Die gute Nachricht ist, dass es die Ende 2021 aufgegebenen Bestellungen es letztlich dann doch erstaunlich schnell zu uns nach Bonaire geschafft haben. Lustiger Weise gleichzeitig, trotz einer Woche Unterschied beim Versand. Das erste Paket hat einfach eine Woche in Curaçao gewartet…
Als erstes nehme ich mir das Radar vor. Nach dem Auspacken gehe ich in den Mast und nehme das alte 4G-Gerät ab. Da gibt es dann auch schon die erste Ernüchterung. Wieder einmal ein anderer Stecker, als beim neuen HALO-Gerät. Muss ich jetzt wirklich noch ein ein Kabel durch den Mast ziehen? Das hat beim Windmesser ja schon so super geklappt. Na immerhin wäre es nur ein gutes Drittel von der Masthöhe, die überwunden werden muss und auch der Stecker sieht kleiner aus. Ein Problem wird aber die Kabellänge. Es reicht locker unter Deck, aber nicht weiter bis in die Navi-Ecke, wo ich es direkt anschließen könnte. Die alte Verbindungsanschluss sieht so aus:
Sauber und professionell… trotzdem unpraktisch, wenn man nochmal ran muss
Doch es gibt auch gute Nachrichten. Ich habe das neue Radar mal testweise angeschlossen und es funktioniert. Danach halte ich mich dann doch noch an die altbewährte RTFM-Regel („Read The Fucking Manual“). Darin gibt es ein eigenes Kapitel für die Umstellung von unserem alten 4G- zum neuen HALO-Radar. Ich lese und staune: es gibt ein Adapterkabel! Das macht die Installation deutlich einfacher und schneller. Gibt es aber nur als Extra. Kann mir das nicht jemand vorher sagen? Mal sehen, wann und wohin ich das bekommen kann.
Das „Simrad“ wird noch abgekratzt… ;-)
Zur Entspannung packe ich dann noch die Kurzwellenanlage aus. Moment mal. Hatten wir nicht vorher schon die M803‘er-Version? Kann irgendwie nicht sein. Es war das M802‘er-Vorgängermodell. Und da gibt es einen gravierenden Unterschied. In der alten Version ist der Lautsprecher separat. In der neuen Version ist er direkt in das Bedienteil eingebaut, das damit gleich mal ein ganzes Stück breiter wird. Dabei handelt es sich jedoch um einen Platzbedarf, den unser Instrumentenpaneel eigentlich nicht bietet. Also nicht so richtig. Ich muss etwas anderes verschieben und mir dann Gedanken über die Lücke dazwischen machen. Und der schon immer wenig ansehnliche M802’er-Lautsprecher (m Bild links unten) hängt zukünftig nur noch zu Deko-Zwecken rum.
Das passt da ganz offensichtlich nicht rein :-(
Weiterhin komplett offen sind die Themen Pactor-Modem und DC-Blocker für die Kurzwelle sowie das Victron-Gerät für Landstrom und Wechselrichter. So langsam habe ich echt keine Lust mehr!
Bonaire ist ein Taucherparadies. Davon zeugen nicht nur die Nummernschilder der Autos, sondern auch die insbesondere an der geschützten Seite der Insel überall ausliegenden gelben Tauchmoorings. Auch rund um das vorgelagerte Klein Bonaire. Ziel unseres heutigen Bootsausfluges. Doch zunächst binden wir das Dinghy an unsere Mooring. So werden hier in Bonaire besetzte Liegeplätze markiert. Wäre ja auch eine unschöne Überraschung, wenn die liebgewonnene Mooring bei abendlicher Rückkehr plötzlich nicht mehr frei wäre. Handtücher haben sich hier nicht bewährt ;-)
Gelbe Tauchmoorings rund um Klein Bonaire
Entspannt setzen wir Kurs auf die Nordseite von Klein Bonaire. Hier soll ein schöner Strand sein, der auch mehrmals täglich von Wassertaxis, sowie dem Ausflugs-Piratenschiff angesteuert wird. Dementsprechend voll ist es hier. Wir fahren weiter, bis wir eine freie Tauchmooring ausmachen. Es ist die X an der Nordseite. Gefühlt liegen wir hier fast schon auf der felsigen Küste, doch letztlich reichen Abstand wie auch Tiefe locker aus.
