persönlich Kommentar zu der überaus interessanten Logik, dass eine Preiserhöhung von 10$ auf 45$ pro Tag mehr Geld zum Ausgeben an Land übrig lässt…
Zusammenfassend sind wir bei diesen Ausblicken über unser Timing heilfroh!
Samai an der Mooring vor Kralendijk / Bonaire
Abschließend noch ein kleiner „fun fact“: Viele Segler haben ja die Angewohnheit, ihre Toiletten mit Salzwasser zu spülen. Das Problem ist nur, dass die hiesige, neue Abwasseraufbereitung mit dem einhergehenden Salzgehalt gar nicht klarkommt. Aktuell werden alle abgepumpten Abwässer daher in Tanks gesammelt, bis man sich über die weitere Vorgehensweise einig ist. Es sieht so aus, dass man sie so langsam in das System einleiten möchte, dass der Salzgehalt durch die übrigen Abwässer der Insel (wenn denn mal genug Haushalte angeschlossen sind) auf ein handhabbares Niveau verdünnt wird.
In diesem Sinne alles Liebe und immer klare Sicht beim Schnorcheln und Tauchen an den schönsten Stellen der Welt… einige sind sicher und bleiben hoffentlich auch hier in Bonaire zu finden und zu erhalten!