Dicht unter der KüsteBadespaß
Die Familie springt natürlich gleich ins Wasser. Ja, es ist schon nett. Mit gutem Auge finden wir recht viele kleinere Fische. Wieder einmal beweist Samuel eine besondere Ausdauer. Aber das ist sicher noch steigerungsfähig.
Direkt unter dem Boot ist es noch einige Meter tief.Karibischer FächerSpotligh ParrotfishDicht an der Küste wird es flach!Blaues Schwalbenschwänzchen… aus der NäheGelbschwanz Demoiselle (Jungtier)Gelbkopflippfisch (Jungtier)Blaukopf-JunkerDreifarben-KaiserfischHarlekin-SägebarschSpanischer Schweinslippenfisch
Nach dem ersten Schnorchelausflug des Tages wollen wir noch eine Ecke weiter. An der Westküste hängen wir uns an die mittig gelegene R. Eine gute Wahl. Gleich nach dem Sprung ins Wasser entdeckt Samuel unter dem Boot einen Barracuda.
Hinter dem Boot wird es schnell tief…… unter dem Boot lauert ein großer Barracuda!
Die Mädels planen dagegen einen Strandausflug. Schnell wird das Kajak ins Wasser gelassen und sie paddeln fröhlich los. Der Korallenstrand ist steinig und voller schöner Entdeckungen.
Der Strand lockt…… unsere Mädels im Kajak :-)Bis bald!
Samuel schwimmt hinterher. Direkt vor der Küste liegt ein Korallenriff, in dem er auf ebenso ausgiebige wie erfolgreiche Entdeckungstour geht. So findet er unter anderem seinen ersten ausgewachsenen Rotfeuerfisch.
Pazifischer Rotfeuerfisch…… hat Besuch von einem gepunktetem Igelfisch…… und dem Skipper! ;-)
Plötzlich verirrt sich ein fliegender Fisch auf den Strand. Der eilig herangerufene Samuel macht sich an die Rettung und wirft ihn zurück ins Wasser. Der Rest der Familie folgt schnell. Hier gibt es wirklich viele schöne Fische und Korallen zu entdecken.
Fliegender Fisch an Land
Palometa
Palometa
Blauflossen-Stachelmakrele
Wieder werden einige Lücken im neuen Fischbestimmungsbuch gefüllt und unser Freediver füllt beständig die Speicherkarte der GoPro… praktisch alle Unterwasserbilder sowohl in diesem als auch den anderen Beiträgen (auf denen er gerade mal nicht selbst drauf ist ;-) sind natürlich von Samuel!
Am frühen Abend machen wir wieder an unserer angestammten Mooring fest. Ein erlebnisreicher Tag liegt hinter uns. So schön, dass schnell der Entschluss gefasst wird, Klein Bonaire in den nächsten Tagen noch einen Besuch abzustatten. Doch das ist eine andere Geschichte.
Das Problem kündigt sich schon in Kolumbien an. Das (aufgerollte) Vorsegel lässt sich immer schwerer rausziehen. Ein Klassiker ist in diesem Fall die dafür zuständige Reffleine. Doch der Tausch bringt nichts. Der manuelle Test am Bug bringt Gewissheit. Die für die Drehung der Rollreffanlage verantwortlichen Trommeln sind gelinde gesagt schwergängig. Die von der kleineren Kutterfock ist inzwischen komplett fest.
Ich frage bei Nils (unserem stets ansprechbaren Allures-Support von Blue Sailing) nach, ob das irgendein komischer Effekt aus dem Blitzschlag sein könnte. Die Antwort kommt umgehend: „Nein, das ist ein Serienproblem vom Hersteller Facnor. Ich schicke Dir mal den Kontakt vom deutschen Service. Mach da mal ordentlich Lärm, dann bekommst Du vielleicht zwei neue Rollen.“ Gesagt, getan. Also die Kontaktaufnahme. Ich habe natürlich einfach nur ganz nett nachgefragt, wie Facnor mein Problem zu handhaben gedenkt. Ein paar Rückfragen später kommt die Frage nach einer möglichen Lieferadresse für zwei neue Rollen. Aruba wird wegen schlechter Erfahrungen abgelehnt, aber Bonaire geht klar. Als wir hier ankommen, wartet das Paket schon im Zoll auf uns. Klar, das wir diese Gebühren selbst zahlen müssen, aber die Rollen bekommen wir auf Kulanz kostenlos. Und das über sechseinhalb Jahre nach Erstwasserung. Das nenne ich – bei allem Ärger über den eigentlichen Fehler – wirklich mal Service.
Doch die eigentliche Arbeit steht mir damit ja noch bevor. Die Rollen wickeln sich schließlich nicht von selbst um die zwei Vorstage. Jetzt kommt mir zugute, dass ich das innere Stag der Kutterfock in Ushuaia schon mal runter nehmen musste. Das ist jetzt nicht einmal nötig. Schließlich muss ich nur von unten ran. Oben kann es fest bleiben. Dafür sind nun aber beide Stage dran.
4. Januar 2022 – Vorsegel bergen
Als erstes holen wir mal die Segel runter. Dabei bieten sich die frühen Morgenstunden an. Da ist es meist noch sehr ruhig. So liegen nun also zwei Vorsegel bei mir in der Koje. Nur gut, dass Samuel schon vor einigen Tagen beschlossen hat, die Nacht oben im Cockpit zu verbringen.
12. Januar 2022 – Vorbereitungen am Stag
Heute ist es also soweit. Bewaffnet mit Werkzeugkoffer, Facnor-Anleitung (RTFM!) und einer gehörigen Portion Optimismus wage mich an den Bug. Was soll schon passieren?! Ich löse ein paar Schrauben. Mal geht es leichter, mal etwas schwerer. Dann kann ich alles oberhalb der Rollen hochschieben. Noch ein paar Schrauben und jetzt sollte sich eigentlich auch die Rolle lösen lassen. Das klappt am vorderen Stag erstaunlich gut. Ausgerechnet am schon einmal abgenommenen Kutterstag kommen gezwungener Maßen „Seglers Allzweckwaffe wenn es klemmt“ WD40 und Hammer zum Einsatz. Aber dann ist es geschafft. Die Spanner der Vorstage liegen frei. Hmmm… sieht aus, als ob auch die noch ein bisschen WD40 mit Einwirkzeit brauchen könnten. Nun gut, dann muss ich für heute wohl erst einmal Schluss machen… it’s five o’clock somewhere ;-)
13. Januar 2022 – Mach weg das Stag
Also eigentlich sind es ja zwei Stage. Großes Werkzeug und durchaus ein bisschen Krafteinsatz sind schon notwendig. Damit lockere ich erst einmal die Spanner der zwei Stage. Dabei zähle ich die Umdrehungen mit. Es ist nichts an Bord um die Spannung von Wanten und Stagen zu messen. Also behelfe ich mir mit Farbmarkierungen für die grobe Orientierung und eben diesem Zählen beim Lösen. Nach 18 bzw. 20 Umdrehungen lassen sich die unten haltenden Schrauben guten Gewissens lösen. Da hängen sie nun schlaff herunter. Aber nur so kann man die blockierten Trommeln tauschen.
Kutterstag
Das geht wie erwartet sehr flott von der Hand. Alleine die erneute Befestigung ist etwas knifflig. Samuel sitzt mit der dicken Schraube bereit und wartet, bis ich genug am Stag gezogen habe, so dass es nicht durchhängt und gerade so lang genug für den Befestigungspunkt ist. Das hört sich leichter an als es ist. Schließlich hängt ja auch noch das ganze Rollreff-Gedöns dran. Doch irgendwann ist es geschafft.
Vorstag
Der Rest dann dann schon fast Routine. Die gemerkte Anzahl (zunehmend kräftezehrender) Umdrehungen auf die Spanner bringen. Neue Splinte rein. Dann noch die ganzen Rollreffeinzelteile zusammen- und anschrauben. Schließlich der Trockentest: Und sie drehen sich doch!
14. Januar 2022 – Vorsegel setzen
Es ist Zeit, meine Bettnachbarn der letzten Nächte wieder hochzuziehen. Das ist nun wirklich schon Routine und geht am windarmen Morgen leicht von der Hand. Als kleinen Bonus fädeln wir zum Abschluss neue Reffleinen ein. Das sind die Leinen, mit denen die Vorsegel gesetzt bzw. vor allem auch wieder eingeholt werden. Ein Weihnachtsgeschenk aus der Heimat für den Skipper. Dafür müssen die alten Schoten (für die Stellung der gesetzten Segel) noch eine Weile durchhalten.
Weihnachtsleinen :-)
Nachtrag – Großfall
Wenn wir schon beim Thema „Leinen“ sind, sprechen wir noch kurz über unser Großfall. Das ist die Leine, mit der das Großsegel hochgezogen wird. Die ist bei und nun auch schon 7 Jahre alt und trotz zwischenzeitlichem Richtungstausch sehr steif und unhandlich geworden. Was für ein Zufall, dass der Skipper ebenfalls zu Weihnachten gleich auch noch ein neues Großfall bekommen hat. Mit Hilfe des alten Falls (sowie über eine Sorgeleine zusätzlich gesichert!) ziehen wir das neue Tauwerk durch den Mast. Klappt erstaunlich gut.
rot-schwarz = alt / gelb = Sorgeleine / blau = neu
So… damit sind wir „leinentechnisch“ einsatzbereit. Die Vorsegel sind endlich wieder nutzbar und auch das Groß sollte nun lockerer von der Hand gehen. Das können wir auf unserer nächsten Etappe gut brauchen…
Einige werden sich denken „Ach nö… nicht schon wieder Esel!“. Wir müssen dagegen halten: „Ach ja… einmal Esel muss jetzt noch sein!“. Schließlich wurden die fleißigen Helfer dereinst nicht nur nach Aruba, sondern auch Curaçao und Bonaire gebracht. Und wo sich im zersiedelten Aruba neben den 127 Tieren im dortigen Donkey Sanctuary nur noch ein gutes Dutzend in freier Wildbahn finden, so leben hier in Bonaire schon über 700 Esel alleine im hiesigen Donkey Santuary. Und kaum verlässt man den kleinen Siedlungsbereich, säumen regelmäßig „overstekende ezels “-Schilder den Straßenrand… gerne auch mal gefolgt von einem Esel… oder mehreren… das ist eine ganz andere Dimension.
Und das mit den Dimensionen betrifft nicht zuletzt auch die schiere Größe des Donkey Sanctuary Bonaire. Ein Spaziergang den Zaun entlang würde sich da echt in die Länge ziehen. Darum ist hier eine kleine Rundfahrt mit dem Auto üblich. Und wieder einmal stellt es sich als wahres Glück heraus, dass wir einen Pickup gemietet haben.
Schon auf den ersten Metern ist die schiere Massen an Eseln überwältigend. Im Schritttempo tasten wir uns voran. Natürlich mit offenen Seitenfenstern. Was liegt aus Sicht eines neugierigen Esels da näher, als kurz mal reinzuschauen. Oder auch länger. Selten allein. Drei Köpfe passen da locker gleichzeitig durch. La Skipper auf dem Beifahrersitz ist nicht ganz so begeistert und verzieht sich schon bald zu den Kindern nach hinten. Ob das wirklich die bessere Wahl ist?
Hallo!
Ziemlich an Anfang halten wir an einem kleinen Aussichtsturm und bekommen so einen schönen Überblick. Aufgrund ungewöhnlich häufiger Regenfälle in den letzten Wochen und Monaten präsentiert sich Bonaire (vor allem in der Ferne) überraschend grün. Uns wird versichert, dass das so nicht der Normalfall ist.
Wir kommen ja nicht als der Esel gänzlich Unkundige hierher und sind dementsprechend vorbereitet. Mehrere Kilogramm leckere Möhren in unserem Rucksack erregen anscheinend schon mit ihrem für uns nicht wahrnehmbaren Geruch für Neugier bei den Eseln. Anfangs mache ich mir den Spaß, den bettelnden Köpfen im Auto nur meine vorher am Gemüse geriebenen Hände hinzuhalten. Es ist immer wieder erstaunlich, wie weich und beweglich die Unterlippen der Esel sind. So süß!
2-3 Esel im Auto ;-)
Doch auch der Rest der Samai-Crew hat hinten auf dem Pickup viel Spaß mit ihrer großen, vierbeinigen Fangemeinschaft. Es sind wirklich SEHR viele Esel hier auf dem Gelände.
Hier kann gerne ein Möhrchen rein!Schlappohr
Kaum hat man eine kleine Herde hinter sich gelassen, kommt auf der Straße Nachschub entgegen. Manch ein Esel stellt sich einfach quer vor das Auto. Das grenzt doch an Wegelagerei!
Ganz viele neue beste Freunde ;-)
Ein neuer Besucher kommt entgegen.
Zurück im Eingangsbereich besuchen wir noch die „Zorgweide“. Hier sind 50-100 Esel untergebracht, die eine besondere Zuwendung brachen. Das sind insbesondere auch werdende oder frisch gebackene Mütter. Uns wird erklärt, dass weibliche Esel in der freien Wildbahn praktisch dauerschwanger sind. Spätestens einen Monat nach einer Geburt stehen die Männchen schon wieder Schlange. Mit anderen Worten ist auch nahezu jeder weibliche Neuzugang im Donkey Sanctuary schwanger.
Die älteren Eselschaften bleiben unter sich…Mit dieser Mähne kann sie nur „Shakira“ heißen!Es gibt auch ein paar Schildkröten…… und vier ehemalige „Hausflamingos“
Der jüngste Neuzugang ist gerade kurz nach Weihnachten geboren, da steht auch schon die nächste Eselin kurz vor ihrer Niederkunft. Das sind hier wirklich ganz andere Dimensionen als in Aruba.
Die Dame vorne links wird bald MutterJüngster Nachwuchs :-)Very special care :-)
Zum Abschluss schauen wir uns natürlich noch im kleinen Andenkenladen um und begrüßen ab heute zwei neue, plüschige Kuschelesel an Bord. Es ist ja nicht so, dass da noch keine wären. Jetzt könnten wir auch noch von einem amerikanischen Jeepfahrer erzählen, der seine wilde Zufahrt direkt vor dem Parkverbotsschild beendet und erst nach freundlicher Aufforderung sichtlich genervt umparkt und danach… aber der Artikel soll ja positiv schließen. Auch der Skipper findet noch ein schönes Andenken. Ohne zu zögern entscheide ich mich für die niederländische Variante.
So können wir uns auch nach unserer Rückkehr in Deutschland immer daran erinnern, dass es sich wahrlich nicht immer um Vierbeiner handelt, wenn einem ein Esel über den Weg läuft. Leider. Denn die ganze Familie hat die langohrigen, liebenswürdigen Tiere wirklich sehr ins Herz geschlossen… das sei nur mal so zur Sicherheit ausdrücklich erwähnt… falls das zwischen den Zeilen bisher noch nicht angekommen ist! In diesem Sinne ein herzhaftes IH-AAAHHH!!! ;-)
Momentan ist es gar nicht so leicht, hier an einen halbwegs bezahlbaren Mietwagen zu kommen. Doch mit ein paar Tagen Vorlauf und hinreichend Flexibilität haben wir es nun doch geschafft. Der Shuttel holt mich fast pünktlich am Steg ab und kure Zeit später sitzen wir alle auf dem Weg zu unserem ersten richtigen Inselausflug im Wagen. Obwohl das auch wieder nicht so ganz stimmt.
Bonaire ist eine ausgemachte Taucherinsel und dementsprechend viele Pick-Ups (Stichwort Tauchflaschen und sonstiges Equipment) im Mietwagenangebot. Unser Exemplar chinesischer Provenienz hat zwar fünf Sitzplätze. Aber auf der Ladefläche fährt es sich viel lustiger. Als erste erlauben sich La Skipper und Samuel den Spaß. Doch Maila hat schon kurze Zeit später ihre anfängliche Scheu verloren. Nun sitzen die Eltern im Auto und die Kinder hinten drauf. So fahren wir Richtung Süden zum „Pekelmeer“.
Unser erster Flamingo in einer Salzpfanne im Pekelmeer
Schon seit etwa 350 Jahren wird hier ein auch heute noch wichtiges Exportgut gewonnen: Meersalz. In großen „Pfannen“ (salt pans) verdunstet Meerwasser, bis das begehrte Salz übrig bleibt und abgeerntet werden kann. In früheren Zeiten ist das schwere Handarbeit. Lange sind es Sklaven, die das Salz mühsam auf Esel verladen und zu den verschiedenen Anlegern transportieren. Von hier bringen kleine Boote die Ware auf die vor den Korallenriffen ankernden Schiffe.
Sklavenhütten beim „Witte Pan“
Oranje Pan
Das Salz wird in vier unterschiedlichen Qualitäten gewonnen. Damit die Händler schon von weitem wissen, was sie wo bekommen, kennzeichnen bunte Obelisken die vier entsprechenden Verladestellen. Die Farben sind typisch niederländisch rot-weiß- blau sowie orange. Dort zeugen heute noch kleine Hütten aus dem 19. Jahrhundert von dieser dunklen Zeit. Klein? Nein, sie sind wahrlich winzig und dienen einst zur Übernachtung und der Verwahrung armer Habseligkeiten.
Sklavenhütten beim „Oranje Pan“
Durch eine „Emanzipationsverordnung“ Im Jahre 1862 kommen die damals noch verbliebenen 758 Sklaven endlich frei. Damit verringert sich auch die Salzproduktion, wird jedoch im Rhythmus der Märkte für gut 100 Jahre weiterhin manuell betrieben. Allerdings auf eher geringem Niveau.
Zwischenstopp am Rand des Pekelmeer
In den 1960‘er Jahren investiert ein US-Unternehmens in eine naturfreundliche, solare Salzgewinnung mit hohem Automatisierungsgrad. Seit 1997 ist die ebenfalls US-amerikanische Cargill Corporation zuständig. Einmal im Jahr wird jeder der großen Salzteiche abgeerntet, die Salzkristalle gewaschen und monatelang getrocknet. Heraus kommen bis zu 2.000 Tonnen Salz pro Stunde(!), das regelmäßig von einem großen Frachter am Salzpier abtransportiert wird.
SalzgewinnungSalzverladung
Ebenfalls in den 1960‘er Jahren entdecken karibische Flamingos (Phoenicopterus ruber) das Pekelmeer und siedeln sich inmitten der nun automatisierten Salzgewinnung an. Heute leben im geschützten Flamingo Sanctuary mehrere tausend Tiere. Es ist die größte und wichtigste Brutkolonie der Karibik! Menschliche Besucher unerwünscht. Lediglich aus der Ferne dürfen wir die großen, typisch gefärbten Flecken bewundern. Immerhin verirren sich auch einige dieser schönen Tiere in die Nähe der Küstenstraße. Hier kann man gut ihr an Gänse erinnerndes Nasengeräusch hören, von dem sie hier in Bonaire ihren Spitznamen „Chogogo“ haben.
Flamingos soweit das Auge reicht…Leuchtturm an der SüdspitzeDer Zutritt zum Schutzgebiet ist streng verbotenFundstück
Vorbei am Leuchtturm fahren wir um die Südspitze von Bonaire und erreichen nun die raue, dem Passatwind zugewandte Seite der Insel. Hier findet sich die etwa 8km2 große flache Lagune Lac Baai. Der Sorobon-Strand im Süden ist ein Paradies für Windsurfer. Brechend voll, sowohl auf dem Parkplatz als auch dem Wasser. Für unseren Geschmack etwas zu viel. Schnell fahren wir weiter.
Weiter geht es…Übervolle Parkplätze am Sorobon-Strand
Einmal rund um die in weiten Teilen schwer zugängliche, teils unter Schutz stehende und von dichten Mangroven gesäumte Lagune fahren wir die holprige Piste zum nördlichen Cai-Strand. Immer wieder sehen wir Flamingos, aber auch Esel und sogar zwei Pferde.
Die Mangroven sind ebenfalls geschütztFlamingos auch in den MangrovenWegelagerer?!
Die Kinder hinten im Pickup werden ordentlich durchgeschüttelt, doch es lohnt sich. Eher eine Domäne der einheimischen Bevölkerung fühlen wir uns hier wohl. Alles etwas ruhiger und entspannter. Am Ufer türmen sich die Reste unzähliger „Großer Fechterschnecken“ (Queen Conch). Streng geschützt dürfen wir nicht einmal daran denken, ein Andenken mitzunehmen. Wir trösten uns mit einem erfrischenden Bad bzw. einer kleinen Vogelpirsch.
Berge leerer „Queen Conch“
Danach machen wir uns zurück auf den Weg zur Samai. Ein schöner Tag neigt sich dem Ende zu. Die ganze Familie ist begeistert. Bonaire hat es uns wirklich sehr angetan und wir sind dankbar für das Glück, hier sein zu dürfen.